Internationales Forschungs-
und Informationszentrum zum Jazz


"Wieviele Jahre es auch immer sind – ich finde es toll, dass es Euch gibt. Ich lese sporadisch Eure Veröffentlichungen und habe vor allem auch einmal an einem Symposium mitgetan – und weiss, auf welchem Niveau bei Euch gearbeitet wird. Danke und Gratulation!" George Gruntz, Basel/Schweiz

Darmstadt – die Jazzhauptstadt Deutschlands?
Nun, eine Stadt mit 140.000 Einwohnern wird schwerlich eine Jazzmetropole werden können, und die Darmstädter Szene kann sich natürlich nicht mit denen Berlins, Kölns oder Münchens vergleichen. Und doch: Der Name Darmstadts ist in der Jazzwelt mittlerweile bekannt. Das städtische Jazzinstitut hat mit seiner Arbeit als internationales Informations- und Dokumentationszentrum selbst im Geburtsland dieser Musik, in den USA, einen exzellenten Ruf.


… Internationales Forschungs- und Informationszentrum zum Jazz

Jazzinstitut Darmstadt im Bessunger Kavaliershaus (... eine kurze virtuelle Führung durch die Räume ...)Das Jazzinstitut Darmstadt versucht einen Brückenschlag zwischen Wissenschaft und Praxis, zwischen Serviceleistung für eine von der ehrenamtlichen Arbeit Vieler lebenden Musik und sorgfältiger Dokumentation musikalischer Entwicklungen aus Vergangenheit und Gegenwart, zwischen regionaler Kulturarbeit und internationalem Diskurs. Wir arbeiten nicht im sprichwörtlichen Elfenbeinturm. Besucher sind gern gesehen und jede Frage wird ernst genommen.

 

Archiv und Dokumentation

Zehntausende Zeitschriften und Bücher wurden für den Jazz-Index bibliographisch erfasstDas Jazzinstitut beherbergt eine der größten öffentlichen Jazzsammlungen Europas. Darunter befinden sich bedeutende Nachlässe oder Schenkungen privater Sammler, etwa von Joachim Ernst Berendt, Gerhard Conrad, Erwin Glier, Hanns E. Haehl, Arne Hauptmann, Hans Otto Jung, Evert „Ted“ Kaleveld, Peter Köhler, Wilhelm Liefland, Lukas M. Lindenmaier, Hans-Henning Raabe, Dietrich von Staden, Rolf-Dieter Weyer oder auch die Sammlung der Free Music Production (FMP).

Zum sich ständig erweiternden Präsenzbestand zählen Fachbücher und natürlich eine große Anzahl an Tonträgern – im Archiv gibt es mittlerweile annähernd 50.000 LPs, weit mehr als 17.000 CDs, dazu Tausende Schellackplatten, 45-RPM-Singles, 25-cm-LPs, Videos, DVDs usw. An zwei gesondert eingerichteten Arbeitsplätzen sind analoge Überspielungen von LP oder CD für den wissenschaftlichen Gebrauch möglich.

Der am meisten genutzte Teil der Sammlung allerdings ist der umfassende Zeitschriftenbestand mit inzwischen über 1.000 internationalen Zeitschriftentiteln, mehr als 60.000 Einzelhefte – zurückreichend bis in die 20er Jahre des letzten Jahrhunderts. Der Jazz-Index des Instituts, die weltweit umfangreichste Computerbibliographie zum Jazz, wird von Interessierten aus der ganzen Welt genutzt – auch über das Internet. Der Abruf des nach Musikernamen und Schlagwörtern geordneten Jazz-Index ist eine der kostenlosen Serviceleistungen des Jazzinstituts. Gegen eine Gebühr können Kopien einzelner Texte angefertigt werden, die man sich auch zusenden lassen kann. Vorhandenes Notenmaterial wird kontinuierlich ergänzt. Die Sammlung umfasst sowohl Transkriptionen von Musikstücken, sogenannte fake books, Instrumentalschulen, aber auch Band- und Orchesterpartituren.

Ausstellungen

Wanderaustellung zur Geschichte des Jazz - Die Ausstellungstafeln für JazzChanges können über das Jazinstitut entliehen werden.Die umfangreichen Bestände an zeitgeschichtlichen Fotografien, Plakaten, Postern und Dokumenten nutzt das Jazzinstitut seit einigen Jahren auch verstärkt zur Gestaltung eigener Ausstellungen und Bilddokumentationen. „Jazz Changes“ beispielsweise illustriert auf elf großflächigen, farbigen Tafeln die Entwicklung der Musik von den Anfängen bis zur Gegenwart und kann als Wanderausstellung von Veranstaltern und Institutionen beim Jazzinstitut entliehen werden. Daneben konzipiert oder recherchiert das Jazzinstitut auch Ausstellungen mit speziellen thematischen oder lokalen Bezügen. Zwei Ausstellungen, in denen die lokale Jazzgeschichte in Darmstadt und in Frankfurt thematisiert wurde, fanden 2004 statt. Die Sammlung wird häufig von Verlagen und Magazinen oder als Leihgeber für Ausstellungen anderer Museen genutzt, u.a. für eine große Ausstellung über die Gestaltungskunst bei Schallplattenhüllen in Valencia, einer Ausstellung über die Rolle der elektrischen Gitarre in der modernen Musik in der Kunsthalle Wien sowie einer weiteren Ausstellung über Cover Art der Plattenfirma Blue Note während des Jazzfestivals in Aalen.

... ein Ort der musikalischen Entdeckungen und des Austauschs

Forschung

Ein Oral History-Projekt interviewt Zeitzeugen des deutschen NachkriegsjazzNeben seinen Aufgaben als zentrales Dokumentationszentrum der deutschen Jazzgeschichte betreibt das Jazzinstitut eigene Forschungsprojekte und unterstützt oder fördert gemeinsame Projekte anderer Institutionen. Seit Beginn führt das Jazzinstitut ein Oral-History-Projekt durch, welches wichtige Zeitzeugen des deutschen Nachkriegsjazz zu Wort kommen lässt und deren Erinnerungen aufzeichnet. Das Jazzinstitut unterstützte die Quellendokumentation der Geschichte des Anglo-German Swing Club in Hamburg von 1945 bis 1952 und war 2004 gemeinsam mit dem Hessischen Rundfunk und der Stadt Frankfurt Mitinitiator und Mitherausgeber einer umfangreichen Darstellung der Frankfurter Jazzgeschichte („Der Frankfurt Sound – Eine Stadt und ihre Jazzgeschicht[n]“). Darüber hinaus ist das Jazzinstitut in einer Vielzahl hochrangiger internationalen Beratergremien und Organisationen vertreten, etwa Jazz at Lincoln Center (New York), der Smithsonian Institution (Washington, D.C.), dem Editors Board der University of Michigan Press (Ann Arbor, Michigan), dem Goethe-Institut oder einem europaweiten Gremium zur Erforschung und Dokumentation der europäischen Jazzgeschichte, einem Projekt, das vom Jazzinstitut mitinitiiert wurde.

Darmstädter Jazzforum

Link zum Programm der diesjährigen Jazzkonferenz  vom 28. September bis zum 2. Oktober 2005Alle zwei Jahre veranstaltet das Jazzinstitut das Darmstädter Jazzforum, die einzige regelmäßige Jazzkonferenz der Welt. Zum Symposium reisen Forscher und Musiker aus ganz Europa und den USA an, um Meinungen und Erfahrungen auszutauschen; das zeitgleiche Festival beleuchtet spezielle Aspekte der Musik aus ganz praktischer Sicht. Die Vorträge sind durch ausführliche Tagungsberichte in einer eigenen Buchreihe des Instituts dokumentiert, den „Darmstädter Beiträgen zur Jazzforschung“, die jeweils beim Hofheimer Wolke Verlag erscheinen.

Information und Veranstaltungen

Das Jazzinstitut ist keine reine Forschungsstelle, sondern ein Informationszentrum für jedermann. Wichtigstes Informationsmedium ist mittlerweile natürlich das Internet. Auf den Seiten www.jazzinstitut.de bietet das Jazzinstitut eine der wohl umfangreichsten Sammlungen von nationalen und internationalen Jazzadressen im weltweiten Netz.

Wegweiser Jazz 2004/05 kann über das Jazzinstitut bestellt werden. Er erscheint alle zwei Jahre neu.Darüber hinaus veröffentlicht das Jazzinstitut Darmstadt alle zwei Jahre den „Wegweiser Jazz“, eine bislang vorwiegend auf die deutsche Szene beschränkte Zusammenstellung von Adressen der Jazzclubs, Festivals, Fachmedien und Plattenfirmen. Das Jazzinstitut steht für fachliche Beratungen jeglicher Art zur Verfügung, von der Vermittlung eines einfachen Bandkontakts über die Auskunft zu Fördermöglichkeiten für Musiker und Veranstalter in den Bundesländern oder zu musikspezifischen Themen bis zur Unterstützung internationaler Kontakte, und bemüht sich die Anfragen der Nutzer sorgfältig und nach dem neuesten Informationsstand zu beantworten.

In Darmstadt selbst ist das Jazzinstitut mit diversen Veranstaltungsreihen präsent – neben dem Jazzforum führt es zusammen mit dem Kulturzentrum Bessunger Knabenschule den Sommer-Workshop „Jazz Conceptions“ durch, im eigenen Gewölbekeller darüber hinaus beispielsweise die Konzertreihe „JazzTalk“, bei der Musiker nicht nur spielen, sondern zwischendrin auch über ihre Musik, ihre Karriere, Möglichkeiten wie Probleme eines Lebens in der Jazzszene berichten. Einmal im Monat schließlich treffen sich Musikerinnen und Musiker aus dem gesamten Rhein-Main-Gebiet im Gewölbekeller unter dem Jazzinstitut zur vom Förderverein Jazz in Darmstadt e.V. organisierten Bessunger Jam Session.

Geschichte

Die Anfänge des heutigen Jazzinstituts liegen im Jahr 1983. Damals erwarb die Stadt Darmstadt die Jazzsammlung des bekannten Jazzkritikers und Produzenten Joachim Ernst Berendt – Schallplatten, Bücher, Zeitschriften, Fotos, Plakate und vieles mehr. Auf dieser Sammlung basierte die weithin beachtete Ausstellung „That‘s Jazz. Der Sound des 20. Jahrhunderts“, die 1988 im Museum Mathildenhöhe zu sehen war und deren umfassender Katalog noch heute eine vielbeachtete Dokumentation zur Jazzgeschichte darstellt. Da die Sammlung immer weiter anwuchs, entschloss sich der Magistrat zur Gründung eines eigenen Jazzinstituts, das neben reiner Archivarbeit auch durch Veranstaltungen und eigene Projekte Jazzleben und Jazzforschung unterstützen sollte. (mehr über die Geschichte des Bessunger Jagdhofs ...)

Räumlichkeiten

Little Walter SkulpturIm September 1990 wurde dieses Institut Realität, das zuerst von provisorischen Räumlichkeiten im John-F.-Kennedy-Haus aus agierte. Am 3. Oktober 1997 dann wurde der heutige Sitz des Instituts eingeweiht, das historische Bessunger Kavaliershaus. Über drei Etagen stehen den Besuchern ausreichend Arbeitsplätze zur Verfügung. Dazu gibt es im Gewölbekeller unter dem aus einen kleinen Konzertraum, der ideal jazzmusikalische Praxis und Theorie miteinander verbinden kann. Das Kavaliershaus hat sich so mittlerweile zu einem Treffpunkt für Jazz-Interessierte entwickelt – Musiker, Forscher, Fans. Die Wetter-Trompete auf dem Dach und die im September 2001 enthüllte Skulptur des Blues-Mundharmonika-Virtuosen Little Walter auf dem Jagdhofplatz signalisieren auch nach außen die neue Nutzung des Gebäudes.

Nutzung und Öffnungszeiten

Reinhören in die Musik ist an zwei Arbeitsplätzen möglichDas Jazzinstitut ist für jedermann zugänglich. Öffnungszeiten sind montags und donnerstags von 10-17 Uhr, freitags von 10-14 Uhr und dienstags von 10-20 Uhr (unser Dienstleistungsabend für Berufstätige).

In den Benutzerräumen im Bessunger Kavaliershaus kann man in den neuesten der etwa sechzig abonnierten Jazz-Zeitschriften blättern, in die Tonträger (LPs, CDs) hineinhören oder sich durch ausliegende Prospekte über bundesweite Veranstaltungen (Workshops, Festivals usw.) informieren. Neben Jazz werden dabei auch Randbereiche abgedeckt: u.a. Rhythm and Blues, Salsa, Rock aber auch elektronische und Improvisierte Musik.

... die Mitarbeiter

Dr. Wolfram Knauer (Institutsleiter)

Dr. Wolfram Knauer… studierte Musikwissenschaft, Anglistik/Amerikanistik, Kunstgeschichte und Soziologie an der Universität Kiel. Er leitet das Jazzinstitut Darmstadt seit dessen Gründung im Jahr 1990, lehrte daneben an mehreren deutschen Hochschulen und Universitäten, ist Mitglied im internationalen Beratergremium des Center for Black Music Research, außerdem Herausgeber der Darmstädter Beiträge zur Jazzforschung und im Herausgebergremium der University of Michigan Press. Knauer berät das amerikanische New Grove Dictionary of Jazz für den Bereich des europäischen Jazz, schrieb analytische Artikel für das mehrfach ausgezeichnete International Dictionary of Black Composers, sitzt im Musikbeirat des Goethe-Instituts und ist Autor wissenschaftlicher Beiträge in Büchern und Fachzeitschriften. Für seine Verdienste beim Aufbau des Jazzinstituts Darmstadt als international renommiertes Forschungs- und Informationszentrum erhielt er 2002 den vom Land Hessen verliehenen Hessischen Jazzpreis.
Kontakt: knauer@jazzinstitut.de

Doris Schröder (wissenschaftliche Mitarbeit/Dokumentation und Ausstellungen)

Doris Schröder… studierte Kunstgeschichte, Archäologie und Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt/Main, leitete danach beim Kulturamt der Stadt Ludwigshafen die Abteilung Kulturförderung und war dort für die Durchführung vielfältiger kultureller Veranstaltungen zuständig. Sie ist Autorin mehrerer Dokumentationen für das Darmstädter Amt für Denkmalpflege u. a. über die Geschichte der Darmstädter Mathildenhöhe und des Bessunger Jagdhofes, in dem sich auch das Jazzinstitut befindet. Doris Schröder ist seit 1995 im Jazzinstitut beschäftigt, betreut die visuelle Sammlung des Archivs und organisiert regelmäßig Ausstellungen.
Kontakt: schroeder@jazzinstitut.de

Arndt Weidler (wissenschaftliche Mitarbeit/Information und Veranstaltungen)

Arndt Weidler… studierte Soziologie, Politikwissenschaft und Sozialpsychologie erst in Heidelberg, anschließend an der Universität Mannheim. In seiner Diplomarbeit untersuchte er die unterschiedlichen Erlebniserwartungen des Blues- und des Jazzpublikums beim Konzertbesuch. Während des Studiums arbeitete er zunächst als Tourbegleiter amerikanischer Bluesbands, gründete später eine eigene Künstleragentur für Blues- und Jazzmusiker und organisierte nebenher Clubkonzerte und Festivals im Blues-, Jazz- und Gospelbereich. Weidler war Mitbegründer und Geschäftsführer des Blues- und Jazzclubs „Muddy‘s Club“ in Weinheim/Bergstraße. Außerdem arbeitete er in der Off-Air-Promotion verschiedener Radiosender. Arndt Weidler arbeitet seit 1998 im Jazzinstitut Darmstadt und ist dort für einen Großteil der Veranstaltungsprogrammierung des Jazzinstituts sowie für den Informations- und Servicebereich für die Blues- und Jazzszene verantwortlich. Seit 2005 ist Arndt Weidler Vorsitzender des Vereins German Jazz Meeting. In dieser Funktion ist er auch Mitglied der Jury des SWR-Jazzpreises/Jazzpreis des Landes Rheinland-Pfalz. Außerdem ist er Mitglied der Jury für den Neuen Deutschen Jazzpreis Mannheim. Kontakt: weidler@jazzinstitut.de

... ehrenamtliche Mitarbeiter

Rainer Grobe (Ehrenamt für Darmstadt e.V.)

... Mitarbeit bei der Archivierung umfänglicher Sammlungsbestände, z.Zt. diskografische Kompletterfassung der Schallplattensammlung (LPs/USA).

Ute Dotzert (ehrenamtliche Archivhilfe)

... Mitarbeit bei der Archivierung umfänglicher Sammlungseingänge, z.Zt. Fotosammlung und Plakate.

 

Günter Schapka (ehrenamtliche Archivhilfe)

... Mitarbeit bei der Archivierung umfänglicher Sammlungsbestände, z.Zt. diskografische Kompletterfassung der Schallplattensammlung (Singles und LPs/Europa).

Helmut Lücke (Ehrenamt für Darmstadt e.V.)

... Mitarbeit bei der Archivierung umfänglicher Sammlungseingänge, z.Zt. diskografische Kompletterfassung der CD-Sammlung (Neueingänge und Sammlungszuläufe), Terminerfassung "Darmstädter Jazzkalender"

Alexander von Leliwa (Ehrenamt für Darmstadt e.V.)

... Mitarbeit bei der Archivierung umfangreicher Sammlungsbestände, z.Zt. diskografische Kompletterfassung der Schallplattensammlung (Schellackplatten).

 

 

 

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