(aus dem Jazzinstitut Darmstadt)
20. April bis 3. Mai 2023 | Ausgabe 08/2023 (deutsch)

Wir lesen die Morgenzeitung für Sie!

Liebe Jazzfreunde,

Die Jazz News des Jazzinstituts versorgen Sie regelmäßig (zurzeit ca. alle zwei Wochen) mit Nachrichten, die wir aus der Online-Tagespresse für Sie zusammenfassen. Diese Rubrik wird auf unserer Website (www.jazzinstitut.de) täglich aktuell gehalten.

Wenn Sie an Literaturlisten zu den hier genannten Musiker:innen interessiert sind, so finden Sie etliche auf unserer Jazz-Index-Website. Der Jazz-Index ist eine bibliographische Datenbank, die kostenlos im Jazzinstitut abrufbar ist. Kontaktieren Sie uns, wenn Sie ähnliche Auszüge zu noch nicht gelisteten Musiker:innen wünschen.

Viel Vergnügen bei Ihrer Lektüre zum Jazz in der/n vergangenen Woche/n.

... in aller Kürze ...

Guido Glaner spricht mit dem Fotografen Matthias Creutziger über die Übernahme seines Fotonachlasses durch die Deutsche Fotothek, über die Kunst, musikalische Momente zu dokumentieren, sowie darüber, dass er mit der Auswahl der Musiker ganz zufrieden ist, die er bislang sowohl im Jazz als auch in der klassischen Musik fotografieren durfte (Tag 24). Auch Wolfram Nagel spricht mit Creutziger (MDR).--- Lewis Porter hört "Just Friends", eine Aufnahme von Sonny Rollins und Coleman Hawkins, und fokussiert sich dabei auf das Spiel des Pianisten Paul Bley und dessen Reaktion auf Rollins' Linien (Playback with Sonny Rollins). Lewis Porter teilt außerdem ein kurzes Audio-Interview des schwedischen Journalisten Claes Dahlgren mit Rollins aus dem Jahr 1958 (Playback with Lewis Porter).

Vinnie Sperrazza hört Aufnahmen des Schlagzeugers Joe Chambers (Chronicles). --- Trevor Smith berichtet über die NEA Jazz Masters 2023 (NPR) sowie über die Preisgala, die auf YouTube nachzusehen ist (YouTube). --- An seinem 124. Geburtstag erinnert Ted Gioia an ein Konzert, das Duke Ellington am 7. November 1940 in Fargo, North Dakota, gab und das aufgezeichnet wurde, und diskutiert, was diese Aufnahmen uns über Ellington, seine Band und den Musikeralltag jener Zeit aussagen können (The Honest Broker).

Anlässlich des hundertsten Geburtstags von Tito Puente stellt Ed Morales eine Playlist zusammen, die mit einer Mambo-beeinflussten Aufnahme aus dem Jahr 1949 beginnt und den Timbalero und Bandleader durch das lateinamerikanische New York der 1950er Jahre, seine Zusammenarbeit mit La Lupe und Celia Cruz in den 1960er Jahren bis hin zu mehr jazzbeeinflussten Aufnahmen aus den 1950er bis 1990er Jahren begleitet (New York Times). --- Ben Watson spricht mit dem Pianisten Gerald Clayton über ein Schulkonzert, als er acht Jahre alt war, über den Einfluss seines Vaters, des Bassisten John Clayton, über einige seiner Klavierhelden, über seinen Umzug nach New York im Jahr 2007 sowie über seine Liebe zum Surfen (The Irish Times).

Dave Canton spricht mit dem Bassisten Avery Sharpe über Musik als mögliches Gegenmittel zum aktuellen Rassismus und Sexismus in den USA, über sein jüngstes Album "I Am My Neighbor's Keeper" sowie über ein Konzert, das er kürzlich im Hampden County Correctional Center gegeben hat, in der Hoffnung, die Insassen zu inspirieren (MassLive). --- Harald Küst erinnert an Karl Schwedler, einen Sänger und den Leader von Charlie and his Orchestra, einer Band, die vom Nazi-Propagandaministerium finanziert wurde, um populäre Songs mit neuen, oft antisemitischen Texten aufzunehmen, die über Kurzwellenradio als Feindpropaganda gesendet wurden. Küst berichtet über Schwedlers Duisburger Herkunft, seine Emigration in die USA in den frühen 1920er Jahren und seine Rückkehr 1939 als überzeugter Nazi, aber auch über seine Nachkriegskarriere als Croupier in einem Berliner Casino, als Geschäftsmann in den USA und als Rentner in Bayern (Rheinische Post).

Ted Gioia erinnert sich, wie Jimmy Giuffre einmal auf die Frage nach seinen ungewöhnlichen Besetzungen erklärte, "dass er die Musiker danach auswählte, wie gut sie miteinander auskamen. Die Instrumente, die sie spielten, waren ihm dabei nicht besonders wichtig" (The Honest Broker). --- Yulia Karra spricht mit der israelischen Sängerin Leat Haber über ihre späte Entscheidung, mit 40 Jahren Musik zu ihrem Beruf zu machen, über die Arbeit an ihrem ersten Album sowie über ihre Pläne, in israelischen Gefängnissen aufzutreten (Israel21c).

Ethan Iverson hört sich das Album "At the Pershing: But Not for Me" von Ahmad Jamal aus dem Jahr 1958 genauer an (Transitional Technology). Thomas Bugert betrachtet den Einfluss Ahmad Jamals auf andere Musiker (Jazziversum). --- Lewis Porter berichtet über eine kürzlich entdeckte Trioaufnahme des Art Tatum Trios (Playback with Lewis Porter).

Marcus A. Woelfle hört sich eine Aufnahme von The Georgians aus dem Jahr 1923 an und erklärt, wie der Jazz das Interesse an allem Ägyptischen aufgriff, das in der europäischen und amerikanischen High Society schon vor der Entdeckung des Grabes von Pharao Tutanchamun im Jahr 1922 in Mode war. Er findet Musik, die ägyptischen Themen gewidmet ist, von den 1920er Jahren wie "Old King Tut" von den Georgians bis zu den 1960er Jahren vom Art Ensemble of Chicago, Sun Ra und Pharoah Sanders (BR-Klassik). --- Die Schlagzeugerin Terri Lyne Carrington erklärt, warum es weiterhin wichtig ist, sich für die Gleichstellung von Frauen im Jazz einzusetzen (The Skimm).

Lee Mergner spricht mit der Jazzforscherin Stephanie Stein Crease über ihr jüngstes Buch über das Leben und die Musik des Schlagzeugers und Bandleaders Chick Webb (WBGO). Auch Vinnie Sperrazza liest das Buch von Crease über Chick Webb (Chronicles). --- Ulrich Gaßdorf spricht mit dem Trompeter Till Brönner über seine Faszination für Sylt, wo er als künstlerischer Leiter des Kampen Jazz Festivals fungiert (Hamburger Abendblatt).

Zum International Jazz Day 2023 sprach Herbie Hancock mit dem ehemaligen US-Präsidenten und Saxophonisten Bill Clinton über die Bedeutung des Jazz in der heutigen Welt (YouTube). Michelle Mercer diskutiert die Rhetorik des International Jazz Day ("Jazz als 'Botschaft des Dialogs und der Freiheit'") angesichts der heutigen internationalen Krisen und verweist auf einen ihrer Artikel aus dem Jahr 2013, den sie auch heute noch für aktuell hält (Call & Response). --- Im Jahr 2002 reiste Michelle Mercer nach Salvador de Bahia, um den brasilianischen Karneval mit Gaetano Veloso zu erleben. Ihr Reisebericht erzählt von den lokalen Traditionen, von Velosos Popularität sowie von ihrer eigenen Reaktion als teilnehmende Beobachterin, die ihr am Ende "alegria" ins Gesicht geschrieben hatte, wie ein Taxifahrer sagte, "eine freudige Hingabe an die Freuden des Augenblicks" (Call & Response).

Lewis Porter analysiert eine Aussage, die John Coltrane einmal in einem Interview machte, als er sagte: "Ich wäre gern ein Heiliger", und stellt fest, dass Trane sich tatsächlich auf ein früheres Interview mit Sonny Rollins bezog und dass jeder, der diese Aussage für bare Münze nimmt, einfach falsch liegen könnte (Playback with Lewis Porter). --- Toby Frei spricht mit dem Saxophonisten Peter Lehel (KA-News).

Nachrufe

Wir erfuhren vom Ableben des Fotografen Kwame Braithwaite im Alter von 85 Jahren (New York Times), des Sängers und Schauspielers Harry Belafonte im Alter von 96 Jahren (New York Times), der Schweizer Alphornistin Eliana Burki im Alter von 39 Jahren (SRF), des Komponisten und Arrangeurs Don Sebesky im Alter von 85 Jahren (Broadway World), sowie des Schlagzeugers Ivan Conti im Alter von 76 Jahren (Resident Advisor).

Aus der Welt der Jazzforschung

Franz Hoffmann-Sammlung
Franz Hoffmann ist ein deutscher Sammler und Diskograph, dessen Sammlung von Anzeigen in der afro-amerikanischen Presse des frühen 20. Jahrhunderts seit Jahren eine wichtige Informationsquelle für Forscher ist. Seine im Selbstverlag erschienenen Bücher sind in den meisten großen Jazzarchiven zu finden, so auch im Jazzinstitut Darmstadt. Wenn Sie selbst nach diesen Büchern suchen wollen, ist das Felix E. Grant-Archiv ein guter Ausgangspunkt, denn unsere Kollegen in D.C. haben alle bisherigen Veröffentlichungen Hoffmanns online gestellt. Dazu gehören die bereits erwähnte Reihe "Jazz Advertised" (9 Bände), eine ähnliche Sammlung "Jazz Reviewed 1910-1967" (4 Bände), seine Bio-Diskographie über den Trompeter Henry Red Allen, eine Auflistung französischer Fernsehsendungen, die Konzerte und Festivals zwischen 1952 und 2004 dokumentieren, eine Video- und Radiographie von Art Fords Jazz Party von 1958 sowie eine allgemeine Filmographie jazzbezogener Filme und Videoclips, die Hoffmann im Laufe der Jahre gesammelt und kommentiert hat (Felix E. Grant Jazz Archives).

Letzte Woche im Jazzinstitut

JazzChur Podcast über das Jazzinstitut Darmstadt

Christian Müller besuchte Anfang April das Jazzinstitut, um einen Podcast über die Geschichte und die Arbeit des Jazzinstituts, unsere Sammlung sowie über unsere lokalen, nationalen und internationalen Aktivitäten zu produzieren. Das Resultat findet sich jetzt online (JazzChur Podcast). 

Darmstädter Musikpreis geht an Norbert Dömling

Der Darmstädter Musikpreis wird seit 2005 jährlich an Musiker aller Genres verliehen. 2023 ging der Preis an den Bassisten und Komponisten Norbert Dömling, der seit den frühen 1970er Jahren eine wichtige deutsche Stimme auf dem E- und dem Kontrabass ist. Die Preisverleihung gestaltete Dömling als eine Reise durch fünf Jahrzehnte, für die er eigens eine Band mit Tony Lakatos (Saxophon), Stephanie Wagner (Flöte), Manuel Seng (Klavier) und Andreas Neubauer (Schlagzeug) zusammenstellte. Zum Abschluss spielte Dömling dann noch ein Duo mit einer aufgenommenen Komposition von Jadwiga Frej, der diesjährigen Stipendiatin des Darmstädter Musikpreises. Die Laudatio auf Dömling hielt Wolfram Knauer vom Jazzinstitut (Darmstädter Echo).

Nina Simone

Julia Neupert hat ein Rundfunkfeature über Nina Simone produziert, für das sie sich unter anderem mit der Sängerin Fola Dada und mit Wolfram Knauer vom Jazzinstitut unterhielt (SWR2).

Jazz Institut @ Kunstdepot Darmstadt

In früheren Ausgaben dieses Newsletters haben wir bereits das neue Debotgebäude erwähnt, in das wir einen Teil unseres Materials verlagern werden, ein Archivgebäude, das speziell für die städtische Kunstsammlung, das Stadtarchiv, das Institut für zeitgenössische Musik und das Jazzinstitut errichtet wurde. Dieses Gebäude wurde letzte Woche vom Oberbürgermeister der Stadt offiziell eingeweiht. (Wissenschaftsstadt Darmstadt)

Jazz Ahead + Deutscher Jazzpreis

Arndt Weidler ist einer der Berater des Deutschen Jazzpreises, der in der vergangenen Woche im Rahmen einer Gala im Bremer Metropol Theater in 31 Kategorien verliehen wurde. Alle drei Mitarbeiter:innen des Jazzinstituts blieben danach zur JazzAhead, der internationalen Fachmesse, die Kolleg:innen aus allen Bereichen der Jazzwelt nach Norddeutschland brachte. Wir sprachen mit Musiker:innen, Veranstalter:innen, Journalist:innen, Produzent:innen, Agent:innen und Fans und hörten hervorragende Musik, darunter einige Projekte, die wir demnächst selbst in Darmstadt präsentieren werden. Arndt und Marie Härtling besuchten außerdem das Klaus Kuhnke Archiv für Populäre Musik, ein großes Archiv für alle Genres der populären Musik an der Musikhochschule Bremen.

Destination Unknown: The Future of Jazz

In den letzten drei Ausgaben unserer JazzNews stellten wir Ihnen das vorläufige Programm der Konferenz und des Festivals unseres 18. Darmstädter Jazzforums vor. Ein drittes Standbein der Veranstaltung ist eine Ausstellung, die Marie Härtling derzeit unter dem Titel "The All of Everything" vorbereitet. Für diese fragt sie ganz grundsätzlich nach der Welt, in der der Jazz in Zukunft existieren wird. Um ein umfassendes Bild von dieser Welt zu vermitteln, sprach sie mit Menschen aus verschiedenen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens. Videoaufzeichnungen dieser Gespräche (z. B. mit der Komponistin und Lehrerin Yaeko Asano) sind der eine Teil der Ausstellung, der andere Teil ist die Reaktion zeitgenössischer bildender Künstler auf diese Interviews. Die Ausstellung in der Galerie des Jazzinstituts wird vom 27. September bis zum 8. Dezember 2023 zu sehen sein. 

Weitere Informationen zum aktuellen Programm des 18. Darmstädter Jazzforums werden wir in den nächsten Wochen auf unserer Website einstellen. Merken Sie sich schon jetzt den Termin vor: 27./28. bis 30. September 2023. Auf unserer Website zum Jazzforum (Destination Unknown) findet sich auch ein korrespondierender Blog, in dem wir einige unserer eigenen Gedanken zum Thema diskutieren. Hauptkonferenzsprache ist Deutsch.

Aktuelle Öffnungszeiten des Jazzinstituts

Das Archiv des Jazzinstituts ist für Besucher und Nutzer nach Anmeldung geöffnet. Daneben können Sie uns weiterhin per Telefon, E-Mail oder Video-Call erreichen. Sollten Sie einen Video-Call wünschen, bitten wir Sie, dafür per e-mail einen Termin abzumachen und uns dabei bereits mitzuteilen, worum es in dem Gespräch gehen soll. Wir werden Ihnen dann einen Link für eine Webex Videosession für unser Treffen zusenden.

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