Jazzbrief aus Darmstadt
Jazzletter from Darmstadt

September 2008


"Der Jazzbrief" hieß eine Publikation, die Aktivitäten des Jazzinstituts Darmstadt beleuchtete, kleinere Beiträge publizierte, die sich aus der täglichen Arbeit des Jazzinstituts ergaben. Wir haben uns entschlossen, den Jazzbrief fürs erste elektronisch fortzuführen. Hier wollen wir Gedanken und Diskussionen öffentlich machen, die wir im Jazzinstitut führen, laden alle Leser dazu ein, sich an diesen Diskussionen zu beteiligen und uns ihre eigene Meinung mitzuteilen. Wir berichten über Sammlungszuwächse und sonstige Aktivitäten. Es handelt sich bei den Beiträgen auf dieser Seite nirgends um feststehende "Wahrheiten" über den Jazz, sondern um eine Sammlung von Notizen, Gedanken und Diskussionsbeiträgen.

"The Jazzletter" was a publication in which the Jazzinstitut Darmstadt reported about some of its activities and published short essays, results from the daily work at the Jazzinstitut. We decided to continue the Jazzletter electronically, publishing some of our thoughts and internal discussions and inviting everyone to participate and tell us what they think. We also report about additions to the jazz collection of the Jazzinstitut and other acitivities. This is a collection of notes, thoughts and discussions more than a statement of "truths" about jazz.


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Wer hat's gesagt? ... "to make a lady out of jazz"

Anfrage:

Man hört immer wieder jenen berühmten Satz, nach dem Paul Whiteman mit seiner Musik geplant habe, "to make a lady out of jazz". In welchem Zusammenhang hat Whiteman diesen Satz gesagt . Ist das Zitat nur "mündlich" überliefert oder findet sich hierfür auch eine schriftliche Quelle? Mir geht es dabei um einen - wenn möglich - korrekten wissenschaftlichen Nachweis. Wenn Sie die Quelle des Zitates kennen, wäre ich Ihnen für diese Information sehr dankbar. Auch über weitere Recherche-Hinweise würde ich mich freuen.

Antwort:

Das Zitat geht wahrscheinlich auf die Einführung zu George Gershwins "Concerto in F" zurück, die der Dirigent der Uraufführung vom 3. Dezember 1925, Walter Damrosch, gegeben hatte. Darin schreibt er über die Schwierigkeiten des Jazz in den höheren musikalischen Kreisen. Da heißt es dann:

"Lady Jazz, adorned with her intriguing rhythms, has danced her way around the world, even as far as the North and the Polynesians of the South Sea Isles. But for all her travels and her sweeping popularity, she has encountered no knight who could lift her to a level that would enable her to be received as a respectable member in musical circles. George Gershwin seems to have accomplished this miracle. He has done it boldly by dressing this extremely independent and up-to-date young lady in the classic garb of a concerto. Yet he has not detracted one whit from her fascinating personality. He is the prince who has taken Cinderella by the hand and openly proclaimed her a princess to the astonished world, no doubt to the fury of her envious sisters." (zit. nach Henry O. Osgood: So This Is Jazz, Boston 1926, p. 204).

Damroschs Einführung brachte gleich im Dezember Kritiker auf den Plan, etwa Abbe Miles, dessen Aufsatz "Lady Jazz in the Vestibule" in The New Republic vom 23. Dezember 1925 erschien (abgedruckt bei Karl Koenig (ed.): Jazz in Print (1856-1929). An Anthology of Selected Early Readings in Jazz History, Hillsdale/NY 2002: Pendragon Press).

Im selben Buch, in dem das Damrosch-Zitat erschien, schreibt Osgood übrigens (auf Seite 131), dass an der Wand des New Yorker Restaurants Palais Royal, in dem Whiteman seine ersten Erfolge in New York feierte, eigentlich eine Inschrift stehen sollte: "Site of the Palais Royal where Paul Whiteman First Conceived the Idea of Making an Honest Woman out of Jazz". Diese beiden nicht zusammenhängenden Zitate wurden von späteren Kritikern offenbar einfach zusammengemischt.

In der von Karl Koenig herausgegebenen Textsammlung zu frühen Quellen zum Jazz "Jazz in Print" (siehe oben) findet sich bei den ausgiebigen Whiteman-Texten bein schnellen Durchsehen keine direkte Erwähnung des von Ihnen gesuchten Zitats, allerdings finden sich etliche Quellen, die den Versuch, also den Inhalt des "to make a lady out of jazz" diskutieren.

Vgl. zum diesem Thema die Dissertation von John Louis Howland, der in einer Fußnote auf die Geschichte des Zitats eingeht und dem wir letzlich die oben gelieferte Erklärung verdanken.

John Louis Howland: Between the Muses and the Masses. Symphonic Jazz, "Glorified" Entertainment, and the Rise of the American Musical Middlebrow, 1920-1944, Stanford/CA 2002 [Stanford University]


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