Presseberichte
Press Notices


... über Konzerte, Konferenzen, Festivals und andere Aktivitäten, an denen das Jazzinstitut Darmstadt beteiligt ist.
... about concerts, conferences, festivals and other activities in which the Jazzinstitut Darmstadt is involved.


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2009

Kunst und Leidenschaft. Konzert: Felix Wahnschaffe spielt mit seinem Darmstadt-Quartett im Jazzinstitut
(Darmstädter Echo, 20. April 2009)

Im Grenzgebiet der Künste. Bilanz: Nasse Lappen, poetisches Trommeln und eine gelungene Jugendmusikwerkstatt bei den Darmstädter Frühjahrskursen für Neue Musik in der Akademie für Tonkunst
(Darmstädter Echo, 20. April 2009)

Wohlklang auf der Flöte. Jazz: Stephanie Wagners Quintett "Quinsch“ stellt sein erstes Album vor
(Darmstädter Echo, 23. Februar 2009)

Zwischen Form und Freiheit. Das Vijay Iyer Trio im Darmstädter Jazz Talk: Vielschichtige Musik mit erstaunlicher Tiefe
(Darmstädter Echo, 10. Februar 2009)

Rhythmische Trialoge. Jazz Talk: Vijay Iyer im Darmstädter Jazzinstitut
(Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10. Februar 2009 )

Alte Dame mit Stimme. Jazz-Talk: Die Sängerin Sheila Jordan und das Christof-Sänger-Trio in der Knabenschule
(Darmstädter Echo, 26. Januar 2009)

Trompete auf Samtpfoten. Jazz-Institut: Das Quartett „The Camatta“ unternimmt in Darmstadt eine Weltreise in Tönen
(Darmstädter Echo, 12. Januar 2009)


2008

Melodien mit einem Schuss Lässigkeit. Jazz: Die "Black and White Cooperation" präsentiert ihr neues Album "Synergies" – Frenetischer Beifall der Besucher im Gewölbekeller für unprätentiös-professionellen Auftritt
(Darmstädter Echo, 18. Dezember 2008)

Die Kunst, Musik zu verpacken. Ausstellung: Julia Hülsmann Trio zu Gast in der Reihe "Jazz Talk" des Darmstädter Jazzinstituts – Eröffnung der Schau "Cover-Design für ECM" des Wiesbadener Foto-Künstlers Thomas Wunsch
(Darmstädter Echo, 24. November 2008)

Ein Tausendsassa an Tasten. Jazzkonzert: Pawel Kaczmarczyks Quartett "Audiofeeling" im Darmstädter Jazzinstitut und Fotoausstellung "Polski Jazz"
(Darmstädter Echo, 17. Oktober 2008)

Bass auf dem Bauernhof. Tourauftakt: Dieter Ilg beginnt seine Konzertreise im Darmstädter Jazzinstitut
(Darmstädter Echo, 13. Oktober 2008)

Mit Bohrer und Knarre. Jazzkonzert: Das Trio "Hyperactive Kid" baut in Darmstadt packende Spannungsfelder auf (Darmstädter Echo, 8. September 2008)

Mikesch macht Musik. Jazz-Conceptions: Abschluss einer Woche mit Workshops und Konzerten in Darmstadt
(Darmstädter Echo, 30. Juni 2008)

Aus Freude am Jazz.Darmstadt Profis und Musikbegeisterte üben bei Conceptions gemeinsam
(Frankfurter Rundschau, 30. Juni 2008)

"Leichtigkeit des Spielerischen". Darmstädter Musikpreis für Jazzpianist Uli Partheil
(Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26. Juni 2008)

Mit dem Bauch hören. Am Tag der Verleihung wird der Preisträger mit seinem „Playtime“-Trio auftreten
(Darmstädter Echo, 26. Juni 2008)

Eine Schule für eigene Ideen. Jazz Conceptions: Zum 17. Mal gestalten Dozenten und Teilnehmer eine Woche voll Kursen, Seminaren und Konzerten
(Darmstädter Echo, 25. Juni 2008)

Jazz. Der Groove von Bessungen. Wolfram Knauer betreibt das in seiner Art einzigartige Darmstädter Jazzinstitut
(Frankfurter Rundschau, 18. Juni 2008)

Labor aus der Tasche. Musik-Solo: Der Sänger Michael Schiefel stellt sich im Darmstädter Jazzinstitut vor
(Darmstädter Echo, 16. Juni 2008)

Unterwegs nach Schlitz. Verbände: Der Darmstädter Hartmut Gerhold ist neuer Präsident des Landesmusikrates
(Darmstädter Echo, 14. Juni 2008)

Wunderblume vom Balkan. Jazz: Eine Schäferin, die die Einsamkeit der Städte kennt: Die Albanerin Elina Duni breitet mit ihrem Quartett folkloristische Fundsachen im Darmstädter Gewölbekeller aus
(Darmstädter Echo, 23. Mai 2008)

Mit Luft und Spucke. Jazz aus Frankreich: Jean-Marc Foltz stellt sich mit seinem Trio in Darmstadt vor
(Darmstädter Echo, 28. März 2008)

Konzert. Der Schrei der Bassklarinette (Jean-Marc Foltz)
(Frankfurter Rundschau, 26. März 2008)

Die Verdichter. "Die Enttäuschung" im Darmstädter Jazzinstitut
(Frankfurter Rundschau, 4. Februar 2008)

Aki Takasé im Jazzinstitut
(Darmstädter Echo, 14. Januar 2008)


2007

Töne wie kleine Perlen. Jazz -Talk: Frei von Trends und Klischees: Alexander von Schlippenbachs Trio stellt sich im Darmstädter Gewölbekeller vor (Darmstädter Echo, 10. Dezember 2007)

Konzert. Jazzer auf Winterreise [Alexander von Schlippenbach Trio] (Frankfurter Rundschau, 7. Dezember 2007)

Wer? Wann? Was? Lothar Scharf, Schlagzeuger, Maler: Klangtöne und Farbtöne (Darmstädter Echo, 7. Dezember 2007)

Mit Überraschungen. Jazz: Felix Wahnschaffes „Rosa Rauschen“ im Gewölbekeller des Darmstädter Jazzinstituts (Darmstädter Echo, 26. November 2007)

Im Wechselspiel. Jazztalk: Roger Hanschel stellt sein neues Quartett "Heavy Rotation" in Darmstadt vor (Darmstädter Echo, 23. Oktober 2007)

Wer? Wann? Was? CD: Saxophonist hält sein weltweites Afrika in Darmstadt fest (Darmstädter Echo, 10.Oct.2007)

"Jihad ist von der gleichen Geisteshaltung wie Kant". Beim 10. Jazzforum Darmstadt wurden vor allem Begriffe entzaubert - bis dann der Heilige Krieg beschworen wurde (Frankfurter Rundschau, 10. Oktober 2007)

Weit stehen die Tore offen. Ein Symposium und die produktive Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Musikkulturen (Darmstädter Echo, 9. Oktober 2007)

Improvisation statt Lehrplan. Jazz Conceptions: Die Workshops der 16. Seminarwoche untermauern den Stellenwert Darmstadts in der Musikszene (Darmstädter Echo, 17. Juli 2007)

Was Töne erzählen. Jazzkonzert: Christina Fuchs entwirft in Darmstadt ein farbenprächtiges Kaleidoskop (Darmstädter Echo, 18. Juni 2007)

Suche nach Unerhörtem. Vorschau: Bernd Köppen und Andreas Bär sind die Gäste im Darmstädter Jazztalk (Darmstädter Echo, 18. April 2007)

Eine handverlesene Truppe. Konzert: Sechzehn Musiker der Spitzenklasse in der Centralstation: Der Pianist George Gruntz bringt mit seiner Concert Jazz Band internationale Solisten nach Darmstadt (Darmstädter Echo, 12. April 2007)

Eine Familie mit künstlerischen Ambitionen. Jazz-Talk: Barbara Dennerleins Solokonzert zur Ausstellung ihres Vaters Hans Dennerlein im Darmstädter Jazzinstitut (Darmstädter Echo, 26. März 2007)

Einklang mit dem Herzen. Vortrag: „Ich höre, also bin ich“ – Jadranka Marijan-Berendt im Darmstädter Jazzinstitut (Darmstädter Echo, 21. März 2007)

Ein Abenteuerspielplatz. Jazz: Das "Olaf Ton"-Quintett geht auch im Gewölbekeller ohne Vorbehalte zur Sache (Darmstädter Echo, 19. März 2007)

Ein Freigeist improvisiert. Jazz: Mit starken Partnern: Achim Kaufmanns Trio gastiert im Darmstädter Gewölbekeller – Drei Individualisten, die auf Kontrapunkte statt Harmonie setzen (Darmstädter Echo, 19. Februar 2007)

Ulrich Gumpert (Raimund Dillmann, 18. Februar 2007)

Keine andere Sprache. Das Ulrich Gumpert Quartett beim Jazz-Talk-Konzert in Darmstadt (Frankfurter Rundschau, 14. Februar 2007)

Siena Jazz, incontro con il musicologo tedesco Wolfram Knauer (InToscana.it, 1. Februar 2007)

Freiheit und Disziplin. Porträt-Konzert: Wolfram Knauer stellt die Saxofonistin Ingrid Laubrock aus London vor (Darmstädter Echo, 22. Januar 2007)

Echte falsche Zöpfe. Literatur und Musik: Horst Schäfer liest im Darmstädter Jazz-Institut Texte von Lichtenberg (Darmstädter Echo, 8. Januar 2007)


2006

Der Sohn spielt mit. Gespräch zur Musik: Das Ed Kröger Quartet bringt Swing und Groove in den Gewölbekeller (Darmstädter Echo, 11. Dezember 2006)

SWR – NOW Jazz Magazin – Buchrezension: Jazz goes Pop goes Jazz (SWR, 3. Dezember 2006)

Deutschlandfunk – Jazzfacts – Buchrezension: Jazz goes Pop goes Jazz (Deutschlandfunk, 1. Dezember 2006)

International beachtete Jazz-Grundlagenlektüre für Fans und Forscher. "Selbst in den USA spricht man von Darmstadt“ (Bessunger Neue Nachrichten, 24. November 2006)

Jazzinstitut genießt weltweit Renommee. Selbst Musikexperten in den USA schätzen das Haus / Buch "Jazz goes Pop goes Jazz" erschienen (Frankfurter Rundschau, 16. November 2006)

Eine Trompete fürs Archiv. Buchvorstellung (Darmstädter Echo, 16. November 2006)

Improvisationstalent und technische Perfektion. Jazz-Gespräch: Der Posaunist Nils Wogram und sein Projekt „Root 70“ präsentieren sich und ihre Musik in Darmstadt (Darmstädter Echo, 14. November 2006)

Welt der Schwingungen. Musik im Gespräch: Der Perkussionist Hakim Ludin im Darmstädter Jazzinstitut (Darmstädter Echo, 23. Oktober 2006)

Aus der Krabbelstube nach Harvard. Jury kürt im zweiten Jahr Komponistin Karola Obermüller (Darmstädter Echo, 28. Juli 2006)

Gong auf dem Scheitel. Das Abschlusskonzert von Jürgen Wuchners Jazz Conceptions (Frankfurter Rundschau, 24. Juli 2006)

Die nächste Generation macht sich bemerkbar. Workshops: In der Tradition der Väter: Bilanz der 15. Darmstädter Jazz-Conceptions (Darmstädter Echo, 24. Juli 2006)

Der Jazz hat ihn bleibend infiziert. Porträt: Er spielt und lehrt: Der Bassist Jürgen Wuchner ist ein sehr aktives Urgestein der Darmstädter Musikszene (Darmstädter Echo, 20. Juli 2006)

Big-Band-Nachwuchs im Profi-Training. Jazz Conceptions: Die Veranstaltungen haben auch im 15. Jahr ihr Flair nicht verloren – Mehr Teilnehmer als je zuvor (Darmstädter Echo, 19. Juli 2006)

Zeigt her eure Töne. Ausblick: Vom 17. bis zum 22. Juli sind in diesem Jahr die Darmstädter Jazz-Conceptions (Darmstädter Echo, 18. Juli 2006)

Ein Stück Freiheit. Jazztalk: Friedhelm Schönfeld, Günter „Baby“ Sommer und Jürgen Wuchner in Darmstadt (Darmstädter Echo, 26. Juni 2006)

Frauke Kühner Quartet, 2. Juni 2006 (Fotos)

„Das Besondere sind unsere Arrangements“. Jazz: Combos und Big Bands Darmstädter Gymnasien geben gemeinsames Konzert (Darmstädter Echo, 26. Mai 2006)

Abschied von New Orleans. Jazz: Vom Mississippi an den Neckar: Trevor Richards plaudert und spielt in Darmstadt (Darmstädter Echo, 26. Mai 2006)

Trevor Richards Trio, 24. Mai 2006 (Fotos)

Im Dschungel der Töne. Neue Musik: Die 60. Arbeitstagung der Musikerzieher in Darmstadt sucht die Verbindung zwischen Theorie und Praxis – Auch Kinder erkunden neue Klangwelten (Darmstädter Echo, 24. April 2006)

„Oma Heinz“ kann’s. Ausblick: Sextett aus dem Saarland spielt im Gewölbekeller des Darmstädter Jazzinstituts (Darmstädter Echo, 13. April 2006)

jazzahead! 2006 ... Viel Resonanz für die Jazzmesse in Bremen (Berliner Zeitung, 31. März 2006)

jazzahead! 2006 ... Und wo steht Ihr Schuppen? Hundert Aussteller trafen sich in Bremen zur ersten deutschen Jazzmesse. Auf der „jazzahead“ konnten sie mal über alles reden – auch übers fehlende Geld (Die Zeit online, 30. März 2006)

jazzahead! 2006 ... Weiter so! Jazzahead! Preisverleihung an Manfred Eicher (Jazz Echo, 30. März 2006)

jazzahead! 2006 ... Daheim, in der Welt. Die Musikmesse jazzahead! proklamierte in Bremen die neue Exportfähigkeit des deutschen Jazz (Süddeutsche Zeitung, 28. März 2006)

jazzahead! 2006 ... Das Ende des Jammerns. Die erste deutsche Jazz-Fachmesse, JazzAhead in Bremen, will für die nationale Szene eine bessere internationale Resonanz erreichen (Frankfurter Rundschau, 28. März 2006)

jazzahead! 2006 ... Fisch mit Gräte. „jazzahead!“: Erste deutsche Jazzmesse in Bremen (Der Tagesspiegel, 28. März 2006)

jazzahead! 2006 ... Hinaus in die Welt mit euch! Auf der Bremer Messe jazzahead stellte sich die deutsche Szene am vergangenen Wochenende dem Urteil internationaler Experten (die tageszeitung, 28. März 2006)

jazzahead! 2006 ... Neues Forum für den Jazz. „Jazzahead“ will dafür sorgen, dass sich der Jazz besser verkauft (Kölner Stadt Anzeiger, 28. März 2006)

jazzahead! 2006 ... Das neue Produkt: Jazz. Bei der bundesweit ersten Jazzmesse in Bremen entwickelt die Szene neues Selbstbewusstsein im Gewand der Privatwirtschaft (die tageszeitung, 27. März 2006)

jazzahead! 2006 ... Plattform für deutschen Jazz. Jazzahead - 1. Deutsche Jazzmesse in Bremen (DeutschlandRadio Kultur, 26. März 2006)

jazzahead! 2006 ... Auf zur Bremer Jazz-Messe (Darmstädter Echo, 22. März 2006)

Grenzgänger zur Klassik. Ausblick: Der Klarinettist Lajos Dudas spielt im Duo mit Philipp van Endert im Jazz-Institut (Darmstädter Echo, 2. März 2006)

Wer? Wann? Was? Rau, aber herzlich: Fritz, der Große (Veranstalter), erinnert sich (Darmstädter Echo, 21. Februar 2006)

Brüderlicher Austausch. Ausblick: Die Posaunisten Conrad „Conny“ und Johannes Bauer im Darmstädter Jazzinstitut (Darmstädter Echo, 16. Februar 2006)

Wer? Wann? Was? Zufall der Termine: Darmstädter Klein-Invasion in Chicago (Darmstädter Echo, 15. Februar 2006)

Jazz Scholarship Journal to Launch Next Year (Jazz Times (online), 13. Februar 2006)

Extreme voran. Darmstädter Preisträgerkonzert des Vibraphonisten Christopher Dell (Frankfurter Allgemeine Zeitung, 2. Februar 2006)

Dank mit tanzenden Stöcken. Preisverleihung im Museum Künstlerkolonie (Darmstädter Echo, 27. Januar 2006)

Nur so Splitter. Ulrike Haage und Carlos Bica im Darmstädter Jazz-Institut (Frankfurter Rundschau, 23. Januar 2006)


2005

Gute Aussichten für den deutschen Jazz (Berliner Zeitung, 16. Dezember 2005)

Swingen für den Standort Deutschland. Berliner prägen das Bremer "jazzahead"-Festival (Berliner Morgenpost, 15. Dezember 2005)

Er hat die Jazz-Szene geprägt. Auszeichnung: Preis wird nicht öffentlich ausgeschrieben. Christopher Dell erhält den Darmstädter Musikpreis 2005 (Darmstädter Echo, 15. Dezember 2005)

Verheißungsvoll. Eva Kruse, Michael Wollny und Eric Schäfer als Trio \[em\] in Darmstadt zu Gast beim Jazzinstitut (Frankfurter Rundschau, 12. Dezember 2005)

Michael Wollny im Jazz-Institut (Darmstädter Echo, 12. Dezember 2005)

Austarierte Stille. Christopher Dells 3 D im Darmstädter Jazzinstitut (Frankfurter Rundschau, 5. Dezember 2005)

Stephan Schmolck und Electric Bundle im Darmstädter Jazzinstitut. Die Bilanz elektrisch empfundener Schwingungen und Spannungen (unveröffentlichte Rezension, November 2005)

Talente im Wohlfühltempo: Jazz mit dem Gerd-Schumacher-Quintett (Darmstädter Echo, 7. November 2005)

Zeitfenster für die Töne. Konzert: Christopher Dell gastiert mit einem Soloprogramm im Jazzinstitut in Darmstadt (Darmstädter Echo, 1. November 2005)

Darmstädter Jazz-Projekt „Outline 05“ soll eine Institution werden (Darmstädter Echo, 17. Oktober 2005)

Was gute Musiker machen. Jazz und Popularmusik - ein Darmstädter Symposium (Frankfurter Rundschau, 5. Oktober 2005)

Sind neue Hosen neoliberal? Das Darmstädter Jazzforum untersucht das Verhältnis zum Pop (Frankfurter Allgemeine Zeitung, 4. Oktober 2005)

Pop gibt die Würze. 9. Darmstädter Jazzforum: Extreme treffen aufeinander: Symposium über den Jazz und sein gespaltenes Verhältnis zur Popularmusik (Darmstädter Echo, 4. Oktober 2005)

Institut mit Swing im Blut - Sammeln, sichten und sortieren: 15 Jahre Jazz-Forschung in Darmstadt (Pepper, 01. Oktober 2005)

Die Chance liegt in der Umgestaltung. „Was macht Musik populär?“ – Martin Pfleiderer eröffnet das Symposium der Tagung (Darmstädter Echo, 30. September 2005)

"Brückenschlag" im Jagdschloß. Seit 15 Jahren versucht das Darmstädter Jazz-Institut Wissenschaft und Praxis zu vereinen (Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24. September 2005)

Eine Brücke aus Tönen. Jazzinstitut Darmstadt: 15 Jahre besteht die Institution – Forum zum Verhältnis des Jazz zur Popularmusik vom 29. September bis 2. Oktober (Darmstädter Echo, 23. September 2005)

Er scheint ins Instrument kriechen zu wollen – "Der Pate des Klaviers" Walter Noris mit beeindruckendem Solo-Konzert des K3-Kulturkanals Rheinland-Pfalz ... (Allgemeine Zeitung Mainz, 7. September 2005)

Auf Charlie Parkers Spuren. Jazz: The 64 Jazz Quartet und das Ensemble Art Hoc gastieren im Gewölbekeller unterm Darmstädter Jazzinstitut  (Darmstädter Echo, 6. September 2005)

Eine Woche lang von früh bis spät jammen. 55 Musiker nahmen in der Knabenschule an den 14. Darmstädter Jazz Conceptions teil / Workshops und Konzerte (Frankfurter Rundschau, 1. August 2005)

Datterich in Tönen. Jazz Conceptions: Auch die 14. Auflage des musikalischen Workshops kann faszinieren (Darmstädter Echo, 1. August 2005)

JAZZINSTITUT DARMSTADT. Neuer Verein plant "German Jazz Meeting" (Frankfurter Rundschau, 30. Juli 2005)

Kleine Meldungen (German Jazz Meeting) (Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30. Juli 2005)

Jazz-Meeting gegründet (Darmstädter Echo, 30. Juli 2005)

Der Jazz und seine schönsten Augenblicke (Wilfried Heckmann Ausstellung) (Darmstädter Echo, 30. Juli 2005)

Neue Galerie öffnet im Jazzinstitut. Symposion zum Thema "Verrat oder Chance?" / Diskussion über Jazz und Popularmusik (FAZ, 28. Juli 2005)

Neue Galerie im Jazzinstitut. Fotos von Winfried Heckmann (Frankfurter Rundschau, 27. Juli 2005)

Nach Herzenslust zusammenspielen. „Jazz Conceptions“: Zum Musizieren und Fachsimpeln treffen sich bis Samstag (30.) Musiker zu Kursen und Konzerten (Darmstädter Echo, 27. Juli 2005)

Ein Piano-Pendler. Jazzkonzert: Der Mainzer Olaf Taranczewski spielt mit seinem Trio in Darmstadt (Darmstädter Echo, 22. Juli 2005)

Widmungen mit der Posaune (outpoint) (Darmstädter Echo, 13. Juni 2005)

Klassiker in die Knie gezwungen (Ernst Ludwig Petrowsky & Uschi Brüning) (Darmstädter Echo, 23. Mai 2005)

Charleston Jazz Initiative Officially Launches With 'Return to the Source;' Hosts International Jazz Historians and Musicians at Avery. Multi-Year Effort Seeks to Establish Key Influence of Charleston Musicians in Foundation of American Jazz (Yahoo News, 20. Mai 2005)

Jazzinstitut erhält Fotosammlung (Darmstädter Echo, 2. Mai 2005)

Avantgarde aus Berlin. Jazz: Sie suchen nach neuen Wegen: Das „Christian Weidner Trio“ in Darmstadt (Darmstädter Echo, 18. April 2005)

Schön harmonisch. Jazz: „Snake Resort“ musizieren im Gewölbekeller unter dem Jazzinstitut (Darmstädter Echo, 4. April 2005)

Jazzinstitut: Talk mit dem Degen-Trio (Darmstädter Echo, 21. März 2005)

„Oh-lala“, wie schön! (Ben's Belinga African Quartet) (Darmstädter Echo, 18. März 2005)

Wider die deutsche Depression (Peter Brötzmann, Mats Gustafsson, Ken Vandermark "Sonore") (Darmstädter Echo, 21. Februar 2005)

Unorthodoxe Klangräume. Jazz: Das „Thomas Honecker Quartett“ zu Gast im Gewölbekeller: Musik von erfahrenen Akteuren, die sich schon lange kennen (Darmstädter Echo, 7. Februar 2005)

Jazz und Erinnerungen. Gesprächskonzert: Der Saxofonist Gerd Dudek spielt im Gewölbekeller und blickt zurück auf seine vierzig Jahre Musikgeschichte (Darmstädter Echo, 24. Januar 2005)

Gesucht und gefunden. Jazzkonzert: Quartett mit Gustl Mayer, Partheil, Wuchner und Copeland im Jazzinstitut (Darmstädter Echo, 17. Januar 2005)


2004

Eine Legende zu Gast im Keller. Jazz-Talk: Fünf Jahrzehnte Musikgeschichte in einer Person: Walter Norris erzählt Episoden aus seinem Leben als Pianist in berühmten Formationen (Darmstädter Echo, 13. Dezember 2004)

Faszinierende Töne. Konzert: Ein Jazz-Trio experimentiert auf traditionellen Instrumenten: So können Tuba, Schlagzeug und Klavier ganz anders klingen als gewohnt [Uwe Oberg, Carl Ludwig Hübsch, Michael Griner] (Darmstädter Echo, 26. November 2004)

Warme Töne aus Sibirien (Igor Shirokov Quartet) (Darmstädter Echo, 22. November 2004)

Vater und Tochter im Quartett (Carolyn & Hermann Breuer Quartett) (Darmstädter Echo, 8. November 2004)

Geschichten aus der Hauptstadt. Vor allem gut zuhören lässt es sich in einer Ausstellung zum Jazz in Gestalt des "Frankfurt Sound" (Frankfurter Rundschau, 25. Oktober 2004)

Jazz-Impulse aus dem Internet [Henning Wolter Trio & Eric Vloeimans] (Darmstädter Echo, 20. September 2004)

Reiz des Zusammenspiels [Gerd Putscheff & Annemarie Roelofs] (Darmstädter Echo, 13. September 2004)

Besuch bei Duyster: Jazz-Archiv spitzt Ohren (Darmstädter Echo, 3. Septenber 2004)

Miniaturen voll Intensität. Jazz: Undertone Project gastiert im Gewölbekeller unterm Darmstädter Jazzinstitut (Darmstädter Echo, 30. August 2004)

Viola per Soundrohrpost. Ferienkurse für neue Musik: Konzerte, Gemeinschaftsprojekt Darmstadt – Warschau (Darmstädter Echo, 21. August 2004)

Der geteilte Raum. Deutsch-polnisches Projekt in der Darmstädter Centralstation (Frankfurter Rundschau, 20. August 2004)

Die hohe Kunst der Improvisation. Jazzinstitut: Neue Veröffentlichungen und Einblick in die aktuelle Arbeit (Darmstädter Echo, 17. August 2004)

Musik für jede Kragenweite. 13. Jazz Conceptions: Eine Bilanz der Workshop-Woche in der Bessunger Knabenschule (Darmstädter Echo, 26. Juli 2004)

Geschichten um den Jazz (Darmstädter Echo, 16. Juli 2004)

Tadellos zur kleinen Jazz-Prüfung. Eine Ausstellung des Jazzinstituts über den etwas elitären "hot circle darmstadt" schreibt städtische Kulturgeschichte (Frankfurter Rundschau, 8. Juli 2004)

Wo Wunderbäume wachsen. Duo-Projekt: Der Pianist Christoph Spendel und der Darmstädter Geiger Gerd Putscheff im Gewölbekeller des Jazzinstituts (Darmstädter Echo, 3. Juli 2004)

Die Band swingt auf dem Pferdewagen. Ausstellung: Jazzinstitut erinnert im Weißen Turm an „Hot Circle “, einen Klub, der Darmstädter Jazzgeschichte schrieb (Darmstädter Echo, 2. Juli 2004)

Ferienkurse für Neue Musik. Auftrag: Übergreifendes Improvisations-Projekt (Frankfurter Rundschau, 26. Juni 2004)

Für alles offen. Ausblick: Kooperationsprojekt zwischen Warschau und Darmstadt bei den Ferienkursen (Darmstädter Echo, 25. Juni 2004)

Mit Freuden traurig. Konzert und Gespräch: Friedhelm Schönfeld und Ekkehard Jost im Darmstädter Jazzinstitut (Darmstädter Echo, 21. Juni 2004)

Respektloser Vogel in Kobaltblau. Leszek Mozdzer interpretiert im Darmstädter Jazzinstitut Chopin höchst eigenwillig (Frankfurter Rundschau, 14. Juni 2004)

Chopin als Jazzer. Konzerte: Musiker aus Polen und Russland gastieren in Darmstadt [Leszek Mozdzer] (Darmstädter Echo, 14. Juni 2004)

Kurios, originell und traditionell [Gilbert Paeffgen] (Darmstädter Echo, 7. Juni 2004)

Kontrolle und Ekstase. Evan Parker, Barry Guy und Paul Lytton denken Musik vor allem intensiv - diesmal in Darmstadt (Frankfurter Rundschau, 1. Juni 2004)

Wie man die Ohren täuschen kann [Parker Lytton Guy] (Darmstädter Echo, 28. Mai 2004)

„Mehr mit weniger Noten sagen“ [Karl Berger] (Darmstädter Echo, 10. Mai 2004)

Hohe Ansprüche. Konzert - Kathrin Lemke und ihr Quartett "JazzXclamation" spielen im Gewölbekeller (Darmstädter Echo, 27. April 2004)

Reguliertes Chaos. Jazz: Ein Konzert beendet den Workshop mit dem Posaunisten Johannes Bauer (Darmstädter Echo, 19. April 2004)

Fantastisch ist die Wirklichkeit. Ausblick: Uraufführung einer Literaturvertonung – Uli Partheils Playtime mit Rüdiger Gieselmann einem Konzert für Sprecher und Jazz-Trio nach Texten von Eduardo Galeano (Darmstädter Echo, 11. März 2004)

Abenteuer zwischen den Stilen (Darmstädter Echo, 9. März 2004)

Duo halbiert. Michael Naura zu Gast im Darmstädter Jazzinstitut - mit Ersatz für den erkrankten Partner Schlüter (Frankfurter Rundschau, 18. Februar 2004)

Von Keller zu Keller. Jazz im Gespräch: Michael Naura spielt und erzählt im Darmstädter Jazzinstitut (Darmstädter Echo, 16. Februar 2004)

Wenn Gesang Experiment ist (Darmstädter Echo, 9. Februar 2004)

Porträt der Woche. Der Doktor und der heiße Jazz (Frankfurter Rundschau, 3. Februar 2004)

Längst nicht mehr alleine. Walgesang und Wege ins Freie: Ekkehard Jost und Jürgen Wuchner feiern Geburtstag im Darmstädter Jazzinstitut (Frankfurter Rundschau, 28. Januar 2004)

Wassermänner jazzen. Geburtstagskonzert: Ekkehard Jost und Jürgen Wuchner feiern im Darmstädter Jazzinstitut (Darmstädter Echo, 24. Januar 2004)

Was ist Patamusik? Norbert Stein und sein originell besetztes Quintett Pata Masters im Gewölbekeller des Darmstädter Jazzinstituts (Frankfurter Rundschau, 20. Januar 2004)


2003

Jazz? Gestrichen! Das Quartett String Thing beim Gesprächskonzert im Darmstädter Jazzinstitut (Frankfurter Rundschau, 16. Dezember 2003)

Den Streicherklang aufgemöbelt (Darmstädter Echo, 15. Dezember 2003)

Kunst des Kaputtspielens. Konzert: Das „Tradition Trio“ spielt Free Jazz im Darmstädter Gewölbekeller (Darmstädter Echo, 5. Dezember 2003)

Gründlichkeit und Risiko. Christopher Dell und John Schröder gehen im Jazzinstitut Darmstadt auf Klangexkursion (Frankfurter Rundschau, 24. November 2003)

Bravour auf Tasten (Konzert Michiel Braam) (Darmstädter Echo, 18. November 2003)

Der Jazz, das Chamäleon (Zur Ausstellung "Jazz Changes") (Darmstädter Echo, 6. November 2003)

Des Staunens entkleidet. „improvisieren...“, 8. Darmstädter Jazzforum 2003 (Jazzzeitung, November 2003)

Jazz-Ausstellung. Eine Musik und ihre 100-jährige Geschichte (Frankfurter Rundschau, 29. Oktober 2003)

Wirbel an den Trommeln. Jazz: Das Markus-Fleischer-Quartett mit Schlagzeugstar Adam Nussbaum (Darmstädter Echo, 22. Oktober 2003)

die jazzkolumne. Unfreiheiten der Improvisation (die tageszeitung, 21. Oktober 2003)

Zwei exzellente Jazz-Trios (Darmstädter Echo, 20. Oktober 2003)

Trommeleien auf der Teekiste (Darmstädter Echo, 13. Oktober 2003)

8. Darmstädter Jazzforum (Frankfurter Rundschau, 30. September 2003)

Gestalten, zuhören, handeln. Symposium: Das achte Darmstädter Jazzforum behandelt die Kunst der Improvisation – Konzerte illustrieren die Theorie (Darmstädter Echo, 30. September 2003)

Geplant? Gesteuert? Irgendwann wird der Weg zum Ziel. Beim Darmstädter Jazzforum zum Thema "Improvisieren" wurde diskutiert und musiziert - mit Eric Boeren, Joachim Kühn, dem Italian Instabile Orchestra (Frankfurter Rundschau, 29. September 2003)

Improvisation als Kunst. Darmstädter Jazzforum (Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25. September2003)

Geschlechterkampf mit Charlie. Joseph von Westphalen und erstaunlich viele Frauen im Darmstädter Jazzinstitut (Frankfurter Rundschau, 24.Sep.2003)

Morgen: Frauen und Jazz (Frankfurter Rundschau, 18. September 2003)

Gelassen zur Freiheit. Zusammenarbeit bei den 12. Jazz Conceptions, einem Workshop für Jazz, in Darmstadt (Frankfurter Rundschau, 29. Juli 2003)

Das Saxofon prägt den Klang. „Jazz Conceptions“: Die musikalischen Sommer-Workshops enden mit zwei gelungenen Konzerten von Teilnehmern und Dozenten (Darmstädter Echo, 28. Juli 2003)

In wechselnden Besetzungen. „Jazz Conceptions“: Die Kurse und Konzerte des Ferienkurses haben begonnen – Über fünfzig Teilnehmer lernen bei sechs renommierten Dozenten (Darmstädter Echo, 23. Juli 2003)

Mit altem Schwung. Jazz: Wiedervereinigt für den „Kultursommer Südhessen“: Das „Frank Runhof Quintett“ (Darmstädter Echo, 23. Juni 2003)

Harte Arbeit am leichten Stoff. Peter Fessler solo im Jazzinstitut Darmstadt (Frankfurter Rundschau, 16. Juni 2003)

Auf Freundschaftskurs. Jazz und Rock: Die Gruppe „KC“ trifft im Konzert das „Gerd Schumacher Quintett“ (Darmstädter Echo, 12. Mai 2003)

Lupenrein. Jazz mit Geige in Darmstadt (Frankfurter Rundschau, 6. Mai 2003)

Feine Mitbringsel. Blues und Jazz: „Bootleggin’ Hobos“ im An Sibin und „The Art of the Duo“ im Jazzinstitut (Darmstädter Echo, 5. Mai 2003)

Friedensglocken. Hakim Ludin in Darmstadt (19. April 2003)

Musik der Welt – Weltmusik? Tagung: Musikerzieher suchen in Darmstadt Begegnung mit anderen Kulturen (Darmstädter Echo, 17. April 2003)

Ungestümer Jazz aus dem Bauch (Darmstädter Echo, 15. April 2003)

Mannschaftsspiele. Darmstadt als Musik-Innenstadt zur Arbeitstagung des Instituts für Neue Musik (Frankfurter Rundschau, 15. April 2003)

Swingen, bis der Schweiß tropft. Jazz-Legenden: Das „International Trio“ mit Trevor Richards, Christian Azzi und Reimer von Essen in Darmstadt (Darmstädter Echo, 9. April 2003)

Wer hat an der Uhr gedreht? - Die Jazzsaxofonistin Angelika Niescier in Darmstadt (Frankfurter Rundschau, 17. März 2003)

Schnell und schwermütig (Darmstädter Echo, 15. März 2003)

Stimme und Saxophon (Darmstädtzer Echo, 10. März 2003)

Jazz ohne Kontrabass. „Electrified“: Das Trio überzeugt mit bizarren und virtuosen Klängen (Darmstädter Echo, 15. Februar 2003)

Klingende Kisten. Sammlung: Darmstädter Jazzinstitut erhält Sammlung der Berliner FMP-Produktion (Darmstädter Echo, 14. Februar 2003)

Leben in Tönen. Jazz: Tenorsaxofonist Olaf Kübler als Gast des 25. Gesprächskonzerts im Bessunger Kavaliershaus-Keller (Darmstädter Echo, 27. Januar 2003)

Monk und Oldtime-Jazz. Konzert: „Partheils Playtime“ feiert Jazz-Genie, „En Haufe Leit“ sorgt für Party-Stimmung (Darmstädter Echo, 20. Januar 2003)

Zwiegespräch mit Steinen. Der amerikanische Free Jazzer Charles Gayle in Darmstadt (Frankfurter Rundschau, 14. Januar 2003)

Clochard-Clown am Saxofon. Jazz: Freies mit Charles Gayle im Jazzinstitut (Darmstädter Echo, 13. Januar 2003)


2002

Metamorphosen der Hand. Simon Nabatov beim "Jazz Talk" in Darmstadt (Frankfurter Rundschau, 17. Dezember 2002)

Gedankenvirtuose: Der Jazz-Pianist Simon Nabatov in Darmstadt (Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16. Dezember 2002)

Meister der Verwandlung. Der Pianist Simon Nabatov sucht bei seinem Konzert in Darmstadt einen Königsweg zwischen den Musikkulturen (Darmstädter Echo, 16. Dezember 2002)

Rezension: Jazz und Gesellschaft, Darmstädter Beiträge zur Jazzforschung, Band 7, Wolfram Knauer (Hg) (WDR5, 12. Dezember 2002)

Für offene Ohren. Ehrung: Beim 11. Hessischen Jazz-Podium erhält Wolfram Knauer den Hessischen Jazzpreis (Darmstädter Echo, 25. November 2002)

Was aus einer Sammlung entstehen kann. Wolfram Knauer, der Leiter des Jazzinstituts Darmstadt, erhält den Jazzpreis des Landes Hessen (Frankfurter Rundschau, 21. November 2002)

Vom Klang der Körper. Jazz: Der Avantgarde-Interpret Gunter Hampel mit seinem Trio und zwei Tänzern zu Gast im Bessunger Gewölbekeller: Musik wird zur begeisternden Performance (Darmstädter Echo, 21. Oktober 2002)

Alle Blicke auf dem Saxofon (Darmstädter Echo, 14. Oktober 2002)

Ist Improvisation noch relevant? Beiträge zur Jazzforschung: Um Musik und Gesellschaft geht es im neuesten Band (Darmstädter Echo, 5. Oktober 2002)

Konzert zum Jubiläum (Darmstädter Echo, 5. Oktober 2002)

Wiege des Jazz. Jazz: Blickpunkt New Orleans: Ausstellung und Konzerte im Darmstädter Jazzinstitut (Darmstädter Echo, 14. September 2002)

Geben und nehmen. Jazz: Christopher Dell und Bülent Ates improvisieren im Jazzinstitut Darmstadt (Darmstädter Echo, 4. September 2002)

Kubanischer Jazz ohne Gitarren (Darmstädter Echo, 13. August 2002)

Funkenflug. Jazz-Konzert der Dozenten (Frankfurter Rundschau, 16. Juli 2002)

Mit voller Fahrt durch die Jazz-Geschichte. 11. Jazz-Conceptions: Früchte des eifrigen Probens: Workshops überzeugen (Darmstädter Echo, 15. Juli 2002)

Hardbop, ganz frisch (Lothar Scharf Quintett) (Darmstädter Echo, 26. Juni 2002)

Skurriles aus der Jazz-Szene (Darmstädter Echo, 22. Juni 2002)

Jazzpreis an Wolfram Knauer (Darmstädter Echo, 11. Juni 2002)

Hessischer Jazzpreis. Auszeichnung für Knauer (Frankfurter Rundschau, 11. Juni 2002)

Heil im Querdenken. Jazzinstitut - Christopher Dell spielt und denkt über die Improvisation nach (Darmstädter Echo, 18. Mai 2002)

Die Berliner Saxofonistin Sandra Weckert und Band beim Jazz-Talk im Gewölbekeller unterm Jazzinstitut (Darmstädter Echo, 6. Mai 2002)

Repression kann keinen Swing vertragen. "Schlechte Zeiten für gute Musik?": Symposien und Konzerte zum Verhältnis von freier Musik und totalitärem Staat (Frankfurter Rundschau, 2. Mai 2002)

Exzentrik im Gewölbe. Jazz: Ein ungewöhnliches Hörerlebnis: das Gastspiel der Berliner Avantgarde-Band „Das Rosa Rauschen“ um Felix Wahnschaffe (Darmstädter Echo, 26. April 2002)

Jazz: Howard Levy und Michael Rießler im Jazzinstitut (Darmstädter Echo, 22. April 2002)

Schöne Geräusche. Jazzkonzert: Johannes Bauer mit seinem Workshop-Ensemble im Jazzinstitut (Darmstädter Echo, 2. März 2002)

Alternativen zum Karneval: Zwei Bands im Halbneun-Theater, ein Duo mit experimenteller Musik im Keller des Jazzinstituts (Darmstädter Echo, 11. Februar 2002)

Schlagzeuger Favre zu Gast im Jazzinstitut (Darmstädter Echo, 22. Januar 2002)


2001

Herb Geller plaudert über „West-Coast-Jazz“ und NDR-Big-Band (Darmstädter Echo, 17. Dezember 2001)

Edel sei der Jazzer, hilfreich und gut. Sozialfall oder sozial: Das Darmstädter Jazzforum sucht die gesellschaftliche Relevanz des Jazz (FAZ, 4. Oktober 2001)

7. Darmstädter Jazzforum "Jazz und Gesellschaft" (Deutschlandfunk, 5. Oktober 2001)

Relaxt und selbstkritisch. Das 7. Darmstädter Jazzforum mit dem New Jungle Orchestra (Frankfurter Rundschau, 2. Oktober 2001)

Kühle Drinks zu heißen Rhythmen. Uli Partheils Trio „Playtime“ spielt kubanische Folklore vor dem Jazzinstitut (28. August 2001)

Notizen von den „10. Darmstädter Jazz Conceptions“ (11. Juli 2001)

Ausstellung "Jazzaspekte" in Darmstadt (11. Juli 2001)

Ferne Freiheit - John Tchicai mit Quartett (26. Juni 2001)

In aller Welt zu Hause, John Tchicai mit Quartett in der Reihe JazzProfile (25. Juni 2001)

Atemberaubende Collage. Ekkehard Jost mit der "Transalpin-Express-Band" beim Jazz-Talk (9. Juni 2001)

Fotos vom Konzert der "Transalpin Express Band" am 7. Juni 2001

Fotos vom Konzert des International Trio mit Ralph Sutton am 8. April 2001

Die Mitte namens „Underkarl“. Jazzquartett aus Köln wird im Gewölbekeller stürmisch gefeiert (31. März 2001)

Nach schwerer Krankheit startet Pianist Joe Haider einen Neubeginn (19. März 2001)


Darmstädter Echo, 20. April 2009

Kunst und Leidenschaft. Konzert: Felix Wahnschaffe spielt mit seinem Darmstadt-Quartett im Jazzinstitut

DARMSTADT. Felix Wahnschaffe ist Berliner Urgestein. Vor zwei Jahren gastierte er auf Einladung des Darmstädter Fördervereins Jazz erstmals mit seinem Quartett „Rosa Rauschen“ im Gewölbekeller des Jazzinstituts und fand große Resonanz. Da er inzwischen Familienbande mit Darmstadt geknüpft hat, lag es nahe, auch hier eine ähnlich zusammengesetzte Band zu rekrutieren.

So spielte er am Freitag mit seinem „Darmstadt Quartett“ in ähnlicher Zusammensetzung wie mit dem Berliner Quartett – nur saßen an diesem Abend Uli Partheil am Klavier, Jürgen Wuchner am Bass und Holger Nesweda am Schlagzeug. Man hörte es dieser Band kaum an, dass sie sich kurzfristig zusammenfand. Dabei trat der gewohnte Kompositionsablauf mit Thema-Improvisation-Thema wieder mehr in den Vordergrund, die vom Altsaxofonisten und Komponisten sonst forcierte Harmonik im Stil Bachs wich den herkömmlichen Jazz-Harmonien, durch welche die Poesie von Wahnschaffes Tondichtungen dennoch hindurchschimmerte.

Hier gingen die durchgängig eigenen Kompositionen des ersten Teils meist unmerklich in Improvisationen über. Nach einer eher komplizierten Einleitung des Bandleaders folgten meist spontane Einfälle von Uli Partheil und Jürgen Wuchner, ehe sich Wahnschaffe ins Zeug legte und die Melodien rasch ausklingen ließ.

Eine Ausnahme bildete „Pnom Peng“ mit einer langen Schlussphrase des Altsaxofonisten, die durch das gedrückte Pedal des Pianisten fast wie ein domartiges Gebilde wirkte. Ob der Titel „Largo“ an Händels 250. Todestag erinnern sollte, war nur zu vermuten.

Der zweite Teil nach der Pause hatte das Flair einer Jazzwerkstatt, zu viel Unterschiedliches stand nebeneinander: ein Hauch Südafrika hier, eigene Kompositionen der Mitmusiker dort, vor allem von Jürgen Wuchner, außerdem Jazzstandards wie „Sophisticated Lady“ oder „Moonlight in Vermont“.

Alles wirkte energiegeladen und impulsiv und wurde von Wahnschaffe sehr körperbetont vorgetragen, wenn er im Takt rhythmisch nach vorne wippte oder sich steil nach hinten streckte, um wie in Trance seine Töne zu blasen. Ein Quartett, das Spielleidenschaft und Können vereint. (Ulfert Goeman)

Darmstädter Echo, 20. April 2009

Im Grenzgebiet der Künste. Bilanz: Nasse Lappen, poetisches Trommeln und eine gelungene Jugendmusikwerkstatt bei den Darmstädter Frühjahrskursen für Neue Musik in der Akademie für Tonkunst

DARMSTADT. Ist die Neue Musik aus den Fugen geraten? Verwischen sich ihre Grenzen zu Literatur, Bildender Kunst und Architektur? Leidet sie an „Verfransung“ und „Auszehrung“? Auf solche Fragen suchte die 63. Frühjahrstagung des in Darmstadt beheimateten Instituts für Neue Musik und Musikerziehung eine Antwort. In der Akademie für Tonkunst umkreisten zwanzig Referenten an drei Tagen in einem von Jörn Peter Hiekel geleiteten Symposion vor dicht gedrängten Zuhörerreihen das Thema „Neue Musik und andere Künste“. Die Diagnose fiel positiv aus trotz der Verfransungstendenzen, die schon Theodor W. Adorno festgestellt und die nun der Philosoph Albrecht Werner wieder in die Diskussion eingebracht hatte. Zum einen wurde der Entgrenzungsprozess in mehreren geschichtlichen Exkursen als folgerichtig und notwendig dargestellt, zum anderen begrüßten Musikpädagogen wie Wolfgang Lessing und Ursula Brandstätter die Vernetzung der Künste, weil sich aus ihr Chancen für eine Sensibilisierung der musikalischen Wahrnehmung und für eine Öffnung zum Neuen hin ergeben.

Eine Besonderheit der Tagung war die Einbeziehung von mehreren Komponisten ins Gespräch, so dass man gleichsam Blicke in deren Werkstatt werfen konnte. Dabei wurde deutlich, wie intensiv sich heute schöpferische Musiker mit den Schwesterkünsten befassen. Sie holen sich dort nicht nur Anregungen, sondern versetzen sich in deren Denkweisen hinein. Eine zentrale Rolle spielen dabei die modernen Medien, die den Aneignungs- und Vermittlungsvorgang stützen. So arbeitet die Komponistin Isabel Mundry beispielsweise interdisziplinär, wenn sie ihre Musik gezielt für die Räume einer bestimmten Ausstellung schreibt oder wenn sie mit dem Mikrofon aufgenommene Geräusche ihrem Werk anverwandelt.

Der Komponist Beat Furrer pflegt einen ganz eigenen Umgang mit Texten. Diese werden nicht mehr im herkömmlichen Sinn „vertont“, sondern auf ihre semantischen und klanglichen Möglichkeiten hin abgeklopft, so in den hier vorgestellten Werken „Begehren“ und „Fama“. Nicolaus A. Huber ist ein Tüftler, der sich von Zeugnissen der Bildenden Kunst, seien es ägyptische Reliefbilder oder Filme von Andy Warhol, zum musikalischen Denken anregen lässt. Bis in kleinste Zahlenverhältnisse und feinste Materialunterschiede hinein sucht er sich seine persönliche Klangwelt aufzubauen.

Bei den abendlichen Konzerten im Großen Saal der Akademie machte man gleichsam die Probe aufs Exempel. Beispielhaft der Auftritt des Freiburger Ensembles Aventure im Konzert III am Freitag. Da wurde Neue Musik derart prägnant und zugleich temperamentvoll präsentiert, dass jede Schwellenangst verflog. Nicolaus A. Hubers Trio „O dieses Licht!“ nach Gottfried Benn, Beat Furrers „presto“ für Flöte und Klavier sowie das Stück „Lotófagos“ für Sopran und Kontrabass des gleichen Komponisten waren interpretatorische Höhepunkte dieser Frühjahrstagung.

Solche Qualität wurde im Konzert II nicht erreicht. Da gerieten die technischen Möglichkeiten fast schon zum Selbstzweck. So lässt Peter Ablinger nasse Lappen abtropfen, die damit Glasröhren auf aleatorische Weise zum Klingen bringen. Kirsten Reese übt sich in Geduld mit Kugelspielchen, zu deren Projektion eine Akkordeonistin kärglich improvisiert. Da überzeugten schon eher Katja Kölle mit ihrer hölzernen Bodeninstallation, auf der ein Darsteller sein „Staccato“ vollführte, und Max Eastley mit seinen raffinierten Klangskulpturen, deren Einsatz allerdings zeitlich überstrapaziert wurde.

Einen Höhepunkt gab es noch einmal im abschließenden Nachtkonzert, das am Samstag im Gewölbekeller des Jazzinstituts stattfand. Der Gitarrist Jürgen Ruck spielte bei sieben Komponisten in Auftrag gegebene „Caprichos Goyescos“, die den alptraumhaften, fantastischen Charakter der Radierungen Goyas beredt und brillant zum Ausdruck brachten. Überflüssig wirkten nur die Sprechtexte, die der Komponist Clemens Gadenstätter dem Gitarristen als „Zugabe“ abverlangt. Anschließend erlebte man ein „Betrommeltes Sprachvergnügen“, bei dem sich der Lyriker Dieter M. Gräf mit dem Schlagzeuger Günter Baby Sommer traf. Eine fesselnde Begegnung lakonisch-kritischer Texte mit den differenzierten Sounds und Rhythmen des virtuosen Perkussionisten.

Dass im Institut auch an zukünftige Musiker und Hörer gedacht wird, verdeutlichte die Abschlusspräsentation der „Jugendmusikwerkstatt“ im Großen Saal der Akademie. Eine Gruppe von sieben Kindern und Jugendlichen war von verschiedenen Dozenten binnen drei Tagen auf verschiedenen Gebieten geschult worden, wobei das Tagungsmotto die Richtung vorgab. Das „poetische Trommeln“ auf Congas, die Verwendung der Sprache als „Musikinstrument“, Grenzgänge zwischen den Bereichen von Musik und bildender Kunst sowie das Musikmachen mittels Stühlen „im Raum“ – da zeigte sich, wie man auf einfache und doch überaus effektive Weise junge Leute für neue Klangwelten gewinnen kann.

Mit Recht lobte Helmut Bieler-Wendt, der Vorsitzende des Instituts, diese gelungenen Aktionen. Für die 64. Frühjahrstagung im April 2010 kündigte er eine Fortführung der diesjährigen Thematik an: „Neue Musik und andere Künste II; Film, Musiktheater, Tanz“ lautet der Arbeitstitel. (Klaus Trapp)

[Website der Quelle: http://www.echo-online.de]
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Darmstädter Echo, 23. Februar 2009

Wohlklang auf der Flöte
Jazz: Stephanie Wagners Quintett "Quinsch“ stellt sein erstes Album vor

DARMSTADT. Die Flöte führte bis Mitte des letzten Jahrhunderts in der Jazzmusik ein Schattendasein hinter der Klarinette, dann trat die Klarinette allmählich zurück, und die Flöte übernahm ihre Funktion als schmiegsames Höheninstrument. Elektronische Verstärkung und Erweiterung der Blastechnik eröffneten neue Möglichkeiten. Die in Seeheim-Jugenheim lebende Flötistin Stephanie Wagner gehört zu denen, die mit Hilfe von Neben- und Überblaseffekten eine Vielfalt von Ausdrucksmöglichkeiten entwickelt haben. Mit ihrem Ensemble "Quinsch“ gastierte sie am Freitag im Gewölbekeller unterm Darmstädter Jazzinstitut und stellte ihr Debüt-Album „Fade in“ vor.

Als Musikpädagogin hat sich Stephanie Wagner seit ihrer Diplomarbeit "Die Flöte im Jazz“ intensiv mit diesem Instrument beschäftigt. Aus der Vielzahl von Eigenkompositionen stellte „Quinsch“ bei diesem Konzert Einiges vor. Der besondere Sound des Quintetts entsteht durch die Kombination der Flöte mit dem Tenorsaxofon. Hier hat Stephanie Wagner in Steffen Weber den idealen Partner zur Verwirklichung ihrer Ideen gefunden. Als Basis dient meist eine Hardbop-Struktur, häufig von Latin-Grooves untermalt, die unisono von den beiden Bläsern vorgetragen wird. Dem Gerippe wird durch ausgedehnte Solistik Leben eingehaucht, wobei vor allem Steffen Weber zur Freude der zahlreichen Besucher gelegentlich über die Stränge schlägt und sich in Coltrane-Manier ekstatischen Höhepunkten nähert.

Kontrollierter präsentiert sich Stephanie Wagner auf Quer- und Altflöte, auch in der Improvisation dem Wohlklang verbunden. Zum Gelingen des Projekts trägt eine Rhythmusgruppe bei, die im Rhein-Main-Gebiet ihresgleichen sucht. Pianist Steffen Stütz, Kontrabassist Udo Brenner und Schlagzeuger Jens Biehl bilden nicht nur das Rückgrat der Darmstädter Bigband, sondern haben sich auch als Begleiter von Sängerinnen und mit eigenen Formationen profiliert.

Dieses Trio beweist, dass sicheres Zusammenspiel keineswegs in Routine münden muss. "Quinsch“ steuert sicher und scheinbar lässig durch knifflige Arrangements, niemals das Jazzelement Swing außer acht lassend und daher höchst unterhaltsam. (Hans-Dieter Vötter)

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Darmstädter Echo, 10. Februar 2009

Zwischen Form und Freiheit
Das Vijay Iyer Trio im Darmstädter Jazz Talk: Vielschichtige Musik mit erstaunlicher Tiefe

DARMSTADT. Der amerikanische Pianist Vijay Iyer und sein Trio waren jetzt Gäste des Darmstädter Jazzinstituts. Iyers Alben zählen zu den besten Veröffentlichungen des Genres, was auch dadurch bedingt ist, dass er mit einem vertrauten Personenkreis zusammenarbeitet.
Das reicht beispielsweise von seinem Landsmann Rudresh Mahanthappa bis zu Stephan Crumb am Kontrabass und Marcus Gilmore am Schlagzeug, die seit zehn und sechs Jahren seine Begleiter und auch in Darmstadt dabei sind. Von Anfang an herrscht Klarheit.

Iyer dominiert musikalisch wie kompositorisch. Seine originellen, harmonisch komplexen, rhythmisch innovativen und überraschenden Motive, die zwischen Form und Freiheit changieren, fordern spontanes Reagieren auf Augenhöhe heraus. So folgt Schlagzeuger Gilmore mit seinen Schlägen auf Trommeln, Becken und Hi-Hat dem Pianisten wie in Trance. Bassist Crumb setzt scheinbar unbeeindruckt und mit dem Rücken zum Klavier stoisch die Saiten seines Mini-Basses wie Pfeiler in die Zwischenräume. Drei Pulse, die in einem eng umschlungenen Drive integriert sind.

Crumb ist einer, der den Blues verinnerlicht hat. Immer wieder klingt an, was Vijay Iyer im Jazz Talk zwischen den Sets als „Reflexion der Realität“ bezeichnet, der den Schmelztiegel der Kulturen in New York mit dem Jazz assoziiert. Diese Musik atmet Kreativität. Dabei spielen „Blood“ und „Sutra“ eine besondere Rolle: Begriffe, die für Iyer Wohlergehen, Verwandtschaft, Identität, Ungestüm und Hingabe bedeuten. Sie symbolisieren aber auch den berühmten roten Faden traditioneller Praktiken wie Künsten in der Heilung, in der Mathematik oder des Yoga. So entsteht eine vielschichtige Musik von erstaunlicher Tiefe, die scheinbar Disparates zu einem eigenen Sound bündelt. Dazu gehören die ganze Geschichte des Jazzpiano und die Leitbilder Monk, Ellington, Andrew Hill und Cecil Taylor, Steve Reich, Ligeti, Bartok. Dazu kommen rhythmische Figuren aus Rock, Electronica, afrikanischer Musik und indische Ursprünge.

Alles ergibt eine Ursuppe, die Iyer mit seinem Trio so interessant und wertvoll macht. In der Galerie des Jazzinstitutes ist eine Ausstellung der Bessunger Künstlerin Regina Basaran mit dem Thema „Jazz ist Braun Blau“ zu sehen. Es sind die dominierenden Farben der Collage-Bilder, in denen sie malerisch Jazzmusikern auf der Tonspur ist. Klassische Jazzszenen aus Fotografien verschmelzen mit der Farbe in Breitformat. Der Schlagzeuger Marcus Gilmore konnte dennoch auf einem Bild das Set seines berühmten Großvaters Roy Haynes entdecken (bis 22. März, wochentags von 10 bis 17 Uhr).
(Ulfert Goeman)

[Website der Quelle: http://www.echo-online.de]
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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10. Februar 2009

Rhythmische Trialoge
"Jazz Talk": Vijay Iyer im Darmstädter Jazzinstitut

Ob das Jazz ist? Keine Ahnung. "Für mich heißt Jazz, meine Realität zu reflektieren." Nicht mehr und nicht weniger. Das mag man Understatement nennen bei einem Pianisten, der nicht erst seit seinem letzten, im vergangenen Jahr erschienenen Album "Tragicomic" als eines der vielversprechendsten Talente des jungen zeitgenössischen Jazz abseits des Mainstreams gehandelt wird.

Zumindest im Gewölbekeller des rührigen Darmstädter Jazzinstituts herrscht beim Auftritt seines Trios - einem von nur drei Konzerten Vijay Iyers in Deutschland - nicht der geringste Zweifel. Das ist Jazz auf der Höhe der Zeit, jenseits eingefahrener Konventionen. Wenn der New Yorker zunächst klassische, an Debussy geschulte Harmonien in den Raum entlässt, Marcus Gilmore am Schlagzeug den Rhythmus aufnimmt und zu Drum-'n'-Bass-Synkopen steigert, während Stephan Crump am Bass vermittelt, wenn Iyers rechte Hand Minimal Music improvisiert, Gilmore sich zurücknimmt und Crump derweil zum Bogen greift, wenn also innerhalb eines einzigen Stücks Anklänge an Klassik und Neue Musik, Dub, Reggae und elektronische Beats zusammenfinden, dann klingt das erst einmal schlichtweg abenteuerlich. Aber die "rhythmischen Trialoge", als die der Leiter des Jazzinstituts im Bessunger Kavaliershaus, Wolfram Knauer, im zweiten "Jazz Talk" des Jahres die Musik des Trios treffend charakterisiert, sind nie Selbstzweck, sondern eigene, höchst anspruchsvolle Form.

Eine akademische Form des Jazz, die aufgrund ihrer komplexen Struktur wenig Raum lässt für Improvisationen. Im Zusammenspiel dreier grandioser Instrumentalisten aber entfaltet sie wie von selbst einen sehr eigenen Groove. "Mich haben immer jene Leute interessiert, die das Verständnis des Jazz zum Explodieren gebracht haben", so Iyer. Dementsprechend reichen seine Einflüsse von Duke Ellington über Thelonious Monk und Andrew Hill, von Miles Davis und Cecil Taylor bis Sun Ra, in der klassischen Musik von Debussy bis Ligeti, von afrikanischer Rhythmik bis zur Musik Indiens, der Heimat seiner Eltern, und zu Hip Hop, Soul und Funk. Jazz? Ob das Jazz sei oder nicht, so Iyers Paraphrase von Ellingtons bekanntem Statement, spiele im Grunde keine Rolle. Nur, ob es gute Musik sei oder nicht. "It's just about creativity." Und Rhythmus. Denn vor allem um Experimente mit Rhythmen dreht sich die Musik Iyers, der in Yale Mathematik und Physik studierte, bevor er sich der Musik verschrieb.

Dass ihm in seinem Trio mit dem gerade einmal 22 Jahre alten Gilmour, einem Enkel Roy Haynes', der auch sein erster Lehrer war, und mit Crump, der mit Johnny Clyde Copeland ebenso zusammen gespielt hat wie mit Gordon Gano von den "Violent Femmes" oder Dave McDonald von "Portishead", zwei Musiker zur Seite stehen, die ebenso an Stilen und Genres interessiert sind wie er, spürt man in jedem Stück. Das "exploding the narrative in Jazz improvisation", von dem Iyer einmal gesprochen hat, hier wird es aufregend Klang. Akademisch? Intellektuell? Mag sein. Doch Iyer hat nicht ohne Grund eine Doktorarbeit darüber geschrieben: "It's also a physical thing."
(Christoph Schütte)

[Website der Quelle: http://www.faz.de]
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Darmstädter Echo, 26. Januar 2009

Alte Dame mit Stimme. Jazz-Talk: Die Sängerin Sheila Jordan und das Christof-Sänger-Trio in der Knabenschule

DARMSTADT. Sheila Jordan steht für die Geschichte des Jazz. Wie sie selbst lächelnd verkündet, ist das Geburtsjahr der Zeichentrickmaus auch das ihrige: Geboren in der Autostadt Detroit, studierte die Sängerin beim Jazzer Lennie Tristano, bestritt ihren Lebensunterhalt aber ausschließlich durch bürgerliche Jobs. Sie musizierte in Detroit mit Bebop-Bands sowie mit einem Vokaltrio schon in den vierziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Im New Yorker Greenwich Village-Club sang sie in den Fünfzigern bei Stars wie Charlie Parker, Thelonious Monk, Max Roach und Sonny Rollins. Am Freitag trat Sheila Jordan in einer gemeinsamen Initiative des Jazzinstituts und der Bessunger Knabenschule in deren ehemaliger Schulaula auf.

Dort wird Jordan begleitet vom Christof-Sänger-Trio, nach der Pause kommt der Posaunist und Sänger Allen Jacobson dazu. Die Sängerin beginnt mit einem Blues, in dessen Text sie verpackt, was ihr momentan am Herzen liegt. Sie swingt sich behutsam in den Abend, flicht in das folgende „How Deep is the Ocean“ geschickt einige Textzeilen von „How High the Moon“ ein, demonstriert ihren trompetenartigen Scat. Den schreibt sie zwar in „Oh, Lady, Be Good!“ bescheiden Ella Fitzgerald zu, hat ihn aber vor Dave Lambert und Jon Hendricks eigens entwickelt .

Warmherzigkeit, Natürlichkeit und Bescheidenheit scheinen Sheila Jordans hervorstechende Eigenschaften. In den folgenden Stücken von Abbey Lincoln, Lennie Tristano, Kenny Dorham und Bobby Timmons stellt sie die verschiedenen Stadien ihres Werdegangs vor. Jordan profitiert dabei von den veritablen Künsten Christof Sängers am Klavier, Martin Gjakonovskis am Bass und Kay Lübkes am Schlagzeug: Sie sind alle selbst hervorragende Solisten und dezente Begleiter.

Im Jazz-Talk nach der Pause blüht die Sängerin sichtlich auf. Sie lässt ihr Leben Revue passieren und setzt im folgenden musikalischen Teil dort an, wo sie aufhört hat: bei Heroen wie Charlie Parker. Sie brilliert mit einem Indianergesang in dem McCartney-Song „Blackbird“, singt die Ballade „Autumn in New York“ mit einer Vokal-Coda und Charlie Parkers schnelles „Confirmation“ mit einer selbst eingebauten Betextung. Dabei kommt der Posaunist Allen Jacobson zu seiner aufheiternden Performance, den Jordan in einem Bebop-Scat-Dialog als hervorragenden Musiker, witzigen Sänger, Autochauffeur und Roadmanager besingt.

Am Ende ihres Vortrages steht wieder der Blues: Jordan zeichnet in innigen Worten einen kurzen Abriss ihrer Persönlichkeit und dankt ihren Mitspielern sowie dem Publikum. Die Zugabe „Crossing“ ist laut Jordan die Kennzeichnung eines Kreuzungspunktes im Leben, an dem das Singen ihrem Leben den Sinn gab. Die vielen Zuhörer sind sichtlich betroffen und gepackt. Sie erleben eine Sternstunde der Jazzgeschichte. (Ulfert Goeman)

[Website der Quelle: http://www.echo-online.de]
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Darmstädter Echo, 12. Januar 2009

Trompete auf Samtpfoten. Jazz-Institut: Das Quartett „The Camatta“ unternimmt in Darmstadt eine Weltreise in Tönen

DARMSTADT. Tonale Mosaiksteinchen fügte die Jazzgruppe „The Camatta“ am Fitag im Gewölbekeller des Jazz-Instituts zu einem heterogenen Klangbild zusammen, das nicht in Fragmente zerfiel. Das Quartett, das sich während des Studiums der Musiker an der Folkwang-Hochschule in Essen formierte, lud die vielen Besucher zu einer Welt-Tour des Jazz ein.

Dabei bleibt der Weg immer das Ziel. Das Stück „Cat“ entführt das Publikum in die Häuserschluchten einer Großstadt, wo eine Katze flink um hohe Gebäude streicht. Nils Ostendorf streut ein samtpfötig tastendes Trompetensolo bei, Simon Camatta sorgt am Schlagzeug für rhythmische Bewegung. Die Posaune von Matthias Müller klingt leicht drohend, bevor Ostendorf nach einem nervösen Intermezzo das gar nicht schmusige Tier akustisch davonschleichen lässt.

In dem eher als Soundcollage angelegten „Blackout“ gehen die vier Musiker auf die Suche nach der verlorenen Melodie. Nils Ostendorfs brodelnde Trompetenklänge erinnern an Insektenschwärme, die Matthias Müller mit schlitternden Posaunentonfolgen verjagt. Simon Camatta setzt mit schmetternden Schlagzeugattacken den gestochen scharf akzentuierten Schlusspunkt unter ein Klangfurioso, das auf ungeteilte Zustimmung stößt. Einen ironisch intendierten akustischen Kontrapunkt setzt Paolo Dinuzzi, wenn er das selbstkomponierte „No Jazz“ auf seinem elektronischen Bass wie eine folkig angehauchte balladeske Etüde anlegt. Untermalt wird dieses leise und introvertiert beginnende Stück von melancholisch lauernden Trompetenmelodielinien und verhaltenen Schlagzeuglauten, die Camatta mit Schlegeln und Besen erzeugt.

Die Band „The Camatta“, bei der Simon Camatta mit launigen Ansagen und dem Einsatz diverser Klangerzeuger wie Fahrradketten und Kalebassen aufmerken lässt, zeigt bei ihrem Auftritt im Darmstädter Jazz-Institut eine große Bandbreite des zeitgenössischen Jazz.

Auch der Humor kommt bei dem beeindruckenden Konzert nicht zu kurz, wenn die Band in ironischer Umkehrung der erwarteten Reihenfolge die Reprise des Stückes „Fuse“ an den Anfang stellt. (Frank Speckhardt)

[Website der Quelle: http://www.echo-online.de]
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Darmstädter Echo, 18. Dezember 2008

Melodien mit einem Schuss Lässigkeit. Jazz: Die "Black and White Cooperation" präsentiert ihr neues Album "Synergies" – Frenetischer Beifall der Besucher im Gewölbekeller für unprätentiös-professionellen Auftritt

DARMSTADT. Das Jazz-Quartett „Black and White Cooperation“ ist in Darmstadt viel zu selten zu hören. Das hängt damit zusammen, dass die Bandmitglieder allesamt mit entfernt liegenden Projekten beschäftigt sind, obwohl sie in der Stadt am Woog ihren Lebensmittelpunkt besitzen.

Im November trafen sie sich zu einer intensiven Probephase im Gewölbekeller unterm Jazzinstitut und als Ergebnis entstand eine neue CD, die unter dem Titel „Synergies“ ab März 2009 im Handel sein wird. Am Dienstag war Gelegenheit, am selben Ort vorab an einer Art „Pre-Release-Party“ teilzunehmen, bei der die Kompositionen live zu hören waren.

Das Ensemble um die Gründungsmitglieder Anke Schimpf und Tom Nicholas hat konzeptionell wenig verändert: Nach wie vor steht ein wohlklingender Instrumentalsound im Vordergrund. Die Musikdozentin Anke Schimpf ist mit Alt-, Sopransaxofon und Querflöte für die Melodielinien zuständig und entledigt sich dieser Aufgabe mit Bravour und jenem Schuss Lässigkeit, die swingenden Jazz ausmacht.

Am Piano folgt ihr Georg Göb, im Hauptberuf Musikpädagoge, mit elegant-flüssigen Läufen und unterstreicht den entspannenden Charakter der musikalischen Interaktion. Hierzu trägt auch E-Bassist Christoph Paulsen, der zusätzlich als Plattenproduzent fungiert, nachhaltig bei. Die eigentliche Würze aber liefert der Perkussionist Tom Nicholas. Der immer gut aufgelegte farbige Amerikaner (und Wahl-Darmstädter) erfreute das Publikum mit stets neuen kreativen Einfällen.

Egal, ob im mittelschnellen Mainstream, bei einer karibischen Rumba oder kubanischer Salsa, stets hatte er den rechten dezent-geschmackvollen Groove zur Hand. Dadurch entwickelten sich die erwünschten Synergien im Zusammenwirken mit den Partnern, die der Präsentation Spannung verleihen. Das überträgt sich auf die Gäste, und die Gruppe erhält für ihre unprätentiös-professionelle Musizierweise frenetischen Beifall. (Hans-Dieter Vötter)

[Website der Quelle: http://www.echo-online.de]
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Darmstädter Echo, 24. November 2008

Die Kunst, Musik zu verpacken. Ausstellung: Julia Hülsmann Trio zu Gast in der Reihe "Jazz Talk" des Darmstädter Jazzinstituts – Eröffnung der Schau "Cover-Design für ECM" des Wiesbadener Foto-Künstlers Thomas Wunsch

DARMSTADT. In der Reihe "Jazz Talk" war am Freitag die Pianistin Julia Hülsmann mit ihrem Trio zu Gast im Jazzinstitut Darmstadt.

Klammheimlich hat sich diese Band von einer Begleitformation zu einer eigenständigen Einheit entwickelt hat. Projekte mit bekannten Gesangskünstlern wie Rebekka Bakken oder Roger Cicero machten Julia Hülsmann als sensible Pianistin bekannt. Die poetische Leichtigkeit ihrer Lyrik-Vertonungen erregte nicht nur in Fachkreisen Aufmerksamkeit. Schließlich war es Manfred Eicher, ein international anerkannter Plattenproduzent, der die Berlinerin für sein Label ECM ("Edition of Contemporary Music") entdeckte. ECM gilt als eines der weltweit anspruchsvollsten Labels und hat mit Chick Corea, Keith Jarrett oder Gary Burton die Meister des zeitgenössischen Jazz unter Vertrag. Soeben erschienen ist dort "The End of a Summer", die CD des Julia Hülsmann Trios. Mit Kontrabassist Marc Muellbauer und Schlagzeuger Heinrich Köbberling fasst die Pianistin die heitere Trauer des Spätsommers in Töne. Das seit 1997 bestehende Trio musiziert in traumhafter Interaktion und verzichtet auf alles Ornamentale und vordergründig Virtuose. Die gelassen vorgestellten, eigenwilligen Kompositionen der Mitwirkenden entwickeln einen spröden Charme.

Im Gespräch mit Institutsdirektor Wolfram Knauer nennt Julia Hülsmann neben Bill Evans und Keith Jarrett auch den Pianisten John Taylor als wichtigen Einfluss. Sie schildert ihre Eindrücke von den Aufnahmen im legendären Osloer "Rainbow Studio" in Anwesenheit von Manfred Eicher. Hierher berufen zu werden gilt als der Ritterschlag für Jazzmusiker. Julia Hülsmann war seit Jahren die erste deutsche Interpretin, der diese Ehre zuteil wurde.

Weltberühmt ist ECM auch für die Verpackung der Tonträger, die das künstlerische Niveau des Inhalts optisch widerspiegelt. Einer der wichtigsten "Cover-Künstler" ist der Wiesbadener Fotograf Thomas Wunsch, dessen Ausstellung "Coverdesign für ECM" in der Galerie des Jazzinstituts vor dem Konzert eröffnet wurde. (Hans Dieter Vötter)

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Darmstädter Echo, 17. Oktober 2008

Ein Tausendsassa an Tasten. Jazzkonzert: Pawel Kaczmarczyks Quartett "Audiofeeling" im Darmstädter Jazzinstitut und Fotoausstellung "Polski Jazz"

DARMSTADT. Neben dem Jazztalk hat sich in Darmstadt auch die Reihe „Forum international“ etabliert. Mit den Kulturinstituten der jeweiligen Herkunftsländer werden bislang unbekannte europäische Bands präsentiert, die aber bereits in ihrer Heimat für Wirbel gesorgt haben. Mit dem Deutschen Poleninstitut als Partner stellte sich am vergangenen Mittwoch Paweł Kaczmarczyks Quartett "Audiofeeling“ vor, das gegenwärtig mit Radek Nowicki (Saxofone), Wojciech Pulcyn (Kontrabass) und Sebastian Frankiewicz (Schlagzeug) besetzt ist. Stilistisch stehen die vier dem Post-Coltrane-Jazz nahe.

Kaczmarczyk zählt zu den profiliertesten Pianisten der aktuellen polnischen Jazzszene. Er prägt den Stil des Quartetts, ist für die meisten Kompositionen verantwortlich und ist ein Tausendsassa an den Tasten. Er kann enorm zart und lyrisch artikulieren, versteht augenblicklich in kleinsten Nuancen die Spannung zu steigern und zum Bersten zu bringen, wenn er mit seinem langen Arm über den Flügel greift. Dann schlägt er einzelne Saiten an, die Hände scheinen über den Tasten zu schweben, während die Finger krakenhaft zupacken. Mit seinen Begleitern an Bass und Schlagzeug versteht er sich blind. Der Bassist kultiviert ein lässiges Bogenspiel, das eine klassische Schulung verrät. Der Schlagzeuger benutzt nur ein kleines Arsenal. Seine beiden Becken sind des schnelleren Zugriffs wegen auf Trommelhöhe heruntergeschraubt. In dem zweiteiligen Programm von über zwei Stunden legen die vier jungen Polen eine Visitenkarte ab, die charakteristisch ist für den modernen Jazz in diesem Land: er ist lyrisch, emotional, expressiv und überaus experimentierfreudig.

Kurz vor dem Konzert wurde in den Räumen des Jazzinstituts eine Fotoausstellung mit Bildern des Jazzfotografen Marek A. Karewicz eröffnet, der die frühen Jahre und die wichtigsten Stationen der Emanzipation des polnischen Jazz von 1957 bis Ende der siebziger Jahre dokumentiert hat und zu den bedeutendsten Jazzfotografen Polens gehört. Karewiczs Bilder halten die florierende Zeit dieser Musik fest, als erstmals nach dem Krieg auch deutsche Jazzmusiker wie die Mangelsdorff-Brüder nach Polen kamen. Das erste Sopot-Jazz-Festival von 1956 wird als Schlüsselereignis der polnischen Jazzgeschichte angesehen. Ausgestellt sind nur Schwarzweißbilder bis 1970 – überwiegend polnische Jazzmusiker, die heute einen klingenden Namen besitzen wie Stanko, Namyslowski,
Komeda oder Urbaniak. Die Ausstellung war vor einem Jahr in Berlin zu sehen und kommt jetzt im Rahmen des Berliner Forschungsprojektes "Jazz im Ostblock – Widerständigkeit durch Kulturtransfer“ nach Darmstadt. An dem interdisziplinären Forschungsprojekt sind Historiker, Musikwissenschaftler sowie Soziologen aus Ungarn, der Slowakei, Polens und Deutschlands beteiligt, die in unterschiedlichen Ansätzen versuchen, die Rolle des Jazz in den staatssozialistischen Gesellschaften Ostmitteleuropas herauszuarbeiten. (Ulfert Goeman)

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Darmstädter Echo, 13. Oktober 2008

Bass auf dem Bauernhof. Tourauftakt: Dieter Ilg beginnt seine Konzertreise im Darmstädter Jazzinstitut

DARMSTADT. Obwohl seit geraumer Zeit in der internationalen Jazzszene zuhause, hat sich der Kontrabassist und Komponist Dieter Ilg lange zurückgehalten, ehe er sich entschloss, mit einem Solo-Projekt auf Tour zu gehen. Am Freitag startete er seine erste Solo-Tournee von zunächst acht Konzerten im Jazzinstitut Darmstadt und stellte gleichzeitig sein Album „Bass“ vor.

Ilgs Soloprojekt bietet Bass-Spielen pur, ohne Effektgeräte, Soundprozessoren oder Mixerkonsolen. Nur selten fügt er ganz nebenbei eine kehlige, mal miauende und grunzende Stimme hinzu, etwa wenn er in seiner Komposition „Animal Farm“ die verschiedenen Klänge auf einem Bauernhof hörbar werden lässt.

Bereits seit geraumer Zeit zeigt er ein Faible für deutsche wie internationale Volkslieder, denen er neues Leben einhaucht, wenn er sie reharmonisiert und mit eigenen Wendungen und Deutungen inhaltlich anreichert. Dazu gehören das Eröffnungsstück „Guter Mond, du gehst so stille“ ebenso wie vor dem Jazz-Talk mit Wolfram Knauer das Handwerksburschenlied „Es, es, es und es“, hier eine pulsierende Tour de force für Solo-Stehbass, dort eine traurig-schöne Ballade.

Nicht nur im Traditional „I Fall In Love Too Easily“ ist Ilgs Flageolettspiel beispielhaft – auch im längsten Stück des Abends, das sich aus „Hanami“ (Kirschblüte) und „Tsuyu“ (Tau) zusammensetzt, zwei koreanischen Volksweisen, die zu einer Einheit zusammenfließen.

Auf dem T.C. Boyle gewidmeten „Savannah Samurai“ überzeugt der Groove des Kontrabassisten genau so wie in den beiden Zugaben „E-Blues“ mit seinem Zwölftonschema sowie in dem alten amerikanischen Standard „All The Things You Are“, von Ilg bewusst ausladend und etwas verwischend gespielt.

Als ein ganz modern artikulierender Geschichtenerzähler ist Dieter Ilg inzwischen ein echter Klassiker des Bassspiels. Er versteht es meisterhaft, ins Unbekannte abzutauchen und dann doch zu den vertrauten Pfaden zurückzufinden. Das macht ihn in der Jazzszene so beliebt und unverwechselbar. (Ulfert Goeman)

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Darmstädter Echo, 8. September 2008

Mit Bohrer und Knarre. Jazzkonzert: Das Trio "Hyperactive Kid" baut in Darmstadt packende Spannungsfelder auf

DARMSTADT. Beim diesjährigen German Jazz Meeting in Bremen waren die Drei ein Publikumsmagnet: das von der Besetzung her etwas ungewöhnliche, doch von der Basis her konventionelle Jazztrio "Hyperactive Kid" mit Philipp Gropper (Tenor-,Sopransaxofon), Ronny Graupe (Gitarren) und Christian Lillinger (Schlagzeug). Der außergewöhnliche Name und das exemplarische Spiel lassen sofort an die emotionalen hyperkinetischen Störungen denken, die mit unüberlegten Handlungen, leichter Ablenkbarkeit, geringem Durchhaltevermögen, leicht aufbrausendem Wesen und Hyperaktivität einhergehen.

Dass all dies auch in positiven Bahnen ablaufen kann, zeigen die Drei am Freitag auf Einladung des Darmstädter Fördervereins Jazz im Gewölbekeller des Jazzinstituts. Seit gut vier Jahren bastelt das Trio an einem Konzept, das freien Jazz propagiert, der scheinbar ziellos dahinströmt, doch in Wahrheit auf’s Feinste durchdacht ist. Bereits im Eröffnungsstück „Pierdola Saska“, was „Du dummer kleiner Trottel“ heißen soll, kündigt sich dieses Konzept an.

Die Komposition "Herbst" bietet eine bunte Herbstpalette an, präsentiert aber auch ungewöhnliche Perkussionsgeräte wie Küchenquirl, Handbohrer oder Holzknarre, bietet statische Ruhe neben heftiger Ungeduld. Dann schwelgt man im folgenden Titel im Wohlklang eines Jimmy-Giuffre-Trios, um kurz darauf ein mit Rock sowie mit Drum’n’Bass gewürztes John-Lurie-Menu zu genießen.

Ein polyrhythmisches Perkussions-Allerlei erinnert in Auswahl und Anschlag an den Schlagzeuger Günter "Baby" Sommer. Er ist einer der Mentoren (und Lehrer) – neben Joachim Kühn und Manfred Schoof –, die das Potenzial dieser Band erkannten. So entsteht eine sinnlich-lebendige Musik, die sich ständig ändert. Spiel und Gegenspiel stehen im Vordergrund, die Musik ist gleichzeitig harsch und melodiös, die gegenseitige Verzahnung perfekt. (Ulfert Goeman)

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Darmstädter Echo, 30. Juni 2008

Mikesch macht Musik. Jazz-Conceptions: Abschluss einer Woche mit Workshops und Konzerten in Darmstadt

DARMSTADT. Wenn eine Veranstaltung in ihre 17. Auflage geht, muss ihr etwas Besonderes anhaften. So steht es auch mit den Darmstädter Jazz-Conceptions, die in der vergangenen Woche mit ihren Sessions und Konzerten aufwarteten und wie immer große Resonanz fanden. Das zeigten besonders die Abschlusskonzerte am Wochenende in der Bessunger Knabenschule, als Teilnehmer und Dozenten vorführten, was sie zuvor in fünf Tagen Gruppenarbeit einstudiert hatten. Dabei ist zu bedenken, dass es sich um reine Ensemble-Workshops handelt, die am ersten Tag der Arbeitswoche nach Vorstellung der Dozenten spontan zusammengestellt wurden. Dass die Improvisation innerhalb der Gruppe die Basis ist, versteht sich von selbst, darüber hinaus aber sind Zusammenspiel, das Einander-Zuhören, das Ausloten gemeinsamer Ideen, die musikalische Kommunikation ebenso entscheidend. Das macht den musikalischen Ablauf erst spannend.

Neben Jürgen Wuchner, Initiator dieser Jazz-Conceptions, und dem Stamm-Dozenten Christopher Dell waren in diesem Jahr Christopher Thewes (Posaune), Adam Pieronczyk (Tenorsaxophon), Uwe Oberg (Klavier), Philipp van Endert (Gitarre) und Michael Griener (Schlagzeug) die lehrenden Musiker, die einerseits die Tradition dieser Veranstaltung weiterführten, aber auch mit neuen Ideen bereicherten.

Die Abschlusskonzerte waren der schlagende Beweis dafür, dass die Lehrinhalte angekommen sind, Teilnehmer wie Besucher der Konzerte spannende Momente erlebt haben. Das zeigte sich schon am Donnerstag im Jazzinstitut, als die Dozenten sich in einer freien Improvisation zusammenfanden. Der Freitag war der Tag der Ergebnisse aus den Gruppensessions – zunächst derer von Jürgen Wuchner, eines Oktetts, das in Stücken von Dave Brubeck, Jimmy Giuffre sowie des Bassisten Standards neben Patchwork-Kompositionen wirken ließ. Philipp van Enderts fix formierte Band profitierte davon, dass sie gleich mit vier Gitarristen aufwarten konnte. Sie brillierte mit feinen Arrangements van Enderts in Stücken des Amerikaners Bret Wilmott, wobei die jüngsten Teilnehmer dieser Conceptions, zwei Dreizehnjährige an Klavier und Schlagzeug, besondere Akzente setzten.

Christopher Dell liebt man in Darmstadt wegen seiner skurrilen Ideen und deren Umsetzung. Er arbeitete wie ein Moritatenerzähler mit einer Tafel voller Regie-Anweisungen, quasi unter dem programmatischen Titel „Nie ein flotter Beat“. Adam Pieronczyks Ensemble wartete mit der kleinsten Besetzung auf: vier weiteren Saxofonen. Der Tenorsaxofonist löste das Problem mit einer Rhythmusbegleitung aus dem Laptop.

Während Kollege Christof Thewes in seinem Ensemble auch Geige und Flöte einzubauen wusste und ganz entspannt jammte, bot Michael Grieners Ensemble wiederum ein kleines, aber feines Programm: Stücke von Peter Kowald, Ernst-Ludwig Petrowsky und eine Melodie von Kater Mikesch aus der Augsburger Puppenkiste. Dies zeigte eindrücklich, wie man mit einfacher Spielweise und Taktaufbau etwas Großes bewirken kann.

In gewisser Weise traf dies auch auf Uwe Obergs Großensemble zu, das in einer zweiteiligen Eigenkomposition und in einem Stück des amerikanischen Sopransaxofonisten Steve Lacy aus der Stille Töne und Klänge gebar, die sich verdichteten, rhythmisierten und wieder in Stille zurückfanden.

Naturgemäß zog dann das Abschlusskonzert der Dozenten viele aktive Musiker und Jazzfreunde aus dem Rhein-Main-Gebiet an, die sich darüber freuen konnten, wie sich die Lehrer in Eigenkompositionen zu einer harmonischen Band zusammenfanden. (Ulfert Goeman)

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Frankfurter Rundschau, 30. Juni 2008

Aus Freude am Jazz.Darmstadt Profis und Musikbegeisterte üben bei Conceptions gemeinsam

Im Freizeitlook stehen oder sitzen 18 Musiker auf der Bühne der Bessunger Knabenschule. Notenmaterial haben sie kaum. Erschwerend kommt hinzu, dass sich die meisten Mitglieder des großen Ensembles erst seit wenigen Tagen kennen. Ein hemdsärmeliger Mensch fuchtelt mit den Armen herum, bis er die Künstler schließlich ihrem eigenen Spiel überlässt.

Die Bilder sind typisch für die Darmstädter Jazz Conceptions. Seit 1992 ruft die Stadt Menschen mit Spaß an Jazz und Musik in der ersten Ferienwoche zur gemeinsamen Erfahrung auf, zum Lernen, Üben, Spielen. Dieses Jahr waren es 42 Teilnehmer im Alter zwischen 13 und über 70 Jahren.

"Eine anstrengende Woche, besonders für die Blechbläser", lacht Kontrabassist und Organisator Jürgen Wuchner vor dem Dozentenkonzert am Samstag in der Knabenschule. Sechs namhafte Jazzer hat er in diesem Jahr als Dozenten gewinnen können, darunter den Hessischen Jazzpreisträger 2007, den Pianisten Uwe Oberg. Die Darmstädter Conceptions gehören mittlerweile zu den wichtigsten Workshops ihrer Art in Deutschland.

Der frühe Schulferienbeginn und die Fußball-Europameisterschaft habe sich in diesem Jahr ein wenig nachteilig auf Beteiligung und Besucherzahl ausgewirkt. Vor allem die Studenten unter den Jazzern steckten mitten in den Klausuren und hätten nicht kommen können, bedauert Wuchner. Ansonsten aber "geht es ständig aufwärts". Der Erfolg macht Wuchner für die Zukunft optimistisch: "Die erste Anmeldung für 2009 liegt schon vor." (Frank W. Methlow)

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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26. Juni 2008

"Leichtigkeit des Spielerischen". Darmstädter Musikpreis für Jazzpianist Uli Partheil

Der Jazzpianist und -komponist Uli Partheil erhält den Darmstädter Musikpreis 2008. Vor allem mit seinem Trio "Playtime" habe Partheil das Musikleben der Stadt in den vergangenen 20 Jahren entscheidend mitgeprägt, begründete die Jury ihre gestern bekanntgegebene Entscheidung. Seine Virtuosität ordne der 1968 in Darmstadt geborene Pianist dabei immer der Musikalität unter. Auch komplexe Improvisationen besäßen bei ihm "die Leichtigkeit des Spielerischen". Spürbar sei, so die Juroren weiter, "überall die Verwurzelung im Blues". Zum Tragen kämen zudem Einflüsse von Duke Ellington und Thelonious Monk sowie lateinamerikanischer und klassischer Musik. Durch seine Verbindung zu Darmstadt bleibe Partheil aber stets "geerdet", sagte Wolfram Knauer als Jurymitglied und Direktor des Darmstädter Jazzinstituts.

Seine Ausbildung begann der Preisträger zunächst mit klassischem Klavierspiel an der Darmstädter Akademie für Tonkunst bei Peter Schmalfuss und Jürgen Sörup. An der Musikhochschule Heidelberg-Mannheim folgte ein Studium der Fächer Jazz-Piano und Kompositions-Arrangement. Mitte der achtziger Jahre gründete Partheil dann sein erstes Trio, für das er auch Kompositionen schrieb. Für Aufsehen sorgte er zuletzt mit seinem Projekt "Musikgeschichten - Musik von Uli Partheil zu Texten des uruguayischen Schriftstellers, Historikers und Kulturkritikers Eduardo Galeano" sowie zuvor mit "Trinkle Tinkle - The Music of Thelonious Monk" und "Klassikern der kubanischen Musik des 20. Jahrhunderts".

Derzeit arbeite er an Programmen, die sich mit "Country and Western Music" und Musik von Duke Ellington beschäftigten, sagte Partheil. Auszüge aus dem Ellington-Programm soll es auch im Konzert zur Preisverleihung am 17. November in der Darmstädter Centralstation zu hören geben, wo er im "Playtime"-Trio mit dem Schlagzeuger Holger Nesweda und dem Bassisten Hanns Höhn auftreten wird. Der Darmstädter Musikpreis wurde vor vier Jahren vom Darmstädter Förderkreis Kultur initiiert, ist mit 5000 Euro dotiert und wird von der Sparkasse Darmstadt finanziert.  (gui.)

[Website der Quelle: http://www.faz.de]
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Darmstädter Echo, 26. Juni 2008

Mit dem Bauch hören. Am Tag der Verleihung wird der Preisträger mit seinem „Playtime“-Trio auftreten

EIN BESSUNGER bekommt den Darmstädter Musikpreis 2008: Der Jazz-Pianist Uli Partheil nimmt die Auszeichnung am 17. November in der Centralstation entgegen. (Foto: Günther Jockel)

DARMSTADT. Alle bisherigen Träger des Darmstädter Musikpreises waren der Stadt in besonderer Weise verbunden. Aber keiner ist so fest in ihrem Musikleben verwurzelt wie Uli Partheil: Der Jazzpianist ist eine feste Größe in der Jazz-Szene der Stadt.

Nicht nur durch seine Auftritte: Auch als Dozent an der Jazz- und Pop-School, bei den Jazz-Conceptions und bei vielerlei Schulprojekten bereichert er das Musikleben mit seiner Erfahrung. In diesem Jahr erhält er den Darmstädter Musikpreis, der vom Förderkreis Kultur und der Sparkasse Darmstadt zum vierten Mal vergeben wird.

Sparkassenchef Georg Sellner sprach am Mittwoch bei der Bekanntgabe der mit 5000 Euro dotierten Auszeichnung von der Bedeutung der Kunstförderung für sein Institut, das damit auch die wirtschaftliche Bedeutung der Kultur als „weichen Standortfaktor“ dokumentiere.

Dies könne auch als Signal an andere Kultureinrichtungen verstanden werden, was die Jurymitglieder Wolfram Knauer (Jazz-Institut), Solf Schaefer (Internationales Musikinstitut) und Cord Meijering (Akademie für Tonkunst) gewiss aufmerksam registriert haben werden.

Uli Partheil wurde 1968 in Darmstadt geboren. Als erstes Instrument spielte er mit fünf die Melodika, später erhielt er Orgelunterricht bei Karl Macholdt in Ober-Ramstadt. Nach einer klassischen Ausbildung an der Akademie für Tonkunst folgte ein Jazz-Studium bei Joerg Reiter sowie ein Kompositions- und Arrangement-Studium an der Musikhochschule Heidelberg-Mannheim.

Seit Anfang der neunziger Jahre musiziert Partheil mit vielen namhaften Kollegen, darunter Jürgen Wuchner, Janusz Stefanski und Ack Van Rooyen.

Die Jury-Entscheidung sei „von allen Mitgliedern mit vollem Herzen“ getroffen worden, sagte der Förderkreis-Vorsitzende Peter Benz. Bei der Preisverleihung am 17. November in der Centralstation wird Partheil, der seine ersten Auftritte in Darmstadt Mitte der Achtziger in der „Goldenen Krone“ hatte, mit seinem „Playtime“-Trio auftreten.

Wahrscheinlich spielt er Auszüge aus seinen derzeit entstehenden Kompositionen, die auf Duke Ellington Bezug nehmen – und auf den Dichter Pablo Neruda, dessen Texte in diesem Projekt vertont werden sollen. (Johannes Breckner)

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Darmstädter Echo, 25. Juni 2008

Eine Schule für eigene Ideen. Jazz Conceptions: Zum 17. Mal gestalten Dozenten und Teilnehmer eine Woche voll Kursen, Seminaren und Konzerten

DARMSTADT Das Eröffnungskonzert am Montag war wie in den Jahren zuvor der Einspielabend für Dozenten wie Teilnehmer. In der Halle „603qm“ stellte man sich mit bekannten Stücken des Jazzrepertoires von Charlie Parker, Kenny Dorham oder auch Sonny Rollins vor, spielte beherzt vor einer großen Jazzgemeinde auf und baute dabei etwaige Berührungsängste ab.

Seit 1992 gibt es die Darmstädter Jazz Conceptions, deren Veranstalter der Trägerverein der Bessunger Knabenschule und das Darmstädter Jazzinstitut sind. Man will zum 17. Mal musizieren. Das beweist, dass das Konzept erfolgreich ist, zumal mit den Jahren auch das Renommee der Veranstaltungsreihe gewachsen ist. Die Entwicklung des einwöchigen Workshops verlief kontinuierlich, die Teilnehmerzahl pendelte sich auf einen Wert ein. In diesem Jahr sind erstmals wieder weniger Musiker dabei, weil der Zeitpunkt wegen der unterschiedlichen Ferientermine in den Bundesländern möglicherweise zu früh lag. Die kreative Atmosphäre ist geblieben.

Jürgen Wuchner, der Initiator und Motor der Jazz Conceptions, konnte wieder eine Reihe neuer bekannter Jazzdozenten dazu gewinnen. So sind neben den bewährten und beliebten Kräften wie Christopher Dell (Vibrafon) und Christof Thewes (Posaune) und Wuchner selbst am Bass noch Adam Pieronczyk (Saxofon), Philipp van Endert (Gitarre), Uwe Oberg (Klavier und Großensemble) und Michael Griener (Schlagzeug) mit von der Partie. Alle haben als aktive Musiker einen klingenden Namen. Tenorsaxofonist Pieronczyk etwa ist auf seinem Instrument Supertechniker, Strukturalist und kühler Expressionist in einem; er war vor drei Jahren in der Alten Oper einer der Stars des Frankfurter Polish-German-Konzerts. Gitarrist Philipp van Endert ist im Köln-Düsseldorfer Raum eine feste und bekannte Größe, die Darmstädter Jazzgemeinde kennt ihn von einem Duo-Auftritt mit dem Klarinettisten Lajos Dudas.

Pianist Uwe Oberg, Initiator der Wiesbadener Freejazz-Szene und Hessischer Jazzpreisträger des vergangenen Jahres, ist Grenzgänger zwischen strukturellem und freiem Spiel. Oberg leitet dieses Jahr das Großensemble, wechselt dabei sicher zwischen freien und gebundenen Teilen, Klangflächen und swingenden Passagen. Schlagzeuger Michael Griener ging vor Jahren von Nürnberg nach Berlin, ist dort viel gefragter Begleitmusiker, unterrichtet an der Musikhochschule Dresden sowie der Jazzschule in Berlin. Ihnen allen ist daran gelegen, Ideen in die Ensembles zu bringen, die ja sozusagen zufällig durch die bloße Anmeldung der Teilnehmer zueinander gefunden haben. Man will den Teilnehmern ein weites Feld eigener Entwicklungsmöglichkeiten eröffnen. Dabei gilt es auch, Ungleichgewichte des instrumentalen Bedarfs – meist fehlt es an Bassisten und Schlagzeugern – auszugleichen.

Ort der Ensemble-Workshops ist erneut die Bessunger Knabenschule, die die Musiker auch organisatorisch wie kulinarisch betreut. Abend- und Publikumsveranstaltungen sind heute (Mittwoch) um 20.30 Uhr im Achteckhaus in der Mauerstraße, morgen – ebenfalls um 20.30 Uhr – im Gewölbekeller unterm Jazzinstitut an der Bessunger Straße 88d sowie am Freitag und Samstag ab 20 Uhr in der Bessunger Knabenschule. Freitags ist das Abschlusskonzert der Teilnehmer, man plant sechs Gruppen mit sechs verschiedenen musikalischen Konzepten vorzustellen. Samstags spielen die Dozenten; eingebettet ist ein Seminar mit dem Jazzinstitutsleiter Wolfram Knauer, der Rolle und Wirken der kleinen Jazz-Avantgarden in ihrer jeweiligen Zeit vorstellen will. (Ulfert Goeman)

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Frankfurter Rundschau, 18. Juni 2008

Jazz. Der Groove von Bessungen. Wolfram Knauer betreibt das in seiner Art einzigartige Darmstädter Jazzinstitut

Wer sich mit Jazz beschäftigt, der landet unweigerlich bei Wolfram Knauer. Wenn nicht persönlich, dann auf der Homepage seines Institutes. Knauer leitet das Darmstädter Jazzinstitut, die einzige Einrichtung dieser Art in Europa.

Täglich bekommt er E-Mails von Journalisten, Musikwissenschaftlern, Musikern, Filmemachern, Produzenten. Der 50-Jährige kokettiert gern mit einer internationalen Rangliste: Es gibt das Institut of Jazz Studies New Jersey, das New Orleans Archiv "und dann kommen schon wir".

Das Institut, untergebracht in einem barocken Jagdschloss im Stadtteil rBessungen, beherbergt ein Online-Archiv und die größte Jazz-Sammlung Deutschlands. 60.000 Tonträger, 40.000 Zeitschriften, 4000 Fachbücher und 40.000 Fotos dokumentieren die deutsche und internationale Geschichte der Musikgattung.

Knauer, eigentlich "Kieler Sprotte", hat das Archiv vor 18 Jahren aufgebaut. Es ist das kleinste der städtischen Kulturinstitute und der jahrzehntelangen Musiktradition Darmstadts verpflichtet.

Er und drei Mitarbeiter archivieren und knüpfen Verbindungen in alle Welt. Sie veranstalten Konzerte im Gewölbekeller, reisen zu Tagungen und beteiligen sich an Festivals. Knauer versteht sich als "Lobbyist" für den Jazz, der in Deutschland noch immer den Ruf des Elitären und der Minderheiten-Musik habe.

In der internationalen Jazz-Szene hat Knauer einen Namen. Seit Januar hat der Musikwissenschaftler seinen Arbeitsplatz teilweise nach New York verlegt. Als erster Nichtamerikaner hat er derzeit die "Louis-Armstrong-Professur" an der New Yorker Columbia University inne. Als Gastprofessor lehrt er über den Jazz in Europa. Auch das Thema ist eine Premiere. "Europäischer Jazz wird in den USA kaum wahrgenommen".

Naiv und erfrischend

Mit seinen Studenten, einem interdisziplinären Völkchen aus Musikern, Literaturstudenten, Theologen und Historikern, hat er unter anderem die Frage debattiert: "Wem gehört der Jazz?" Eine für Europäer vielleicht befremdliche Debatte, in den USA dagegen eine Diskussion mit hohen Empfindlichkeiten.

"Von den Afroamerikanern erfunden, den Weißen kommerzialisiert und jetzt kommen auch noch die Europäer", fasst Knauer zusammen. Mit seiner unbekümmerten europäischen und direkten norddeutschen Art hat der 50-Jährige viel Schwung in univesitäre Debatten gebracht. "Ich habe viel offene Fragen gestellt, die man im ,politisch korrekten' Amerika so nie gestellt hätte. Das war naiv, aber auch erfrischend".

Gewohnt hat Knauer vier Monate in Harlem, dem New Yorker Stadtteil mit der ältesten Jazz-Tradition. Er hat die in der Szene so wichtigen Kontakte und Netzwerke geknüpft und seine Abende in Jazz-Clubs verbracht. "Es war eine Klasse Erfahrung." Und auch dort ist er dann wieder auf Darmstadt gestoßen. In Harlem soll ein Center of Jazz-Studies entstehen. Auf der Broschüre der Gründer prangte - als Vorbild - das barocke Jagdschloss, das Logo des Jazzinstitutes. (Astrid Ludwig
)

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Darmstädter Echo, 16. Juni 2008

Labor aus der Tasche. Musik-Solo: Der Sänger Michael Schiefel stellt sich im Darmstädter Jazzinstitut vor

DARMSTADT. Loop ist die Bezeichnung für ein Stück Musik, das ständig wiederholt wird. In der Regel handelt es sich um eine Tonschleife, die meist auf einen oder mehrere Takte begrenzt ist, ein wichtiges Stilmittel beispielsweise für den Hip-Hop. Damit ist der Loop für den Jazzsänger Michael Schiefel ideal, wenn er sein Solo mit Inhalt und Volumen füllt, ohne auf Begleiter, gar ein Orchester zugreifen zu müssen. Am Freitag war Schiefel der Star des Jazz-Talks im Darmstädter Jazzinstitut.

In Münster geboren und gegenwärtig Professor für Jazzgesang an der Musikhochschule Weimar, lebt er seit geraumer Zeit in Berlin, wo er bei David Friedman, Jerry Granelli und Lauren Newton studierte. Bei seinem Lehrer entdeckte er ein nicht gebrauchtes Loop-Gerät eines Schweizer Bastlers, das ihn faszinierte und ihm Gelegenheit bot, seine Solo-Arbeit auf eine ganz andere Ebene zu heben. Das führte vor fast zehn Jahren zu einer ersten mehrspurigen Tonaufnahme. In den folgenden Jahren hat Schiefel mittels verfeinerter Technik und entsprechender Unterstützung sämtliche Funktionsdetails in einem „Controller“ mit dem Aussehen einer großen Keksdose zusammengefasst. Darin steht ihm die Ausrüstung zur Verfügung, um die Stimme zu vervielfältigen, zu verfremden, die Akkordfolge zu ändern, Ansagen oder Hall hinzuzugeben, einen Chorus einzubauen oder Quarten- oder Quintensprünge live zu produzieren.

Aus zunächst kurzen Melodiefragmenten, rhythmischen Taktvorgaben, Begleitakkorden und Schiefels Vokalakrobatik entsteht ein orchestrales Arrangement, wechseln die Tonarten, sind Soli von Bass oder Schlagzeug einbezogen. Live wirken die Abläufe und Arrangements wesentlich freier, wird die zwischen Tenor und Alt changierende Stimme Schiefels zu einem mehrköpfigen Elektronik-Gesangs-Ensemble. Dabei schimmert etwa in den Balladen die Stimme Ella Fitzgeralds durch, mit einer makellosen Interpretation durch alle Register bis zum Falsett, mit absolutem Timing und perfektem Vibrato. Schiefels Vokalisen zeigen in der instrumentalen Stimmführung auch Parallelen zu Bobby McFerrin.

„Don’t Touch My Animals“, „Boys Don’t Cry“ oder „My Home is My Tent“ zeigen einerseits das Stimmwunder Michael Schiefel mit seinem Hang zum Countertenor, andererseits aber auch den genialen Klangtüftler. Ein aufschlussreicher Exkurs mit Klapprechner und Loop-Controller in ein Klanglabor, das in eine Tasche passt. (Ulfert Goeman)

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Darmstädter Echo, 14. Juni 2008

Unterwegs nach Schlitz. Verbände: Der Darmstädter Hartmut Gerhold ist neuer Präsident des Landesmusikrates

DARMSTADT. Vor kurzem erst ist Hartmut Gerhold aus Südkorea zurückgekehrt. Mit einer Professur für Flöte und Kammermusik hatte er die Aufbauarbeit an der neuen „German School of Music“ an der Kangnam-Universität in der Nähe von Seoul unterstützt. An Ruhestand ist für den 68 Jahre alten Darmstädter freilich noch nicht zu denken: Der Landesmusikrat hat ihn in seiner jüngsten Sitzung für eine Amtszeit von mindestens drei Jahren zum Präsidenten gewählt. Gerhold tritt die Nachfolge von Gerhard Becker an, der dem Dachverband aller hessischen Musikverbände 17 Jahre lang vorgestanden hatte.

Die erste Aufgabe, die der neue Präsident zu bewältigen hat, ist der Umzug der Geschäftsstelle: Der Landesmusikrat, derzeit noch in Frankfurt zuhause, zieht ins oberhessische Schlitz, an den Sitz der Landesmusikakademie, deren Träger er ist. Darüber hinaus will Gerhold sich um die Verbesserung der finanziellen Lage kümmern, die ein größeres Angebot ermöglichen soll – es gibt wenig Landesmusikräte, die so knapp ausgestattet sind wie der in Hessen, der als Institution und für bestimmte Projekte vor allem vom Land finanziert wird.

Dem neugewählten Präsidium gehört auch Wolfram Knauer an, Direktor des Jazz-Instituts in Darmstadt. Mit der Zusammensetzung des Gremiums ist Gerhold sehr zufrieden: Nicht nur verschiedene Altersgruppen, sondern auch verschiedene Musikrichtungen und die Regionen des Landes sind im Präsidium vertreten.

Hartmut Gerhold war 1991 nach Darmstadt gekommen als Direktor der Akademie für Tonkunst, die er bis 2004 leitete. Zuvor hatte er als Flötist in mehreren Orchestern und Kammermusikensembles mitgewirkt, ehe er 1978 Direktor des Städtischen Konservatoriums Osnabrück wurde. Neben seiner solistischen und lehrenden Tätigkeit war Gerhold auch in den Organisationen des Musiklebens tätig. Der Deutsche Musikrat hat ihn zu seinem Ehrenmitglied ernannt. (job)

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Darmstädter Echo, 23. Mai 2008

Wunderblume vom Balkan. Jazz: Eine Schäferin, die die Einsamkeit der Städte kennt: Die Albanerin Elina Duni breitet mit ihrem Quartett folkloristische Fundsachen im Darmstädter Gewölbekeller aus

DARMSTADT. Neben dem „Jazz-Talk“, der für das Jazzinstitut Darmstadt zu einer Art Gütesiegel wurde, hat sich das „Forum international“ dort als zweite Veranstaltungsreihe etabliert, die sich dem europäischen Jazz widmet. Am Mittwoch gastierte das Elina-Duni-Quartett aus der Schweiz im Darmstädter Gewölbekeller des Instituts. Sängerin Duni stammt aus Albanien, kam mit elf Jahren mit ihrer Mutter nach Genf, studierte am Conservatoire de Musique de Genève und am Collège de Saussure klassisches Klavier und entdeckte dabei den Jazz. In Metropolen wie New York lernte sie die Einsamkeit von Großstädten kennen und wandte sich 2004, als sie ihr Quartett mit dem Pianisten Colin Vallon, dem Bassisten Bänz Oester und dem Schlagzeuger Norbert Pfammater gründete, in Bern ganz dem Jazz zu.

Auf ihrer aktuellen CD „Baresha“ (Die Schäferin) ebenso wie bei ihrem Auftritt im Darmstädter Jazzinstitut überzeugt Elina Deni mit ihren meist nur mündlich überlieferten Melodien aus der auf dem Balkan gesammelten Folklore: Stücke wie „Lule“, in dem es um eine Blume geht, die sich in einen Schmetterling verwandelt und damit nie greifbar wird, oder „Kiparissin“, das von einer Zypresse handelt mit allerhand Absurditäten daneben, überzeugen durch Dichte und Ausdruck. Dabei überraschen nicht nur die Sängerin, die ihre Stimme ganz tief modulieren kann, sondern auch ihre Begleiter. Pianist Vallon bringt ein Arsenal von Verfremdungsutensilien wie Papier, Klammern und kleinen Spieluhrmagneten in seinen Klavierkorpus ein, Schlagzeuger Pfammater klemmt eine runde Rahmentrommel auf sein größtes Becken, um besonders zart Akzente setzen zu können. Bänz Oester hat seine tiefste Bass-Saite steil hinauf bis zum Schneckenende ziehen lassen, um sein musikalisches Spektrum auszuweiten.

Neben albanischen, griechischen und bulgarischen Melodien und Rhythmen stehen auch Songs der französischen Chanson-Ikonen Serge Gainsbourg und Leó Ferré auf dem Programm – melancholisch und sehr verhalten. Aus Geräuschen, Tönen, Klängen erwachsen aber auch fröhliche Lieder wie „Baresha“, das aus dem Kosovo stammt, oder eines aus Albanien, in dem eine kesse Lolita Verehrer wie Zuhörer verzaubert.

Die Galerie des Jazzinstituts (Bessunger Straße 88d) zeigt bis 30. Juli die Ausstellung „Pieces of Jazz“: klassische, auf Leinen aufgezogene Bilder des Andernacher Jazzfotografen Karl-Heinz Schmitt, der bei der Bildgestaltung mit einer Beschränkung auf Details das Fluidum des Augenblicks und die spezielle Aura der Jazzmusiker einfängt – montags bis donnerstags 10 bis 17 Uhr, freitags 10 bis 14 Uhr. (Ulfert Goeman)

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Darmstädter Echo, 28. März 2008

Mit Luft und Spucke. Jazz aus Frankreich: Jean-Marc Foltz stellt sich mit seinem Trio in Darmstadt vor

DARMSTADT. Jean-Marc Foltz ist ein Liebhaber der Bassklarinette. Der Musiker, der als Vertreter der jungen französischen Jazzszene am Mittwoch im „Forum international“ des Jazzinstituts Darmstadt zu Gast war, schätzt dieses Instrument wegen seines ungewohnten Klangs. 1968 in Straßburg geboren, gehört Foltz der freien Jazzszene an. Nach inzwischen mehr als 14 Veröffentlichungen ist ihm mit der Gründung seines Trios mit dem Bassisten Sebastien Boisseau und dem Schlagzeuger Christophe Marguet vor drei Jahren so etwas wie der europäische Durchbruch gelungen, mit mehreren Auftritten in Deutschland wie im Vorjahr beim Northsea Jazz Festival.

Das Spiel des Bassklarinettisten Foltz hat denselben urtümlichen Klang, wie man ihn etwa von Eric Dolphy kennt. Die komplexen und gleichzeitig luftigen Stücke umhüllt stets eine sphärische Komponente, die vom Bass Boisseaus und dem wirbelnden Schlagzeug Marguets geerdet wird. Seltener greift Jean-Marc Foltz auch zur normalen Klarinette, nutzt sie aber meist genau so ungewöhnlich, wenn er sich etwa im Gewölbekeller des Jazz-Instituts auf die Erde kniet, den Trichter nach oben richtet und dem Instrument mit viel Luft und Spucke Laute wie fallende Kugeln oder aufsteigende Blasen entlockt.

Trotz gewisser Parallelen zur deutschen Jazzszene entdeckt man bei dem Elsässer Jean-Marc Foltz ganz individuelle Eigenarten. So macht das Konzert neugierig auf weitere Eindrücke aus der europäischen Jazzszene, beispielsweise einem weiteren Konzert, das Elina Deni Ende Mai nach Darmstadt führen wird. (Ulfert Goeman)

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Frankfurter Rundschau, 26. März 2008

Konzert. Schrei der Bassklarinette

Jean-Marc Foltz hat nicht einmal die 40 überschritten, aber schon eine lange Vergangenheit. Der Klarinettist arbeitete in jungen Jahren mit bekannten zeitgenössischen Komponisten wie Pierre Boulez und Franco Donatoni zusammen, ehe er sich Anfang der neunziger Jahre von der klassischen Moderne verabschiedete und dem Jazz zuwandte. Der französische Musiker bereicherte mit seiner Bassklarinette allerlei Formationen nicht nur im französischen Raum. Mit seinem Trio, zu dem der Bassist Sébastien Boisseau und der Schlagzeuger Christophe Marguet gehören, setzt Foltz seine Vorstellungen von Improvisation am konsequentesten um. "Die Bassklarinette brummt nachdenklich, klagt und fordert, hüpft vor Freude, vibriert vor Anspannung, bis sie sich in einem urwüchsigen Schrei entlädt. Jean-Marc Foltz' instrumentales Können lässt fraglos all diese emotionalen Volten in seiner Musik zu", urteilt das Jazzinstitut Darmstadt, das das Trio jetzt eingeladen hat. Mit Unterstützung des Burau d'export de la musique française und des Institut français Frankfurt. Der Kultur-Export liegt den Franzosen bekanntlich sehr am Herzen. (vo)

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Frankfurter Rundschau, 4. Februar 2008


Die Verdichter. "Die Enttäuschung" im Darmstädter Jazzinstitut

Auch der Jazz ist nur ein Spiel. Ein hoch komplexes zwar, ein mehrfach gebrochenes, mit Regeln, die nicht jedem sofort zugänglich sind, aber eben doch: ein Spiel. Die Enttäuschung, ein Quartett aus Rudi Mahall, Axel Dörner, Uli Jennessen und Jan Roder, gehört zu den eindrucksvollsten Verfechter dieser Theorie. Sie jonglieren mit Bausteinen, die die Geschichte ihnen überlassen hat, sie brechen sie in immer kleinere Einheiten auf, kleben sie in absichtlich verquerer Reihenfolge aneinander, sie maskieren sich als Slapstick-Komödianten, als wollten sie verschleiern, wie virtuos, wie durchdacht, wie ausdifferenziert und artifiziell ihre Musik ist.

Zwei ihrer Stücke heißen "Vorwärts-Rückwärts", und noch nicht einmal Rudi Mahall kann sich diese Dopplung erklären. Eine Trilogie klärt die Fragen: Wer kommt mehr von der Klassik, wer kommt mehr vom Jazz, wer kommt mehr vom Sozialamt? Gespielt haben sie in Darmstadt nur das letzte Stück.

Der Gewölbekeller unterm Jazzinstitut ist voll. Das ist zunächst Ausdruck der hartnäckigen Arbeit der Darmstädter Jazzszene, durch die auch zeitgenössischer Jazz seine Hörer findet. Und natürlich ist der Zuspruch der Band geschuldet, die zum besten gehört, was man in Deutschland derzeit finden kann. Mahall und Dörner sind die Treiber der Musik, unruhige Motoren, ständig in Bewegung. Selten greift ihr Spiel weit aus. Sie sind Verdichter, die in ihre rhythmisch intrikaten Aphorismen so viel hineinpacken, dass einem fast schwindlig wird.

Stille hingegen ist kein wesentlicher Begriff bei der Enttäuschung. Manchmal ist das schade. Manchmal ist es aber einfach egal. Dann sitzt man da, schaut und hört ihnen zu, dem Zirkusdirektor mit dem lustigen Backenbart mitsamt seiner kleinen Kapelle - und denkt sich: Der Jazz ist nur ein Spiel. Aber was für ein schönes. (Tim Gorbauch)

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Darmstädter Echo, 14. Januar 2008

Aki Takasé im Jazzinstitut

DARMSTADT. Keine Musik ist frei von Vorbildern. Ornette Coleman, einer der Väter des Free Jazz, ohne dort eigentlich ein Radikaler gewesen zu sein, baute eine Brücke von Parkers Bebop zur jazzhistorischen Moderne. „Lasst uns die Musik spielen, nicht den Hintergrund“, war seine Devise, und er dachte dabei vor allem an die Freiheit eigener Improvisationen. Genau das haben sich die Pianistin Aki Takasé und die Altsaxofonistin/Klarinettistin Silke Eberhard vorgenommen und sich mit den frühen Kompositionen Colemans auseinandergesetzt. Am Freitag stellten sie im Gewölbekeller des Darmstädter Jazzinstitutes rund 20 Stücke vor.

Takasé, Grand Dame des europäischen Jazz und mittlerweile mehr als 20 Jahre in Deutschland zuhause, ist in ihrem Klavierspiel von Persönlichkeiten wie Bill Evans, Bud Powell und Herbie Hancock, aber auch von Ravel, Debussy und Bartók geprägt. Ihre Musik pendelt zwischen nervigem Wohlklang und schrill-rauen Free-Jazz-Klängen. Die Themen verarbeitet sie geduldig, aber äußerst variantenreich. Immer wieder überraschen raffinierte Verbindungen heterogenster Materialien, Strukturen und Stilelemente. Pointillistische Klangtupfer wechseln sich ab mit Clustern, swingenden Passagen und Ruhepunkten, von denen sie sagt, dass sie zu ihrer japanischen Wesensart gehören. Im Zusammenspiel mit Silke Eberhard, einer geschliffen artikulierende Musikerin und einer ihrer Schülerinnen, hat sie die kongeniale Duo-Partnerin.

Sie haben jene Stücke des Jazz-Innovators gewählt, die er in seinem pianolosen Quartett mit Don Cherry, Charlie Haden und Billy Higgins entwickelte. Damit haben sie Zugang zu einer Musik, die einst provozierte, heute aber süchtig macht, wie etwa „Lonely Woman“. Hinzu kommen Stücke, die sehr kurz sind wie „Free“ oder „Eventually“, weil die Themen sofort Impulse zur Improvisation geben. So haben Takasé und Eberhard Möglichkeiten zu Ausdeutung, Reflexion, Fortführung und Anreicherung. Bei der Interpretation von Colemans „Focus On Sanity“ kommt einem ein Vergleich von Archie Shepp in den Sinn, der hier von einem Volkstanz spricht, den ein extrem präpariertes Klavier anpeilt, um ihn dann heftig knatternd auszulöschen. (Ulfert Goeman)

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Darmstädter Echo, 10. Dezember 2007

Töne wie kleine Perlen. Jazz -Talk: Frei von Trends und Klischees: Alexander von Schlippenbachs Trio stellt sich im Darmstädter Gewölbekeller vor

DARMSTADT. Alexander von Schlippenbach ist ein Großer des europäischen Free Jazz. Am Freitag war er als Talk-Gast im Gewölbekeller des Darmstädter Jazz-Instituts zu Gast. Als Pianist, Komponist und lange Zeit Leiter des Globe Unity Orchestra hat er über 40 Jahre lang die Möglichkeiten freier Musikpraktiken im Bigband-Kontext ausgelotet. Sein Jazz ist spontan und konstruktivistisch, wobei die Arrangements weit gefasste Instrumenten- und Personen-Konstellationen sind. Dasselbe übertrug er – in einfacherer Weise – auch auf seine Kleinformationen.

Deren bedeutendste, das Trio mit dem englischen Tenorsaxofonisten Evan Parker und dem Schlagzeuger Paul Lovens, stellte er jetzt vor. Was von Schlippenbach seit über 30 Jahren immer wieder, meist auf „sogenannten Winterreisen“, in überzeugender Eintracht vorstellt, spiegelte auch im Jazzinstitut, was er von freien Improvisationen hält. Sein Motiv und sein Antrieb stammen aus der afroamerikanischen Tradition und den jazztypischen Auslegungen etwa eines Thelonious Monk und Cecil Taylor. Von Schlippenbachs Musik bleibt dabei frei von Trends, Stilerscheinungen oder Klischees: Die beiden langen Stücke zehrten von High-Energy-Playing, clusterartigen Akkordballungen und perkussiven Kraftakten am Klavier, kompromisslosen Tönen des Tenorsaxofonisten, einem strömenden Fluss innerer Spannung und von der Entspannung der Töne. Hinzu kommt die eindringlich-melodische Spielweise von Paul Lovens, der ein karges Drum-Set bedient. Mit zwei Becken, High-Hat, Bassdrum und zwei Snare-Trommeln, auf denen sich Blechdeckel und Beckenteile tummeln, entfaltet er unglaublichen Ton-Reichtum. Alle drei Musiker scheinen ihren eigenen rhythmischen Puls zu haben, zeigen aber in jedem Detail ein perfektes Aufeinanderhören und –reagieren.

Dass dann aus einem präpariertem Klavier mit Tönen wie aus einer verstimmten Spieldose Thelonious Monks’ bekannte Komposition „Evidence“ wie eine Chimäre auftaucht, untermauert die von Schlippenbach im Gespräch geäußerte Meinung, dass dieses Stück eine schlichte kleine Perle ist, die man immer wieder tragen sollte. Free Jazz kann auch thematisch-bildhaft sein. (Ulfert Goeman)

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Frankfurter Rundschau, 7. Dezember 2007

Konzert. Jazzer auf Winterreise

Im Grunde muss man zu ihnen nichts mehr sagen. Ihre Namen sind Klang genug: Alexander von Schlippenbach, Klavier. Evan Parker, Saxofon. Paul Lovens, Schlagzeug. Sie alle sind Monumente des freien Jazz, zu dritt halten sie es seit fast 30 Jahren miteinander aus. Das Schlippenbach Trio gehört damit nicht nur zu den beständigsten Formationen eines kritisch gedachten Jazz, es zählt auch zu den wichtigsten. Denn das Maß an Vertrautheit, das die Musiker erreicht haben, mündete nie in Routine. Neugier ist dafür wichtig, mehr wohl aber die Fähigkeit, sich selbst gegenüber kritisch zu bleiben. Mit wachem Ohr durchforsten sie seit Jahrzehnten das Material, hellhörig auch bei den Klischees des Free Jazz.

Die Musik kann dabei in alle Richtungen gehen. Sie kann ganz ruhig sein, ganz filigran und offen, sie kann sich aber genauso anspannen und expansiv ihre Grenzen testen. Entscheidend ist die Spannung, die Intensität. Und die ist nach wie vor konkurrenzlos. Natürlich sind die Mittel dafür nicht mehr neu. Das Skandalöse ist der Musik über die Jahre abhanden gekommen. Aber das Eigensinnig-Sperrige hat sich das Trio bewahrt. Es ist die Idee eines selbstständigen und seiner selbst bewussten europäischen Jazz.

Alle Jahre wieder gehen Schlippenbach, Parker und Lovens im Dezember auf Tour. Das ist ihre Winterreise. Kurz vor Weihnachten versorgen sie uns mit ihrem nie abreißenden Energiestrom, verlässlich und doch nie gleich. Und wieder einmal empfängt sie der Gewölbekeller unterm Jazzinstitut, diese mit Stein ummauerte Bastion des guten Geschmacks in Darmstadt.

Das Konzert ist als JazzTalk annonciert. Zusätzlich zur Musik wird Institutsleiter Wolfram Knauer mit Alexander von Schlippenbach über Monk, über die zeitgenössische Moderne und über Improvisation ohne Netz und doppelten Boden sprechen. (Tim Gorbauch)

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Darmstädter Echo, 7. Dezember 2007

Wer? Wann? Was? Lothar Scharf, Schlagzeuger, Maler: Klangtöne und Farbtöne

Lothar Scharf (65), studierter Schlagzeuger zwischen Klassik (einst im Ausbildungsort Berlin) und Jazz (lebenslang): Ihn in Darmstadt vorzustellen, hieße Darmbachwasser in den Woog zu gießen. Obwohl Scharf, wiewohl hier geboren, in seiner langen Laufbahn in vielen Ländern dieser Erde vorstellig wurde. Dort sein Musik-Talent verschwenderisch vergoss. Stets aber zurückkehrte, um in seinem geliebten Watzeviertel zu wohnen – und die lokale Musikszene mit seinen internationalen Erfahrungen zu befruchten und bereichern.

Trotz seines Bekanntheitsgrades gibt es eine Seite von Lothar Scharf, die überwiegend nur engere Freunde oder Bekannte kennen. Der gelernte Schauwerbegestalter („mein allererster Ausbildungsberuf in Darmstadt“) ist auch Maler. Dabei hat er sich schon lang einer Königsdisziplin verschrieben, die zu den schwierigsten Ausdrucksformen bildender Kunst gehört – dem Aquarell. Darunter: Viele maritime Motive, denn Scharf ist überdies passionierter Segler. Lotse Lothar mit dem Pinsel sozusagen, dessen musikalisches alter ego per Trommelstock Jazzgrößen rhythmisch durch intelligente, feinsinnige Improvisationen lotst.

Wer ihn spielen sieht, kann zu der gefühlten Einsicht kommen, dass ihm in beiden Kunstformen eine übereinstimmende Grundhaltung die Hände führt. Natürlich kann Scharf scharf loslegen an seiner Trommelbatterie, die im Musikerjargon einst „Schießbude“ hieß. Aber auch da versteht er sich auf leise Töne an den Becken, die insgeheim mit Pastelltupfern auf dem Papier harmonieren.

Seine Klangreisen führten ihn in den sechziger Jahren über die Berliner Sinfoniker bis zum Jazzen quer durch Afrika, der Weltwiege rhythmischer Empfindsamkeit: „Das Goethe-Institut hatte uns 1966 da hingeschickt. Albert Mangelsdorff durfte zur selben Zeit nach Asien; Klaus Doldinger nach Südamerika. Ich war mit meinen Kollegen acht Wochen lang quer durch Afrika unterwegs: fuhr insgesamt 56 000 Kilometer mit dem Zug.“ So simmern auch afrikanische Motive durch Scharfs Aquarelle.

Wer beide erleben will, den diplomierten Musiker und autodidaktischen Maler, kann dies am Sonntag (9.) im Bessunger Jazz-Institut tun (Näheres dazu in der Bildunterschrift). Lothar Scharf stimmt nur eines aktuell traurig: „Dass vor zwei Wochen der große Choreograph Maurice Béjart gestorben ist. Für ihn hab’ ich einst auch getrommelt: in Beethovens Neunter für 100 Ballett-Tänzer.“ (Bert Hensel)

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Darmstädter Echo, 26. November 2007

Mit Überraschungen. Jazz: Felix Wahnschaffes „Rosa Rauschen“ im Gewölbekeller des Darmstädter Jazzinstituts

DARMSTADT. Am vergangenen Freitag gastierte das Jazzquartett um den Berliner Altsaxofonisten Felix Wahnschaffe auf Einladung des Darmstädter Fördervereins für Jazz im Gewölbekeller des Jazzinstituts. Ein erstes Album dieser Band trug den Untertitel „Im Reich der Tondichtung“. Das trifft exakt das gegenwärtige Quartett mit John Schröder (Gitarre, Klavier), Oliver Potratz (Kontrabass) und Eric Schäfer (Schlagzeug), dem es nicht um einen schematischen Ablauf Thema – Improvisation – Thema geht, sondern um kompliziertere Formen und Harmonien, gepaart mit der herkömmlichen Harmonik des Jazz.

Alle Stücke gehen beinahe unmerklich in Improvisation über, so dass man beim ersten Hören nicht erkennen kann, wo die Themen enden und die Improvisationen beginnen. Der Altsaxofonist Wahnschaffe, der in der Regel die Themen vorträgt, erinnert in seiner Spielweise an die Jazzlegende Lee Konitz. John Schröder, der seit Jahren wieder sein Erstinstrument, die Gitarre, spielt, besticht durch Präzision und aufrüttelnde Rauheit. Dass Eric Schäfer am Schlagzeug seit Jahren einer der besten seines Faches ist, beweist er durch druckvolle Spielweise. Bassist Oliver Potratz glänzt am Anfang mit einem längeren Solo, hält sich dann aber meist zurück.

Nicht nur Wahnschaffes Komposition „Shockproof“ erinnert an die achtziger Jahre, in denen der Cooljazz eine Form des Revivals erlebte. Dennoch sind auch modernere Einflüsse wie Hip-Hop oder Reggae-Rhythmen zu hören. Und am Ende wird sogar ein immer wieder neu zu entdeckender Blues gespielt – hier nur ein Vehikel, um in andere Rhythmen abzugleiten. Überraschend ist, dass in drei Stücken nach der Pause John Schröder auch auf dem Klavier improvisiert, dem er wegweisende Passagen mit rasenden Läufen und donnernden Clustern zu entlocken vermag. (Ulfert Goeman)

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Darmstädter Echo, 23. Oktober 2007

Im Wechselspiel. Jazztalk: Roger Hanschel stellt sein neues Quartett „Heavy Rotation“ in Darmstadt vor

DARMSTADT. Einige kennen Roger Hanschel, der jetzt als Talk-Gast im Darmstädter Jazzinstitut auftrat, als Mitglied der Kölner Saxofon-Mafia. Doch ist dies nur ein Part, den der Musiker ausfüllt: Er hat zudem seine Solo- und Trio-Projekte – beispielsweise das „Triosphere“ mit Steffen Schorn und Dirk Mündelein und das Duo mit der Sängerin Gabriele Hasler, dessen Projekt „Frösche und Teebeutel“ in Zusammenarbeit mit dem Büchner-Preisträger Oskar Pastior im Darmstädter Staatstheater dargeboten wurde.

In seiner neuen Formation, dem Quartett „Heavy Rotation“ mit dem Gitarristen Markus Segschneider, Dietmar Fuhr am Kontrabass und Daniel Schröteler am Schlagzeug, verbindet sich zeitgenössischer Jazz mit dem expressivem Reichtum klassischer Konzeption und dem Geist des Rock. Dies wurde deutlich bei „Years of the Fifth Period“. Allen Stücken drückt er seinen Stempel auf, eine Notierung ist obligatorisch, doch interpretatorische Freiheiten bleiben erhalten; dazu kommt Kontrapunktik im Wechselspiel mit einer Gegenstimme. Dieser Widerpart ist in der Regel Segschneider auf der E-Gitarre – etwa in „Inner Voices of Love“, den seinen Söhnen gewidmeten Kompositionen „Jandor“ und „Vin“ oder auch den Gabriele Hasler zugedachten Stücken „Fragrant Vegetation“ oder „Loving High“. Hervorzuheben ist die engagierte Rhythmusfraktion der Band. Schröteler arbeitet mit verschiedenen Klangkörpern und Schlagtechniken, Fuhr spielt mit dem Bogen und zupft gleichermaßen virtuos: Roger Hanschel und „Heavy Rotation“ haben im Jazz etwas zu sagen. (Ulfert Goeman)

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Darmstädter Echo, 10. Oktober 2007

Wer? Wann? Was? CD: Saxophonist hält sein weltweites Afrika in Darmstadt fest

Ben (Spitzname aus Schulzeiten) Belinga (52), Saxophonist aus Kamerun. Tatsächlich hört er auf den Vornamen André, was nicht ungewöhnlich ist – in seinem afrikanischen Herkunftsland, wo Französisch eine Hauptsprache ist. Dass der Rest der Welt auf Belinga hört, weil der Mann ein Hörgenuss ist, schien bis vor kurzem vielleicht unerhört. Ist nun aber hörenswert hörbar. Durch eine Live-Platte, die der atemraubend in sein Instrument röhrende Musiker in Darmstadt einspielte.

Wie auf der Kulturszene-Seite dieser Zeitung am Montag gemeldet, gastierte Belinga zum Abschluss des 10. Darmstädter Jazzforums am Sonntag in der Bessunger Knabenschule. Dort erklangen Kompositionen mit großen improvisatorischen Freiräumen. Die meisten von ihnen waren schon im März dieses Jahres aufgenommen worden. Und zwar im intimen Gewölbekeller des international angesehenen Jazz-Instituts in Bessungen, das nun zu dem thematisch breitgefächerten Forum eingeladen hatte.

Wem das aktuelle Erlebnis noch in den Ohren nachschwingt, mag sich das Ergebnis der Darmstadt-Session vom März gönnen. Die nun erschienene CD „African Jazz – Live “. Aufgenommen von Achim Albrecht (51), produziert von Christoph Paulssen (44) und Belingas umtriebiger Musikagentin Barbara Lamprecht (54).

Wie kam’s dazu, dass es zu so etwas kommt? Paulssen: „Ein Schulkamerad von mir hatte Belinga im Fürstenlager Auerbach gehört, war völlig hingerissen – und kam mit Barbara Lamprecht ins Gespräch. Die sagte ihm: ,Wir suchen einen Produzenten.‘ Da empfahl er Achim als Aufnahmeleiter und mich.“

Paulssen, erfahrenes Über-Ohr unterschiedlichster Stilrichtungen, war dann auch ganz baff: „Wie dieser Mann den Jazz aus Amerika und Europa mit Klängen der Karibik ins Afrikanische übersetzt, hat mich tief beeindruckt. Ohne uns groß einzumischen, wollten wir die Essenz seiner urwüchsigen Kraft einfangen. Wenn Belinga das Saxophon an die Lippen setzt, denkt man ja manchmal: Der spielt das mit allen seinen geballten Muskeln.“

Wobei freilich keine Kraftmeierei herauskommt. Gewiss: Bei einem Stück wie „Be cool“ schnaubt Belinga ins Instrument wie ein Walross. Der Titel mag eine Ermahnung ans Publikum sein, deswegen nicht gleich völlig außer Rand und Band zu geraten.

Zugleich pflegt der Künstler aber auch jene herrlichen Hochton-Fiepser, die an Altmeister wie Junior Walker oder King Curtis gemahnen. Anspieltipps: „Senga“, „Harplus“. Wunderbar auch die Ausklangmelodie „Idiba“.

Ben heißt übersetzt „Der Sohn von“. Dass Belinga seine Truppe „Ben’s Belinga“ – mit angelsächsischem Genitiv – nennt, lässt vermuten: Der Sohn von Papa Belinga hält jeden Ton für die Geburt eines edlen Kindes. Stramme Jungs wie zauberhafte Töchter.

Eine solche ist auch seine gute Agenten-Fee Barbara Lamprecht. Ihrerseits Tochter des renommierten Schauspielers Günter Lamprecht (77). Wie sie ins Musikgeschäft kam und warum sie Darmstadt weiter im Visier hat: demnächst in dieser Kolumne. (Bert Hensel)

 

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Frankfurter Rundschau, 10. Oktober 2007

"Jihad ist von der gleichen Geisteshaltung wie Kant". Beim 10. Jazzforum Darmstadt wurden vor allem Begriffe entzaubert - bis dann der Heilige Krieg beschworen wurde

Beim Entwurf seines Vortrages über Thomasz Stanko geriet Wolfram Knauer ins Stocken. Der Stil des polnischen Trompeters war erfasst, die Eigenheiten seiner Tonbildung, die Verbindung zu Miles Davis. Hinsichtlich der abgrundtiefen Melancholie bei Stanko aber kam Knauer nicht weiter. Ist diese vielleicht doch einer nationalen Eigenheit geschuldet; bei einem Musiker, den ansonsten mit den Traditionen seines Landes nichts verbindet?

Anruf beim deutschen Polen-Institut, wie das Jazzinstitut, das Knauer leitet, in Darmstadt, mit der Bitte um Aufklärung über die polnische Melancholie. Der dortige Referenten parierte die Frage mit einer Antwort, die bei den Teilnehmern des 10. Jazzforums Heiterkeit erzeugte. Als Kind hatte jener den - norwegischen - Musiker Jan Garbarek favorisiert: "Ich dachte immer, Garbarek muß ein Pole sein."
 
Das war zunächst nichts weiter als eine leichte Irritation. Es sollte ein Beben folgen. Martin Pfleiderer (Hamburg) gründete seinen Vortrag "Zur Ästhetik des Jazz im Zeitalter der Globalisierung" auf Überlegungen von Philosophen wie Martin Seel und Allan Moore. Von letzterem zog er ein dreigliederiges Modell heran, das darauf hinausläuft, dass "Authentizität" einer Sache oder einer Person jeweils subjektiv zugeschrieben wird und nicht deren objektive Eigenschaft ist. Das würde aber auch bedeuten, dass selbst eine boygroup als "authentisch" wahrgenommen werden könne.

Dieses Adjektiv war hinfort ohne Schmunzeln oder Gelächter nicht mehr zu haben. Der Kongreß hatte, zumal bei einem Generalthema wie "The World meets Jazz", einen seiner Schlüsselbegriffe entzaubert - mit Konsequenzen, zu der nicht alle im Auditorium sich entschließen mochten.

Schon vorher aber handelten die besten Vorträge just von solchen Entzauberungen. Günther Huesmann (Berlin) entfaltete ein Kapitel aus dem Werk des New Yorker Konzeptmusikers John Zorn, das an Umfang und Systematik mit dem von Frank Zappa gleichzuziehen scheint. Nach Zorn's Zeichensystem-Improvisationen (Cobra) und seiner Erneuerung jüdischer Musik (Masada) ging es in Darmstadt um "John Zorn und den japanischen Traditionsbegriff" - ein Unternehmen, das bei größten Integrationsbemühungen (Zorn spricht Japanisch, hat 10 Jahre in Tokio gelebt, dort mit zahlreichen Musikern gearbeitet) frappierend wenig hervorgebracht hat, was das Adjektiv "authentisch" verdient. Huesmann zitiert Zorn mit dem Resümee: "Ich habe mich nirgendwo entfremdeter gefühlt als in Tokio."

Den Entzauberer vom Dienst gab einmal mehr der Musikethnologe Maximilian Hendler aus Graz. Nach der Legende von New Orleans als einzigem Geburtsort des Jazz, oder der Improvisation als dessen Alleinstellungsmerkmal, wandte er sich diesmal einem entlegenen Detail zu, der Rollen-Polyphonie im frühen New Orleans Jazz. Keiner seiner Zuhörer hatte je die Beispiele von Blasmusik gehört, die Hendler aus Surinam, Martinique, Madagaskar und Sumatra präsentierte; alle irgendwie jazzoid, aber nicht Jazz, alle mit derselben polyphonen Linienführung. Warum das so ist? Hendler rätselte über die Ursachen, er schloß freilich aus, dass die Kulturen sich gegenseitig beeinflußt haben könnten.

"The World meets Jazz", der Tagungstitel leitet sich aus den "Jazz meets the World"-Aktivitäten ab, mit denen Joachim-Ernst Berendt nach 1962 über zwei Jahrzehnte der Szene entscheidende Impulse gab. Mit dem Vibraphonisten/Pianisten Karl Berger (72) war in Darmstadt ein musikalischer Zeitzeuge präsent, der insbesondere über die Zeit ab 1965 sprach, seine Arbeit mit Trompeter Don Cherry. Berger, der in den 90er Jahren eine Professur an der Frankfurter Musikhochschule hatte, schilderte die Anfänge jenes "multi kulti" (wie der Titel eines Albums von Cherry lautet) als "naives" und in uralter Tradition orales Herantasten an Melodien, die Don Cherry im Radio aufgeschnappt habe.

Die Musikkulturen sind nach seiner Überzeugung über das System der Obertöne miteinander verbunden. In den Workshops, die er mit seiner Frau Ingrid Sertso in Woodstock, New York, aber auch weltweit gibt, werden Melodien erst gesungen, dann instrumental ausgeführt.

Allenfalls in diesem Punkt traf sich Berger's sanfter Subjektivimus mit einem bulligen, egonzentrischen Ausbruch zuvor, der atemlosen Wort-Performance von Gilad Atzmon. Jüngst hat er seine Klischeewelt um den Begriff des "Jihad" erweitert. In der Universität Denver, im April dieses Jahres, lautete die entsprechende Aussage noch: "Jazz und Jihad sind für mich ähnliche Formen der Hingabe." In Darmstadt sattelte er ordentlich drauf: "Jihad ist von der gleichen Geisteshaltung wie Kant, Schopenhauer, Nietzsche, Heidegger." Auf den Einwand, die seien schwerlich mit dem Kampfbegriff von Massenmördern in Verbindung zu bringen, verwies Atzmon auf die ursprüngliche Bedeutung von Jihad im Koran, die nicht von Gewalt, sondern nur von totaler Hingabe spreche.

Gilad Atzmon, der seit 1994 in London lebt, ist offenkundig jener Satz von Ludwig Wittgenstein unvertraut, die Bedeutung von Begriffen erweise sich durch ihre Anwendung im Alltag. (Michael Rüsenberg)

[Website der Quelle: http://fr-online.de]
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Und hier ist der Originaltext von Michael Rüsenberg, der in der Frankfurter Rundschau leicht gekürzt erschien:

Michael Rüsenberg: 10. Jazzforum Darmstadt

Beim Entwurf seines Vortrages über Thomasz Stanko geriet Wolfram Knauer ins Stocken. Der Stil des polnischen Trompeters war erfasst, die Eigenheiten seiner Tonbildung, die Verbindung zu Miles Davis. Hinsichtlich der abgrundtiefen Melancholie bei Stanko aber kam der Leiter des Jazzinstitutes nicht weiter. Ist diese vielleicht doch einer nationalen Eigenheit geschuldet; bei einem Musiker, den ansonsten mit den Traditionen seines Landes nichts verbindet?

Anruf beim deutschen Polen-Institut, gleichfalls in Darmstadt, mit der Bitte um Aufklärung über die polnische Melancholie. Die Frage gefiel dem dortigen Referenten. Er parierte sie mit einer Antwort, die von den Teilnehmern des 10. Jazzforums mit Heiterkeit quittiert wurde. Als Kind hatte jener, so zitiert ihn Knauer, den - norwegischen - Musiker Jan Garbarek favorisiert: „Ich dachte immer, Garbarek muß ein Pole sein.“

Das war zunächst nichts weiter als eine leichte Irritation in der Kartographie der emotionalen Expressionen, auf welche die Jazzwelt so gerne Bezug nimmt.

Es sollte ein Beben folgen. Martin Pfleiderer (Hamburg) gründete seinen Vortrag „Zur Ästhetik des Jazz im Zeitalter der Globalisierung“ auf Überlegungen von Philosophen wie Martin Seel und Allan Moore. Von letzterem zog er ein dreigliederiges Modell heran, das darauf hinausläuft, dass „Authentizität“ einer Sache oder einer Person jeweils subjektiv zugeschrieben wird und nicht deren objektive Eigenschaft ist. Das würde aber auch bedeuten - Pfleiderer artikulierte diesen Gedanken mit sichtlichem Unbehagen -, dass selbst eine boygroup als „authentisch“ wahrgenommen werden könne.

Dieses Adjektiv war hinfort ohne Schmunzeln oder Gelächter nicht mehr zu haben. Der Kongreß hatte, zumal bei einem Generalthema wie „The World meets Jazz“, einen seiner Schlüsselbegriffe entzaubert - unfreiwillig und mit Konsequenzen, zu der nicht alle im Auditorium sich entschließen mochten.

Schon vorher aber handelten die besten Vorträge just von solchen Entzauberungen. Günther Huesmann (Berlin) entfaltete zum dritten Male in diesem Jahr ein Kapitel aus dem OEuvre des New Yorker Konzeptmusikers John Zorn, das an Umfang und Systematik mit dem von Frank Zappa gleichzuziehen scheint. Nach Zorn´s Zeichensystem-Improvisationen (Cobra) und seiner Erneuerung jüdischer Musik (Masada) ging es in Darmstadt um „John Zorn und den japanischen Traditionsbegriff“ - ein Unternehmen, das bei größten Integrationsbemühungen (Zorn spricht Japanisch, hat 10 Jahre in Tokio gelebt, dort mit zahlreichen Musikern gearbeitet) frappierend wenig hervorgebracht hat, was die Eigenschaft „authentisch“ verdient. Im Gegenteil, Huesmann zitiert Zorn, den an Japan mehr der Underground als die Kirschblüte faszinierte, mit dem Resümee: „Ich habe mich nirgendwo entfremdeter gefühlt als in Tokio.“

Den Entzauberer vom Dienst gab einmal mehr der Musikethnologe Maximilian Hendler aus Graz. Nach der Legende von New Orleans als einzigem Geburtsort des Jazz, oder der Improvisation als dessen Alleinstellungsmerkmal, wandte er sich diesmal einem scheinbar entlegenen Detail zu, der Rollen-Polyphonie im frühen New Orleans Jazz.

Keiner seiner Zuhörer hatte je die Beispiele von Blasmusik gehört, die Hendler aus Surinam, Martinique, Madagaskar und Sumatra präsentierte; alle irgendwie jazzoid, aber nicht Jazz, alle mit derselben polyphonen Linienführung. Warum das so ist? Hendler rätselte über die Ursachen, er schloß freilich aus, dass die Kulturen sich gegenseitig beeinflußt haben könnten.

Gerhard Putschögel (Frankfurt) hingegen konnte politisch-kulturelle Gründe benennen für die von ihm sorgfältig analysierte, späte Begegnung zweier Traditionen, die manche Gemeinsamkeit teilen: die andalusische (Flamenco) und die afro-amerikanische (Jazz). Anderen Referenten waren die Vorzüge eindeutiger Handwerksmittel offenbar unbekannt, sie setzten auf subjektive Selektion und hemdsärmelige Kategorienbildung.

„The World meets Jazz“, der Tagungstitel leitet sich aus den „Jazz meets the World“-Aktivitäten ab, mit denen Joachim-Ernst Berendt nach 1962 über zwei Jahrzehnte der Szene entscheidende Impulse gab. Mit dem Vibraphonisten / Pianisten Karl Berger (72) war in Darmstadt ein musikalischer Zeitzeuge präsent, der insbesondere über die Zeit ab 1965 sprach, seine Arbeit mit - dem auch von Berendt geförderten - Trompeter Don Cherry. Berger, der in den 90er Jahren eine Professur an der Frankfurter Musikhochschule hatte, schilderte die Anfänge jenes „multi kulti“ (wie der Titel eines späteren Albums von Don Cherry lautet) als „naives“, begriffsloses und in uralter Tradition orales Herantasten an Melodien, die Don Cherry im Radio aufgeschnappt habe.

Die Musikkulturen sind nach seiner Überzeugung über das System der Obertöne miteinander verbunden. In den Workshops, die er mit seiner Frau Ingrid Sertso in Woodstock, New York, aber auch weltweit gibt, werden Melodien erst gesungen, dann instrumental ausgeführt.

Allenfalls in diesem Punkt traf sich Berger´s sanfter Subjektivimus mit einem bulligen, egonzentrischen Ausbruch zuvor, der atemlosen Wort-Performance von Gilad Atzmon. Bei jeder Gelegenheit gibt er den israelischen Dissidenten, der sich nicht nur für die Musik der Araber interessiert. Als Jazzmusiker hat alles Recht der Welt für sein holzschnittartiges Tableau, die Gattung sei von einer „rebellischen“ zu einer „langweiligen, bourgeoisen Kunstform“ geworden - solange er seinen künstlerischen Appetit damit zu füttern vermag.

Jüngst aber hat er seine Klischeewelt um den Begriff des „Jihad“ erweitert. In der Universität Denver, im April dieses Jahres, lautete die entsprechende Aussage noch: „Jazz und Jihad sind für mich ähnliche Formen der Hingabe.“

In Darmstadt sattelte er ordentlich drauf: „Jihad ist von der gleichen Geisteshaltung wie Kant, Schopenhauer, Nitzsche, Heidegger“. Auf den Vorhalt, deutsche Geistesgrößen seien schwerlich mit dem Kampfbegriff von Massenmördern in Verbindung zu bringen, verwies Atzmon auf die ursprüngliche Bedeutung von Jihad im Koran, die nicht von Gewalt, sondern nur von totaler Hingabe spreche.

In seinem Rundumschlag hatte er zuvor beklagt, die Europäer hätten, außer den Genannten, keine Philosophen mehr hervorgebracht. Gilad Atzmon, der seit 1994 in London lebt, ist offenkundig jener Satz von Ludwig Wittgenstein unvertraut, die Bedeutung von Begriffen erweise sich durch ihre Anwendung im Alltag. Ein modischer Meinungsrausch, der aus Kokettieren statt Argumentieren sich speist, kann so etwas nicht berücksichtigen.


Darmstädter Echo, 9. Oktober 2007

Weit stehen die Tore offen. Ein Symposium und die produktive Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Musikkulturen leer

DARMSTADT. Gehen wir zurück in die Geschichte des Jazz, die etwa 100 Jahre alt ist. Entstanden ist dieser Stil im Kreuzungspunkt unterschiedlicher Musikkulturen, wobei die afroamerikanischen und die europäischen die dominanten waren. Der Begriff einer Weltmusik fiel damals noch nicht, genauso wenig der einer Ethnomusik.

Der Jazz ging aus Begegnungen hervor, wobei unterschiedliche Annäherungen zu einer neuen Stilrichtung führten, die sich als schlüssig und aussagekräftig erwies. Der kreative Austausch der Ideen und Spielweisen führte offensichtlich zu etwas Neuem. Joachim Ernst Berendt, ein kreativer Vordenker im Jazz, hielt vor gut 40 Jahren eine noch weiter gehende Öffnung des Jazz gegenüber Musiktraditionen wie den indischen, japanischen oder spanischen für möglich.

Beim viertägigen 10. Darmstädter Jazzforum des Jazzinstituts mit Referaten, Ausstellung, Workshop und vielen Konzerten stand die Umkehr von Berendts Idee im Vordergrund. Wie reagiert die Welt auf den Jazz? Sind diese Begegnungen mit anderen Weltmusiken gelungen, oder beruhten sie nur auf Missverständnissen?

Im Symposium erläuterte Gerd Putschögl an konkreten Beispielen, dass etwa die Verbindung von Flamenco und Jazz in der Person von Chano Dominguez immer enger wird. Günther Huesmann erkannte im Falle des Altsaxofonisten, Komponisten und Labelproduzenten John Zorn starke Einflüsse der traditionellen wie modernen städtischen Kultur Japans, während Ralf Dombrowski die Auseinandersetzung mit dem Orient im Hinblick auf Authentizität und Akkulturation als oft gescheitert ansah.

Beispiele aus Martinique, Madagaskar oder gar Sumatra weisen nach Maximilian Hendler Analogien zum Jazz auf, geben aber keine Hinweise auf Übergänge zwischen den Kulturen. Jazz in den lateinamerikanischen Ländern (Torsten Eßer) oder im Senegal (Timothy Mangin) entpuppte sich im wesentlichen als Produkt einer Infiltration durch lokale Jazzimporte. Unterschiedliche Musiktraditionen führten regional wie individuell zu kennzeichnenden Unterschieden im musikalischen Ausdruck. Dies untermauerte Wolfram Knauer am Beispiel der Trompeter Tomasz Stanko, Enrico Rava und Harry Beckett.

Die Ausführungen Martin Pfleiderers zeichneten ein klareres Bild der Ästhetik des Jazz im Zeitalter der Globalisierung. Dabei orientierte er sich an dem Buch des Frankfurter Philosophen Martin Seel mit dem Titel „Ästhetik des Erscheinens“. Er stellt dabei fest, dass die eigenen Lebenserfahrungen der Hörer wie auch die Authentizität des Spielenden am wichtigsten sind, um Jazz sinnlich erfahren zu können.

Im Musikergespräch mit Karl Berger wurde hinsichtlich weltmusikalischer Erfahrungen deutlich, dass kollektiver Geist, Präsenz, Timing und Rhythmik, vor allem aber das Vokalisieren eminent wichtig seien. Ähnliche Begriffe sprach auch der Musiker und Buchautor Gilad Atzmon an, der zur Überzeugung gelangte, dass Musik keine Botschaft vermittelt, sondern nur durch Musik wirksam wird. Da orientalische Musik mikrotonal ist, verschließt sie sich einer Notierung. Das macht einen Mix mit dem Jazz so schwierig.

Dies zeigte sich auch in den ersten zwei Konzerten in der Centralstation, als etwa Gilad Atzmon und The Orient House Ensemble eine Lehrstunde in Inspiration, Eigendynamik und Individualität erteilte, das Berliner Quartett „Cyminology“ um die singende und improvisierende Sängerin Cymin Samawatie hypnotische, orientalische Ornamentik mit pulsierendem Jazzdrive verband. In Karl Bergers Sextett „In The Spirit Of Don Cherry“ mit Ingrid Sertso (Gesang) und Steven Bernstein (Trompete) und anderen kam es dem nun in den USA wirkenden Komponisten, Pianisten und Vibrafonisten darauf an, Cherrys einzigartiges Schaffen noch einmal zu beleuchten, vor allem dessen Spontan-Arrangements, die seine Mitspieler anregten, Gegenstimmen zu erfinden und stets rhythmische Veränderungen herauszuarbeiten. Schließlich spielte Berger über sechs Jahre in Don Cherrys Quintett. Referate und Konzerte, auch ein vielbesuchter Workshop mit dem Trompeter Steven Bernstein bildeten eine geglückte Einheit.

Zum Abschluss spielte das Ben’s Belinga Quartett in der Bessunger Knabenschule. Von dem Bandleader und Tenorsaxofonisten heißt es, er sei der legitime Nachfolger der westafrikanischen Musikerlegende Manu Dibango. Ben’s Belingas jüngstes Album entstand live im Gewölbekeller des Darmstädter Jazzinstituts. (Ulfert Goeman)

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Darmstädter Echo, 17. Juli 2007

Improvisation statt Lehrplan. Jazz Conceptions: Die Workshops der 16. Seminarwoche untermauern den Stellenwert Darmstadts in der Musikszene

DARMSTADT. Mit zwei eindrucksvollen Konzerten wurden am vergangenen Wochenende die 16. Darmstädter Jazz Conceptions beendet. Zuvor hatten die Teilnehmer des beliebten Ferienkurses an mehreren Abenden in wechselnden Zusammensetzungen öffentlich geprobt oder improvisiert. Improvisation bildet ohnehin das Konzept, das auf Studienpläne oder stilistische Zwänge weitgehend verzichtet.

Am Freitag, beim Auftritt der Teilnehmer-Ensembles in der Bessunger Knabenschule, stellten die Dozenten ihre Schützlinge mit den während der Seminarwoche erarbeiteten musikalischen Strukturen vor. Der Darmstädter Pianist Uli Partheil konnte in seiner Gruppe drei zwölfjährige Jungtalente vorstellen. Trompeter Daniel Albrecht, Schlagzeuger Alexander Hoffmann und Pianist Gerrit Ebbeling bewiesen in der Interpretation von Themen aus den „Lucky Luke“-Abenteuern eine für ihr Alter beachtliche musikalische Reife. In einer Suite über die Zeit vertonte die Vokalistin Gabriele Hasler mit sechs Stimmen und einer Rhythmusgruppe lautmalerische Texte von Oskar Pastior. Jürgen Wuchner, Initiator und Leiter der Jazz Conceptions, konnte in seiner Formation sogar Eigenkompositionen der jungen Akteure auf dem Sektor Latin-Jazz präsentieren.

Einen mehr intellektuellen Zugang zum Neuen Jazz bevorzugt der Vibraphonist Christopher Dell: Die Bewältigung des komplexen Materials stellte seine Akteure vor höchste Ansprüche. Weniger Kopflastigkeit brachte danach die Berliner Saxofonistin Angelika Niescier ins Spiel, deren Gruppe ihr Konzept teilweise selbst definierte und das sie temperamentvoll dirigierte. Mit Spannung erwartet wurde am Folgeabend in der Knabenschule das Groß-Ensemble unter der Leitung von Ekkehard Jost. Der Gießener Musikprofessor hatte für dieses Projekt die Werke des Avantgardisten Albert Ayler vorbereitet, und es war spannend zu sehen, wie die 18 Musiker mit den widersprüchlichen Segmenten zurecht kamen. Ayler, ein exaltierter und umstrittener Neuerer, liebte Marschmusik so, wie er das Marschieren hasste. Folkloristische Elemente stehen bei ihm in schroffem Gegensatz zur Kollektiv-Improvisation, die den Ausübenden riesigen Spaß machte. Nach diesem Höhepunkt war es an den Dozenten, einen gemeinsamen Nenner für ihren Auftritt zu finden. Das gelang bravourös, indem die jeweilige Eigenart der Protagonisten zum Zuge kam. Es entstanden divergierende Teile, in denen sich etwa die Stimmexperimente von Gabriele Hasler und das virtuose Vibraphonspiel von Christopher Dell dem groovenden Schlagzeug von Carola Grey mosaikartig anpassten.

Das Fazit nach der 16. Auflage der Workshopreihe fällt rundweg positiv aus: Die Jazz Conceptions haben den Ruf Darmstadts als Jazz-Hochburg nachhaltig untermauert. (Hans-Dieter Vötter)

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Darmstädter Echo, 18. Juni 2007

Was Töne erzählen. Jazzkonzert: Christina Fuchs entwirft in Darmstadt ein farbenprächtiges Kaleidoskop

DARMSTADT. Christina Fuchs, in München geboren, lebt seit 20 Jahren in Köln. Sie ist Saxofonistin, Komponistin und Arrangeurin mit internationalem Renommee. An der Kölner Musikhochschule studierte sie bei Joachim Ullrich und Siegfried Köpf Jazzharmonielehre, legte ihren Schwerpunkt auf Kompositions- und Tonsatzstudien und veredelte ihr Wissen in Auslandsaufenthalten bei Arrangeuren in Kanada, USA und im schweizerischen Nairs. Am vergangenen Freitag gastierte sie auf Einladung des Darmstädter Fördervereins Jazz mit ihrem noch relativ jungen Quartett im Gewölbekeller des Darmstädter Jazz-Instituts.

Christina Fuchs ist bekannt durch ihr mit Hazel Leach gegründetes und geleitetes United Women’s Orchestra, ihr Duo Kontrasax mit der Bassistin Romy Herzberg, ihre neueste CD mit der NDR-Bigband sowie durch ihr jetzt in Darmstadt vorgestelltes Quartett mit Ulla Oster (Kontrabass), Florian Stadler (Akkordeon) und Christoph Hillmann (Schlagzeug). Mit ihren Film- und Bühnenmusiken, Performances, Literaturvertonungen (etwa von Elfriede Jelineks Roman „Die Klavierspielerin“ in einer Bühnenfassung) sowie Hörspielmusiken kommt es der Multi-Instrumentalistin Fuchs auch in ihrem gegenwärtigen Quartett darauf an, nicht bei einem begrenzten Thema zu verweilen, sondern in ihrer Musik Geschichten zu erzählen – sei es die Vertonung einer Sprichwort-Parabel von Ulla Oster („The Biter Bit“), eine Hommage an den Akkordeonisten Richard Galliano („Mr. G“) oder musikalische Kostbarkeiten wie „Nemioke“ und die einer Tänzerin gewidmete Komposition „Sayó“.

In ständigem Wechsel vom Sopran- zum Tenorsaxofon, dann wieder zur knurrigen Bassklarinette, lotet Fuchs jene Stimmungen aus, die sie „Soundscapes“ nennt, Klanglandschaften, die zunehmend an Dichte gewinnen. Dabei wechseln swingende Passagen mit Freejazz-Elementen; mal leuchten Tango-Rhythmen auf, ein anderes Mal findet man Orientalismen, so dass ein farbenprächtiges Kaleidoskop entsteht. Da wirkt die Ballade „Zoe and Me“, die Christina Fuchs ihrer dreijährigen Tochter widmet, wie ein Fels in der Brandung. (Ulfert Goeman)

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Darmstädter Echo, 18. April 2007

Suche nach Unerhörtem. Vorschau: Bernd Köppen und Andreas Bär sind die Gäste im Darmstädter Jazztalk

DARMSTADT. Der Pianist Bernd Köppen und der Saxofonist Andreas Bär sind Grenzgänger zwischen der klassischen Moderne und dem neuem Jazz. Ein Gespräch mit ihnen am Freitag (20.) in der Reihe „Jazztalk“ soll Widersprüche aufklären. Der 1951 in Wuppertal geborene Köppen befasste sich zunächst weniger mit Improvisation als mit komponierter zeitgenössischer Musik. Schon in jungen Jahren erfand er auf dem Klavier die verrücktesten Melodien, bekam mit sechs Jahren ersten Klavier-Unterricht und hatte mit 13 eine kleine Organistenstelle inne. Auf dem Bergischen Landeskonservatorium in Wuppertal wurden Anton Webern und Thelonious Monk seine wichtigsten Vorbilder; auch Hindemith beeindruckte ihn mit seinen Rhythmen.

Eine seiner ersten eigenen Formationen war die Gruppe „Unit“, die vom Duo bis auf Oktettgröße anwuchs, das Fundament aber war die Triobesetzung mit Piano, Bass und Schlagzeug. Als Musiker kam er weit in der Welt herum, war im norwegischen Stavanger genau so wie in Nordjapan, gab Unterricht, war Dozent, besaß ein eigenes Studio für vorberufliche Fach- und Laienausbildung. Zu seinen Musikschülern gehörte Tom Tykwer, der sich als Filmemacher einen Namen machte. Einen Vertrag als Kirchenorganist an der Neuen Reformierten Kirche Sophienstraße Wuppertal nahm er nur unter der Bedingung an, seine eigene Konzertreihe „Unerhörte Musik“ ausrichten zu können. Sein musikalisches Interesse reicht von der Gregorianik über die serielle Musik bis hin zum Blues. So hat Köppen vor drei Jahren die auch durch pianistische Improvisationen geprägten Sonaten Domenico Scarlattis aufgeführt sowie Konzerte mit Bach-Sonaten oder Schuberts „Winterreise“ gegeben.

Der Jazztalk mit Köppen und Bär am Freitag (20.) im Gewölbekeller unterm Darmstädter Jazzinstitut in der Bessunger Straße 88 d beginnt um 20.30 Uhr. (Ulfert Goeman)

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Darmstädter Echo, 12. April 2007

Eine handverlesene Truppe. Konzert: Sechzehn Musiker der Spitzenklasse in der Centralstation: Der Pianist George Gruntz bringt mit seiner Concert Jazz Band internationale Solisten nach Darmstadt

DARMSTADT. „Hier würde ich auch einmal gerne auftreten“ meinte der Schweizer Pianist George Gruntz bei einem früheren Besuch der Darmstädter Centralstation, zu dem er vom Jazzinstitut eingeladen worden war. Am Dienstag war es soweit: Die George Gruntz Concert Jazz Band (GG–CJB) trat bei ihrer Jubiläumstournee dort auf.

Vor 35 Jahren hat der agile Musiker das Orchester aus der Taufe gehoben und bis auf den heutigen Tag immer wieder mit neuen Musikern und Projekten erfolgreich gemanagt. Im Juni wird Gruntz 75, und schon vor fünf Jahren erschien seine Biografie „Als weißer Neger geboren“, in der er in leuchtenden Farben sein Leben für die Jazzmusik schildert. Als Pianist hat er alle Großmeister des Jazz von Louis Armstrong bis Miles Davis begleitet, als Komponist hat er sich intensiv mit der Neuen Musik beschäftigt, und als Manager hat er neben seiner Tätigkeit als musikalischer Leiter des Zürcher Schauspielhauses die Berliner Jazztage organisiert.

Sein bevorzugtes Projekt bleibt die mehrfach ausgezeichnete GG–CJB, eine handverlesene internationale Truppe führender Jazzsolisten. Das mit 16 Musikern besetzte Orchester spielt vorwiegend Kompositionen seiner Mitglieder oder des Leiters George Gruntz, der vom Piano aus ökonomisch in die Abläufe eingreift. Er hat die Grundstimmung seines Orchesters einmal mit „serious fun“ (ernsthafter Spaß) umschrieben, ein Hinweis auf komplexe Arrangements, in denen sich vertrackte Kollektivpartien mit lebhaft swingenden Passagen abwechseln. So ist es kein Zufall, dass besonders die Werke des Bassisten Charles Mingus von der GG–CJB aufgegriffen und als Teil einer Suite über den Bebop-Giganten präsentiert wurden.

Der amerikanische Trompeter Jack Walrath, der in einer der letzten Formationen von Mingus mitwirkte, konnte sich mehrfach als Solist profilieren. Für weitere Höhepunkte des Abends sorgten der temperamentvolle italienische Saxofonist Sal Giorgianni, Marvin Stamm mit einem Feature auf dem Flügelhorn und Howard Johnson, der auf der schwerfälligen Tuba beeindruckte. Besonderes Lob gebührt zweifellos dem herausragenden französischen Schlagzeuger François Lesaux, der kurzfristig einsprang und praktisch ohne Probe die anspruchsvollen Rhythmus- und Tempowechsel meisterhaft beherrschte. (Hans-Dieter Vötter)

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Darmstädter Echo, 26. März 2007

Eine Familie mit künstlerischen Ambitionen. Jazz-Talk: Barbara Dennerleins Solokonzert zur Ausstellung ihres Vaters Hans Dennerlein im Darmstädter Jazzinstitut

DARMSTADT. Der Jazz-Talk des Jazzinstituts Darmstadt fiel diesmal anders aus. Bei „Dennerlein presents Dennerlein“ spielte die international bekannte Jazzorganistin Barbara Dennerlein am Freitag zur Eröffnung einer Ausstellung der Bilder ihres Vaters Hans im Gewölbekeller ein Solokonzert. Bei der Vernissage sprach Doris Schäfer davon, wie Kunst und Jazz bei Vater und Tochter sich gegenseitig befruchten: Dass man Gefühle mit Farben wie mit Tönen ausdrücken kann, zeigen die farblich strahlenden, wie explodierenden Kunstharzbilder Hans Dennerleins im Keller und unter dem Dach des Jazzinstituts.

Dennerlein beherrscht den Umgang mit Farbtönen: Er lässt Stimmungen und Emotionen auf sich einwirken, will dabei auch Musik integrieren – und natürlich spielen die Stücke seiner Tochter dabei eine herausragende Rolle. Barbara Dennerlein, die ihr Leben der Improvisation auf der Hammond- wie der großen Kirchenorgel gewidmet hat, kommt seit den achtziger Jahren, als sie im Zuge der Begleitkonzerte zur Jazzausstellung auf der Mathildenhöhe auftrat, zu Konzerten nach Darmstadt. Ihr Solo vor einer kleinen, verschworenen Fangemeinde war jetzt restlos ausverkauft; es gab Gelegenheit, sie im Spiel wie im Talk zusammen mit ihrem Vater als engagierte und beispielgebende Persönlichkeit kennenzulernen. Ihr Programm war zunächst eine Widmung an Jimmy Smith, einen ihrer Vorbilder, („The Unforgettable“) und eine Anknüpfung an ihren ersten Auftritt in Darmstadt („Rumpelstilzchen Bossa“). Es folgten viele Eigenkompositionen besonderen Flairs und besonderer Taktzeiten, die in ihrer warmen Spielweise dem Blues, dem Funk und auch dem Rock gewidmet waren.

Auch besinnlichere Stücke („Frog Dance“, „A Summer Day“, „Last Call“) flossen ein, die Stimmungen in bedächtig swingende Musik setzten. Die Musikerin arbeitet auch gern mit neuen Grooves, komplizierteren ungeraden Takten und deutlichen Taktwechseln („A Summer Day“). Den Fußbass, den sie über einen Midi dem Klang eines Kontrabasses täuschend ähnlich macht, hat sie zu einem charakteristischen Ausdrucksmittel werden lassen. Ihre Register ermöglichen es ihr, den Sound um Klänge von Vibrafon, Klavier, sogar Trompete zu erweitern und den grummelnden Ton der Hammond zu kontrastieren und zu verfeinern. (Ulfert Goeman)

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Darmstädter Echo, 21. März 2007

Einklang mit dem Herzen. Vortrag: „Ich höre, also bin ich“ – Jadranka Marijan-Berendt im Darmstädter Jazzinstitut

DARMSTADT. Mittlerweile ist es 25 Jahre her, dass sich in Darmstadt die Pläne konkretisierten, um die Jazzsammlung von Joachim Ernst Berendt herum ein internationales Jazzinstitut einzurichten. Seit nunmehr 17 Jahren wird dort erfolgreich gearbeitet. Von etlichen Jazzkritikern wurde außerdem kritisch beäugt, dass Berendt sich zuletzt konsequent der Erforschung des Klangs zugewandt hat, aber immer noch mit engem Bezug zum Jazz. Er war auf der Suche nach dem Klang des Lebens, des eigenen Körpers. Wolfram Knauer, Leiter des Jazzinstitutes, sprach von Berendt als einem Suchenden und leitete damit über zum Ansatz eines Referates von Jadranka Marijan-Berendt, der Witwe des verstorbenen Klangforschers. Am Montag sprach sie auf Einladung der Wirtschaftsjunioren der Industrie- und Handelskammer (IHK) Darmstadt im Gewölbekeller des Jazzinstitutes und bedauerte, damals bei der Einweihung nicht dabei gewesen zu sein. Hans-Peter Schmücker vom Arbeitskreis Aktion und Kultur der IHK sah im Hören einen Ansatz zur Selbstfindung und verwies auf ein Zitat Charlie Hadens bei dessen Konzert vor fünf Jahren in der Centralstation.

Marijan-Berendt, eine ausgebildete Atem-Therapeutin, widmet sich seit 1992, als Joachim Ernst Berendts Abhandlungen wie „Nada Brahma – Die Welt ist Klang“ entstanden, einer regen Seminartätigkeit. Sie geht in ihrem Vortrag von der Tatsache aus, dass das Ohr eines der am frühesten ausgebildeten und empfindlichsten Organe des Menschen ist, das bereits im Stadium von viereinhalb Monaten im Mutterleib das Rauschen des Körpers und den Pulsschlag vernimmt. Es reagiert selbst im Koma und ist im Verlauf des Sterbens das zuletzt noch funktionierende Organ.

Marijan-Berendt arbeitete während ihres Vortrags mit Gongs und Klangschalen, führte vor, wie sich die Töne in schwebende Klänge verwandeln, ließ in praktischen Übungen den Atem spürbar werden. Sie verwies dabei auf die Stille, die dazu beitragen kann, Innerstes zu erkennen, eins zu sein mit der Seele – esoterische Aspekte, die als Begriff im Referat nie benannt wurden. Charakteristische Hörbeispiele, etwa Reibungen des Jazz mit der Klassik, mit der indischen Musik, mit Obertongesänge, betonten den kommunikativen Charakter bewussten Hörens. Ein abschließendes Rilke-Gedicht verdeutlichte, dass Leben nur Sinn haben kann in einem wachsenden „reinen Raum“, im Einklang mit dem Herzen. (Ulfert Goeman)

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Darmstädter Echo, 19. März 2007

Ein Abenteuerspielplatz. Jazz: Das "Olaf Ton"-Quintett geht auch im Gewölbekeller ohne Vorbehalte zur Sache

DARMSTADT. Viele Jazzmusiker haben sich in den letzten Jahren nach Berlin aufgemacht, wo ein Schmelztiegel kreativer Musik entstanden ist. Unter den sich dabei bildenden Gruppen nimmt das im Jahr 2000 gegründete Quintett "„Olaf Ton" eine dominante Position ein.

Zu Recht: Schon einmal, vor fast genau drei Jahren, hatten die Jungmeister – alle sind zwischen 1971 und 1979 geboren – das Publikum im Gewölbekeller unter dem Darmstädter Jazzinstitut mit ihrer originellen Musik in Verzückung versetzt. Am Freitag konnte man an gleicher Stelle die weitere Entwicklung der Gruppe erleben.

Die Zuhörer wurden erneut von einer höchst originellen Mischung spannender Motive überrascht. "Olaf Ton" geht ohne Vorbehalte zur Sache: Zwar haben alle Bandmitglieder ein Musikstudium absolviert, zahlreiche Preise erhalten und sind auch im konventionellen Jazz erfolgreich. Doch wenn sie sich bei "Olaf Ton" zusammenfinden, begeben sie sich auf einen musikalischen Abenteuerspielplatz, auf dem viel möglich ist. Programmatisch steht dafür auch der Titel ihres letzten Albums: "Das dunkle Vermächtnis der goldenen Kuh". Da werden ältere Jazzstile mit neuen vermengt und Anleihen bei anderen Musikformen gemacht. In atemberaubender Geschwindigkeit folgt auf eine elegische Trauermusik der unerwartete Sprung zu freiem Musizieren, um dann in mächtig groovenden Hip-Hop überzugehen, dem ein abrupter Schluss folgt.

In allen Segmenten finden sich solistische Freiräume, und es wird improvisiert, was das Zeug hält. Im Zentrum steht Benjamin Weidkamp, der auch für Komposition und Moderation verantwortlich zeichnet. Er holt aus Klarinette und Altsaxofon mit Hingabe und Raffinesse Tonkaskaden hervor, die er bis zur physischen Erschöpfung variiert. Auf der Rhythmuslinie turnt derweil Christian Marien am Schlagzeug einen Spagat, der seine Vorderleute an Posaune und Trompete zu Höchstleistungen anspornt.

Bei ihrem skurril-unkonventionellen Herangehen vermitteln die jungen Musiker Freude, Humor und eine eigenartige Harmonie. (Hans-Dieter Vötter)

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Darmstädter Echo, 19. Februar 2007

Ein Freigeist improvisiert. Jazz: Mit starken Partnern: Achim Kaufmanns Trio gastiert im Darmstädter Gewölbekeller – Drei Individualisten, die auf Kontrapunkte statt Harmonie setzen

DARMSTADT. Achim Kaufmann, Henning Sieverts und Bill Elgart sind ein Jazztrio in der klassischen Besetzung Klavier, Kontrabass und Schlagzeug. Am Freitag gastierten sie im Gewölbekeller unterm Darmstädter Jazzinstitut. Der seit einigen Jahren in Amsterdam lebende deutsche Pianist und Komponist Kaufmann gilt als führender Vertreter der europäischen Improvisationsszene. Die unablässige Suche des musikalischen Freigeistes nach neuen Strukturen und Dimensionen wurde 2001 mit dem SWR-Jazz-Preis belohnt.

So konträre Titel wie „Helmut Qualtinger“ oder „Stanley Park (Vancouver)“ weisen auf die Vielgestaltigkeit der Thematik hin. Technische Perfektion, gepaart mit einer starken Improvisationsbegabung, zeichnet diesen Pianisten aus. Sein Trio-Konzept erfordert starke Partner, die sich nicht als unterwürfig folgende Begleiter betrachten. Der 1942 in den USA geborene Drummer Bill Elgart ist aus diesem Holz geschnitzt. Der Amerikaner hat die Emanzipation seines Instruments vom Rhythmusgeber zum gleichrangigen Mitspieler verinnerlicht. Der Berliner Kontrabassist Henning Sieverts kam über das Cello, das er schon als Fünfjähriger spielte, zum Jazz. Er scheut sich nicht vor kurzen, ostinaten Figuren im konventionellen Bereich, zeigt dann aber seine Virtuosität im Solo.

Das Trio aus distinguierten Individualisten bietet keine leichte Kost. Wer dem Zusammenspiel aufmerksam folgt, beginnt die Philosophie von Achim Kaufmann zu verstehen: Kontrapunkt anstelle von platter Harmonie. (hdv)

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Raimund Dillmann, 18. Februar 2007

ULRICH GUMPERT war mit seinem neuen quartett in darmstadt.
und es war ein überwältigend gutes konzert!!!
mit dieser wunderbarem rhythmusgruppe:
jan roder/michael griener hat er ein echtes schnäppchen gemacht. die beiden sind perfekte begleitmusiker, swingen was das zeug hält, machen aber auch selber was los, z.b. wenn eine ballade sich zur hymne eignet und entsprechend rhythmisch unterfüttert werden muß, oder eine allzu süßliche phrase die nötige prise laut und stärke braucht.
gelegentlich fiepen und kratzen sie auch ganz klangverliebt wie strenge improvisierer, bevor sie wieder losgewittern. mit ben ababarnel-wolf hat gumpert einen, trotz seines jugendlichen alters, charismatischen frontmann am saxophon.
der bislang unbekannte tenorist ist ein begnadeter melodiker, der es unter anderem bei charles gayle und roscoe mitchell gelernt hat.
er spielt seine liedchen traumhaft schön an der kippe zum klischee vorbei, eben auf messers schneide - also dort, wo die kunst passiert.
viel ornette in der stilistik und dewey redman in der tongebung.
uli machts sichtbar freude, dazu die akkorde zu plazieren, aber auch hin und wieder fast ekstatisch über die tastatur zu rasen. manche kompositionen, fast alle von ihm - dazu noch ein bißchen don cherry, monk und coleman -, kennt man vom zentralquartett, allerdings klingt es in dieser combo kein bißchen teutonisch.
es ist eher die mit begeisterung betriebene traditionspflege, aus der sich eine teilweise hochartifizielle, zeitgenössisch interpretierte, moderne jazzmusik entwickelt. fernab vom mainstream und doch den großen amerikanischen bebop-heroen coltrane, sonny rollins etc. der sechziger jahre verwandt.
es gibt keine klangexperimente und auch keine suche nach neuen formen. alle spielen locker vom hocker das, was sie können, und worauf sie lust haben: kurz und schnörkellos wird das thema vorgestellt, dann gehts ab hinaus ins freie.
mal improvisiert der eine, mal der andere. immer vom rest der truppe mit satter harmonik (piano), melodik (saxophon!!!!) oder rhythmik (baß-schlagzeug), je nachdem, vortrefflich geerdet. nach dem mehr oder weniger langen ausflug finden alle gemeinsam
zurück zur erkennungsmelodie, so daß auch weniger geübte hörer entspannt die reise mitgehen können.
im darmstädter keller vom jazzinstitut gabs letzten freitag ovationen, in szeged haben sie kürzlich bei einem rockfestival die kids staunen lassen und es macht freude, den bei manchen schon abgeschriebenen jazzpreisträger gumpert in solch alter frische zu erleben. sicher eine der angenehmsten konzert-überraschungen der letzten zeit. große klasse! 

    raimund
            dillmann


Frankfurter Rundschau, 14. Februar 2007

Keine andere Sprache. Das Ulrich Gumpert Quartett beim Jazz-Talk-Konzert in Darmstadt

Es gibt sie also noch, die guten alten Sachen. Eine Rhythmus-Sektion zum Beispiel (mit Jan Roder, Bass, Michael Griener, Schlagzeug), die versunken und eigenständig ihre Arbeit macht, mit großer, manchmal fast unbändiger Spielfreude und allergrößter Aufmerksamkeit für Feinheiten und Kleinigkeiten in Klang und Struktur. Einen Pianisten (Ulrich Gumpert), der so viel Jazz in den Händen und im Sinn hat, dass er sich immer sehr genau überlegen muss, was er tut, bei dem das Denken und Auswählen aber trotzdem und merkwürdigerweise nicht die Freiheit und auch nicht die Ekstase einschränkt. Und einen Tenorsaxofonisten schließlich (Ben Abarbanel-Wolff), der über die Raffinessen des Handwerks verfügt, die man drauf haben muss als mit allen Wassern gewaschener Jazzmusiker des frühen 21. Jahrhunderts, der sich aber in Intonationen hineinsteigert, bei denen man an die große Zeit des New Thing erinnert wird, an Pharoah Sanders oder Albert Ayler etwa, an die guten alten Zeiten also.

Dass es so etwas gibt, noch gibt, ist wunderbar, aber auch ein bisschen erstaunlich. Denn es liegt eine unverkennbare Ungleichzeitigkeit über allem. Als müsste die Musik selbst sich auf etwas zurückbesinnen, was beinahe schon in Vergessenheit geraten ist, und in dieser Rückbesinnung eine neue Unmittelbarkeit finden. Denn ungefähr so, wie jetzt das Uli Gumpert Quartett im Gewölbekeller unter dem Darmstädter Jazz-Institut klang, so hätte freier, modaler, soundorientierter Jazz schon vor vier Jahrzehnten klingen können, wenn man von einigen Raffinessen und klanglichen Konstellationen einmal absieht und von einem manchmal durchscheinenden postmodernen Habitus.

Was das Konzert des Quartetts so intensiv macht, ist vor allem die Ernsthaftigkeit und Authentizität des Auftretens, das Hingebungsvolle im Spiel, die, man könnte fast sagen: inbrünstige Liebe zu dieser Musik. Als gäbe es nur sie und keine andere Sprache für bestimmte Ausdrucksbedürfnisse.

Ob es allerdings einen freien Jazz in der DDR je gegeben hat, da kann man sich offenbar, nachdem man Jahrzehnte lang ganz selbstverständlich davon ausgegangen ist, nicht mehr so ganz sicher sein. Uli Gumpert, der Pianist, den man einst umstandslos zu dessen Protagonisten zählte, antwortete auf Wolfram Knauers diesbezügliche Fragen meist etwas wie: "Da bin ich mir gar nicht so sicher." Wessen sollte er sich auch sicher sein: eine stärkere Orientierung an Strukturen, geringere Berührungsängste gegenüber traditionellem Material und den bewährten Parametern Harmonie und Rhythmus? All das sind, aus der Perspektive des 21. Jahrhunderts, vielleicht weniger trennscharfe Ost-West-Unterscheidungslinien als Nuancen und Detailwerk in den guten alten Dingen, die schon etwas älter sind. (Hans-Jürgen Linke)

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InToscana.it, 1. Februar 2007

Siena Jazz, incontro con il musicologo tedesco Wolfram Knauer

Giovedì 1 e venerdì 2 febbraio sarà a Siena il musicologo tedesco Wolfram Knauer, direttore dell'Istituto del Jazz di Darmstadt, fulcro di attività jazzistiche a livello europeo, dove è custodito il più importante archivio sonoro del continente. Knauer incontrerà il presidente della Fondazione Siena Jazz Franco Caroni e Francesco Martinelli, direttore del Centro Studi sul Jazz "Arrigo Polillo". Il direttore dell'Istituto di Darmstadt era già stato a Siena nel novembre del 2005, quando l'istituzione senese aveva ospitato la riunione del gruppo di lavoro per la realizzazione di un volume sulla storia del jazz in Europa. La redazione, composta da rappresentanti delle istituzioni jazzistiche di dieci paesi europei e del giornalista americano James Collier, ha concluso il lavoro e la pubblicazione del volume sarà annunciata in occasione della prossima fiera Jazz Ahead di Brema. L'incontro senese servirà all'attivazione di un collegamento operativo fra i vari archivi jazzistici, con scambio di materiali e la creazione di un catalogo unico, consultabile dagli utenti attraverso una sola pagina web, progetto ambizioso che riguarderà anche la Comunità Europea, nel quadro della conservazione e della valorizzazione dei beni culturali. Saranno poi messe in atto collaborazioni tra Darmstadt e Siena, le cui istituzioni jazzistiche hanno molti punti in comune, con scambio di esperienze didattiche e di spettacolo, per una sorta di "gemellaggio artistico" che riguarderà vari musicisti e gruppi, come è già avvenuto con Avignone.

[Website der Quelle: http://www.intoscana.it]
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Darmstädter Echo, 22. Januar 2007

Freiheit und Disziplin. Porträt-Konzert: Wolfram Knauer stellt die Saxofonistin Ingrid Laubrock aus London vor

DARMSTADT. Zum ersten Jazz Talk des neuen Jahres hatte das Darmstädter Jazzinstitut am Freitag die Saxofonistin Ingrid Laubrock zu Gast. In der vom British Council geförderten Veranstaltung stellte die deutschstämmige Künstlerin zunächst ihr Quintett vor. Neben Piano, Kontrabass und Schlagzeug lässt in der Besetzung ein Cello auf ungewöhnliche Klangerlebnisse schließen. Die fünf Musiker stellen auch die aufgeschlossenen Zuhörer im ausverkauften Kellergewölbe gehörig auf die Probe. Das Kollektiv hat in vielen Jahren seines Bestehens eine verblüffende Interaktion im freien Zusammenspiel entwickelt. Es vereint spielerisch die Freiheit des Ausdrucks mit der Disziplin der zu bewältigenden Komposition und des Arrangements zur Erzielung eines eigenständigen Gruppensounds.

Im anschließenden Gespräch mit Institutsleiter Wolfram Knauer über die Wurzeln ihres musikalischen Kosmos kommen erstaunliche Fakten zum Vorschein. Seit fast achtzehn Jahren lebt die in einem westfälischen Dorf geborene Musikerin in Großbritannien; erst dort hat Laubrock mit dem Saxofonspielen begonnen. Aus der deutschen Heimat hat sie lediglich den Kirchenchor und die Blockflötenzeit in Erinnerung. Zum Jazz kam sie eigentlich aus einer Protesthaltung zur seichten Pop-Musik der achtziger Jahre.

Ihre ersten musikalischen Erfahrungen sammelt Ingrid Laubrock als Straßenmusikerin in U-Bahnhöfen. Erst nach drei Jahren nimmt sie Unterricht, dann aber gleich bei Koryphäen des Free-Jazz wie Dave Liebman oder Jean Toussaint. Sie hat auch mit brasilianischen Kollegen gespielt, aber noch nie mit deutschen. Der Auftritt im Gewölbekeller ist ihr erster in Deutschland. Dabei wird es sicher nicht bleiben: Schon ist sie für den BBC Jazz Award nominiert und erhält ein Stipendium der renommierten British Arts Foundation. (Hans-Dieter Vötter)

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Darmstädter Echo, 8. Januar 2007

Echte falsche Zöpfe. Literatur und Musik: Horst Schäfer liest im Darmstädter Jazz-Institut Texte von Lichtenberg

DARMSTADT. So voll war der Keller unter dem Kavaliershaus selten. Das mag an der ungewöhnlichen Mischung aus Jazz und Poesie gelegen haben, gewiss auch an den funkelnden Namen der Akteure und der ungebrochenen Attraktivität von Lichtenberg-Texten. Den Darmstädtern braucht man den Ober-Ramstädter Aphoristiker ebensowenig vorzustellen wie den Schauspieler Horst Schäfer oder den Kontrabassisten Jürgen Wuchner. Sie alle lockten am Freitag ein illustres Publikum literaturbegeisterter Musikliebhaber in den Keller unter dem Darmstädter Jazz-Institut nach Bessungen.

Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799) ist in Darmstadt zur Schule gegangen und war Zeit seines Lebens ein scharfzüngiger Beobachter: „Gott schuf den Weibern die Haare lang und um die Schultern hängend, aber ein Perückenmacher fand für gut, dieses zu ändern und sie hinaufzukämmen.“ Während Schäfer solche Aphorismen vorträgt, bearbeitet Jörg Fischer behutsam sein Schlagwerk. Dank der sauberen Intonation des Schauspielers versteht man die Worte trotzdem, auch wenn das Ohr zwischen den Reizen hin- und hergerissen ist. „Man kann, wenn man in einem schlechten Wagen sitzt, ein solches Gesicht machen, dass der Wagen gut aussieht.“ Gesichtskosmetik hat Schäfer an diesem Abend jedoch nicht nötig, denn mit dem Bassisten Wuchner und dem Schlagzeuger Fischer ist noch der Kölner Saxofonist Wollie Kaiser gekommen. Sie begleiten die Bonmots mit überraschenden Improvisationen über bekannte Motive. Schäfer hat aus den Lichtenberg-Schriften markante Sprüche über modische Torheiten zusammengetragen, beispielsweise über das Küssen oder die Kleidung: "Die Bauernmädchen gehen barfuß und die Vornehmen barbrust.“

Respektlos lässt sich Lichtenberg über die Moden aus, als hätte er die Verlogenheit und Falschheit mancher Comedy-Shows von heute vorausgesehen: " „Hinten hatte er einen falschen Zopf eingebunden und vorne ein frommes Gesicht, das nicht viel echter war.“ Der satirische Biss ist ihm nie abhanden gekommen: "Das Alter ist die tödlichste aller Krankheiten, denn man hat noch kein Beispiel, dass jemand, der davon befallen wurde, davon gekommen wäre. Und doch kann man mit Grunde dabei ausrufen: Schade, dass sie so wenige Menschen bekommen.“ (mand)

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Darmstädter Echo, 11. Dezember 2006

Der Sohn spielt mit. Gespräch zur Musik: Das Ed Kröger Quartet bringt Swing und Groove in den Gewölbekeller

DARMSTADT. Gibt es einen Unterschied zwischen dem amerikanischen Jazz und dem europäischen? Eine Frage, die am Freitag beim Darmstädter Jazz Talk diskutiert wurde. Das Darmstädter Jazzinstitut hatte eingeladen, zu Gast im Gewölbekeller war das Ed Kröger Quartet, zum Quintet verstärkt mit den Gastsolisten Ignaz Linné, einen jungen Altsaxofonisten, der Sohn des Posaunisten Kröger ist.

Zur Frage: Der Unterschied liege vielleicht darin, dass man als Europäer, um sich im Gegensatz zu New York in Bremen oder Berlin wohler zu fühlen, mehr Ruhe und soziale Kontakte habe, in den USA sei das Grundtempo einfach zu hoch, war zu hören. Das erklärt vielleicht auch den unterschiedlichen Werdegang von Vater und Sohn: Die Vätergeneration des deutschen Jazz, darunter auch Ed Kröger, kam über das Spielen zum Studieren. Die jungen Leute finden über das Studium – Ignaz Linné studierte in Boston – zum Spielen.

Kröger kann mitprägen an der Jazzszene in Deutschland, er ist auch international anerkannt, hat eine bemerkenswerte Posaunenschule geschrieben und bereits mit einer illustren Schar deutscher wie internationaler Jazzmusiker zusammengespielt. Stilistisch ist er auf seiner Zugposaune von J. J. Johnson beeinflusst, dessen elegant-geschmeidigen Stil er übernommen hat. Jahrelang hat dieser Posaunist zudem ausschließlich Klavier als Hauptinstrument gespielt.

Er spiele „Modern Jazz im Sinne von Bop, Neobop und Hardbop“, erklärt er und verwirklicht es rein akustisch und ohne Mikrofon in geradezu klassischer Weise in seinem Quintet mit Ignaz Linné (Altsaxofon), Vincent Bourgeyx (Klavier), Scott White (Bass) und Heinrich Köbberling (Schlagzeug). Vorbild sind ihm und seinen Mitspielern Kompositionen von Wayne Shorter, Benny Golson und Thelonious Monk, aber auch eigene Stücke mit langen Soli der Bläser, durchlaufenden Schlagzeug-Exchanges oder kürzeren Bass-Statements.

Dabei überzeugen die geschliffenen Bläsereinsätze, die teilweise skurrilen Klaviereinwürfe und die grundsolide Rhythmusarbeit. Und gerade das eloquente Spiel auf einem im modernen Jazz nicht gerade oft zu hörenden Instrument wie der Posaune fand besondere Beachtung bei den zahlreichen Zuhörern. (Ulfert Goeman)

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Beitrag: Jazz goes Pop goes Jazz. Der Jazz und sein gespaltenes Verhältnis zur Popularmusik
Sendung: NOW Jazz Magazin (SWR)
Termin: 3.12.2006
Timing: ca. 5’15’’
Autorin: Nina Polaschegg
Redaktion: Reinhard Kager

Anmoderation:
Alle zwei Jahre richtet das Darmstädter Jazzinstitut ein Symposium aus. Im Herbst 2005 stand das Thema Jazz und sein gespaltenes Verhältnis zur Popularmusik im Zentrum. Jetzt sind die Vorträge in einem Symposiums-Band nachzulesen. Erschienen ist das Buch im Wolke-Verlag Hofheim. Nina Polaschegg hat es gelesen.

Musik1: CD It’s Later Than You Think, Cut 1 1’46’’ – 2’00’’
T: Smoke gets in your eyes, C: Jerome Kern, arr. Colin Towns, I: NDR Bigband / Norma Winston, Universal 0602517050426

Moderation 1 : ca. 2’00’’
„Jazz goes Pop goes Jazz. Der Jazz und sein gespaltenes Verhältnis zu Popularmusik“ nennt sich dieses Buch, das Wolfram Knauer als Leiter des Darmstädter Jazzinstituts herausgegeben hat. Musikwissenschaftler, Publizisten und Veranstalter diskutierten über das Thema „Jazz und Pop – Verrat oder Chance?“. Erwartungsgemäß sehen die meisten Autoren die aktuellen Annäherungen des Jazz an den Pop eher als Chance denn als Verrat. Verrat dürfe man nur konstatieren, wenn man Kriterien entwickle, so Knauers einleitende Worte. Anfügen müsste man freilich, dass selbige Argumentationskriterien auch für die Beurteilung dieser Tendenzen als Chance entwickelt werden müssten. Diese fehlen allerdings.
Martin Pfleiderer geht den Ursprüngen der Charakteristika von Popularmusik nach. Peter Kemper unterscheidet elementare Merkmale von Pop und Jazz: konstante Wiederholungen stehen für Pop und stete Variationen (etwa in Form von Improvisation) für den Jazz. Daher hält Kemper es auch für gefährlich, leichtfertig Elemente des Pop auf den Jazz zu übertragen. Eine Chance sieht er eher in einem „Grenzgängertum“. Hier sucht er nach Kriterien, die allerdings leider nicht mit Beispielen illustriert werden.

Dass sich Jazz und Pop seit dem Beginn der Jazzgeschichte immer wieder begegnet sind, wird in mehreren der Beiträge thematisiert. Erst im Laufe der 50-er Jahre entwickelte sich ein Kunstanspruch im Jazz. Zugleich trat auch eine neue Popularmusik ins Leben der Menschen: der Rock’n’Roll. Dieser beeinflusste seit den 70-er Jahren auch den Jazz. Als Veranstalter und Rundfunkautor stand Joachim Ernst Berendt quasi zwischen den Stühlen. Abwechselnd vertrat er den Kunstanspruch des Jazz, um dann doch wieder mit dem publikumsträchtigen Rock- und Popjazz zu liebäugeln. Andrew Hurley beschreibt diese Ambivalenzen.

Musik 2: CD Miles Davis „Bitches Brew“, Cut 1, 2’32’’ – 2’50’’
T: Pharaoh’s Dance, K: Joe Zawinul, I: Miles Davis, Joe Zawinul, Wayne Shorter, Lenny White, Bennie Maupin, Chick Corea, Jim Riley, CBS 66236, LC 0149

Moderation 2 : ca. 2’50’’
Miles Davis gilt als einer der ersten Fusionmusiker. Er schrieb die Jazzgeschichte weiter. Aber schon bei ihm war der Fusion auch ein gewisser kommerzieller Aspekt eigen, schreibt Fabian Holt. Ein neues Genre zwischen Jazz und Pop könne auch heute entstehen. Allerdings glaubt er, dass dieses neue Genre heute eine wesentlich stärkere Nähe zum Pop haben würde als die Fusions der 70-er Jahre zum Jazz. Eine durchaus interessante These, die plausibel wird, wenn man den Aufsatz von Andreas Felber weiterdenkt. Für Felber unterscheidet sich der damalige, instrumentale Fusionjazz entscheidend vom heutigen Popjazz, der meist (wie für den Pop typisch) Sängerinnen vermarktet.

Überhaupt hätten sich die Hörgewohnheiten gewandelt. Schon Wolfram Knauer erwähnte, dass den Hörern heute nicht mehr die Konzentration auf ein musikalisches Genre, also das Spezialistentum wichtig sei. Andreas Felber bezieht sich in seiner ähnlichen Argumentation auf Untersuchungen amerikanischer Kultursoziologen. Als kulturelles Statussymbol zählt nicht mehr das Opernabonnement, sondern die Betonung der Offenheit gegenüber verschiedenen stilistischen Richtungen. Hiermit das erneute Publikumsinteresse am vokalen Popjazz zu erklären, ist schlüssig, gerade wenn man Felbers Beobachtungen weiterdenkt und überlegt, ob diese Offenheit auch über die Grenzen des Popjazz bis zum traditionellen Jazz reichen kann.

Dass aber auch Popjazz unter der Rubrik Jazz verkauft und als reiner Marktfaktor gesehen wird, machte in einer dokumentierten Roundtable-Diskussion zur Marktsituation des Jazz in Deutschland Veit Bremme deutlich. Er ist Vertreter einer großen Agentur. Da kann man die Forderung des mitdiskutierenden und erfahrenen Veranstalters Rainer Michalke nicht genug betonen: ästhetische Bildung zu forcieren – und zwar die des Publikums ebenso wie jene der Musiker.

(Fazit:) Neben interessanten Diskussionsanregungen, etwa von Fabian Holt, Wolfram Knauer, Peter Kemper oder Andreas Felber, finden sich auch schlichte und informierende Beiträge – wie etwa derjenige von Frithjof Strauß. Anhand der beiden populären Labels ECM und Act beschreibt er den Erfolg von skandinavischen Jazzströmungen.

Insgesamt hätte man sich am Ende eines solchen Symposiums eine Leitidee gewünscht, anhand deren etwa Beschreibungs- und Wertungskriterien entwickelt werden könnten oder man die einzelnen Aufsätze aufeinander beziehen könnte. “Offenheit“ zu bekunden, ist heute kein Standpunkt mehr, sondern eine Selbstverständlichkeit. Man könnte, einen Satz des Herausgebers paraphrasierend, sagen: „Offenheit“ darf nur noch bekundet werden, wenn Kriterien angeboten werden, weshalb und wann diese Kategorie mehr wäre als der Ausdruck einer kulinarischen Gleichgültigkeit.

Musik 2: CD „Isn’t this a Lovly Day, Cut 2 0’22’’ – 0’50’’
T: From This Moment on, K: Jimmy Van Heusen, Johnny Burke, I: Diana Krall, Gerald Clayton, Hamilton Orchestra, Universal / Verve 2006

Abmoderation:
Nina Polaschegg stellte Ihnen den Symposiumsband „Jazz goes Pop goes Jazz. Der Jazz und sein gespaltenes Verhältnis zur Popularmusik“ vor. Herausgegeben hat ihn Wolfram Knauer vom Jazzinstitut Darmstadt. Erschienen ist er im Wolke-Verlag Hofheim. Es hat 250 Seiten und kostet
22,- Euro.

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Deutschlandfunk – Jazzfacts
Sendedatum: 01.12.06
Buchrezension: Jazz goes Pop goes Jazz
Autor: Bert Noglik
Länge: 6’00“
Sendemanuskript

CD RCA Victor 80th Anniversary
Vol. 2 1930 – 1939
0’11” Track 15: Benny Goodman & His Orchestra: Don’t Be That Way

Musik aus der Ära der Swing-Big-Bands, Jazz, gewissermaßen vor dem Sündenfall, der mit dem Bebop in den kleinen Klubs von New York, der mit der Umdeutung einer mehrheitstauglichen Musik in eine Klangwelt von Insidern begann. Was macht den Jazz populär, wo wird er zu einer esoterischen Kunstsprache, wo zu einer stromlinienförmig angepassten Massenware. Es waren Fragen wie diese, die das Darmstädter Jazzforum beschäftigte – historische, ästhetische, wirtschaftliche und brennend aktuelle. Jazz goes Pop goes Jazz – Verrat oder Chance – das thematisiert Wolfram Knauer, der die Konferenz geleitet und den Band mit einer Vielzahl von Beiträgen zur Fragestellung herausgeben hat, bereits im Vorwort – von Verrat kann im Grunde nur die Rede sein, wenn Grundwerte vereinbart sind – als da wären – Improvisation, Individualität, gelebter Selbstausdruck. Doch wie verhält es sich mit diesen Tugenden in einer sich verändernden Musiklandschaft, in der der Jazz gegenwärtig in einen intensiven Dialog mit der Pop-Musik tritt wie schon lange nicht mehr. „Die Schubladen der CD-Warenhäuser“, so Wolfram Knauer, „werden immer fragwürdiger, wenn sich ihr Publikum vom Spezialpublikum zu einem Publikum der Grenzgänger wandelt.“ Neben Reflexionen und Analysen zum gegenwärtigen Geschehen gibt es historische Rückblicke und theoretische Grundsatzüberlegungen zum Thema Jazz und Popularität. So befasst sich ein Aufsatz von Fabian Holt mit dem Wechselspiel zwischen Jazz und Rockmusik in den sechziger Jahren. Andrew Hurley beschreibt das ambivalente Verhältnis von Joachim-Ernst Berendt zum Popularitätspotential des Jazz, wobei dessen Vision, der Jazz möge zur Überwindung der Kluft zwischen sogenannter ernster und unterhaltender Musik beitragen, auch heute so unzeitgemäß nicht anmutet. Eben da könnte eine Chance liegen, doch wer nutzt sie und wie.

CD Daer/Sieverts/Jütte: Germany 12 Points
0’15“ Track 1: Du kannst nicht immer 17 sein

Das Trio des jungen deutschen Pianisten Carsten Daer auf den Spuren des Schlagerkomponisten Ralph Siegel. „Jazzmusiker“, schreibt Jürgen Schwab in seinem Beitrag „New Standards – die (gar nicht mal so) neue Lust am Covern“, „Jazzmusiker wagen sich heute vermehrt an Material, dass sie früher nicht einmal mit spitzen Fingern angefasst hätte.“ Nils Landgren covert die Songs von ABBA, „The Bad Plus“ ziehen über Hardrock-Klassiker her, Christopher Dell improvisiert über Melodien von Bert Kaempfert. Die Motive erscheinen vielfältig. Jürgen Schwab nennt einige: Materialermüdung, Programmzwänge, Marketingchancen. Auch Andreas Felber sieht Resultate des aktuellen Flirts von Jazz und Popmusik u.a. in der Erweiterung des Repertoires – Zitat: „Es wird gecovert, was das Zeug hält“. Andererseits beschreibt er den „Vocal Jazz Hype“ als eine Art Mogelpackung, als vokalen Jazz im Popgewand.

CD Rebekka Bakken: I Keep My Cool
0’15” Track 5: Love May Be Heart

Peter Kemper nähert sich der Frage „Jazz Goes Pop“ im kulturphilosophischen Diskurs. „All die popinfektionösen Prozesse, die dem Jazz in den siebziger Jahren qua Miles Davis und anderer Jazzrock-Neuerer sein Fortleben sicherten,“ so Kemper, „können ihn heute gefährden.“ Aber: Miles Davis, immer noch eines der interessantesten Rollenmodelle in dieser Musik, hat die Haltung eines Jazzmusikers eigentlich nie verlassen; er hat Elemente der Rockmusik assimiliert, um sie strategisch einzusetzen, freilich auch, weil ihn die neuen Möglichkeiten des Klanges fasziniert haben. Vor allem im Typus des Grenzgängers sieht Peter Kemper eine Chance für den Jazz. Und er beschreit den Grenzgänger als einen risikofreudigen Gesellen, der mit den Abgrenzungen spielt, der die Differenzen aufbricht und die Klischees ironisiert. All das bleibt im musikpraktischen Sinne ebenso eine Gratwanderung wie in der musiktheoretischen Betrachtung. Am radikalsten beleuchtet ein DJ das Thema, DJ Spooky, der Philosoph unter den Plattenauflegern. Er begreift die DJs als moderne Griots, also als Geschichtenerzähler im Dschungel simultaner Mitteilungen, als Improvisatoren im Sinne einer modernen Comedia dell’arte, die sich digitaler, elektronischer Mittel bedient. „Ich kann“, sagt er, „vielleicht nicht kochen, aber ich weiß, wie man die Mikrowelle bedient.“

CD Thirsty Ear Blue Series – Sampler
0’10“ Track 9: DJ Spooky & Dave Lombardo: A Darker Shade Of Blake

Nach der 270 Seiten umfassenden teils illusteren, teils anstrengenden, überwiegend spannenden Lektüre des Bandes „Jazz Goes Pop Goes Jazz“ bekommt man zwar keine fertigen Antworten, aber eine Vielzahl von Detailerkenntnissen, von Anregungen, über das facettenreiche Thema nachzudenken und es aus unterschiedlichen Blickwinkeln wahrzunehmen. Ein Fazit wird wohl keiner erwarten, zumal bei einem im Prozess befindlichen Wechselspiel zwischen Jazz und Pop-Musik. „Ob das Ergebnis der gegenseitigen Beeinflussung noch den Namen ‚Jazz’ tragen wird,“ wagt Wolfram Knauer einen Blick in die Zukunft, „bleibt abzuwarten.“

CD e.s.t.: Seven Days Of Falling
0’17“ Track 8: In My Garage

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Bessunger Neue Nachrichten, 24. November 2006

International beachtete Jazz-Grundlagenlektüre für Fans und Forscher. "Selbst in den USA spricht man von Darmstadt“

(mow). „Der Jazz war mal die Popmusik der dreißiger Jahre“, sagte Wolfram Knauer, Direktor des Darmstädter Jazz-Instituts. Warum sich das auseinanderentwickelt hat, untersuchte das Institut Ende September 2005 während des 9. Darmstädter Jazz-
Forums. Vor wenigen Tagen erschien nun die Sammlung der Referate als Buchband in der Reihe "Darmstädter Beiträge zur Jazzforschung“.

Das Buch ist laut Jazz-Institut das erste auf dem Markt, das sich der Beziehung zwischen Jazz und Pop widme. Neben den Ursachen der Trennung von Jazz und Pop wurde untersucht, was Musik populär macht. "Da wir auch immer darauf achten, Kollegen aus der Praxis dabei zu haben, sind die Diskussionen unheimlich lebendig“, beschrieb Knauer die Atmosphäre der Tagungen. Inzwischen sei die Nachfrage nach englischsprachigen "Beiträgen zur Jazzforschung“ gestiegen, so daß geplant ist, die Reihe zu übersetzen. Ein sogenannter "Best of“-Band wird den Anfang machen.

Oberbürgermeister Walter Hoffmann lobte bei der Buchvorstellung im Jazz-Institut im Kavaliershaus des Bessunger Jagdhofs die Buchreihe als "eine international beachtete Grundlagenlektüre für Fans und Forscher.“ Und die Arbeit des Instituts sei international weit geachtet. "Selbst amerikanische Forscher wenden sich nach Darmstadt“, sagte der OB. "Selbst, wenn in den USA vom Jazz-Institut gesprochen wird, sprechen die Leute von Darmstadt“, bestätigte Wolfram Knauer die Außenwirkung des Instituts.

Arndt Weidler vom Jazz-Institut berichtete von weiteren Arbeiten seines Instituts. So hatte er mit der "Bundeskonferenz Jazz“ den Bundestag-Kulturausschuß besucht und dort über die deutsche Jazz-Szene berichtet: "Der Szene geht es im Augenblick gut und sie professionalisiert sich zunehmend.“

Etwas, was auch Direktor Knauer vom letzten "German Jazz Meeting“ bestätigen kann: „Es ist eine Musikergeneration herangewachsen, die weiß, daß man die Leute mitreißen muß.“ Allerdings würden andere Länder ihre Musiker besser vermarkten. "Die föderale Struktur Deutschlands macht es schwieriger.“

Der Mühltaler Musiker Holger Henning bestätigte: "Die Vermarktung bleibt an den Musikern selber hängen. Schweden subventioniert seine Musiker, Frankreich hat sogar ein Musik-Exportbüro.“

Allerdings habe Deutschland eine hervorragende Infrastruktur, erklärt Knauer. In Deutschland gäbe es viele kleine Spielorte. "In
Frankreich ist für Jazz nach Straßburg der nächste Ort erst Paris.“

Neben dem Darmstädter Jazz-Forum alle zwei Jahre veranstaltet das Jazz-Institut Workshops wie mit der Bessunger Knabenschule. Wolfram Knauer hofft mit seiner Arbeit, dem Jazz den Schein des Elitären zu nehmen, denn das sei "ein ganz spezifisch deutsches Problem“. Daran sei auch die GEMA, die die Musikerrechte verwertet, mit beteiligt. Knauer erklärte, daß die GEMA E-Musik (ernste Musik) besser entlohne als die U-Musik (Unterhaltungsmusik). "Nur was niedergeschrieben ist, wird als Kunst wahrgenommen. Improvisation zählt nichts.“ Das beeinflußte schließlich auch das Verhalten und „die Musiker haben schwarze Pullover angezogen.“

Aber man kann Jazz auch "mit dem Bauch hören.“ Und ob man Jazz auf englisch wie "Dschäzz“ oder deutsch "Jazz“ ausspreche, sei auch egal.

Das Buch: Jazz goes Pop goes Jazz. Der Jazz und sein gespaltenes Verhältnis zur Popularmusik, herausgegeben von Wolfram
Knauer, Hofheim 2006 (Wolke Verlag), ISBN 3-936000-03-4, Preis: 22 Euro.

[Website der Quelle: http://ralf-hellriegel-verlag.de]
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Frankfurter Rundschau, 16. November 2006:

Jazzinstitut genießt weltweit Renommee. Selbst Musikexperten in den USA schätzen das Haus / Buch "Jazz goes Pop goes Jazz" erschienen

Das Jazzinstitut ist weltweit das drittgrößte Dokumentationszentrum seiner Art. Die Buchreihe "Darmstädter Beiträge zur Jazzforschung" stößt in der Expertenwelt auf große Resonanz. Nun ist Band neun erschienen,d er sich dem gespaltenen Verhältnis von Jazz zu Pop widmet.

Darmstadt - "Verrat! Oder Chance?" So war das 9. Darmstädter Jazzforum überschrieben. Musikwissenschaftler, kritiker und Jazzmusiker - darunter der Journalist Peter Kemper oder der Pop-Ästhetiker Diedrich Diederichsen - beschäftigten sich in diesem Symposium mit dem Verhältnis von Jazz zur Populärmusik. Nun liegen ihre Beiträge als Buch mit dem Titel "Jazz goes Pop goes Jazz" vor.

Weltweites Renommee genießt nicht nur die Schriftenreihe "Darmstädter Beiträge zur Jazzforschung". "Selbst amerikanische Forder wenden sich an Darmstadt", sagt Oberbürgermeister und Kulturdezernent Walter Hoffmann (SPD) und füght scherzend hinzu: "Wir versuchen uns kulturell stärker ins Rhein-Main-Gebiet auszurichten - das Jazzinstitut ist schon einige Schritte weiter."

Nicht allein die Forschung und die Pflege des umfangreichen Archivs mit Büchern, Zeitschriften, Tonträgern und Bildmaterial ist Aufgabe des 1990 gegründeten Instituts. "Die Verbindung von Theorie und Praxis ist uns sehr wichtig", betont Institutsleiter Wolfram Knauer. Dazu gehören regelmäßige Konzerte und der Musiker-Austausch.

"Das Kavaliershaus in Bessungen ist kein Elfenbeinturm", sagt er in Anspielung auf die ehemalige Funktion des herrschaftlichen Hauses, in dem die Einrichtung ihre Räume bezieht. Alle zwei Jahre gibt das Institut den "Wegweiser Jazz" heraus. Darin sind Hunderte von Adressen von Veranstaltern, Festivals oder Bands verzeichnet.

Im kommenden Jahr wird die vom Jazzinstitut konzipierte Ausstellung "Deutscher Jazz/German Jazz" von München aus um die Welt ziehen. Sie wird in 30 Ländern zu sehen sein.(Frank Schuster)

[Website der Quelle: http://www.fr-online.de]
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Darmstädter Echo, 16. November 2006:

Eine Trompete fürs Archiv. Buchvorstellung: Wissenschaftler und Musiker diskutieren in einem neuen Band der Darmstädter Beiträge zur Jazzforschung die oft kritisierten Verbindungen zur Popmusik

DARMSTADT. Das Jazzinstitut Darmstadt und Oberbürgermeister Walter Hoffmann haben gestern den neunten Band der Darmstädter Beiträge zur Jazzforschung vorgestellt. Unter dem Titel „Jazz Goes Pop Goes Jazz. Der Jazz und sein gespaltenes Verhältnis zur Popularmusik“ fragen die Autoren, ob der Wechsel von Musikern zwischen dem eher als Kunstform gesehenen Jazz und dem Pop als Verrat oder als Chance gesehen werden solle, um mehr Menschen für den Jazz zu interessieren.

Der Band fasst die Beiträge des neunten Darmstädter Jazzforums vom Herbst 2005 zusammen. Bei der Tagung, die das Institut alle zwei Jahre in Darmstadt veranstaltet, kamen neben Wissenschaftlern wie Martin Pfleiderer und Andrew Hurley auch Musiker zu Wort, die jetzt auch im Buch über ihre Erfahrungen berichten. Im Beitrag „Bunte Musik“ schreibt Doris Schröder vom Jazzinstitut über Bilder zum Jazz, so dass auch die bildende Kunst im Band vertreten ist. Der Darmstädter Oberbürgermeister Walter Hoffmann bezeichnete die Darmstädter Beiträge als „international anerkannte Lektüre“, die für Fans und Wissenschaftler gleichermaßen geeignet sei.

Der Leiter des Jazzinstituts, Wolfram Knauer, konnte dem Bürgermeister einen Neuzugang für das Archiv präsentieren: die Trompete des Frankfurters Carlo Bohländer. Der Trompeter gilt als einer der ersten Jazztheoretiker Deutschlands, war Lehrer von Albert Mangelsdorff und spielte fünf Tage nach Ende des Zweiten Weltkriegs das erste Jazzkonzert Deutschlands nach 1945. Knauer sagte, das Archiv sei das größte seiner Art in Europa und für jeden zugänglich. Auch aus den USA habe es schon Anfragen gegeben. Neben der Archivtätigkeit zeichnet sich das Jazzinstitut auch durch seine regelmäßigen Konzerte im Gewölbekeller aus. Diese Verbindung zwischen wissenschaftlicher Arbeit und Livemusik bleibt laut Knauer auch im nächsten Jahr gewährleistet: Das Forum mit dem Titel „The World Meets Jazz“ vom 4. bis 7. Oktober 2007 ist bereits in Vorbereitung. Dabei werden, so Knauer, „die Dialekte des Jazz in aller Welt“, im Mittelpunkt stehen.

Als Beispiel für die zahlreichen Kooperationen des Instituts und die „Lobbyarbeit“ für den deutschen Jazz nannte Knauer die Ausstellung „Deutscher Jazz / German Jazz“. Sie wurde von Doris Schröder konzipiert, und die deutschen Goetheinstitute werden sie ab 2007 in vielen Ländern der Welt, unter anderem in Brasilien und in den USA, zeigen. (mst)

[Website der Quelle: http://www.echo-online.de]
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Darmstädter Echo, 14. November 2006:

Improvisationstalent und technische Perfektion. Jazz-Gespräch: Der Posaunist Nils Wogram und sein Projekt „Root 70“ präsentieren sich und ihre Musik in Darmstadt

DARMSTADT. Im Zentrum des Jazz-Talk im Gewölbekeller unterm Darmstädter Jazz-Institut standen am Freitag der 1972 in Braunschweig geborene Posaunist Nils Wogram und sein Projekt „Root 70“.

Hinter dem Namen steht eine Gruppe junger Jazzmusiker, die ihre persönliche Nähe in einem homogenen Bandsound abbilden. Bandleader Nils Wogram schickt sich dabei an, in die Fußstapfen des im vorigen Jahr verstorbenen Albert Mangelsdorff zu treten. Zusammen mit dem aus Neuseeland stammenden Altsaxofonisten Hayden Chrisholm erzielt er melodische Strukturen, die an die legendären Experimente der Amerikaner Gerry Mulligan mit Bob Brookmeyer oder Chet Baker aus der fünfziger und sechziger Jahren erinnern.

„Root 70“ führt die kammermusikalische Tradition des Cool-Jazz weiter und öffnet das Spektrum für zeitgenössische Harmonieeffekte. Voll integriert in die Abläufe sind der in London lebende Kontrabassist Phil Donkin und der junge amerikanische Schlagzeuger Ted Poor.

Im Gespräch mit Wolfram Knauer, dem Direktor des Jazz-Instituts, stellte sich dann heraus, dass dieses Ensemble schon aus geographischen Gründen wenig Zeit zum Einüben bestimmter Sequenzen hat, was aber auf der anderen Seite Improvisationstalent und technische Perfektion in den Vordergrund der Musik rückt. Darüber verfügt das Quartett in hohem Maße, sei es bei balladesken, kontemplativen Kompositionen oder lebhaften, vom Bebop bestimmten Passagen. Es fehlt nichts vom Instrumentarium kreativer Jazzmusiker: Häufige Rhythmuswechsel, komplexe Unisono-Passagen der Blasinstrumente und solistische Exkursionen aller Mitwirkenden wechseln sich in spannender Weise ab. Dabei wird auf Mikrofone weitgehend verzichtet und die Zimmerlautstärke selten verletzt.

Zwar stammen die Stücke fast alle aus der Feder des Bandleaders, sie werden aber schnell zum gemeinsamen Eigentum der Gruppe. „Wir versuchen, nicht als vier Einzelspieler aufzutreten, sondern einen Sound zu schaffen, bei dem sich die einzelnen Stimmen gut mischen“, sagt Nils Wogram.

Im zweiten Teil des Konzerts betrat dann überraschend noch ein Cellist die Bühne: Das wies auf den künftigen Weg der Gruppe hin, die sich von der Hereinnahme zusätzlicher Streicher weitere Impulse erwartet. (hdv)

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Darmstädter Echo, 23. Oktober 2006:

Welt der Schwingungen. Musik im Gespräch: Der Perkussionist Hakim Ludin im Darmstädter Jazzinstitut

DARMSTADT. Hakim Ludin kommt aus einem Land, dessen zeitweilige Herrscher Musik jeglicher Form zu unterdrücken suchten. Als er 16 Jahre alt war, lernte er in Kabul bei einem südindischen Meister die hohe Kunst des Tablaspielens. Als er vor über 30 Jahren nach Deutschland kam, war die Begeisterung für die Musik groß. Die Ausbildung zum Orchestermusiker war ein erster Schritt, doch seine spirituelle Energie wies ihm neue Wege. Sein Auftritt am Freitag beim „Jazztalk“ im Darmstädter Jazzinstitut war eine gelungene und begeisternde Einführung in die vielgestaltige Welt der Perkussion, der begleitenden und heilenden Schwingungen.

Anschaulich führte der Solo-Perkussionist vor, wie Melodie und Rhythmus schon in der kleinsten Rahmentrommel mit den obligatorischen zwei Schellen vorhanden sind, einer sogenannten Handtrommel mit Schlangenhaut, die zumeist nur mit einer Fingerkuppe gespielt wird. In Afghanistan bauten die Könige einmal Gärten, in denen die Frauen große Rahmentrommeln spielten, die mit Ziegenfellen gespannt waren. Punktuelle rhythmische Schläge und von den wirbelnden Händen verursachte Wellen entzückten das Ohr.

Neben den inzwischen weit verbreiteten Wassertrommeln aus Kürbissen gibt es etwa die Cabazas, afro-brasilianische Rasseln mit einem Netz aus Perlen. Doch ist es vor allem die Cajon, die für Ludin bei der Begleitung etwa von Konstantin Wecker, Hannes Wader und Bettina Castano eine herausragende Rolle spielt. Eigentlich handelt es sich nur um eine Holzbox, auf der man sitzt, die man von vorne bearbeitet. Sie hat einen weiten Weg vom indischen Kathak zum spanischen Flamenco zurückgelegt. Die Veränderungen der Tonhöhen traut man ihr überhaupt nicht zu. Zum Ende dürfen dann die Congas nicht fehlen, die der kubanischen Clave-Musik besonderes Flair verleihen, und die unterschiedlich großen Bongotrommeln, die primär ein Zwiegespräch zwischen Mann und Frau nachempfinden und mit allen anderen Perkussionsinstrumenten für Frieden, Respekt und Toleranz stehen. So empfinden es Ludin und auch seine beeindruckten Zuhörer. (Ulfert Goeman)

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Darmstädter Echo, 28. Juli 2006:

Aus der Krabbelstube nach Harvard. Jury kürt im zweiten Jahr Komponistin Karola Obermüller

DARMSTADT. „Ausschlaggebend ist die Gesamtwahrnehmung einer Person“, begründete Cord Meijering, Direktor der Akademie für Tonkunst, gestern die Entscheidung, den Darmstädter Musikpreis in diesem Jahr an die Komponistin Karola Obermüller zu vergeben. Als die Jury ihre beiden Musikbeispiele gehört habe, habe man sich schnell auf sie als Empfängerin der diesjährigen Auszeichnung geeinigt, erklärte der ehemalige Oberbürgermeister Peter Benz, Vorsitzender des Förderkreises Kultur.

Gemeinsam mit der Sparkasse Darmstadt lobt der Förderkreis den Preis seit dem vergangenen Jahr jährlich aus, erster Preisträger war der Vibraphonist Christopher Dell. Man habe den vielen Literaturpreisen einen allgemeinen Musikpreis entgegensetzen wollen, sagt Benz. Bisher gebe es nur alle zwei Jahre den Kranichsteiner Musikpreis, der an die Internationalen Ferienkurse gebunden sei. Nominiert werden können nicht nur Komponisten und Solisten, sondern auch Ensembles oder Musikwissenschaftler. Der Preis wird nicht ausgeschrieben.

Sieben Jurymitglieder bringen Vorschläge ein. Im Komitee sitzen neben Benz und Meijering der Generalmusikdirektor des Staatstheaters Stefan Blunier, der Geschäftsführer der Centralstation Michael Bode-Böckenhauer, der Direktor des Jazz-Instituts Wolfram Knauer, der Direktor des Internationalen Musikinstituts Solf Schaefer und Kulturamtsleiter Helmut Stütz.

Nach ihrer Nominierung gibt es für die selbstbewusste junge Frau wahrlich „Nichts Fettes, Nichts Süßes“ – so der Titel der ersten Komposition, die die Jury überzeugte –, sondern Bares: Der Darmstädter Musikpreis ist mit 5000 Euro dotiert. Obermüller erhält die Auszeichnung am 17. November 2006 bei einem Preisträgerkonzert im Kundencenter der Sparkasse in der Rheinstraße.

Anstatt „Wutfetzen“ – so heißt das zweite überzeugende Stück – gab es für die 1977 in Darmstadt geborene Komponistin, die ohnehin gerne lacht, also nur Grund zur Freude. Für sie schaffe der Preis eine noch engere Verbindung zur Heimatstadt. „Seit ich in Amerika lebe, bin ich Darmstadt viel näher“, sagt sie. „Ich bin jetzt für drei Monate hier und entdecke Darmstadt ganz neu.“

Vielleicht hat sie in den letzten Jahren einfach auch einen anderen Blick entwickelt, nachdem sie viel in der Welt herumgekommen ist. Jurymitglied Solf Schaefer erinnerte die Komponistin an ihre kindlichen Anfänge in der „musikalischen Krabbelstube“, einer inzwischen seit 15 Jahren bestehenden Kinderkompositionsklasse an der Darmstädter Akademie für Tonkunst. Schon dort sei sie bei ihrer theoretischen, Gesangs-, Gehör- und Instrumentalausbildung angenehm aufgefallen.

Nach ihrem Abitur studierte Karola Obermüller Komposition in Nürnberg bei Volker Blumenthaler, hängte ein Aufbaustudium in Saarbrücken bei Theo Brandmüller dran und absolvierte das Konzertexamen Komposition 2003 mit Auszeichnung. Dirigieren und Elektronische Musik studierte sie am Mozarteum in Salzburg bei Adriana Hölszky. Studienaufenthalte führten sie nach Indien und Paris. Noch 2003 erhielt Obermüller ein Stipendium für ein Promotionsstudium in Komposition an der Harvard University in Amerika, wo sie als Promotionsarbeit eine Oper vorbereitet und in ihren Studien sowohl indische als auch elektronische Musik vertiefte.

Doch was für Musik macht sie eigentlich? „Neue Musik“, setzt sie an, gerät ins Stocken, „es ist ein bisschen schwierig mit der Begrifflichkeit.“ Immerhin, ihre Musik werde auch da gespielt, wo klassische Musik gespielt werde. Meijering hilft aus: einfach zeitgenössische Kammermusik und Opernmusik. Sehr vage Beschreibungen für den, der noch nichts von Karola Obermüller gehört hat. Einen Eindruck von ihrer Musik kann man sich am 19. August bei dem Abschlusskonzert der Internationalen Ferienkurse für Neue Musik in der Orangerie verschaffen. Dort stellt sie ihr Kammermusikstück „Helical“ vor. (Andrea Stütz)

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Frankfurter Rundschau, 24. Juli 2006:

Gong auf dem Scheitel. Das Abschlusskonzert von Jürgen Wuchners Jazz Conceptions

Jürgen Wuchner schwitzt, Jürgen Wuchner ächzt - dem stämmigen Bassisten wird an diesem Abend eine Menge auf den Buckel gepackt. Die Organisation der 15. Auflage der Jazz Conceptions, die stemmt er ohnehin. Aber im Abschlusskonzert der Workshop-Woche, die seit 1992 vom Trägerverein der Bessunger Knabenschule und dem Jazzinstitut Darmstadt angeboten wird, kommt es dann richtig hart: drückende, schwüle Hitze über der Stadt und ein Finale mit voll besetztem Haus.

Wuchner ist im Dauereinsatz, wenn sich wie jedes Jahr Dozenten, Kursteilnehmer und Jazzkundige in der Bessunger Knabenschule treffen zum letzten Konzert der Jazz Conceptions: Er spielt, organisiert und moderiert. In kleinen und großen Ensembles haben die Teilnehmer tagsüber mit den Dozenten gearbeitet, eine Woche lang wurde danach jeweils in Darmstädter Clubs gejammt - eine kreative, aber auch nervöse Arbeits-Atmosphäre, die auch am Abschlussabend noch spürbar ist.

Der Witz der Wiederholungstäter

Zur Einstimmung versammelt Wuchner die Mitglieder seines Bigband-Workshops, darunter jede Menge "Wiederholungstäter". So nennt Wuchner alle, die den Conceptions seit Jahren die Treue halten. Das doppelte Dutzend, das da vor dem emsigen Dirigenten auf der Bühne hockt und steht, ist eine verkappte Working Band des Bassisten, die sich mit Akribie und Übermut der kauzigen Stücke ihres spiritus rector annimmt. Die Axt im Haus erspart Mathilde den Anruf bei der Oma zum Beispiel. Solcherlei subtile Titel kennt man sonst vom HR-Jazzensemble und Heinz Sauer.

Eine rhythmisch vertrackte Melange aus Ensemblestück und Marschmusik ist das, versetzt mit ulkigen Tango-Klängen, Solo reiht sich an Solo, Querflöte, Bassklarinette, Tenor…und alles bei mehr als 30 Grad im kleinen Schulsaal.

Die hat es auch nach der Pause, wenn ein illustres Quintett - der Gastgeber jetzt am Kontrabass - einen knapp 20-minütigen Ausflug ins freie Spiel wagt. Mit einer Handtuchattacke auf Becken und Gongs startet Günther Baby Sommer, Christopher Dell legt wunderbare Tupfer aufs Vibraphon, parliert mit der Stromgitarre von Frank Möbus, und über all dem schweben die Rufe von Christoph Thewes, der als einziger Bläser im Rund viel Raum für seine Posaune hat.

Sommer platziert einen seiner schmucken Gongs auf den grauen Scheitel und sieht unversehens aus wie Don Quichotte. Schlägt den Gong an mit bitterer Miene. Ein Clown mit überaus ernsten musikalischen Absichten. Unerbittlich treibt er an im düsteren Billy-Holiday-Song, der folgt. Ute Jeutter erzählt von den seltsamen Früchten in Alabamas Bäumen, singt auch das gespenstische Weird Nightmare von Charles Mingus und vom altvertrauten Pork Pie Hat.

Soweit, so gut, aber es fehlt immer noch einer der Dozenten: Reimer von Essen, der Leiter der Barrelhouse Jazzband. Ein Klarinettist des Oldtime Jazz inmitten der freien Geister? Kaum ist er auf der Bühne, spielt man sich unbekümmert durch I got rhythm', blickt weiter noch zurück in die Jazzhistorie mit dem ältesten Stück des Abends: After you're gone, ein Blues aus dem Jahr 1918, der so frisch klingt, als hätten ihn Creamer und Layton gerade eben komponiert.

Vom Publikum zuerst ungläubig belächelt, wird das Sextett mit frenetischem Beifall gefeiert - so also kann er klingen, der gute alte Jazz aus Dixieland. Von Essen feixt und beugt sich übers Mikrophon: "Von mir kennen Sie das ja, aber hätten Sie gedacht, dass die das auch können?" (Gerd Döring)

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Darmstädter Echo, 24. Juli 2006:

Die nächste Generation macht sich bemerkbar. Workshops: In der Tradition der Väter: Bilanz der 15. Darmstädter Jazz-Conceptions

DARMSTADT. Die Zahl der Teilnehmer ist gestiegen – höher als erwartet. Das hat den Rang der Darmstädter Jazz-Conceptions, deren 15. Auflage am Wochenende zu Ende ging, unter vergleichbaren Workshops in Deutschland bestätigt. Für die Jugend ab dem elften Lebensjahr hat Veranstalter Jürgen Wuchner einen eigenen Teilnehmerkurs eingerichtet. Bei keinen Jazz-Conceptions zuvor ist es so deutlich geworden, dass inzwischen eine zweite Generation herangewachsen ist, die in die Fußstapfen ihrer Väter tritt. So wie Alex Hoffmann, der wie sein Vater Thomas das Schlagzeug als sein Instrument entdeckt hat, oder Leopold Heldmann an den Keyboards, der sich von seinem Vater Thomas am Bass inspirieren ließ. Ähnlich verhält es sich mit Leander Lenz am Bass oder Edgar Kraft am Schlagzeug, die die Väter-Tradition fortführen.

Wuchners Herangehensweise, neue Klangformen zu schaffen und mit ungewohnten rhythmischen Verläufen spannender zu gestalten, hat besonders in diesem Jahre Früchte getragen. Das scheint den Teilnehmern besonders zu liegen, auch auf die Dozentenkollegen abzufärben, auf Christof Thewes, Günter „Baby“ Sommer und auch auf Christopher Dell, die ähnliche Wege beschreiten.

Erfreulich war, was in den Teilnehmerkonzerten am Freitag und dem abschließenden Konzert am Samstag beim Großensemble und dem Dozentenkonzert in der Bessunger Knabenschule an Substanz erkennbar wurde. Bei Sommers Komposition „Im Schatten der Linde“ war der Frust der großen Hitze wie weggeblasen, seine Materialstücke „5 Miniaturen“ atmeten den Geist großer Dirigierbegabung und Begeisterungsfähigkeit, nicht nur „A Hard Night’s Day“ vermittelte in Christof Thewes Workshopband etwas von dessen großer Erfindungsgabe an Sounds und Farben.

Schwieriger war es für das junge Ensemble von Frank Möbus, ohne führende Hand bei der Darbietung die Bindung zu finden. Die Einsätze wirkten manchmal zu zögerlich. Auffällig war das Interesse an intensiveren Zwiegesprächen mehrerer Instrumente gleichzeitig in der Improvisation. Christopher Dell baute in sein Opus „Ein Genie sieht rot“ aktuelle Szenen aus und nach der Fußball-Weltmeisterschaft szenisch ein. Die Ensembles um Gastdozentin Ute Jeutte lockten mit Sprachbewegung und konventionellerem George-Gershwin-Repertoire, ihr abschließendes Hancock-Feature galt verschmitzt einmal mehr der engagierten Veranstalter-Crew der Bessunger Knabenschule.

Zu begrüßen war das inzwischen etablierte Nischen-Element des Traditional Jazz, das in Reimer von Essen den idealen Dozenten fand. Er schafft es, die Ungezwungenheit und Freude an dieser Musizierform lebendig weiterzugeben. Sein „Bessunger Knabenschulblues“, nach eigenem Bekunden erst zwei Tage zuvor komponiert, unterstrich dies eindrucksvoll.

Für das Großensemble mit rund 20 Teilnehmern hatte Jürgen Wuchner drei Stücke einstudiert, die mit den bekannt farbigen Sounds, einer ungewöhnlichen Besetzung und rhythmischer Finesse aufwarteten. Die Dozenten fanden zum Abschluss ihren persönlichen Zugang zu freier Spielweise, zur Jazz-Satire („Baby“ Sommer), exaltiertem Spiel (Christopher Dell), Billie Holiday (Sommer-Jeutte), ehe ein Blues aus New Orleans das verbindende Element der Stile betonte und die Jazz-Conceptions abschloss. (Ulfert Goeman)

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Darmstädter Echo, 20. Juli 2006:

Der Jazz hat ihn bleibend infiziert. Porträt: Er spielt und lehrt: Der Bassist Jürgen Wuchner ist ein sehr aktives Urgestein der Darmstädter Musikszene

DARMSTADT. Zu Jürgen Wuchner kam die Musik ins Haus. Der Vater des 58 Jahre alten Jazzmusikers führte in Kleinostheim bei Aschaffenburg eine Gaststätte: Viele kleine Tische und Kunststoffstühle zeigt ein Foto des gediegenen Lokals und, um drei Stufen erhöht, eine Bühne. Dort erklangen jedes Wochenende Schlager, Rock und Swing.

Das faszinierte den Jungen. Er selbst ging zunächst den klassischen Weg, erhielt Klavierunterricht. Wuchner gründete dann aber bald am Musikgymnasium eine Schüler-Coverband, der etwas Entscheidendes fehlte: der Bass. Er tauschte eine Gitarre ein, legte noch etwas Geld drauf und war fortan der Mann, der in der Bandmusik die Fundamente legte. Weil er Bauingenieur werden wollte, kam der Abiturient nach Darmstadt, letztlich studierte er hier jedoch klassischen Kontrabass an der Akademie für Tonkunst. Bernd Müller vom Orchester des Staatstheaters gab den Instrumentalunterricht, aber auch Dietrich Boekle und Johannes Fritsch zählten zu Wuchners Lehrern. „Das waren ja alles Komponisten, da konnte man etwas aufschnappen.“ An der Frankfurter Musikhochschule spielte er in einer Bigband: Den Kontakt stiftete der Darmstädter Komponist Hans Ulrich Engelmann. Später tauchte der Bassist ein in die Frankfurter Jazzszene, spielte mit Albert Mangelsdorff, Heinz Sauer und Ralf Hübner. Und er besuchte ab den sechziger Jahren die Internationalen Ferienkurse für Neue Musik in Darmstadt. Jedes Konzert habe ihm Gelegenheit geboten, etwas zu lernen und „zu verstehen, was die meinen“, sagt er. Lange Jahre spielte Wuchner auch mit österreichischen Musikern, unter anderem mit dem Tenorsaxophonisten Hans Koller und dem Vienna Art Orchestra. Mit diesen Formationen gastierte er auf vielen europäischen Festivals. Es folgten Tourneen für das Goethe-Institut bis nach Asien.

Ende der Achtziger ließ der Musiker sich schließlich in Bessungen nieder. „Einer der schönsten Stadtteile der Welt“, wie er findet. Er komponiert für seine eigenen Gruppen, für Projekte und Workshops: Wuchner gründete unter anderem mit Uli Partheil die „Jazz and Popschool“, ist Initiator und Dozent der Jazz Conceptions sowie Dozent für Jazzbass an der Akademie für Tonkunst. Er entwickle Ideen für Songs oder Liedformen, schreibe Improvisationsanleitungen, komponiere Elemente, Spielmaterial, sagt er .

Formen des Standardjazz meide er, will nicht zu viel festlegen. Darin fühlt er sich dem Freejazz verbunden: „Der Idealfall ist, wenn drei Musiker auf die Bühne gehen, nie darüber gesprochen haben, was sie machen, und es funktioniert.“ Von der Neuen Musik habe er sich abgeschaut, wie man Formen auflöst, neue Klangfarben oder rhythmische Verläufe entdeckt. So fallen drei Dinge auf, wenn man Wuchners Musik hört: Oft gibt es charakteristische Bassmotive oder ausgedehnte Intros, etwa in „Welcome to Guantanamo“ beziehungsweise „Pension Datterich“. Vieles – beispielsweise die Stücke der CD „Der Hahn ist tot“ – klingt experimentell, und die Reaktion der Spieler aufeinander ist oft konstitutives Moment.

Es gibt ungebrochen fröhliche Musik wie „Los ninos horribles“ und gedämpfte Stücke wie „Tempo Rubato“. Auch politisch darf es mal sein, aber dann mit ironischem Unterton. Aber immer ist es Jazz, den er schreibt. Denn: „Wer einmal damit infiziert ist, kommt nicht mehr davon los.“

Jürgen Wuchner ist einer der sechs Dozenten der laufenden Darmstädter Jazz Conceptions, die die Tage musikalischen Lernens abends an verschiedenen Darmstädter Spielorten mit einem Konzert ausklingen lassen: Heute (20.) beginnt die Session um 20.30 Uhr im „603 qm“ (Alexanderstraße 2), morgen (21.) um 20 Uhr in der Bessunger Knabenschule. Am Samstag (22.) ist um 20.30 Uhr das Abschlusskonzert in der Bessunger Knabenschule mit den Großensembles sowie dem Dozentenkonzert. (Melanie Neumann)

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Darmstädter Echo, 19. Juli 2006:

Big-Band-Nachwuchs im Profi-Training. Jazz Conceptions: Die Veranstaltungen haben auch im 15. Jahr ihr Flair nicht verloren – Mehr Teilnehmer als je zuvor

DARMSTADT. Die Bessunger Knabenschule ist auch im 15. Jahr Ort der Darmstädter Jazz Conceptions – wir haben berichtet. Die Veranstaltungen haben in dieser Zeit nichts von ihrem Flair verloren. Im Gegenteil, man kann dieses Mal mit einer Rekord-Teilnehmerzahl aufwarten. Erstmals wird auch ein „Special für junge Musiker“ angeboten: ein Workshop für ein Ensemble mit jungen Musikern zwischen elf und 17 Jahren, der sich besonders an Schüler richtet, die bereits über mehrjährige Instrumentalerfahrungen verfügen. Sie sind in der Regel Mitglieder von Schul-Bigbands. Betreut werden sie in den täglich drei bis vier Stunden von Frank Möbus, Dozent für Gitarre an der Musikhochschule Weimar.

Die renommierten Dozenten stellen weniger den Instrumentalunterricht als vielmehr Ensemblearbeit mit den unterschiedlichsten Materialien und die Planung musikalischer Abläufe in den Vordergrund. Das verschafft den Teilnehmern einen unverstellten Einblick in die Werkstatt einer Musik, bei der die Improvisation eine bedeutende Rolle spielt. Neben Jürgen Wuchner (Kontrabass), dem Initiator der Veranstaltung, stehen Christopher Dell (Vibrafon), Reiner von Essen (Klarinette), Frank Möbus (Gitarre), Günter „Baby“ Sommer (Schlagzeug) und Christoph Thewes (Posaune) als Lehrer zur Verfügung. Dazu konnte mit Ute Jeutte eine Kraft gewonnen werden, die neben ihrem Ensemble-Workshop einen zweiten speziell für Sänger anbietet. In diesen bringt sie ihre Erfahrungen mit der Kinesiologie, der Lehre von den Bewegungsabläufen, ein.

Begleitet wurde der erste Tag der Vokal-, Jugend- und Ensemble-Workshops in der Bessunger Knabenschule von einer spontanen abendlichen Session im Achteckhaus in der Darmstädter Mauerstraße, wo ein Teil der Dozenten seine Instrumente auspackte und die Teilnehmer der Workshops in Fahrt brachte. (Ulfert Goeman)

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Darmstädter Echo, 18. Juli 2006:

Zeigt her eure Töne. Ausblick: Vom 17. bis zum 22. Juli sind in diesem Jahr die Darmstädter Jazz-Conceptions

DARMSTADT. Zu den renommiertesten Jazz-Workshops in Deutschland zählen die Darmstädter Jazz-Conceptions, die diesmal vom 17. bis 22. Juli in der Bessunger Knabenschule in Darmstadt, Ludwigshöhstraße 42, sind. Organisiert werden sie vom Jazz-Institut Darmstadt. Erfolgreich sind sie wegen ihres Konzepts und der Atmosphäre, die sich im Lauf des Workshops zwischen Lehrern und Schülern entwickelt. Die Teilnehmer erhalten keinen verschulten Instrumentalunterricht, sondern werden von Anfang an in gemischte Ensembles zusammengefasst, die mit den jeweiligen Dozenten improviseren, musikalische Abläufe planen und über die Musik diskutieren.

Das Erprobte wird dann abends an verschiedenen Spielorten in Darmstadt vorgeführt: am 17. Juli (Montag) um 20 Uhr im Achteckigen Haus, Mauerstraße 17; 18. Juli um 20 Uhr im Herrngartencafé, anschließend in der Goldenen Krone; 19. Juli um 20.30 Uhr im Jazzinstitut, Bessunger Straße 88 d; 20. Juli um 20.30 Uhr auf „603 qm“, Alexanderstraße 2; 21. Juli um 20 Uhr in der Bessunger Knabenschule, Abschluss der Ensembles; am 22. Juli (Samstag) ist um 20.30 Uhr, ebenfalls in der Knabenschule, das Abschlusskonzert mit den Großensembles sowie das Dozentenkonzert. Die Dozenten sind: Christopher Dell (Vibraphon), Reimer von Essen (Klarinette), Ute Jeutter (Gesang), Frank Möbus (Gitarre), Günter „Baby“ Sommer (Schlagzeug), Christoph Thewes (Posaune) und Jürgen Wuchner (Bass).

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Darmstädter Echo, 26. Juni 2006:

Ein Stück Freiheit. Jazztalk: Friedhelm Schönfeld, Günter „Baby“ Sommer und Jürgen Wuchner in Darmstadt

DARMSTADT. Als vor zwei Jahren der Berliner Tenorsaxofonist und Bandleader Friedhelm Schönfeld ein erstes Mal im Darmstädter Jazzinstitut zu Gast war, ließ er in seiner Spielweise (auch auf der Flöte) erkennen, wie er sich nach der Wende in das musikalische Geschehen Gesamtdeutschlands einbrachte. Einige der Zuhörer von damals erinnern sich an das folgenreiche Wirken des Schönfeld-Trios im Osten Berlins der sechziger Jahre, als der Tenorsaxofonist den dort zunächst verpönten Jazz über den verschleiernden Weg der Unterhaltungsmusik in die DDR einsickern ließ. Friedhelm Schönfeld saß im Berliner Rundfunktanzorchester, dessen Erweiterung zur Big Band die Weichen stellte. Dann gründete er sein Trio mit Günter „Baby“ Sommer am Schlagzeug.

Die Initiatoren des 52. Darmstädter Jazztalks wollten dieses legendäre Jazztrio um Schönfeld am vergangenen Freitag im Gewölbekeller des Jazzinstituts wieder aufleben lassen. Klaus Koch war nicht mehr dabei, er starb vor sechs Jahren. Er wurde durch den Darmstädter Kontrabassisten Jürgen Wuchner vertreten.

Das Spiel dieser drei Musiker erinnert nicht nur an Ornette Coleman, sondern auch an Albert Ayler und John Coltrane, und an Bedeutung gewinnt ein rhythmisch betonter Spielfluss. Programmatische Titel wie „Rare Union“ oder „Ein Lied, das keines war“ werden nach allen Seiten hin regelrecht ausgeleuchtet. Ein Song wie „Ballade“, der zu eifrigerem Notenlesen animieren soll, oder „What’s Music Now“, entstanden aus einem Klangexperiment mit einem klassischen Cellisten, zeigen auch heute noch wirkungsvoll, welche Sprengkraft freier Jazz in der damaligen DDR in sich barg.

Ungewöhnliche Intervalle schaffen immer noch Spannungen. So gerät der Wiederbelebungsversuch eines einst legendären Trios zu einer Neufindung. Songs wie „Der freie Otto“, „Heimweh“ oder „Solmas“ mit einem monotonen, aber hypnotisch pochenden Bass und ungewöhnlich lebhaftem Schlagzeug-Gerangel Sommers sind beredt genug. (Ulfert Goeman)

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Frauke Kühner Quartet, 2. Juni 2006:

Frauke Kühner spielte mit ihrem Quartett Stücke von Ornette Coleman, Standards und Eigenkompositionen. Das swingte enorm, verband mitreißende Themen mit Improvisationen, die sich ins Freie vortasteten, die mit viel Energie und vor allem mit offenen Ohren gespielt wurden -- das gegenseitige Aufeinanderhören stand im Mittelpunkt eines begeisternden Abends.


Frauke Kühner (ts), Udo Brenner (b), Jörg Fischer (d), Thomas Honecker (g)

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Darmstädter Echo, 26. Mai 2006:

„Das Besondere sind unsere Arrangements“. Jazz: Combos und Big Bands Darmstädter Gymnasien geben gemeinsames Konzert

Jede von ihnen hat einen unverwechselbaren Sound, die sechs Bands, die am Dienstag das Jazzkonzert Darmstädter Schulen gestalteten. Mit ihren Combos und Big Bands waren die Bertolt-Brecht-Schule, die Edith-Stein-Schule, die Viktoriaschule, das Schuldorf Bergstraße, die Justus-Liebig-Schule und die Lichtenbergschule in der Orangerie vertreten. Ihre musikalische Bandbreite reichte von Jazz, Swing, Blues, Bossa Nova bis hin zu Interpretationen von Pop-Songs.

Vor 18 Jahren habe das Jazz-Institut Darmstadt das Konzert ins Leben gerufen, erklärte Rainer Wieczorek, Lehrer an der Brecht-Schule. Der Jazz-Fan hat mit seiner Jazz-AG unter anderem Stücke des südafrikanischen Komponisten Abdullah Ibrahim einstudiert. Mit viel Spielfreude interpretierten die Schüler der elften bis 13. Klassen „Blues For A Hip King“ und den „Marabu Blue“. „Das Besondere sind unsere eigenen Arrangements“, sagte Wieczorek stolz.

Satte Klangfülle boten die 30 Musiker der Big Band der Edith-Stein-Schule. Aus dem großen Repertoire der Band hatten die Leiter Oliver Nickel und Johannes Maurer „Free Ride“, den Ray-Charles-Klassiker „Georgia“, Children of Sanchez“ und „Spain“ von Chick Corea ausgewählt. Die Big-Band der Viktoriaschule unter Emmely Plass war mit dem „Basin Street Blues“, dem „C-Jam-Blues“, mit „Give Me Just One Night“ und „Pink Panther“ zu hören. Zu den virtuosen Solisten des Konzertabends gehörte Saxophonistin Laura Demolière vom Schuldorf Bergstraße. Die schwierigen Harmonien im Solo bei „Easy Street“ von Bob Minzer seien ihr „schön elegant gelungen“, lobte Musiklehrer Friedhelm Unger. Die Big Band des Schuldorfs spielte außerdem „Chicken“, „Night Train“ und „Oye Como Va“, wobei immer wieder Musiker mit Soli hervortraten.

„Wir haben ein paar Klassiker ausgesucht“, kündigte Christoph Schöpsdau, Musiklehrer an der Justus-Liebig-Schule an, deren Ton-Technik-AG während des Konzerts für gute Klangqualität sorgte. Nach dem „Bandstand Boogie“ spielten die zwölf Mitglieder der Lio-Big-Band den Bossa-Nova-Hit „The Girl From Ipanema“. Das Jazz-Rock-Stück „Spinning Wheel“ hatte nicht nur die Lio-Big-Band im Programm, sondern in einem unterschiedlichen Arrangement auch die Jazz-Combo der Lichtenbergschule. „Ein gutes Stück kann man auch zwei Mal hören“, sagte Musiklehrer Thomas John. (sil)

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Darmstädter Echo, 26. Mai 2006:

Abschied von New Orleans. Jazz: Vom Mississippi an den Neckar: Trevor Richards plaudert und spielt in Darmstadt

DARMSTADT. Der 1945 in England geborene Schlagzeuger Trevor Richards stand am Mittwoch im Mittelpunkt eines Gesprächskonzerts im Darmstädter Jazzinstitut. Ungewöhnlich war dabei die Einleitung durch einen Film von Klaus Tröster mit dem Titel „Missing New Orleans (Rottweil liegt nicht am Mississippi)“, der den Jazzmusiker in seinem Sommerdomizil am Neckar porträtiert. Seit 40 Jahren wohnt er aber schon in New Orleans, der Stadt, deren Faszination er nach seinem ersten Besuch erlag. Damals hatte er Gelegenheit, die letzten noch lebenden Pioniere des Traditional Jazz wie George Lewis oder Punch Miller kennenzulernen und mit ihnen zu spielen. Der legendäre Schlagzeuger Zutty Singleton vererbte ihm sogar sein Instrument, auf dem Richards meist spielt und das er auch in den Gewölbekeller mitgebracht hatte.

An gleicher Stätte war Richards mit seinem Trio schon vor fünf Jahren aufgetreten – damals mit dem mittlerweile gestorbenen Pianisten Ralph Sutton, der zu den wichtigsten Vertretern des Harlem-Stride-Stils gerechnet wird. Das „Trevor Richards Trio“ wurde von seinem Namensgeber 1972 gegründet, ist personell variabel, aber besteht immer aus Klavier, Klarinette und Schlagzeug. Diese musikalische Einheit wurde einst von Benny Goodman perfektioniert und ist seit dem berühmten „Carnegie Hall Concert“ unsterblich.

Diesmal bestach auf der Klarinette der junge Franzose Olivier Franc, wenngleich er öfter zum verwandten Sopransaxofon griff. Damit fühlt er sich am wohlsten, kann sein mächtiges Vibrato ausspielen und befindet sich damit auf den Spuren seines großen Vorbildes Sidney Bechet. Pianist Simon Holliday beherrscht gleichermaßen die alten Stile Ragtime und Boogie Woogie. Seine Gesangseinlagen überzeugten und sein unbegleitetes Solo über „Echoes of Spring“ geriet zu einem Höhepunkt des Abends.

Richards wirbelte kraftvoll-dynamisch über Trommeln und Becken. Im Gespräch mit Institutsleiter Wolfram Knauer machte er klar, warum er sein vom Wirbelsturm zerstörtes Haus in New Orleans nicht wieder aufbauen wird. Mit dem nun ständigen Wohnsitz in Rottweil bleibt das „Trevor Richards Trio“ dem deutschen Publikum erhalten. Etwas wehmütig stimmten die Musiker denn auch zum Abschluss den Standard „Do you know what it means to miss New Orleans“ an. (Hans-Dieter Vötter)

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Trevor Richards Trio, 24. Mai 2006:

Das Trevor Richards Trio spielt "klassischen" Jazz in kammermusikalischer Besetzung. Olivier Franc, Sohn des Klarinettisten René Franc, der einst selbst bei Sidney Bechet Unterricht erhalten hatte, spielte das Original-Sopransaxophon von Sidney Bechet, aber auch Klarinette - und das nicht nur auf der Bühne, sondern vor dem Konzert auch auf dem Platz vorm Jazzinstitut vor Kindern aus der Nachbarschaft. Zu Beginn des Konzerts war die Erstaufführung des Films "Rottweil liegt nicht am Mississippi" zu sehen, einer Dokumentation über die Arbeit Trevor Richards vom Regisseur Klaus Tröster. Im JazzTalk dieses Abends erzählten Tröster und Richards vom Entstehen des Films und Trevor außerdem von den Schäden, die der Hurricane Katrina an seinem Haus in New Orleans hinterlassen hatte. Im Mittelpunkt aber stand die Musik, mitreißende Bechet-Märsche und Standards des traditionellen Jazz, bei denen das singende Sopransaxophon den Heroen dieses Instruments erneut heraufbeschworen.


Simon Holiday (p), Olivier Franc (sop,cl), Trevor Richards (d)

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Darmstädter Echo, 24. April 2006:

Im Dschungel der Töne. Neue Musik: Die 60. Arbeitstagung der Musikerzieher in Darmstadt sucht die Verbindung zwischen Theorie und Praxis – Auch Kinder erkunden neue Klangwelten

DARMSTADT. „Orientierungen – Wege im Pluralismus der Gegenwartsmusik“ bot die 60. Arbeitstagung des Instituts für Neue Musik und Musikerziehung an, die am Sonntag in der Darmstädter Akademie für Tonkunst zu Ende ging. Und tatsächlich erscheint die moderne Musik so unübersichtlich, dass Musiker und Hörer Orientierungshilfen schätzen. Die von Jahr zu Jahr zunehmende Zahl der Kursteilnehmer bestätigt diese Erfahrung.

Das Tagungsthema wurde in sechs Schwerpunkte gegliedert, die in Vorträgen und Diskussionen abgehandelt wurden. In den Vordergrund schob sich die Problematik der Globalisierung, die auch vor der Musikentwicklung nicht Halt macht. Damit in Verbindung steht die Frage nach den Möglichkeiten, die sich aus der Begegnung fremder Kulturen ergeben. Diese Diskussion hängt wiederum eng zusammen mit der gesellschaftspolitischen Aufgabe der Integration. Chancen und Enttäuschungen liegen hier dicht beieinander.

Die breit angelegte Diskussion um das Schlagwort einer „zweiten Moderne“, die aus dem Unbehagen an der Postmoderne resultiert, erwies sich indes als weniger ergiebig. Dankbar waren die Zuhörer des von Jörn Peter Hiekel umsichtig geleiteten Kongresses für musikalische Informationen, etwa über das Komponieren mit Mikro-Intervallen. Und auch die Grenzgänge zu anderen Musikrichtungen wie dem Rock, dem Jazz und der improvisierten Musik fanden offene Ohren, selbst wenn die Hörbeispiele meist aufschlussreicher waren als die etwas zähen Referate.

Die abendlichen Konzerte, auf Vorträge und Diskussionen abgestimmt, rückten zwei Komponisten-Jubilare in den Fokus: Hans Zender, der im Herbst 70 Jahre alt wird, und Johannes Fritsch, der mit einer Laudatio zum 65. Geburtstag bedacht wurde. Von Zender wurde „Mnemosyne, Hölderlin lesen IV“ für Stimme und Streichquartett aufgeführt, ein Werk, das eindringlich zwischen Sprachkunst und Musik vermittelt. Von Fritsch wurde ein Streichtrio uraufgeführt, in dem der Komponist sich auf die Suche in den Feldern von Mikro-Intervallen begibt.

Das hervorragende Helios-Streichquartett bot daneben kurzweilige Stücke von Caspar Johannes Walter, Georg-Friedrich Haas und Jean-Luc Hervé. Im Mittelpunkt eines Abends mit Klängen für chinesische und westliche Instrumente standen die brillanten Interpreten Wu Wei (Sheng, eine Mundorgel) und Yeh Jiuan-Reng (Zheng, eine Wölbbrettzither). Fesselnd war die Gegenüberstellung von traditioneller chinesischer Musik mit modernen Stücken von Wolfgang Suppan, Sandeep Bhagwati, Simeon Pironkoff, Christian Utz und chinesischen Komponisten. Das auf neue Musik spezialisierte „Ensemble on_line“ aus Wien war hier mit von der Partie.

Der letzte Konzertabend machte mit neuer Klaviermusik bekannt, wobei vor allem Daniel N. Seels „Nacht-Stücke“ und Frank Gerhardts „Musik für zwei Klaviere“ in der Interpretation des Duos Oliver Kern und Daniel N. Seel überzeugten. Die Stimmkünstlerin Lauren Newton gab mit „Sound Song Nr. 1“ – tänzelnd, röchelnd, singend - einen Vorgeschmack auf ihren späteren Auftritt im Jazz-Institut. Und das dreiköpfige „Kammerflimmer Kollektief“ aus Karlsruhe unternahm reizvolle Grenzgänge zwischen Musique concrète und Jazz.

Einen ganz besonderen Akzent setzte die „Kinder-Uni“. Mit zwölf Kindern waren Projekte zur Neuen Musik erarbeitet worden, die zum Abschluss der Tagung vorgeführt wurden. Vom Froschkonzert und Vogelgezwitscher bis zum Faschingszug und Glockengeläut oder der vertonten chinesischen Erzählung reichte das bunte Angebot. Hörer und Spieler von morgen wurden auf diese Weise in eine noch ungewohnte Klangwelt eingeführt. (Klaus Trapp)

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Darmstädter Echo, 13. April 2006:

„Oma Heinz“ kann’s. Ausblick: Sextett aus dem Saarland spielt im Gewölbekeller des Darmstädter Jazzinstituts

DARMSTADT. Nachwuchsarbeit wird beim Förderverein Jazz in Darmstadt groß geschrieben, daher erhalten regelmäßig unbekannte Gruppen die Möglichkeit, ihre Projekte im Gewölbekeller unterm Darmstädter Jazzinstitut vorzustellen. Am Karfreitag (14.) wird „Oma Heinz“, ein Sextett aus dem Saarland, dort seinen Einstand geben.

Die jungen Musiker verfügen über Bigband-Erfahrung, bringen aber auch eigene Ideen in das Ensemble ein. Komposition und Arrangement liegen allerdings in den Händen von Pianist Oliver Maas und Posaunist Philipp Schug. Da aber die Improvisation eine bedeutende Rolle spielt, ist mit einer spannenden Präsentation zu rechnen, in der klar strukturierte Teile mit freier Kollektiv-Improvisation kombiniert werden.

Der mit Klavier, Kontrabass und Schlagzeug klassisch besetzten Rhythmusgruppe kommt dabei eine besondere Bedeutung zu, denn die meisten Stücke sind am Groove orientiert, ohne dabei ins Seichte abzugleiten.

Das Sextett „Oma Heinz“ kommt am Freitag (14.) um 20.30 Uhr auf Einladung des Fördervereins Jazz in den Gewölbekeller unterm Darmstädter Jazzinstitut in die Bessunger Straße 88 d. (hdv)

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Berliner Zeitung, 31. März 2006:

Viel Resonanz für die Jazzmesse in Bremen

Bei der ersten deutschen Jazzmesse jazzahead, die am letzten Wochenende in Bremen stattfand, gab es auch eine Ausstellung zur Geschichte des Jazz in Deutschland, die in Kooperation mit dem Goethe-Institut in den kommenden fünf Jahren auf Welttournee geht. Das Jazzinstitut Darmstadt hat auf fünfzehn Transparenten die wichtigsten Jazzkapitel des Landes fokussiert. Auf dem dreizehnten geht es um den Jazz in der Hauptstadt. Ein großformatiges Foto von DJ Spooky bei seinem JazzFest-Auftritt im Tränenpalast vor drei Jahren suggeriert, hier ist der Jazz hip und bunt, auf die Zukunft gerichtet. Die angesagtesten Jazzbands der Republik kommen derzeit aus Berlin: so lautet auch, kurz gesagt, das Fazit des ersten German Jazz Meeting, das im Rahmen der Messe stattfand.

Von den vierzehn dafür ausgewählten Bands operieren zehn von Berlin aus. Der Saxofonist Daniel Erdmann wohnt mittlerweile zwar in Paris, doch Erdmann 3000 sei ganz eindeutig eine Berliner Band, sagt er. Der Vibrafonist Christopher Dell war jahrelang das Aushängeschild der Darmstädter Szene, doch mit seinem Institut für Improvisation ist er inzwischen nach Berlin umgezogen.

Die Bands waren vor einem Jahr von einer Expertenjury ausgewählt worden, um den aktuellen deutschen Jazz zu repräsentieren. Vorgaben gab es kaum, außer, dass sie in der Lage sein sollten, dem Niveau internationaler Festivals zu genügen. Dabei geht es nicht nur um deutschen Kulturexport - in den Jazz investieren, heißt in die Zukunft dieses Landes zu investieren, so die Devise der Organisatoren. Die Bundeskonferenz Jazz, die das German Jazz Meeting angeschoben hat, bemüht sich seit Jahren darum, die Bundespolitik für die nationale Jazzszene zu öffnen, ganz nach dem Vorbild der Dutch Jazz Connection, zu der im Zweijahresturnus ausländische Festivalmacher und Journalisten nach Amsterdam eingeladen werden, um holländische Jazzbands zu begutachten und sie dann möglichst auf ihren jeweiligen Festivals zu präsentieren.

In Deutschland brauchte es Jahre, bis man sich auf Bundesebene bereit fand, Mittel für eine solche Veranstaltung locker zu machen. Dass aktueller deutscher Jazz im Ausland kaum bemerkt wird, hat offenbar mit der mangelnden Präsentation in den entsprechenden Veranstalter- und Mediennetzwerken zu tun. Zumindest konnte man diesen Eindruck in Bremen gewinnen, denn die versammelten Festivalmacher aus Russland, China, Australien und USA - insgesamt waren mehr als 50 Experten aus 27 Ländern eingeflogen worden - taten freudig überrascht über die Qualität und die Energie der auftretenden Jazzer. Ob nun Aki Takase, Nils Wogram und Rudi Mahall oder Angelika Niescier, Eric Schaefer und Michael Schiefel - je nach geschmacklicher Ausrichtung fanden die Gutachter großes Lob. Für die einen klingt Schiefel mit seiner Interpretation von "Goldener Reiter" typisch deutsch, andere wundern sich über die Abwesenheit deutscher Folklore im aktuellen Jazz - eine verlässliche Definition des deutschen Sound musste aus naheliegenden Gründen vertagt werden.

[Website der Quelle: http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung]
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Die Zeit (online), 30. März 2006:

Und wo steht Ihr Schuppen?
Hundert Aussteller trafen sich in Bremen zur ersten deutschen Jazzmesse. Auf der „jazzahead“ konnten sie mal über alles reden – auch übers fehlende Geld

Die Fronten waren nicht immer klar beim Management Symposium „manexchangement“, das im Rahmen der ersten deutschen Jazzmesse „jazzahead" jüngst in Bremen stattfand. Wer ist Leader, wer macht Dienst nach Vorschrift – solche Fragen passen zu einem Unternehmen der IT-Branche ebenso wie zu der Organisationsstruktur einer Radio-BigBand. Gut 30 Teilnehmende aus dem gehobenem Wirtschaftsmanagement diskutierten, was Referierende aus Wirtschaft, Jazz und Wissenschaft vorstellten. Jürgen L. Born, Vorsitzender der Geschäftsführung von Werder Bremen, machte gleich zu Beginn klar, was den Jazz wesentlich vom Fußball unterscheide: Gelbe und rote Karte, Elfmeter und „blinde Linienrichter“ kenne man im Jazz wohl genauso wenig wie das Fair Play auf dem grünen Rasen. Rhythmus, Technik und Taktik bräuchten hingegen Team wie Band. Der Komponist und Arrangeur Peter Herborn, Professor an der Folkwang Hochschule in Essen, wies auf einen anderen nicht ungewichtigen Unterschied zwischen Thema und Auditorium hin: „Sie verdienen Geld, und wir verlieren es“, sagte der BigBand-Leiter, „Jazz ist ein wegbrechender Markt. Die Frage wäre doch: Was raten Sie uns?“

Macht Wandel alt, was kann die krisenhafte Zuspitzung von Ressourcen bewirken, zählen Erfahrung und Reife der Mitspieler oder muss die Basis ständig verjüngt werden – nicht auf alle Fragen gab es klare Antworten. Es gibt viele Dispositionen in Jazz und Wirtschaft, die einfach nicht kompatibel sind. Einig war man sich jedoch darin, dass der Jazz positiv für die Persönlichkeitsentwicklung sei, „im Jazz kann man sich nicht verstecken“. Der Bassist Sigi Busch, Professor an der Berliner Universität der Künste, referierte über das kreative Feld im Jazz. Wenn Charlie Parker abends zu einer Jam-Session aufbrach, nannte er das „goin´ to the woodshelter“ – „Und wo steht dieser Holzschuppen bei Ihnen?“, fragte Busch die jazzaffinen Wirtschaftexperten, die sich für 1100 Euro pro Tag und Person angemeldet hatten.

Das Symposium war nur eines von fünf so genannten Modulen bei der ersten jazzahead – an die 100 Aussteller stellten in Bremen ihre aktuellen Jazzprodukte vor. Neben Podiumsdiskussionen zur Lage des deutschen Jazz', Nachwuchspräsentationen der Jazzhochschulen und Abendkonzerten mit John Scofield und Bugge Wesseltoft, war besonders das erste German Jazz Meeting hier bestens platziert. Inspiriert von vergleichbaren Veranstaltungen in Holland, Frankreich, England, Finnland und Australien hatte man über 50 Festivalmacher und Journalisten aus 27 Ländern nach Bremen eingeladen, um sie mit kurzen Konzerten über die 14 aktuellen Highlights der deutschen Szene zu informieren.

Die Frage, wie man sich im Jazz auch ökonomisch zurechtfinden kann, war Dauerbrenner in den verschiedenen Diskussionsveranstaltungen. Der Leiter des Jazzinstituts Darmstadt, Wolfram Knauer, wies daraufhin, dass nicht nur in Deutschland die meisten Jazz-Spielstätten von Ehrenamtlichen betrieben werden – das Prinzip der Selbstausbeutung prägt weltweit das Jazzleben. Ähnliches bestätigten auch die Musiker auf dem jazzahead-Podium „young lions – erfolgreiche Musiker berichten“ – bis er ein Level internationaler Anerkennung erreichte, habe er zigtausend Euro in die Produktion seiner Musik investiert, berichtete Nils Wogram. „Ich habe alles auf eine Karte gesetzt“, sagte der Posaunist, die Differenz zwischen Dienstleistung und künstlerischem Ansatz sei zu beachten und Mischfinanzierung notwendig, um kreativ arbeiten zu können.

Nils Wogram, der Saxofonist Daniel Erdmann, der Bassklarinettist Rudi Mahall und die Saxofonistin Angelika Niescier sind nur einige Solisten, die den internationalen Festivalmachern in Bremen äußerst positiv auffielen. Die Messe Bremen meldet einstweilen einen unerwarteten Erfolg der ersten jazzahead, im nächsten Jahr soll es weitergehen. (Christian Broecking)

[Website der Quelle: http://www.zeit.de]
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Jazz Echo, 30. März 2006:

Weiter so!
Jazzahead! Preisverleihung an Manfred Eicher

Es war ein Experiment. Mit der ersten Musikmesse jazzahead! in Bremen sollte ein Zeichen für die neue Solidarität der Szene in Zeiten von Absatzkrise und Globalisierung gesetzt werden. Die Rechnung ging auf, denn die mit dem Konzert von John Scofields Ray Charles-Projekt am vergangenen Sonntag zu Ende gegangene Großveranstaltung stieß durchweg auf positive bis euphorische Resonanz. Aus Kreisen des Kulturstaatsministers Bernd Neumann hörte man in offiziellen Statements, dass sich die Bundesregierung in Zukunft mehr um die Belange des Jazz in Deutschland kümmern wolle. Verschiedene Panels mit Labelspezialisten, Radioleuten oder Festivalbetreibern signalisierten das Ende der Larmoyanz, ein Preis wie der jazzahead! Skoda Award ehrte den Münchner Ausnahmeproduzenten Manfred Eicher.

Als wirklich wegweisend erwies sich das in die dreieinhalbtätige Veranstaltung eingebettete German Jazz Meeting. In 14 Kurzkonzerten präsentierten sich deutsche Spitzenjazzgruppen wie Michael Schiefels Jazz Indeed, Nils Wograms Root 70 oder Christopher Dells Dra dem internationalen Publikum nach dem Vorbild nationaler Jazzmeetings europäischer Nachbarn und wurden prompt von den anwesenden Agenten und Professionals überallhin in die Welt eingeladen. Solche Initiativen sind mehr als Gold wert und markieren wohlmöglich den Anfang einer neuen internationalen Akzeptanz des deutschen Jazz. Warum soll nicht auch den Musikern gelingen, was die Bildenden Künstler der Young German Art während der vergangenen Jahre erfolgreich geschafft haben ...

[Website der Quelle: http://www.jazzecho.de]
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Süddeutsche Zeitung, 28. März 2006:

Daheim, in der Welt
Die Musikmesse jazzahead! proklamierte in Bremen die neue Exportfähigkeit des deutschen Jazz

Auf Taten folgten Worte. Im Auftrag von Kulturstaatsminister Bernd Neumann ließ dessen rechte Hand Prof. Herrmann Schäfer am Rande der Veranstaltung verlautbaren, dass sich die Bundesregierung in Zukunft mehr um die Belange des Jazz in Deutschland kümmern werde. Wie diese Sorge um das zarte und launische musikalische Gewächs inhaltlich aussehen könnte, blieb zwar offen. Aber immerhin, Zeichen wurden gesetzt und das an sich ist schon ein Schritt in die richtige Richtung. Denn wenn dem Jazz hierzulande seit dem Tod des kulturpolitischen Strategen Joachim Ernst Berendt etwas fehlt, dann ist es effiziente Lobbyarbeit. Gründe dafür gibt es viele. Manche sind geschichtlich bedingt, hängen entfernt mit den noch immer in unreflektierten Hirnen nachwirkenden Spätfolgen der rassistischen Nazi-Propaganda und zeitlich etwas näher mit den Rezeptionsbarrieren zusammen, die die Loslösung der Künstler von den Unterhaltungsbedürfnissen des Publikums in den sechziger Jahren generierten. Es sind Folgen gern gepflegter Vorurteile von Komplexität und Ungenießbarkeit, die den Originalgenies auf der Bühne Exklusivität garantierten und deren Antipoden die Möglichkeit zur pauschalen Ablehnung boten.

Das wiederum aber führte während der vergangenen zwei Jahrzehnte zu der absurden Situation, dass zwar genügend kreative Musiker und Einzelszenen existieren, die aber mangels Tradition der Interessenvertretung, häufig auch aus Unwissen der Entscheidungsträger um die tatsächlichen Ausdrucksformen des Jazz kaum noch Foren haben, ihre Ideen in größerem Rahmen vorzustellen. Nimmt man die Absatzkrise des Tonträgermarktes und die tendenzielle Lustfeindlichkeit deutschen Kulturgenusses in dieses Aporieszenario hinzu ? ?Es gibt kaum schöne Konnotationen in Deutschland außer Goethe und Intellekt?, meinte der Leiter des Jazzinstituts Darmstadt Wolfram Knauer mit einem Seitenblick auf das mediterrane Savoir Vivre der südlichen europäischen Nachbarn ? bleibt dem Jazz eigentlich nur der Strick.

Oder die Offensive. Lamenti sind im Zeitalter der Kürzungen überflüssig, auf Mildtätigkeit solventer Mäzene kann keiner hoffen. Gleichzeitig nimmt die Konkurrenz zu. Rund um Deutschland prosperiert der Jazz und findet Unterstützung auf der Ebene von Politik und Gesellschaft. Frankreich, Holland, Skandinavien machen es seit Jahren vor, wie man mit nationalen Präsentationen der eigenen Künstler dafür sorgt, dass die Schützlinge wahrgenommen werden und auf internationalen Festivals vertreten sind. Dabei geht es nicht um die zwei, drei Namen, die eh den Sprung in die Musikgeschichte schaffen, sondern um die Darstellung einer ganzen Szene, die ein Land als innovativ, clever, zeitgemäß im Bewusstsein der anderen etabliert.

Peter Schulze, der künstlerische Leiter des Jazzfestes Berlin, ging daher schon seit Jahren schwanger mit der Idee eines German Jazz Meetings, das konkurrenzfähige Künstler aus deutschen Landen in einer kompakten Veranstaltung öffentlich vorstellt. Als sich mit dem Jazzfan und Leiter der Bremer Messe Hans Peter Schneider jemand fand, der die Infrastruktur für eine umfassende Darstellung der Szene bieten konnte, außerdem das Goethe-Institut und einige Sponsoren Mitarbeit signalisierten, waren die Voraussetzungen für die erste jazzahead!-Messe als Branchentreffpunkt gegeben. Mit großem Werbeetat wurde den Einzelkämpfern bei Labels und Agenturen, in Hochschulen und Redaktionen bundesweit die Relevanz der Veranstaltung solange klar gemacht, bis sie auch tatsächlich erschienen, sich auf Podien setzten, diskutierten, über Fragen jazzig inspirierten Managements Gedanken machten, Stände buchten, Künstler mitbrachten. Die Skepsis wich der Zuversicht mit zunehmender Zahl der Teilnehmer, die sich nicht nur aus den üblichen Verdächtigen des Business zusammensetzte, sondern auch Politiker, Wirtschaftsgrößen oder einfach Jazzhörer umfasste.

So geht es also doch. Die Messe schafft Öffentlichkeit und die ersten Wirkungen waren schon zu spüren, in Form von offiziellen politischen Statements, einer kollektiven Euphorie sonst eher distanzierter Einzelkulturtäter oder schlicht in Haufen von Visitenkarten, die die in 14 Kurzauftritten antretenden Musiker des in die Konferenz eingebetteten German Jazz Meetings nach ihren Auftritten von den internationalen Professionals in die Hand gedrückt bekamen. Zurecht übrigens. Der Posaunist Nils Wogram beispielsweise erwies sich mit seinem Quartett 'Root 70' als pfiffiger Erbe von Albert Mangelsdorff, der voll kreativer Inbrunst die modernistischen Stilerrungenschaften vom Blues bis Free dekonstruierte und wieder remontierte. Sensationell gar war der Vibrafonist, Virtuose und Architekturphilosoph Christopher Dell, der es mit seinem Trio 'Dra' schaffte, neumusikalische Motivik mit struktureller Freiheit und körperbetontem Groove zu verknüpfen. Intellekt hat eben doch lustvolle Konnotationen und kann Spaß machen, wenn Ernst und Humor sich clever ergänzen. Vielleicht ist das überhaupt die Eigenheit eines deutschen Jazzstils und damit eine Botschaft, die man von Bremen aus in die Welt tragen kann. (Ralf Dombrowski)

[Website der Quelle: http://www.sueddeutsche.de]
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Frankfurter Rundschau, 28. März 2006:

Das Ende des Jammerns
Die erste deutsche Jazz-Fachmesse, JazzAhead in Bremen, will für die nationale Szene eine bessere internationale Resonanz erreichen

Ob man es nun "Aktuelle Musik aus Europa Made in Germany" nennt oder doch einfach Jazz - beim ersten German Jazz Meeting im Rahmen der Fachmesse "jazzahead" in Bremen wollte man die herausragenden Vertreter der hiesigen Szene präsentieren. Eine Experten-Jury hatte schon vor einem Jahr ihre Favoriten benannt, die 14 meist genannten Acts standen jetzt in Bremen auf der Bühne.
   Von der Anstrengung jedoch, den in jüngster Zeit in Deutschland entstehenden Jazz in den Focus der internationalen Aufmerksamkeit zu rücken, könnte Rainer Michalke von der Bundeskonferenz Jazz stundenlang erzählen. "Jazz ist eine wichtige Investition in die kulturelle Zukunft, vor allem in einem Land, wo Beethoven einem die Luft zum Atmen nimmt.", sagt er im Hinblick auf den noch mangelhaften staatlichen Support für heute entstehende Musik.
Ein Aktenordner für den Jazz
   Der neue Leiter des internationalen Jazzfestival Moers hat sich gemeinsam mit Arndt Weidler vom Jazzinstitut Darmstadt und Peter Schulze vom JazzFest Berlin intensiv bemüht, auf Bundesebene Mittel für eine nationale Leistungsschau aufzutun - die Erfahrung, dass der Jazz in den Entscheidungsstrukturen der Bundespolitik "keinen Aktenordner hatte", war bis vor kurzem noch die Ausgangslage. Das änderte sich zaghaft, als die Messe Bremen ankündigte, die erste "jazzahead" zu veranstalten.
   Im Umfeld mehrerer so genannter Module, von Nachwuchspräsentationen der Jazzhochschulen bis hin zu einem Managerworkshop und publikumswirksamen Abendkonzerten mit John Scofield und Bugge Wesseltoft, war das erste German Jazz Meeting, nun mit finanzieller Zuwendung und Unterstützung der Bundeskultur und Goethe-Institute ausgestattet, bestens platziert. Inspiriert von vergleichbaren Veranstaltungen in Holland, Frankreich, England, Finnland und Australien hatte man über 60 Festivalmacher und Journalisten aus 27 Ländern eingeladen, um sie über die aktuellen deutschen Jazzhighlights zu informieren.
   Der Leiter des Jazzinstituts Darmstadt, Wolfram Knauer, referiert, dass nicht nur in Deutschland die meisten Jazz-Spielstätten von Ehrenamtlichen betrieben werden - das Prinzip der Selbstausbeutung prägt weltweit das Jazzleben. Ähnliches bestätigen auch die Musiker auf dem Podium "young lions - erfolgreiche Musiker berichten": Bis er ein Level internationaler Anerkennung erreichte, habe er zigtausend Euro in die Produktion seiner Musik investiert, berichtet der Posaunist Nils Wogram. Die Sängerin Lisa Bassenge nennt es einen Glücksfall, als sie über die Arbeit ihrer Plattenfirma und Agentur spricht - ein Auftritt in der Harald Schmidt-Show bescherte ihr nationale Aufmerksamkeit und entsprechende Festivalauftritte. Doch es bleibt harte Arbeit, so der Tenor, und nicht jeder kann Erfolg haben, auch wenn in jüngster Zeit sehr viel für den Nachwuchs getan wird - das Kölner Label Double Moon hat zusammen mit der Zeitschrift Jazz Thing gerade die zehnte CD der Reihe Next Generation herausgebracht, und vom Münchner Label ACT kam die fünfte "young german jazz"-CD auf den Markt. Publikum ist jedoch ein knappes Gut geblieben, und das will gepflegt werden. Deshalb plädieren die Musiker auch für so genannte Working Bands - man will sich nicht auf kurzlebige Produzentenprojekte einlassen. Dass unter den ausgewählten Ensembles zehn mittlerweile von Berlin aus operieren, verweist auf eine weitere Eigentümlichkeit: In der Hauptstadt gibt es zwar keine wichtigen Plattenlabels und Fachzeitschriften in Sachen Jazz, aber offenbar die besten Arbeitsbedingungen für die aktuelle Szene.
Musikerparadies Berlin
   Der 32-jährige Saxofonist Daniel Erdmann, mit seiner Band Erdmann 3000 einer der herausragenden Acts beim German Jazz Meeting, zog mit seiner Familie vor vier Jahren nach Paris, ist aber weiterhin regelmäßig in Berlin präsent. Gerade aus der Distanz der Seine-Metropole erscheint ihm Berlin als künstlerfreundliche Stadt. Es sei leicht, dort als Künstler zu leben, die Mieten billig, die Clubs willig - da mit Jazz auch andernorts kein Geld zu verdienen sei, könne man sich in Berlin konzentrierter kreativen Experimenten widmen. Seine Musik klingt komplex, frei und sehr flexibel, und anders im Fluss auch als die sehr strukturorientierten Stücke von Der Rote Bereich, der sich ebenfalls dem international besetzten Auditorium vorstellte. Titel wie 1-05-1/2, durchaus nicht untypisch für Berliner Bands, verhalten sich ähnlich abstrakt wie die Musik selbst.
   Doch dass die Konzerte dieser Bands seltene Ereignisse sind, könnte sich schon bald ändern. Festival-Veranstalter aus Willisau, Skopje, Guangzhou und Ouagadougou zeigten sich von Erdmann 3000 begeistert, der gezielte Export von aktuellem deutschen Jazz kann also beginnen. Nils Wogram, der Bassklarinettist Rudi Mahall und die Saxofonistin Angelika Niescier sind einige weitere Solisten, die den internationalen Festivalmachern positiv auffielen.
   Die Messe Bremen meldet einstweilen einen unerwarteten Erfolg der ersten "jazzahead". Tatsächlich hatte man es beim German Jazz Meeting, das fortan im Zwei-Jahres-Turnus stattfinden soll, mit einem Glücksfall aus organisatorischem Geschick und musikalischer Qualität zu tun. War zuvor von einigen Musikern befürchtet worden, dass 20 Minuten nicht reichen würden, um ihre künstlerische Leistung vorzuführen, schafften genau das alle in der vorgeschriebenen Zeit. Kurzweilig, anspruchsvoll, mit großer Energie - ein großer Wurf nach Jahren des offiziösen Dahinjammerns. Eine längerfristige Investition in den aktuellen deutschen Jazz ist dringend angezeigt - die Akte kann geöffnet werden. (Christian Broecking)

[Website der Quelle: http://www.frankfurter-rundschau.de]
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Der Tagesspiegel, 28. März 2006:

Fisch mit Gräte
„jazzahead!“: Erste deutsche Jazzmesse in Bremen

Es hat mit Fischen funktioniert, mit Oldtimern und Booten. Warum also nicht auch mit Jazz? So trafen sich am Wochenende Labels, Veranstalter, Organisationen und Musiker im Bremer Kongresszentrum zur ersten deutschen Jazzmesse „jazzahead!“. Marketing funktioniert schließlich immer gleich, nur was bei den Fischen die Gräten sind, ist beim Jazz der Free Jazz. Für den Kulturbetrieb übersetzt Wolfram Knauer vom Jazz-Institut Darmstadt das so: „Irgendwann hat der Jazz vergessen, sein Publikum mitzunehmen. Eine pseudo-elitäre Haltung setzte sich durch. Kunst müsse komplex und schwierig sein und bedürfe nicht des Präsentierens und Erklärens.“ Als Ergebnis macht Jazz heute drei Prozent der Plattenumsätze aus. Um so größer war nun der Aufwand, diesem Imageproblem entgegenzuwirken: Ein mit 15 000 Euro dotierter „jazzahead!-Skoda-Award“ wurde an Manfred Eicher vergeben, den Chef des Labels ECM, bei den Konzerten wurden Stars wie die portugiesische Sängerin Maria João, die John Scofield Band und der Trompeter Randy Brecker aufgeboten.
   Der Zeitpunkt scheint gut gewählt: Maß sich guter europäischer Jazz bislang am amerikanischen Vorbild, sehen Kenner, darunter der britische Jazz-Journalist Stuart Nicholson, dieses Verhältnis inzwischen umgekehrt. „Jazz ist eine Sprache, bei der sich jetzt lokale Dialekte herausbilden“, erklärte der Autor des kürzlich erschienenen Buches: „Is Jazz dead (or has it moved to a new adress)?“ in Bremen. Das kreative Zentrum dieser Musik habe sich nach Europa verschoben, so seine These. Folgerichtig war das Streitgespräch mit Bill Shoemaker vom amerikanischen Downbeat-Jazzmagazin von gegenseitiger Abneigung geprägt.
   Für Nicholsons These spricht der Erfolg von „Nordic Tune“ aus Skandinavien. Junge deutsche Musiker aber haben sich auf den internationalen Jazz-Festivals kaum etabliert. Aus diesem Grund versteht sich „jazzahead!“ als Sprungbrett der deutschen Szene. „German Jazz Meeting“ lautet der Name des eigens gegründeten Vereins, der das Messeprogramm organisierte. An zwei Tagen zog eine Parade aus 14 Formationen vorbei und präsentierte Festivaldirektoren, Journalisten und Agenturen das Potenzial dieser Musik. Auch für das Publikum hatte dieser Teil der Messe die größte Anziehungskraft. Hin- und hergerissen zwischen Neuer Musik, Jazztradition, HipHop und Techno begeisterten Projekte wie „Erdmann 3000“ und der „Rote Bereich“, der gefühlvolle Gesang der Jazz-Chansonette Lisa Bassenge oder das knallharte Berliner Projekt „Lychee Lassi“. Aber auch die am Hardbop orientierte Spielweise von Bands wie sublim oder die dancefloor-taugliche Performance von Turbo Pascale zeigten die Bandbreite der Szene.
   Das beste Argument für Jazz ist noch immer die Musik selbst. Wenn man dann die Konzerte Richtung Messehalle verließ, vorbei an nüchternen Ständen mit Kekstellern, beschlich einen das Gefühl, dass hier überalterte Institutionen Wiederbelebung durch eine junge Szene suchten. Der Messeerfolg wird sich letztlich an Umsatzzahlen messen lassen. Die Vermittlung von Aufbruchstimmung ist gelungen. Während das „German Jazz Meeting“ alle zwei Jahre stattfinden soll, ist für 2007 eine Jazzmesse mit dem Schwerpunkt Filmmusik und einer stärkeren Ausrichtung an europäischem Jazz geplant. (Andreas Kötter)

[Website der Quelle: http://www.tagesspiegel.de]
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die tageszeitung (TAZ), 28. März 2006:

Hinaus in die Welt mit euch!
Auf der Bremer Messe jazzahead stellte sich die deutsche Szene am vergangenen Wochenende dem Urteil internationaler Experten

"Garbage", sagt Bill Shoemaker, wenn man ihn nach seiner Meinung über Stuart Nicholson neues Buch "Is Jazz Dead? (Or has it moved to a new adress)" (Routledge, 270 S., 19,95 Dollar) fragt. Genauso hatte der schwarze Jazzpublizist Stanley Crouch schon vor drei Jahren geantwortet, als Nicholson seine These von der neuen europäischen Jazzpower zum ersten Mal vorstellte, in der New York Times. Doch zwischen Shoemaker, Crouch und Nicholson liegen Welten. Crouch verkündet, dass aus Europa keine Bereicherung des Jazz komme, ja, nicht kommen könne - der Puls der afroamerikanischen Ästhetik fehle und norwegische Folklore oder die Klangwelt des Balkans habe mit Jazz nichts zu tun. Der englische Jazzautor Nicholson kritisiert, dass die amerikanische Jazzöffentlichkeit es verpasst habe, auf die Globalisierung zu reagieren.
   Der amerikanische Jazzpublizist Shoemaker hingegen setzt sich nicht nur in seinem Internet-Magazin www.pointofdeparture.org für einen anderen Blick auf die europäische Szene ein. Von ihm stammen auch die Porträts europäischer Protagonisten wie Enrico Rava, Peter Brötzmann und Evan Parker in der vor zehn Jahren noch als eher konservativ eingeschätzten US-Zeitschrift Jazz Times. Mittlerweile habe sich die Wahrnehmung der europäischen Jazzszene in den USA etwas gewandelt, berichtet Shoemaker - damals habe kaum einer gewusst, wie man über europäischen Jazz schreiben solle.
   Bei der ersten deutschen Jazzmesse "jazzahead", die vom 23. bis 26. März in Bremen stattfand, gehörten Nicholson und Shoemaker zu einer hoch kompetenten Riege internationaler Festivalveranstalter und Journalisten, die man mit Hilfe von Bundeskulturmitteln eingeladen hatte, um aktuellen, in Deutschland gespielten Jazz zu begutachten. Das Festival im Rahmen der ersten jazzahead heißt "German Jazz Meeting", eine Experten-Jury hatte dafür 14 Bands ausgewählt, die in der Lage sein sollten, sich auch auf internationalem Niveau präsentieren zu können. Und so skeptisch man sich auch näherte - es hat geklappt. Die Veranstalter vermelden großen Erfolg und die internationalen Gäste - über 60 Jazzfachleute aus 27 Ländern - zeigten sich von der schlau inszenierten Musik begeistert.
   Besonders die Pianistin Aki Takase, der Posaunist Nils Wogram, der Bassklarinettist Rudi Mahall, der Saxofonist Daniel Erdmann und die Saxofonistin Angelika Niescier wurden immer wieder genannt, wenn man die Festivalmacher aus China, USA oder Mazedonien fragte, was besonders gefällt. Ken Pickering aus Vancouver, Leiter eines der weltweit größten Jazzfestivals, kannte zwar den in Berlin lebenden Rudi Mahall schon, Bands wie Der Rote Bereich hat er aber noch nicht in Kanada präsentiert. Das könnte sich nun ändern - doch dafür braucht es nicht nur internationale Festival-Netzwerke, sondern auch die Bereitschaft der deutschen Kulturpolitik, in die Jazzszene zu investieren. Auch Pickerings Kollege John Gilbreath vom Earshot Jazz Festival in Seattle weist darauf hin, dass es auf den langen Atem ankomme. Nur für einen Gig reist keiner in die USA - wer touren will, braucht Visa und Infrastruktur, und das koste nun mal Zeit, Nerven und Geld. Bei ihm in Seattle spielte am Samstag gerade das ICP Orchestra aus Amsterdam, wo man mit dem Dutch Jazz Meeting schon seit Jahren erfolgreich den holländischen Jazz einem internationalen Fachpublikum präsentiert. Und so könnte es nun auch mit dem German Jazz Meeting gehen - in Bremen zeigte sich die Szene sehr vielfältig, wagemutig und flexibel.
   Ratlosigkeit herrscht jedoch, wenn es darum geht, den identitären Kern der hiesigen Szene zu benennen, das, was an dieser Musik das Deutsche sein könnte. Folkloristische Festlegungen wie in Italien oder Norwegen sind kaum auszumachen, auch mit der dadaesken Seriosität der holländischen Szene hat die Musik nichts zu tun. Shoemaker fühlt sich eher an rhythmische und harmonische Experimente erinnert, wie sie der amerikanische Komponist George Russell Ende der Fünfziger initiierte - mit neuen Formen, Inhalten und Verweisen - ein Up-Date des experimentellen Jazz sozusagen.
   Dass weltweit junge Menschen heute das Grundvokabular des US-Jazz beherrschen, bezeichnet Nicholson in seinem Bremer Buchvortrag als Globalisierungseffekt. In der globalen Jazzcommunity hätten sich Subkulturen herausgebildet, die jeweils mit ihrer soziokulturellen Umgebung eng vernetzt sind. Er nennt eine Konzept-CD wie "Great German Songbook" (ACT), auf der sechs junge, durchaus angesagte deutsche Jazzmusiker wie der Schlagzeuger Eric Schäfer und der Saxofonist Florian Trübsbach staubige Stücke wie "Kauf dir einen bunten Luftballon" und "Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehen" interpretieren - für Nicholson ein Beispiel dafür, wie man die "große Tradition des deutschen Songs als eigene kulturelle Identität in der Musik" wiederfinde.
   Was dann doch sehr kurz gegriffen ist. Doch dass Nicholsons Welt recht einfach gestrickt erscheint, dürfte damit zu tun habe, dass ihm der offene Zugang zur aktuellen Musik abgeht - von Wogram, Mahall, Erdmann und Takase gibt es in Nicholsons Buch keine Spur. Wenn man zudem noch die experimentierfreudigen amerikanischen Musiker ignoriert, tue man der europäischen Szene sowieso keinen Gefallen, fügt Shoemaker noch hinzu. Wer so recherchiert, werde lediglich Opfer seiner Sturheit. (Christian Broecking)

[Website der Quelle: http://www.taz.de]
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Kölner Stadt-Anzeiger, 28. März 2006:

Neues Forum für den Jazz
„Jazzahead“ will dafür sorgen, dass sich der Jazz besser verkauft

Mehr als 3500 Teilnehmer zählte „Jazzahead“, die erste deutsche Jazzmesse in Bremen. Sie bot Machern und Vermarktern ein dreitägiges Forum. Der Tenor: Jazz muss sich besser verkaufen. Noch immer fristet er bei den CD-Verkaufszahlen mit unter zehn Prozent Marktanteil ein eher marginales Dasein und gilt als schwer zugänglich, elitär und eher intellektuelles Vergnügen. Selbst gut ausgebildete Jazzmusiker fristen häufig ein unbefriedigendes ökonomisches Dasein. Zumindest in Deutschland, wie auf der dreitägigen Messe im Messe- und Kongresszentrum in Bremen zu vernehmen war.
   Die Jazzmesse unter der künstlerischen Leitung von Ulrich Beckerhoff, dem Direktor der Essener Folkwang-Musikhochschule, bot Musikern, Musikhochschulen, Verbänden, Agenturen, Produzenten, Medienvertretern, Konzertveranstaltern und Clubbesitzern die Möglichkeiten, sich zu präsentieren und in Kontakt zu kommen. In anderen europäischen Ländern, speziell Skandinavien oder Frankreich, habe der Jazz einen anderen Stellenwert, hieß es immer wieder. Dort begreife man ihn eher als Musikrichtung, die zum Improvisieren, Ausprobieren und vor allem zur musikalischen Kommunikation zwischen den Stilen einlädt. Das sei durchaus eine fröhliche Angelegenheit und sowohl „massentauglich“ als auch der öffentlichen Förderung würdig, sagt Reiner Michalke, Geschäftsführer des Kölner Stadtgarten und künstlerischer Leiter des MoersFestivals 2006.
Kölner Großaufgebot
  
Bei der Premiere durften an zwei Nachmittagen insgesamt 14 deutsche Formationen ihr Können präsentieren. Allein sieben Bands kamen aus Köln, darunter Nils Wograms „Root 70“, Turbo Pascale, das Florian Ross Trio und die Gruppe „Sublim“ um Angelika Niescier. Begeistert wurde auch der freche Sound der Berliner Bands „Erm“ um Michael Wollny und „Der Rote Bereich“ um Rudi Mahall aufgenommen sowie Aki Takases Fats-Waller-Projekt. Auch die Musikhochschule Köln zeigte sich zufrieden mit ihrer Teilnahme: Es hat viele Anfragen zum Studium gegeben. (Beate Schenk)

[Website der Quelle: http://www.ksta.de]
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die tageszeitung (TAZ), 27. März 2006:

Das neue Produkt: Jazz
Bei der bundesweit ersten Jazzmesse in Bremen entwickelt die Szene neues Selbstbewusstsein im Gewand der Privatwirtschaft

Nichts ist klar, und das macht die Sache so interessant. Liegt es am Publikum, dass der Jazz in Deutschland zunehmend zum Mauerblümchen wird? Oder an der Lustfeindlichkeit puristischer Musiker, die meinen, Notenständer und Hornbrille sind genug der Inszenierung? Oder liegt es gar an der Marktwirtschaft, die die Musiker so sehr zu Brotjobs zwingt, dass am Ende keine Zeit mehr für die Kunst ist? Die Harald Schmidt-Show zum Beispiel: Einige der besten Kölner Jazzer hat sie absorbiert - die spielen jetzt für gutes Geld im Fernsehen, für künstlerische Projekte aber sind sie verloren. Der Grund liegt nahe: "Im normalen Spielbetrieb ist kein Geld unterwegs. Das Publikum kann's nicht generieren und es gibt keine direkten Subventionen", sagt Reiner Michalke, Leiter des renommierten Moers-Festivals.
   Mehr öffentliches Geld, mehr Kunst - mag sein, aber was sich die Musiker auf der Messe "Jazzahead" in Bremen zu sagen hatten, geht über die alte Subventionsklage weit hinaus. Dafür sorgt schon der Rahmen: Es ist das erste Mal, dass sich die Szene auf einer Messe trifft, also offensiv übersetzt in die Welt der Privatwirtschaft und der Profitinteressen. Mit einer Rolltreppe fährt man im Congress Centrum Bremen nach oben und lässt sich den Weg zeigen von freundlichen Angestellten im Service-Outfit. Es gibt Bistrotische, deren Aschenbecher geleert werden und einen dicken Teppichboden, der eine angenehm gedämpfte Gesprächs-Atmosphäre zwischen den rund 80 Ständen herstellt. Denn darum geht es auf der Jazzmesse: Um das Kontakte-Knüpfen, Karten-Austauschen und Projekte-Planen. Wie bei jeder anderen Messe auch.
   Zudem aber geht es um Live-Musik: Es gibt Abendkonzerte mit Stars wie John Scofield oder Maria Joao und es gibt das "German Jazz Meeting" als ein "Modul" der Messe: Dabei präsentieren sich 14 deutsche Formationen in je zwanzig Minuten. Zum Zug kommen dabei interessante KünstlerInnen wie Nils Wogram oder Lisa Bassenge, die bereits eine gewisse Bekanntheit haben, möglicherweise aber noch richtig Karriere machen. Die Band-Auswahl hat als künstlerischer Leiter der Trompeten-Professor Ulrich Beckerhoff getroffen.
   In ihrer ersten Ausgabe, so scheint es, ist die Jazzmesse eine Veranstaltung, auf der sich vor allem die etablierteren Kreise treffen. Einen Preis hat man auch in's Leben gerufen, und den bekommt mit dem Produzenten Manfred Eicher einer der großen alten Herren der Szene: Eicher hat Musiker wie Keith Jarrett und Arvo Pärt produziert und sagt beim "Star Talk" auf dem Podium Sätze wie: "Wir sind Music Travellers. Es befriedigt mich nur, wenn bei den Aufnahmen etwas anderes passiert als im Konzert." Es passt ganz gut zu Eichers Mobilitäts-Credo, dass der Preis von einer Autofirma gesponsert wurde.
   "Star Talk", Visitenkarten-Zirkus - für manche MusikerIn, die (noch) nicht so weit ist, klingt das wohl eher bedrohlich. "Ich glaube, manche sind aus Überzeugung nicht hergekommen", sagt Meike Goosmann aus Berlin. Für sie ist die Messe ein erster Schritt, ihr Bandprojekt auf professionellere Beine zu stellen: Demnächst soll eine CD erscheinen, nun hat sie Vorab-CDs der Aufnahmen dabei, um Veranstalter, Agenten und Journalisten zu versorgen. "Ich finde die Idee der Messe sehr gut. Das mit der Selbstvermarktung finde ich trotzdem schwierig: zu den Leuten hinzugehen und sich ins Gespräch zu bringen ist mir nicht so angenehm." Aber: "Du hast es hier wesentlich einfacher zu kommunizieren, als am Telefon."
   Zumal die Jazzmesse auf dem Boden geblieben ist: Neben Ständen der Plattenfirmen, Studios und der Fachpresse sind auch die Verbände, Initiativen und Hochschulen vertreten und alle, ob Studio-Boss oder Konzertagent, wirken entspannt. "Das Produkt heißt Jazz - wir schieben es auf die europäische Ebene" sagt Ulrich Beckerhoff. Glauben darf man, dass mit der Produkt-Idee nicht gemeint ist, ab jetzt leicht konsumierbare Stangenware zu produzieren. Vielmehr geht es um eine neue Offenheit und ein neues Selbstbewusstsein. Beides kann dem Jazz nur gut tun. (Klaus Irler)

Ist es "Dschääs"?
Eine Frage des Bewusstseins

Über Jazz reden, ist schön. Viele Leute tun es oft und lang, und bei der Aussprache scheiden sich ganz nebenbei die Geister: Die einen reden vom "Dschääs", bei den anderen heißt es eingedeutscht: "Jatz". Wann aber spricht man vom "Dschääs" und wann vom "Jatz"? Die taz hat auf der Jazzmesse in Bremen nachgefragt.
   Wolfram Knauer, Leiter des Jazzinstituts Darmstadt: "Wenn die Zunge weiter vorne sein muss für den Anschluss des Satzes, spricht man von ,Dschääs'. Eine inhaltliche Unterscheidung gibt es nicht."
   Reiner Michalke, Leiter des Moers-Festivals: "Ich habe immer ,Dschääs' gesagt, weil es ein amerikanischer Begriff ist. Ich sage ja auch nicht ,Danz'-Musik, wenn ich ,Däänz'-Musik meine."
   Stefan Nauheimer, Agentur Fischermann: "Für mich ist ,Jatz' etwas Abfälliges. Das ist ein bisschen Oldschool-mäßig, meint eher Swing und Dixie. ,Dschääs' ist die Kunstform."
   Nicos, Jazz-Piano Student an der Hamburger Hochschule für Musik und Theater: "'Jatz' verwende ich, wenn ich jemanden nachmache, der auf ganz traditionell tut. Selber würde ich nicht ,Jatz' sagen."
   Hans-Martin, Trompeter aus Essen: "Das ist wie mit der Rechtschreibreform: Das Fußvolk entscheidet. Wobei es in Dortmund mal einen Laden gab, der hieß ,Jatz'. Der hat nicht durchgehalten, glaube ich."
   Sabina Hank, Salzburger Komponistin: "Ich kenne ,Jatz' nur von alten Dixieland-Fanatikern. Das ist mir sehr verhasst." (kli)

[Website der Quelle: http://www.taz.de]
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DeutschlandRadio Kultur, 26. März 2006:

Plattform für deutschen Jazz
Jazzahead - 1. Deutsche Jazzmesse in Bremen

In Bremen ist die erste deutsche Jazzmesse "Jazzahead" zu Ende gegangen, ein Branchentreffen mit 80 verschiedenen Ausstellern, einer Konferenz und einem ansehnlichen Konzertprogramm. Neben Jazz-Superstars wie John Scofield waren es vor allem die jungen deutschen Talente, die hier eine Plattform geboten bekamen.

Mit einem Superstar der Jazzszene, mit dem Gitarristen John Scofield und seiner Interpretation von Ray Charles-Klassikern, hat die jazzahead ein würdiges Ende gefunden. Es war allerdings ein gänzlich untypischer Abschluss für eine Veranstaltung, bei der das Ursprungsland des Jazz so wenig vertreten war, wie sonst wohl auf keinem anderen Jazztreffen. Einer der Hauptakteure der Konferenz von jazzahead - der britische Journalist Stuart Nicholson - geht sogar soweit zu behaupten, dass der Jazz eigentlich nur noch außerhalb der USA wirklich lebendig sei.

"Wenn man die Geschichte des Jazz verfolgt, dann stellt man fest, dass sie immer ausschließlich in den USA stattfindet. Dabei hat diese Musik ihr Heimatland mit Beginn des 20. Jahrhunderts verlassen. Musik kennt keine Grenzen und daher wird der Jazz seit seiner Geburt in anderen Ländern imitiert. Und heute gibt es sehr viele Musiker, die sowohl hervorragend Jazz im vorherrschenden US- Stil, als auch in ihrer eigenen Variante, mit Einflüssen aus der Klassik und der eigenen Folklore, spielen. Bobo Stenson, der am Freitag hier gespielt hat, ist so ein Beispiel."

Der schwedische Pianist Bobo Stenson gehört zu jenen skandinavischen Musikern, die seit Jahren der europäischen Jazzszene wichtige Impulse liefern. Aber nicht von ungefähr veröffentlicht er, wie so viele andere nordische Künstler, seine Platten bei der Münchner Firma ECM. Deren Chef und Produzent Manfred Eicher wurde mit dem "Jazzahead Award" ausgezeichnet, dotiert mit 15.000 Euro, weil ihm mit seiner Arbeit der Brückenschlag zwischen dem Heimatland des Jazz und den neuen wie alten Strömungen Europas vorbildlich gelingt. Obwohl etwa mit "enja" und "act" noch andere große Plattenlabels aus Deutschland kommen, hat der Jazz made in Germany international immer noch einen schweren Stand. Der Initiator Hans Peter Schneider, er ist auch der Geschäftsführer der gesamten Bremer Messe, will das ändern.

"Wie stellen fest, dass die deutschen Musiker in Deutschland nicht so gehypt sind wie Norweger in Norwegen. Und wir glauben, dass wir mit der Szene vom klassischen Jazz bis zur Avantgarde alles zu bieten haben. Das ist den Leuten nicht klar, welche hervorragenden Leute die deutsche Szene hervorbringt."

Dementsprechend stand das "German Jazz Meeting" im Mittelpunkt der Messe in Bremen. 14 deutsche Bands hatten die Gelegenheit sich zu präsentieren, jeweils mit einem kurzen Auftritt von 20 Minuten. Das Schaulaufen der Besten nationalen Musiker hat in anderen Ländern schon lange Tradition, wie der Initiator der Meetings, Rainer Michalke, erläutert.

"Die Idee zum Meeting hatten wir schon vor Jahren. Wir treffen uns bei allen möglichen Veranstaltungen im Ausland, wo Kollegen öffentliche Gelder haben, um die eigenen Szenen einem ausländischen Fachpublikum zu präsentieren. Hier haben wir jetzt die Möglichkeit uns wichtig zu nehmen und den Raum einzunehmen, den wir kulturell auch wirklich haben."

Die Gruppe um die Berliner Sängerin Lisa Bassenge gehörte zu jenen 14 Bands, die sich beim German Jazz Meeting einem Fachpublikum aus internationalen Festivalveranstaltern vorgestellt hat - noch nie hat man dabei in so kurzer Zeit einen so treffenden Einblick in die deutsche Szene bekommen, was nach anfänglichen Zweifel auch die betroffenen Musiker zu schätzen wissen. Der Pianist Nicolai Thärinchen:

"Die Deutschen sind gut darin zu importieren. Wenn man hier auf ein Festival geht, dann sieht man wirklich Jazz aus der ganzen Welt. Aber umgekehrt sollten wir auch mehr exportieren. Ich würde mich sehr freuen, mehr im Ausland zu spielen."

Nicht mehr bloß Autos und Bier, nein, Deutschland braucht einen neuen Exportschlager, warum nicht einmal Jazz? Tatsächlich wurde das German Jazz Meeting von den Beteiligten als voller Erfolg gewertet - die Kurzkonzerte waren immer komplett voll und einige der Musiker wurden tatsächlich direkt im Anschluss von ausländischen Festivals gebucht.

Auch die anderen Veranstaltungen der Messe, z.B. die Konferenz, bei der etwa diskutierte wurde, wie heutzutage Jazzproduzenten arbeiten, welche rechtliche Situation ein Musiker vorfindet oder wie und warum sich Sponsoren in dieser Nische engagieren, waren rege besucht.

Nur eines macht dem englischen Jazzkritiker Stuart Nicholson auch für die Situation des Jazz in Europa Sorge, dass nämlich bei aller Fürsorge aus Wirtschaft und öffentlichen Mitteln der Jazz eine alte Musik geworden ist.

"Ich befürchte, dass der Jazz seine Bindung an zeitgenössische Urbanität verloren hat, den Kontakt zur Straße. Es ist eine Musik der Akademie geworden und kann nur noch da überleben. Viele der Bands, die mit einem jungen Publikum kommunizieren, wie etwa die Supergruppe des europäischen Jazz, das Trio von Esbjörn Svensson, vermeiden dabei das Wort Jazz." (Jan Tengeler)

[Website der Quelle: http://www.dradio.de]
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Darmstädter Echo, 22. März 2006:

Auf zur Bremer Jazz-Messe

DARMSTADT. Eine Art Marktplatz des Jazz, bei dem sich Musiker, Produzenten, Journalisten, Agenturen, Verbände, Musikhochschulen, Kulturinstitute und interessiertes Publikum treffen, ist die Messe „Jazzahead“ von Donnerstag (23.) bis Samstag (26.) im Congress Centrum in Bremen. Es ist die erste Messe dieser Art in Deutschland. Geplant ist, sie künftig alle zwei Jahre in Bremen auszurichten.
Auch das Jazz-Institut Darmstadt ist dort mit einem Stand vertreten. Außerdem zeigt das Institut in Bremen seine im Auftrag des Goethe-Instituts konzipierte Ausstellung „Deutscher Jazz/German Jazz“. Ab Sommer soll diese Schau für fünf Jahre für die Goethe-Institute durch die Welt reisen. Was auf 30 großformatigen Tafeln gezeigt wird, ist die Geschichte der deutschen Jazz-Szene seit den Zwanzigern bis heute.
   Voriges Jahr wurde im Juni in Darmstadt der Verein German Jazz Meeting gegründet – Vorsitzender ist Arndt Weidler vom Darmstädter Jazz-Institut. Ziel des Vereins, der von der Bundeskulturstiftung, vom Goethe-Institut sowie von der Bremer Messe projektbezogen unterstützt wird, ist es, den deutschen Jazz oder in Deutschland beheimatete Jazzprojekte international bekannt zu machen. In Bremen ist das Jazz Meeting mit einem eigenen Stand am 24. und 25. März vertreten und organisiert in dieser Zeit sieben Konzerte vom Nachmittag bis zum frühen Abend – darunter auch einen Auftritt von Christopher Dell mit seinem Ensemble „DRA“. Alle zwei Jahre will sich der Verein mit Projekten vorstellen. 2008 wird er laut Weidler bei der zweiten Messe „Jazzahead“ in Bremen wieder dabei sein. Vom Jazz Meeting wird auch ein Austauschfestival mit Ungarn und Finnland erwogen. (hz)

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Darmstädter Echo, 2. März 2006:

Grenzgänger zur Klassik. Ausblick: Der Klarinettist Lajos Dudas spielt im Duo mit Philipp van Endert im Jazz-Institut

DARMSTADT. Im modernen Jazz hat die Klarinette nicht den früheren Stellenwert. Zu Unrecht, das wird zu erleben sein, wenn Lajos Dudas morgen (3.) im Darmstädter Jazz-Institut spielt.

Der gebürtige Ungar hat den Gitarristen Philipp van Endert dabei, der eine Generation jünger ist. Beide sind im Rockjazz zuhause, beide verbindet auch flüssiges, natürliches Spiel, das den sicheren Umgang mit Elementen der Konzertmusik umfasst.

Lajos Dudas ist ein Grenzgänger mit wachsendem kompositorischen Œuvre. Er studierte am Béla-Bartók-Konservatorium und an der Franz-Liszt-Musikakademie in Budapest, hat daher auch Nähen zu Carl Maria von Weber, Igor Strawinsky und Alexander Glasunow. Seit seinem Umzug nach Deutschland hat er jedoch mit bekannten deutschen Jazzmusikern zusammengespielt.

Das Konzert im Gewölbekeller unter dem Jazzinstitut beginnt morgen (3.) um 20.30 Uhr. (Ulfert Goeman)

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Darmstädter Echo, 21. Februar 2006:

Wer? Wann? Was?
Rau, aber herzlich: Fritz, der Große (Veranstalter), erinnert sich

Fritz Rau (75), Deutschlands, wenn nicht gar Europas größter Konzertveranstalter, rennt nicht mehr tagelang fast ohne Schlaf hinter Bühnen rum. Stets wie eine männliche Mutter der Kompanie um seine weltberühmten Schützlinge bemüht. Aber wenn der heutige Pensionär nur den Mund öffnet, tun sich ganze Orchestergräben der Erinnerungen und Anekdoten auf. So zu lesen in seinem Buch „50 Jahre Backstage“, aus dem er morgen, Mittwoch (22.) ab 20 Uhr in Darmstadt vorträgt (Gewölbekeller unterm Jazzinstitut). Vom Jazz der Nachkriegsjahre bis zu den Rock- und Pop-Ikonen der Neuzeit: In des Mannes Kopf wogt ein Fluss, der sich noch in viele weitere Bücher ergießen könnte. Weil dieser Kopf ein Mississippi-Delta weltweiter musikalischer Verästelungen ist.
   Fritz Rau: Strom und Sammelbecken zugleich. Pionier und Prophet. Lebenslanger Kämpfer gegen die deutsche Trennung von so genannter E- und U-Musik. Verfechter der These, dass im Wort Unterhaltung ja auch Haltung stecke. Somit Standfestigkeit, Qualität, Würde. Auch mal auf die Kosten veranstalterischer Unkosten. So einen wie Rau wird’s so bald wohl keinen mehr geben. Andere ja. Aber so einen nicht.
   Was auch einer wie Mick Jagger (heute 62) weiß. Über den in dieser Zeitung mal zu lesen war: „Je Jagger der Mick, desto Roller die Stones.“ Wogegen Mick, der vollmundige Narziss, in seltener Bescheidenheit den Satz setzt: „Rock and Rau forever! Er ist der Pate von uns allen.“ Rau hat diesen Spruch seit der Tournee 1973 daheim: als Geschenk der „Stones“, in einen Silberteller graviert. Natürlich ist er auch Ehrengast bei allen deutschen „Stones“-Konzerten im Sommer; vorher wird aber Jagger noch am 9. März anrufen und wie jedes Jahr zum Geburtstag gratulieren.
   Als am Montag „wer wann was“ am Apparat ist, freut das Rau hörbar ebenso. Begeistert berichtet er von einer Schallplattenedition, an der er arbeitet. Hat er Jaggers Teller noch? Lachende Antwort: „Die Butzfrau hadd-en grad emal widder poliert.“
   Ein erfülltes Leben, bei dem er nur eines bereut. Sich früher zu wenig um die Familie gekümmert zu haben. Es geht ans Herz, wenn er in seinem Buch schreibt, wie er einst den damals vierzehnjährigen Sohn Andy beeindrucken wollte. Mit der Zeitungsüberschrift, Rau senior betreffend: „Der Mann, zu dem Zappa Papa sagt.“ Der Bub entgegnete, jedermanns Papa sei niemandes Papa.
   Da ward Rau, wegen seines manchmal aufbrausenden Temperaments auch kosend „Ajatollah Cholerie“ genannt, ganz klein, ganz still. Heute sagt er: „Da wurde ich vernünftig und habe es vermieden, von Künstlern als Papa bezeichnet zu werden. Schließlich genügt auch Onkel Fritz.“ (Bert Hensel)

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Darmstädter Echo, 16. Februar 2006:

Brüderlicher Austausch. Ausblick: Die Posaunisten Conrad „Conny“ und Johannes Bauer im Darmstädter Jazzinstitut

DARMSTADT. Mit den Brüdern Conrad „Conny“ und Johannes Bauer kommen am morgigen Freitag (17.) zwei Posaunisten in den Gewölbekeller des Darmstädter Jazz-Instituts, die maßgeblichen Anteil hatten an der Entfaltung der Jazz-Szene in der östlichen Hälfte Deutschlands. Sie waren die Protagonisten des dort florierenden freien Jazz. Die Auslotung der Grenzen zwischen Jazz und der neuen improvisierten Musik stand bei ihnen im Vordergrund. Der Austausch mit der internationalen, vor allem der englischen, holländischen oder italienischen Szene, war stets ihr Anliegen. So findet man ihre Namen in Ensembles wie Synopsis (später Zentralquartett), der Ulrich Gumpert Workshopband, Tony Oxleys Contemporary Music Ensemble, Derek Baileys Company, dem Globe Unity Orchestra oder Cecil Taylors Euro-American Group sowie einer Vielzahl kleinerer Combos.

Conny Bauer widmete sich später vermehrt dem Solospiel und griff in seiner Vergangenheit – ähnlich wie Albert Mangelsdorff – sogar zur Gitarre, während sich Johannes Bauer in Doppelmoppel oder Fo(u)r Bones mit oder ohne seinen Bruder mit zwei Gitarristen oder zwei weiteren Posaunisten austauschte. Ihr brüderliches Posaunenduo ist daher so ungewöhnlich nicht, kommt doch nach mehr als 30 Jahren Spielpraxis in höchstem Maße musikalische Reife hinzu.

Morgen (17.) sind die beiden Posaunisten um 20.30 Uhr im Darmstädter Jazzinstitut im gemeinsamen Spiel und im Gespräch zu erleben. (goe)

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Darmstädter Echo, 15. Februar 2006:

Wer? Wann? Was?
Zufall der Termine: Darmstädter Klein-Invasion in Chicago

Chicago (203) im US-Bundesstaat Illinois: Die heutige Millionenstadt, im Jahr 1803 als Fort gegen Indianer gegründet, hat auch in seiner weiteren Geschichte größere Anstürme überstanden. Nun muss sie nächsten Monat damit fertig werden, dass Darmstädter vor der Tür stehen. Exakt drei (in Zahlen: 3). Freilich sind alle geladene Gäste. Wiewohl aus höchst unterschiedlichen Anlässen. Sie reisen getrennt und erfuhren erst jetzt durch Zufall, dass der Zufall der Terminplanung sie an denselben Ort führt: ein Darmstädter Jazzwissenschaftler, eine Kabarettistin, ein Amtsleiter.
   Alle drei konnten am Dienstag für diese Kolumne kurzfristig zusammengeführt werden. Beim heiteren Plausch waren die Hintergründe der Darmstädter Chicago-Invasion zu klären. Die Betroffenen in Einzelvorstellung:
   Dr. Wolfram Knauer (48), Leiter des international renommierten Darmstädter Jazz-Instituts. Lachend spricht er von einer „seltsamen Heinerkonzentration am Lake Michigan, der doch um ein Vielfaches größer ist als der Woog . . . “. Knauers Auftrag: Er wird am 19. März in Chicago einen Vortrag bei einer internationalen Konferenz des „Center for Black Music Research“ halten (Forschungszentrum für Schwarze Musik). Was spannend werden kann: Weil, trotz historischer Urwurzeln, die schwarze Musik von Farbigen in Europa sich wieder anders äußert als der Klang eines Afro-Amerikaners. Knauer wird insgesamt zwei Wochen in Chicago bleiben. In der Hauptstadt des elektrischen Blues des vergangenen Jahrhunderts gibt’s für einen wie ihn noch immer viel zu sehen, hören, ergründen.
   Evelyn Wendler (47) vom Darmstädter Satire-Duo „Kabbaratz“ trifft schon vor Knauer ein: am 9. März. Mit ihrem Partner Peter Hoffmann (48) darf sie in Chicago zwei Vorstellungen der Programme „Frontalunterricht“ und „Hauptsache, wir sind alle gesund!“ geben. Das Goethe-Institut lässt die beiden einfliegen. Die so viel Chicago dann nicht erleben werden. Denn es folgen noch die Stationen Minneapolis und Baltimore. Evelyn in Vorfreude: „Vom 7. bis 12. März legen wir dabei eine Strecke zurück, die der von Norwegen nach Italien entspricht.“ Für lokale „Kabbaratz“-Enthusiasten: Wegen des US-Trips muss der für früher angekündigte Spieltermin im Darmstädter Halbneun-Theater verlegt werden auf den 23. März (Donnerstag). Muss Chicago „Kabbaratz“ fürchten? Die witzige Wendler: „Oft sind sich Zuschauer felsenfest sicher, sie hätten bei uns etwas gelernt. Dabei lernen wir in Wirklichkeit vom Publikum. Wir sagen jetzt schon: danke!“
   Michael Kolmer (35), Darmstädter Amtsleiter, landet Ende März in Chicago, arbeitet dort in den April hinein. Der freundliche junge Mann ist Chef des Amts für Wirtschaft und Entwicklung. Er besucht in Chicago die Bio (Veranstaltungskürzel) – die weltweit wichtigste Biotechnologiemesse. Kolmer soll dort für Darmstadt werben als erstklassigen Bio-Chemie-Standort mit hervorragenden Forschungseinrichtungen und unmittelbarem Flughafenanschluss.
   Für ihn zu hoffen: Dass er am Rande seiner Chicago-Mission auch ein Ohr voll Musik nehmen kann. Beim Fototermin im Jazz-Archiv glänzte er mit einigen musikalischen Anmerkungen, die in Kolmer auch einen sensiblen Hörer vermuten lassen.
   Das Darmstadtgepäck für Chicago ist geschnürt. Mit welchen Anekdoten im Gepäck werden die Darmstädter wohl heimkehren? (Bert Hensel)

[Website der Quelle: http://www.echo-online.de]
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Jazz Times (online), 13.Februar 2006:

Jazz Scholarship Journal to Launch Next Year

Jazz Perspectives the jazz journal founded by historian and author Lewis Porter, is accepting papers for its first issue, to be published in January 2007. Jazz Perspectives is the first peer-reviewed journal dedicated to jazz scholarship and will be published biannually with articles on aspects of jazz including music, history and culture.
   Porter and fellow historian and editor John Howland, both of Rutgers University, will serve as the journal’s editors while an editorial board of 23 jazz aficionados will blindly select articles for publication.
   The deadline for paper entries for Jazz Perspectives’ inaugural edition is April 1 and more information on paper requirements and the journal itself is available online at the Taylor & Francis Group website. (Katherine Silkaitis)

[Jazzinstituts-Bezug: Wolfram Knauer gehört zum Herausgebergremium dieses internationalen Journals der Jazzforschung und wirkt dabei als Book Review Editor.]

[Website der Quelle: http://jazztimes.com]
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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 2. Februar 2006:

Extreme voran. Darmstädter Preisträgerkonzert des Vibraphonisten Christopher Dell

Gary Burton hat das Spiel mit vier Schlegeln nicht erfunden. Trotzdem hat er damals in den sechziger Jahren, als er seine stupende Technik auf die Konzertbühnen brachte, die Welt des Vibraphons verändert. Fortan traute sich kein Spieler des Instruments mehr mit nur zwei Schlägeln aufs Podium, auch wenn er mehr oder weniger auf ein Täuschungsmanöver angewiesen war, nämlich, was durchaus möglich ist, die beiden zusätzlichen Schlaghölzer nur so mitlaufen zu lassen und in den seltensten Fällen überhaupt durch Berührung der Platten in den musikalischen Prozeß einzubeziehen. Christopher Dell, der dieser Tage den von der Sparkasse Darmstadt und dem Darmstädter Förderkreis Kultur e.V. neu gegründeten Darmstädter Musikpreis erhielt, ist mittlerweile der bedeutendste Schüler von Gary Burton, zudem Erfinder neuer Konzepte und Weiterentwickler der Technik.
   Die war beim Preisträgerkonzert aus der Nähe zu bewundern, und als einfach nicht mehr nachvollziehbares Koordinationskonstrukt aus Geist und Körpermotorik ist dieser Tanz der Klöppel über die Metallplatten schon anzusehen. In rasenden Abläufen verbinden sich hier liebliche oder spröd atonale Harmonien mit merkwürdig vorbeihuschenden oder prägnant jazzmäßig rhythmisierten Themen, in denen lange Beschäftigung auch mit der E-Musik-Avantgarde des zwanzigsten Jahrhunderts eine Rolle spielen. Dazu hat Dell mit seinem Trio "D.R.A." (Christian Ramond, Baß, Felix Astor, Schlagzeug) eine konzentrierte Improvisationstechnik entwickelt. Die Themen werden hier wie aus dem Nichts abgerufen und mit gleitenden Tempoveränderungen und aufmerksamem, wenn auch klar von Dell dominiertem Interplay verarbeitet. Das wie mit einer Lunge atmende Gemeinwesen ist das Ergebnis langer theoretischer und praktischer Exerzitien. Im besonderen Fall dieses im überfüllten Museumssaal der Künstlerkolonie auf der Mathildenhöhe begeistert gefeierten Konzerts hätte allerdings der Baß unbedingt eine Verstärkung zur Beurteilung seiner melodischen Funktion gebraucht.
   "Den Musikern", sagte der Direktor des Darmstädter Jazzinstituts, Wolfram Knauer in seiner Laudatio, "geht es um die Verinnerlichung der Strukturen, aber auch um die Verinnerlichung von Improvisationsphasen, von Reaktionsprozessen." Der vierzig Jahre alte Christopher Dell ist ein Sonderfall der europäischen Jazzszene, ein Feinmechaniker und Extremsportler, ein Kommunikationsphilosoph und Klangschwelger. Die Darmstädter haben eine würdige Leitfigur an den Anfang ihres Musikpreises gesetzt. (Ulrich Olshausen)

[Website der Quelle: http://www.faz.de]
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Darmstädter Echo, 27. Januar 2005:

Dank mit tanzenden Stöcken. Preisverleihung im Museum Künstlerkolonie


MIT WORTEN und mit Tönen dankte er für den Darmstädter Musikpreis:
Christopher Dell im Museum Künstlerkolonie. (Foto: Günther Jockel)

DARMSTADT. Den Beifall hat er einkomponiert: Am Ende seiner Zugabe geht Christopher Dell ins Klatschen über – zunächst alleine, dann stimmen seine beiden Mitmusiker mit ein, der Schlagzeuger Felix Astor und der Kontrabassist Christian Ramond.
   Alle drei bilden, entsprechend ihrer Nachnamen, zusammen das „D.R.A.-Trio“. Das Publikum im nahezu überfüllten Saal des Ernst-Ludwig-Hauses (Museum Künstlerkolonie) auf der Darmstädter Künstlerkolonie applaudierte daraufhin angeregt und begeistert.
   Der Jazz-Vibraphonist, Komponist und Improvisationstheoretiker Dell erhielt am Mittwochabend den erstmals vergebenen und mit 5000 Euro dotierten Darmstädter Musikpreis 2005 des Darmstädter Förderkreises Kultur und der Sparkasse Darmstadt. Der ehemalige Darmstädter Oberbürgermeister Peter Benz überreichte die Auszeichnung als Vorsitzender des Förderkreises.
   Dell bedankte sich vor allem instrumental auf seinem Vibraphon, aber auch mit einer kurzen Ansprache, in der er betonte, er sei ein echter „Heiner“, und außerdem sei ihm Darmstadt in seiner musikalischen Entwicklung immer besonders wichtig gewesen. Dell sprach von einem „verpflichtenden Erbe“, zumal er, der jetzt in Berlin lebende Instrumentalist, immer wieder gerne in seine Heimatstadt zurückkehre.
   Einleitend und einstimmend auf den Preis wie auf seine Kunst des Vibraphonspiels und des Zusammenspiels mit anderen Musikern, setzt Dell mit Akkorden, die wie ein Motto vorangestellt waren, sein erstes Stück in Gang. Dann bricht er die Akkorde auf, verzweigt sie zu Melodien, lässt sie ausufern und aufgreifen von seinen beiden Mitmusikern, die sie auf Kontrabass oder Schlagzeug umdeuten, um dann am Ende mit Dell zusammen alles wieder akkordisch zu bündeln.
   Derartiges hat der 40 Jahre alte Dell bei Gary Burton erlernt, bei dem er zwischen 1988 und 1990 am Berkeley College of Music in Boston (Massachusetts) studierte, wie Wolfram Knauer, der Leiter des Darmstädter Jazzinstituts, in seiner Laudatio auf Dell erwähnte.
   Burton pflegte nämlich aus den Akkorden heraus seine Melodien zu entwickeln. Knauer verwies in seiner Rede auf Dells Verwurzelung mit Darmstadt, seine Offenheit nach den verschiedensten Seiten bis hin zu den Ferienkursen für Neue Musik.
   Vor allem die Offenheit des Musikers für andere Sparten hob Knauer hervor, etwa für die Architektur oder für den Beuys-Block im Landesmuseum. Den erweiterten Kunstbegriff von Beuys habe Dell, so Knauer, für seine Kunst nutzbar gemacht.
   Daher sei Dells Musik sehr komplex. Damit einher gehen, so Knauer, aber auch Zweifel. Dell sei als Musiker stets auf der Suche nach einer Erweiterung seines musikalischen Gesichtsfeldes. Die habe ihn schließlich dazu gebracht, bei dem Darmstädter Komponisten Hans Ulrich Engelmann zu studieren. Dells oftmals überraschende Musik sei eine für offene Ohren, gewinne Bewegung aus der Form. Daher entwickle Dell beim Spiel eine sichtbare körperliche Intensität.
   Beim Spielen hört Dell genau auf seine Mitmusikern, blickt sie aufmunternd an und lächelt ihnen bei jeder gelungenen Aktion zu. Fast legt er ein sportives Element an seinem Vibraphon an den Tag, wenn er wie ein Wirbelwind darüberfegt, sich dabei nach allen Seiten bewegend und heftig mit dem Kopf den Rhythmus nickend.
   Beobachtet man die vier Stöcke in seinen Händen, mit denen er die Klangplatten seines Instruments förmlich beackert, dann meint man, die Stöcke würden zu tanzen beginnen. Und der Spieler tänzelt dazu wie ein aufgeregter Hexenmeister in seiner Klangküche hin und her, um zum Schluss das Stück mit einer effektvollen Körperdrehung zu beenden, als wolle er sich aus der Musik herausstehlen. (Heinz Zietsch)

[Website der Quelle: http://www.echo-online.de]
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Frankfurter Rundschau, 23. Januar 2006:

Nur so Splitter. Ulrike Haage und Carlos Bica im Darmstädter Jazz-Institut

Natürlich kommt man auf Vladimir Estragon zu sprechen und jenen spektakulären Auftritt von Ulrike Haage mit F.M. Einheit, Alfred 23 Harth und Phil Minton beim Berliner Jazzfestival mit dem klangrabiaten Quartett. "Betonbrocken", so weiß Wolfram Knauer, seien damals ins Publikum geflogen. Empört schnappt die strubbelhaarige Berlinerin nach Luft: stimmt gar nicht! Und korrigiert: Es waren Ziegelsteine. Und versucht im Gegröle zu präzisieren: "Naja, nur so Splitter von Ziegelsteinen eben...".

Eine Grenzgängerin sitzt auf dem Podium im Keller unterm Darmstädter Jazzinstitut. Eine so selbstbewusste wie vielseitige Musikerin, die entspannt plaudert mit Institutsleiter Knauer, der es geschafft hat, dass sich auch nach bald 50 Auflagen weder Langeweile noch Routine in die Gesprächskonzerte eingeschlichen haben. Diesmal siezt man sich im Keller. Das ist zumindest so ungewöhnlich wie die Tatsache, dass Knauer nicht mit einem Mann fachsimpelt. Ulrike Haage sieht sich selbst keineswegs als Teil der Jazzszene. Als erste Frau hat sie zwar 2003 den Albert-Mangelsdorff-Preis erhalten, aber sie hat sich eine komfortable Nische erarbeitet mit Hörcollagen und Lyrikvertonungen, hat Musik komponiert zu Texten von Jane und Paul Bowles, Durs Grünbein und Louise Bourgeois. Sie bewegt sich gerade noch am Rande dessen, was das Gros der Jazzgemeinde wahrnimmt.

Das Konzert, zwei langen Sets, die das Gespräch umrahmen, bestreitet die Pianistin mit dem Kontrabassisten Carlos Bica. So entspannt wie sich das Gespräch von dem Jazz-Zuhause über den Pop-Flirt mit den Rainbirds bis zu den aktuellen Projekten hangelt, so entspannt, so sanft mäandernd spielen sich Haage und Bica durch den Abend.

Nachdenklich über die Tasten

Es bleibt, so merkt man bald, eine Leerstelle. In den CDs und Live-Performances von Ulrike Haage wird sie gefüllt von Texten und Bildern. In Darmstadt gehen die beiden über lange Jahre vertrauten Musiker auf eine gemeinsame Klangexkursion. Zuweilen überlässt Bica der Pianistin das Terrain, dann wieder zeigt der Bassist mit flüssigem Spiel, wie fragil so ein großes Holz wispern kann. Zart, unmerklich, hat Ulrike Haage den Klang aufgenommen, setzt mit feinem Plinkern die Notenfolge der Basssaiten im Klavierinnern fort. Ihre Hand wandert nachdenklich über die Tasten, findet suggestive Melodiesprengsel, unmerklich entsteht Musik mit meditativem Sog. Gespickt ist ihr Spiel mit Romantizismen, aber es wird auch immer wieder unterbrochen von kleinen akustischen Experimenten. Mal ruft Ulrike Haage via Laptop strenge Rhythmen ab, dann wieder raschelt sie mit Muscheln oder Papier. Ein Abend des Ausprobierens und Abtastens - nächste Woche wird Ulrike Haage Meret Becker in Lissabon sein, dann wieder mit Texten und ohne Carlos Bica. (Gerd Döring)

[Website der Quelle: http://www.frankfurter-rundschau.de]
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Berliner Zeitung, 16. Dezember 2005:

Gute Aussichten für den deutschen Jazz

   Dass die Bundeskulturstiftung Geld für die nationale Jazzszene bereitstellt, gehört zu den guten Nachrichten zum Jahresende. Dass das Goethe-Institut sich beteiligt, ebenso. Bei der Programmvorstellung des German Jazz Meeting am Mittwoch im Quasimodo sparten die Verantwortlichen jedenfalls nicht mit Lob. Man gab sich extrem zuversichtlich, soweit es die erste deutsche Jazzmesse "jazzahead" betrifft, die vom 23. bis 26. März 2006 in Bremen stattfinden soll. Wegen der Kulturhoheit der Länder fühlte der Bund sich bisher für eine solche nationale Präsentation des Jazz nicht zuständig. Erst als die Messe Bremen auf den Plan trat, kam Bewegung in die offiziellen Strukturen.
   Neben diversen anderen Messeschwerpunkten - von Konzerten internationaler Jazzstars wie Bugge Wesseltoft und John Scofield über Workshops zu Urheberrecht und Radioprogrammierung bis hin zu Labelpräsentationen und einer vom Jazzinstitut Darmstadt initiierten Ausstellung zum Jazz in Deutschland - hat sich das German Jazz Meeting, das in jedem zweiten Messejahr stattfinden soll, die Aufgabe gestellt, die deutsche Jazzszene auch im Ausland bekannter zu machen. In den europäischen Nachbarländern sei schon längst Usus, teilte Arndt Weidler vom Jazzinstitut Darmstadt mit, dass man international relevante Festivalmacher, Clubbetreiber und Journalisten zu sich einlade, um ihnen nationale Highlights zu präsentieren. Die Erfahrung zeige, dass dies tatsächlich Bandauftritte bei großen internationalen Festivals nach sich ziehe.
   Nur von der deutschen Szene sei in anderen Ländern bisher kaum etwas bekannt - genau das soll sich ab März 2006 ändern. Im Vorfeld ließ man von einer Expertenjury Vorschläge erarbeiten, welche Musiker auf dem German Jazz Meeting präsentiert werden sollen, und siehe da, acht der insgesamt vierzehn Bands operieren mittlerweile von Berlin aus. Die Spanne reicht von der Free-Jazz-Band Erdmann 3000 bis zum Funk-Projekt Lychee Lassi, selbst das Erfolgsprojekt Aki Takase plays Fats Waller hat Platz. Bei der Programmpräsentation tat die ebenfalls in Berlin wohnende Sängerin Lisa Bassenge schon mal kund, dass sie keine Musik für die ollen Jazzgraubärte mache, sondern neue Sachen eben, und, ja, unspießig soll es sein.
   Konnte man sonst immer leicht den Eindruck bekommen, dass emsige Jazzverbandsarbeiter ihr Dasein in schlecht belüfteten Hinterzimmern fristen, wird jetzt kräftig durchgelüftet. Das Goethe Institut hat die Botschaften bereits angewiesen, die interessierten Jazzvermittler aus dem Ausland einfliegen zu lassen, von der Messeorganisation wird kräftig geworben - mit erstaunlichem Feedback, wie es heißt. Und bei den Subventionen von Goethe und Bund allein soll es nicht bleiben - umfangreiche Anträge für EU-Gelder sind bereits verschickt, Sponsoren aus der Hotel- und Autobranche wurden akquiriert, und mit Publikum rechnet man schließlich auch noch. Ein Dreisäulenkonzept ohne China Fast Food und indische Tücher. (Christian Broecking)

[Website der Quelle: http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung]
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Berliner Morgenpost, 15. Dezember 2005:

Swingen für den Standort Deutschland. Berliner prägen das Bremer "jazzahead"-Festival

Deutscher Jazz ist gut. Nur bekommt davon außerhalb Deutschlands keiner was mit. Dieser betrübliche Umstand soll sich im März nächsten Jahres ändern. Dann findet in Bremen zum ersten Mal das Festival "jazzahead" statt. Als "einzigartiges und innovatives Forum für Musiker, die Jazz-Wirtschaft und Interessierte" beschrieb Hans Peter Schneider, Geschäftsführer der Bremer Messe- und Ausstellungsgesellschaft Hansa, die dreitägige Veranstaltung, die gestern im Berliner Quasimodo-Café vorgestellt wurde. Der hauptstädtische Präsentationsort wurde bewußt gewählt, um die nationale Bedeutung von "jazzahead"zu unterstreichen.
   So zielt einer der zentralen Bestandteile des Festivals auf die bessere Vermarktung deutscher Jazzmusiker ab. Es handelt sich dabei um das "German Jazz Meeting", in dessen Rahmen 14 hochrangige einheimische Bands die Gelegenheit erhalten, sich bei Kurzauftritten vor internationalen Festivalmachern zu präsentieren. Der Großteil der von einer Fachjury ausgewählten Gruppen und Künstler stammt aus Berlin; darunter sind unter anderem jazzIndeed, Julia Hülsmann, Lisa Bassenge, Aki Takase oder Thärichens Tentett. Sie können in Bremen Festival-Kuratoren aus Australien, Kanada oder den USA von ihren Qualitäten überzeugen.
   Laut Peter Schulze, Leiter des Berliner JazzFests und Mitinitiator des "German Jazz Meeting", war eine solche Veranstaltung längst überfällig. Im Vergleich zu den europäischen Nachbarn sei Deutschland ein "Entwicklungsland", so Schulze. Das "Meeting", das von der Kulturstiftung des Bundes und vom Goethe-Institut gefördert wird, soll alle zwei Jahre stattfinden.
   Als alljährliche Jazz-Anlaufstation ist das Bremer "jazzahead"-Festival geplant. Bei der Auftaktausgabe, die zwischen dem 23. und 26. März 2006 über die Bühne geht, wird es neben Konzerten (unter anderem mit John Scofield, der NDR Big Band, Christof Lauer und Bugge Wesseltoft) Seminare für angehende Profimusiker und Messe-Präsentationen von Labels, Agenturen und Verbänden geben. Es wird auch ein Symposium stattfinden, in dem der Unternehmer und Baritonsaxophonist August-Wilhelm Scheer Managern davon berichtet, wie die Prinzipien der Improvisation für eine bessere Unternehmungsführung führen können. Der Jazz kann vielleicht sogar die deutsche Wirtschaft retten. (j.e.)

[Website der Quelle: http://www.echo-online.de]
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Darmstädter Echo, 15. Dezember 2005:

Er hat die Jazz-Szene geprägt. Auszeichnung: Preis wird nicht öffentlich ausgeschrieben
Christopher Dell erhält den Darmstädter Musikpreis 2005

DARMSTADT. Preise für Literatur und bildende Kunst gibt es in Darmstadt genug, sagte sich der ehemalige Darmstädter Oberbürgermeister Peter Benz in seiner Funktion als Vorsitzender des seit 1996 bestehenden Darmstädter Förderkreises Kultur. Warum soll neben dem bisher bestehenden Kranichsteiner Musikpreis, der alle zwei Jahre im Rahmen der Internationalen Ferienkurse für Neue Musik vom Internationalen Musikinstitut der Stadt Darmstadt vergeben wird, nicht noch ein weiterer Musikpreis treten?
   Zusammen mit der Sparkasse Darmstadt und deren Vorstandsvorsitzendem Georg Sellner, der die Mitwirkung seiner Bank als Teil ihres „öffentlichen Auftrags“ ansieht, stellte Peter Benz vom Förderkreis am Donnerstag in der Vorstandsetage der Sparkasse den neuen Darmstädter Musikpreis vor.
   Erstmals damit ausgezeichnet wird für das Jahr 2005 der aus Darmstadt stammende und heute in Berlin lebende Jazzmusiker und Vibraphonist Christopher Dell (Jahrgang 1965). Überreicht wird ihm die mit 5000 Euro dotierte Auszeichnung am 25. Januar um 19 Uhr im Museum Künstlerkolonie auf der Mathildenhöhe. Dell wird sich dafür mit einem Konzert bedanken.
   Der Preis wird nicht öffentlich ausgeschrieben, sondern die Vorschläge für die jährliche Vergabe kommen aus dem Kreis der Jury. Zu ihr gehören der ehemalige Oberbürgermeister Peter Benz, der Generalmusikdirektor des Staatstheaters Stefan Blunier, der Geschäftsführer der Centralstation Michael Bode-Böckenhauer, der Direktor der Akademie für Tonkunst Cord Meijering, der Direktor des Internationalen Musikinstitut Solf Schaefer, der Direktor des Jazz-Instituts Wolfram Knauer und der Kulturamtsleiter Helmut Stütz. Vergeben werden kann der Preis an Musiker und Komponisten aus Darmstadt und Umgebung, aber auch an Musikforscher, die an den renommierten Darmstädter Musikeinrichtungen arbeiten.
   Möglichst flexibel soll die Auszeichnung gehandhabt werden. So kann vom üblichen Preisgeld von 5000 Euro abgewichen und an mehrere Personen aufgeteilt werden, oder es kann als Basis eines Stipendiums dienen oder Projekte fördern. Die Überreichung erfolgt im Rahmen eines Preisträgerkonzerts, das organisatorisch wie finanziell in Absprache mit dem jeweiligen Künstler vom Förderkreis Kultur ausgerichtet wird. Diesmal muss aus terminlichen Gründen das Museum Künstlerkolonie als Übergabeort dienen, künftig soll die Preisvergabe mit Konzert aber im Kundencenter der Sparkasse stattfinden, versprach Sellner.
   Dell erhält den Preis als Darmstädter Musiker, der weit über Deutschland hinaus zu den bedeutendsten Instrumentalisten, Jazzmusikern und Improvisatoren auf dem Vibraphon gehört und der die Darmstädter Jazz-Szene maßgeblich geprägt hat und auch heute noch in dieser Stadt regelmäßig präsent ist. (Heinz Zietsch)

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Frankfurter Rundschau, 12. Dezember 2005:

Verheißungsvoll. Eva Kruse, Michael Wollny und Eric Schäfer als Trio \[em\] in Darmstadt zu Gast beim Jazzinstitut

Man nennt ihn die Hoffnung des deutschen Jazz. Man vertraut ihm die Zukunft an, die Nachfolge Albert Mangelsdorffs, Heinz Sauers oder Joachim Kühns. Der Pianist Michael Wollny, gerade 27 Jahre alt, trägt schon jetzt eine große Last auf seinen schmalen Schultern, und er wirkt dabei wie einer, der das Rampenlicht nicht besonders mag.
   In Darmstadt, im Gewölbekeller unterm Jazzinstitut, wo der deutsche Jazz seit Jahren gut gepflegt wird, überlässt er die Moderationen seinen Triokollegen: Eva Kruse (Bass) und Eric Schäfer (Schlagzeug). Selbstbewusst aber ist Wollnys musikalischer Zugriff, der nichts auszuschließen scheint und sich dennoch nie in der Weite verliert. Sein Spiel ist genau und doch immens flexibel, hartnäckig, intensiv und zugleich sehr offen. Und doch: es wäre ganz falsch, hier nur über Wollny zu reden. Das Trio ist demokratisch organisiert, funktioniert ganz ohne Hierarchien, eher schon wie eine Band, und es heißt auch nicht Michael Wollny Trio, sondern \[em\]. Schon jetzt ist ihr Zusammenspiel von einer Vertrautheit, die verheißungsvoll ist. Manches erinnert da an das Esbjörn Svensson Trio, das Erfolgsmodell aller Klaviertrios.
   Auch im Ton nähern sich Wollny, Kruse und Schäfer ihm an, um sich sofort wieder zu entfernen. Die Referenzen aber sind so breit gestreut und dabei so gegensätzlicher Herkunft, dass Wollny, Kruse und Schäfer schon nach ein paar Minuten vor allem nach sich selbst klingen. Aus ihren Stücken tönt eine sehr authentische, eigensinnige musikalische Sozialisation. Wollny, Kruse und Schäfer nutzen die Freiheiten, die der Free Jazz erarbeitet hat, und kennen den Charme des Pop, mit dem sie aufgewachsen sind. Die Geschichte liegt als imaginäres Museum vor ihnen, und sie greifen zu. Ohne Ideologie und Scheu, ohne bilderstürmerisches Pathos, dafür mit immenser Spiellust und juvenilem Übermut. Anders als beim Roten Bereich, der den gegenwärtigen Jazz schon vor Jahren auf einen neuen Stand hob und dabei Geschichtsfragmenten, mit Zitatfetzen und Genresplittern virtuos jonglierte, kommen Wollny, Kruse und Schäfer ohne die ironische Geste aus.
   Das ermöglicht ihnen auch die größere Form, den weiteren Bogen. Und auch den Jazz als Heimat, als Plattform ihrer musikalischen Kommunikation stellen sie nie grundlegend in Frage. So frei, so offen sie auch immer spielen, es ist ausdrücklich Jazz, was sie machen: Young German Jazz, wie es uns ihre Plattenfirma sagt. So etwas gab es natürlich immer schon. Aber dieser ist wirklich besonders schön.

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Darmstädter Echo, 12. Dezember 2005:

Michael Wollny im Jazz-Institut

DARMSTADT. Es klingt wie im Märchen: Plattenfirma sucht für seine Reihe „Young German Jazz“ Talente, die uneigennützig gefördert werden sollen. Zu diesen Musikern gehört der 26 Jahre alte Pianist Michael Wollny, der am Freitag mit seinem Trio im Gewölbekeller unterm Darmstädter Jazzinstitut gastierte. Die mit vielen Vorschusslorbeeren bedachte Formation verfolgt dabei ein Rezept der Konversation. Dass es dabei um verständliche Themen geht, die hohen Unterhaltungswert besitzen, ist für die Protagonisten selbstverständlich.
   Mit der Kontrabassistin Erika Kruse hat Wollny schon im Bundes-Jugend-Jazzorchester gespielt und diese hat mit Schlagzeuger Eric Schäfer in Berlin studiert. Neben dem Drum-Set bedient er kunstvoll ein Riesengestell aus Utensilien wie Glocken, Gongs und Triangel. Der Blickkontakt zum Pianisten genügt, um traumwandlerisch den nächsten Pfad zu entdecken.
   Alle drei verfügen über eine reiche Palette an Ausdrucksmöglichkeiten. Aus kurzen, energiegeladenen Kollektivimprovisationen entwickeln sich swingende Grooves, die sich auflösen und in Klangexperimente einmünden. Wollny möchte „Räume schaffen, in denen die Musik ihr unkontrollierbares Eigenleben führt“. Die Formation „[em]“ verquickt Klassik, Jazz und Pop zu einer faszinierenden Melange. (hdv)

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Frankfurter Rundschau, 5. Dezember 2005:

Austarierte Stille. Christopher Dells 3 D im Darmstädter Jazzinstitut

   Am Anfang klingt es fast wie Jazz. Zumindest lässt sich ein Jazzimpuls erspüren, mehrfach gebrochen zwar, aber immerhin. Vielleicht ist es aber auch nur unsere Erwartungshaltung, schließlich sind wir die Treppen zum Gewölbekeller des Darmstädter Jazzinstituts hinuntergegangen. Und da wird doch Jazz gespielt. Oder etwa nicht?
   Man könnte es auch anders hören. Fragmente, die sich additiv zusammensetzen, in einer Art dekonstruierten Isorhythmik. Eine komplexe Verzahnung von drei Instrumenten, Vibraphon, Bass, Schlagzeug, die sich zunächst vor allem auf rhythmischer Ebene suchen und sich um althergebrachte Codierungen wie Thema und Improvisation nicht kümmern. Und bald geht die Musik in alle möglichen Richtungen, die man vorher nie erwartete, das Unvorhersehbare ist hier ein Teil der musikalischen Identität.
   Über die Herkunft und Heimat von 3D, dem neuen Trio von Christopher Dell, Chris Dahlgren und Maurice de Martin, wird auch in der Pause gerätselt. Es fallen Stichworte wie seriell und Punk. Nicht dass es stimmen würde, aber ein solch assoziatives Spektrum muss Musik erst einmal gelingen.
   Dabei wirkt es ganz leicht. Dell, Dahlgren und de Martin bewegen sich immer dicht am Material, das sie innerhalb eines Stücks genau ausloten und dabei gerne auch performativ erweitern. Das sind nicht immer die besten Momente. "Huah"-Rufe ins improvisierte Filigran sind weder besonders wagemutig noch irgendwie cool, bedienen wohl aber die Sehnsucht, auch den Trash in ihr Triospiel einzubinden.
   Besser sind 3D da, wo ihre hartnäckige Genauigkeit zur Herausforderung wird, etwa im Feldman-artigen, immens geduldigen Austarieren von Stille, die sie über Minuten ausdehnen und erst dann erlösen, als sie längst nicht mehr nur noch schön und friedlich ist, sondern zäh und anstrengend. Nur um dann in rockistischer Manier, kratzig-verzerrte elektronische Geräuschkulissen aufzutürmen und sich ihnen lustvoll hinzugeben. Später wünscht sich da einer "Musik" wieder. Er hat nicht Jazz gesagt.
   Immerhin. (Tim Gorbauch)

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[unveröffentlichte Rezension]

Stephan Schmolck und Electric Bundle im Darmstädter Jazzinstitut. Die Bilanz elektrisch empfundener Schwingungen und Spannungen

DARMSTADT. Die Jazz Talks, die allmonatlich im Darmstädter Jazzinstitut stattfinden, erweisen sich immer mehr als eine Art Güteprüfung und Gütesiegel vor allem der deutschen Jazzszene. Stephan Schmolck, der am vergangenen Freitag im hiesigen Gewölbekeller mit seinem Quartet zu Gast war, hat sich nach langen Jahren des „free working“ und einer langen Partnerschaft mit Heinz Sauer nun einer eigenen Gruppe zugewandt, die er „Electric Bundle“ tituliert, wobei er weniger die Verwendung elektrischer oder elektronischer Komponenten ins Auge fasst als eine in sich homogene Musik, in der sich aber unter den Mitmusikern weite Spannungsfelder aufbauen können, die Gruppendynamik dabei im Vordergrund steht. Der Frankfurter Bassist Stephan Schmolck, der sich aus dem Free Jazz heraus als stilistisch offen und als Stratege vielfältiger Kolorierungen erwiesen hat, früher oft so lange spielte, bis der Saal sich geleert hatte, sucht heute keine Konfrontation mehr, sondern bevorzugt klare Linien. Wenn er vorproduzierte statische Flächen verwendet oder verschiedene beeinflussbare Effektgeräte ansteuert, hat er stets eine Klangeinheit im Sinne, da er die Musik ästhetisch begreift, nicht als Kopie oder Klischee. Im ersten Spielset in Darmstadt spürt man die gleichgewichtigen Spannungen im Kraftfeld von Klavier (John Schröder, der sein eigentliches Instrument gefunden zu haben scheint), Altsaxophon (Hugo Read) und Schlagzeug (Eric Schäfer). Was aber untergeht, sind die für Schmolck kennzeichnenden impulsiven Attacken des Bandleaders im höheren Frequenzbereich, dem live ein Vollbereichslautsprecher zu fehlen scheint, denn im Studio hört sich das anders an. Dass diese Musik volle Konzentration erfordert, dokumentiert das zweite Set, in dem der Pianist seltsam nervös und fahrig wirkt, mit dem Schlagzeuger zusammen ungewollt-gewollt andere Schwerpunkte setzt, während der Altsaxophonist monologisiert. Trotzdem bleibt die Gruppendynamik eminent spannend, wirkt aber nicht mehr so homogen wie zuvor. (goe)

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Frankfurter Rundschau, 6. Dezember 2005:

Austarierte Stille - Christopher Dells 3 D im Darmstädter Jazzinstitut

VON TIM GORBAUCH

DARMSTADT Am Anfang klingt es fast wie Jazz. Zumindest lässt sich ein Jazzimpuls erspüren, mehrfach gebrochen zwar, aber immerhin. Vielleicht ist es aber auch nur unsere Erwartungshaltung, schließlich sind wir die Treppen zum Gewölbekeller des Darmstädter Jazzinstituts hinuntergegangen. Und da wird doch Jazz gespielt. Oder etwa nicht?
Man könnte es auch anders hören. Fragmente, die sich additiv zusammensetzen, in einer Art dekonstruierten Isorhythmik. Eine komplexe Verzahnung von drei Instrumenten, Vibraphon, Bass, Schlagzeug, die sich zunächst vor allem auf rhythmischer Ebene suchen und sich um althergebrachte Codierungen wie Thema und Improvisation nicht kümmern. Und bald geht die Musik in alle möglichen Richtungen, die man vorher nie erwartete, das Unvorhersehbare ist hier ein Teil der musikalischen Identität.
Über die Herkunft und Heimat von 3D, dem neuen Trio von Christopher Dell, Chris Dahlgren und Maurice de Martin, wird auch in der Pause gerätselt. Es fallen Stichworte wie seriell und Punk. Nicht dass es stimmen würde, aber ein solch assoziatives Spektrum muss Musik erst einmal gelingen.
Dabei wirkt es ganz leicht. Dell, Dahlgren und de Martin bewegen sich immer dicht am Material, das sie innerhalb eines Stücks genau ausloten und dabei gerne auch performativ erweitern. Das sind nicht immer die besten Momente. "Huah"-Rufe ins improvisierte Filigran sind weder besonders wagemutig noch irgendwie cool, bedienen wohl aber die Sehnsucht, auch den Trash in ihr Triospiel einzubinden.
Besser sind 3D da, wo ihre hartnäckige Genauigkeit zur Herausforderung wird, etwa im Feldman-artigen, immens geduldigen Austarieren von Stille, die sie über Minuten ausdehnen und erst dann erlösen, als sie längst nicht mehr nur noch schön und friedlich ist, sondern zäh und anstrengend. Nur um dann in rockistischer Manier, kratzig-verzerrte elektronische Geräuschkulissen aufzutürmen und sich ihnen lustvoll hinzugeben. Später wünscht sich da einer "Musik" wieder. Er hat nicht Jazz gesagt. Immerhin.

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Darmstädter Echo, 1. November 2005.

Zeitfenster für die Töne. Konzert: Christopher Dell gastiert mit einem Soloprogramm im Jazzinstitut in Darmstadt
   DARMSTADT. Ungewöhnlich sind die intelligenten Arbeiten des Darmstädter Vibraphonisten Christopher Dell schon immer gewesen. Er lebt inzwischen in Berlin, hält aber die Verbindung zur Geburtsstadt. Am Sonntag stellte er bei einem Konzert des Jazz Fördervereins Darmstadt im Jazzinstitut sein Soloprojekt „Monodosis“ vor.
   Das Benefizkonzert brach nach Dells Worten ein Dogma, das er sich selbst auferlegt hat: Die Solodarbietung widersprach der eigenen These, dass nur der Austausch mit einem Spielpartner Musik aufblühen lasse. Nach fast einem Jahr intensiver Vorbereitung zeigte der Vibraphonist das Ergebnis seiner Auseinandersetzung mit einem Konzept von Joseph Beuys. In der Block-These setzte sich Beuys damit auseinander, wie Energie, die in Material gespeichert ist, freigesetzt werden kann.
   In Zeitfenstern von 20 Minuten vermag ein Künstler diese Energiespeicher zu entladen, so die Theorie, die Dell in Musik umsetzte. In seinen zeitlich begrenzten Spielakten geht er bis an die Grenze physischer Erschöpfung, lässt auf seinen Metallplatten erratische Sequenzen aufschimmern. Er arbeitet viel mit dem Pedal, mit dem er die Töne dämpft oder längt, wobei er die Melodielinien unterstützt oder die Töne zieht, indem er die Schlegel an den Platten entlang schleifen lässt. Die Musik, ein steter Wechsel von Aufbruch und Beharrung, gleicht jähen Gedankensprüngen, wobei Dell auch Schemata wiederholt; dazu holt Dell im dritten seriellen Fond auch noch Morton Feldman ins Boot, wenn der Ton so bleibt, wie er ist, man ihm stets die Zeit gibt, sich in langem Nachhall zu entwickeln. (Ulfert Goeman)

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Darmstädter Echo, 7. November 2005:

Talente im Wohlfühltempo: Jazz mit dem Gerd-Schumacher-Quintett
   DARMSTADT. Der Verein zur Förderung des zeitgenössischen Jazz ist die richtige Adresse für junge Musiker der lokalen Szene, die ihre Projekte vorstellen möchten. Das Gerd-Schumacher-Quintett gastierte am Samstag im Gewölbekeller des Jazz-Instituts: eine Gruppe, die seit längerem alljährlich auftritt und sich auf ein interessiertes Stammpublikum verlassen kann. Der Trompeter Gerd Schumacher gehört zu der jungen Generation von Instrumentalisten, die sich anschickt, in die Fußstapfen der großen Meister zu treten. Der Trompeter arbeitet unspektakulär an seinem Projekt und ist mit kleinen Schritten dabei, sein Quintett immer mehr zu einer Einheit mit selbstständigem Profil zu schmieden.
   Dabei steht moderner Mainstream-Jazz im Mittelpunkt, besonders die Bearbeitung von weniger bekannten Kompositionen europäischer Größen. Eine davon ist der englische Trompeter Harry Beckett, dessen Stücke trotz aller Komplexität stets die Leichtigkeit karibischer Lebensart durchscheinen lassen. Der auf Barbados geborene und in England aufgewachsene Beckett hat sich nach unergiebigen Versuchen im Free-Jazz wieder an die Musik seiner Heimat erinnert und gastierte damit mehrfach in Darmstadt. Das Gerd-Schumacher-Quintett, in dem neben der Stammbesetzung noch die Kontrabassistin Ina Burger auftrat, überzeugte mit flüssigen Kollektiv-Parts, in die Improvisationen aller Mitwirkenden geschmackvoll eingebaut waren. Neben dem Bandleader waren dies besonders der Gitarrist Eberhard Petri und der Pianist Harald Teichert. Die homogene Gruppe fühlt sich bei mittelschnellen Tempi am wohlsten, dann entfalten sich hörbar die Talente.
   Mit einer Kombination aus den Standards „Straight, No Chaser“ und „Now is the Time“ bedankte sich das Quintett für den lang anhaltenden Beifall der zahlreichen Besucher. (hdv)

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Darmstädter Echo, 17. Oktober 2005:

Darmstädter Jazz-Projekt „Outline 05“ soll eine Institution werden

DARMSTADT. „Outline 05“ nennt sich ein Projekt des Fördervereins Jazz, das Musiker, die in diversen Gruppen tätig sind, zu einer Ad-Hoc-Band vereinigt. Dieses Ensemble präsentierte am Freitagabend im Gewölbekeller unterm Darmstädter Jazzinstitut eine bunte Palette zeitgenössischer Jazzströmungen. Der Schwerpunkt lag dabei eher auf Bekanntem als in der Erprobung neuer Ausdrucksmöglichkeiten.
   Der unerschöpfliche Blues als gemeinsamer Nenner, Neo-Bop, Latin oder Jazzwalzer bilden das thematische Fundament, auf dem sich die sechs Musiker heimisch fühlen. „Dies ist nicht die Band des Vorstandes“, bemerkt Gitarrist Thomas Honecker bei der Vorstellung seiner Kollegen, die jedoch allesamt Mitglieder des Fördervereins sind. Das Projekt soll eine Institution werden, allerdings mit wechselnder Besetzung und stilistischer Ausrichtungen.
   Diesmal dabei war die virtuose Tenorsaxofonistin Frauke Kühner, die auch einige Eigenkompositionen, wie die Ballade „Herrngarten“, beisteuerte. Ihr zur Seite stand Sopransaxofonist Michael Bossong, dessen expressives Spiel besonders gefiel. Als künstlerischer Leiter hielt Uli Partheil am Piano die Fäden zusammen. Der für seine kubanischen Variationen bekannte Spezialist konnte in der ungewohnten Umgebung beweisen, dass er sich auch in anderen Bereichen souverän bewegt. Thomas Honecker überraschte ebenfalls mit sicherem konventionellen Gitarrenspiel, ganz im Gegensatz zu seinen sonst üblichen Klangexperimenten. Ein solides Rückgrat bildeten Kontrabassist Udo Brenner und Schlagzeuger Max Sonnabend. (hdv)

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Frankfurter Rundschau, 5. Oktober 2005:

Was gute Musiker machen. Jazz und Popularmusik - ein Darmstädter Symposium

"Wie? Ihr veranstaltet einen Kongress über Jazz?" David Murray schüttelt den Kopf. "Ihr weißen Europäer wisst doch gar nicht, was das ist." Womit er nicht ganz Unrecht hat: Am Ende müssen die Musiker es richten, Wissenschaftler und Publizisten sind nicht weiter gekommen, schon die Definitions-Phase blieb unabgeschlossen: Was uns das Wort "populär" sagen wolle, ob es eine historische, politische, kulturkritische, eine wertende oder objektivierend soziologische Kategorie sei, ob sie sinnvoll sei als Gegensatz zum Jazz, und was Jazz überhaupt sei?
   Da war sie, die große Frage, immer wieder. Die von Musikern gern heuristisch ins Spiel gebrachte Unterscheidung nicht zwischen E- und U-Musik oder Avantgarde und Pop, sondern einfach zwischen guter und schlechter Musik, bringt vielleicht Musiker weiter, Musikwissenschaftler jedenfalls nicht. Eine kulturkritische Debatte kann man nicht mit Kategorien wie "gut" und "schlecht" führen. Andererseits sind heuristische Kriterien genau das, worüber jeder am besten Bescheid weiß. Jeder hat einen persönlichen Katalog, nach dessen Einträgen er diese Unterscheidung trifft; das einzige Problem ist die mangelnde intersubjektive Gültigkeit.

Eine Fülle von gelingenden klingenden Augenblicken
  
Aber nicht mal das existiert immer, wie Colin Towns und die NDR Bigband im Konzert bewiesen. Mit landläufigem Song-Material, der Sängerin Norma Winstone und den wirkungsvollen, bestechend intelligenten Arrangements von Colin Towns inszenierte sich die Band auf einem überragend intensiven, energiereichen spielerischen Niveau, und irgendwie war man an diesem Konzertabend nach zwei Tagen voller Referate und Debatten wieder am Anfang angelangt: durch die jede Reflexion transzendierende Arbeit von Musikern, durch eine Fülle von gelingenden klingenden Augenblicken. Vorschlag für einen wohlfeilen Ausweg aus dem kategorialen Dilemma: Gute Musik ist das, was gute Musiker machen. Woran aber erkennt man gute Musiker? Ja, genau.
   Schlechte Musiker waren beim Darmstädter Jazzforum nicht zu erleben. David Murray konnte vielleicht wirklich zeigen, was Jazz ist, aber das Resultat fiel doch etwas enttäuschend historistisch aus. Der diskursive Teil des Darmstädter Jazzforums mit dem Titel "Verrat!!!... Oder Chance? Der Jazz und sein gespaltenes Verhältnis zur Popularmusik" lieferte eine weiträumige Bestandsaufnahme des Problemfeldes ohne klare Ergebnisse und zuweilen mit pointierter Ergebnislosigkeit. Das Thema, eher ein Feuilleton-Problem als eines der Musikwissenschaft, erwies sich als erfreulich schwer zu fassen und materialreich zu behandeln, erfreulich zu thesenstarken Zuspitzungen ermunternd und daher vor allem von den Wissenschaftlern mit erfreulicher Behutsamkeit behandelt, zuweilen etwas provokanter aufgemischt - etwa von Peter Kemper oder Andreas Felber - und zuweilen mit brillanten Analogiesuchen von begrenztem Erklärungswert beackert wie in Diedrich Diederichsens Vortrag über "Jazz als Concept Art".

Ein Problemfeld mit rissigen Rändern und Tabuzonen
  
Etwas Besseres aber als ein weites Problemfeld mit rissigen, gezackten Rändern, Tabuzonen, missverstehbaren Wegmarken, aspektreichen Geschichten und widersprüchlichen Vereinnahmungen kann einem Symposium kaum passieren. Der Hamburger Musikwissenschaftler Martin Pfleiderer beantwortete seine Ausgangsfrage "Was macht Musik populär" nicht eindeutig, sondern aus mehreren Richtungen annähernd, nicht trotz, sondern wegen seiner umsichtigen Argumentation. Das kommerziell-ästhetische Mysterium der skandinavischen Musik erschloss sich nicht vollständig aus der klugen Analyse von Marktstrategien (Frithjof Strauß). Für die ästhetische Verschmelzung von Jazz-, Pop- und Rock-Elementen und die politischen und / oder kommerziellen Strategien dahinter (Peter Kemper, "Rock around the Pop", Wolfram Knauer, "Healing Force of the Universe - warum der Free Jazz zahm wurde") gibt es keine allgemein gültig formalen, sondern nur persönliche, historisch sehr spezifische Modelle und Gründe fürs Misslingen oder für den Erfolg.
   So wurde DJ Spooky alias Paul D. Miller der König des Kongresses. Miller ist ein kluger Vielleser, Vielseher und Vielhörer, ein Media-Freak, der elektronische Medien benutzt, um die bilder- und klangreichen Ordnungssysteme seines Gedankenapparates nach außen zu stülpen. Jazz ist für ihn ein Anlass, über Geschichte nachzudenken, was er in einem fulminanten Vortrag ebenso vorführte wie in einem konzertanten Auftritt als DJ. Er fragt sich keinen Augenblick, was Jazz sei. Er verwendet auch nicht Jazz als bevorzugtes Material seiner rhythmischen Bild-Ton-Montagen. Aber er macht, auf der Basis einer weiträumigen, eklektizistischen Wissenswelt Prozesse und Haltungen erfahrbar, die, wenn sie verbalisierbar wären, eine plausible Antwort auf die Frage bilden könnten, wie Jazz funktioniert. (Hans-Jürgen Linke)

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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 5. Oktober 2005:

Sind neue Hosen neoliberal? Das Darmstädter Jazzforum untersucht das Verhältnis zum Pop

Ob der Pop die Spalttablette des Jazz ist, um den manchmal selbstgefälligen Weltschmerz über mangelnde Publikumsakzeptanz zu vertreiben, blieb beim neunten Darmstädter Jazzforum gänzlich offen - zum Glück. Merke: Avancierte Musik mußte noch nie Turnhallen füllen. So machten die unterschwellig kontroversen Diskussionen unter dem Tagungsthema "Verrat oder Chance? Der Jazz und sein gespaltenes Verhältnis zur Popularmusik" erneut vor allem eines deutlich: Die Musik, inclusive Jazz, ist für den Menschen da und nicht für die Musikforschung. Auch nicht nur für grimmige Langzeit-Improvisatoren, die sich - mit Verlaub - in Hüftumfang und Bartkürze ähnlich sehen.
   Kopfschmerzen bekam in Darmstadt nur derjenige, der seiner eigenen Identität als von der Gesellschaft ungeliebter Free-Jazzer hinterherhechelt oder den längst in der Pferdepension betüterten Weltgeistgaul immer noch mit dem rein soziologisch geflochtenen Rifflasso einfangen wollte. Wer würde etwa Miles Davis, dessen bahnbrechende LP "Bitches Brew" 1969 neue Räume öffnete und in Darmstadt gerade deswegen öfters genannt wurde, vorwerfen wollen, er hätte mit dem Rücken zur Wand gespielt, als er sich für den Elektrik- oder Fusion-Jazz öffnete? Niemand.
   Wolfram Knauer, Leiter des Darmstäder Jazzinstituts und damit auch Kopf der Tagung, hatte das Thema ausgesucht, um endlich den in Deutschland mehr als Generationen- denn als stilistisch schwelenden Konflikt zwischen den Informellen und den nachgewachsenen Formaleren auf die Tagesordnung zu setzen. Überraschendes Fazit nach diesem verlängerten Herbst-Wochenende unter internationaler Redner- und Künstlerbeteiligung: Je mehr Menschen Musik hören und machen, darunter auch Jazz, desto besser.
   Wieviel Publikum jeder Musiker hat, hängt auch davon ab, ob man im Konzert eine andere Hose trägt als die, mit der man im Auto angebraust kommt. Das mag neoliberal klingen und schon den Ruch von Verrat an der Sache haben. Aber, wandte der Kulturmanager Veit Bremme bei einem seiner tiefen Einblicke in die Mentalität der auf das pauschale "Du" geeichten Jazzszene ein, das Publikum würde sich doch für den Abend auch umziehen. Das klang tatsächlich nicht ganz verkehrt und wird doch schon längst gemacht. Till Brönner beispielsweise, dessen Name öfters fiel, gelt sich die Haare, singt, wenn er nicht trompetet, komponiert Filmmusik, so für Pepe Danquarts "Höllentour", wenn er nicht übt oder auf der Bühne steht - und wird vom Deutschen Musikrat als nachahmenswerte Galionsfigur in Sachen Absolvent des Bundesjazzorchesters herumgereicht. Ob man das als Jazzmusiker auch alles "darf", war freilich eine andere, in Darmstadts Kennedy-Haus klamm im Raum stehende Frage.
   Wie man denn über den seinerzeit als "Jazz-Papst" berühmt-berüchtigten Joachim Ernst Berendt promovieren könne, wurde unlängst der Melbourner Musikforscher Andrew Hurley von einem deutschen Free-Jazzer gefragt. Dabei tut eine Aufarbeitung dieses schillernden und die Jazzrezeption in Deutschland prägenden Autors, dessen Vater als Pfarrer der Bekennenden Kirche in Dachau ermordet wurde und der als Kriegsteilnehmer die Leningrader Belagerung überlebte, dringend not. Die jüngere Generation hat ohnehin keine persönlichen Probleme mit ihm, sondern freut sich der Gründung des Darmstädter Jazzinstituts auf Basis seiner Diskothek und Bibliothek Ende der achtziger Jahre.
   Es war nämlich Friedrich Hommel, der damalige Leiter des Internationalen Musikinstituts Darmstadt und der legendären Ferienkurse für Neue Musik, der sich in der Stadt für den Erwerb der Berendt-Sammlung stark machte - soviel zu der in Darmstadt ziemlich vorurteilsbeladenen Umverteilungsdiskussion zwischen Klassik und Jazz. Eines kann man Berendt auf keinen Fall vorwerfen, weshalb er als Gegenstand von Hurleys aufschlußreichem Referat auch trefflich zum Kernspaltungsthema "Verrat oder Chance" paßte: Er hätte, wenn auch zeitweise als Monopolist der Szene, nicht für eine Popularität des Jazz gesorgt. Sein nicht unumstrittenes "Jazzbuch" erreichte immerhin Millionen Leser auch in eher entlegenen Winkeln des Globus, etwa dem Wiedbachtal im Westerwald.
   Die NDR Bigband unter der Leitung von Colin Wilson setzte gemeinsam mit der Sängerin Norma Winston auf Millionseller-Hits beim klingenden Tagungsteil in der Darmstädter Centralstation. Man vermißte zwar in der harmonisch aufgerauhten Version von Joni Mitchels Hit "Big Yellow Taxi" deren herzliches Lachen am Ende, in Kombination aber mit Material von Randy Newman und Elvis Costello konnte die sehr elastisch intonierende NDR Bigband so etwas wie eine dem Thema angemessen kitschige Gala-Stimmung erzeugen, in der der Spaß am Spiel mit den teils sehr abgedroschenen Pop-Versatzstücken Vorfahrt für freie Hörer hatte. Gleiches galt für das Henry Grimes Trio. Oder behauptet jemand, das "Round Midnight"-Thema sei nicht Pop? Vielleicht besonders dann, wenn es als Bossa gespielt wird. (Achim Heidenreich)

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Darmstädter Echo, 4. Oktober 2005

Pop gibt die Würze. 9. Darmstädter Jazzforum: Extreme treffen aufeinander: Symposium über den Jazz und sein gespaltenes Verhältnis zur Popularmusik

DARMSTADT. In einem dreitägigen Symposium beim 9. Darmstädter Jazzforum mit dem Titel „Verrat!!!. . . oder Chance?“ ging es um das Verhältnis zur Popmusik, um den Einfluss von Medien und Publikum sowie um aktuelle Tendenzen. In zehn Referaten namhafter Forscher und Musiker wurden diese Probleme erörtert. Außerdem gab es Gespräche mit dem Komponisten und Arrangeur Colin Towns, der amerikanische Bassist Henry Grimes leitete einen Workshop, und der Zeichner Tony Munzlinger stellte seine auf den Jazz bezogenen Arbeiten aus. Hinzu kamen Livekonzerte an drei Abenden in der Centralstation und in der Bessunger Knabenschule.
   Unbestritten ist die Verwurzelung des Jazz in der populären Musik (Martin Pfleiderer). Doch bereits Joachim Ernst Berendt pendelte zwischen E- und U-Musik hin und her (Andrew Hurley). Der Trompeter Miles Davis nutzte Ende der sechziger Jahre die Rockmusik als Impulsgeber für den Jazz, wobei zweifelhaft bleibt, ob diese Verbindung (Fusion) ein Stil des Jazz wurde (Fabian Holt) oder diese Annäherung des Jazz nur ein (auch paradoxes) Missverständnis war (Peter Kemper). Als sich der Jazz wieder von der Popularmusik entfernte, hatte er eine Botschaft im Sinn und war ein realer Spiegel der Umwelt (Wolfram Knauer).
   Begriffe wie Covering, Rekomposition, Interpretation oder Verjazzung, Remixing und Sampling bekamen Gestalt in den von Jürgen Schwab vorgestellten neuen Standards. Dass wir es gegenwärtig im Jazz nicht mehr mit einer linearen Entwicklung zu tun haben, sondern mit einem Stil-Pluralismus, betonte Peter Kemper, der die Begriffe Pop und Rock schärfte und mit dem Jazz konfrontierte. Nur an gewissen Schnittstellen mit dem Rock kann der Jazz seine Sprengkraft entwickeln. Dass der Jazz für Kopf, Herz und Bauch tragfähig ist, bewies der englische Musiker, Komponist und Arrangeur Colin Towns im Gespräch mit Wolfram Knauer, dem Leiter des Darmstädter Jazzinstituts, das dieses Forum alle zwei Jahre ausrichtet.
   Am ersten Konzertabend mit der NDR-Bigband realisierte Towns in zwei Suiten, was er später erläuterte: Poptitel und Jazzstandards als musikalisches Futter für die Band, Texte für die Sängerin Norma Winstone; das wurde vielfältig arrangiert, durch Soli aufgeraut und mit einer poppigen Süße elegant angereichert.
   Im Doppelkonzert am Samstag standen die Extreme schroff nebeneinander. Hier eine Revitalisierung des verschlossen wirkenden Free Jazz der sechziger Jahre mit dem Trio von Henry Grimes (mit David Murray und Hamid Drake), dort die Soloperformance von DJ Spooky, dem avantgardistischen New Yorker Philosophen der Plattenleger, der seinen Musikmix immer komplizierter werden lässt und mit einer Kombination von Ton und Bild versieht.
   Beispiele einer weiterführenden Stilentwicklung zwischen Pop und Jazz boten am letzten Konzertabend in der Bessunger Knabenschule die Bands Palinckx aus Holland und Autofab um den Münsteraner Saxofonisten Jan Klare. Bewegung kam in die festgefügten Spielstrukturen, als der Sänger von Palinckx, Han Buhrs, das Trio von Autofab zum Quartett erweiterte. (Ulfert Goeman)

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Pepper, 01. Oktober 2005:

Institut mit Swing im Blut - Sammeln, sichten und sortieren: 15 Jahre Jazz-Forschung in Darmstadt

Ein schmucker Bau am Ende der kleinen, von Platanen umsäumten Anlage, strahlt weiß unter dem an diesem Tag tiefblauen Himmel. Im Schatten der Bäume steht unerschütterlich der bronzene ,,Little Walter", eine Figur des Darmstädter Bildhauers Detlef Kraft. Auf dem mit roten Ziegeln gedeckten Dach dreht sich - wohl einmalig in Deutschland - eine silberne Trompete im Wind. Eine Treppe führt hinauf zu der blauen Eingangstür des Jazzinstituts, das den Namen Darmstadt über Europa hinaus bekannt gemacht hat. Andrew Hurley aus Melbourne schreibt derzeit an einer Dissertation über den deutschen "Jazzpapst" Joachim Ernst Berendt und dessen Einfluss auf die Entwicklung der ,,Weltmusik". Der 31-jährige Australier hat dazu zweimal für jeweils einige Monate das Jazzinstitut in Darmstadt besucht und ,,das Archiv von vorn bis hinten durchforscht", berichtet Wolfram Knauer. Die Geschichte ist doppelt symbolträchtig: Die Sammlung Berendt bildet den Grundstein der Archive des Instituts und die Darmstädter Einrichtung ist Anlaufpunkt für Wissenschaftler, Studenten und Jazzfans aus aller Welt. Knauer ist Leiter des Instituts, das in diesen Tagen sein 15jähriges Bestehen feiert. Der neue Darmstädter Oberbürgermeister Walter Hoffmann hat es sich nicht nehmen lassen, aus diesem Anlass zu einem Gratulationsbesuch in das barocke Bessunger Kavaliershaus zu kommen. Schließlich ist die städtische Einrichtung ein vorzüglicher Werbeträger für die Stadt. Die Zahlen sprechen für sich. Die Archive des Instituts beherbergen 8000 Bücher, 45 000 Zeitschriften von rund 1 020 unterschiedlichen Titeln, 46 000 Langspielplatten, 15 000 CDs, 1 500 Schallplatten mit verlängerter Spieldauer, 13 450 Schellackplatten und 200 Tonbandkassetten. Nahezu unübersehbar ist der Bestand von 44 350 Fotos, Negativen, Plakaten und Videobänder. Kein Wunder, dass fast täglich Anfragen von Buchautoren, Veranstaltern, Zeitschriften sowie Rundfunk- und Fernsehanstalten beantwortet werden müssen. Fast 4 000 Besucher kamen an den 220 Öffnungstagen des vergangenen Jahres, berichtet Arndt Weidler, der im Institut für Informationen und Veranstaltungen zuständig ist. Die Geburtsstunde des Jazzinstituts schlug im Jahr 1983. Damals erwarb die Stadt die Jazzsammlung des Autors, Kritikers und Produzenten Joachim Ernst Berendt - Schallplatten, Bücher, Zeitschriften, Fotos, Plakate und vieles mehr. Diese Sammlung war der Grundstock für die viel beachtete Ausstellung ,,That's Jazz - Sound des 20. Jahrhunderts". Sie wurde 1988 auf der Darmstädter Mathildenhöhe gezeigt. Als die Sammlung immer weiter anwuchs, entschloss sich der Magistrat der Stadt zur Gründung eines eigenen Jazzinstituts, das neben der reinen Archivarbeit auch Veranstaltungen sowie Projekte zur Jazzforschung betreuen sollte. In September 1990 wurde die Idee in den provisorischen Räumen des John-F-Kennedy-Hauses zur Realität. Am 3. Oktober 1997 zogen Knauer und die Sammlungen ins heutige Domizil. Inzwischen hat das Institut von allen drei Etagen Besitz ergriffen und lädt zu Konzerten in den Gewölbekeller unter dem Haus ein. Jetzt beherbergt das Institut eine der größten öffentlichen Jazzsammlungen Europas. Zu dem Nachlass von Berendt kamen die Schenkungen von Gerhard Conrad, Hanns E. Haehl, Arne Hauptmann, Hans Otto Jung, Evert Ted Kaleveld, Lukas M. Lindenmaier, Hans-Henning Raabe, Dietrich von Staden sowie die Sammlungen der Free Music Production und von Erwin Glier. Das Material ist so umfassend, dass es auch mit Hilfe der fleißigen Doris Schröder, die die Dokumentationen und Ausstellungen betreut, noch nicht komplett gesichtet werden konnte. In allen Räumen der drei Stockwerke stehen unausgepackte Kartons mit vergilbten Papieren und Zeitungen, liegen Bilder und Negative,
die nach und nach gesichtet, geordnet, indexiert und verstaut werden müssen. In einem Regal liegen sauber gefaltet Hot-Jazz-Zeitungen aus New Orleans. Sie sind neueren Datums. Nebenan stößt der Besucher auf den ,,Musical Observer", die erste Jazzzeitschrift weltweit. Da sind sauber geordnet die Ausgaben von ,,Jazz Hot" aus Frankreich aus dem Anfang der I930er Jahre, das amerikanische ,,Down Beat" aus dem Jahr 1938. Monatlich kommen etwa 60 zeitgenössische Titel hinzu. Die ältesten Bücher in den raumhohen Metallregalen stammen aus den frühen 1920er Jahren. ,,Die ersten Bände mit dem Titel Jazz handelten nicht von der Musik, sondern vom Tanz" erläutert Knauer schmunzelnd. Und viele neuen Bücher seien mit Hilfe des Instituts zustande gekommen - etwa Jürgen Schwabs viel beachtetes Werk ,,Der Frankfurt Sound". Bewundernswert ist angesichts dieser Sisyphos-Arbeit der Fortschritt der Katalogisierung des Bestands. ,,Es ist inzwischen völlig normal, dass Studenten und Wissenschaftler aus dem Heimatland des Jazz, aus Amerika, sich von uns Literaturverzeichnisse zu ihren Arbeiten mailen lassen, um mit diesen dann in den amerikanischen Bibliotheken zu arbeiten", erklärt Knauer mit sichtlichem Stolz. Er erinnert sich an einen Studenten der Rutgers University in New Jersey, der einzigen amerikanischen Hochschule mit Jazzstudiengang und dem Institute of Jazz Studies, dem weltweit größten Archiv zum Jazz. Auch er hatte sich seine Unterlagen aus Darmstadt besorgt. Kate Kaiser, eine deutschstämmige Amerikanerin, schreibt gerade eine ,,transatlantische Magisterarbeit" über die Pianistin Jutta Hipp, bei der sie mit Unterstützung des Jazzinstituts Zeitzeugen aus Deutschland und Amerika befragt. In den zurückliegenden fünf Wochen konnte Kaiser sogar in Hannover einen nahen Verwandten der Pianistin aufspüren, die unter anderem in Frankfurt mit den Mangelsdorff-Brüdern spielte, bevor sie 1955 nach New York zog. Das Telefon unterbricht die Erzählungen Knauers unerbittlich. Ein Rundfunkredakteur benötigt Unterlagen für eine Jazzsendung, ein Musiker ruft wegen eines Konzertes an. Im Nebenraum unterhält sich Arndt Weidler mit Besuchern. ,,Fünf bis zehn kommen pro Tag", sagt Knauer. ,,Das ist für eine solche Facheinrichtung relativ viel." Sein Blick schweift im Arbeitszimmer hinüber zu drei Kartons mit Akten, an denen Mäuse sichtbare Spuren hinterlassen haben - dem Glier Nachlass. Zu Erwin Glier, dem ,,sagenumwobenen Musikalienhändler", kamen in der Nachkriegszeit nicht nur deutsche Jazzer. ,,Musiker aus aller Welt suchten seinen fachmännischen Rat", berichtet Knauer. Noch ungeordnet ist die Korrespondenz aus der Anfangszeit der Deutschen Jazz-Föderation in den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts - Briefe und Akten, die einen Einblick in die Geschichte des Jazz und dessen Wirken in Frankfurt gewähren. Handgeschriebene Briefe vom Dezember 1943 aus ,,der Frontstadt Berlin" an den ,,lieben Herrn Hudtwalcker", neben Horst Lippmann einer der bekanntesten Jazzpioniere der Mainmetropole. Zwischen den vielen Schreibmaschinenseiten in dem Schuhkarton entdeckt Knauer einen hektographierten Rückblick ,,Ein Jahr Jazz Club News" des Hot Clubs vom September/Oktober 1946, herausgegeben von Horst Lippmann. Knauer sitzt vor seinem Schreibtisch, auf dem sich Aktenordner, CDs, Zeitungen und Papiere aller Art neben dem Computer stapeln. Aus dem Nebenraum ertönen Klangfetzen einer Aufnahme des Henry Grimes Trios - ein Bassist, der an diesem Wochenende zu einem Workshop ins Institut kommt. Da ist es kein Zufall, dass Martin Reitzmann vorbeikommt, ein Musiker aus Frankfurt, der sich für den Workshop anmelden will. ,,Es ist relativ schwer, gute Lehrer zu finden, von denen ich noch was lernen kann", sagt der Pianist, ohne überheblich zu wirken. Er kennt das Jazzinstitut von gelegentlichen Konzertbesuchen, hat aber erst jetzt erfahren, dass er hier auch Platten anhören und Notenmaterial einsehen kann. ,,Da habe ich ganz große Ohren bekommen", sagt er. Er wird wohl bald - wie viele andere - zu den Stammgästen des Instituts zählen. (Klaus Mümpfer)

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Darmstädter Echo, 30. September 2005:

Die Chance liegt in der Umgestaltung. „Was macht Musik populär?“ – Martin Pfleiderer eröffnet das Symposium der Tagung

  HOT AND COOL nennt Tony Munzlinger dieses Bild aus der Reihe seiner Jazz-Karikaturen. Der Bildtitel umreißt die Gegensätze, von denen der Jazz lebt: vom impulsiven, spontanen und vom eher sachlich-kühlen Spiel. Im Rahmen des Darmstädter Jazzforums sind Munzlingers Zeichnungen und Gemälde bis 1. Oktober im Literaturhaus und in der Centralstation zu sehen; in der Galerie im Jazz-Institut bis 21. Oktober. (Foto: Günther Jockel)

DARMSTADT. Was macht Musik populär? Dieser Frage ging Martin Pfleiderer bei seinem Eröffnungsreferat zum Symposium des 9. Darmstädter Jazzforums am Donnerstag nach. Eine Frage, auf die der Musikforscher den zahlreichen Zuhörern im Literaturhaus „keine klaren Antworten“ geben konnte, wie er selbst sagte.
   Vielmehr ging es ihm darum, „Facetten aufzuzeigen“ im Verhältnis des Jazz zur Popularmusik. Denn das Darmstädter Jazzforum trägt den Titel „Verrat!!!. . . oder Chance? – Der Jazz und sein gespaltenes Verhältnis zur Popularmusik“.
   Dabei stellte sich schon die genaue Definition des Begriffes Popularmusik als schwierig dar. In seinem lateinischen Ursprung bedeutet das Wort Popularität „volksfreundlich oder volkstümlich“. Von „populärer Musik“ sprach man erst in akademischen Kreisen seit den dreißiger Jahren.
   Zunächst wurde der Begriff verwendet für Unterhaltungsmusik, später definierte ihn Theodor W. Adorno in einem Aufsatz „On popular music“ als Gegensatz zur sogenannten ernsten Musik. Heute sehen Forscher in Popularmusik ein „Ensemble verschiedener Gattungen“, deren Gemeinsamkeit in der massenhaften Verbreitung und Aneignung liegt. Die Musik spielt dabei eine bedeutende Rolle im Alltag der Hörer.
   Der Begriff werde aber auch von Entscheidungsträgern wie Plattenfirmen, Produzenten, Musikern oder Radio-Anstalten geprägt. Aus Sicht eines Produzenten sei Popularität messbar an Verkaufszahlen oder Einschaltquoten, erläuterte Pfleiderer. Unklar bliebe hier, welche Rolle die Musik im Alltag der Menschen spiele. Betrachte man die Verkaufszahlen von Jazzalben, sei Jazz demnach unpopulär.
   Aber der Umgang der Hörer mit Musik sei nicht passiv, sagte Pfleiderer unter Hinweis auf Studien der Soziologin Tia DeNora. Popularität stehe in direktem Zusammenhang dazu, sobald die Möglichkeit bestehe, „die Musik aktiv einzugliedern“. Musik stelle Handlungsmöglichkeiten des Fühlens oder der körperlichen Bewegung bereit: Melodien werden mitgesummt oder Rhythmen mitgeklopft. Auch Jazzmusiker eignen sich vorgefundenes Material wie Musicalmelodien oder Schlager an und verändern es in ihren Improvisationen.
   Warum aber ist der Jazz unpopulär geworden? Warum das Verhältnis des Jazz zur Popularmusik gespalten? Das legte Pfleiderer ausführlich an Beispielen der Jazzgeschichte dar.
   Die dreißiger und vierziger Jahre galten noch als Zeit des Swing-Booms. In der Zeit nach der Weltwirtschaftskrise und später, nach dem Kriegseintritt der USA, sei die Nachfrage nach Tanzmusik groß gewesen.
   Für die Musiker wurde das Umherreisen in einer großen Big Band angesichts der Treibstoffengpässe jedoch immer beschwerlicher. Sie suchten nach Alternativen und fanden sie im Bebop. In kleineren Besetzungen nutzten die Musiker auch die Verdienstmöglichkeiten bei Plattenproduzenten.
   Pfleiderer referierte ausführlich darüber, wie sich der tanzbare Swing als Musik der Massen zur „Musik einer Minderheit“ entwickelte. Denn Bebop sei formal unübersichtlicher, schneller und schwerer singbar. Es gebe Studien, die belegen, dass Jazz auch heute noch von einer Minderheit gehört werde.
   Populäre Musik sei eine Chance für den Jazz, griff der Referent am Ende seines wissenschaftlichen Vortrags das Motto des Symposiums auf. Denn Jazz lebe vom Umgestalten. „Der Jazz soll von neuem musikalischen Material profitieren, aber auch von seiner eigenen Tradition“.

Weitere Termine:
Am Freitag (30.) wird das Symposium ab 10 Uhr im Literaturhaus fortgesetzt. Um 15 Uhr gibt es eine Gesprächsrunde zu „Aspekten der Produktion und Vermarktung von Jazz“. Um 20.30 Uhr schließt ein Konzert mit der NDR-Bigband in der Centralstation den Tag ab.
Am Samstag (1.) ab 10 Uhr stehen fünf weitere Symposiums-Veranstaltungen auf dem Programm. So referiert um 10 Uhr der Philosoph und Sozialwissenschaftler Peter Kemper zum Thema „Rock around the Pop“. Um 20.30 Uhr spielen das