JAZZ.SCHULE.MEDIEN.jazzschulemedien

Symposium vom 29. September bis 1. Oktober 2011
Konzert- und Filmreihe vom 30. September bis 1. Oktober 2011
Workshop / Lehrerfortbildung (Akkreditierung beantragt) (28. bzw. 30. September 2011)
Workshop Song-Writing (30. September - 1. Oktober 2011)

Workshop / Jazzkritik (1. Juli bis 15. September 2011)

Konzerte mit dem ...

  • Angelika Niescier + sublim (Frankfurt, Dr. Hoch's Konservatorium)
  • Angelika Niescier + sublim (Darmstadt, Centralstation)
  • Julia Hülsmann & Daniel Mattar (Darmstadt, Stadtkirche)
  • Angelika Niescier + sublim (Hofheim, Jazzkeller)
  • Kellers 10 (Darmstadt, Bessnger Knabenschule)
  • Nils Wülker Group (Darmstadt, Bessnger Knabenschule)

Videodokumentation des Jazzforums

Programmheft als PDF

Mehr zu ...

Information about the Darmstadt Jazzforum in English


jazz:kritik ist ist ein Online-Wettbewerb und -Workshop für Musikkritiker und solche, die es werden möchten, bei dem die Teilnehmer ein qualifiziertes Feedback auf ihre Rezensionen erhalten (... hier geht's direkt zu jazzkritik.de).  


JAZZ.SCHULE.MEDIEN.

(Einleitung)

Jazz als Musik des 20sten Jahrhunderts!
Jazz als Musik des 21sten Jahrhunderts!

Jazz war die Musik des 20sten Jahrhunderts, die Musikform, die als expressive Kraft weit über ihr eigenes Genre hinausgewirkt hat. Selbst im 21sten Jahrhundert gehört der Jazz nach wie vor zu den kreativsten und inspirierendsten Musikformen, weil er durch die ihm eigenen Techniken, allen voran die Improvisation, Musiker zum spontanen Ausdruck ihrer selbst fordert, wie dies sonst kaum eine Kunst tut.

Der Jazz ist eine Musik, die immer auf ihre Umgebung reagiert hat, auf soziale, gesellschaftliche und ästhetische Entwicklungen. Diese Eigenschaft des Jazz, seine direkte Reaktionsfähigkeit, machte ihn immer auch zu einer hochpolitischen Musik, die in Diktaturen aneckte, weil im Jazz Individualismus wichtiger war als Angepasstheit. Der Jazz zeichnet dabei die gesellschaftlichen Entwicklungen der Umgebung nach, in der diese Musik stattfindet.

Auf Deutschland bezogen wäre das etwa der künstlerisch-ästhetische Aufbruch der 1920er Jahre; die Rolle des Jazz als Gegenkultur zum Nationalsozialismus in der Zeit des Dritten Reichs; die offene Identifizierung von Jazz, Freiheit und Demokratie nach Kriegsende und Befreiung; die politischen Konnotationen, die der Jazz im Osten Deutschlands als Stimme einer anderen Gesellschaftsordnung besaß; das neue Verlangen nach Freiheit – auch von Machtstrukturen in den Bürgerrechtsbewegungen der 1960er Jahre; der antiautoritäre Protest der westdeutschen Studentenbewegung der 1970er Jahre; die ästhetischen Diskussionen der Postmoderne der 1980er Jahre; der gesellschaftliche Umbruch im Zuge der Wiedervereinigung in den 1990er Jahren; das neue, durchaus auch nationale Selbstbewusstsein, das sich in den ersten zehn Jahren des 21sten Jahrhunderts zeigte.

Im Jazz zeichnen sich all diese Bewegungen nach; mehr als viele andere Künste entwickelt er sich dabei nah am Puls der Zeit. Nach Expressionismus, einem musikalischen Nachkriegs-Strukturalismus und postmodernem Eklektizismus ist der Jazz in seinen zeitgenössischen Ausprägungen bis auf den heutigen Tag eine Stimme der aktuellen Moderne, spiegelt aktuelle Tendenzen ästhetisch wider und versucht diese im Experiment weiterzuentwickeln.  
 


(Fragestellung)

Minderheitenmusik? Schwer verständlich?
Oder einfach nur missverstanden?

Die Intensität des Jazz und seine Positionierung in den letzten Jahrzehnten innerhalb der künstlerischen Avantgarde machten ihn im allgemeinen popmusikalischen Diskurs zu einer randständigen, weil vermeintlich schwer verständlichen Musik. Er sei zu intellektuell, zu komplex, zu anstrengend, zu wenig nachvollziehbar, heißt es da. Und auch der Jazz hat sich scheinbar damit abgefunden, als Minderheitenmusik geführt zu werden. Die Musik sei nun mal "etwas komplizierter", sagen die Fans, wenn der Saal mal wieder nicht so voll ist bei anspruchsvollen Konzerten; man müsse ja schließlich auch einiges Vorwissen mitbringen, entschuldigen sie das überhöhte Alter der Hörer.

Doch ist es tatsächlich so, dass Jazz, und zwar auch anspruchsvoller avancierter Jazz, einem nicht-eingeweihten Publikum nicht zugemutet werden kann? Ist es tatsächlich so, dass ein Grundverständnis über musikalische Kommunikationsstrukturen im Publikum vorhanden sein sollte, damit sie einen Konzertabend (oder gar eine CD) durchstehen? Oder ist das alles eine Mär, die davon ablenken soll, dass "der Jazz" — also alle, die mit seiner Vermittlung zu tun haben, von Musikern über Konzertveranstalter, Pädagogen, Journalisten bis hin zu den Fans — es versäumt hat, die Menschen mitzunehmen auf die musikalische Reise, das Interesse zu halten oder zumindest wieder zu wecken, nachdem es scheinbar ein wenig abgestorben war?
 


(Veranstaltungskonzept)

12. Darmstädter Jazzforum: JAZZ. SCHULE. MEDIEN.

Das 12. Darmstädter Jazzforum widmet sich der heiklen Frage, was zu tun ist, damit die verschiedenen Formen der Musikvermittlung dem Jazz zu dem öffentlichen Ansehen verhelfen, das ihm seiner ästhetischen und sozialen Kompetenz zufolge nach wie vor zusteht. Es fragt dabei nur kurz danach, wie es dazu kommen konnte, dass der Jazz scheinbar einen Großteil seiner Popularität verlor, welche Mechanismen zwischen Ästhetik, Musikwirtschaft und staatlicher Förderung dazu führten, dass der Jazz -- im schlechtesten Sinne -- als eine elitäre "Kunst"-musik wahrgenommen wird, die sich um ihre Hörer nicht weiter bemühen muss -- und inwieweit diese Entwicklung eine globale war oder in verschiedenen Ländern unterschiedliche Ausprägungen erfahren hat.

Vielmehr denkt das Darmstädter Jazzforum über potentielle Wege nach vorne nach, analysiert das erstarkte Interesse am europäischen Jazz der vergangenen Jahre genauso wie die damit verbundene selbstbewusster auftretende deutsche (und europäische) Jazzszene und fragt Experten, wie dieser Vorwärtsdrive auch außerhalb der "puren" Jazzszene Effekte zeigen kann.

Jazzvermittlung also heißt das große Thema, und die Unterthemen befassen sich etwa mit der Musikerziehung, welchen Nutzen also Musik- (oder sonstiger) Unterricht von Jazzschwerpunkten an Schulen haben kann und wie sich Jazzprojekte an Schulen realisieren lassen, die ganz genre-unabhängig Lust auf kreative Selbstverwirklichung machen.

Zum Thema Ausbildung gehört auch die Ausbildung an der Hochschule, bei der zu fragen ist, inwieweit Jazzabteilungen Sinn machen, wenn sie nur darauf ausgerichtet sind, Jazzmusiker hervorzubringen und nicht, die ureigenen Kompetenzen des Jazzmusikers in den großen Ausbildungstopf der Hochschule einzubringen, bei dem also jeder, egal ob er oder sie Alte Musik, Oper, Jazz oder Pop zum Studienschwerpunkt macht, sich mit der Improvisation befassen sollte, genauso wie man Kontrapunktkurse belegen muss. Und bei der Improvisation haben nun mal die Jazzer die meiste Erfahrung.

Ein weiteres Thema wird die Vermittlung in den Medien sein, in denen der Jazz meist vor allem in Spezialveröffentlichungen abgehandelt wird oder aber – in der Tagespresse – von Hobbyjournalisten, und in denen ein wirklicher Diskurs über Zustand und Entwicklung der Szene kaum stattfindet. Zu diesem Themenfokus gehört aber auch die Vermittlung der Szene selbst: Wie gehen Musiker auf ihr Publikum ein, und warum sind Musiker, die großen Publikumserfolg haben, vielen in der Jazzszene so suspekt? Eingeladen sind Medien- und Kommunikationswissenschaftler, Pädagogen, Journalisten, PR-Experten, aber auch die praktischen Vermittler, also Musiker und Veranstalter. 
 


(Verbindung von Wissenschaft und Praxis)

Forum = Treffpunkt = Basis für Projekte auf unterschiedlichen Ebenen

Im Rahmen des Darmstädter Jazzforum wollen wir Experten zusammenbringen und aus dem Gespräch, aus den Diskussionen und Workshops lernen, wie die Vermittlung dieser so überaus lebendigen Musik unterstützt werden kann, wie dem Missverständnis, der Jazz sei schwer zugängig, entgegenzusteuern ist. Das dreitägige Symposium erlaubt generelle wie sehr spezielle Blicke auf das Thema, gibt aber auch genügend Raum für Nachfragen und angeregte Diskussionen. Hierfür haben wir namhafte Forscher, Journalisten und Musiker eingeladen, darunter Christian Broecking, Ralf Dombrowski, Bert Gebhardt, Bernd Hoffmann, Julia Hülsmann, Reinhard Köchl, Hans-Jürgen Linke, Florian Ross, Michael Rüsenberg, Jürgen Terhag, Olaf Stötzler, Walter Turkenburg, Elena Ungeheuer, Joe Viera, Nils Wülker und andere.

Mit zwei Workshopmodulen wollen wir das Jazzforum aber auch direkt in die Szene hinein erlebbar machen. Der erste dieser beiden Workshops, jazz:schule will als staatlich anerkannte Fortbildung Lehrern Hilfestellungen geben, wie sie den Jazz in ihren Unterricht einbauen können. Er wird in Hofheim und Frankfurt stattfinden. Der zweite bereits im Vorfeld des Jazzforums stattfindende Workshop heißt jazz:kritik und richtet sich insbesondere an solche freien Journalisten, die für Tageszeitungen oder Onlinemedien, durchaus auch für die eine oder andere Fachzeitschrift schreiben, und denen wir im Rahmen des Workshops die Möglichkeit geben wollen, von erfahrenen Journalisten hinzuzulernen und so ihr Handwerkszeug noch besser verwenden zu können. Die gefeierte Pianistin und Komponistin Julia Hülsmann schließlich wird mit dem Sänger Daniel Mattar einen Workshop zum Thema Song-Writing anbieten.  

Das Darmstädter Jazzforum ist für uns dabei zugleich Basis für weiterführende, nachhaltige Maßnahmen wie etwa die Entwicklung eines Moduls zur Einbindung von Jazz in den Unterricht an Allgemeinbildenden Schulen. Hierfür planen wir, Lehrern wie Schülern zu einer Vielzahl an Themen Materialsammlungen zur Verfügung zu stellen, die von Musikbeispielen über Videosequenzen bis hin zu Quellen reichen, mit denen einzelne Themen (ein Stück, ein Musiker, ein Stil, ein Subgenre etc.) sich interdisziplinär von ganz unterschiedlichen Seiten beleuchten lassen, also musikalisch genauso wie etwas sozialgeschichtlich oder literarisch. Dieses Modul "Jazz in die Schule" wird von uns zurzeit als ein Modellprojekt vorbereitet. Für die Umsetzung allerdings ist das Jazzforum als eine Art "Startschuss" wichtiger Ideengeber dessen, was wünschenswert und machbar ist. 
 


(Regionale Einbindung)

Von der Jazzhauptstadt Frankfurt zur Jazzregion Rhein-Main.
Die kulturellen Strukturen reagieren auf die Realität der Region.

Frankfurt galt lange Zeit als "Jazzhauptstadt Deutschland". Hier gab es am Dr. Hoch'schen Konservatorium in den 1920er Jahren den ersten Studiengang zum Jazz überhaupt. Nach dem Krieg war die Präsenz der Amerikaner für ein lebendiges Jazzleben der Stadt (und der Region) wichtig. Die Kontakte zu den Amerikanern waren selbst dann noch für die Frankfurter Szene wichtig, als die populäre Musik der Zeit schon lange nicht mehr Jazz, sondern Rock 'n' Roll, Rock, Soul oder anders hieß.

Längst aber hat die Kölner Musikhochschule mit ihrem besonders renommierten Jazzstudiengang jede Menge junger Musiker aus der ganzen Republik an den Rhein gezogen; und das wiedervereinigte Berlin lockte mit billigem Wohnraum und kultureller Aufbruchstimmung Musiker und Künstler jedweder Couleur in die alte/neue Bundeshauptstadt.

Man hat sich den Zusammenhang zwischen Abzug der Amerikaner und Nachlassen der Jazzaktivitäten in Frankfurt nie ganz bewusst gemacht. Und gewiss hat auch die Politik einiges verschlafen, was das Jazzleben aktiv hätte halten können – das Beispiel der Nachbarstadt Darmstadt liegt ja auf der Hand, in der die Gründung des Jazzinstituts 1990 eine politische Entscheidung war, die dazu führte, dass dort seither ein überaus reges und aktives Jazzleben herrscht.

Nun sind aber das Rhein-Main-Gebiet des Jahres 2011 weit mehr als die Summe einzelner, voneinander unabhängiger Städte. Es ist nach wie vor einer der bedeutenden europäischen Standorte für Wissenschaft und Kunst, dessen gemeinsame regionale Identität sich durch seine besondere Weltoffenheit ausgezeichnet.

Mit der Jazzklasse am Dr. Hoch'schen Konservatorium gab es hier schon in den 1920er Jahren innovative Ausbildungskonzepte, an die wir mit einer Diskussion darüber, wie der Jazz an die Schulen zu bringen sei, wieder anknüpfen wollen. Vor allem aber ist es unser Ziel Diskussionen über den Status Quo anzuregen und Ideen zu entwickeln. Wir wollen im Jazz und mithilfe des Jazz nachhaltige kulturelle Strukturen schaffen und damit zur Zukunftsfähigkeit des Standortes Frankfurt Rhein-Main beitragen. Das Rhein-Main-Gebiet nämlich ist nach wie vor ein wichtiger Jazzstandort (auch wenn ihm ein eigenständiger Studiengang zum Jazz schmerzhaft fehlt).

Die Arbeit des Jazzinstituts Darmstadt ist zwar seit jeher international angelegt, zieht Fäden in ganz Deutschland, ganz Europa und auch in den USA. Das Institut versteht sich aber schon aus seiner Trägerschaft heraus als eine in der Region verankerte Einrichtung, die im Kleinen tun will, was sie auch im Großen propagiert. Das Jazzforum zur "Vermittlung des Jazz" geht also ein Thema an, dass für ganz Deutschland (und darüber hinaus) von Belang ist, will Maßnahmen aber zuallererst in seiner direkten Umgebung, also im Rhein-Main-Gebiet angehen.

Das Ziel muss sein, die Region des Rhein-Main-Gebiets im Bereich des Jazz wieder interessanter zu machen, Musikern Wirkungsmöglichkeiten zu geben, dem Publikum interessante und spannende Musik zu bieten, und -- zuallererst -- daran mitzuwirken, dass die gegenwärtig heranwachsende Generation den Jazz nicht länger als intellektuell abgehobenes Genre, sondern als inklusive, ungemein spannende musikalische Kommunikation wahrnimmt.  
 


Das Darmstädter Jazzforum findet seit 1989 alle zwei Jahre statt und widmet sich dabei jedes Mal einem anderen Oberthema. Es ist eine weltweit einmalige Mischung aus Fachkongress, Konzertreihe, Workshop und Ausstellung und wird von Anfang an in Buchform dokumentiert. Die daraus resultierende Buchreihe "Darmstädter Beiträge zur Jazzforschung" ist mit bislang elf Bänden die einzige in Deutschland erscheinende regelmäßige Buchreihe, die sich zwischen Wissenschaft und Dokumentation mit dem Jazz auseinandersetzt.

Das ausrichtende Jazzinstitut Darmstadt ist eine städtische Kultureinrichtung der Wissenschaftsstadt Darmstadt und das größte öffentliche Informations- und Dokumentationszentrum zum Jazz in Europa. 
 


Kooperationspartner und Förderer

Das 12. Darmstädter Jazzforum ist eine Veranstaltung der Wissenschaftsstadt Darmstadt. Es wird ermöglicht durch Mittel des Kulturfonds Frankfurt RheinMain sowie durch Unterstützung durch das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst. Unsere Kooperationspartner sind der Verein zur Förderung des Zeitgenössischen Jazz in Darmstadt e.V., das Kulturzentrum Bessunger Knabenschule e.V., die Centralstation Darmstadt, die evangelische Stadtkirche Darmstadt, die Jazzfreunde Hofheim e.V., die Jazzinitiative Frankfurt e.V., die Stiftung Polytechnische Gesellschaft, Frankfurt/Main, sowie Dr. Hoch's Konservatorium, Frankfurt/Main. <jazzkritik.de> wird von der Jazz Journalists Association unterstützt.

Darmstadt
Kulturfonds
Hessen
Förderverein Jazz
Knabenschule
Centralstation
Polytechnische
Dr Hochs
Literaturhaus
JJA

 
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