Jazzbrief
aus Darmstadt Juni / June 2010 |
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16. Juni 2010 |
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"Der Jazzbrief" hieß eine Publikation, die Aktivitäten des Jazzinstituts Darmstadt beleuchtete, kleinere Beiträge publizierte, die sich aus der täglichen Arbeit des Jazzinstituts ergaben. Wir haben uns entschlossen, den Jazzbrief fürs erste elektronisch fortzuführen. Hier wollen wir Gedanken und Diskussionen öffentlich machen, die wir im Jazzinstitut führen, laden alle Leser dazu ein, sich an diesen Diskussionen zu beteiligen und uns ihre eigene Meinung mitzuteilen. Wir berichten über Sammlungszuwächse und sonstige Aktivitäten. Es handelt sich bei den Beiträgen auf dieser Seite nirgends um feststehende "Wahrheiten" über den Jazz, sondern um eine Sammlung von Notizen, Gedanken und Diskussionsbeiträgen.
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Inhalt
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Im Mai übernahmen wir eine kleine Sammlung von Anna und Joachim Zeh aus Darmstadt, in der sich sowohl etliche Schallplattenraritäten im EP-Format befanden wie auch Notenhefte. Eine uns bislang unbekannte Kuriosität möchten wir gerne vorstellen: eine Komposition mit dem Titel "Erinnerung an Satchmo", geschrieben für Altsaxophon und Klavier (plus Gitarre, Bass und Schlagzeug) von Joachim Gocht und veröffentlicht im Verlag VEB Friedrich Hofmeister in Leipzig. Das Stück ist auskomponiert (bis auf die Begleitung von Gitarre und Schlagzeug), ein "Gospel Waltz" in "mäßig swingendem" Tempo. Warum uns dieses Stück auffiel? Weil im März dieses Jahres ein Buch über Louis Armstrongs Tournee im März 1965 durch die DDR erschien (Stephan Schulz: What a Wonderful World. Als Louis Armstrong durch den Osten tourte), und diese Tournee sehr gut die Inspiration für Gochts Komposition gewesen sein mag. Was Gocht allerdings musikalisch vom Armstrongkonzert im Kopf gewesen sein mag, lässt sich schwer nachvollziehen; es muss wohl vor allem die Stimmung gewesen sein, die sich Gocht mitteilte und die ein wenig schwarze Kirche und jede Menge Körperlichkeit beinhaltete. Wir wissen nicht viel mehr über den Komponisten, Arrangeur und Tanzorchesterleiter Joachim Gocht, fanden aber eine Traueranzeige aus der Sächsischen Zeitung, die seine Lebensdaten enthält: 13.11.1935 in Leutersdorf, nahe Görlitz in Sachsen, gestorben am 14.3.2008 in Coswig an einem Lungenleiden. Von 1952 existiert ein Foto der Schlagersterne Zittau (www.toplivebands.de), auf dem Gocht am Altsaxophon zusammen mit seinem Bruder zu sehen ist, dem Trompeter Günter Gocht. In den frühen 1960er Jahren spielte Gocht zumindest bei einzelnen Konzerten mit der Modern Jazz Big Band von Klaus Lenz (www.ostbeat.de, www.jazz-in-goerlitz.de), außerdem absolvierte er von 1962-67 ein Fernstudium an der Musikhochschule Berlin und leitete von 1964-69 das Neugersdorfer Schauorchester Astoria. In den einschlägigen Büchern zum ostdeutschen Jazz taucht Gocht nicht auf, dafür begleitete über Jahre hinweg das Orchester Joachim Gocht DDR-Schlagersstars und nahm auch eigene Schlagertitel für das DDR-Plattenlabel Amiga auf (www.discogs.com). Gocht unterrichtete von 1972-77 als Dozent an der Berliner Musikhochschule Komposition und Arrangement, war außerdem fürs DDR-Fernsehen tätig, etwa 1973 als Arrangeur für die beliebte Sendung "Ein Kessel Buntes" und 1976-1991 als musikalischer Leiter der Sendung "Alles singt". In späteren Jahren war Gocht außerdem als Arrangeur für Blasmusik geschätzt -- unter anderem leitete er von 1994 bis zu seinem Tod die Löbauer Berg-Musikanten. |
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Titelseite des Heftes |
Anfang der Komposition "Erinnerung an Satchmo |
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Schlagersterne (Zittau), 1952
GTO oder Tanz- und Schauorchester "Astoria", 1960er Jahre |
Löbauer Berg-Musikanten, 2007 |
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