Reza Askari …
… ist von Geburt an breit aufgestellt. Er wurde 1986 in Fulda als Sohn eines iranischen Vaters und einer deutschen Mutter geboren. Im Alter von fünf Jahren begann er zunächst mit dem Klavierspiel. Mit elf Jahren entdeckte er die elektrische Bassgitarre für sich und startete seine musikalische Bühnenlaufbahn früh in heimischen Punk- und Jazzbands.
Nach dem Abitur studierte er zunächst mit dem festen Ziel Popmusiker zu werden Jazz und Popularmusik mit Hauptfach E-Bass an der Hochschule für Musik und Tanz in Köln bei Marius Goldhammer, später dann aber auch am Kontrabass bei Dieter Manderscheid und Sebastian Gramss. Sein Studium in Köln schloss er mit Auszeichnung ab. Daneben gehörte er von 2007 bis 2010 dem Landesjugendjazzorchester Hessen an, schließlich auch dem Bundesjazzorchester und der European Masterclass Big Band unter Leitung von John Ruocco. Sein Studium führte er im Fach „Master of Improvising Arts“ an der Folkwang Universität der Künste in Essen bei Robert Landfermann fort und beendete dieses ebenfalls mit „Summa cum laude“. Seit Oktober 2023 ist Reza Askari-Motlagh selbst Professor für Jazz-Bass an der Hochschule für Musik Würzburg.
Künstlerisch arbeitete Askari mit Musik*innen wie Marc Ducret, Lee Konitz, Marc Ribot, Benny Golson, Hayden Chisholm, Jeff Hamilton, Barre Phillips, Mark Dresser, Peter Herbolzheimer, Philipe Catherine, Ramesh Shotham, Frank Gratkowski, Gerd Dudek, John Hollenbeck, Jiggs Whigham, Gary Versace, aber auch Max Herre, Clueso, Sophie Hunger, Max Mutzke, Götz Alsmann, Wolf Biermann und Carolin Kebekus zusammen und bereiste bei Club- und Festivaltourneen die ganze Welt mit unterschiedlichen Formationen.
Mit seinem eigenen Ensemble „ROAR“, bestehend aus Stefan Karl Schmid, Fabian Arends legte er als Bandleader 2017 und 2020 zwei Alben im Trio, sowie 2022 und 2024 im Quartett mit dem Vibraphonisten Christopher Dell vor.
Über seine Vorstellungen zum Workshop sagt er:
„Das Thema meines Ensembles widmet sich der Verbindung von freier Improvisation und klar definierten musikalischen Strukturen im Ensemble. Ausgangspunkt sind einfache formale Modelle, etwa rhythmische Zyklen, wiederkehrende Klanggesten oder zeitliche Felder, Kompositionsskizzen oder Jazz-Standards, die den Musiker*innen einen gemeinsamen Rahmen bieten, innerhalb dessen sich individuelle Improvisationen entfalten können.
Durch gezielte Übungen wird untersucht, wie kollektive Aufmerksamkeit, spontanes Reagieren und formale Orientierung zusammenwirken. Die Teilnehmenden erproben Strategien des Hörens, der Interaktion und der gemeinsamen Entscheidungsfindung, um improvisierte Musik als kollektiven Prozess zu gestalten.
Die Gruppenarbeit richtet sich an Instrumentalist und improvisierende Musiker, die ihr Verständnis von Ensemble-Improvisation vertiefen und neue Wege zwischen Freiheit und Struktur in der musikalischen Praxis erkunden möchten.“
Kasper Tom Christiansen …
… geboren im dänischen Svendborg gehört zu einer neuen Generation Schlagzeuger, die sich eklektisch bei allen möglichen musikalischen Genres bedient und daraus ihr eigenes Ding schafft. Nach seinem Studium an der Carl Nielssen Academy of Music in Odense zog es ihn sofort nach Berlin, von wo auch heute noch viele der Bands kommen mit denen Kaspar Tom regelmäßig on the road ist: FUSK, Mahall/Rupp/Tom, Die Enttäuschung, Monk’s Casino, Meinild/Anderskov/Tom, Tom/Nissen/TB oder Cesar Joaniquet Quartet.
Sowohl als Schlagzeuger als auch als Komponist hat Kasper Tom eine klar erkennbare musikalische Identität und einen sehr persönlichen Sound entwickelt, die ihn gewiss zu einem der interessantesten jüngeren Schlagzeuger der europäischen Szene machen. Er hat mehr als 25 Alben unter eigenem Namen veröffentlicht und ist Teil des angesagten Kopenhagener Labelkollektivs Barefoot Records.
Inzwischen lebt Kasper Tom auch wieder in Dänemark, immer mit einem zweiten Standbein in Berlin, von wo aus er mit Musikern wie Tobias Delius, Alexander von Schlippenbach, Axel Dörner, Kasper Tranberg, Marek Kadziela, Richard Andersson und Tomasz Licak zusammenarbeitet.
Ilona Haberkamp …
… ist nicht nur eine großartige Alt- und Sopransaxofonistin. Der Liebe der Musikwissenschaftlerin und Autorin Ilona Haberkamp zum Cool Jazz verdanken wir in Deutschland und in Europa zu großen Teilen die Wiederentdeckung einer deutschen Jazz-Ikone der Nachkriegszeit: Jutta Hipp. Haberkamps Biographie „Plötzlich Hip(p)“ (Wolke-Verlag, Neuauflage 2023), brachte die Pianistin, die im vergangenen Jahr 100 Jahre alt geworden wäre, erst zurück ins Bewusstsein der deutschen Jazzöffentlichkeit. Mit einer musikalischen Hommage an Jutta Hipp tritt Haberkamp derzeit in unterschiedlichen Besetzungen auf.
Die musikalische Leidenschaft der studierten Musikwissenschaftlerin und Instrumentalpädagogin gehörte zunächst Altsaxofon-Legende Paul Desmond, so dass sie im Anschluss an das Instrumentalpädagogik-Studium bei Glen Buschmann in Dortmund zusätzlich noch an der Musikhochschule Köln ein künstlerisches Studium bei Hugo Read absolvierte.
Mitte der 1980er Jahre war sie Mitbegründerin der ersten deutschen Frauen Big Band, des Jazzorchesters Reichlich Weiblich. Auch danach blieben ihre musikalischen Tätigkeiten als Saxofonistin vielseitig. Haberkamp spielte in Symphonieorchestern und in Theaterhäusern gleichermaßen, ebenso bei Musicals oder in verschiedenen Jazz- und klassischen Kammerensembles.
Aktuell leitet sie ihr eigenes Quartett, ist Altsaxophonistin im Dortmunder Saxophonquartett „Multicolore“ und Sopransaxophonistin im „Lilith“ Saxophonquartett. Mit dem Quartett entstanden aus ihrer langjährigen Zusammenarbeit mit der Flügelhornlegende Ack van Rooyen drei Alben bei Laika Records sowie die Encore Box 17 bei Edition Longplay. Ilona Haberkamp unterrichtet an der Dortmunder Musikschule, leitet dort die Stone Street Big Band und ist Leiterin des Junior Jazz Camp an der Landesmusikakademie NRW in Heek.
Über ihre Ideen für den diesjährigen Kurs sagt sie folgendes:
„Wie klingt ein Jazzstandard, wenn wir ihn völlig anders denken? Die Idee, dies zu tun ist nicht neu. In diesem Workshop lade ich dazu ein, Jazz als offenen Raum für Kreativität zu erleben. Ausgangspunkt werden bekannte Jazzstandards, meine eigenen Kompositionen und musikalische Ideen der Teilnehmer*innen sein.
Zusätzlich beschäftigen wir uns mit Vertonungen von mindestens zwei Gedichten über bekannte Jazzmusiker*innen, werden bildhafte Szenerien in freie Klangmalereien umsetzen, integrieren Kollektivimprovisationen und solistische Improvisationen – alles ist möglich. Ziel ist es, gemeinsam eine eigene Klangwelt zu entwickeln und die Freude am Experimentieren zu entdecken, aber natürlich musiktheoretische Erkenntnisse in dieser Woche in eigene Improvisationen einfließen zu lassen.“
Nikolaus Neuser …
… ist noch so einer unserer Dozenten, der nicht nur durch seine herausragenden instrumentalen Fähigkeiten begeistert, sondern durch langjähriges, in seinem Fall, kulturpolitisches Engagement. Als Vorsitzender der Deutschen Jazzunion zwischen 2017 und 2022 führte er den Verband erfolgreich durch die, für die freischaffende Szene so schmerzliche Corona-Zeit.
Viel lieber noch ist Nikolaus Neuser aber selbst Musiker, der sich sich mit seiner Trompete und großer Intensität zwischen allen Spielarten des Jazz, freier Improvisation sowie der so genannten creative music (Anthony Braxton) hin und her bewegt. Der in Heidelberg aufgewachsene Neuser studierte Jazz an der Essener Folkwang-Hochschule bei Trompeter Uli Beckerhoff und lebt seit vielen Jahren in Berlin.
In seinen verschiedenen Projekten erschließt er sich ständig neue musikalische Horizonte. Aktuelle Formationen sind sein 5tet, das Trio I Am Three oder das Duo noiserkroiser (mit Timo Kreuser). Als leidenschaftlicher Verfechter des kollektiven Arbeitens in großen Formationen spielte er mit Musiker*innen wie Silke Eberhards Potsa Lotsa XL, Baby Sommers Brother & Sisterhood, Kevin Shea, Maggie Nicols, Henry Threadgill, Matana Roberts, Matthew Herbert, Ernst-Ludwig Petrowsky und dem Hannes Zerbe Jazz Orchester.
Nikolaus Neuser wirkte auf über 80 CDs und Schallplattenaufnahmen mit. Für seine Arbeit wurde er vielfach ausgezeichnet, einschließlich des Deutschen Jazz Preises (mit Potsa Lotsa XL) und dem Preis der deutschen Schallplattenkritik; er stand auf Bestenlisten des Downbeat-Magazins, der US-Plattform allaboutjazz.com, und der Zeitung New York City Jazz Record. Unter anderem vom Goethe-Institut wurde er für viele internationale Tourneen verpflichtet, die ihn nach Asien, die USA oder Kolumbien führten, wo er eine Zeit lang als Gastprofessor in Bogotá tätig war.
„… drive, expression, stunning experiments, research of strange tunes, expansion of technical abilities bring huge range of colors to his improvisations“, sagt All About Jazz über Nikolaus Neuser.
Uli Partheil …
… ist seit 2021 künstlerischer Leiter der Darmstädter Jazz Conceptions und damit Nachfolger seines langjährigen musikalischen Mentors und Freundes Jürgen Wuchner. Partheil ist einer der aktivsten Protagonisten der Darmstädter Szene, beeinflusst von der Musik Duke Ellingtons, Thelonious Monks, kubanischen Rhythmen und dem Blues. Er ist nicht nur ein versierter Pianist in sämtlichen Stilistiken des Jazz, sondern auch als Komponist tätig. In seinen Werken geht er äußerst kreativ mit den verschiedenen Einflüssen um, die ihn als Musiker prägen.
Uli Partheil studierte an der Mannheimer Musikhochschule unter anderem bei Professor Jörg Reiter Jazzpiano, außerdem Komposition und Arrangement. Seit Beginn der 1990er Jahre arbeitete er mit Jürgen Wuchner, Matthias Schubert, Janusz Stefanski, Ack van Rooyen, Rudi Mahall, Emil Mangelsdorff, Hanns Höhn, Peter Back, dem Wiener Kronenbräu Orchester und vielen anderen zusammen. Als Begleiter ist er auch immer wieder am Staatstheater Darmstadt zu hören. Bis zum Beginn der Pandemie leitete er das von ihm selbst ins Leben gerufene Darmstädter Jugendweltmusikorchester.
Mit seinem Working Trio „Playtime“ war er mit verschiedenen Literatur- & Jazz-Projekten erfolgreich. Zuletzt veröffentlichte er gemeinsam mit Ulli Jünemann, Ralf Cetto und Angela Frontera den Longplayer „Reflections2020“. Partheil unterrichtet an der Jazz & Pop School und der Akademie für Tonkunst in Darmstadt. Für seine musikalischen Verdienste und sein Wirken für die Förderung des jazzmusikalischen Nachwuchses erhielt er 2008 den Darmstädter Musikpreis.
Über seine Vorstellungen zum diesjährigen Workshop schreibt er folgendes:
„Ich möchte wieder versuchen mindestens ein Stück auswendig und ganzheitlich zu erarbeiten, d.h. die Musiker*innen sollen nicht nur ihren Part, sondern das ganze Werk lernen und verstehen. Dazu werde ich eigene Kompositionen und andere ausgewählte Stücke mitbringen.“
Asja Valcic …
… erfuhr in ihrer Geburtsstadt Zagreb ihre cellistische Grundausbildung. Von dort trug sie ihr herausragendes Talent zunächst in eine klassische Ausbildung nach Moskau und schließlich nach Detmold. Erst 2005, nach einigen Jahren im Wiener Kammerorchester und dem Melos Quartett oder Solo-Arbeiten mit Zubin Metha und Kazushi Ono nahm ihre Karriere durch die Zusammenarbeit mit dem radio.string.quartet.vienna eine eindeutig jazzmusikalische Wendung.
Inzwischen blickt sie auch auf eine illustre Reihe wohlklingender Jazzmusikerkolleg*innen zurück, die gerne auf Valcics unnachahmliche Fähigkeit zurückgegriffen haben, Präzision und Finesse mit ihrer klassischen Technik, unerreichter Dynamik und enormer Improvisationslust zu paaren. Kooperationen mit Joachim und Rolf Kühn, Wolfgang Puschnig, Iro Rantala, Adam Baldych, Jan Lundgren unterstreichen, wie auch das jüngste eigene Projekt der vielfach preisgekrönten Valcic mit Raphael Preuschl an der Bass-Ukulele, ihre hervorgehobene Stellung in der improvisierenden Musik. Parallel dazu schuf sie seit 2009 im Duo mit dem Akkordeonisten Klaus Paier auf bisher fünf Alben einen universale Kammermusik, zu der „uns alle Vergleiche fehlen“, wie die FAZ schrieb. Ihr aktuelles Solo-Werk „Inner Voice“ (Quinton records) wurde 2025 mit dem österreichischen Jazzpreis ausgezeichnet und war 2025 auch hierzulande für den Preis der deutschen Schallplattenkritik nominiert.
Über ihre Ideen für den diesjährigen Kurs sagt sie folgendes:
„Als Cellistin mit klassischer Ausbildung habe ich die Improvisation als große Bereicherung entdeckt – sowohl frei als auch über einfache harmonische Strukturen – die mich schließlich auch zur Komposition geführt hat. In meinem Ensemble möchte ich gemeinsam mit den Teilnehmenden – ob Einsteiger oder Erfahrene – eine gemeinsame musikalische Sprache entwickeln. Als Ausgangsmaterial bringe ich eigene einfache Kompositionen mit, bin aber offen für Ideen aus der Gruppe: ob fertige Stücke, eine melodische Idee oder einfach ein rhythmischer Groove – alles kann der Ausgangspunkt sein. So entsteht im Laufe der Woche gemeinsam neue Musik, die in einem Konzertprogramm mündet und die musikalischen Stimmen aller Beteiligten widerspiegelt.“





















Ihre viertägige heimat@jazzinstitut-Residenz in Darmstadt vom 18. bis 22. August 2022 nutzten die fünf Musiker:innen der Nürnberger Band 











Das Album „Dreams To Come” kommt gerade zur richtigen Zeit und setzt der schwierigen und komplexen Zeit, die hinter uns liegt, Optimismus und Aktivismus entgegen. „Ich sehe die Musik im Herzen der Gesellschaft. Ich glaube daran, dass Kreativität das Mittel ist, mit dem man Umbrüche meistern kann und mit der das Leben noch lebenswerter und bunter wird.“

