Jazzbrief
aus Darmstadt Dezember / December 2009 |
31. Dezember 2009 |
"Der Jazzbrief" hieß eine Publikation, die Aktivitäten des Jazzinstituts Darmstadt beleuchtete, kleinere Beiträge publizierte, die sich aus der täglichen Arbeit des Jazzinstituts ergaben. Wir haben uns entschlossen, den Jazzbrief fürs erste elektronisch fortzuführen. Hier wollen wir Gedanken und Diskussionen öffentlich machen, die wir im Jazzinstitut führen, laden alle Leser dazu ein, sich an diesen Diskussionen zu beteiligen und uns ihre eigene Meinung mitzuteilen. Wir berichten über Sammlungszuwächse und sonstige Aktivitäten. Es handelt sich bei den Beiträgen auf dieser Seite nirgends um feststehende "Wahrheiten" über den Jazz, sondern um eine Sammlung von Notizen, Gedanken und Diskussionsbeiträgen.
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Inhalt
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Jazzinstitut Darmstadt in 2008 [Dieser Jahresrückblick kann hier auch als pdf-Datei (mit besser aufgelösten Fotos) heruntergeladen werden.] 2009 --- 2010
Unsere Website <www.jazzinstitut.de> zeigt die unterschiedlichen Facetten unserer Arbeit. Unser tägliches Geschäft ist die lokale und regionale Kulturarbeit, die nationale und internationale Lobbyarbeit für den Jazz, die Jazzforschung im weitesten Sinne. Wir nehmen Beraterfunktionen für ganz unterschiedliche Gremien wahr, sind international ein gefragtes und anerkanntes Forschungszentrum und sowieso bekannt dafür, dass Antworten aus Darmstadt schnell kommen und verlässlich sind. Tatsächlich aber sind diese ganz unterschiedlichen Seiten unserer Arbeit vielen unserer Nutzer kaum bekannt -- ob dies nun Besucher unserer Konzerte sind, Musiker, Veranstalter, Musikwissenschaftler oder Forscher aus aller Welt. Oft genug hören wir die Frage: "Was macht Ihr eigentlich den ganzen Tag?" -- nicht vorwurfsvoll oder zweifelnd, ob unsere Arbeit wohl sinnvoll sei, sondern einfach nur neugierig, womit man sich wohl beschäftigt, wenn man in einer solch einmaligen Einrichtung arbeitet. Hier also sind ein paar Antworten auf diese Frage … |
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Unsere eigenen Konzerte umfassten diesmal acht JazzTalk-Veranstaltungen, von denen drei als Kooperation mit anderen Partnern über die Bühne gingen: Im Januar erzählte Sheila Jordan in der Bessunger Knabenschule von Charlie Parker, ihrer eigenen Art von Vocalese-Gesang, vom Teufel Alkohol und der Macht der Musik und wurde in ihrem Konzert begleitet vom Christof Sänger Trio und dem Posaunisten (und Sänger) Allen Jacobson. Im Februar hatten wir mit Vijay Iyer den zur Zeit wohl gefragtesten Pianisten der New Yorker Szene in einem fulminanten Triokonzert mit Stephen Crump und Marcus Gilmore zu Gast. Im Mai kam Irène Schweizer mit Omri Ziegele und Makaya Ntshoko zum JazzTalk, und im Juni die hierzulande wenig bekannte, aber unglaublich swingende Pianistin Lee Shaw, die mit 83 Jahren immer noch auf Risiko geht in ihren Improvisationen. Emil Mangelsdorff und Wolfgang Schlüter waren zwei JazzTalks im Rahmen unseres Darmstädter Jazzforums gewidmet, über das wir später noch mehr berichten werden. Angelika Niescier kam im Oktober mit ihrem Quartett und begeisterte die Zuhörer im wie inzwischen eigentlich immer gut gefüllten Keller. Im November kam mit Joe Viera ein Musiker, der seit mehr als 50 Jahren den Jazz lebendig begleitet, durch dessen Workshops Tausende an Musikern gegangen sind und dessen eigene Reihe "JazzTalk", die er in den 1990er Jahren in München durchführte, unserer Konzertreihe ihren Namen gegeben hatte. Schließlich stellten wir im April in unserer Reihe <forum international> das Jordi Berni Trio mit Santi de la Rubia aus Barcelona vor. Sowohl Sheila Jordan wie auch Lee Shaw waren übrigens auf Einladung der Bessunger Knabenschule in Darmstadt, die uns die Gelegenheit zur Kooperation beider Konzerte für einen JazzTalk anbot. Der Gewölbekeller des Jazzinstituts wird außerhalb von Konzerten von Bands zum Proben genutzt. Uli Partheil gibt hier regelmäßig Unterricht, und die Sängerin Ulrike Leifels probt hier mit ihrem Projektchor "mixed vocals". |
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Zu den Referenten zählten die Musikwissenschaftler William Bares, Harald Kisiedu, Wolfram Knauer, Kai Lothwesen, Martin Pfleiderer, Wolfgang Sandner oder Jürgen Schwab, der Kunsthistoriker René Grohnert, der Historiker Rüdiger Ritter, die Soziologin Silvana Figueroa-Dreher, die Journalisten Harald Justin, Michael Rieth und Michael Rüsenberg sowie der Posaunist Nils Wogram. Die Musik kam nicht zu kurz, in zwei JazzTalks mit Emil Mangelsdorff, der mit seinem Quartett im Gewölbekeller des Jazzinstituts spielte, und Wolfgang Schlüter, der im Duo mit dem Pianisten Boris Netsvetaev in der Frankfurter Fabrik auftrat, sowie zwei Konzerten in der Bessunger Knabenschule, in denen sich Roswell Rudd (im Duo mit dem Pianisten Lafayette Harris), Nils Wogram mit dem Nostalgia Trio (Florian Ross, Dejan Terzic) sowie Joe Sachse und Uwe Kropinski vor dem Posaunisten verneigten. Und zum Schluss war in der Darmstädter Kunsthalle noch die "Albert Mangelsdorff Rolle" in voller Länge von viereinhalb Stunden zu sehen, ein Zusammenschnitt von Konzert- und Interviewszenen aus fünf Jahrzehnten. In Kooperation mit dem Institut für Stadtgeschichte Frankfurt/Main initiierten wir anlässlich des Jazzforums außerdem eine Wanderausstellung auf zehn großformatigen Tafeln, die künftig von Clubs und Festivals ausgeliehen werden kann, komplett mit Musikbeispielen auf mp3-Spielern, die den einzelnen Tafeln zugeordnet sind. Die Referate des 11. Darmstädter Jazzforums werden 2010 in Buchform in unserer Reihe "Darmstädter Beiträge zur Jazzforschung" veröffentlicht -- wir sitzen bereits an der Redaktion des Buchs. |
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Der Verein zur Förderung des zeitgenössischen Jazz in Darmstadt e.V. steht seit Jahren an erster Stelle unserer Kooperationspartner -- ohne den aktiven Darmstädter Verein, der nicht nur unseren Keller aktiv mit Musik füllt, sondern auch bei unseren eigenen Konzerten für das leibliche Wohl der Gäste sorgt, wären viele unsere Konzertaktivitäten nicht möglich. Das Institut für Neue Musik und Musikerziehung war während seiner Frühjahrstagung wieder mit einem Nachtkonzert zu Gast im Jazzinstitut, bei dem 2009 der Perkussionist Günter Baby Sommer kongenial in musikalische Dialoge mit dem Dichter Dieter M. Gräf trat. Die Darmstädter Jazz Conceptions wurden 2009 volljährig: Zum 18. Mal führten wir sie in Kooperation mit dem Kontrabassisten Jürgen Wuchner und dem Kulturzentrum Bessunger Knabenschule durch. Fünf Ensembles, ein Großensemble, etwa 55 Teilnehmer und sechs Dozenten belebten die Knabenschule mit Improvisation und Bandexperimenten. Am Abend spielten die Musikerinnen und Musiker an Spielorten in ganz Darmstadt bei Sessions auf, bei denen meist bereits Zwischenergebnisse der täglichen Arbeit vorgestellt wurden; am Freitag und Samstag folgten fulminante Abschlusskonzerte sowohl der einzelnen Ensembles als auch eines mit an die 25 Musikern besetzten Großensembles sowie der Dozenten. Wir versuchen bei den Dozenten immer eine Mischung als altbekannten und neuen Gesichtern, und so war es auch 2009. Mit dabei war "wie immer" Jürgen Wuchner, außerdem der Darmstädter Pianist Uli Partheil, daneben die Sängerin, Tänzerin und Schauspielerin Élodie Brochier, der Posaunist Gerhard Gschlößl, der Schlagzeuger Mani Neumaier sowie die Saxophonistin Christina Fuchs, die 2009 das Großensemble leitete. Doris Schröder bot 2009 mehrere Kurse der Akademie 55 Plus an, einer Bildungseinrichtung, die sich an Menschen ab 55 Jahren richtet. Im März wurden dabei die dem Jazz gewidmeten Bilder der Darmstädter Künstlerin Regina Basaran vorgestellt; im Mai Fotos von Reinhard Bartmann, beides also Begleitveranstaltungen zu Ausstellungen in der Galerie im Jazzinstitut. Ein wichtiger Partner bei unseren Konzertveranstaltungen ist seit vielen Jahren die Kanzlei v. Minkwitz, Erdl, Kochenburger in Frankfurt, die uns finanziell unterstützt und damit die Konzerte unserer JazzTalk-Reihe ermöglicht. Im Januar 2009 nahmen wir eine neue Beschallungsanlage in Betrieb, die durch eine großzügige Spende der Sparkasse Darmstadt ermöglicht wurde. Das Land Hessen förderte 2009 sowohl die Jazz Conceptions als auch unser Darmstädter Jazzforum. Weitere Kooperationspartner, mit denen wir 2009 an verschiedenen Projekten eng und erfolgreich zusammenarbeiten konnten, waren Catalan! Arts und die Kulturstiftung Ramon Llull, das US-Generalkonsulat Frankfurt am Main, das Kulturzentrum Die Fabrik in Frankfurt, das Institut für Stadtgeschichte Frankfurt/Main, die Kunsthalle Darmstadt sowie -- wie seit vielen Jahren -- das Goethe-Institut. Letzteres beehrte uns im März mit einem Besuch im Rahmen einer Fortbildungsveranstaltung für Goethe-Mitarbeiter. Allen unseren Partnern sei an dieser Stelle für die Unterstützung unserer Arbeit und die gelungene Zusammenarbeit von Herzen gedankt. |
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Daneben stellte Doris Schröder eine neue Wanderausstellung mit dem Titel "One Tension. Albert Mangelsdorff" zusammen, die während des 11. Darmstädter Jazzforums im Foyer der Bessunger Knabenschule gezeigt wurde und ab 2010 als Wanderausstellung ausgeliehen werden kann. Die Ausstellung zeigt auf 10 großformatigen Leinwänden verschiedene Stationen und Seiten im Wirken Albert Mangelsdorffs in Bild und Schrift, vor allem aber auch in klingenden Beispielen auf mp3-Spielern, die den jeweiligen Tafeln zugeordnet sind. Unsere Wanderausstellung "Jazz Changes" war 2009 in Frankfurt/Main (Januar/Februar), Rheine (Juni) und Fürth (August/September) unterwegs. Exponate aus dem Fundus des Jazzinstituts waren im Januar und Februar in der Ausstellung "Il secolo del jazz" im Museo di arte moderna e contemporanea in Rovereto, Italien zu sehen, die von März bis Juni als " Le Siècle du Jazz" im Musée du Quai Branly in Paris und von Juli bis Oktober unter dem Titel " El segle del jazz" im Centre de Cultura Contempoània de Barcelona gastierte. Seit Oktober zeigt das Jüdische Museum Berlin die Ausstellung "It must schwing. Blue Note" mit Fotos von Francis Wolff. Im Rahmen dieser Ausstellung ist auch ein wichtiges Exponat aus dem Archiv des Jazzinstituts zu sehen: ein Notizbuch, in dem Hans Blüthner in den 1930er Jahren die im Besitz von Mitgliedern des Hot Circle Berlin befindlichen Platten notiert hatte -- unter ihnen insbesondere Frank Wolff, der später als Francis Wolff nach New York emigrierte Blue-Note-Mitbegründer und Fotograf. Noch immer (und noch bis 2011) tourt unsere Ausstellung "Deutscher Jazz / German Jazz" in zwei Exemplaren für das Goethe-Institut durch die Welt und machte 2009 Station unter anderem in Glasgow (Juni), Schwäbisch Hall (März/April), Penang, Malaysia (Dezember) und vielen anderen Regionen. Anfang 2010 wird sie in Mexiko (Januar/Februar) und Bangkok (Februar) zu sehen sein. |
Bücher und sonstige Veröffentlichungen
Der 2008 erschienene Katalog Il Secolo del Jazz. Arte, cinema, musica e fotografia da Picasso a Basquiat zur bereits genannten Ausstellung im italienischen Rovereto, herausgegeben von Daniel Soutif, erschien bereits im November 2008 im Skira-Verlag, Mailand; 2009 erschien eine leicht veränderte Fassung als Le Siècle du Jazz. Art, cinema, musique et photographie de Picasso à Basquiat im Verlag des Musée du Quai Branly in Paris sowie eine spanische Ausgabe unter dem Titel El segle del jazz im Verlag des Centre de Cultura Contemporània in Barcelona. Der Katalog enthält etliche Abbildungen von Leihgaben aus dem Jazzinstitut Darmstadt. Wolfram Knauer publizierte eine persönliche Hommage an Joachim Ernst Berendts Bedeutung für den deutschen Jazz in Andrew Hurleys Buch The Return of Jazz. Joachim-Ernst Berendt and West German cultural change (New York 2009: Berghahn), sowie nicht weniger persönliche Erinnerungen an seine ersten New Yorker Jazz-Eindrücke in Werner W. Lorkes großformatigem Fotoband MYNY. Werner W. Lorke Photography, New York City 1984-2001 (Stuttgart 2008: edition esefeld & traub). Er verfasste diverse Plattentexte, darunter einen umfangreichen Essay für eine Produktion der hr-Bigband: Money Jungle. Ellington reorchestrated (Frankfurt 2009: hr music hrmj 041-09). Knauers Grundsatzreferat zu einer Jazzkoferenz in Aalborg/Dänemark mit dem Titel "History or Histories. Why it is so difficult to draft a European jazz history" wurde im von Thomas A. Jacobsen herausgegebenen Kongressbericht National and local jazz history writing in the Nordic countries. Conference Report, 8th Nordic Jazz Conference (Aalborg 2009: Center for Dansk Jazzhistorie) abgedruckt. Die in den USA erscheinende Zeitschrift Jazz Perspectives, in deren Herausgebergremium Knauer verantwortlich mitwirkt, wurde im letzten Jahr auf drei Bände jährlich erweitert. Doris Schröder publizierte zwei Berichte über Ausstellungen im Jazzinstitut (Regina Basaran, Reinhard Bartmann) in der Zeitschrift Jazz Podium; Arndt Weidler verfasste einen Text über das German Jazz Meeting für das neue Goethe-Institut-Portal "Jazz aus Deutschland". Schließlich sind auch 2009 etliche Bücher erschienen, an denen das Jazzinstitut zumindest indirekt beteiligt war, weil die Autoren selbst in Darmstadt recherchiert oder von Darmstadt aus Hilfestellungen für ihre Recherchen erhalten hatten. Zu diesen Büchern zählt beispielsweise das bereits erwähnte Buch The Return of Jazz. Joachim-Ernst Berendt and West German cultural change von Andrew Hurley, aber auch das von Gundula Bavendamm herausgegebene Buch Amerikaner in Hessen. Eine besondere Beziehung im Wandel der Zeit (Hanau 2008: ConCon Verlag) oder Gérard Regniers Buch Jazz et societé sous l'Occupation (Paris 2009: l'Harmattan). Fertiggestellt, aber noch nicht veröffentlicht ist Knauers Biographie des Trompeters Louis Armstrong, die Anfang 2010 im Reclam-Verlag (Universal Bibliothek) erscheinen wird; 2010 wird außerdem die Dokumentation unseres 11. Darmstädter Jazzforums zu Musik und Wirken Albert Mangelsdorffs erscheinen. |
Sammlungszuwächse und Archivarbeit
Bevorstehende Platzprobleme aber bedeuten nicht, dass wir keine Sammlungen mehr entgegennehmen würden. Im Gegenteil: Wir erhalten laufend Angebote und Schenkungen, die wir gern ins Archiv aufnehmen. 2009 zählten hierzu etwa Papiere des Forschers Knud Wolffram, der lange Jahre über die Frühzeit des deutschen Jazz forschte, sein eigenes Plattenlabel betrieb und uns dankenswerter Weise seine Unterlagen zu vielen Künstlern überließ, die in den 20er und 30er Jahren vor allem in Berlin aktiv waren. Von Horst Bergmeier und Rainer E. Lotz übernahmen wir den Rest ihres digitalen biographischen Jazzlexikons zur frühen deutschen Jazzgeschichte -- eine Fundgrube für Forscher, weil die beiden Kenner der Materie hier viel an Informationen zusammengefasst haben, die ihnen bei anderen Recherchen unterkamen, die aber nie publiziert wurden. Günter Holthoff stellte uns unzählige digitale Zeitungskopien zur Geschichte des Jazz in Krefeld zur Verfügung; Gerhard Hopfe schickte uns wie seit langem Material insbesondere über die Berliner Jazzszene. Von Barbara Ruland übernahmen wir eine wertvolle Sammlung mit Zeitungsausrissen aus dem Nachlass ihres Mannes, des Münchner Jazzkenners Hans Ruland. Von Gertrud Schrader übernahmen wir eine Sammlung von etwa 170 Aktenordnern voll mit Negativen und Abzügen aus dem Nachlass des Hannoveraner Sammlers und Hobbyfotografen Willi Schrader. Viele der Abzüge sind mit Originalautogramms versehen; das Konvolut stellt zugleich eine Art Jazzgeschichte Hannovers (und darüber hinaus) dar. Des weiteren erhielten wir kleinere Sammlungen, Noten, historische Programmhefte und Plakate, Bücher, Schallplatten und CDs von etlichen Sammlern, die wissen, dass diese bei uns gut aufgehoben sind. Alle bei uns eingehenden Sammlungen werden sorgfältig aufgearbeitet, wobei uns unsere ehrenamtlichen Kräfte, Ute Dotzert, Rainer Grobe, Alexander von Leliwa, Helmut Lücke, Katrin und Günter Schapka eine riesige Hilfe sind. Wir beschäftigten immer wieder Praktikanten, und zwei von ihnen konnten 2009 zwei uns besonders wichtige Projekte angehen: Sarah Ludwig-Simkin sichtete, ordnete und erfasste die Manuskripte Wilhelm Lieflands, die seit Mitte der 1990er Jahre unerschlossen im Jazzinstitut lagerten -- eine Übersicht über Lieflands Manuskripte, Kritiken etc., die wir im nächsten Jahr online stellen wollen. Emmanuel Bechtold erstellte für uns eine Online-Datenbank, in die wir die bereits erfassten Tonträger einpflegen konnten, so dass Besucher jetzt schon vor ihrem Besuch recherchieren können, was sie in etwa bei uns erwartet. An dieser Stelle macht es vielleicht Sinn, noch einmal darauf hinzuweisen, dass wir grundsätzlich an Dokumenten insbesondere zur deutschen Jazzgeschichte interessiert sind. Oft ist Sammlern, Musikern, Veranstaltern, Agenten oder sonst mit dem Jazz Befassten gar nicht bewusst, dass Fotos, Noten, Briefe, Programmhefte, Plakate, alte Zeitschriften, Zeitungsausschnitte oder sonstige Dokumente in ihrem Besitz für andere von Interesse sein könnten. Bevor Sie also den Papiercontainer öffnen, wenden Sie sich an uns! Und sollten Sie in Ihrem Bekanntenkreis von jemandem wissen, der solche Erinnerungsstücke besitzt, lassen Sie ihn oder sie von unserer Existenz wissen. Es ist wirklich jammerschade, wieviel spannendes Material verloren geht, weil die Besitzer der Meinung waren, das interessiere wohl eh niemanden. Unser Interesse gilt dabei auch Noten: Kompositionen, Skizzen, Arrangements, Bandbücher und vieles mehr kann Forschern im Jazzinstitut helfen, die Entwicklung der Musik mit Hilfe konkreter Dokumente nachzuvollziehen. Lassen Sie also insbesondere auch Musiker in Ihrem Umfeld von unserem Interesse wissen. |
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Unser digitales Archiv wächst genauso schnell wie das physische. Statt Fotokopien fertigen wir in der Regel Scans von Artikeln, die wir dann auf Nachfrage an interessierte User versenden können. Mit dieser "Puzzle"-Technik haben wir uns schon einen recht großen Bestand an wichtigen Artikeln und Informationen über den Jazz "zusammen-digitalisiert" und zugleich im Jazz-Index "verkartet", einer weltweit einzigartigen (weltweit genutzten und weltweit gelobten) bibliographischen Datenbank zum Jazz. Zu den weiteren Online-Angeboten des Jazzinstituts ist unser Jazzbrief zu zählen, der über Aktivitäten des Jazzinstituts berichtet, aber auch Fragen beantwortet, die uns so oft gestellt werden, dass wir meinen, eine "öffentliche" Beantwortung würde Sinn machen. Vor allem aber haben unsere Online-Jazz News Furore gemacht, in denen wir täglich Pressemeldungen, Interviews oder interessante Artikel aus weltweiten Tageszeitungen aussuchen, und zusammenfassen, um diese Zusammenfassungen dann etwa alle 10 Tage in zwei Fassungen (deutsch/englisch) an interessierte Leser in aller Welt zu verschicken. Warum diese Arbeit? Nun, wir wollen möglichst viele am Jazz Interessierte auf unsere vielfältigen Aktivitäten aufmerksam machen. Insbesondere die internationalen Leser der Jazz News schätzen aber auch, dass sie durch unseren Newsletter beispielsweise über europäische Musiker informiert werden, die in der englischsprachigen Jazzpresse kaum vorkommen. Die positiven Reaktionen vieler Leser ermutigen uns, die Jazz News weiterzuführen, zumal selbst NPR, National Public Radio, also das nicht-kommerzielle öffentliche Radionetzwerk der Vereinigten Staaten, sie interessant genug fand, um sie in einem eigenen Blog-Beitrag ausführlich zu würdigen. |
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Das German Jazz Meeting findet alle zwei Jahre als ein Showcase-Festival statt, das einen Querschnitt der lebendigsten Projekte präsentieren will, die Deutschland momentan im Bereich des zeitgenössischen Jazz zu bieten hat. Das nächste German Jazz Meeting steigt also erst im April 2010, doch der Verein German Jazz Meeting mit Sitz im Jazzinstitut muss auch in den Jahren dazwischen die Vor- und Nachbereitung dieser Veranstaltung leisten, also Anträge stellen, Konzepte abklären, Gelder beantragen, abrufen und abrechnen. Um letzteres ging es 2009 vor allem: Der Verein German Jazz Meeting unter Vorsitz von Arndt Weidler musste Gelder finden, damit die Veranstaltung 2010 überhaupt stattfinden kann. Der Verein selbst hat schließlich keine Eigenmittel und musste sich bislang jedes Mal neue Geldgeber suchen. Das bedarf vieler Telefonate und Treffen, manchmal frustrierender Überzeugungsarbeit an Stellen, an denen man denkt, hier sollte solche eigentlich gar nicht mehr nötig sein. Für 2010 konnte neben der Messe Bremen, also neben der bislang einzigen Konstante der Veranstaltung, die Initiative Musik als Partner gewonnen werden. Arndt Weidler war entsprechend viel unterwegs in diesem Jahr, bei Arbeitstreffen mit den anderen Verantwortlichen des Vereins genauso wie mit den Kollegen der Bundeskonferenz Jazz (www.bkjazz.de), eines losen Zusammenschlusses, der die Lobbyarbeit im Jazzbereich bündeln will, daneben politische Hintergrundgespräche vorbereitet und führt sowie vieles mehr. Die Bundeskonferenz Jazz auch hatte sich im Jahr der Bundestagswahl an die im Bundestag vertretenen Parteien mit Wahlprüfsteinen zum Jazz in Deutschland gewandt und diese noch vor der Wahl publiziert. Wie wichtig solche Lobbyarbeit tatsächlich ist, ist aus den seltsamen Reaktionen etwa des Feuilletonchefs einer großen deutschen Tageszeitung zu erlesen, der Wahlprüfsteine zum Jazz für genauso unnötig hält wie scheinbar überhaupt eine Exportförderung für kreative Musik. Arndt Weidler saß erneut in der Jury des Neuen Deutschen Jazzpreises Mannheim. Wolfram Knauer ist nach wie vor im Jazz-Beirat des Deutschen Musikrats sowie im Musikbeirat des Goethe-Instituts aktiv, in letzterem seit 2009 als Beiratsvorsitzender. Das klingt alles ein wenig nach Funktionärstätigkeiten, aber eine Präsenz in solchen Netzwerken ist notwendig, um etwas für den Jazz zu erreichen. Wir versehen all solche Aufgaben also in der Hoffnung, mit ihnen den Jazz und seine kreative Kraft zu stärken und der Jazzszene dort eine Stimme zu verschaffen, wo sie oft genug vergessen wurde. |
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Das Jazzinstitut war auch 2009 an Projekten beteiligt, die weit über Europa hinausreichten. Zum einen ist Darmstadt eh Anlaufstelle für Forscher und Journalisten von überall her, zum zweiten arbeiten wir immer wieder mit Partnern zusammen, die das Darmstädter Knowhow zu schätzen wissen. Unsere Beziehungen zur Columbia University in New York sind nach wie vor eng; wir sind Berater für die vom Center for Jazz Studies an der Columbia University ins Leben gerufenen Website www.jazzstudiesonline.org. Ein weiterer enger Partner ist die Charleston Jazz Initiative, eine Initiative, die die lokale und regionale Jazzgeschichte in Charleston, South Carolina, erkundet und dokumentiert. Auch amerikanische Universitäten und Verlage bitten das Jazzinstitut regelmäßig um Gutachten für jazzbezogene Projekte, sei es über bevorstehende Buchprojekte oder über laufende und zukünftige Forschungsvorhaben. |
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Unsere 19. Darmstädter Jazz Conceptions fallen diesmal in die Finalwoche der Fußballweltmeisterschaft (5. bis 10. Juli 2010); aber das gab es auch früher schon mal und so werden wir einfach dafür sorgen, dass neben den Veranstaltungsorten auch ein Fernseher verfügbar ist -- denn Jazz und Fußball lassen sich durchaus miteinander verbinden. 2010 planen wir die Herausgabe des neuesten Bandes unserer Darmstädter Beiträge zur Jazzforschung, der die Referate des 11. Darmstädter Jazzforums enthalten wird. Wir werden einen Relaunch unserer Website vornehmen, angefangen mit dem Online-Wegweiser Jazz, der im ersten Quartal online gehen soll, dann aber auch die restlichen Seiten unserer Website betreffend. Am 12. Februar ist das Pablo Held Trio bei einem JazzTalk im Gewölbekeller des Jazzinstituts zu Gast, am 12. März Hans Lüdemann mit seinem Trio Ivoire, am 16. April das Adam Pieronczyk Trio sowie am 10. Dezember das Alexander von Schlippenbach Trio. Der Förderverein Jazz plant Konzerte mit Jürgen Wuchner (22. Januar), Jan Klare (19. Februar), dem Christoph Thewes Quintett (19. März) und Peter Brötzmann im Duo mit Jörg Fischer (19. März). Zusammen mit unseren beiden Darmstädter Schwesterinstituten, dem Internationalen Musikinstitut Darmstadt und der Akademie für Tonkunst, werden wir im nächsten Jahr außerdem mit einer neuen Vortragsreihe beginnen, bei der wir Projekte und Forschungsinhalte vorstellen möchten, die direkt oder indirekt mit unseren Einrichtungen zu tun haben, also etwa Forschungen, für die Wissenschaftler oder Musiker an unseren Archiven recherchiert haben. Die Darmstädter Musikgespräche, wie wir diese Reihe genannt haben, werden viermal im Jahr im Vortragssaal des Literaturhauses (Kasinostraße 3) stattfinden. Weitere Konzerte und Veranstaltungen sind in Planung und werden im Laufe des Jahres auf unserer Website veröffentlicht. |
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Das Jazzinstitut ist eine städtische Einrichtung, und nach wie vor -- und gerade in schweren Zeiten wie diesen -- ist das ein außergewöhnliches Engagement einer Kommune für eine Sache, die von vielen immer noch als exotisch angesehen wird. Am 1. September 1990 wurde das Jazzinstitut offiziell gegründet, nachdem die Sammlung Joachim Ernst Berendts bereits seit den Mitt-1980er Jahren als Grundstock unseres heutigen Archivs gesichert worden war. Wir feiern also 2009 unser 20-jähriges Bestehen, und die Stadt Darmstadt weiß um das Ansehen, das sich mit ihrem Namen durch unsere Arbeit überall in der Welt verbindet. Wir wiederum wissen um das Engagement, das auch uns trägt und danken einmal mehr allen, die uns in unserer Arbeit tatkräftig unterstützen: den vielen Kollegen in der Stadtverwaltung (und hier insbesondere im Kulturamt), den politischen Gremien der Stadt Darmstadt, unseren sechs ehrenamtlichen Kollegen (und dem Verein Ehrenamt für Darmstadt e.V.), die uns insbesondere bei der Archivierung unser Bestände von unschätzbarer Hilfe sind, den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Darmstadt, die das Jazzinstitut seit seiner Gründung tragen, den Jazzfreunden und Jazzmusikern, die sich daran gewöhnt haben, dass es in dieser Stadt ein Jazz-Zentrum gibt, das weltweit seinesgleichen sucht. Wir wissen, dass unsere Arbeit nur in diesem Klima gedeihen kann, in dem wir dauernd dazu ermuntert werden, unsere Ideen auch in Realität umzusetzen. Hier in Darmstadt geht das immer noch besser als irgendwo sonst. Und vielen Dank nicht zuletzt auch den vielen Freunden des Jazzinstituts, denjenigen, die unsere Sammlung regelmäßig durch Spenden oder Schenkungen erweitern, aber auch all denen, die uns durch Anfragen und (durchaus auch kritische) Anregungen immer wieder den Weg weisen, was noch zu tun sein könnte in diesem großen, swingenden Metier. Wer unsere Arbeit beobachtet, weiß, dass wir auf solche Anregungen meist auch reagieren, denn ohne Sie bräuchte es auch uns nicht. Ein Archiv, ein Dokumentations- und Informationszentrum legitimiert sich immer auch dadurch, dass es gebraucht wird. Und Ihr/Sie alle geben uns (weiß Gott!) dieses Gefühl. Danke! |
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Wir? Das sind Doris Schröder, Arndt Weidler, Sara Barth und Wolfram Knauer, die Mitarbeiter des Jazzinstituts Darmstadt, einem Kulturinstitut der Stadt Darmstadt, die jetzt ein wenig durchatmen, und Euch / Ihnen ein gesundes, frohes, erfolgreiches und vor allem jazz-reiches Neues Jahr wünschen. |
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