Tag Archives: Jazz

Iiro Rantala: HEL Trio

Das “Naturereignis an den Tasten” (Jazz Thing) endlich wieder mit einem Trio auf der Bühne. An seiner Seite: Conor Chaplin (b) und Anton Eger (dr). Weitere Infos folgen.

 

Carmen Souza

Beeinflusst von ihrer Heimat Portugal und ihren kapverdischen Vorfahren verbindet ihre Musik das kreolische Kulturerbe mit modernen Elementen des Jazz. Carmen Souzas Stimme weist eine Vielzahl von strukturierten Registern auf, die die Feinheiten ihres Ausdrucksspektrums erkunden. Der Klang ist so direkt und klar, dass jeder Song ein Gefühl von Lebendigkeit vermittelt. Nachdem sie die letzten 15 Jahre in Großbritannien gelebt hat, nutzt Souza auf ihrem neuen Album die Musik dazu, die unerwarteten Verbindungen zwischen ihrem Heimatland Kap Verde und dem Vereinigten Königreich zu vertiefen, dem Land, das ihre Kreativität so lange genährt hat. Diese neue Sammlung von acht Liedern erzählt die Geschichten hinter dem Zusammentreffen dieser beiden unterschiedlichen Kulturen und deren Auswirkungen auf die Kapverden nach Jahrhunderten der englischen Präsenz. In der Instrumentierung verschmelzen lusophone Einflüsse nicht nur in der Verwendung traditioneller Instrumente, sondern auch in den Strukturen, Rhythmen und dem Klang der Lieder. Durch die Improvisation werden die Grenzen zwischen den kulturspezifischen Musikrichtungen weiter verwischt. Jazz und Kap Verde waren sich noch nie so nah.

Die Enttäuschung

Die Kombination von Bassklarinette, Trompete, Bass und Schlagzeug haben die vier Berliner Musiker seit vielen Jahren in allen erdenklichen Varianten live ausprobiert. Weit über zwanzig Jahre hat Die Enttäuschung unglaublich viel Jazzgeschichte absorbiert und diese in einen lebendigen Spielprozess versetzt – musikalische Lava sozusagen, geformt durch eine Working Band, die sich noch immer selbst zu überraschen vermag.

Diese Band kennt kein Gestern und kein Morgen. Die Enttäuschung ist berlinerischer als Berlin selbst und darüber hinaus in fast jeder Beziehung unerreicht. Mit Kollektivimprovisationen jenseits aller Konventionen entrollt sie das ganze Potential ihrer musikalischen Phantasie und treibt den Blutdruck in die Höhe.

Das Anstandsgefühl wird von schamlosen Witzen aufs Äußerste provoziert, während im nächsten Augenblick der Ausdruck heiligen Ernstes in die Gesichter der Musiker einzieht. Und dennoch zeigt diese Band alles, was Jazz groß macht. Ihre Musik strotzt vor Energie, alles scheint aus dem Stegreif, aus der Gegenwart geboren und dabei inspiriert bis in die Haarspitzen. In der Regel unverstärkt und ohne technisches Beiwerk.

Die Herren Dörner, Mahall, Roder und Griener, jeder für sich schon ein Kapitel deutscher Jazz- und Improvisationsmusik, schöpfen tief aus der Geschichte und fegen die Regeln der Kunst virtuos schlitzohrig beiseite. Oder schlitzohrig virtuos, je nach Thema. Schon heute legendär: die Neuinterpretation sämtlicher Kompositionen von Thelonious Monk, die Die Enttäuschung zusammen mit Altmeister Alexander von Schlippenbach auf drei CDs (Monks Casino, Intakt 2005) eingespielt hat.

Unbeirrbar, intensiv, schräg und enthusiastisch, ein Meisterwerk so oder so. Und der Tag ist gerettet. (Text: Otmar Klammer)

Bessunger Jam Session: Trio 75

Wie gewohnt laden der Förderverein Jazz e.V. und das Jazzinstitut Musikerinnen und Musiker am letzten Freitag des Monats zum zwanglosen musizieren vor Publikum bei freiem Eintritt. Das Trio 75 mit Markus Krämer – Gitarre, Philipp Gutbrod – Drums und Chris Ries – Bass fungiert als Rhythm Section. Nach einem kurzen Eröffnungsset des Trios können alle anwesenden Musikerinnen und Musiker in einer spontan inszenierten Session auf offener Bühne einsteigen.

Jazz!Live: Kristīne Cīrule & Michael Bohn

Die lettische Sängerin Kristine Cirule und der deutsche Kontrabassist Michael Bohn haben sich 2018 während des Studiums an der renommierten Sibelius Akademie in Helsinki  kennengelernt. Sie spielten im Ensemble der Jazz-Trompeten-Größe Verneri Pohjola und  merkten schnell, dass sie nicht nur musikalisch auf derselben Wellenlänge unterwegs waren. Noch in Helsinki traten sie als Duo Kontrabass – Stimme auf, wurden von der Szene gefeiert und ließen sich von der fnnischen Natur und den eigentümlichen skandinavischen Lichtstimmungen zu ihren ersten gemeinsamen Kompositionen inspirieren. Als  gleichberechtigte Protagonisten treten Kontrabass und Stimme in Dialog und Diskussion, überraschen, verdichten, klingen erdig und leicht, kraftvoll und zart, als würde die Welt  durch ein Prisma der Naturerfahrung betrachtet, das seine Spektralfarben in schillernde Musik verwandelt. Dazu die passende Würze aus Folk, zeitgenössischer Klassik und Singer Songwriter.

Darmstädter Jazzherbst: Marc Schmolling solo & Flight Mode featuring Steve Swell

Der Komponist und Pianist Marc Schmolling studierte Jazzklavier in München und lebt seit 2006 in Berlin. Neben Solokonzerten verfolgt er weitere Projekte mit Musikern der zeitgenössischen Jazz- und Improvisationsszene. Sein Solodebütalbum “Not So Many Stars” erschien 2016 als Erstling seines Labels “Schmollingstones“. Sein zweites Solo-Album „Suvenýr“ erschien 2020 und landete in den Top Ten der Empfehlungen des Magazins „New York City Jazz Record“.

Das Quartett Flight Mode mit Tony Buck / John Edwards / Elisabeth Harnik / Harri Sjöström vereint einige der innovativsten Stimmen zeitgenössischer improvisierter Musik, die durch ihr brillantes Zusammenspiel, das Aufrufen faszinierender innerer Stimmen und die Deklination vielfältiger Klangnuancen überzeugen. Für das Konzert beim Darmstädter  Jazzherbst hat Flight Mode den weltweit bekannten amerikanischen Posaunisten Steve Swell als „Special Guest“ eingeladen.

Woher kommt solche Musik? Möglicherweise klingt nationales Erbe wie die große „Second Viennese School“, die „English – School“ of Improvisation oder die reiche Musikalität Finnlands an, Orchestrales und Individuelles verschwimmt, die Jazztradition wird umarmt. Die Musiker nähern sich dem Kern der dialogischen Perspektive, indem sie den Klang als eine sich wandelnde Materie betrachten und die Zuhörer: innen auf eine faszinierende, hochkomplexe kammermusikalische Reise durch Texturen, Melodien und innovativen Positionen mitnehmen.

Diese Veranstaltung wird unterstützt durch die Wissenschaftsstadt Darmstadt und das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst

Darmstädter Jazzherbst: Los Padres de Emilio & The Dorf

Das musikalische Duo Laura Robles (Cajón und E-Bass) und Johannes Lauer (Posaune und Klavier), Los Padres de Emilio, verbindet seit mehr als einem Jahrzehnt Kulturen und Leidenschaft für Rhythmus. Ihre musikalische Zusammenarbeit überschreitet Grenzen und schafft ein einzigartiges und bereicherndes Klangerlebnis.

Seit ihren Anfängen haben Laura und Johannes den kulturellen und musikalischen Reichtum verschiedener Länder erkundet, die Bühne geteilt und mit Musikern aus Kolumbien, Brasilien, Kuba, Burkina Faso, Finnland, der Schweiz, Mosambik, Peru und anderen zusammengearbeitet. Diese Vielfalt an Einflüssen hat ihre Kompositionen tief geprägt, ihren Stil bereichert und ihren Auftritten Komplexität und Authentizität verliehen.

Ihre Fähigkeit, den hypnotischen Rhythmus der Cajón mit der Kraft der Posaune und das Klavier zu verschmelzen, schafft eine einzigartige musikalische Dynamik, die das Publikum in ihren Bann zieht.

Im Laufe ihrer Karriere haben Laura Robles und Johannes Lauer bewiesen, dass Musik eine universelle Sprache ist, die Barrieren überwindet, Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund zusammenbringt und durch Kunst tiefe Verbindungen schafft. Ihre Hingabe, neue Klänge und Kulturen zu erforschen und mit ihnen zu experimentieren, zeigt ihr Engagement für künstlerisches Wachstum und das ständige Streben nach Spitzenleistungen in ihrer Kunst.

The Dorf ist eine soziale Skulptur, die 2006 geschaffen wurde und sich seitdem permanent wandelt. Ca. 80 Musiker:innen haben an diesem Orchester mitgeformt, das bei Konzerten mit rund 20 Leuten aufspielt. The Dorf funktioniert wie ein Vogelschwarm, der gen Süden zieht – mit äußerst effizienter innerer Orientierung und einem klaren Ziel vor Augen – ein Baum, auf dem alle gemeinsam zwitschern können. Es hat sich eine einzigartige Kommunikationskultur gebildet, die das eigentliche Geheimnis dieser Band ausmacht.

Als stilistische Eckpfeiler nennen wir Jazz, Improvisation, Punk und Neue Musik, jedoch entschieden nicht-idiomatisch, diskontinuierlich aber folgerichtig – unterhaltsam aber kompliziert – alles, was man von Kunst erwarten könnte. The Dorf ist eine ausgesprochene Live Band – mit circa 300 Konzerten in ihrer Vita gespielt, viele davon auf internationalen Festivals.

Diese Veranstaltung wird unterstützt durch die Wissenschaftsstadt Darmstadt und das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst

Jazz auf dem Heinerfest: En Haufe Leit

Seit ihrer Gründung 1975 sind En Haufe Leit in wechselnder Besetzungsgröße erfolgreich in der Region und international unterwegs. Quicklebendig und mit zum Teil neuen Musikern versteht es das Darmstädter “Jazzurgestein”, sein Publikum immer wieder zu begeistern. Auch beim diesjährigen Heinerfest ist ihr Motto „die Mussigg muss unner die Leit“ wieder mehr als angebracht.  Kommt alle!