Jazzbrief aus Darmstadt
Jazzletter from DarmstadtDezember 2006 / December 2006
"Der Jazzbrief" hieß eine Publikation, die Aktivitäten des Jazzinstituts Darmstadt beleuchtete, kleinere Beiträge publizierte, die sich aus der täglichen Arbeit des Jazzinstituts ergaben. Wir haben uns entschlossen, den Jazzbrief fürs erste elektronisch fortzuführen. Hier wollen wir Gedanken und Diskussionen öffentlich machen, die wir im Jazzinstitut führen, laden alle Leser dazu ein, sich an diesen Diskussionen zu beteiligen und uns ihre eigene Meinung mitzuteilen. Wir berichten über Sammlungszuwächse und sonstige Aktivitäten. Es handelt sich bei den Beiträgen auf dieser Seite nirgends um feststehende "Wahrheiten" über den Jazz, sondern um eine Sammlung von Notizen, Gedanken und Diskussionsbeiträgen.
"The Jazzletter" was a publication in which the Jazzinstitut Darmstadt reported about some of its activities and published short essays, results from the daily work at the Jazzinstitut. We decided to continue the Jazzletter electronically, publishing some of our thoughts and internal discussions and inviting everyone to participate and tell us what they think. We also report about additions to the jazz collection of the Jazzinstitut and other acitivities. This is a collection of notes, thoughts and discussions more than a statement of "truths" about jazz.
Inhalt dieser Seite:
Content of this page:
Jazzinstitut Darmstadt in 2006
2006 --- 2007
Zwischen den Jahren ... Zeit für einen RückblickWer einen Blick auf die Website des Jazzinstituts Darmstadt wirft, stellt schnell fest, dass wir auf vielen und sehr unterschiedlichen Hochzeiten tanzen. Unser tägliches Geschäft ist die lokale und regionale Kulturarbeit, die nationale und internationale Lobbyarbeit für den Jazz, die Jazzforschung im weitesten Sinne. Wir nehmen Beraterfunktionen für ganz unterschiedliche Gremien wahr, sind international ein gefragtes und anerkanntes Forschungszentrum und sowieso bekannt dafür, dass Antworten aus Darmstadt schnell kommen und verlässlich sind. Tatsächlich aber sind diese ganz unterschiedlichen Seiten unserer Arbeit vielen unserer Nutzer kaum bekannt - ob dies nun Besucher unserer Konzerte sind, Musiker, Veranstalter, Musikwissenschaftler oder Forscher aus aller Welt.
Wie jedes Jahr soll auch dieser Jahresrückblick daher einen kleinen Blick auf die Vielfalt unserer Arbeit werfen, damit Sie, liebe Leser, einen Einblick in das bekommen, was im Bessunger Kavaliershaus mit der Wettertrompete auf dem Dach und dem in Bronze gegossenen und Mundharmonika spielenden Little Walter vor der Tür so alles geleistet wird. Daneben soll er uns sozusagen vom Ballast des letzten Jahres zu befreien, damit wir das nächste Jahr mit neuem Elan angehen können.
Und wann tut man das besser als zwischen den Jahren?!!!
Konzerte im Gewölbekeller
Was wäre die Theorie ohne die Praxis? Nichts, sagen die einen, wir meinen: jedenfalls trocken. Aber das soll uns nicht passieren, und so gab es auch 2006 jede Menge an Konzerten im historischen Gewölbekeller unterm Jazzinstitut. Wir hatten schon 2005 mit dem Förderverein Jazz abgesprochen, dass wir versuchen wollten, gemeinsam möglichst jeden Freitag eine Veranstaltung im Keller auszurichten. Der Förderverein Jazz ist eine Initiative Darmstädter Musiker und Jazzfreunde zur Belebung der lokalen Jazzszene. Zu den Höhepunkten seiner Konzerte im Jazzinstitut zählten beispielsweise das Bachmann Mandler Ensemble im Januar; die Band "Lynx" mit Kalle Kalima, Antonis Anissegos und Samuel Rohrer im März; die Band "Oma Heinz" um den Pianisten Oliver Maas im April; das Quartetto Pazzo mit Christoph Thewes, Rudi Mahall, Dirk Peter Kölsch und Tomas Ulrich im September; "Ali Bengali and the Tigers of Love" mit Alexander Beierbach, Steffen Faul, Dennis Jabusch und Uli Jennessen im November; sowie die Band "Arnie Bolden" mit Stefan Meinberg, Ralph Beerkircher und Christian Thomé im Dezember. Unsere eigene Konzertreihe "JazzTalk" brachte es 2006 - mit Hilfe unseres Sponsors, der Frankfurter Kanzlei v. Minckwitz, Erdl, Kochenburger - auf nicht weniger als neun Konzerte. Ulrike Haage begann im Januar im Duo mit Carlos Bica. Im Februar füllte das Brüderduo Conny und Johannes Bauer den Gewölbekeller mit lauten Posaunentönen, im Talk erzählten die beiden dann von ihren unterschiedlichen Erfahrungen in Ost und West. Im März spielte der Klarinettist Lajos Dudas im Duo mit Philipp van Endert. Im Mai präsentierten wir den Film "Missing You Orleans" über den Schlagzeuger Trevor Richards, der im JazzTalk und im zweiten Set mit seinem Trio zu hören war, mit Olivier Franc und Simon Holiday. Im Juni gab es weitere Reminiszenzen an den Jazz in der DDR, als Friedhelm Schönfeld sein legendäres Trio in Darmstadt mit Günter 'Baby' Sommer und Jürgen Wuchner wiederbelebte. Nach der Sommerpause setzten wir die Reihe im September mit einem lang geplanten Konzert mit Janusz Stefanski und Vladislav Sendecki fort. Im Oktober folgte ein Solo-JazzTalk mit dem in Afghanistan geborenen Perkussionisten Hakim Ludin. Höhepunkt des Jahres war wahrscheinlich der JazzTalk mit Nils Wograms Quartett Root 70 im November, dem im Dezember das Quintett des Bremer Posaunisten Ed Kröger folgte. Im November begannen wir außerdem eine neue Reihe, "forum international", in der wir junge, hierzulande bislang weitgehend unbekannte Bands vorstellen wollen, die sich daheim gerade einen Namen machen und mit Unterstützung nationaler Kulturorganisationen auf Tournee geschickt werden. Den Anfang dieser Reihe machte die Manuel Mengis Gruppe 6 aus der Schweiz. Und nicht vergessen werden sollte auch die Überreichung des erstmals vergebenen Darmstädter Musikpreises an den Vibraphonisten Christopher Dell. Der Preis datiert zwar von 2005, die Übergabe aber fand am 25. Januar im Museum Künstlerkolonie vor überfülltem Haus statt. Dell überzeugte alle Anwesenden mit seinem Trio und Wolfram Knauer vom Jazzinstitut hielt die Laudatio auf ihn.
Darmstadt in Bremen
Im Sommer 2005 hatte sich in Darmstadt der Verein "German Jazz Meeting" gegründet, dessen Ziel die Ausrichtung eines Showcase-Festivals für den deutschen Jazz ist (www.germanjazzmeeting.de). Beim ersten zweitägigen Showcase während der Messe "jazzahead!" in Bremen wurden am 24. und 25. März 2006 in kurzen Programmblöcken 14 aktuelle Jazzprojekte aus Deutschland einem internationalem Fachpublikum aus Festivalpromotoren, Fachjournalisten und Programmverantwortlichen diverser Goethe-Institute vorgestellt. Das German Jazz Meeting war eine Veranstaltung des Vereins German Jazz Meeting e.V. (dessen Vorsitzender der Jazzinstituts-Mitarbeiter Arndt Weidler ist) in Zusammenarbeit mit der Messe Bremen und mit Unterstützung durch das Goethe-Institut und die Kulturstiftung des Bundes. Anlässlich "jazzahead!" wurde auch die vom Jazzinstitut konzipierte Ausstellung "Deutscher Jazz / German Jazz" zum ersten Mal gezeigt (mehr dazu unter "Ausstellungen").
Kooperationen in Darmstadt
Als städtische Einrichtung sind wir in vielen unserer Projekte auf Kooperationen angewiesen, die es uns ermöglichen, weit über das hinaus zu wirken, was wir allein bewerkstelligen könnten. Der Förderverein Jazz e.V. steht wie seit nunmehr zehn Jahren an erster Stelle unserer Kooperationspartner - ohne den aktiven Darmstädter Verein, der nicht nur unseren Keller aktiv mit Musik füllt, sondern auch bei unseren eigenen Konzerten für das leibliche Wohl der Gäste sorgt, wären viele unsere Konzartaktivitäten kaum möglich. In Zusammenarbeit mit dem Institut für Neue Musik und Musikerziehung brachten wir während deren Frühjahrstagung ein Nachtkonzert unter dem Titel "SoundSongs" mit der Sängerin Lauren Newton. Die Jazz Conceptions, die wir zusammen mit dem Kontrabassisten Jürgen Wuchner und dem Kulturzentrum Bessunger Knabenschule durchführen, versammelten im Juli zum mittlerweile fünfzehnten Mal sieben Dozenten (diesmal neben Wuchner: Christopher Dell, Reimer von Essen, Ute Jeutter, Frank Moebus, Günter 'Baby' Sommer und Christoph Thewes) und ca. 60 Teilnehmer (Rekord!) zu einer Woche gelebter Musik in Darmstadt - ein Höhepunkt in unserem Veranstaltungsjahresplan und auch diesmal wieder ein umwerfender Erfolg bei den Teilnehmern wie bei den Besuchern der abendlichen Sessions und Konzerte.
Ausstellungen
Die Galerie im Dachgeschoss wurde auch 2006 für einzelne Ausstellungen genutzt, von denen insbesondere jene von Holger Henning und Hardy Zech herauszuheben ist, die unter dem Titel "Musiker" Bilder und Skulpturen der beiden Künstler versammelt, darunter eine Büste des legendären "Krone"-Türstehers Fred Hill. Diese Ausstellung ist noch bis zum 12. Januar 2007 zu sehen, dann gibt es drei Tage lang eine Finissage mit der Performance-Gruppe "Face It" im Gewölbekeller des Jazzinstituts. Das Jazzinstitut war als Leihgeber an einer Blue-Note-Cover-Design-Austellung im Wilhelm-Fabry-Museum in Hilden beteiligt, die überschneidend mit der Kunstausstellung "Painted Jazz" des Düsseldorfer Malers Dietrich Rünger gezeigt wurde, der sich für seine großformatigen Bilder von Blue-Note-Schallplatten inspirieren ließ (25. Mai bis 9. Juli 2006). In Wuppertal zeigte das Jazzinstitut am 8. November Flagge, als Wolfram Knauer dort mit einem Vortrag vor mehr als 500 Besuchern die Ausstellung "Wuppertal in der Welt des Jazz" eröffnete. Die von Doris Schröder konzipierte Wanderausstellung "Jazz Changes", in der auf großformatigen Tafeln in Bild und Text die Geschichte des Jazz erzählt wird, reiste weiter durch Deutschland und machte beispielsweise vom 22. Mai bis 21. Juli in Viernheim Station sowie vom 17. August bis 25. September in Brandenburg. Schließlich wurde bei der Jazzmesse "jazzahead!" in Bremen zum ersten Mal die Ausstellung "Deutscher Jazz / German Jazz" gezeigt, die das Jazzinstitut für das Goethe-Institut konzipierte. Die Ausstellung, die die Entwicklung des deutschen Jazz von den Anfängen bis zur Gegenwart dokumentiert, wird für Goethe ab 2007 in zwei Exemplaren fünf Jahre lang durch die Welt touren - zu den ersten Stationen gehören unter anderem Portugal, Frankreich, Indien, Südafrika, Ghana, Australien, Malaysia, die USA und Cuba.
Bücher und andere Publikationen
Auch publizistisch war das Jazzinstitut 2006 aktiv. Die Neuausgabe des "Wegweisers Jazz", Ausgabe 2007/2008, erschien kurz vor Weihnachten im Dezember. Es ist die mittlerweile fünfte, komplett überarbeitete Ausgabe des definitiven Referenzwerks zur deutschen Jazzszene. Einen Monat zuvor erschien der neunte Band der "Darmstädter Beiträge zur Jazzgeschichte", in der die Referate des Darmstädter Jazzforums dokumentiert werden - dieser Band trug den Titel "Jazz goes Pop goes Jazz. Der Jazz und sein gespaltenes Verhältnis zur Popularmusik" (Hofheim 2006). Zum "Stadtlexikon Darmstadt", das im Frühjahr 2006 erschien, trugen Doris Schröder einen Artikel über den Bessunger Jagdhof und Wolfram Knauer einen über Jazz in Darmstadt bei. Knauer verfasste das Vorwort zum Buch " sounds like whoopataal. Wuppertal in der Welt des Jazz" (Essen 2006), herausgegeben von E. Dieter Fränzel, einer wunderbaren und gut (auch aus dem Archiv des Jazzinstituts) bebilderten Geschichte des Jazz in der Heimatstadt von Brötzmann, Kowald und Konsorten. Von Knauer erschien 2006 ein Artikel über den Free Jazz und seine politische Bedeutung in dem mit mehreren Gestaltungspreisen ausgezeichneten Kundenmagazin der Privatbank Sal.Opppenheim sowie ein analytischer Vergleich der Einspielungen Charlie Parkers über "Parker's Mood" im italienischen musikwissenschaftlichen Journal Musica Oggi. Die Laudatio Knauers auf den Träger des ersten Darmstädter Musikpreises, Christopher Dell, wurde vom Kulturamt der Stadt Darmstadt in einer eigenen Broschüre veröffentlicht. Weitere Bücher, die 2006 erschienen und die Mithilfe des Jazzinstituts im Vorwort erwähnen, sind beispielsweise: Giovanni Di Pasquale & Francesco Martinelli & Basiliano Sulis & Paolo Zucca (Herausgeber): Tender Warrior. L'eredita' musicale di Eric Dolphy (Sant'Anna Arresi 2005); Michael Dregni: Django. The Life and Music of a Gypsy Legend (New York 2004); Barbara Schwarz: The Sound of Squirrel Meals. The Work of Lol Coxhill (Hamburg/London 2006); Ernst Burger: Erroll Garner. Leben und Kunst eines genialen Pianisten (Regensburg 2006); Horace Silver & Phil Pastras: Let's Get to the Nitty Gritty. The Autobiography of Horace Silver (Berkeley 2006); sowie Andrew Wright Hurley: Jazz Meets the World. Joachim-Ernst Berendt and His Role in West-German Cultural Change, 1945-1985 (Melbourne 2006). Der letztgenannte Autor, der Australier Andrew Hurley, hatte für seine Studie lange Zeit am Jazzinstitut Darmstadt geforscht. Kate Kaiser aus den USA nutzte unser Archiv dagegen vor allem virtuell; ihre Magisterarbeit "Jutta Hipp – Painter, Pianist & Poet"(Newark/NJ 2006) entstand letzten Endes auch durch unsere Ermutigung. Wolfram Knauer wirkt nach wie vor im Editorial Board der amerikanischen University of Michigan Press, ist außerdem als Book Review Editor für die neue jazzwissenschaftliche Zeitschrift "Jazz Perspectives" verantwortlich, die ab 2007 in den USA erscheinen wird (www.tandf.co.uk/journals/titles/17494060.asp).
Sammlungszuwächse
Das Jazzinstitut wächst, seit die Stadt es als 1990 als städtische Einrichtung gegründet hat. Wir erhalten jährlich spannende Sammlungen, die die Jazzgeschichte von den Anfängen bis in die Gegenwart dokumentieren. Zu den Materialien, die im Jahr 2006 hinzukamen, gehörte die Sammlung des im April verstorbenen Journalisten und Jazzhistorikers Rolf-Dieter Weyer mit Langspielplatten, CDs, Büchern und Manuskripten. Im August übernahmen wir in Wuppertal die Sammlung des verstorbenen Martin Pecherstorfer, der seit vielen Jahren den "Kulturellen Wirkungskreis Jazz" pflegte, in dessen Rahmen er vor allem die deutsche, aber auch die europäische Jazzgeschichte dokumentierte. Pecherstorfer war in Kontakt mit vielen Koryphäen auf diesem Gebiet, Fachleuten und Sammlern, die ihn mit Informationen belieferten, wie auch er sie mit Quellenmaterial, Fotokopien und Daten versorgte. Die Sammlung umfasst vor allem schriftliche Quellen, Zeitungen und Zeitschriften, Zeitungsausrisse, Programmhefte, Korrespondenz oder Manuskripte, zum Beispiel Material von Wolfgang Muth, dem vor einigen Jahren verstorbenen Jazzfachmann aus Sachsen-Anhalt, von dem bereits viele schriftliche Dokumente im Institut vorhanden sind. Auch die Papiere von Hans Blüthner befinden sich damit jetzt in Darmstadt, dem Jazzfreund, der in den 30er Jahren den Jazzclub Berlin mitbegründet hatte und zu den ganz Regen im deutschen Jazzclubleben gehörte. Zeitschriften aus Ost und West - Clubnachrichten genauso wie Popblätter, die in der Nachkriegszeit immer auch Jazz mit einschlossen, finden sich in den Kartons genauso wie die Korrespondenz diverser Hot Clubs. In Darmstadt lassen sich damit Fäden von verschiedenen Seiten aus verfolgen - die Korrespondenz der Deutschen Jazz Föderation etwa mit diversen rheinischen Clubs, da die DJF-Korrespondenz schon länger bei uns lagert und nun auch viele der Pendants hinzugekommen sind. Es wird noch lange dauern, bis diese Sammlung komplett gesichtet ist. Von einem seit Anfang der 60er Jahre in Frankfurt lebenden amerikanischen Freund des Jazzinstituts erhielten wir kistenweise Notenmaterial, insbesondere Transkriptionen und Lehrbücher für Klavier. Schließlich ermöglichte uns der Darmstädter Förderkreis Kultur e.V. im Dezember 2006 den Ankauf einer Sammlung historischer Plakate des Frankfurter Grafikers Günter Kieser, die unser Plakatarchiv vervollständigen helfen.
Das Internet
Wer im 21sten Jahrhundert effektiv arbeiten will, kommt am Computer nicht vorbei. Das Jazzinstitut hat die Möglichkeiten dieses Hilfsmittels von Anfang seiner Arbeit an immer auszuschöpfen versucht. Insbesondere die umfangreiche Website (www.jazzinstitut.de) versucht Antworten auf oft gestellte Fragen zu geben. Der Online-"Wegweiser Jazz" lockt insbesondere viele Musiker und Musikprofessionelle auf die Seiten des Instituts, aber auch für jeden anderen Jazzinteressierten findet sich jede Menge an Information. Seit Sommer 2006 bietet das Jazzinstitut einen neuen Service. Im "Jazzbrief" wird monatlich über Aktivitäten des Jazzinstituts berichtet. Und in den "Jazz News" finden sich täglich (!) zusammengefasste interessante Pressemeldungen zum Jazz aus aller Welt. Die Jazz News sind - wie so viel von dem, was im Jazzinstitut gemacht wird - zweisprachig (deutsch / englisch). Sie werden auf der Website täglich aktualisiert und zwei bis drei Mal im Monat per e-mail an Interessierte in aller Welt geschickt. In den fünf Monaten, die dieser Service nun online ist, gab es enorm viele positive Rückmeldungen– von Fans, von Musikern wie z.B. dem Posaunisten George Lewis und von Legenden der Jazzjournalistik, Dan Morgenstern etwa oder Mike Zwerin. Wie so vieles in der Internetarbeit des Jazzinstituts ist auch dieser Service vor allem dazu gedacht, die Arbeitsweise des Instituts durchsichtig zu machen - die Durchforstung internationaler Tageszeitungen wird hier ja schon seit Jahren täglich erledigt, wobei die gefundenen Interviews, Artikel und Berichte sowohl in Papierform wie auch digital archiviert und in den Darmstädter Jazz-Index aufgenommen, die weltweit umfangreichste Datenbank zur Jazzpublizistik.
Deutsche Projekte
Das German Jazz Meeting (siehe oben) war einer der wichtigsten deutschlandweit bedeutsamen Erfolge, an denen das Jazzinstitut Darmstadt im Jahr 2006 beteiligt war. Das Jazzinstitut hat seine Arbeit immer auch als Lobbyarbeit für den Jazz begriffen. Der "Wegweiser Jazz", dessen fünfte Ausgabe im Dezember 2006 erschien, war von Anfang an vom Bewusstsein einer ständigen Lobbyarbeit für den Jazz geprägt. Von daher war es nur folgerichtig, dass sich das Jazzinstitut an Projekten wie dem German Jazz Meeting oder der Bundeskonferenz Jazz (www.bkjazz.de) maßgeblich beteiligt. Arndt Weidler, Vorsitzender des Vereins German Jazz Meeting e.V., war im Oktober zusammen mit Peter Schulze (JazzFest Berlin), Reiner Michalke (Stadtgarten Köln, Moers Festival) sowie Dominik Wagner (Union Deutscher Jazzmusiker) und Kornelia Vossebein (Bunker Ulmenwall, Bielefeld) zu einem Informationsaustausch mit Vertretern des Kulturausschusses des Deutschen Bundestags eingeladen, sowie im Anschluss daran zu einem Gespräch im Bundeskanzleramt mit dem Kulturabteilungsleiter Prof. Dr. Hermann Schäfer. Dabei wurde über die augenblickliche Situation des Jazz sowie über mögliche Fördermodelle gesprochen. Die Einladung nach Berlin war eine direkte Reaktion auf den Erfolg des German Jazz Meeting. Die Politiker zeigten sich hochinteressiert an einer sinnvollen Jazzförderung in Deutschland - über weitere Ergebnisse kann hoffentlich bald berichtet werden.
Europäische Projekte
Das vom Jazzinstitut mit-initiierte Buchprojekt zum europäischen Jazz ("The History of Jazz in Europe") ist 2006 weiter vorangekommen. Mittlerweile liegen fast alle Beiträge der knapp 30 Autoren aus ganz Europa vor. Im März 2007 wird das Jazzinstitut anlässlich der Jazzmesse "jazzahead!" ein kleines Symposium organisieren, bei dem die Herausgeber (Walter Turkenburg, Niederlande; James Lincoln Collier, USA; Wolfram Knauer, Deutschland) und zwei bis drei der Autoren (u.a. Francesco Martinelli, Italien; Virgil Mihaiu, Rumänien) über die Diversität des Jazz in Europa diskutieren werden. Die Veröffentlichung des Buchs ist für Ende 2007, spätestens Anfang 2008 geplant.
Weltweite Projekte
Auch 2006 war das Jazzinstitut an etlichen weltweiten Aktivitäten beteiligt. Die bibliographische Effizienz Darmstadts (Jazz-Index) ist in Forscherkreisen mittlerweile Legende, gerade erst ("zwischen den Jahren") wurde sie unter amerikanischen Jazzforschern wieder als beispiellos (was heißen soll: beispielhaft) bezeichnet. Dabei beliefern wir Forscher, Journalisten, aber auch Studenten des Studiengangs für Jazzforschung an der Rutgers University in Newark, New Jersey, laufend mit Literaturlisten, die unser umfangreiches Archiv abdecken – Bücher, Zeitschriften und anderes Schrifttum zum Jazz. Übrigens: Hier wie anderswo, wo wir mitmischen, ist das Wort "Darmstadt" ein Gütesiegel: Man spricht nicht vom Jazzinstitut Darmstadt, sondern sagt einfach: "Das muss Darmstadt doch wissen." Und ein Satz wie "Die Information stammt aus Darmstadt" ist in der Welt der Jazzforschung mittlerweile eine Art Totschlagargument (nach dem Motto... "Dann kann es eigentlich nicht falsch sein!"). Nach wie vor gehört das Jazzinstitut zum Künstlerischen Beirat der Ausstellungshalle im New Yorker Konzerthaus "Jazz at Lincoln Center" (www.jazzatlincolncenter.org). Im März reiste Institutsleiter Wolfram Knauer in die USA, diesmal nach Chicago, Illinois, wo er bei der Konferenz des Center for Black Music Research und der Society for American Music im Rahmen des von George Lewis geleiteten Panels zu "International Scholarship and Black Music" einen Vortrag über "Jazz as Productive Music: Jazz Research as International Discourse" hielt. Neben vielen Kontakten während der Konferenz hatte Knauer auch Gelegenheit, die Sammlung des Chicago Jazz Archive an der University of Chicago kennenzulernen, die von der Kuratorin Deborah Gillaspie betreut wird, sowie das Archiv des Center for Black Music Research am Columbia College zu besuchen, durch das ihn die Archivarin Suzanne Flandreau führte. Er traf sich mit Rüdiger van den Boom, dem Leiter des Chicagoer Goethe-Instituts zum Gedankenaustausch, und besuchte natürlich etliche der Jazzclubs und historischen Musikstätten Chicagos.
Ausblicke auf 2007
Einige der Projekte für das kommende Jahr wurden schon genannt. Vom 8. bis 11. März 2007 wird das Jazzinstitut Darmstadt für ein Wochenende bei der Jazzmesse "jazzahead!" (www.jazzahead.de) in Bremen vertreten sein. Wir werden einen eigenen Stand haben, werden außerdem im Rahmen des europäischen Schwerpunkts der Messe 2007 ein Symposium zur Diversität des europäischen Jazz ausrichten. Im Februar werden wir in Siena, Italien, mit Siena Jazz über mögliche gemeinsame zukünftige Projekte beraten. Im März ist Wolfram Knauer zu einer Sitzung des Beirats des von der Ford Foundation unterstützten Projekts "JazzStudies Online" der Columbia University in New York eingeladen worden, in den er im November 2006 berufen wurde. Ende Mai wird das Jazzinstitut voraussichtlich wieder in Charleston, South Carolina, präsent sein, wo wir seit Gründung der Charleston Jazz Initiative als Berater fungieren. Und nicht zuletzt wird vom 4. bis 7. Oktober 2007 das mittlerweile 10. Darmstädter Jazzforum sich mit dem Thema "The World Meets Jazz" befassen. Dabei soll es darum gehen, dass der Jazz mittlerweile jede Menge Impulse aus anderen Ecken der Welt erhält, die ihn als ihre ganz eigene Musik begreifen. Wir wollen diesen unterschiedlichen Annäherungen, Adaptionen oder Adoptionen näher kommen und werden uns sicher auch mit Ideen befassen, die zwar aus ethnischen Musikrichtungen kommen, aber mit der Spielhaltung des Jazz so hervorragend harmonieren, das es schwerfällt, die musikalischen Ergebnisse noch unter gängigen Genrebegriffen abzulegen. Weder handelt es sich dabei nämlich wirklich um "Weltmusik", noch ist es Mainstream-Jazz im herkömmlichen Sinne. Es ist ein kreativer Austausch, der den Jazz verändert, egal ob einem das gefällt oder nicht. Beim Jazzforum wollen wir beobachten, analysieren, kritisch unsere eigene Haltung hinterfragen. Wie immer werden wir dazu Theoretiker und Praktiker zu einem internationalen Forum einladen. Und wie immer werden abendliche Konzerte das tagsüber Diskutierte praktisch beleuchten.
Dank ...
Wir könnten unsere Arbeit nicht ohne die große Unterstützung leisten, die wir in dieser Stadt erhalten: durch die Kollegen der Stadtverwaltung, durch die politischen Gremien, durch (mittlerweile sechs) Kollegen vom Verein Ehrenamt für Darmstadt e.V., durch die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Darmstadt, die das Jazzinstitut seit mehr als fünfzehn Jahren tragen, durch die Jazzfreunde und Jazzmusiker, die sich daran gewöhnt haben, dass es in dieser Stadt ein Jazz-Zentrum gibt, das weltweit seinesgleichen sucht. Wir wissen, dass unsere Arbeit nur in diesem Klima gedeihen kann, in dem wir dauernd dazu ermuntert werden, unsere Ideen auch in Realität umzusetzen. Hier in Darmstadt geht das besser als irgendwo sonst.
Vielen Dank besonders an Charlotte Schick, die fast anderthalb Jahre als "unsere Studentin" mitarbeitete und zum Jahreswechsel den Stab an Jan-Peter Ibs weiterreicht.
Und vielen Dank nicht zuletzt auch den vielen Freunden des Jazzinstituts, das uns durch Anfragen und (durchaus auch kritische) Anregungen immer wieder den Weg weisen, was noch zu tun sein könnte in diesem großen swingenden Metier. Ein Archiv, ein Dokumentations- und Informationszentrum legitimiert sich auch ein wenig dadurch, dass es gebraucht wird. Und Ihr/Sie alle geben uns (weiß Gott!) dieses Gefühl. Danke!
... und gute Wünsche
Wir? Das sind Doris Schröder, Arndt Weidler und Wolfram Knauer, die Mitarbeiter des Jazzinstituts Darmstadt, einem Kulturinstitut der Stadt Darmstadt, die jetzt ein wenig durchatmen, und Euch / Ihnen ein gesundes, frohes, erfolgreiches und vor allem jazz-reiches Neues Jahr wünschen.
