Darmstadt Jazz News

1. - 30. June 2010


Wir lesen die Morgenzeitung für Sie!
Die Presseberichte, die wir in dieser Rubrik zusammenfassen, finden sich übrigens in unserem Archiv in herkömmlicher (papierner) sowie in digitaler Form. Wenn Sie an den kompletten Artikeln zu den auf dieser Seite notierten Meldungen interessiert sind, wenden Sie sich bitte per e-mail an uns. Darüber hinaus verweisen wir auf unseren Jazz-Index, die weltweit größte computergestützte Bibliographie zum Jazz, in der neben Büchern und Zeitschriften auch aktuelle Presseberichte aus Tages- und Wochenzeitungen gelistet sind. Sie können Auszüge aus dem Jazz-Index zu bestimmten Stichworten (also beispielsweise konkreten Musikernamen) kostenlos per e-mail erhalten. Noch ein Hinweis zu den Links auf dieser Seite: Einige der verlinkten Artikel sind ohne Anmeldung nicht einsehbar; bei vielen Online-Zeitungen ist die Lektüre älterer Artikel kostenpflichtig. Bitte beachten Sie, dass die Zusammenfassungen und die Übersetzungen auf dieser Seite unsere Zusammenfassungen und Übersetzungen sind. Wenn Sie die hier gelisteten Artikel zitieren wollten, sollten Sie zu den Originalquellen greifen.

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30. Juni 2010

Dmitry Medvedev

Die Russen mögen mal wieder ein paar Spione in den USA gehabt haben, aber die Washington Post ist auch nicht schlecht darin russische Geheimnisse zu enttarnen (Washington Post). Russlands Präsident Dmitry Medwedew, lesen wir, sei ein großer Jazz- und Rock-Fan, und habe vor kurzem zwei Frauen in einem Moskauer Plattenladen geschickt, um CDs von Duke Ellington, B.B. King und Jimi Hendrix zu kaufen. Als der Besitzer ihnen mitteilte, dass Ellington ausverkauft sei, hätten die Frauen einen Anruf getätigt (zu ... Medwedew??) und dann drei Alben von Hendrix, zwei von King, sowie Musik von Gil Evans, Blossom Deary und Mark Murphy mitgenommen.

Bibliography Jazz Index: Literaturliste zu Russland.
Bibliography Jazz Index: Literaturliste zu Sowjetunion.

The Russians may have had some spies in the US, but the Washington Post is not bad in finding out some Russian secrets as well (Washington Post). Russia's president Dmitry Medvedev, we read, is a big jazz and rock fan, and recently sent two women into a Moscow record shop to buy CDs by Duke Ellington, B.B. King and Jimi Hendrix. When the shop owner told them he was out of any Ellington, the women made a call (to ... Medvedev???) and then settled for three albums by Hendrix, two by King, as well as music by Gil Evans, Blossom Deary and Mark Murphy.

Bibliography Jazz Index: Bibliography on Russia.
Bibliography Jazz Index: Bibliography on Soviet Union.

Verstorben im Juni ... / Those passed away in June...

Wir erfuhren vom Ableben der folgenden im Juni 2010 verstorbenen Musiker: dem Pianisten Johnny Parker; dem Radiomoderator Tony Cennamo; dem Komponisten und Pädagogen Wendell Logan; dem Trompeter Bill Dixon; dem Altsaxophonisten Freddie Syer; dem Gitarristen und Sänger Tam White; dem Pianisten und Komponisten Allyn Ferguson; dem Tenorsaxophonisten Fred Anderson; dem Klarinettisten Chuck Hedges; dem Produzenten Francis Dreyfus; dem Posaunisten Benny Powell; dem Altsaxophonisten Earl Clark; sowie der Sängerin Joya Sherrill. Die genauen Todesdaten sowie Links auf Online-Nachrufe finden sich auf unserer Nachruf-Seite

We learned of the following deaths in June 2010: pianist Johnny Parker; radio DJ Tony Cennamo; composer and educator Wendell Logan; trumpeter Bill Dixon; alto saxophonist Freddie Syer; guitarist and vocalist Tam White; pianist and composer Allyn Ferguson; tenor saxophonist Fred Anderson; clarinetist Chuck Hedges; producer Francis Dreyfus; trombonist Benny Powell; alto saxophonist Earl Clark; singer Joya Sherrill. The dates of their death as well as links to obituaries can be found on our obituary page.

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29. Juni 2010

Herbie Hancock

Herbie Hancock veröffentlichte jüngst sein neuestes Album "The Project Imagine" und Stefan Hentz spricht mit ihm über all die Benefizkonzerte, an denen er im Laufe der Jahre für sozialen Zwecke, Bürgerrechtsorganisationen und sonstiges teilgenommen hatte (Die Zeit). Hancock zeigt sich mit dem ersten Jahr der Präsidentschaft Barack Obamas zufrieden; es gäbe da erheblich mehr Wandel als die Leute mitkriegten. Die Gesundheitsreform sei vielleicht nicht die ultimative Lösung, räumt er ein, aber wenigstens sei ein erster Schritt getan. In seinem "Imagine Project" will er zeigen, dass die Globalisierung auch den Austausch gleichberechtigter Standpunkte bedeute. Musik, sagt er, sei ziemlich mächtig; er und die Musiker auf seinem Album könnten allerdings nur Möglichkeiten eröffnen, jeder müsse für sich selbst entscheiden, wie und was sie in seinem Leben auslöse. Auf dem neuen Album arbeitet er mit Musikern wie Tina Turner und Seal, Pink und Anoushka Shankar, Jeff Beck, Los Lobos, The Chieftains, Oumou Sangare zusammen, habe aber keine Sorge, damit das Jazzpublikum vor den Kopf zu stoßen: "Ich spiele so lange Jazz, darüber mache ich mir keine Gedanken mehr." In den letzten Jahren habe er sich immer mehr von der Idee wegbewegt, dass ein Jazzmusiker seine Virtuosität und Expressivität ins Rampenlicht stellen müsse, und stattdessen eher eine Art integrativen Ansatz in seiner Musik versucht, bei dem er sich selbst als einen Teil einer globalen Gemeinschaft sieht. Die 1960er Jahre seien sicher eine wunderbare Zeit im Jazz gewesen; die Realität habe allerdings anders ausgesehen als die romantisierte Geschichte sie oft darstellt, wie er erklärt. Die Luft in den Clubs sei schlecht gewesen, die Klaviere verstimmt, das Schlagzeug oft zu laut ... doch dann wendet er mitten im Satz: Es habe schon einen besseren Zusammenhalt zwischen den Musiker gegeben als heute, man sei auf die Konzerte der Kollegen gegangen und ihnen laufend bei Jam Sessions begegnet. Dennoch bleibt Hancock optimistisch für die Zukunft des Jazz: Die jungen Leute müssten nun mal ihren eigenen Weg finden, egal ob der den älteren Musikern gefalle oder nicht. So habe er schließlich auch seinen Stil gefunden -- und er danke Miles Davis für diese Weisheit.

Bibliography Jazz Index: Literaturliste zu Herbie Hancock.

Herbie Hancock released his newest album "The Imagine Project" and Stefan Hentz talks to him about benefit concerts he has done over the years for social and civil rights groups or other reasons (Die Zeit). Hancock is satisfied with the first year of Barack Obama's presidency and sees more change than people usually notice. The health reform might not be the ultimate solution, he says, but at least a first step was taken. In his "Imagine Project" he wants to show that globalization also means the exchange of equal positions. Music, he says, is pretty powerful; what he and the musicians on the album can do is open up possibilities, but everybody has to decide for himself how and what the music can change in his or her life. For the album he collaborates with musicians such as Tina Turner und Seal, Anoushka Shankar und Pink, Jeff Beck, Los Lobos, The Chieftains, Oumou Sangare, but he's not afraid to alienate the jazz audience: "I've played jazz for so long that I don't think about that anymore." In recent years he moved away from the idea of a jazz musician who has to show off his virtuosity and expressiveness and tries to be more inclusive in his approach towards music, seeing himself as one part of a global community. The 1960s may have been a wonderful time in jazz, but the reality is different from the romanticized history, he explains. The air in the clubs was bad, the pianos badly tuned, the drums too loud, although -- he changes positions in mid-sentence -- the strong company among musicians was closer than it is today; one listened to one's colleagues concerts and joined them constant jam sessions. Hancock is optimistic for the future of jazz: Young people just have to find their own way, whether the older masters like that way or not. That's how he found his style -- and he gives credit to Miles Davis for that wisdom.

Bibliography Jazz Index: Bibliography on Herbie Hancock.

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28. Juni 2010

Ahmad Jamal

Ahmad Jamal wird am Freitag 80 Jahre alt, und Wolfgang Sandner schickt schon mal seine Geburtstagsgrüße in einem Artikel, der die Kunst eines Pianisten feiert (Frankfurter Allgemeine Zeitung). Sandner fragt, warum Jamal, der auf so viele Musiker Einfluss gehabt habe und als ein authentischer Erfinder seines eigenen Stils gelte, über die Grenzen des Jazz nicht besser bekannt sei. Eine Antwort auf diese Frage sei vielleicht, dass Jamal nicht sehr auskunftsfreudig über seine Musik sei, was "den Zugang zu seiner Kunst wahrlich nicht erleichtert". Ein wichtiger Grund für die Diskrepanz zwischen dem Ansehen Jamals unter Kollegen und "der Teilnahmslosigkeit eines größeren Publikums" könne sein, dass Jamal "nicht nur in seinem Stil einer der ökonomischsten Künstler" gewesen sei, sondern auch in seinen Ausdrucksformen und seinen Besetzungen. Die meiste Zeit über habe er im trio gespielt, anfangs mit Gitarre und Bass (Sandner nennt diese Besetzung "so etwas wie Streichtrios mit drei gleichwertigen Stimmen"), später mit Bass und Schlagzeug. Miles Davis sei von Jamals klassischem Anschlag fasziniert gewesen, von seiner lyrischen Gestaltung in seinen Improvisationen und von der Ausgewogenheit zwischen Klang und Stille. Ahmad Jamal, schreibt Sandner, sei ursprünglich von Erroll Garner beeinflusst gewesen. "Später war es umgekehrt. Garner hat von Jamal gelernt, unter der Oberfläche eingängiger Songs hochkomplexe Rhythmen und harmonische Experimente zu verstecken."

Bibliography Jazz Index: Literaturliste zu Ahmad Jamal.

Ahmad Jamal will turn 80 this Friday and Wolfgang Sandner sends his best wishes in an article celebrating the art of a pianist (Frankfurter Allgemeine Zeitung). Sandner asks why Jamal who was so influential and obviously a genuine inventor of his own style to this day is not more widely known outside of jazz circles. He finds one answer to this in the fact that Jamal is hard to interview, doesn't like to talk about his music. A more important reason for the discrepancy between Jamal's reputation among musicians and the lack of name recognition with a broader audience, though, may be the fact that Jamal always was one of the musically most economical artists, not just in his music but also in his forms of expression and his band's instrumentation. His most consistent band concept was that of a trio, whether it was with guitar and bass (Sandner calls those a "string trio with three equivalent voices") or with bass and drums. Miles Davis was fascinated by Jamal's classical attack, his lyrical approach to improvisation and the balance between sound and silence. Ahmad Jamal, writes Sandner, was originally influenced by Erroll Garner. "Later it was the other way around. Garner learned from Jamal to hide highly complex rhythms and harmonic experiments under the surface of catchy songs."

Bibliography Jazz Index: Bibliography on Ahmad Jamal.

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27. Juni 2010

NEA Jazz Masters

Das National Endowment for the Arts hat die Namen der 2011 Jazz Masters bekanntgegeben, der "höchsten Auszeichnung, die unsere Regierung Jazzmusikern verleiht". Die Gewinner des Stipendiums 2011, das mit einem Preisgeld in Höhe von 25.000 Dollar kommt, sind der Flötist Hubert Laws, der Saxophonist David Liebman, der Komponist Johnny Mandel, der Produzent Orrin Keepnews, sowie die gesamte instrumenten-spielende Marsalis-Familie: der Pianist Ellis Marsalis, der Trompeter Wynton Marsalis, der Saxofonist Branford Marsalis, der Posaunist Delfeayo Marsalis und der Schlagzeuger Jason Marsalis. Es ist das erste Mal, dass die NEA einen Gruppenpreis verleiht. Die Preise werden den Empfängern am 11. Januar 2011 in der Frederick P. Rose Hall in New Yorks Jazz at Lincoln Center überreicht.

The National Endowment for the Arts has announced its 2011 Jazz Masters, "the highest honors that our government bestows upon jazz musicians". The 2011 recipients of the fellowship which comes with a 25,000$ award will be the flutist Hubert Laws, the saxophonist David Liebman, the composer Johnny Mandel, the producer Orrin Keepnews, as well as the complete instrument-playing Marsalis family: pianist Ellis Marsalis, trumpeter Wynton Marsalis, saxophonist Branford Marsalis, trombonist Delfeayo Marsalis and drummer Jason Marsalis. It is the first time the NEA will present a group award. The awards will be presented to the recipients on January 11, 2011 at Frederick P. Rose Hall in New York's Jazz at Lincoln Center.

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25. Juni 2010

Eddy Louiss

Francis Marmande trifft den Hammond-Organisten Eddy Louiss, der seit den 1950er Jahren mit Bands und Musikern gespielt hat wie Les Double Six, Jean-Luc Ponty, Kenny Clarke, Bernard Lubat, Stan Getz, Michel Portal, Henri Salvador, Michel Petrucciani und Richard Galliano (Le Monde). Er habe zunächst Klavier oder Vibraphon spielen wollen, erzählt Louiss, und sei eher zufällig zur Orgel gewechselt. In regelmäßigen Abständen sei er von der Jazzszene verschwunden und lebe seit 1978 in Poitou, wo auch Johnny Griffin wohnte sowie der Jazzhistoriker und Bud-Powell-Vertraute Francis Paudras. Sein Großvater sei in Paris Taxi gefahren, sein Vater Pierre Louise sei als einer ersten Immigranten von den Antillen Staatsbeamter geworden und habe selbst eine kleine Beguine-Combo geleitet. Vor einigen Jahren sei ihm der linke Fuß amputiert worden, im März sei er auf die Jazzszene zurückgekehrt und habe sein neues Album "Tauroque" aufgenommen.

Bibliography Jazz Index: Literaturliste zu Eddy Louiss.

Francis Marmande meets the Hammond organist Eddy Louiss, who since the 1950s has played with Les Double Six , Jean-Luc Ponty, Kenny Clarke, Bernard Lubat, Stan Getz, Michel Portal, Henri Salvador, Michel Petrucciani and Richard Galliano (Le Monde). He first wanted to play the piano or the vibraphone, says Louiss; the change to the organ was more accidental. He regularly disappeared from the jazz scene and since 1978 lives in Poitou, which was home to Johnny Griffin as well as the jazz historian and friend of Bud Powell, Francis Paudras. His grandfather drove a taxi in Paris; his father Pierre Louise was one of the first West Indian immigrants to become a government official and even led a small Beguine combo. A few years ago, Louiss' left foot was amputated, but he returned onto the jazz scene in March to record his new album "Tauroque".

Bibliography Jazz Index: Bibliography on Eddy Louiss.

Fred Anderson (Tenorsaxophon / tenor saxophone)
(born: 22.Mar.1929, Monroe/LA; died: 24.Jun.2010, Chicago/IL)

Wir erfuhren heute morgen, dass der Tenorsaxophonist und Clubbesitzer Fred Anderson, zugleich eine legendäre Integrationsfigur für den Chicagoer Jazz gestorben ist. Anderson lag nach einem schweren Herzanfall in einem Krankenhaus, wie wir an anderer Stelle dieser JazzNews (siehe 22. Juni) berichteten. Nachrufe: Chicago Tribune.

Bibliography Jazz Index: Literaturliste zu Fred Anderson.

We just learned that tenor saxophonist and club owner Fred Anderson, probably the most universally respected figure on the Chicago jazz scene, died yesterday. He had been hospitalized after a heart attack as we reported elsewhere in this JazzNews (see June 22nd). Obituaries: Chicago Tribune.

Bibliography Jazz Index: Bibliography on Fred Anderson.

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24. Juni 2010

Jazz für die Ewigkeit / Jazz for Eternity

Die Library of Congress machte ihre Auswahl an 25 Titeln für das 2009 National Recording Registry bekannt, Tonaufzeichnungen, die sie für wert erachtet, ihrer kulturellen Bedeutung wegen zu erhalten, wie Brett Zongker berichtet (The Washington Post). Im schlimmsten Falle also könnte die Nachwelt durch diese Aufnahmen einen akustischen Blick auf unsere klanglichen Präferenzen werfen. Das Register listet insgesamt 300 Aufnahmen. Unter den neuen Titeln befindet sich etwa der "Canal Street Blues" von King Oliver's Creole Jazz Band (1923), "The Complete Village Vanguard Recordings" des Bill Evans Trio (1961), "Smokestack Lightning" von Howlin 'Wolf (1956), "Azucar Pa Ti "von Eddie Palmieri," Today! " von Mississippi John Hurt, "Soul Folk in Action" von den Staple Singers (1968), aber auch Ansprachen von Präsidenten sowie Musik von Willie Nelson, Comedy-Einlagen von Bill Cosby oder Rapgesang von Tupac Shakur. Das komplette Register einschließlich der Erläuterungen für die jeweilige Entscheidung kann auf der Website der Library of Congress eingesehen werden.

The Library of Congress announced its 25 selections for the 2009 National Recording Registry, recordings it deems worth preserving for their cultural significance, as Brett Zongker reports (The Washington Post). If the worst happened, then, the afterworld might get a glimpse into our aural preferences from these. The register has a total of 300 recordings listed. Among the new titles is the King Oliver Creole Jazz Band's "Canal Street Blues" (1923), "The Complete Village Vanguard Recordings" by the Bill Evans Trio (1961), "Smokestack Lightning" by Howlin' Wolf (1956), "Azucar Pa Ti" by Eddie Palmieri, "Today!" by Mississippi John Hurt, "Soul Folk in Action" by the Staple Singers (1968), but also presidential addresses as well as music by Willie Nelson, comedy by Bill Cosby or rap by Tupac Shakur. The complete register with explanations for the choices can be found on the Library of Congress' website.

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23. Juni 2010

Jazz Festival Nizza / Nice Jazz Festival

Das Jazz Festival in Nizza war eines der ersten großen Festivals der Welt mit seiner Ausgabe von 1948, bei der die Louis Armstrong All Stars, Django Reinhardt, Stéphane Grappelli und viele andere auftraten. Nächstes Jahr wird das Festival, das von 1974 bis 1993 für den Festivalimpresario George Wein sein Sommerhauptquartier in Europa gewesen war, umziehen von der Arènes de Cimiez, einem alte gallorömischen Amphitheater mit umgebendem Park, in die Open-Air-Bühne am Park Albert 1er im Stadtzentrum von Nizza (Nice Matin). 1948 hatte das Festival Platz noch im Opernhaus von Nizza stattgefunden. Im Jardin Albert 1er werde das Festival zwei Bühnen bespielen (statt drei im Cimiez), die durch ein "Kulturdorf" mit Kunsthandwerks- und Imbissständen verbunden würden.

Bibliography Jazz Index: Literaturliste zu Jazz Festival Nizza.

The Nice Jazz Festival was one of the first major festivals in the world with its 1948 edition starring the Louis Armstrong All Stars, Django Reinhardt, Stéphane Grappelli and many others. Next year the festival which from 1974 until 1993 was festival impresario George Wein's main summer leg in Europe will move back from the Arènes de Cimiez, an old Gallo-Roman amphitheater and park, to the open-air stage at park Albert 1er in the city center (Nice Matin). In 1948 the festival had taken place at the Nice Opera house. At the Jardin Albert 1er the festival will be set on two stages (instead of three at the Cimiez), connected by a "cultural village".

Bibliography Jazz Index: Bibliography on Jazz Festival Nice.

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22. Juni 2010

Fred Anderson

Fred Anderson, der Saxofonist und Eigentümer des Jazzclubs The Velvet Lounge in Chicago, erlitt am 14. Juni einen schweren Herzanfall, wie Howard Reich berichtet (Chicago Tribune). Der 81-jährige Musiker befinde sich seither "im Koma -- er reagiert überhaupt nicht", wie sein Sohn, Eugene Anderson, erklärte. Jazz-Liebhaber in Chicago und auf der ganzen Welt beteten "für einer der einflussreichsten und beliebtesten Chicagoer Jazzmusiker", schreibt Reich, der sich zugleich darum sorgt, ob "The Velvet Lounge -- der Club, in dem Anderson seit den frühen 1980er Jahren Generationen von Chicagoer Musikern großgezogen hat -- ohne ihn überleben kann". Das Geschäftsmodell des Clubs war auf Andersons eigenes Geld angewiesen sowie auf die Unterstützung aus der Jazzgemeinde, die Hunderttausende von Dollars gespendet hatte, um Andersons Vision am Leben zu halten. Einen Tag vor seinem Herzinfarkt vertraute Anderson einem Freund an, wie er gern in Erinnerung gehalten werden wolle: "Er bezahlte seine Rechnungen und er aß viel Brokkoli -- viel Brokkoli." Ein anderer Freund fügt hinzu, nichts würde Fred ruhiger schlafen lassen, ob in diesem Leben oder im nächsten, "als zu wissen, dass das Velvet weiterlebt und Musikern eine Heimat bietet".

Bibliography Jazz Index: Literaturliste zu Fred Anderson.

Fred Anderson, saxophonist and owner of the jazz club The Velvet Lounge in Chicago, suffered a massive heart attack on June 14th, as Howard Reich reports (Chicago Tribune). The 81-year-old musician has been "in a comatose state -- he's not responsive at all", according to his son, Eugene Anderson. Jazz lovers in Chicago and around the world "have been praying for one of Chicago's most influential and beloved jazz musicians", writes Reich but also wonders whether "the Velvet Lounge -- the club where Anderson has nurtured generations of Chicago musicians since the early 1980s -- can survive without him". The business model of the club was based on the support both of Anderson's own money and the jazz community which donated hundreds of thousands of dollars to keep Anderson's vision alive. A day before his heart attack, Anderson had told a friend how he wanted to be remembered: "He paid his bills and he ate a lot of broccoli – a lot of broccoli." Another friend adds that nothing would add more to Fred resting peacefully in this life or the next "than to know that the Velvet is alive and operating and being a home for musicians".

Bibliography Jazz Index: Bibliography on Fred Anderson.

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21. Juni 2010

Mary Lou Williams

Lara Pellegrinelli berichtet über die Restaurierungsarbeiten an der katholischen Kirche St. Francis Xavier auf der West 16th Street in New York, die 1882 von Patrick Keely erbaut wurde, einem der produktivsten Kirchenarchitekten Amerikas (Wall Street Journal). Sie recherchiert die Baugeschichte und in erwähnt in einem Nebensatz (immerhin ist Pellegrinelli auch Jazzkritikerin), dass "sich unter den namhaften Gemeindemitglieder von Xavier unter anderem Louis Comfort Tiffany befand, dessen Atelier ganz in der Nähe am Broadway war, Mitglieder der Barrymore-Familie von Schauspielern, sowie die Jazzpianistin und -komponistin Mary Lou Williams".

Bibliography Jazz Index: Literaturliste zu Mary Lou Williams.

Lara Pellegrinelli reports on the restoration of the Catholic church St. Francis Xavier on New York's West 16th Street, "built in 1882 by Patrick Keely, one of America's most prolific church architects" (Wall Street Journal). She researches the architectural history and in a short aside (after all, Pellegrinelli is also a jazz critic) mentions that "over the years, Xavier's noteworthy parishioners have included Louis Comfort Tiffany, whose studio was nearby on Broadway; members of the Barrymore family of actors; and the jazz pianist and composer Mary Lou Williams".

Bibliography Jazz Index: Bibliography on Mary Lou Williams.

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20. Juni 2010

Keith Jarrett

Francis Marmande besucht den Pianisten Keith Jarrett in seinem Haus in New Jersey und spricht mit ihm über "Jasmine", sein neuestes Duo-Album mit Charlie Haden, das, wie er betont, kein Auftragswerk war, sondern entstand, weil beide es gerne machen wollten (Le Monde - Magazine). Er höre "Jasmine" als eine Musik der Nacht. Jarrett spricht über die jüngsten Rückschläge in seinem Leben, insbesondere die Scheidung von seiner zweiten Frau, Rose Anne, und fügt hinzu, dass die Musik stärker zu sein scheine als die Liebe. Die schönsten Liebeslieder, fährt er fort, scheinen diejenigen zu sein, die von Verlust handeln. Sieht er das Klavier als ein "vokaleres" Instrument an als beispielsweise ein Saxophon? Ja, wahrscheinlich, obwohl er nun schon so lange spiele, ohne jemals darüber nachgedacht zu haben, dass er das Klavier wie eine Stimme benutze. Er spricht schließlich auch über jenen berüchtigten Vorfall in Perugia, bei dem er Teile seines Publikum beschimpfte, weil sie entgegen der Anweisungen des Ansagers während des Konzerts Fotos und Videos machten. Überall sonst, sagt er, werde er an den Vorfall erinnert, nur nicht in Italien. Die scheinen die Angelegenheit vergessen zu haben, sie laden ihn immer wieder ein.

Bibliography Jazz Index: Literaturliste zu Keith Jarrett.

Francis Marmande visits pianist Keith Jarrett in his New Jersey home where he talks about "Jasmine", his latest duo album with Charlie Haden, which, as he insists, was not asked for by anyone but just happened because the two of them wanted to do it (Le Monde - Magazine). He hears "Jasmine" as music of the night. Jarrett talks about recent blows to his life, the divorce from his second wife, Rose Anne, and how the music might be stronger even than love. The most beautiful love songs, he continues, seem to be those which are about loss. Does he see the piano to be more "vocal" than, say, a saxophone? Yes, probably, although he worked so long without even thinking about using it like a voice. He also talks about the infamous incident in Perugia, where he scolded his audience for taking pictures and videos. Everywhere else, he says, he is reminded of the incident, but not in Italy. They seem to have forgotten it, they always invite him back.

Bibliography Jazz Index: Bibliography on Keith Jarrett.

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19. Juni 2010

Anthony Coleman / Jelly Roll Morton

Martin Johnson spricht mit dem Pianisten Anthony Coleman über sein aktuelles Programm, in dem er die Musik von Jelly Roll Morton interpretiert und an dem er die letzten fünf Jahre gearbeitet habe (Wall Street Journal). Coleman erklärt, seine eigene musikalische Entwicklung sei der Abfolge der Jazzgeschichte gefolgt, von Scott Joplin über Morton, Ellington, Monk bis zu Cecil Taylor. In seinem Morton-Projekt wolle er unter die "Wahrhaftigkeitsoberfläche" der Musik eines Komponisten gehen, "der sich mit der Improvisation beschäftigt". Er sieht Mortons Musik als ausgesprochen didaktisch: "Jedes seiner Stücke ist wie ein kleiner Vortrag darüber, was Jazz ist und sein kann."

Bibliography Jazz Index: Literaturliste zu Anthony Coleman.
Bibliography Jazz Index: Literaturliste zu Jelly Roll Morton.

Martin Johnson talks to the pianist Anthony Coleman about his current program performing the music of Jelly Roll Morton on which he has worked for the last five years (Wall Street Journal). Coleman explains that his own musical development followed the stylistic flow of jazz history, from Scott Joplin through Morton, Ellington, Monk to Cecil Taylor. In his Morton project he wants to go beyond the "surface veracity" of the music of "a composer who deals with improvisation". He sees Morton's music as being very didactic: "Each of his pieces is like a little lecture on what jazz is and can be."

Bibliography Jazz Index: Bibliography on Anthony Coleman.
Bibliography Jazz Index: Bibliography on Jelly Roll Morton.

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18. Juni 2010

Nat Hentoff

Aidan Levy trifft den 85-jährigen Jazzkritiker und politischen Journalisten Nat Hentoff (New York Times). Hentoff spricht über die belebenden Kräfte des Jazz, die er bereits als 10-Jähriger empfunden habe, als er zum ersten Mal in Kontakt mit Jazz kam, und die er bis heute spüre. Er erzählt, wie John Coltrane ihn gerne erst mal abblitzen ließ, wenn er ihn um ein Interview bat, indem er meinte, dass seine Musik doch für sich selbst spräche, sich dann doch immer auf ein Interview für den Plattentext eingelassen habe. Er spricht über die Verbindungen zwischen Jazz und der Bürgerrechtsbewegung. Er sei nicht gerade ein Verehrer von Barack Obama, erklärt Hentoff, auch weil dessen "größte Sorge er selbst ist, wie er aussieht, wie er die Macht und das Prestige erreicht, das er anstrebt". Außerdem spricht Hentoff über Bob Dylan, Duke Ellington und darüber, was Jazz dazu beitragen könne, die gegenwärtigen Krisen zu bewältigen.

Bibliography Jazz Index: Literaturliste zu Nat Hentoff.

Aidan Levy meets 85-year-old jazz critic and political journalist Nat Hentoff (New York Times). Hentoff talks about the reinvigorating powers of jazz which he felt as a 10-year-old boy when he first came into contact with jazz and which he feels to this day. He talks about how John Coltrane had this routine to let him know that the music should speak for itself but then always agreed to let Hentoff interview him for the liner notes nevertheless. He talks about the connections between jazz and the civil rights movement. He is not exactly an admirer of Barack Obama, Hentoff explains, also because "his main concern is himself and how he’s going to look and achieve the power and the prestige that he wants". Hentoff furthermore talks about Bob Dylan, Duke Ellington and about what jazz can do to help in the current crises.

Bibliography Jazz Index: Bibliography on Nat Hentoff.

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17. Juni 2010

Utah Jazz

Die Utah Jazz, Salt Lake Citys Basketball-Team, haben ein neues Logo enthüllt, das eine Musiknote zeigt und damit zu einem grafischen Element zurückkehrt, das es bereits zwischen 1979 und 1996 verwendet hatte (Salt Lake Tribune). Nach 1996 wurde ein Logo verwendet, das den Schriftzug "Utah Jazz" vor einem stilisierten Bergmotiv zeigte. Das Musiknoten-Logo stammt aus den Tagen, als die Jazz noch in New Orleans beheimatet waren -- erst 1979 zogen sie nach Utah um. Das ursprüngliche Logo war in den Mardi-Gras-Farben Purpur, Grün und Gold gehalten; das neue Logo ist navyblau, gelb und grün. Die Utah Jazz haben ihren musikalischen Namen, weil sie ursprünglich aus der Geburtsstadt des Jazz stammen und behielten ihn auch, nachdem sie nach Salt Lake City umzogen. Die Geschichte sowohl des Namens als auch des Logos findet sich auf der Website der Utah Jazz.

Bibliography Jazz Index: Literaturliste zu Sport + Jazz.

The Utah Jazz, Salt Lake City's basketball team, has unveiled a new logo displaying a music note and thus returning to a graphic element it had used between 1979 and 1996 (Salt Lake Tribune). In between it had used a "mountain" logo. The music note logo dated back to the days when The Jazz were still based in New Orleans -- they moved to Utah in 1979. The original logo was in the Mardi Gras colors of purple, green and gold; the new logo is in navy blue, yellow and green. The Jazz received its name because of their original association of the birthplace of jazz music and kept it after they moved to Salt Lake City. A history of both the name and the logo can be read on the Utah Jazz's website.

Bibliography Jazz Index: Bibliography on sports + jazz.

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16. Juni 2010

JJA Jazz Awards

Die Jazz Journalists Association hat ihre Jazz-Awards vergeben, deren Gewinner von den fast 400 Mitgliedern der Association gewählt werden, Journalisten vor allem aus den Vereinigten Staaten, aber auch aus dem Ausland (Washington Post). Saxophonist Joe Lovano gewann in drei Kategorien (Tenorsaxophonist, kleines Ensemble und Album des Jahres), Vijay Iyer wurde zum Musiker des Jahres gekürt, James Moody für sein Lebenswerk geehrt. Alle Nominierten und Gewinner sind auf der Website der Jazz Journalists Association gelistet. Neben den üblichen Kategorien vergab die JJA gab auch Preise für die Kategorien Zeitschrift, Website, Buch- und Blog des Jahres. Vor allem die Nominierten aus der letzten dieser Kategorien verdienen es, hier genannt zu werden, da nicht alle Leser unseres Jazz News mit diesen Blogs vertraut sind: Es sind Nate Chinens The Gig, Patrick Jarenwattananons A Blog Supreme, Ethan Iversons Do The Math und Marc Myers' JazzWax. Gewonnen aber hat Doug Ramsey's Rifftides.

The Jazz Journalists Association has presented their jazz awards, the winner being chosen among its nearly 400 members, journalists mostly from the United States but also from abroad (Washington Post). Saxophonist Joe Lovano won three categories (tenor saxophonist, small ensemble and record of the year), Vijay Iyer was named musician of the year, and James Moody was honored for his lifetime achievement in jazz. All nominees and winners are listed on the website of the Jazz Journalists Association. Aside from the usual categories, the JJA also gave awards for Periodical, Website, Book and Blog of the year. The nominees for the last category deserve mention here, as not all readers of our Jazz News might be familiar with these blogs: They are Nate Chinen's The Gig, Patrick Jarenwattananon's A Blog Supreme, Ethan Iverson's Do The Math and Marc Myers' JazzWax. The winner was Doug Ramsey's Rifftides.

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15. Juni 2010

Fußball + Jazz / Soccer + jazz

Wir Europäer hegen das Vorurteil, dass die US-Amerikaner alle vier Jahre völlig verblüfft davon seien, wenn der Rest der Welt nur noch auf die Fußballweltmeisterschaft blickt. Aber es ist wohl wahr, dass sich die Welt dieser Tage ein wenig langsamer dreht und der Fußball in der europäischen (aber auch der afrikanischen und südamerikanischen) Presse die meisten Schlagzeilen macht. Deutschland machte am vergangenen Sonntag ein ziemlich gutes und erfolgreiches Spiel gegen Australien (4:0), und der Live-Bericht von Scott Murray entdeckt interessante Verbindungen zwischen dieser WM in Südafrika und dem Jazz -- Free Jazz um genau zu sein (The Guardian). Jeder beschwert sich über die Vuvuzelas, die jeder Südafrikaner ins Stadion zu bringen scheint, um ausdauernd das ganze Spiel lang hineinzublasen, jene seltsamen Plastikinstrumente, die ein konstantes Brummen erzeugen, als wenn ein Schwarm von Hummeln durchs Stadium fliege (oder hinter dem Fernsehgerät lauere), und über dem man kaum die emotionale Reaktion der Fußball-Fans mehr hören kann. Murrays Antwort auf solche Beschwerden? "16 Min.: (...) Jeder, der sich über das Getröte aus einem Plastiksaxophon beschwert, sollte sich mal seinen Kopf untersuchen lassen. Musste Ornette Coleman sich solchen Blödsinn anhören?" Für die Halbzeitpause schlägt Murray seinen Lesern sogar vor, ein wenig Coleman zu hören und postet einen Soundfile von "Lonely Woman": "Drehen Sie ruhig ein wenig auf. Und hören Sie zu, es gibt keinen Peter Drury [den englischen Fernsehkommentartor], der drüberspricht. Also hören Sie endlich auf mit Ihren Klagen und lassen Sie die Südafrikaner weitermachen." In der 66. Minute sieht er "Schweinsteiger, Podolski und Klose auf einer ur-schnellen Fuß-zu-Fuß-Jazz-Odyssee aufs australische Tor zu. Und in der 82. Minute: "Hört Ihr es, Ihr Vuvuzela-Hasser? Die Menge in Durban spielt Free Jazz, ein neues repetitives hohes Getröte, das das Haupt-Brummen überlagert. Heh heh." Es mag etwas Musikalisches in der Art und Weise liegen, wie die Spieler einer Fußballmannschaft den Ball in sorgfältig gebildeten Dreier- oder Viererketten rotieren lässt, die ständig ihre Form ändern, um sich dem Spielverlauf anzupassen. Und wenn, wie im Spiel England / USA, plötzlich die Fußballfans aus dem Vuvuzelabrummen heraus Lieder aufsteigen lassen, klingen diese schon mal wie ein Jazzsolo, oder wie das Thema eines Songs, das sich über den kollektiven Sound der zehntausendköpfigen Band erhebt. Swingt also weiter, und liebe US-amerikanischen Freunde: Schaut mit ein wenig Nachsicht auf den Rest der Welt: Die Spiele dauern noch bis zum 11. Juli.

Bibliography Jazz Index: Literaturliste zu Sport + Jazz.

There is a European prejudice against US-Americans being absolutely dumbfounded every four years when the rest of the world stands still for the soccer world cup. But it is true, the world turns a bit slower, and soccer takes up most of the headlines in European (but also African and South American) newspapers. Germany fared pretty well in its first game against Australia on Sunday (4:0), and the live report on the game by Scott Murray discovers interesting connections between this world cup in South Africa and jazz -- free jazz to be exact (The Guardian). Everybody is complaining about the Vuvuzelas, that every South African visitor to the stadium seems to possess and constantly blow into during the games, infamous plastic instruments that make a constant drone noise like a swarm of bumble bees flying around the stadium (or nesting behind the TV set) over which hardly any emotional response from the soccer fans can be heard. Murray's response to these complaints? "16 mins: (...) Anybody complaining about the parp of a plastic saxophone wants their head looking at. Did Ornette Coleman have to put up with this sort of nonsense?" For the half-time break Murray even suggests his readers to listen to some Coleman and posts "Lonely Woman": "Turn this up. And listen, there's no Peter Drury [the British TV commentator] talking over it, either. Now, will you shut up and let the South Africans get on with it?" At 66 minutes he sees "Schweinsteiger, Podolski and Klose embark on a rat-a-tat one-touch jazz odyssey in the Australian box". And at 82 minutes: "In your face, Vuvuzela haters! The Durban crowd are going free jazz, a new repetitive high-pitched parp now overlaying the main drone. Heh heh." There may be something musical in the way a soccer team lets the ball rotate among the carefully moving three or four men chains that seem to constantly change shapes to adept to the development of the game. And when, like in the game England / USA, suddenly the soccer fans' songs rise above the Vuvuzelas' drones, it sounds like a jazz solo, or a theme song emerging from the collective sound of the band of the ten thousands. Swing on, then, and, USA: take it a tad slower with the rest of us: the games still go on until July 11th.

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14. Juni 2010

Ramsey Lewis

Molly Woulffe gratuliert dem Pianisten Ramsey Lewis zu seinem 75. Geburtstag (North West Indiana Times). In der Musik seines Trios, sagt Lewis, gehe es um Spaß, Engagement und Ehrlichkeit. Jazz halte ihn jung, erklärt er, und nennt Jazz "Amerikas Beitrag zur Weltkultur". Er habe keine Sorge um die Zukunft der Musik: "Durch welche Ära sie auch geht, sie bedient sich immer der musikalischen Eigenheiten ihrer Zeit."

Bibliography Jazz Index: Literaturliste zu Ramsey Lewis.

Molly Woulffe congratulates the pianist Ramsey Lewis on his 75th birthday (North West Indiana Times). The music of his trio, says Lewis, is about fun, involvement and honesty. Jazz keeps him young, he explains, and declares jazz "America's contribution to world culture". He is not afraid for the future of the music: "Whatever era it goes through, it picks up musical devices from that era."

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13. Juni 2010

Denny Zeitlin

Howard Reich spricht mit dem Pianisten und Psychiater Denny Zeitlin über seine kürzlich erschienene Mosaic-CD-Box mit Aufnahmen aus den Jahren 1964 bis 1967 (Chicago Tribune). Reich betont Zeitlins Chicagoer Wurzeln und seine musikalische Entwicklung seither. "Vor allem", resümiert er, sei "eine Zeitlin-Performance unberechenbar, wechselhaft, unmöglich vorauszusehen." Musik und Medizin seien für Zeitlin untrennbar miteinander verbunden, in beiden Bereichen lerne er fortwährend. Der 72-jährige Zeitlin plant zukünftig das elektronische Musikmachen weiter zu erkunden, wobei er sich auf Experimente stützen kann, die er bereits in den 60er und 70er Jahren begonnen hatte.

Bibliography Jazz Index: Literaturliste zu Denny Zeitlin.

Howard Reich talks to the pianist and psychiatrist Denny Zeitlin about his recent Mosaic boxed set with recordings he had done between 1964 and 1967 (Chicago Tribune). Reich looks at Zeitlin's Chicago roots and his musical development since then. "Above all else", he summarizes, "a Zeitlin performance is unpredictable, mercurial, impossible to categorize." Music and medicine for Zeitlin are inseparable, in both fields he feels he continues to learn. The 72-year-old Zeitlin wants to further explore electronic music-making, "picking up on experiments he started in the '60s and '70s".

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12. Juni 2010

Sebastian Studnitzky

Der Trompeter und Keyboarder Sebastian Studnitzky wurde schwer verletzt, als er und einige seiner Mitmusiker von etwa 15 betrunkenen Männern auf dem Roten Platz in Moskau (Pforzheimer Zeitung) angegriffen wurden. Studnitzky erlitt eine gebrochene Nase, einer seiner Mitmusiker liegt mit einer Schädel- und einer Schlüsselbeinfraktur noch im Krankenhaus. Die Ärzte rieten Studnitzky, dessen Frau aus Moskau kommt, einen Monat lang nicht Trompete zu spielen; an einer Tournee durch Kanada und die USA, die nächste Woche beginnen soll, darf er aber teilnehmen, wenn er sich bloß an die Keyboards setzt. Die Band wurde von einem mutigen Moskowiter gerettet, die mit einer Waffe aus seinem Auto gestürmt kam und Warnschüsse abgegeben hatte.

Bibliography Jazz Index: Literaturliste zu Sebastian Studnitzky.

The German trumpeter and keyboardist Sebastian Studnitzky was seriously injured when he and some of his fellow musicians were attacked by approximately 15 drunken men on the Red Square in Moscow (Pforzheimer Zeitung). His nose was broken and one of his fellow musicians was still in the hospital with cranial and clavicalar fractures. The doctors advised Studnitzky, whose wife is from Moscow, not to play the trumpet for a month, but he may go on a tour through Canada and the US next week if he wishes and sticks to the keyboards. The band was ultimately rescued by a brave Muscovite who ran into the scene from his car and fired some warning shots with his gun.

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Steve Coleman

Larry Blumenfeld spricht mit dem Saxophonisten Steve Coleman, den er als "den einflussreichsten Jazzmusiker seiner Zeit" bezeichnet (Wall Street Journal). Ein Gespräch mit Coleman, sagt Blumenfeld, könne ein Charlie-Parker-Solo oder "die esoterischen Lehren des mallorquinischen Philosophen Ramon Llull aus dem 13. Jahrhundert und die Phasen des Mondes" abdecken. Coleman erklärt, der Name "M-Base" stünde vor allem für "eine Denkweise, eine bestimmte Haltung zur Musik". Coleman war ein großer Einfluss auf viele Musiker wegen seiner globalen Sicht auf die Musik und das Leben, sagt Pianist Vijay Iyer. Heute lebt Coleman in Allentown, Pennsylvania, ist daneben aber jeden Montag in einem Monday-Night-Workshop in der Jazz Gallery auch in New York präsent.

Bibliography Jazz Index: Literaturliste zu Steve Coleman.

Larry Blumenfeld talks to the saxophonist Steve Coleman whom he calls "the most influential jazzman of his era" (Wall Street Journal). A talk with Coleman, Blumenfeld says, can cover both a Charlie Parker solo or "the esoteric teachings of 13th-century Majorcan philosopher Ramon Llull and the phases of the moon". Coleman explains that the name "M-Base" was more about "a mentality, a certain attitude about music". Coleman was a big influence on many musicians in his global perspective on music and life, says pianist Vijay Iyer. Coleman now lives in Allentown, Pennsylvania, but still presents an open-rehearsal Monday-night workshop at New York's Jazz Gallery.

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11. Juni 2010

Hamburg, Germany

Heinrich Oehmsen berichtet über eine Podiumsveranstaltung, bei der die Hamburger Jazzszene auf Einladung der SPD-Fraktion im Hamburger Rathaus über die Situation der Musiker in der Hansestadt diskutierte (Hamburger Abendblatt). In Berlin laufe das alles besser, lautete eines der Argumente von Musikerseite: Dort gäbe es ein lebendigeres Musikleben und eine größere Akzeptanz beim Publikum. In Hamburg mangele es an einer sinnvollen Strukturförderung, aber auch an ordentlicher Werbung für die ja durchaus lebendige Musikszene. Musiker beuteten sich selbst aus und spielten teilweise für gerade mal zehn Euro Gage... am Abend (!). Tom R. Schulz weist in seinem Kommentar zur Diskussion darauf hin, dass es den Berliner Musikern ja auch nicht gerade blendend gehe. Wenn man allerdings im Keller sitze, dann schienen einem "schon Leute im vierten Stock nah bei den Sternen" (Hamburger Abendblatt). Auch er plädiert für eine sinnvolle Strukturförderung, für "eine solide überdachte Nische im Gebäude der Hamburger Kultur", in dem Musiker experimentieren und ihre Kunst entwickeln könnten.

Bibliography Jazz Index: Literaturliste zu Hamburg.

Heinrich Oehmsen reports about a panel discussion organized by the local SPD party and centering on the situation of jazz musicians in Hamburg, Germany (Hamburger Abendblatt). In Berlin, one of the arguments was, everything is better; there is a much more vivid musical scene, and greater public acceptance of jazz. Hamburg lacks a meaningful structural support, but also good public relations for its vibrant music scene. Musicians exploit themselves and often play for a fee of just ten Euros ... for the whole evening (!). In a commentary to the event, Tom R. Schulz points out that Berlin musicians are not all well off as well. If you sit in the basement, he says, the people on the fourth floor might seem to live close to the stars (Hamburger Abendblatt). He, too, argues for meaningful structural support, for "a solidly covered niche in the building of the Hamburg's culture" in which musicians can experiment and develop their art.

Bibliography Jazz Index: Bibliography on Hamburg, Germany.

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10. Juni 2010

Wynton Marsalis

Wynton Marsalis wurde von der Berliner Philharmonie mit einer neuen Komposition "Swing Symphony" beauftragt, die dieser Tage von den Berliner Philharmonikern und dem Lincoln Center Jazz Orchestra uraufgeführt wird. Neben einer konzertanten Aufführung wird es dabei auch eine Tanz-Performance zur Musik geben, an der 170 Berliner Schüler beteiligt sind. Aus Anlass des Konzerts spricht Christian Broecking mit Marsalis (Welt Online) über Grenzüberschreitungen zwischen Jazz und klassischer Musik, über die Last der schwarzen Erfahrung, über den subtilen Rassismus im heutigen Amerika und darüber, wie der Hurricane Katrina sowohl das Leben in New Orleans verändert habe als auch seine eigene Sensibilität gegenüber dem Wiederaufbau seiner Heimatstadt und der Pflege der amerikanischen Seele. Erste Kritiken berichten von einer feurigen "Petruschka" der Berliner Philharmoniker, sauberen Arrangements aus Marsalis' Feder und brillanten Ensemble- und Solopassagen des Lincoln Center Jazz Orchestra einschließlich Soli einiger der philharmonischen Musiker. Warum allerdings Joachim Mischke den in Liverpool geborenen Simon Rattle in der Unterüberschrift zu seiner Rezension als "New Yorks Jazz-Profi" bezeichnet, bleibt uns ein Rätsel (Hamburger Abendblatt).

Bibliography Jazz Index: Literaturliste zu Wynton Marsalis.

Wynton Marsalis has been commissioned by the Berlin Philharmonic Orchestra to write a new composition "Swing Symphony" which will be performed by the Berlin Symphony under the direction of Sir Simon Rattle together with the Lincoln Center Jazz Orchestra. Apart from a concert performance there will also be a dance performance with 170 Berlin school children. On the occasion of the concerts Christian Broecking talks to Marsalis (Welt Online) about crossing the borders between jazz and classical music, about the burden of the Black experience, about the subtle racism in today's America and about how Hurricane Katrina changed both life in New Orleans as well as his own sensibility for the importance not just of the reconstructing of his home town but of the American soul. First reviews of the concert report about a fiery "Petroushka" by the Berlin Philharmonic, clean arrangements by Marsalis and brilliant interpretations by the Lincoln Center Jazz Orchestra including solos by some of the Philharmonic's musicians. Why Joachim Mischke in his headline calls Liverpool-born Simon Rattle "New York's jazz professional", though, we don't know (Hamburger Abendblatt).

Bibliography Jazz Index: Bibliography on Wynton Marsalis.

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22. Mai - 9. Juni 2010

--- in Urlaub / on vacation ---

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