Jazzbrief aus Darmstadt
Jazzletter from Darmstadt

Dezember 2011

31. Dezember 2011

"Der Jazzbrief" hieß eine Publikation, die Aktivitäten des Jazzinstituts Darmstadt beleuchtete, kleinere Beiträge publizierte, die sich aus der täglichen Arbeit des Jazzinstituts ergaben. Wir haben uns entschlossen, den Jazzbrief fürs erste elektronisch fortzuführen. Hier wollen wir Gedanken und Diskussionen öffentlich machen, die wir im Jazzinstitut führen, laden alle Leser dazu ein, sich an diesen Diskussionen zu beteiligen und uns ihre eigene Meinung mitzuteilen. Wir berichten über Sammlungszuwächse und sonstige Aktivitäten. Es handelt sich bei den Beiträgen auf dieser Seite nirgends um feststehende "Wahrheiten" über den Jazz, sondern um eine Sammlung von Notizen, Gedanken und Diskussionsbeiträgen.

"The Jazzletter" was a publication in which the Jazzinstitut Darmstadt reported about some of its activities and published short essays, results from the daily work at the Jazzinstitut. We decided to continue the Jazzletter electronically, publishing some of our thoughts and internal discussions and inviting everyone to participate and tell us what they think. We also report about additions to the jazz collection of the Jazzinstitut and other acitivities. This is a collection of notes, thoughts and discussions more than a statement of "truths" about jazz.
 


2011 --- 2012
Zwischen den Jahren ... Zeit für einen Rückblick

Vorab

Ganz am Anfang wollen wir vorsichtshalber allen Lesern ein frohes Neues Jahr wünschen. Vorsichtshalber? Ja, weil wir aus Erfahrung klug geworden sind und wissen, dass die doch recht ausführlichen Jahresrückblicke, zu denen wir neigen, durchaus auch ermüdend sein können. Sofern Sie es also nicht bis zum Schluss schaffen, in dem wir noch etwas ausführlicher (!) unsere Neujahrswünsche aussprechen, wollen wir das einfach schon mal erledigt haben, auf dass niemand sagen kann: Die vom Jazzinstitut schicken lange Mails, aber sagen nicht mal: Happy New Year!

Lassen Sie sich von der Länge des Textes nicht abschrecken. Wir erwarten nicht, dass Sie ihn von vorne bis hinten lesen. Wir haben einfach so viele unterschiedliche Aktivitäten, sind auf so vielen Feldern aktiv, dass es schwer fällt, das alles kürzer zu fassen. Und dann hat diese Mail erfahrungsgemäß auf Sie eine informative und auf uns eine heilsame Wirkung: Wir machen uns tatsächlich Gedanken über vollendete und noch in Arbeit befindliche Projekte, darüber, wie wir die verschiedenen Aufgaben, die uns über die Jahre zugewachsen sind, noch sinnvoller strukturieren und noch serviceorientierter an Mann oder Frau bringen können. Schauen Sie kurz auf die Überschrift des entsprechenden Absatzes, lesen Sie quer, folgen Sie den Links oder aber drücken Sie einfach auf die segensreiche "Delete"-Taste, die auch aus Mails wie dieser ein für jeden erfahrbares Erfolgserlebnis werden lässt.

Sie können Siesen Jahresrückblick übrigens auch als PDF-Datei runterladen, dreispaltig und damit etwas leichter zu lesen oder auszudrucken.

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Und damit zur Sache:

Irgendwie ist der Winter auch nicht mehr das, was er mal war. Der Schnee war einen ganzen Tag lang zu sehen, aber Glühwein schmeckt nun mal am besten bei wirklichen Minus-Temperaturen. Auf dem Forstmeisterplatz vor dem Jazzinstitut findet jedes Jahr am 1. und 2. Adventswochenende ein kleiner Bessunger Weihnachtsmarkt statt, und eigentlich wünschten wir uns, dass der in den richtigen Winter verlegt würde. Aber dann können wir uns über die Nachbarschaft eigentlich nicht beklagen. Wer die Liegenschaft kennt, in der wir unser Domizil haben, weiß um den malerischen, französisch anmutenden Platz, den Jagdhof, an dem neben uns auch der Jagdhofkeller und das französische Restaurant Belleville zuhause sind (besonders wunderbar im Sommer, wenn man die Abende in deren Garten ausklingen lassen kann). Die Nachbarn Marianne und Klaus, die das Belleville betreiben, haben nun auch noch eine Epicerie eröffnet, in der es neben Käse, Wurst, Weinen und anderen französischen Spezialitäten das wohl leckerste Bauernbaguette der Region gibt – all das genau gegenüber.

Jagdhof
Blick aus dem Fenster

 Die Besucher im Jazzinstitut staunen immer noch über die Kisten, die sich in den Gängen stapeln, vom Zimmer des Institutsleiters mal ganz zu schweigen. Wir versichern – werden dabei aber oft genug nur mitleidig angesehen –, dass es sich dabei um ganz andere Kisten handelt als die, die beim letzten Besuch dastanden. Was zumindest teilweise völlig stimmt: Jedes Jahr erhalten wir mehr, meist Schenkungen, manchmal Nachlässe von Sammlern, denen es wichtig ist und war, dass ihre jahrelang zusammengetragenen Schätze sinnvoll genutzt werden.

Kisten
Kisten

Wir haben begonnen auszulagern, seitdem wir im vergangenen Jahr ein erstes Außenlager anmieten konnten. Wobei Auslagern weit einfacher klingt als es ist; bevor man nämlich sinnvoll auslagert, muss man wissen, was man auslagert und wie man es wieder findet. Aus den Augen ist erfahrungsgemäß aus dem Sinn, und so lagern wir nur das aus, was komplett und systematisch erfasst wurde. Aber dazu später mehr.

Wir sind, sollten wir hinzufügen, von Anfang an immer mehr gewesen als "nur" ein Archiv, und deshalb wird die reine Archivarbeit immer wieder von anderen Projekten unterbrochen. Von diesen soll unser Jahresrückblick berichten, der gute Tradition geworden ist und uns erlaubt, einen Blick darauf zu werfen, was im Jahr gelaufen ist, ob wir erreicht haben, was wir erreichen wollten, welche Projekte es uns gelang anzuschieben und welche Ergebnisse dabei herauskamen. Uns hilft dieser Jahresrückblick, den Schreibtisch im Kopf ein wenig aufzuräumen. Ihnen, geneigte Leser, gibt er vielleicht ein wenig Einblick in all das "andere", das wir auch noch so treiben hier in Darmstadt, im Bessunger Kavaliershaus mit der Wettertrompete auf dem Dach und dem in Bronze gegossenen und Mundharmonika spielenden Little Walter vor der Tür.

Trompete
Wettertrompete

Unsere Website www.jazzinstitut.de zeigt die unterschiedlichen Facetten unserer Arbeit. Unser tägliches Geschäft ist die lokale und regionale Kulturarbeit, die nationale und internationale Lobbyarbeit für den Jazz, die Jazzforschung im weitesten Sinne. Wir nehmen Beraterfunktionen für ganz unterschiedliche Gremien wahr, sind international ein gefragtes und anerkanntes Forschungszentrum und sowieso bekannt dafür, dass Antworten aus Darmstadt schnell kommen und verlässlich sind. Tatsächlich aber sind diese ganz unterschiedlichen Seiten unserer Arbeit vielen unserer Nutzer kaum bekannt -- ob dies nun Besucher unserer Konzerte sind, Musiker, Veranstalter, Musikwissenschaftler oder Forscher aus aller Welt. Oft genug hören wir die Frage: "Was macht Ihr eigentlich den ganzen Tag?" -- nicht vorwurfsvoll oder zweifelnd, ob unsere Arbeit wohl sinnvoll sei, sondern einfach nur neugierig, womit man sich wohl beschäftigt, wenn man in einer solch einmaligen Einrichtung arbeitet. Hier also sind ein paar Antworten auf diese Frage …

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Konzerte im Gewölbekeller

Als wir vor 14 Jahren ins historische Bessunger Kavaliershaus zogen, wussten wir von Anfang an, das wir einen Glücksgriff getan hatten mit einer Residenz, die ideal Theorie und Praxis miteinander verbinden konnte: Archiv und Forschung im Haus, und im Gewölbekeller darunter Livemusik. An fast allen Freitagen des Jahres wird dieser Keller zu einem der beliebtesten Jazzclubs in der Region, in den die Besucher kommen, egal ob sie wissen, was sie erwartet oder ob sie sich überraschen lassen wollen.

Die Konzerte im Gewölbekeller werden teils von uns, teils vom Förderverein Jazz organisiert. Gemeinsam führten wir 2011 mehr als 30 Konzerte im Gewölbekeller durch, dazu zwei Openair-Auftritte vor dem Jazzinstitut und mit dem 12. Darmstädter Jazzforum und den Jazz Conceptions verschiedene Veranstaltungen anderswo.


Publikum im Gewölbekeller
(Rüdiger Vogt)

Die Konzerte im Gewölbekeller sind nur möglich dank der seit Anbeginn an engen und guten Zusammenarbeit mit diesem von uns völlig unabhängigen Verein zur Förderung des zeitgenössischen Jazz in Darmstadt e.V., die wir gern als gelungenes Beispiel für die Kooperation einer städtischen Institution mit einem sehr aktiven lokalen Kulturverein darstellen.

Der Förderverein lud beispielsweise das Uwe Oberg Quartett mit einem Tribute to Paul Bley ins Jazzinstitut, aus Berlin Klima Kalima und aus Polen Adam Pieronczyk mit seinem Komeda-Projekt, dem auch der amerikanische Saxophonist Gary Thomas angehörte. Christopher Dell war mit Christian Lillinger und Jonas Westergaard zu Gast. Der Verein unterstützte zudem etliche Konzerte regionaler Bands, organisierte zwei Openair-Konzerte vor dem Jazzinstitut (Cord Club im Juli und Thomas Siffling / Claus Boesser-Ferrari im August) und die monatliche Jam Session, die jedes Mal von einer heimischen Band eröffnet wurde.

Natürlich war Jürgen Wuchner im Keller zu hören, und im Januar wie im September spielte an zwei Abenden das David Margaryan Trio.

Jürgen Wuchner
Jürgen Wuchner
(Wilfried Heckmann)

Bei den musikalischen Höhepunkten in Verantwortung des Jazzinstituts sollten wir vielleicht hinten anfangen, beim Doppelkonzert des Paul Kuhn Trios im Dezember, bei dem die 83jährige Jazzlegende wie ein Junger swingte und mit seiner so einmaligen Stimme verzauberte. Kuhns Konzert war Teil unserer JazzTalk-Reihe, bei der wir Musiker nach der Pause, vor dem zweiten Set ein wenig aus ihrem Leben und über ihre musikalische Erfahrung plaudern lassen. Kuhn hatte natürlich genügend zu erzählen, und die beiden Abende waren kurzweilig wie selten.

Paul Kuhn
Paul Kuhn
(Wilfried Heckmann)

Angefangen hatten wir die JazzTalks im Januar mit einem Konzert des Wolfgang Schlüter Quartett, eine Kooperation mit der Bessunger Knabenschule. Sebastian Gramss und fossile 3 (mit Rudi Mahall) waren im Februar zu Gast. Manfred Bründls Band Silent Bass und ein Projekt, das sich der Musik Peter Trunks widmete, spielten im November (wiederum als Kooperation mit der Knabenschule).

Ein weiterer Höhepunkt war ein JazzTalk-Konzert mit dem Tony Oxley Quartett im April, bei dem der Gesprächspartner nicht Oxley war, sondern Ulrich Kurth, der Autor Oxleys frisch erschienener Biographie, die wir im Rahmen des Konzertabends vorstellten. Damit nicht genug zeigten wir in der Galerie des Jazzinstituts eine Ausstellung mit Bildern Oxleys, der sich nicht nur als Schlagzeuger, sondern auch als Maler einen Namen gemacht hat. Oxleys Konzert wurde vom Südwestrundfunk mitgeschnitten und an zwei Abenden gesendet.

Der Gewölbekeller des Jazzinstituts wird außerhalb von Konzerten von Bands zum Proben genutzt. Uli Partheil gibt hier regelmäßig Unterricht; die Sängerin Ulrike Leifels probt hier mit ihrem Projektchor "mixed vocals". Andere Bands benutzen ihn für Ton- oder Filmaufnahmen, sicher auch wegen der exzellenten Akustik und wegen unseres Steinways, der nach wie vor zu den besseren Instrumenten im Rhein-Main-Gebiet gehört

Das Fernsehen hat uns übrigens ebenfalls entdeckt: 2011 wurden Szenen für die Casting-Show "Dein Song" (KiKa) hier gedreht (für die neue Staffel im nächsten Jahr), und gerade erst letzte Woche erhielten wir ziemlich jazz-untypischen Besuch, als RTL ein Interview mit Menowin Fröhlich im Gewölbekeller drehte, dem berühmt-berüchtigten Star von "Deutschland sucht den Superstar", der in letzter Zeit eher weniger wegen musikalischer Aktivitäten in die Schlagzeilen kam.


DSDS zu Gast:
Menowin Fröhlich wird für RTL Exclusiv interviewt

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12. Darmstädter Jazzforum

Alle zwei Jahre führen wir mit dem Darmstädter Jazzforum eine große Konferenz zum Jazz durch, die sich jedes Mal mit einem anderen Thema befasst. 2011 lautete das Thema "Jazz. Schule. Medien", und in den Diskussionen der Tagung und der darum herumgruppierten Veranstaltungen ging es um ganz unterschiedliche Aspekte der Vermittlung improvisierter Musik.

Es ging etwa darum, dass man ein zukünftiges Publikum am besten dadurch erreicht, dass man bereits in der Schule Neugier auf den Jazz schafft und Berührungsängste abbaut. Es ging um die mediale Präsenz von Jazz in den tagesaktuellen Medien, also insbesondere den Print- und Online-Feuilletons der Tageszeitungen. Und es ging um die ganz direkte Beziehung zwischen Musiker und Publikum.


Nils Wülker, Julia Hülsmann
(Wilfried Heckmann)

Neben Referenten aus unterschiedlichen Fachgebieten luden wir dabei auch Journalisten und Musiker ein, um über ihre Erfahrungen zu berichten und zu diskutieren. Wir boten zwei Lehrerfortbildungen an sowie ein Konzert für Schülerinnen und Schüler, führten außerdem einen Online-Workshop für Journalisten durch (www.jazzkritik.de).

Lehrerfortbildung
Lehrerfortbildung
(Jonas Lohse)

Es gab Konzerte mit Angelika Niesciers Sublim (Niescier war auch Dozentin der Fortbildungen und präsentierte das Schulkonzert), mit Julia Hülsmann und Daniel Mattar, mit der Schweizer Formation Keller's 10 sowie mit der Nils Wülker Band.

Angelika Niescier
Angelika Niescier beim Schülerkonzert während des
12. Darmstädter Jazzforums in der Centralstation
(Wilfried Heckmann)

Zurzeit sitzen wir an der Auswertung der Ergebnisse, die sich – wie immer nach unseren Jazzforen – in einer Buchpublikation niederschlagen wird, die im Frühjahr 2012 erscheinen soll.

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Darmstädter Musikgespräche

Vor zwei Jahren begannen die drei städtischen Musikinstitute in Darmstadt, neben dem Jazzinstitut also das Internationale Musikinstitut sowie die Akademie für Tonkunst, eine gemeinsame Vortrags- und Gesprächsrunde. 2011 kamen wir an sechs Abenden ins Gespräch über ganz unterschiedliche Themen.

Musikgespräche

Im Januar unterhielt sich Wolfram Knauer mit Stephan Schulz über dessen Buch zu Louis Armstrongs DDR-Tournee von 1965 und Schulz unterhielt sich mit Knauer über seine eigene Armstrong-Biographie, die 2010 im Reclam-Verlag herausgekommen war.

Im Februar fragte Friederike Richter danach, wieviel Wurzeln Musik wohl brauche und berichtete aus ihrer praktischen Erfahrung als Dozentin an der Akademie für Tonkunst mit Studenten aus unterschiedlichen Teilen der Welt.

Im April waren Imke Misch und Simon Stockhausen zu Gast und erinnerten an Karlheinz Stockhausens Präsenz bei den Darmstädter Ferienkursen. Simon zeigte darüber hinaus, welche Möglichkeiten der elektronischen Klangerzeugung und -verarbeitung es heute gibt.

Im Juni referierte Manfred Bründl über seine Forschungen zu Leben und Werk des Jazzbassisten Peter Trunk.

Henning Lohner
Musikgespräch mit Henning Lohner
(Sybille Maxheimer)

Im September erzählte Henning Lohner von seiner Arbeit als Filmkomponist für Hollywood, aber auch über seine Kooperationen mit Frank Zappa oder Karlheinz Stockhausen.

Und im Dezember berichtete Stefan Hakenberg, wie seine Erfahrungen in Alaska seine Arbeit als Leiter der städtischen Musikschule in Darmstadt beeinflussen.

Fünf der sechs Termine fanden im Literaturhaus statt, mit Henning Lohner gingen wir erstmals an einen anderen Ort, diesmal ans Institut für Neue Technische Form. Für 2012 planen wir fünf Termine und eine neue inhaltliche Form, bei der wir das Gespräch noch mehr in den Mittelpunkt rücken wollen.

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Darmstadt in Bremen

Wie in jedem Jahr seitdem die Messe JazzAhead! 2006 zum ersten Mal durchgeführt wurde, präsentierten wir uns auch im vergangenen Jahr mit einem eigenen Stand auf diesem wichtigsten europäischen Umschlagplatz für Informationen. Zusammen mit dem Klaus-Kuhnke-Archiv für Populäre Musik aus Bremen und dem Lippmann+Rau-Musikarchiv aus Eisenach führten wir im Rahmen der JazzAhead! eine Tagung europäischer Jazzarchive durch, zu der Kollegen aus Skandinavien, Holland, Italien und der Schweiz erschienen und in der wir die Möglichkeiten engerer Kooperationen sondierten.

Alle zwei Jahre war das Jazzinstitut bislang ins German Jazz Meeting involviert, das im Rahmen der JazzAhead! stattfand und vom gleichnamigen Verein organisiert wurde. Dessen Vorsitzender ist Arndt Weidler vom Jazzinstitut, der Verein hat seinen Sitz im Bessunger Kavaliershaus in Darmstadt.

Das German Jazz Meeting ist ein Showcase-Festival, das deutsche Musiker und Bands internationalen Multiplikatoren, also Journalisten, Festivalmachern und anderen wichtigen Persönlichkeiten der Jazzszene vorstellt, und es hat seit 2006 dazu geführt, dass der deutsche Jazz im Ausland erheblich besser wahrgenommen wird, was sich sowohl in Auftritten deutscher Musiker im Ausland als auch in der Berichterstattung über die deutsche Szene in ausländischen Zeitschriften niederschlägt.

Das German Jazz Meeting wurde jedes Mal aus anderen öffentlichen Töpfen gefördert, was einen erheblichen Antragsaufwand mit sich brachte. Für 2012 konnte diese notwendige öffentliche Finanzierung nicht aufgebracht werden, weshalb das German Jazz Meeting im nächsten Jahr pausieren wird. Der Verein bemüht sich darum, Finanzierungszusagen für eine Neuausgabe des German Jazz Meeting zu erhalten. 2012 wird die Messe Bremen stattdessen die German Jazz Expo durchführen, bei der deutsche Bands dem Fachpublikum der JazzAhead! zu messeüblichen Konditionen im Rahmen des Messeprogramms präsentiert werden.

Wir jedenfalls werden auch 2012 vom 19. bis 22. April wieder mit einem Stand dabei sein in Bremen.


Das Jazzinstitut auf der JazzAhead!

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Kooperationen in Darmstadt

Wir betonen immer wieder gerne, dass das Jazzinstitut eine städtische Einrichtung ist, auch, weil wir stolz darauf sind, dass Darmstadt sich selbst in Zeiten, die für alle Kommunen nicht die leichtesten sind, zur Kultur bekennt und unsere Arbeit (genauso wie die Arbeit des Internationalen Musikinstituts, das mit seinen Ferienkursen für Neue Musik nicht minder weltbekannt ist) trägt und unterstützt. Als städtisches Institut aber ist man noch mehr als sonst gehalten, sich nicht im Elfenbeinturm zu verkriechen, sondern in die Stadt hinein zu wirken, in der wir leben und arbeiten. Dies tun wir insbesondere mit den Konzerten im Gewölbekeller unterm Jazzinstitut, daneben aber auch im Rahmen von Kooperationen, die wir immer wieder anstreben, um uns auch in der Kulturszene unserer Stadt klar zu vernetzen.

Förderverein Jazz

Nach wie vor ist unser wichtigster Kooperationspartner der Verein zur Förderung des zeitgenössischen Jazz in Darmstadt e.V. (kurz: Förderverein Jazz). Der Verein ist so aktiv, dass er scheinbar völlig verschlafen hat, dass er in diesem Jahr sein 15-jähriges Jubiläum hätte feiern können. Wir haben's halt auch nicht gemerkt, aber es ist ja noch nicht Silvester, also kommen unsere Glückwünsche gerade noch rechtzeitig!

Der Förderverein Jazz ist übrigens nicht nur Veranstalter der Session und vieler Konzerte im Gewölbekeller unterm Jazzinstitut, sondern organisiert die gesamte Bewirtung der Besucher bei Veranstaltungen. Die Zusammenarbeit hat sich für uns als Glücksfall erwiesen, denn als städtische Kultureinrichtung sehen wir unsere Aufgabe vor allem im Ermöglichen von Kultur, im Zurverfügungstellen von Räumen (hier im wahrsten Sinne des Wortes), die von der lebendigen Kulturszene selbst kreativ gefüllt werden.

Die Darmstädter Musikgespräche hatten wir bereits angesprochen, die als eine Kooperation der drei städtischen Musikinstitute 2011 mit insgesamt sechs Terminen an den Start gingen.

Jazz Conceptions
Jon Sass, Jazz Conceptions
(Ralf Keidel)

Die Darmstädter Jazz Conceptions fanden 2011 zum mittlerweile 20. Mal statt. Deren künstlerischer Leiter, Jürgen Wuchner, bereitete den Workshop auch diesmal teilweise von seiner zeitweiligen zweiten Heimat aus vor: Seit zweieinhalb Jahren verbringt er einen Teil des Jahres in Dakar, Senegal. Neben den Inhalten leben die Jazz Conceptions vor allem vom räumlichen Umfeld im Kulturzentrum Bessunger Knabenschule, das bei dieser Kooperation ohne Zweifel der meiste Arbeit hat. Fünf Ensembles, ein Großensemble, fast 60 Teilnehmer und sechs Dozenten -- das bedarf etlicher Vorbereitungen: Von gestimmten Klavieren in allen Gruppenräumen über Frühstück, Mittagessen und Abendbrot bis hin zur Organisation der abendlichen Konzerte hatten die Kollegen der Knabenschule in dieser Woche alle Hände voll zu tun. Jeden Abend gab es Sessions an unterschiedlichen Spielorten in ganz Darmstadt; am Freitag und Samstag folgten fulminante Abschlusskonzerte sowohl der einzelnen Ensembles als auch eines mit an die 25 Musikern besetzten Großensembles sowie der Dozenten. 2011 hatten wir als Dozenten neben Jürgen Wuchner (Bass) den Darmstädter Pianisten Uli Partheil, den Schlagzeuger Jörg Fischer, den Saxophonisten Peter Back und den Tubisten Jon Sass verpflichtet. Christopher Dell leitete in diesem Jahr das Großensemble.


Partitur fürs Großensemble
(Cristopher Dell)

Ein wichtiger Partner bei unseren Konzertveranstaltungen ist seit vielen Jahren die Kanzlei v. Minkwitz, Erdl, Kochenburger in Frankfurt, die uns finanziell unterstützt und damit die Konzerte unserer JazzTalk-Reihe ermöglicht.

Im Rahmen unseres Jazzforums kooperierten wir mit der Centralstation Darmstadt, mit dem Kulturzentrum Bessunger Knabenschule, mit der Jazzinitiative Frankfurt, mit den Jazzfreunden Hofheim und mit Dr. Hoch's Konservatorium. Das Jazzforum wurde ermöglicht durch die Unterstützung durch den Kulturfonds Frankfurt RheinMain sowie durch das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst.

Allen unseren Partnern sei an dieser Stelle für die Unterstützung unserer diversen Projekte und die gelungene Zusammenarbeit von Herzen gedankt.
 


Ausstellungen

Unsere Galerie im Obergeschoss des Bessunger Kavaliershauses mag klein sein, dennoch finden die Ausstellungen (und naturgemäß vor allem die Ausstellungseröffnungen) reges Interesse. Doris Schröder kuratiert die Galerie genauso wie die Wanderausstellungen, die wir seit vielen Jahren an Clubs, Festivals und andere Interessierte verleihen.

Zu Anfang des Jahres waren in unserer Galerie Bilder zu sehen, die vier Künstlerinnen während einer Musik- und Kunstperformance des Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler (BBK) im November 2010 im Jazzinstitut sowie in der Kirche St. Elisabeth geschaffen hatten, eine Aktion mit dem schönen Titel "Interdisziplinäre Reaktionskette".

Von April bis September dann zeigten wir die Malerei des britischen Schlagzeugers Tony Oxley, einer Legende des freien europäischen Jazz, den wir neben der Ausstellungseröffnung mit einem fulminanten Quartettkonzert und der Vorstellung einer Biographie und musikalischen Würdigung des Schlagzeugers feierten.

Unsere beiden Wanderausstellungen, "One Tension. Albert Mangelsdorff" und "Jazz Changes" waren 2011 zeitgleich beim Festival der Musikhochschule Frankfurt zu sehen.

Die vor mittlerweile sieben Jahren vom Jazzinstitut konzipierte Ausstellung "Deutscher Jazz / German Jazz" tourt nach wie vor in zwei Exemplaren für das Goethe-Institut durch die Welt und machte 2011 Station unter anderem in Karachi (März/April), Lahore (April/Mai), Ljubljana (April/Mai) und Brüssel (September/November).

Deutscher Jazz

Exponate aus dem Fundus des Jazzinstituts waren von August bis September in der Ausstellung "We Want Miles" (Queremos Miles) im Centro Cultural Banco do Brasil in Rio de Janeiro zu sehen, einer umfassenden Schau zu Musik und Leben von Miles Davis, die von der Pariser Cité de la Musique konzipiert wurde.

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Bücher und sonstige Veröffentlichungen

Immer noch ist der 400-seitige "Wegweiser Jazz", den wir seit Mitte der 1990er Jahre herausgeben und der treffsicher die deutsche Jazzszene mit all ihren Clubs, Festivals, Initiativen, Fördermöglichkeiten und vielem mehr kartiert, das am meisten nachgefragte Buch des Jazzinstituts.

Im Jahr 2011 erschien das von Helga de la Motte-Haber, Lydia Rilling und Julia H. Schröder herausgegebene Handbuch Dokumente zur Musik des 20. Jahrhunderts (Laaber Verlag), dessen Jazzteil von Wolfram Knauer verfasst wurde. Hierbei handelt es sich um kurze und prägnante Textauszüge aus der Jazzgeschichte, die wichtige Stationen der Entwicklung dieser Musik beleuchten und die kritisch kommentiert und in den Zusammenhang eingeordnet werden.


Dokumente zur Musik des 20sten Jahrhunderts

Knauer beteiligte sich mit einem Aufsatz am von Klaus Neumeister und Lutz Eikelmann herausgegebenen Buch Begegnungen. Wie der Jazz unsere Herzen gewann (Sonriee Verlag), in dem die versammelten Autoren berichten, wie sie zum Jazz gekommen sind oder welche Jazzbegegnungen sie besonders geprägt haben. Knauers Beitrag handelt von seinem ersten Besuch in New York 1979.

Doris Schröder und Wolfram Knauer verfassten einen Beitrag für den von Martin Pfleiderer herausgegebenen Tagungsband Populäre Musik und kulturelles Gedächtnis (Böhlau Verlag), in dem sie die Arbeit des Jazzinstituts als eines Zentrums zwischen Wissenschaft und öffentlichem Service darstellen und dabei auch über die sich wandelnden Aufgaben eines Musikarchivs über die Jahre berichten.

Susanne Schapowalow
SoPhotoCated Lady

Wolfram Knauer verfasste das Vorwort zum Buch Susanne Schapowalow: Sophotocated Lady. Jazzphotographien 1948-1965 (Jazzprezzo Verlag), einem der unserer Meinung nach (zugegeben: wir sind befangen!) schönsten Fotobände der letzten Jahre. Susanne Schapowalow gelang es in den 1950er und 1960er Jahren, den Stars des Jazz sehr nah zu kommen; ihre Bilder zeigen die Musiker als Menschen, wirken wie Bildkompositionen, auch wenn sie selbst sagt, sie habe nie etwas geplant. Aber das ist wohl wie beim Jazz: Man muss sein Handwerkszeug vollkommen beherrschen, dann sind die Ergebnisse auch ohne Planung Meisterwerke.

Das Buch wurde im Rahmen des Jazzfest Berlin im Berliner Hotel Ellington der Öffentlichkeit vorgestellt und Knauer unterhielt sich bei dieser Gelegenheit in einem öffentlichen JazzTalk mit der 89-jährigen Fotografin. Zu den Gästen der Buchvorstellung zählten unter anderem der Klarinettist Rolf Kühn, der Vibraphonist Wolfgang Schlüter, der Saxophonist Klaus Marmulla, aber auch Nils Landgren und Sebastian Studnitzky (die beide spielten) und der Maler Dietrich Rünger.


Susanne Schapowalow bei der Buchvorstellung
im Hotel Ellington in Berlin
(Arne Reimer)

Knauer ist nach wie vor als Mitherausgeber des US-amerikanischen Fachjournals Jazz Perspectives tätig, das dreimal im Jahr erscheint, und er gehört zu den Herausgebern der Jazzreihe der renommierten University of Michigan Press.

Schließlich sind auch 2011 etliche Bücher erschienen, an denen das Jazzinstitut zumindest indirekt beteiligt war, weil die Autoren selbst in Darmstadt recherchiert oder von Darmstadt aus Hilfestellungen für ihre Recherchen erhalten hatten. Zu diesen Büchern zählen etwa "To make a lady out of jazz." Die Jazzrezeption im Werk Erwin Schulhoffs von Miriam Weiss (Bockel Verlag), The 4th Quarter of the Triad. Tony Oxley. Fünf Jahrzehnte improvisierter Musik von Ulrich Kurth (Wolke Verlag), Der Marsalis-Komplex. Studien zur gesellschaftlichen Relevanz des afroamerikanischen Jazz zwischen 1992 und 2007 von Christian Broecking (Broecking Verlag) sowie Respekt! Die Geschichte der Fire Musicvomselben Autoren (Verbrecher Verlag), Jelly Roll Morton, The "Old Quadrille" and "Tiger Rag". A Historiographic Revision von Vincenzo Caporaletti (Libreria Musicale Italiana).

Neben diesen finden sich Hinweise auf das Jazzinstitut in vielen weiteren Büchern, Magister-, Master- und Doktorarbeiten, deren Autoren bei ihren Recherchen mit Quellen und Hilfsmitteln aus dem Jazzinstitut Darmstadt in Kontakt kamen.

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Sammlungszuwächse und Archivarbeit

Wer jemals in den Archivräumen des Jazzinstituts war, weiß, dass es da recht eng zugeht. Zwischen den Regalen stapeln Kisten mit weiterem Material, und die meist gestellte (wenn auch eigentlich verpönte) Frage, die wir von Besuchern hören, ist: "Was machen Sie denn, wenn Sie keinen Platz mehr haben?" Nun, die Antwort ist: Wir lagern aus. Damit haben wir 2011 endlich begonnen, nachdem wir zusammen mit dem Stadtarchiv einen Lagerraum anmieten konnten. Ausgelagert wird das Material, von dem wir einerseits wissen, dass wir es nicht laufend zugänglich halten müssen, das wir andererseits so gut erfasst haben, dass wir es im Außenlager jederzeit wieder finden können.

Alexander von Leliwa, einer unserer ehrenamtlichen Mitarbeiter, hat in den letzten Jahren beispielsweise unsere Schellacksammlung erfasst und sortiert, so dass wir diese bereits zu einem großen Teil ins Lager bringen konnten. Auch Kisten mit Doppelbeständen der Zeitschriften oder Schallplatten und später zu bearbeitenden Archivalien wanderten erst einmal ins Außenlager. Sie alle machen Platz frei in den Regalen, der aber schnell wieder gefüllt wird, weil wir nun mal laufend Sammlungszuwächse erfahren.

Schellackplatten
Die Schelleckplatten vor dem Auslagern

Zu den Sammlungen, die wir 2011 übernahmen, gehören die folgenden:

Axel Stumpf übergab uns eine Sammlung mit etwa 800 Tonbändern und mehr als 4.000 Tonband-Cassetten, die Rundfunkmitschnitte der letzten 70 Jahre enthalten. Wir planen, dieses Material Stück für Stück zu digitalisieren und in den Räumen des Jazzinstituts zugänglich zu machen. Fragen Sie aber nicht gleich nach – dieses Digitalisierungsprojekt ist auf lange Zeit angelegt und wird sicher nicht gleich zu Ergebnissen führen.


Korrespondenz, Tonbänder, Zeitschriften

Franz Hoffmann übergab uns eine digitale Sammlung an Kurzfilmen und jazz-bezogenen Filmausschnitten, von ihm sorgfältig recherchiert und zusammengestellt auf mehr etwa 100 DVDs und einer großen Festplatte. Auch dieses Material planen wir künftig unseren Besuchern in den Räumen des Jazzinstituts zugänglich zu machen.

Von Gerhard Evertz übernahmen wir eine umfangreiche Sammlung, die insbesondere die Hannoveraner Jazzgeschichte dokumentiert. Die Sammlung enthält Fotos und Plakate, Korrespondenz, Manuskripte und Quellenmaterial, das Evertz für seine eigene Dokumentation des Jazz-Clubs Hannover verwandt hatte. Die Evertz-Sammlung enthält außerdem Fotos des verstorbenen Fotografen Bruno Konradi.

Sammlung
Dokumente zum deutschen Jazz
aus der Sammlung von Gerhard Evertz

Von Klaus Hartwig aus Toronto erhielten wir weitere Fotos, Bücher und Programmhefte insbesondere mit Bezug auf Kurt Edelhagen und deutschen Bigband-Jazz der 50er und 60er Jahre.


Klaus Hartwig übergibt Edelhagen-Foto

Günter Bauer sandte uns regelmäßig Kopien aus dem Darmstädter Tagblatt der 1920er und 1930er Jahre zu, das er ganz allgemein zum Thema Musik durchforstet. Seine Jazzfunde beinhalten etwa Artikel über Eric Borchard, die Comedian Harmonists, aber auch über heute weitgehend unbekannte Künstler und Bands.

Borchard
Ein Artikel über Eric Borchard aus dem
Darmstädter Tagblatt von 1931

Außerdem erhielten wir regelmäßige Schenkungen etwa von Gerhard Conrad, dessen Pakete immer wieder spannende Details zur deutschen und europäischen Jazzgeschichte enthalten, von Gerhard Hopfe, der für uns die Berliner Jazzszene beobachtet und für uns Programmhefte und Zeitungsausschnitte sammelt, von Reinhard Köchl, der uns Tonbänder einiger von ihm mit namhaften Jazzmusikern gemachter Interviews zur Verfügung stellte, sowie von anderen Sammlern und Jazzfreunden, die mal mit einer Schallplatte vorbeikamen, uns mal einen Ordner mit Zeitungsausschnitten brachten oder aber einen Karton mit Korrespondenz und Agenturunterlagen zusandten. Wir erhielten Noten, historische Programmhefte und Plakate, Bücher, Zeitschriften, Schallplatten und CDs von etlichen Sammlern und Freunden des Jazzinstituts, die wissen, dass diese bei uns gut aufgehoben sind.

Wir sind an solchem Material ungemein interessiert, weil es die deutsche Jazzgeschichte dokumentieren hilft. Oft ist Sammlern, Musikern, Veranstaltern, Agenten oder sonst mit dem Jazz Befassten gar nicht bewusst, dass Fotos, Noten, Briefe, Programmhefte, Plakate, alte Zeitschriften, Zeitungsausschnitte oder sonstige Dokumente in ihrem Besitz für andere von Interesse sein könnten. Bevor Sie also den Papiercontainer öffnen, wenden Sie sich an uns! Und sollten Sie in Ihrem Bekanntenkreis von jemandem wissen, der solche Erinnerungsstücke besitzt, lassen Sie ihn oder sie von unserer Existenz wissen. Es ist wirklich jammerschade, wieviel spannendes Material verloren geht, weil die Besitzer der Meinung waren, das interessiere wohl eh niemanden. Unser Interesse gilt dabei auch Noten: Kompositionen, Skizzen, Arrangements, Bandbücher und vieles mehr kann Forschern im Jazzinstitut helfen, die Entwicklung der Musik mit Hilfe konkreter Dokumente nachzuvollziehen. Lassen Sie also insbesondere auch Musiker in Ihrem Umfeld von unserem Interesse wissen.

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www.jazzinstitut.de

www.wegweiserjazz.de
www.jazzkritik.de

Seit fast zwei Jahren sitzen wir an dem Relaunch unseres Wegweisers Jazz in Datenbankform. Dieses Projekt steht schon seit einiger Weile online; allerdings dauert es seine Weile, bis alle darin enthaltenen Daten zur Suche freigeschaltet sind. Konkret schreiben wir zurzeit jeden einzelnen Eintrag an und bitten um Überprüfung, Korrektur und individuelle Freigabe. wir wollen mit dem Relaunch schließlich auch den Bestimmungen des Datenschutzes genügen. Über den Link www.wegweiserjazz.de kommt man auf die Ausgangsseite des neuen Wegweisers.

Wegweiser Jazz
Wegweiser Jazz (Cover der Printausgabe)

Vorteil des neuen Systems: Die in unserem Wegweiser Jazz gelisteten Clubs, Initiativen, Festivals, Plattenlabels, Musiker, Journalisten, Forscher und und und können ihre Daten jetzt selbst pflegen, können selbst entscheiden, welche Information sie preisgeben wollen oder welche sie lieber für sich behalten.

Endlich haben wir mit der neuen Datenbank eine Spamsicherung, die es erlaubt, die eingetragenen Firmen oder Personen zu kontaktieren, aber nicht, ihre Mailadressen einfach so auszulesen.

Eigentlich sollte als nächstes ein Relaunch der gesamten Website www.jazzinstitut.de folgen. Nun wollen wir aber erst einmal den "neuen" Online-Wegweiser Jazz komplett freischalten, bevor wir uns an eine Kompletterneuerung des Restes setzen.

Jazz News
JazzNews (Deutsch / Englisch)

Neben dem Wegweiser Jazz ist die international wohl am meisten nachgefragte Seite unserer Homepage die der JazzNews, die wir auf Deutsch und Englisch veröffentlichen und einmal die Woche an fast 3.000 Abonnenten in aller Welt per Mail verschicken. Hintergrund der JazzNews war ursprünglich, dass wir möglichst viele am Jazz Interessierte auf unsere vielfältigen Aktivitäten aufmerksam machen wollten. Insbesondere die internationalen Leser der JazzNews schätzen aber auch, dass sie durch unseren Newsletter beispielsweise über europäische Musiker informiert werden, die in der englischsprachigen Jazzpresse kaum vorkommen. Inzwischen entdecken wir oft genug in der Tages- oder Fachpresse Artikel, bei denen wir ahnen oder gar wissen, dass die Autoren durch unsere JazzNews auf das Thema aufmerksam wurden. Der Direktlink zu den JazzNews lautet: www.jazznews.jazzinstitut.de.
 
Zur Arbeit in einem Archiv gehört allerdings nicht nur das Archivieren, also das Ordnen, Wegsortieren, Wiederfinden, sondern auch ... das Lesen selbst. Und tatsächlich ist uns daran gelegen, in allem, was uns im Jazzinstitut auf den Schreibtisch kommt, auch zu blättern. Dass und wie genau wir lesen, können Sie beispielsweise auf der Buchrezensionsseite unserer Website erfahren, auf der wir Woche um Woche Neuerscheinungen vorstellen und dabei unsere Besucher auf aktuelle Literatur hinweisen, die in nicht auf Jazz spezialisierten Buchläden wahrscheinlich schwer zu finden ist. Der Direktlink zu den Rezensionen lautet: www.buecher.jazzinstitut.de.

Zu den weiteren Online-Angeboten des Jazzinstituts ist unser Jazzbrief zu zählen, der über Aktivitäten des Jazzinstituts berichtet (und beispielsweise die letzten Jahresrückblicke enthält), aber auch Fragen beantwortet, die uns so oft gestellt werden, dass wir meinen, eine "öffentliche" Beantwortung würde Sinn machen.

Jazz Kritik
www.jazzkritik.de

Und schließlich betreuen wir diverse projektbezogene Webseiten wie die Domain www.jazzkritik.de, die wir als Online-Workshop für Journalisten aufsetzten, oder www.jazzarchive.eu, ein Portal, das zu europäischen öffentlichen Jazzarchiven führt. Die meisten unserer Internetangebote sind zweisprachig, deutsch und englisch und werden auch von Benutzern aus den USA regelmäßig besucht.


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Deutsche Projekte

Schon in den letzten Jahresrückblicken haben wir über die Lobbyarbeit berichtet, die uns immer mehr beschäftigt. Ein durchaus willkommenes Resultat dieser Arbeit ist es, dass sich auch andere Akteure der Jazzszene verstärkt der politischen Vertretung des Jazz widmen. Wir sind seit Anbeginn an mit dabei, wenn die Bundeskonferenz Jazz darüber diskutiert, welche Maßnahmen der Jazzszene sowohl auf Landes- wie vor allem auf Bundesebene gut tun könnten. Ein Ergebnis solcher Diskussionen ist beispielsweise das German Jazz Meeting, für das Arndt Weidler vom Jazzinstitut als erster Vorsitzender des ausrichtenden Vereins German Jazz Meeting bislang verantwortlich zeichnete, das aber zurzeit aus finanziellen Gründen pausiert. Indirekt haben Diskussionen im Kreis der Bundeskonferenz Jazz sicher auch dazu beigetragen, dass viele der jüngeren Musikern in letzter Zeit eine selbstbewusste Vertretung ihrer Interessen gegenüber der Kulturpolitik, aber auch gegenüber Veranstaltern und gegenüber der GEMA verlangen und mit ihren Forderungen an die UDJ herantreten, die Union Deutscher Jazzmusiker (www.u-d-j.de), die sich seit 1973 als Sprachrohr der Jazzmusiker in Deutschland versteht. Es gärt an allen Ecken, auch deshalb, weil der Jazz in Deutschland eine ungemein kreative Kraft besitzt und weil es so viele Musiker und Bands gibt, die wirklich eigene Wege gehen und aus dieser Eigenständigkeit heraus mit Selbstbewusstsein eine Jazzförderung fordern, die Kulturförderung und nicht Kulturwirtschaftsförderung ist (vgl. etwa den Jazzmusikeraufruf "für einen starken Jazz in Deutschland" oder das Positionspapier der IG Jazz Berlin)

Zusammen mit der Bundeskonferenz Jazz richteten wir im Oktober eine kleine Gesprächsrunde im Rahmen von "Jazz in den Ministergärten" in Berlin aus. Unter dem Motto "Jazz trifft Politik" spielten die Saxophonistin Angelika Niescier, die Pianistin Julia Hülsmann, der Bassist Marc Muellbauer und der Schlagzeuger Christoph Hillmann in der Hessischen Landesvertretung; im dazwischen geschalteten JazzTalk (nach Darmstädter Vorbild) sprach Wolfram Knauer mit Niescier, Hülsmann und dem SPD-Kulturpolitiker Siegmund Ehrmann.

Arndt Weidler saß für das Jazzinstitut in der Jury des Neuen Deutschen Jazzpreises Mannheim, und als Vorsitzender des Vereins German Jazz Meeting in der Jury für den renommierten SWR Jazz Preis. Wolfram Knauer wirkte im Musikbeirat des Goethe-Instituts, dem er zurzeit und noch bis Februar nächsten Jahres vorsitzt, wenn seine Amtszeit ausläuft.


Sculpture Club, und es ging um
"Skulpturalität" nicht um die "Skulptur" im Jazz

Knauer hielt einen Vortrag im Rahmen der Ringvorlesung "Sculpture Club" an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe. Er hielt außerdem eine der Trauerreden auf den im Januar verstorbenen Darmstädter Komponisten Hans Ulrich Engelmann sowie die Laudatio auf Reimer von Essen, der im September in Kassel mit dem Hessischen Jazzpreis ausgezeichnet wurde.

Wir waren schließlich am Projekt "JazzLab" des Frankfurter Kulturzentrums Die Fabrik beteiligt und berieten die Stiftung Polytechnische Gesellschaft in Frankfurt bei ihrem Projekt "Jazz und improvisierte Musik in die Schule" sowie das Ministerium für Wissenschaft und Kunst des Landes Hessen bei der Förderung von Jazzprojekten im Land.


Hans Ulrich Engelmann (†)
beim Darmstädter Jazzforum 2009
(Günter Schapka)

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Europäische Projekte

Auf der JazzAhead! trafen wir uns im April in Bremen mit Vertretern anderer europäischer Jazzarchive, um mögliche Kooperationen zu beraten.

Mit der in Krakau ansässigen Zbigniew Seifert Foundation unterstützten wir ein wichtiges Digitalisierungsprojekt, bei dem sämtliche Hefte der Zeitschrift Jazz Forum der Jahre 1965-1989 (auf Polnisch), 1967-1989 (auf Englisch) sowie 1976-1981 (auf Deutsch) kostenfrei einzusehen und zu lesen sind.

Jazz Forum war in den Zeiten vor dem Internet ein einmaliges grenzüberschreitendes Informationsmedium, das im Westen ein Bewusstsein für die globale Rezeption des Jazz schuf und vielen Musikern hinter dem Eisernen Vorhang die Möglichkeit zur Kommunikation mit Jazzfreunden, -journalisten und -musikern im Westen bot.

Jazz Forum
Jazz Forum, online

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Weltweite Projekte

Sicher die Hälfte unserer Anfragen per Mail kommen aus der ganzen Welt, viele davon aus den USA. Wir erreichen durch unsere umfangreiche Webpräsenz und unsere diversen Newsletter Journalisten und Forscher, Studenten und Musiker, die wir dazu ermuntern, sich an uns zu wenden, wann immer sie Informationen benötigen. An unserer Tür steht "Informations- und Dokumentationszentrum", und diese Aufgabe nehmen wir genauso ernst wie jegliche Anfrage, ob sie nun fachspezifisch ist oder rein informativ.

Das Renommee, das Darmstadt genießt, zeichnet sich nicht zuletzt darin nieder, dass wir immer wieder eingeladen werden, an internationalen Einrichtungen über unsere Arbeit zu berichten oder Vorträge über den Jazz zu halten. Wolfram Knauer hielt im Februar beispielsweise eine Vorlesung an der New School in New York und im November einen Vortrag an der University of North Texas in Denton, Texas, beides Studiengänge für Jazz, die zu den besten in den Vereinigten Staaten zählen.


Seminar an der University of North Texas

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Ausblick auf 2012

Natürlich blicken wir nicht nur zurück, sondern auch nach vorn. Einige der Aktivitäten, die wir 2012 planen, sind eng mit dem verbunden, was wir bisher taten. So planen wir den Wegweiser Jazz in den nächsten Monaten komplett in unsere neue Datenbank umzuziehen. Im Frühjahr wird der nächste Band unserer Schriftenreihe Darmstädter Beiträge zur Jazzforschung erschienen, der die Referate und Diskussionen des letzten Jazzforums "Jazz. Schule. Medien" enthalten wird.

Wir planen 2012 einen ständigen Besucher-PC einzurichten, um die digitalisierten Quellen des Archivs (Filme, Zeitschriften, Korrespondenz etc.) leichter zugänglich zu machen.

Vom 19. bis 22. April 2012 werden wir erneut mit eigenem Stand auf der Messe JazzAhead! in Bremen anzutreffen sein. Die 21. Darmstädter Jazz Conceptions sind für die erste vollständige Ferienwoche (2. bis 7. Juli 2012) geplant. Zu den Dozenten wird selbstverständlich der künstlerische Leiter Jürgen Wuchner gehören; die weitere Dozentenbesetzung wird im Laufe des Januars bekanntgegeben.

Für den 8. Februar planen wir eine neue Veranstaltung der Darmstädter Musikgespräche, diesmal im leicht geänderten Gewand quasi als "Darmstädter Musikquartett", bei deren ersten Ausgabe wir uns – auch aus Anlass des 60sten Bestehens des Instituts für Neue Technische Form – gemeinsam mit Thomas Schäfer (Internationales Musikinstitut), Cord Meijering (Akademie für Tonkunst) und Michael Schneider (INTEF) mit dem Thema "Musik und Verpackung" beschäftigen wollen. Am 21. März 2012 haben wir den Musikproduzenten, Festivalmacher und Labelgründer Ulli Blobel zu Gast, mit dem wir über das legendäre Festival für freien Jazz in Peitz (DDR) sprechen wollen, aber auch über die "jazzwerkstatt", Label, Festival und Konzertreihe für den Berliner Jazz der letzten Jahre. Nur zwei Tage später kommt Uwe Kropinski ins Jazzinstitut, der bei einem JazzTalk über seine Biographie berichten wird, aber auch über klassische und nicht ganz so klassische Gitarrentechnik. Kropinski ist außerdem Fotograf, und wir haben uns entschlossen, seinen Bildern eine Ausstellung in der Galerie des Jazzinstituts zu widmen, die von Doris Schröder am selben Tag, dem 23. März 2012, eröffnet wird.

Am 11. Mai planen wir einen JazzTalk mit Chris Dahlgrens Band Lexicon mit Gebhard Ullmann, Antonis Anissegos und Eric Schaefer, der zugleich Teil des Rahmenprogramms zu "A House Full of Music" ist, einer großen Ausstellung zu parallelen Strategien in Musik und Bildender Kunst, die im Sommer vom Institut Mathildenhöhe gezeigt wird. Am selben Abend eröffnen wir in unserer eigenen Galerie eine Ausstellung mit Bildern des Düsseldorfer Malers Dietrich Rünger, der sich in seiner Arbeit durch die Musik insbesondere des Blue-Note-Labels inspirieren lässt. Auf der Mathildenhöhe sind wir an der Feier zum 100. Geburtstag des Komponisten John Cage beteiligt (5. September), für den der Kontrabassist Barry Guy und der Vibraphonist Christopher Dell zu Solosets nach Darmstadt kommen, zwischen denen sich Wolfram Knauer (JazzTalk goes Mathildenhöhe) mit den beiden Musikern über ihre Beziehung zu Cage und den Einfluss des Komponisten auf ihre ästhetische Konzeption unterhalten wird.

Weitere Konzerte und Veranstaltungen sind in Planung und werden im Laufe des Jahres auf unserer Website veröffentlicht.

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Dank ...

Traditionsgemäß und aus konkretem Anlass gilt der erste Dank jenem einsamen Leser, der sich tatsächlich durch diesen mal wieder etwas ausgeuferten Jahresrückblick gekämpft hat.

Das Jazzinstitut ist eine städtische Einrichtung. Liest mal die Lokalpresse, so müsste man meinen, dass Darmstadt bald selbst im Schuldenloch verschwindet, das hier die politischen Diskussionen so sehr bindet. Glücklicherweise gibt es in unserer Stadt aber ein Bewusstsein dafür, wie wichtig Kultur auch und gerade in Zeiten leerer Kassen ist. Im Jahr 2011 hatten wir einen Wechsel an der Verwaltungsspitze unserer Stadt, und so gehört der Dank zum Jahresende gleich zwei Kulturdezernenten, Walter Hoffmann, der uns über die Zeit seiner Amtszeit immer beistand, und Jochen Partsch, der gleich als eine seiner ersten Amtspflichten eine gemeinsame Pressekonferenz mit dem Jazzinstitut leitete und unser Jazzforum im September eröffnete.


Pressekonferenz zum
12. Darmstädter Jazzforum 2011 mit
OB Jochen Partsch

Wir erfahren immer wieder, dass man unsere Arbeit in der Stadt wertschätzt, dass man weiß, dass die kleinen Kultureinrichtungen mit internationalem Ruf auch Darmstadts Renommee in aller Welt mehren.

Wir wiederum wissen um das Engagement, das auch uns trägt und danken einmal mehr allen, die uns in unserer Arbeit tatkräftig unterstützen: den vielen Kollegen in der Stadtverwaltung (und hier insbesondere im Kulturamt); den politischen Gremien der Wissenschaftsstadt Darmstadt; unseren mittlerweile neun ehrenamtlichen Kollegen, Ute Dotzert, Rainer Grobe, Thomas Hönisch, Alexander von Leliwa, Helmut Lücke, Peter Roßmann, Katrin und Günter Schapka, Michael Telega (und dem Verein Ehrenamt für Darmstadt e.V.), die uns insbesondere bei der Archivierung unser Bestände von unschätzbarer Hilfe sind; den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Darmstadt, die das Jazzinstitut seit seiner Gründung tragen; den Jazzfreunden und Jazzmusikern, die sich daran gewöhnt haben, dass es in dieser Stadt ein Jazz-Zentrum gibt, das weltweit seinesgleichen sucht. Wir wissen, dass unsere Arbeit nur in diesem Klima gedeihen kann, in dem wir dauernd dazu ermuntert werden, unsere Ideen auch in Realität umzusetzen. Hier in Darmstadt geht das immer noch besser als irgendwo sonst.

Und vielen Dank nicht zuletzt auch den vielen Freunden des Jazzinstituts, denjenigen, die unsere Sammlung regelmäßig durch Spenden oder Schenkungen erweitern, aber auch all denen, die uns durch Anfragen und (durchaus auch kritische) Anregungen immer wieder den Weg weisen, was noch zu tun sein könnte in diesem großen, swingenden Metier.

Wer unsere Arbeit beobachtet, weiß, dass wir auf solche Anregungen meist auch reagieren, denn ohne Sie bräuchte es auch uns nicht. Ein Archiv, ein Dokumentations- und Informationszentrum legitimiert sich immer auch dadurch, dass es gebraucht wird. Und Ihr/Sie alle geben uns (weiß Gott!) dieses Gefühl. Danke!

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... und gute Wünsche

Wir? Das sind Doris Schröder, Arndt Weidler und Wolfram Knauer, die Mitarbeiter des Jazzinstituts Darmstadt, einem Kulturinstitut der Wissenschaftsstadt Darmstadt, die jetzt ein wenig durchatmen, und Euch / Ihnen ein gesundes, frohes, erfolgreiches und vor allem jazz-reiches Neues Jahr wünschen.


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