Jazzbrief aus Darmstadt
Jazzletter from Darmstadt

Oktober / October 2006


"Der Jazzbrief" hieß eine Publikation, die Aktivitäten des Jazzinstituts Darmstadt beleuchtete, kleinere Beiträge publizierte, die sich aus der täglichen Arbeit des Jazzinstituts ergaben. Wir haben uns entschlossen, den Jazzbrief fürs erste elektronisch fortzuführen. Hier wollen wir Gedanken und Diskussionen öffentlich machen, die wir im Jazzinstitut führen, laden alle Leser dazu ein, sich an diesen Diskussionen zu beteiligen und uns ihre eigene Meinung mitzuteilen. Wir berichten über Sammlungszuwächse und sonstige Aktivitäten. Es handelt sich bei den Beiträgen auf dieser Seite nirgends um feststehende "Wahrheiten" über den Jazz, sondern um eine Sammlung von Notizen, Gedanken und Diskussionsbeiträgen.

"The Jazzletter" was a publication in which the Jazzinstitut Darmstadt reported about some of its activities and published short essays, results from the daily work at the Jazzinstitut. We decided to continue the Jazzletter electronically, publishing some of our thoughts and internal discussions and inviting everyone to participate and tell us what they think. We also report about additions to the jazz collection of the Jazzinstitut and other acitivities. This is a collection of notes, thoughts and discussions more than a statement of "truths" about jazz.


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Deutscher Jazz + Deutsche Politik / German jazz and German politics

Auf Einladung des Deutschen Bundestages traf sich Ende Oktober erstmals eine Delegation der Bundeskonferenz Jazz (BKJazz) zu einem Informationsaustausch mit Vertretern des Kulturausschusses, darunter der Vorsitzende Hans-Joachim Otto (FDP) und dessen Stellvertreter Siegmund Ehrmann von der SPD. Die Jazzvertreter waren der Vorstand des Vereins "German Jazz Meeting" mit Arndt Weidler (Jazzinstitut Darmstadt), Peter Schulze (JazzFest Berlin), Reiner Michalke (Stadtgarten Köln, Moers Festival) sowie Dominik Wagner (Union Deutscher Jazzmusiker) und Kornelia Vossebein (Bunker Ulmenwall, Bielefeld). Im Mittelpunkt der Gespräche stand eine Standortbeschreibung des deutschen Jazz ebenso wie der gemeinsame Ausblick auf zukünftige Maßnahmen einer bundesweiten Förderung der Jazzaktivitäten in Deutschland. Als erfolgreiches Beispiel konnten die Vertreter der BKJazz den Abgeordneten eine durchweg positive Bilanz des im März 2006 erstmalig durchgeführten Projekts "German Jazz Meeting" in Bremen als ein Förderinstrument des Musikexports präsentieren. Das "German Jazz Meeting" war unter anderem durch Mittel der Kulturstiftung des Bundes und des Goethe-Instituts unterstützt worden. Den Vertretern der Jazzszene wurde dabei ein deutliches Interesse auf Seiten der Politik an der Lage des Jazz in der Bundesrepublik signalisiert, insbesondere auch an notwendigen Verbesserungen der Rahmenbedingungen für Jazzmusiker und den Spielstätten des Jazz. Die BKJazz wurde gebeten, eine aktuelle Situationsbeschreibung des Jazz in Deutschland zu erstellen, mit dem Ziel, diese Evaluierung rechtzeitig in den Bericht der Enquete-Kommission des Bundestages zur "Kultur in Deutschland" einzubringen. Auch in einem anschließenden Gespräch im Bundeskanzleramt mit Kulturabteilungsleiter Prof. Dr. Hermann Schäfer wurde ausdrücklich die Initiative der BKJazz für eine Jazzförderung auf Bundesebene begrüßt. Hermann Schäfer verwies darauf, dass Jazz Bestandteil der kommenden Ausschreibung des Projektes "Netzwerk Neue Musik" der Kulturstiftung des Bundes ist. "Der Jazz finde bei der jetzigen Bundesregierung jederzeit ein offenes Ohr." Die Bundeskonferenz Jazz zeigte sich insgesamt zufrieden über die positive Resonanz zum Thema "Jazz in Deutschland" im Bundestag und Kanzleramt. Man sei nun zuversichtlich, dass durch die Unterstützung des Bundes eine Stabilisierung bestehender Projekte, wie dem German Jazz Meeting, möglich werde und freue sich über die grundsätzlich zustimmende Reaktion der Berliner Politik auf die Vorschläge der Szene für ein eigenes Konzept der Spielstättenförderung.
Foto: v.l.n.r.: Arndt Weidler, Peter Schulze, Reiner Michalke, Dominik Wagner, Korneila Vossebein, Siegmund Ehrmann

Invited by the German Parliament, a delegation of the Bundeskonferenz Jazz (BKJazz) met in October with representatives of the cultural commission led by chairman Hans-Joachim Otto (FDP) and vice chairman Siegmund Ehrmann (SPD).  Die Jazz representatives were the board of the "German Jazz Meeting" association with Arndt Weidler (Jazzinstitut Darmstadt), Peter Schulze (JazzFest Berlin), Reiner Michalke (Stadtgarten Köln, Moers Festival) as well as Dominik Wagner (Union Deutscher Jazzmusiker) and Kornelia Vossebein (Bunker Ulmenwall, Bielefeld). They talked about the situation of German jazz today and discussed future initiatives to boost jazz activities on a national level in Germany. A very successful example for such activities is the "German Jazz Meeting" first conducted in March 2006 as a means to help music export activities. The "German Jazz Meeting" had been financed through the Kulturstiftung des Bundes (a national fund) and the Goethe-Institut. The politicians in Berlin gave a signal of support to the representatives from the jazz scene for an advancement of the general conditions for jazz musicians and venues for jazz. The BKJazz was asked to provide a report upon the situation of the current jazz scene in Germany in order to add this to the report of the enquette commission of the German parliament on "Culture in Germany". A second meeting brought the BKJazz representatives together with Prof. Dr. Hermann Schäfer, the head of the cultural department at the Office of the Federal Chancellor who welcomed the BKJazz's initiative for a national advancement of jazz in Germany. Hermann Schäfer pointed out that jazz is part of a future project "Netzwerk Neue Musik" planned by the Kulturstiftung des Bundes. "This government has an open ear for jazz". The Bundeskonferenz Jazz was pleased with the positive reactions at the Bundestag as well as the Chancellery. They are confident that the federal government will support and thus stabilize existing projects such as the German Jazz Meeting and are pleased about the positive reactions on suggestions from the jazz scene such as a new concept of advancing support for jazz venues.
Foto: Arndt Weidler


Wegweiser Jazz

Im Oktober sind wir fast vollständig mit den Vorbereitungen für den neuen "Wegweiser Jazz" beschäftigt. Das Buch ist seit Jahren das wichtigste Nachschlagewerk zur aktuellen deutschen Jazzszene. Es enthält Informationen zu Clubs, Veranstaltern, Initiativen, Konzertreihen, Festivals, Kulturämtern, Ausbildungsinstituten, zu Fachhändlern und Plattenlabels, Jazzredaktionen bei Rundfunksendern und vielem mehr. Der "Wegweiser Jazz" wird alle zwei bis drei Jahre vom Jazzinstitut komplett überarbeitet - d.h. wir kontrollieren wirklich jeden einzelnen Eintrag auf seine Aktualität, löschen Karteileichen, versuchen uns ein Bild über Änderungen innerhalb der Szene zu machen und diese im Wegweiser zu kartieren. Der Wegweiser ist damit mehr als ein Gig-Guide für Musiker (das aber auch!), er ist mehr als eine reine Datensammlung: Er kartiert eine lebendige Szene im dauernden Wandel. Als solche Dokumentation lieferte der Wegweiser Jazz bereits mehrfach Grundlagen für soziologische, kulturwissenschaftliche Untersuchungen zur deutschen Jazzszene. Das Buch gehört zur Grundausstattung von Jazzmusikern, Agenturen und Journalisten. Unsere Konzeption war es immer, die von uns gesammelten Daten zugängig zu machen, und so veröffentlichen wir die Einträge des "Wegweisers Jazz" auch im Internet. Das Buch verliert damit nichts an seiner Attraktivität - anders als die Internet-Datensammlung erlaubt der "Wegweiser Jazz" als Buch einen schnellen Gesamtüberblick über die Szene und ihre Vernetzung. Insbesondere die Daten zur Jazzförderung in den Bundesländern, die wir seit weit über 10 Jahren sammeln und fortführen, sind auch kulturpolitisch von Interesse und dienen der Lobbyarbeit für den Jazz, für die wir uns im Jazzinstitut mit Mitstreitern wie der Bundeskonferenz Jazz, dem Verein German Jazzmeeting, aber auch der UDJ und der DJF besonders einsetzen. Das Buch, das wieder über 300 Seiten umfassen wird, soll Anfang Dezember vorliegen, dann wird auch die Internetversion des "Wegweisers Jazz" mit den neuen Daten gefüttert. Der "Wegweiser Jazz" kann nur direkt beim Jazzinstitut Darmstadt bestellt werden, der Preis wird wieder um die 19 Euro liegen (inklusive Porto innerhalb Europas)

During most of the last month we have been working on the new edition of out "Wegweiser Jazz". This book since more than a decade is the most important compendium on the current German jazz scene. It contains information about clubs, venues, initiatives, concert series, festivals, public cultural agencies, educational institutes, record shops and record labels, jazz departments at the radio statons and much more. We completely revise the "Wegweiser Jazz" every other year or so - which means that we literally check each and every entry in the book, bring it up-to-date, delete entries no longer in existence, get a picture of the changes within the jazz scene and present this picture in our book. The Wegweiser Jazz, thus, is more than a mere gig guide for musicians (but it is that as well!), it is more than a collection of data. It charts a lively scene in constant change. The book has been basis for several sociological and cultural historical studies on the German jazz scene. It is considered basic reading by jazz musicians, agents and journalists. In all our work, it was always our policy not to hide any of the data we collect but to make it accessible. The entries in the "Wegweiser Jazz", thus, can be accessed through the internet as well. Yet, the book offers a different view: it gives a quick and total survey of the German jazz scene and its different networks. We include data on subsidies coming from the different federal states which you now can compare through the past more than 10 years. Such information is of interest for cultural politics and aids the lobbying work we involve in together with partners such as the Bundeskonferenz Jazz, the German Jazz Meeting association, the UDJ and the DJF. The book again will comprise more than 300 pages. It will be published at the beginning of December, at which time we also will feed all the newly researched data to the internet version of our "Wegweiser Jazz". The "Wegweiser Jazz" can only be ordered directly from the Jazzinstitut Darmstadt. It's price will be around 19 Euro (postpaid within Europe)


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