{"id":7587,"date":"2018-10-26T09:58:10","date_gmt":"2018-10-26T07:58:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.jazzinstitut.de\/?p=7587"},"modified":"2022-11-18T11:09:17","modified_gmt":"2022-11-18T10:09:17","slug":"positionen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.jazzinstitut.de\/en\/positionen\/","title":{"rendered":"POSITIONEN! Jazz und Politik"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #ff0000;\"><strong>Sorry, but this page is only available in German.<\/strong><\/span><\/p>\n<hr \/>\n<p><a href=\"https:\/\/www.jazzinstitut.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/1170x550_positionen.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-8108 size-full alignnone\" src=\"https:\/\/www.jazzinstitut.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/1170x550_positionen.jpg\" alt=\"\" width=\"1170\" height=\"550\" srcset=\"https:\/\/www.jazzinstitut.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/1170x550_positionen.jpg 1170w, https:\/\/www.jazzinstitut.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/1170x550_positionen-300x141.jpg 300w, https:\/\/www.jazzinstitut.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/1170x550_positionen-768x361.jpg 768w, https:\/\/www.jazzinstitut.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/1170x550_positionen-1024x481.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 1170px) 100vw, 1170px\" \/><\/a><\/p>\n<h4><strong>Verantwortung! Relevanz! Widerstand! Jazz? Lasst uns diskutieren&#8230; <\/strong><\/h4>\n<p>Jazz wurde immer als eine Musik der Widerst\u00e4ndigkeit wahrgenommen. Mit dem Einzug in die Institutionen scheint der Jazz ein wenig seines politischen Bewusstseins verloren zu haben. Musiker*innen besch\u00e4ftigen sich mehr mit technischen und \u00e4sthetischen Fragen; das Publikum sonnt sich eher im vergleichenden Blick zur\u00fcck, als dass es seine Aufmerksamkeit dem oft schwierigeren \u2013 und das nicht immer, weil die Musik schwierig ist \u2013, aber solidarischen Blick nach vorn widmet.<\/p>\n<p>Und w\u00e4hrend in den USA, dem Geburtsland des Jazz, fast jedes Projekt eine politische Note erh\u00e4lt, von Vijay Iyer bis Kamasi Washington, scheint Europa im selbstgef\u00e4lligen Feiern von Jazz als Kunstmusik versunken. In Zeiten, in denen in ganz Europa die sozialen und politischen Errungenschaften der letzten Jahrzehnte von einem neuen Populismus zur\u00fcckgedr\u00e4ngt werden, befasst sich aber auch die Kunst insgesamt wieder verst\u00e4rkt mit gesellschaftlichen Themen, sei es die bewusstere Haltung gegen\u00fcber Klimafragen, Armut, Bildung, das globale Verst\u00e4ndnis von Menschlichkeit, das Eintreten f\u00fcr die Menschenw\u00fcrde auf allen Ebenen, eine klare Haltung gegen Sexismus, Rassismus oder sonstige Ausgrenzung. &#8222;Diversity&#8220;, sagt Kamasi Washington, &#8222;should not be tolerated, it should be celebrated.&#8220;<\/p>\n<p>Wo also findet diese Feier der Diversit\u00e4t statt im zeitgen\u00f6ssischen europ\u00e4ischen Jazz? Wie ist es um das Bewusstsein f\u00fcr die eigene politische, gesellschaftliche und soziale Verantwortung des K\u00fcnstlers im Jazz bestellt? Und warum scheint &#8222;politisch Lied&#8220; ausgerechnet in dem Genre, das die tiefste Geschichte der Widerst\u00e4ndigkeit besitzt, immer noch &#8222;garstig Lied&#8220; zu sein?<\/p>\n<p>Das 16. Darmst\u00e4dter Jazzforum setzt sich mit diesen und \u00e4hnlichen Fragen auseinander, in Vortr\u00e4gen, Diskussionspanels, Gespr\u00e4chskonzerten, einem Workshop, einer Ausstellung zum Thema sowie einer abschlie\u00dfenden Buchdokumentation. Wir wollen den Jazz nicht bekehren. Nicht alles muss zuvorderst politisch sein. Im Wissen aber darum, dass auch in 2019 gilt, dass &#8222;alles politisch ist&#8220;, wollen wir mit Musiker*innen, Expert*innen und Wissenschaftler*innen dar\u00fcber sprechen, ob nicht vielleicht gerade durch die immer pr\u00e4sente politische Kraft des Jazz, die Tatsache also, dass improvisierte Musik ein seismographisch ziemlich empfindliches Abbild der Gegenwart ist, dieser Musik auch 2019 and beyond ein besonders wichtiger Platz im Kanon der aktuellen Musik geb\u00fchrt.<\/p>\n<p>Der Konferenzteil des Darmst\u00e4dter Jazzforums findet vom 3. bis 5. Oktober 2019 tags\u00fcber im Literaturhaus Darmstadt statt. Mit den Konzerten, der Ausstellung und Workshops, mit denen wir die Konferenz flankieren, planen wir unterschiedliche Veranstaltungsorte in Darmstadt zu bespielen.<\/p>\n<p>Weiter unten finden sich Abstracts der einzelnen Programmpunkte sowie Biographien der Referentinnen und Referenten. Unser gedruckter Programmflyer (<a href=\"https:\/\/www.jazzinstitut.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Positionen_A4.pdf\">hier als PDF<\/a>) enth\u00e4lt einen k\u00fcrzer gefassten \u00dcberblick \u00fcber das 16. Darmst\u00e4dter Jazzforum:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.jazzinstitut.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Positionen_A4.pdf\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-8133 size-full\" src=\"https:\/\/www.jazzinstitut.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Positionen_A4-e1568017540687.jpg\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"495\" \/><\/a><\/p>\n<p>\u2014 \u2014 \u2014<\/p>\n<h4><strong>Programm<\/strong> (Stand: 29. Juli 2019)<br \/>\n<strong>&#8222;POSITIONEN! Jazz und Politik&#8220;<\/strong><\/h4>\n<p><strong><a name=\"20191003\"><\/a>Donnerstag, 3. Oktober 2019<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p><strong>AUSSTELLUNG<\/strong> (ab 3. Oktober)<\/p>\n<p>Vortragssaal im Literaturhaus + Galerie im Jazzinstitut Darmstadt<\/p>\n<h4><strong><a href=\"https:\/\/www.jazzinstitut.de\/ausstellungen-2\/\">Alles wird gut gegangen sein werden &#8211; die Ausstellung<\/a><\/strong><\/h4>\n<p>Im K\u00fcnstlerkollektiv BRIGADE FUTUR III haben sich Benjamin Weidekamp, Elia Rediger, J\u00e9r\u00f4me Bugnon und Michael Haves zusammengetan, um zu Fragen und Herausforderungen unserer Zeit k\u00fcnstlerisch Stellung zu beziehen. Dabei reflektieren sie nichts Geringeres als den Zustand der Welt, die Ausw\u00fcchse des Kapitalismus und vor allem auch die M\u00f6glichkeiten jedes einzelnen, sich in den Diskurs einzubringen.<\/p>\n<p>Als Musiker transportieren sie ihr politisches Statement im Sinne von Brecht und Weill in vielen Konzerten und B\u00fchnenprojekten, oft zusammen mit anderen Musikern und K\u00fcnstlern wie der Spielvereinigung Sued aus Leipzig.<\/p>\n<p>Auf Einladung des Jazzinstituts Darmstadt hat sich die BRIGADE FUTUR III der Aufgabe gestellt, ihre Ideen im Rahmen dieser Ausstellung f\u00fcr das <strong>16. Darmst\u00e4dter Jazzforum &#8222;Jazz und Politik&#8220;<\/strong> umzusetzen.<\/p>\n<p>Alles wird gut gegangen sein werden\u2026 aber wie nur? Wie kann man f\u00fcr ein positives Zukunftsbild einstehen, dessen Voraussetzungen in der Zukunft erst &#8222;geschaffen zu sein werden haben?&#8220; Die Idee des fiktionalen Futur III war geboren, mit dem die K\u00fcnstler einen kategorischen Handlungsimperativ verbinden, um ein positives gesellschaftliches Narrativ zu entwerfen, f\u00fcr das es sich zu leben lohnt.<\/p>\n<p>Auf der Basis ihres &#8222;Kampfalphabets&#8220;, in dem Schrecken unseres gesellschaftlichen Systems mit Alternativen kontrastiert werden, verfolgen sie ihren konzeptionellen Kunstansatz mit Sendungsbewusstsein.<\/p>\n<p><em>&#8222;Die verheerenden Auswirkungen des Raubtierkapitalismus auf die Welt werden immer deutlicher und es ist klar, dass es so nicht mehr weiter gehen kann.&#8220; BRIGADE FUTUR III<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\">(wegen der Konferenz im Jazzinstitut Darmstadt \u00f6ffentlich erst ab 7.10. zu sehen)<strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>KONFERENZ<\/strong> (Literaturhaus)<\/p>\n<p>14:00 Uhr<br \/>\nEr\u00f6ffnung<\/p>\n<p>14:15 Uhr<strong><br \/>\nStephan Braese, Aachen<br \/>\nStammheim war nie Attica. Zur politischen Widerst\u00e4ndigkeit des Jazz in Deutschland seit 1945<\/strong><\/p>\n<p>Ungeachtet des eminenten Einflusses, den die US-amerikanischen Entwicklungen stets hatten, standen die Entfaltung, aber auch die politischen Wirkungschancen des Jazz in Deutschland stets unter spezifischen Bedingungen. Ausgehend von der (Wieder-)Einf\u00fchrung des Jazz 1945, skizziert der Vortrag einige dieser Bedingungen, zu denen die ethnische Homogenit\u00e4t der deutschen Bev\u00f6lkerung, der Kampf um die Legitimit\u00e4t des Jazz, ein spezifisch europ\u00e4ischer Kunstbegriff, die (west-)deutsche Interpretation der antiautorit\u00e4ren Bewegung 1966 ff. u.a. geh\u00f6ren. Die Ausf\u00fchrungen stellen die Frage danach, ob und inwieweit diese in den Gr\u00fcndungsjahrzehnten des deutschen Jazz angelegten Dispositive auch im heutigen Verh\u00e4ltnis zwischen Jazz und Politik noch zu erkennen und wirksam sind.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><strong>Stephan Braese<\/strong> (geb. 1961) studierte Germanistik, Geschichte und Erziehungswissenschaft in Hamburg. Seit 2009 ist er Ludwig Strauss-Professor f\u00fcr europ\u00e4isch-j\u00fcdische Literatur- und Kulturgeschichte an der RWTH Aachen University. Einschl\u00e4gige Ver\u00f6ffentlichungen u.a.: &#8222;Identifying the Impulse: Alfred Lion Founds the Blue Note Jazz Label&#8220;, in Eckart Goebel and Sigrid Weigel (ed.): <em>&#8222;Escape to Life&#8220; \u2013 German Intellectuals in New York: A Compendium of Exile after 1933<\/em> (Berlin\/ Boston: de Gruyter, 2013): 270-287; &#8222;&#8218;kenny clarke im club st-germain-des-pr\u00e9s&#8216; \u2013 Zu einem Satz von Alfred Andersch&#8220;, in Corina Caduff, Anne-Kathrin-Reulecke, Ulrike Vedder (ed.): <em>Passionen \u2013 Objekte\/ Schaupl\u00e4tze\/ Denkstile<\/em> (M\u00fcnchen: Wilhelm Fink 2010): 309-316.<\/p>\n<p>15:15 Uhr<br \/>\n<strong>Henning Vetter, Osnabr\u00fcck<br \/>\n<\/strong><strong>Jazz als politische Musik? \u00dcber die Selbstbestimmung des K\u00fcnstlers \u00fcber die Rezeption und Deutungshoheit seines Werkes<\/strong><\/p>\n<p>Spricht man \u00fcber Politik in Verbindung mit Jazz, so impliziert diese Zusammenf\u00fchrung eine Positionierung des K\u00fcnstlers und des Publikums gleicherma\u00dfen. Doch wie kann eine an sich abstrakte Musik Haltung zeigen, Aussagen treffen? Und: welche Aussagen kann sie \u00fcberhaupt treffen? Der Vortrag n\u00e4hert sich diesen Fragestellungen von einer praktischen Seite am Beispiel des Kollektivs &#8222;The Dorf\u201d. Dabei geht es auch darum, wer bestimmt, wie die Musik aufgenommen wird und ob die Intention des K\u00fcnstlers bez\u00fcglich der Bedeutung seines eigenen Werkes nicht sogar \u00fcberfl\u00fcssig sein kann.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><strong>Henning Vetter<\/strong> studierte Musikwissenschaft und Medienkulturwissenschaft an der Universit\u00e4t zu K\u00f6ln. Seine Abschlussarbeit widmete er dem Bassisten Charles Mingus im Hinblick auf die politische Wirkung dessen musikalischen Werkes. Von 2017 bis 2019 studierte Henning Vetter am Institut f\u00fcr Musik der Hochschule Osnabr\u00fcck Saxophon und gr\u00fcndete vor drei Jahren gemeinsam mit Freunden in K\u00f6ln das PAO-Kollektiv f\u00fcr experimentelle und improvisierte Musik.<\/p>\n<p>16:15 Uhr<br \/>\n<strong>Nina Polaschegg, Wien<\/strong><br \/>\n<span class=\"\" style=\"color: #141412;\"><span class=\"\" style=\"font-family: Source Sans Pro, Helvetica, sans-serif;\"><span class=\"\"><b class=\"\">Sind frei Improvisierende die besseren Demokraten?<\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span class=\"\" style=\"color: #141412;\"><span class=\"\" style=\"font-family: Source Sans Pro, Helvetica, sans-serif;\"><span class=\"\">Gerne werden Jazz und frei improvisierte Musik als demokratisches Gesellschaftsmodell einem hierarchisch aufgebauten Orchesterapparat gegen\u00fcber gestellt. Und ein Streichquartett, wo st\u00fcnde dann dieses? Ob und wieweit solche Modelle tragf\u00e4hig sind und inwieweit hier Wunsch und Wirklichkeit auseinander klaffen ist eine der Fragen, denen in diesem Vortrag nachgegangen wird. Um in einem Zeitraffer und knappen R\u00fcckblick in die Anf\u00e4nge des Free Jazz politisch motivierte freie Musik im Hier &amp; Jetzt zu beleuchten und dabei auch einen Blick in die Welt der komponierten zeitgen\u00f6ssischen Musik zu werfen.\u00a0<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<div>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><strong>Nina Polaschegg<\/strong> studierte Musikwissenschaften, Soziologie und Philosophie in Giessen und Hamburg wo sie auch promovierte. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der zeitgen\u00f6ssischen komponierten, improvisierten und elektronischen Musik sowie im zeitgen\u00f6ssischen Jazz und Musiksoziologie. Sie lebt als Musikwissenschaftlerin, Musikpublizistin, Moderatorin und Kontrabassistin in Wien, arbeitet f\u00fcr diverse \u00f6ffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten in Deutschland, \u00d6sterreich und der Schweiz und schreibt f\u00fcr verschiedene Fachzeitschriften. Hatte Lehrauftr\u00e4ge an den Musikhochschulen bzw. Universit\u00e4ten Hamburg und Klagenfurt. Als Kontrabassistin spielte sie historisch informiert in\u00a0 Barockorchestern und widmet sich v.a. der (freien) Improvisation.<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"\">\n<p>17:15 (bis 17:45) Uhr<br \/>\n<strong>Benjamin Weidekamp + Michael Haves, Berlin<\/strong><br \/>\n<strong>Alles wird gut gegangen sein werden &#8211; Der Talk<\/strong><\/p>\n<p>Benjamin Weidekamp und Michael Alves sind Mitglieder der\u00a0 Brigade Futur III, die beim Darmst\u00e4dter Jazzforum nicht nur musikalisch aktiv werden (zusammen mit der Spielvereinigung Sued am Samstagabend), sondern auch eine Ausstellung in den R\u00e4umen des Jazzinstituts und des Literaturhauses Darmstadt zeigen, in der sie den k\u00fcnstlerischen Prozess ihrer kreativen (und immer auch politischen \/ gesellschaftlichen) Arbeit beleuchten. Darum geht es auch bei ihrem gemeinsamen Vortrag im Konferenzteil des Jazzforums, in dem sie \u00fcber die Diskussionen um ihre Darmst\u00e4dter Beitr\u00e4ge berichten werden.<\/p>\n<\/div>\n<p>\u2014 \u2014 \u2014<\/p>\n<p><strong><a name=\"20191004\"><\/a>Freitag, 4. Oktober 2019<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p><strong>AUSSTELLUNG<\/strong> (ab 3. Oktober)<\/p>\n<p>Vortragssaal im Literaturhaus + Galerie im Jazzinstitut Darmstadt<br \/>\n<strong>Alles wird gut gegangen sein werden &#8211; die Ausstellung<\/strong><br \/>\n(wegen der Konferenz im Jazzinstitut Darmstadt \u00f6ffentlich erst ab 7.10. zu sehen)<\/p>\n<p><strong>KONFERENZ<\/strong> (Literaturhaus)<\/p>\n<p>9:30 Uhr<br \/>\n<strong>Wolfram Knauer, Darmstadt<br \/>\nJazz und Politik &#8211; politischer Jazz? Eine bundesdeutsche Perspektive<\/strong><\/p>\n<p>Wer in diesen Zeiten nicht politisch denkt und handelt, hat ein Problem: Die Krisen, von denen wir von allen Seiten bedr\u00e4ngt werden, fordern doch nachgerade Position zu beziehen. Anhand konkreter Beispiele diskutiert Wolfram Knauer die durchaus unterschiedlichen Erwartungshaltungen an die gesellschaftliche Relevanz von Musik. So fragt er beispielsweise, inwieweit wir uns nicht selbst bel\u00fcgen, wenn wir der Musik au\u00dfermusikalische Kompetenz zusprechen und sie nach dieser bemessen. Zugleich hinterfragt er aber auch, inwieweit Musik unpolitisch sein kann oder sollte. Tun wir Musik nicht unrecht, wenn wir in ihr die Utopie suchen, die uns in unserem eigenen Handeln fehlt?<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><strong>Wolfram Knauer<\/strong> ist Musikwissenschaftler und seit seiner Gr\u00fcndung Direktor des Jazzinstituts Darmstadt. Er lehrte an mehreren Universit\u00e4ten und war als erster Nichtamerikaner Louis Armstrong Professor of Jazz Studies an der Columbia University. Er ist Herausgeber der <em>Darmst\u00e4dter Beitr\u00e4ge zur Jazzforschung<\/em> und Autor zahlreicher wissenschaftlicher Beitr\u00e4ge in B\u00fcchern und Fachzeitschriften. Bei Reclam erschienen seine B\u00fccher <em>Louis Armstrong<\/em> (2010), <em>Charlie Parker<\/em> (2014) und <em>Duke Ellington<\/em> (2017) sowie j\u00fcngst <em>&#8222;Play yourself, man!&#8220; Die Geschichte des Jazz in Deutschland<\/em> (2019).<\/p>\n<p><strong>Mario Dunkel, Oldenburg<\/strong><br \/>\n<strong>Afrodiasporische Musik und Populismus in Europa<\/strong><\/p>\n<p>Dass popul\u00e4re Musik und Jazz der Verhandlung von Identit\u00e4tskonzepten dienen, ist keine neue Erkenntnis. Kategorien wie Nation, <em>race<\/em>, Ethnizit\u00e4t, Gender und Klasse sind seit den Anf\u00e4ngen des Jazz wichtige Diskursfelder, in denen die Musik verortet und verstanden wird. Die Beziehung zwischen Gruppenidentit\u00e4t und Musik ist insbesondere in der Interaktion zwischen aktueller popul\u00e4rer Musik und zeitgen\u00f6ssischen politischen Bewegungen signifikant. So greift die Alternative f\u00fcr Deutschland (AfD) auf Demonstrationen beispielsweise nicht nur auf deutschsprachige Volksmusik und Richard Wagners Walk\u00fcrenritt zur\u00fcck, sondern sie setzt auch popul\u00e4re Musik mit eindeutigen afrodiasporischen Bez\u00fcgen ein, wenn etwa Xavier Naidoos &#8222;Raus aus dem Reichstag&#8220; eine Demonstration gegen den Bau einer Moschee in Rostock musikalisch begleitet. Dieser Beitrag geht solchen Aneignungsstrategien von afrodiasporischen Musiken in gegenw\u00e4rtigen politischen Bewegungen nach. Welche Funktion hat die Verwendung afrodiasporischer Musiken in diesen politischen Bewegungen in Europa? Warum wird die Verwendung afrodiasporischer Musiken in diesen Zusammenh\u00e4ngen nicht als widerspr\u00fcchlich empfunden, wo sie doch die Forderung nach kultureller Homogenit\u00e4t zu karikieren scheint? Inwiefern kann die Aneignung afrodiasporischer Musiken als Bestandteil aktueller Identit\u00e4tspolitiken in Europa verstanden werden?<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><strong>Mario Dunkel<\/strong> studierte in Dortmund, Atlanta und New York Musik, Englisch und Amerikanistik. 2014 promovierte er mit einer Dissertation zu Darstellungen von Jazzgeschichte an der TU Dortmund. Er ist zurzeit Juniorprofessor f\u00fcr Musikp\u00e4dagogik am Institut f\u00fcr Musik der Carl von Ossietzky Universit\u00e4t Oldenburg. Zu seinen Forschungsschwerpunkten z\u00e4hlen Konstruktionen und Darstellungen von Jazzgeschichte, Musik und Politik sowie transkulturelle Musikp\u00e4dagogik. Zurzeit leitet er das internationale Forschungsprojekt \u201ePopular Music and the Rise of Populism in Europe\u201c (2019-2022).<\/p>\n<p>11:30 Uhr<br \/>\n<strong>Martin Pfleiderer, Weimar<\/strong><br \/>\n<strong>&#8222;\u2026 an outstanding artistic model of democratic cooperation&#8220;? Zur Interaktion im Jazz<\/strong><\/p>\n<p>Glaubt man der Resolution des US-Kongresses aus dem Jahre 1987, so ist Jazz ein herausragendes k\u00fcnstlerisches Modell demokratischer Kooperation. Denn im Jazz, so die verbreitete Vorstellung, halten sich Gruppeninteraktion und individueller Ausdruck die Waage, und in seinen klanglichen Strukturen lassen sich die Prozesse gleichberechtigter Interaktion und Kooperation auch f\u00fcr Au\u00dfenstehende nachvollziehen. Diese Vorstellungen sollen im Vortrag kritisch hinterfragt werden. Wie geht der interaktive Schaffensprozess im Jazz tats\u00e4chlich vonstatten? Welchen Stellenwert haben dabei einerseits k\u00f6rperliche Synchronisierungsprozesse zwischen den MusikerInnen, andererseits explizite Signale und Absprachen? Wird eine gleichberechtigte Interaktion nur inszeniert und auf der B\u00fchne dargestellt, oder ist sie real und hat reale Konsequenzen? Welche Rolle spielen hierarchische Strukturen, F\u00fchrerschaft und Autorit\u00e4t innerhalb von Jazzbands? Kann schon allein im Prozess des interaktiv-improvisatorischen Musikmachens ein politischer oder sogar utopischer Gehalt aufscheinen oder sind daf\u00fcr zus\u00e4tzlich bestimmte Symbole oder Musiker-Statements erforderlich? Neben musiksoziologischen und musikanalytischen Zug\u00e4ngen sollen zur Kl\u00e4rung dieser Fragen auch neuere Ans\u00e4tze der \u203aembodied music interaction\u2039 und der Diskussion um musikalische \u203aagency\u2039 herangezogen werden.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><strong>Martin Pfleiderer<\/strong> (Jg. 1967) studierte Musikwissenschaft, Philosophie und Soziologie in Gie\u00dfen und war 1999-2005 wissenschaftlicher Assistent f\u00fcr Systematische Musikwissenschaft an der Uni Hamburg. Seit 2009 ist er Professor f\u00fcr Geschichte des Jazz und der popul\u00e4ren Musik am Institut f\u00fcr Musikwissenschaft Weimar-Jena. Er hat zahlreiche Aufs\u00e4tze zum Jazz ver\u00f6ffentlicht und ist dar\u00fcber hinaus leidenschaftlicher Jazzsaxophonist.<\/p>\n<p>14:00 Uhr<br \/>\n<strong>Panel mit Nadin Deventer, Berlin | Tina Heine, Salzburg | Lena Jeckel, G\u00fctersloh | <\/strong><strong>Ulrich Stock, Hamburg<\/strong><br \/>\n<strong>Veranstalter\/innen: die Influencer des Jazz?<\/strong><\/p>\n<p>In diesem Panel wollen wir \u00fcber die Strukturzw\u00e4nge sprechen, in denen insbesondere gro\u00dfe Jazzevents organisiert und wahrgenommen werden. Welche Aufgabe haben Kurator\/innen \u00fcber das reine Programmieren hinaus? Wie k\u00f6nnen Festivals oder Konzertreihen nachhaltig wirken, eine regionale Szene einbinden und zugleich im internationalen Diskurs des Jazz wahrgenommen werden? Welche Auswirkungen haben programmatische Entscheidungen auf die Diskussion innerhalb der gesamten bundesdeutschen Szene? Oder, und damit deutlicher auf unser Konferenzthema bezogen: Wie gehen Programmverantwortliche auf gesellschafts- und kulturpolitische Diskurse ein? Wollen sie das \u00fcberhaupt oder m\u00fcssen sie gegebenenfalls auf gesamtgesellschaftlich diskutierte Themen reagieren? Wie schlie\u00dflich spiegeln sich ihre Programmentscheidungen in der \u00f6ffentlichen Wahrnehmung wieder? Mit Tina Heine, Lena Jeckel und Nadin Deventer haben wir drei Programmverantwortliche auf dem Podium, die aus eigener Erfahrung \u00fcber das Machbare genauso wie \u00fcber das W\u00fcnschenswerte berichten k\u00f6nnen. Mit Ulrich Stock ist zudem ein Journalist dabei, der immer wieder \u00fcber die Reaktion der Jazzszene auf aktuelle Fragen berichtet und die verschiedenen Orte erkundet, an denen diese gesellschaftlich-musikalische Auseinandersetzung zu erleben ist.<\/p>\n<p>15:30 Uhr<br \/>\n<strong>Nikolaus Neuser + Florian Juncker, Berlin<\/strong><br \/>\n<strong>&#8222;Occupied Reading&#8220;: Musikalische Intervention<\/strong><\/p>\n<p>Wie ver\u00e4ndert die Lekt\u00fcre politischer, \u00e4sthetischer oder sonstiger Texte die Wahrnehmung von Musik? Wie ver\u00e4ndert Musik die Lekt\u00fcre politischer, \u00e4sthetischer oder anderer Texte? Nikolaus Neuser und Florian Juncker machen die Probe aufs Exempel, und wir erfahren: Musik ver\u00e4ndert das Denken, aber das Denken ver\u00e4ndert auch die musikalische Wahrnehmung. Welchen Diskurs lassen solche intermedialen Erfahrungen entstehen? Und was lehren sie uns letzten Endes \u00fcber den tats\u00e4chlichen Einfluss von Musik (oder Kunst im Allgemeinen) auf unser gesellschaftliches Denken und Handeln?<\/p>\n<p>16:00 Uhr<br \/>\n<strong>Hans L\u00fcdemann<\/strong><br \/>\n<strong>&#8222;Beyond the underdog&#8220;. Gesellschaftliche und politische Positionierung eines deutschen Jazzmusikers heute<\/strong> (Vortrag live am Klavier \/ Lecture-Performance)<\/p>\n<p>Hans L\u00fcdemann erz\u00e4hlt, warum die politische Einstellung f\u00fcr ihn eine der wichtigen Motivationen war, \u00fcberhaupt Jazzmusiker zu werden. Er fragt, welche Bedeutung eine politische Haltung in Bezug auf den Jazz heute hat, wie und worin sie sich ausdr\u00fccken kann. Am Klavier erklingen politisch gef\u00e4rbte und gedeutete Musikst\u00fccke und es wird den Widerspr\u00fcchen nachgesp\u00fcrt, die sich zwischen politischer Haltung und Botschaft einerseits und der abstrakten Welt der T\u00f6ne andererseits auftun k\u00f6nnen. Aber auch die Positionierung und Behauptung des Musikers in der gesellschaftlichen Realit\u00e4t zwischen Kunst, Kommerz, Kulturf\u00f6rderung und Kapitalismus wird dabei mit ins Bild ger\u00fcckt.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><strong>Hans L\u00fcdemann<\/strong> ist Jazzpianist und Komponist. Er hat mit deutschen und internationalen Gr\u00f6\u00dfen zusammengearbeitet wie Eberhard Weber, Heinz Sauer, Manfred Schoof, Angelika Niescier, Jan Garbarek und Paul Bley. Im Zentrum seiner Arbeit stehen jedoch eigene Projekte: er spielt Solokonzerte, zuletzt 2018 in China, im Trio ROOMS, arbeitet seit 20 Jahren mit dem afrikanischen Balaphon-Meister Aly Keita im TRIO IVOIRE zusammen und leitet das deutsch-franz\u00f6sische Oktett \u201eTransEuropeExpress\u201c. Er erweitert das Klavier mit Samples in mikrotonale Bereiche, was in dem neuen Quartett mikroPULS mit Gebhard Ullmann, Oliver Potratz und Eric Schaefer besonders zur Geltung kommt. Hans L\u00fcdemann hat \u00fcber 30 Alben bei renommierten Labels ver\u00f6ffentlicht. Seine bisher umfangreichste Produktion, die CD &#8211; Box\u201edie kunst des trios\u201c, wurde 2013 mit dem \u201eEcho Jazz\u201c ausgezeichnet. L\u00fcdemann war von 1993 &#8211; 2008 Dozent f\u00fcr Jazz-Klavier und &#8211; Ensemble an der Musikhochschule K\u00f6ln, 2009\/2010 und 2015\/16 Cornell Visiting Professor am Swarthmore College in Philadelphia\/USA.<\/p>\n<p><strong>KONZERT<\/strong> (Centralstation Darmstadt)<br \/>\n20:00 Uhr<\/p>\n<h4><strong><a href=\"http:\/\/www.jazzinstitut.de\/jazz-im-institut\/?event_id=250\">Anarchist Republic of Bzzz (FR\/NL\/TR\/USA)<\/a><br \/>\n<\/strong><\/h4>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><a href=\"https:\/\/www.jazzinstitut.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/2019_10_04_Anarchists_by_Kiki_Picasso.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-8003 size-thumbnail\" src=\"https:\/\/www.jazzinstitut.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/2019_10_04_Anarchists_by_Kiki_Picasso-e1564741489893-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Seb El Zin, in Paris lebender S\u00e4nger der Ethno-Punk-Band ITHAK, gr\u00fcndete diese etwas andere Supergroup \u2013 musikalisch zwischen Impro-Avantgarde, Worldmusic und Slampoetry. <a href=\"http:\/\/www.jazzinstitut.de\/jazz-im-institut\/?event_id=250\">Mehr Informationen zum Konzert<\/a> <strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Das Konzert wird pr\u00e4sentiert von <a href=\"https:\/\/www.jazzinstitut.de\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/JT_box_purple-e1436867788204.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-5579 alignright\" src=\"https:\/\/www.jazzinstitut.de\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/JT_box_purple-e1436867788204.jpg\" alt=\"\" width=\"60\" height=\"60\" \/><\/a><\/p>\n<p>Collage: Kiki Picasso\u00a9<\/p>\n<p>\u2014 \u2014 \u2014<\/p>\n<p><strong><a name=\"20191005\"><\/a>Samstag, 5. Oktober 2019<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p><strong>AUSSTELLUNG<\/strong> (ab 3. Oktober)<\/p>\n<p>Vortragssaal im Literaturhaus + Galerie im Jazzinstitut Darmstadt<br \/>\n<strong>Alles wird gut gegangen sein werden &#8211; die Ausstellung<\/strong><br \/>\n(wegen der Konferenz im Jazzinstitut Darmstadt \u00f6ffentlich erst ab 7.10. zu sehen)<\/p>\n<p><strong>KONFERENZ <\/strong>(Literaturhaus)<\/p>\n<p>9:30 Uhr<br \/>\n<strong>Nikolaus Neuser, Berlin<\/strong><br \/>\n<strong>Jazz und improvisierte Musik als soziales Rollenmodell?<\/strong><\/p>\n<p>Wir sind heute t\u00e4glich in immer komplexere Zusammenh\u00e4nge eingebunden, auf die wir in immer schnelleren R\u00fcckkopplungen reagieren m\u00fcssen. Durch die Digitalisierung befinden wir uns sowohl technologisch als auch in unserer Kommunikation und Diskursf\u00e4higkeit in erheblichen Umbr\u00fcchen. Welche Kompetenzen und Modelle zuk\u00fcnftigen Miteinanders liefert uns die Kulturtechnik der Improvisation vor diesem Hintergrund? Nikolaus Neuser beleuchtet diese Fragestellung auch aus der konkreten Perspektive seiner kulturpolitischen Arbeit.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><strong>Nikolaus Neuser<\/strong> studierte an der Folkwang-Hochschule in Essen Trompete bei Uli Beckerhoff. Aktuell interpretiert er mit dem Trio I Am Three unkonventionell \u00a0besetzt die Musik von Charles Mingus. 2016 legte das Trio das international vielbeachtete Album <em>Mingus Mingus Mingus<\/em> (Leo Records) vor (Jahresbestenliste Downbeat Magazin, All about Jazz, NYC Jazz Records uva.). Er arbeitet au\u00dferdem im Trio mit Richard Scott und Alexander Frangenheim an elekroakkustischer improvisierter Musik und ist u.a. Mitglied der Ensembles Potsa Lotsa, Andreas Willers\u00b4 7 of 8, des Hannes Zerbe Jazz Orchesters und des Berlin Improvisers Orchestra. Nikolaus Neuser hat mit Matthew Herbert, Matana Roberts, Tyshawn Sorey, Nate Wooley, Maggie Nicols, Peter Fox, Seeed sowie dem London Improvisers Orchestra u.v.a gearbeitet und ist auf \u00fcber 50 CDs zu h\u00f6ren. Konzertreisen u.a. auf Einladung des Goethe Instituts f\u00fchrten ihn durch Europa, Asien, Nordafrika, die USA, in den Libanon, Jordanien, Saudi-Arabien sowie nach Kolumbien, wo er als Gastprofessor an der Pontificia Universidad Javeriana de Bogot\u00e1 lehrte.<\/p>\n<p>10:30 Uhr<br \/>\n<strong>Michael R\u00fcsenberg, K\u00f6ln<\/strong><br \/>\n<strong>&#8222;Jazz ist stets politisch.&#8220; Stimmt diese Aussage von Mark Turner? Und, h\u00f6rt man sie in seiner Musik?<\/strong><\/p>\n<p>Im November 2016 (Donald Trump ist gerade gew\u00e4hlt), vermutet der amerikanische Saxophonist Mark Turner im Gespr\u00e4ch mit der NZZ, &#8222;dass es wieder zu einer Politisierung der Kunst kommen wird.&#8220; Das ist eine \u00dcberzeugung, die wie unter einem Brennglas den zentralen Inhalt des Politikverst\u00e4ndisses weiter Teile der Jazzszene wiedergibt (s. Titel). &#8222;Allein schon der Entscheid, als Jazzmusiker zu leben, ist ein politisches Statement. Denn man entscheidet sich damit f\u00fcr Freiheit, f\u00fcr Emanzipation und gegen den Primat des materiellen Erfolgs&#8220; (Turner). Michael R\u00fcsenberg unterzieht diese Position einer grunds\u00e4tzlichen Kritik.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><strong>Michael R\u00fcsenberg<\/strong>, geb 1948, Journalist, Buchautor, Gastgeber der philosophischen Gespr\u00e4chsreihe &#8222;Gedankenspr\u00fcnge&#8220; in Bann. Adolf-Grimme-Preis 1989, WDR Jazzpreis 2015. Buchprojekt &#8222;Improvisation &#8211; ein Prinzip des Lebens&#8220; (in Vorbereitung)<\/p>\n<p>11:30 Uhr<strong><br \/>\nThomas Kr\u00fcger, Berlin<\/strong><br \/>\n<strong>Der Beitrag von Kunst und Kultur, insbesondere des Jazz, f\u00fcr aktuelle gesellschaftspolitische Diskurse<\/strong><\/p>\n<p>In meinem Beitrag w\u00fcrde ich zun\u00e4chst auf die Debatte um die Kulturalisierung des Politischen eingehen und aktuelle Tendenzen politischer Verschiebungen aufzeigen. Ich werde die kreative wie auch die rezeptive Seite von kulturellen Artefakten beleuchten und nach dem Politischen in der \u00c4sthetik fragen. Und danach, was der Jazz, insbesondere der frei improvisierende Jazz in diesem Zusammenhang f\u00fcr ein Potential hat.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><strong>Thomas Kr\u00fcger<\/strong> ist seit 2000 Pr\u00e4sident der Bundeszentrale f\u00fcr politischen Bildung. Seit 1995 ist er Pr\u00e4sident des Deutschen Kinderhilfswerkes. Au\u00dferdem ist er zweiter stellvertretender Vorsitzender der Kommission f\u00fcr Jugendmedienschutz und Mitglied des Kuratoriums f\u00fcr den Geschichtswettbewerb des Bundespr\u00e4sidenten. 1991 bis 1994 war er Senator f\u00fcr Jugend und Familie in Berlin, 1994 bis 1998 Mitglied des Deutschen Bundestages.<\/p>\n<p>14:00 Uhr<br \/>\n<strong>Angelika Niescier + Tim Isfort + Victoriah Szirmai + Korhan Erel<br \/>\n&#8230; im Ohr des Betrachters<br \/>\n(Lecture-Performance)<\/strong><\/p>\n<p>Der Ton: ein physikalisches Ereignis, ohne \u00e4sthetische noch politische Intention.<br \/>\nIn der Wahrnehmung der Rezipienten wird \u201eder Ton\u201c aber sofort kontextualisiert &#8211; eine essentielle Projektionsfl\u00e4che f\u00fcr tats\u00e4chliche und irreale Intentionen, Botschaften und Diskursangebote. <span class=\"\" style=\"color: #000000;\"><span class=\"\">In dieser Lecture Performance mit\u00a0<\/span>Musiker*innen, Kurator*innen und Jornalist*innen\u00a0werden unterschiedliche \u00a0Perspektiven des Themenclusters untersucht, um \u00dcberschneidungen, Unterschiede und m\u00f6gliche Kontroversen zu verdeutlichen und um sich in der Diskussion dem Intendierten, Verstandenen und Missverstandenen und dem Ph\u00e4nomen des &#8222;Politischen&#8220; in der Musik zu n\u00e4hern.<\/span><\/p>\n<p>16:30 Uhr (programmkinorex Darmstadt)<strong><br \/>\nAtef Ben Bouzid, Berlin<\/strong><br \/>\n<strong>Cairo Jazzman &#8211; The Groove of a Megacity<\/strong><\/p>\n<p>&#8222;Jazz is more than just a style of music&#8220;, sagt Amr Salah. &#8222;It\u2019s about freedom.&#8220; Salah, \u00e4gyptischer Pianist und Komponist, k\u00e4mpft seit 2009 jedes Jahr darum, das Cairo Jazz Festival zu realisieren. Jazz ist zu seinem Lebensinhalt geworden, weil diese Musik in seinen Augen v\u00f6lkerverbindend ist und speziell der Jugend ein Sprachrohr gibt. F\u00fcr Amr Salah handelt es sich um einen vielf\u00e4ltigen Musikstil, der damit auch f\u00fcr Liberalit\u00e4t und Offenheit einer Gesellschaft steht, f\u00fcr die es sich zu k\u00e4mpfen lohnt. Atif Ben Bouzids Film \u00fcber das Cairo Jazz Festival gibt ungewohnte und vielschichtige Einblicke in das Leben der Zivilgesellschaft in der Megacity Kairo, eingebettet im Jazz als einer universellen, v\u00f6lkerverbindenden und horizonterweiternden Sprache.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/events\/424740118258375\/?acontext=%7B%22source%22%3A5%2C%22action_history%22%3A[%7B%22surface%22%3A%22page%22%2C%22mechanism%22%3A%22main_list%22%2C%22extra_data%22%3A%22%5C%22[]%5C%22%22%7D]%2C%22has_source%22%3Atrue%7D\">Mehr Informationen zum Film<\/a><\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\">Nach der Filmvorf\u00fchrung gibt es ein Filmgespr\u00e4ch mit dem Regisseur \u00fcber Jazz und zivilgesellschaftlicher Aktivismus in der arabischen Welt.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><strong>Atef Ben Bouzid<\/strong> ist ein deutscher Journalist, Regisseur und Produzent aus Berlin mit dem Fokus auf Sport, Musik und Gesellschaft. &#8222;Cairo Jazzman&#8220; ist sein Regiedeb\u00fct. &#8222;Cairo Jazzman&#8220; feierte die Weltpremiere beim International Film Festival Rotterdam 2017.<\/p>\n<p><strong>KONZERT<\/strong> (Kulturzentrum Bessunger Knabenschule)<br \/>\n20:00 Uhr<\/p>\n<h4><strong><a href=\"http:\/\/www.jazzinstitut.de\/jazz-im-institut\/?event_id=251\">Brigade Futur III + Spielvereinigung Sued<\/a><br \/>\nAlles wird gut gegangen sein werden &#8211; Das Konzert<\/strong><\/h4>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><a href=\"https:\/\/www.jazzinstitut.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/2019_10_05_Brigade_Futur_III_by_Elbasi-Rediger_02.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-8093\" src=\"https:\/\/www.jazzinstitut.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/2019_10_05_Brigade_Futur_III_by_Elbasi-Rediger_02-e1564741656870-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Nicht nur grammatikalische Formen lassen sich fiktiv erweitern, sondern auch fiktionale politische Programmatiken in musikalische Spielformen transferieren. Das zumindest beweist die Berliner Brigade Futur 3. <a href=\"http:\/\/www.jazzinstitut.de\/jazz-im-institut\/?event_id=251\">Mehr Informationen zum Konzert<\/a><strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Das Konzert wird pr\u00e4sentiert von <a href=\"https:\/\/www.jazzinstitut.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/hr2kultur.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-8099\" src=\"https:\/\/www.jazzinstitut.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/hr2kultur.jpg\" alt=\"\" width=\"50\" height=\"54\" \/><\/a><\/p>\n<p>Foto: Ebasi Rediger\u00a9<\/p>\n<p>\u2014 \u2014 \u2014<\/p>\n<p><strong>ab Montag, 7. Oktober 2019<\/strong><\/p>\n<p><strong>AUSSTELLUNG<\/strong> (ab 3. Oktober)<\/p>\n<p>Vortragssaal im Literaturhaus + Galerie im Jazzinstitut Darmstadt<br \/>\n<strong>Alles wird gut gegangen sein werden &#8211; die Ausstellung<\/strong><br \/>\n(wegen der Konferenz im Jazzinstitut Darmstadt \u00f6ffentlich erst ab 7.10. zu sehen)<\/p>\n<p>\u2014 \u2014 \u2014<\/p>\n<p>Das 16. Darmst\u00e4dter Jazzforum wird gef\u00f6rdert vom Hessischen Ministerium f\u00fcr Wissenschaft und Kunst, den Kulturfonds Frankfurt RheinMain und der Wissenschaftsstadt Darmstadt. Wir danken f\u00fcr die freundliche Unterst\u00fctzung durch die Sparkasse Darmstadt.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.jazzinstitut.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Logoblock_Sponsoren.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-8004 size-full\" src=\"https:\/\/www.jazzinstitut.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Logoblock_Sponsoren.jpg\" alt=\"\" width=\"840\" height=\"100\" srcset=\"https:\/\/www.jazzinstitut.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Logoblock_Sponsoren.jpg 840w, https:\/\/www.jazzinstitut.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Logoblock_Sponsoren-300x36.jpg 300w, https:\/\/www.jazzinstitut.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Logoblock_Sponsoren-768x91.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 840px) 100vw, 840px\" \/><\/a><\/p>\n<p>[:en]<a href=\"https:\/\/www.jazzinstitut.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/1170x550_positionen.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-8108 alignnone\" src=\"https:\/\/www.jazzinstitut.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/1170x550_positionen.jpg\" alt=\"\" width=\"1170\" height=\"550\" srcset=\"https:\/\/www.jazzinstitut.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/1170x550_positionen.jpg 1170w, https:\/\/www.jazzinstitut.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/1170x550_positionen-300x141.jpg 300w, https:\/\/www.jazzinstitut.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/1170x550_positionen-768x361.jpg 768w, https:\/\/www.jazzinstitut.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/1170x550_positionen-1024x481.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 1170px) 100vw, 1170px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Jazz was often seen as a music of resistance, however with its increasing institutionalization some of this political awareness seems to have vanished. It feels as if musicians are more interested in tackling the technical and aesthetic sides of the music while the audience sits back and compares what it hears with what it knows instead of focusing on the unknown, unexpected and perhaps a bit more complex gaze ahead.<\/p>\n<p>Thus, while in the United States, the birthplace of Jazz, many current projects, be it by Vijay Iyer or Kamasi Washington, sport a political note, musicians in Europe seem to be content with jazz being appreciated as art music. However, at a time when all over Europe the social and political achievements of the past decades are being pushed back by new populist movements, all forms of art must face questions of social responsibility again, whether it&#8217;s a more conscious position towards climate change, poverty, education, and a global understanding of humanity, whether it&#8217;s advocating human dignity on all levels, or taking a clear stance against sexism, racism and any other kind of exclusion: &#8222;Diversity&#8220;, says Kamasi Washington, &#8222;should not be tolerated, it should be celebrated.&#8220;<\/p>\n<p>Where, then, do we find such celebration of diversity within contemporary European jazz? How strong is the awareness of musicians for their own political and social responsibility? And why is it that in jazz, the genre with the deepest history of resistance, singing of political justice seems to be looked down upon?<\/p>\n<p>At the 16th Darmstadt Jazzforum we want to ask such questions, in papers, panels, concert lectures, a workshop, an exhibition as well as an ensuing book documentation. We do not think that jazz needs to be converted. Not everything has to be political first. However, as everything will have a political aspect in 2019 as well, we want to talk to musicians, experts, scholars and others about why jazz with its ever-present history of resistance, with improvisation&#8217;s seismographic ability to capture present-time discourses, should take a first seat within the canon of contemporary music.<\/p>\n<p>The conference part of the Darmstadt Jazzforum will take place from 3-6 October 2019 at Literaturhaus Darmstadt. It will be flanked by concerts, an exhibition and workshops at other venues and thus involve the whole city in our discourse about the political in jazz.<\/p>\n<p>[to be continued soon]<\/p>\n<p>The 16th Darmstadt Jazzforum is funded by the <span class=\"field-content\">Hessen State Ministry for Higher Education, Research and the Arts <\/span>and the City of Darmstadt &#8211; City of Science and Culture<\/p>\n<p><strong>[The rest of this page is in German as that will also be the language of the conference.]<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.jazzinstitut.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Positionen_A4.pdf\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-8133 size-full\" src=\"https:\/\/www.jazzinstitut.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Positionen_A4-e1568017540687.jpg\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"495\" \/><\/a><\/p>\n<p>\u2014 \u2014 \u2014<\/p>\n<h4><strong>Programm<\/strong> (Stand: 29. Juli 2019)<br \/>\n<strong>&#8222;POSITIONEN! Jazz und Politik&#8220;<\/strong><\/h4>\n<p><strong><a name=\"20191003\"><\/a>Donnerstag, 3. Oktober 2019<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p><strong>AUSSTELLUNG<\/strong> (ab 3. Oktober)<\/p>\n<p>Vortragssaal im Literaturhaus + Galerie im Jazzinstitut Darmstadt<\/p>\n<h4><strong><a href=\"https:\/\/www.jazzinstitut.de\/ausstellungen-2\/\">Alles wird gut gegangen sein werden &#8211; die Ausstellung<\/a><\/strong><\/h4>\n<p>Im K\u00fcnstlerkollektiv BRIGADE FUTUR III haben sich Benjamin Weidekamp, Elia Rediger, J\u00e9r\u00f4me Bugnon und Michael Haves zusammengetan, um zu Fragen und Herausforderungen unserer Zeit k\u00fcnstlerisch Stellung zu beziehen. Dabei reflektieren sie nichts Geringeres als den Zustand der Welt, die Ausw\u00fcchse des Kapitalismus und vor allem auch die M\u00f6glichkeiten jedes einzelnen, sich in den Diskurs einzubringen.<\/p>\n<p>Als Musiker transportieren sie ihr politisches Statement im Sinne von Brecht und Weill in vielen Konzerten und B\u00fchnenprojekten, oft zusammen mit anderen Musikern und K\u00fcnstlern wie der Spielvereinigung Sued aus Leipzig.<\/p>\n<p>Auf Einladung des Jazzinstituts Darmstadt hat sich die BRIGADE FUTUR III der Aufgabe gestellt, ihre Ideen im Rahmen dieser Ausstellung f\u00fcr das <strong>16. Darmst\u00e4dter Jazzforum &#8222;Jazz und Politik&#8220;<\/strong> umzusetzen.<\/p>\n<p>Alles wird gut gegangen sein werden\u2026 aber wie nur? Wie kann man f\u00fcr ein positives Zukunftsbild einstehen, dessen Voraussetzungen in der Zukunft erst &#8222;geschaffen zu sein werden haben?&#8220; Die Idee des fiktionalen Futur III war geboren, mit dem die K\u00fcnstler einen kategorischen Handlungsimperativ verbinden, um ein positives gesellschaftliches Narrativ zu entwerfen, f\u00fcr das es sich zu leben lohnt.<\/p>\n<p>Auf der Basis ihres &#8222;Kampfalphabets&#8220;, in dem Schrecken unseres gesellschaftlichen Systems mit Alternativen kontrastiert werden, verfolgen sie ihren konzeptionellen Kunstansatz mit Sendungsbewusstsein.<\/p>\n<p><em>&#8222;Die verheerenden Auswirkungen des Raubtierkapitalismus auf die Welt werden immer deutlicher und es ist klar, dass es so nicht mehr weiter gehen kann.&#8220; BRIGADE FUTUR III<\/em><\/p>\n<p>(wegen der Konferenz im Jazzinstitut Darmstadt \u00f6ffentlich erst ab 7.10. zu sehen)<strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>KONFERENZ<\/strong> (Literaturhaus)<\/p>\n<p>14:00 Uhr<br \/>\nEr\u00f6ffnung<\/p>\n<p>14:15 Uhr<strong><br \/>\nStephan Braese, Aachen<br \/>\nStammheim war nie Attica. Zur politischen Widerst\u00e4ndigkeit des Jazz in Deutschland seit 1945<\/strong><\/p>\n<p>Ungeachtet des eminenten Einflusses, den die US-amerikanischen Entwicklungen stets hatten, standen die Entfaltung, aber auch die politischen Wirkungschancen des Jazz in Deutschland stets unter spezifischen Bedingungen. Ausgehend von der (Wieder-)Einf\u00fchrung des Jazz 1945, skizziert der Vortrag einige dieser Bedingungen, zu denen die ethnische Homogenit\u00e4t der deutschen Bev\u00f6lkerung, der Kampf um die Legitimit\u00e4t des Jazz, ein spezifisch europ\u00e4ischer Kunstbegriff, die (west-)deutsche Interpretation der antiautorit\u00e4ren Bewegung 1966 ff. u.a. geh\u00f6ren. Die Ausf\u00fchrungen stellen die Frage danach, ob und inwieweit diese in den Gr\u00fcndungsjahrzehnten des deutschen Jazz angelegten Dispositive auch im heutigen Verh\u00e4ltnis zwischen Jazz und Politik noch zu erkennen und wirksam sind.<\/p>\n<p><strong>Stephan Braese<\/strong> (geb. 1961) studierte Germanistik, Geschichte und Erziehungswissenschaft in Hamburg. Seit 2009 ist er Ludwig Strauss-Professor f\u00fcr europ\u00e4isch-j\u00fcdische Literatur- und Kulturgeschichte an der RWTH Aachen University. Einschl\u00e4gige Ver\u00f6ffentlichungen u.a.: &#8222;Identifying the Impulse: Alfred Lion Founds the Blue Note Jazz Label&#8220;, in Eckart Goebel and Sigrid Weigel (ed.): <em>&#8222;Escape to Life&#8220; \u2013 German Intellectuals in New York: A Compendium of Exile after 1933<\/em> (Berlin\/ Boston: de Gruyter, 2013): 270-287; &#8222;&#8218;kenny clarke im club st-germain-des-pr\u00e9s&#8216; \u2013 Zu einem Satz von Alfred Andersch&#8220;, in Corina Caduff, Anne-Kathrin-Reulecke, Ulrike Vedder (ed.): <em>Passionen \u2013 Objekte\/ Schaupl\u00e4tze\/ Denkstile<\/em> (M\u00fcnchen: Wilhelm Fink 2010): 309-316.<\/p>\n<p>15:15 Uhr<\/p>\n<p><strong>Henning Vetter, Osnabr\u00fcck<br \/>\n<\/strong><strong>Jazz als politische Musik? \u00dcber die Selbstbestimmung des K\u00fcnstlers \u00fcber die Rezeption und Deutungshoheit seines Werkes<\/strong><\/p>\n<p>Spricht man \u00fcber Politik in Verbindung mit Jazz, so impliziert diese Zusammenf\u00fchrung eine Positionierung des K\u00fcnstlers und des Publikums gleicherma\u00dfen. Doch wie kann eine an sich abstrakte Musik Haltung zeigen, Aussagen treffen? Und: welche Aussagen kann sie \u00fcberhaupt treffen? Der Vortrag n\u00e4hert sich diesen Fragestellungen von einer praktischen Seite am Beispiel des Kollektivs &#8222;The Dorf\u201d. Dabei geht es auch darum, wer bestimmt, wie die Musik aufgenommen wird und ob die Intention des K\u00fcnstlers bez\u00fcglich der Bedeutung seines eigenen Werkes nicht sogar \u00fcberfl\u00fcssig sein kann.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><strong>Henning Vetter<\/strong> studierte Musikwissenschaft und Medienkulturwissenschaft an der Universit\u00e4t zu K\u00f6ln. Seine Abschlussarbeit widmete er dem Bassisten Charles Mingus im Hinblick auf die politische Wirkung dessen musikalischen Werkes. Von 2017 bis 2019 studierte Henning Vetter am Institut f\u00fcr Musik der Hochschule Osnabr\u00fcck Saxophon und gr\u00fcndete vor drei Jahren gemeinsam mit Freunden in K\u00f6ln das PAO-Kollektiv f\u00fcr experimentelle und improvisierte Musik.<\/p>\n<p>16:15 Uhr<br \/>\n<strong>Nina Polaschegg, Wien<\/strong><br \/>\n<span class=\"\"><b class=\"\">Sind frei Improvisierende die besseren Demokraten?<\/b><\/span><\/p>\n<p><span class=\"\">Gerne werden Jazz und frei improvisierte Musik als demokratisches Gesellschaftsmodell einem hierarchisch aufgebauten Orchesterapparat gegen\u00fcber gestellt. Und ein Streichquartett, wo st\u00fcnde dann dieses? Ob und wieweit solche Modelle tragf\u00e4hig sind und inwieweit hier Wunsch und Wirklichkeit auseinander klaffen ist eine der Fragen, denen in diesem Vortrag nachgegangen wird. Um in einem Zeitraffer und knappen R\u00fcckblick in die Anf\u00e4nge des Free Jazz politisch motivierte freie Musik im Hier &amp; Jetzt zu beleuchten und dabei auch einen Blick in die Welt der komponierten zeitgen\u00f6ssischen Musik zu werfen.\u00a0<\/span><\/p>\n<div>\n<p><strong>Nina Polaschegg<\/strong> studierte Musikwissenschaften, Soziologie und Philosophie in Giessen und Hamburg wo sie auch promovierte. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der zeitgen\u00f6ssischen komponierten, improvisierten und elektronischen Musik sowie im zeitgen\u00f6ssischen Jazz und Musiksoziologie. Sie lebt als Musikwissenschaftlerin, Musikpublizistin, Moderatorin und Kontrabassistin in Wien, arbeitet f\u00fcr diverse \u00f6ffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten in Deutschland, \u00d6sterreich und der Schweiz und schreibt f\u00fcr verschiedene Fachzeitschriften. Hatte Lehrauftr\u00e4ge an den Musikhochschulen bzw. Universit\u00e4ten Hamburg und Klagenfurt. Als Kontrabassistin spielte sie historisch informiert in\u00a0 Barockorchestern und widmet sich v.a. der (freien) Improvisation.<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"\">\n<p>17:15 (bis 17:45) Uhr<br \/>\n<strong>Benjamin Weidekamp + Michael Haves, Berlin<\/strong><br \/>\n<strong>Alles wird gut gegangen sein werden &#8211; Der Talk<\/strong><\/p>\n<p>Benjamin Weidekamp und Michael Alves sind Mitglieder der\u00a0 Brigade Futur III, die beim Darmst\u00e4dter Jazzforum nicht nur musikalisch aktiv werden (zusammen mit der Spielvereinigung Sued am Samstagabend), sondern auch eine Ausstellung in den R\u00e4umen des Jazzinstituts und des Literaturhauses Darmstadt zeigen, in der sie den k\u00fcnstlerischen Prozess ihrer kreativen (und immer auch politischen \/ gesellschaftlichen) Arbeit beleuchten. Darum geht es auch bei ihrem gemeinsamen Vortrag im Konferenzteil des Jazzforums, in dem sie \u00fcber die Diskussionen um ihre Darmst\u00e4dter Beitr\u00e4ge berichten werden.<\/p>\n<\/div>\n<p>\u2014 \u2014 \u2014<\/p>\n<p><strong><a name=\"20191004\"><\/a>Freitag, 4. Oktober 2019<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p><strong>AUSSTELLUNG<\/strong> (ab 3. Oktober)<\/p>\n<p>Vortragssaal im Literaturhaus + Galerie im Jazzinstitut Darmstadt<br \/>\n<strong>Alles wird gut gegangen sein werden &#8211; die Ausstellung<\/strong><br \/>\n(wegen der Konferenz im Jazzinstitut Darmstadt \u00f6ffentlich erst ab 7.10. zu sehen)<\/p>\n<p><strong>KONFERENZ<\/strong> (Literaturhaus)<\/p>\n<p>9:30 Uhr<br \/>\n<strong>Wolfram Knauer, Darmstadt<br \/>\nJazz und Politik &#8211; politischer Jazz? Eine bundesdeutsche Perspektive<\/strong><\/p>\n<p>Wer in diesen Zeiten nicht politisch denkt und handelt, hat ein Problem: Die Krisen, von denen wir von allen Seiten bedr\u00e4ngt werden, fordern doch nachgerade Position zu beziehen. Anhand konkreter Beispiele diskutiert Wolfram Knauer die durchaus unterschiedlichen Erwartungshaltungen an die gesellschaftliche Relevanz von Musik. So fragt er beispielsweise, inwieweit wir uns nicht selbst bel\u00fcgen, wenn wir der Musik au\u00dfermusikalische Kompetenz zusprechen und sie nach dieser bemessen. Zugleich hinterfragt er aber auch, inwieweit Musik unpolitisch sein kann oder sollte. Tun wir Musik nicht unrecht, wenn wir in ihr die Utopie suchen, die uns in unserem eigenen Handeln fehlt?<\/p>\n<p><strong>Wolfram Knauer<\/strong> ist Musikwissenschaftler und seit seiner Gr\u00fcndung Direktor des Jazzinstituts Darmstadt. Er lehrte an mehreren Universit\u00e4ten und war als erster Nichtamerikaner Louis Armstrong Professor of Jazz Studies an der Columbia University. Er ist Herausgeber der <em>Darmst\u00e4dter Beitr\u00e4ge zur Jazzforschung<\/em> und Autor zahlreicher wissenschaftlicher Beitr\u00e4ge in B\u00fcchern und Fachzeitschriften. Bei Reclam erschienen seine B\u00fccher <em>Louis Armstrong<\/em> (2010), <em>Charlie Parker<\/em> (2014) und <em>Duke Ellington<\/em> (2017) sowie j\u00fcngst <em>&#8222;Play yourself, man!&#8220; Die Geschichte des Jazz in Deutschland<\/em> (2019).<\/p>\n<p><strong>Mario Dunkel, Oldenburg<\/strong><br \/>\n<strong>Afrodiasporische Musik und Populismus in Europa<\/strong><\/p>\n<p>Dass popul\u00e4re Musik und Jazz der Verhandlung von Identit\u00e4tskonzepten dienen, ist keine neue Erkenntnis. Kategorien wie Nation, <em>race<\/em>, Ethnizit\u00e4t, Gender und Klasse sind seit den Anf\u00e4ngen des Jazz wichtige Diskursfelder, in denen die Musik verortet und verstanden wird. Die Beziehung zwischen Gruppenidentit\u00e4t und Musik ist insbesondere in der Interaktion zwischen aktueller popul\u00e4rer Musik und zeitgen\u00f6ssischen politischen Bewegungen signifikant. So greift die Alternative f\u00fcr Deutschland (AfD) auf Demonstrationen beispielsweise nicht nur auf deutschsprachige Volksmusik und Richard Wagners Walk\u00fcrenritt zur\u00fcck, sondern sie setzt auch popul\u00e4re Musik mit eindeutigen afrodiasporischen Bez\u00fcgen ein, wenn etwa Xavier Naidoos &#8222;Raus aus dem Reichstag&#8220; eine Demonstration gegen den Bau einer Moschee in Rostock musikalisch begleitet. Dieser Beitrag geht solchen Aneignungsstrategien von afrodiasporischen Musiken in gegenw\u00e4rtigen politischen Bewegungen nach. Welche Funktion hat die Verwendung afrodiasporischer Musiken in diesen politischen Bewegungen in Europa? Warum wird die Verwendung afrodiasporischer Musiken in diesen Zusammenh\u00e4ngen nicht als widerspr\u00fcchlich empfunden, wo sie doch die Forderung nach kultureller Homogenit\u00e4t zu karikieren scheint? Inwiefern kann die Aneignung afrodiasporischer Musiken als Bestandteil aktueller Identit\u00e4tspolitiken in Europa verstanden werden?<\/p>\n<p><strong>Mario Dunkel<\/strong> studierte in Dortmund, Atlanta und New York Musik, Englisch und Amerikanistik. 2014 promovierte er mit einer Dissertation zu Darstellungen von Jazzgeschichte an der TU Dortmund. Er ist zurzeit Juniorprofessor f\u00fcr Musikp\u00e4dagogik am Institut f\u00fcr Musik der Carl von Ossietzky Universit\u00e4t Oldenburg. Zu seinen Forschungsschwerpunkten z\u00e4hlen Konstruktionen und Darstellungen von Jazzgeschichte, Musik und Politik sowie transkulturelle Musikp\u00e4dagogik. Zurzeit leitet er das internationale Forschungsprojekt \u201ePopular Music and the Rise of Populism in Europe\u201c (2019-2022).<\/p>\n<p>11:30 Uhr<br \/>\n<strong>Martin Pfleiderer, Weimar<\/strong><br \/>\n<strong>&#8222;\u2026 an outstanding artistic model of democratic cooperation&#8220;? Zur Interaktion im Jazz<\/strong><\/p>\n<p>Glaubt man der Resolution des US-Kongresses aus dem Jahre 1987, so ist Jazz ein herausragendes k\u00fcnstlerisches Modell demokratischer Kooperation. Denn im Jazz, so die verbreitete Vorstellung, halten sich Gruppeninteraktion und individueller Ausdruck die Waage, und in seinen klanglichen Strukturen lassen sich die Prozesse gleichberechtigter Interaktion und Kooperation auch f\u00fcr Au\u00dfenstehende nachvollziehen. Diese Vorstellungen sollen im Vortrag kritisch hinterfragt werden. Wie geht der interaktive Schaffensprozess im Jazz tats\u00e4chlich vonstatten? Welchen Stellenwert haben dabei einerseits k\u00f6rperliche Synchronisierungsprozesse zwischen den MusikerInnen, andererseits explizite Signale und Absprachen? Wird eine gleichberechtigte Interaktion nur inszeniert und auf der B\u00fchne dargestellt, oder ist sie real und hat reale Konsequenzen? Welche Rolle spielen hierarchische Strukturen, F\u00fchrerschaft und Autorit\u00e4t innerhalb von Jazzbands? Kann schon allein im Prozess des interaktiv-improvisatorischen Musikmachens ein politischer oder sogar utopischer Gehalt aufscheinen oder sind daf\u00fcr zus\u00e4tzlich bestimmte Symbole oder Musiker-Statements erforderlich? Neben musiksoziologischen und musikanalytischen Zug\u00e4ngen sollen zur Kl\u00e4rung dieser Fragen auch neuere Ans\u00e4tze der \u203aembodied music interaction\u2039 und der Diskussion um musikalische \u203aagency\u2039 herangezogen werden.<\/p>\n<p><strong>Martin Pfleiderer<\/strong> (Jg. 1967) studierte Musikwissenschaft, Philosophie und Soziologie in Gie\u00dfen und war 1999-2005 wissenschaftlicher Assistent f\u00fcr Systematische Musikwissenschaft an der Uni Hamburg. Seit 2009 ist er Professor f\u00fcr Geschichte des Jazz und der popul\u00e4ren Musik am Institut f\u00fcr Musikwissenschaft Weimar-Jena. Er hat zahlreiche Aufs\u00e4tze zum Jazz ver\u00f6ffentlicht und ist dar\u00fcber hinaus leidenschaftlicher Jazzsaxophonist.<\/p>\n<p>14:00 Uhr<br \/>\n<strong>Panel mit Nadin Deventer, Berlin | Tina Heine, Salzburg | Lena Jeckel, G\u00fctersloh | <\/strong><strong>Ulrich Stock, Hamburg<\/strong><br \/>\n<strong>Veranstalter\/innen: die Influencer des Jazz?<\/strong><\/p>\n<p>In diesem Panel wollen wir \u00fcber die Strukturzw\u00e4nge sprechen, in denen insbesondere gro\u00dfe Jazzevents organisiert und wahrgenommen werden. Welche Aufgabe haben Kurator\/innen \u00fcber das reine Programmieren hinaus? Wie k\u00f6nnen Festivals oder Konzertreihen nachhaltig wirken, eine regionale Szene einbinden und zugleich im internationalen Diskurs des Jazz wahrgenommen werden? Welche Auswirkungen haben programmatische Entscheidungen auf die Diskussion innerhalb der gesamten bundesdeutschen Szene? Oder, und damit deutlicher auf unser Konferenzthema bezogen: Wie gehen Programmverantwortliche auf gesellschafts- und kulturpolitische Diskurse ein? Wollen sie das \u00fcberhaupt oder m\u00fcssen sie gegebenenfalls auf gesamtgesellschaftlich diskutierte Themen reagieren? Wie schlie\u00dflich spiegeln sich ihre Programmentscheidungen in der \u00f6ffentlichen Wahrnehmung wieder? Mit Tina Heine, Lena Jeckel und Nadin Deventer haben wir drei Programmverantwortliche auf dem Podium, die aus eigener Erfahrung \u00fcber das Machbare genauso wie \u00fcber das W\u00fcnschenswerte berichten k\u00f6nnen. Mit Ulrich Stock ist zudem ein Journalist dabei, der immer wieder \u00fcber die Reaktion der Jazzszene auf aktuelle Fragen berichtet und die verschiedenen Orte erkundet, an denen diese gesellschaftlich-musikalische Auseinandersetzung zu erleben ist.<\/p>\n<p>15:30 Uhr<br \/>\n<strong>Nikolaus Neuser + Florian Juncker, Berlin<\/strong><br \/>\n<strong>&#8222;Occupied Reading&#8220;: Musikalische Intervention<\/strong><\/p>\n<p>Wie ver\u00e4ndert die Lekt\u00fcre politischer, \u00e4sthetischer oder sonstiger Texte die Wahrnehmung von Musik? Wie ver\u00e4ndert Musik die Lekt\u00fcre politischer, \u00e4sthetischer oder anderer Texte? Nikolaus Neuser und Florian Juncker machen die Probe aufs Exempel, und wir erfahren: Musik ver\u00e4ndert das Denken, aber das Denken ver\u00e4ndert auch die musikalische Wahrnehmung. Welchen Diskurs lassen solche intermedialen Erfahrungen entstehen? Und was lehren sie uns letzten Endes \u00fcber den tats\u00e4chlichen Einfluss von Musik (oder Kunst im Allgemeinen) auf unser gesellschaftliches Denken und Handeln?<\/p>\n<p>16:00 Uhr<br \/>\n<strong>Hans L\u00fcdemann<\/strong><br \/>\n<strong>&#8222;Beyond the underdog&#8220;. Gesellschaftliche und politische Positionierung eines deutschen Jazzmusikers heute<\/strong> (Vortrag live am Klavier \/ Lecture-Performance)<\/p>\n<p>Hans L\u00fcdemann erz\u00e4hlt, warum die politische Einstellung f\u00fcr ihn eine der wichtigen Motivationen war, \u00fcberhaupt Jazzmusiker zu werden. Er fragt, welche Bedeutung eine politische Haltung in Bezug auf den Jazz heute hat, wie und worin sie sich ausdr\u00fccken kann. Am Klavier erklingen politisch gef\u00e4rbte und gedeutete Musikst\u00fccke und es wird den Widerspr\u00fcchen nachgesp\u00fcrt, die sich zwischen politischer Haltung und Botschaft einerseits und der abstrakten Welt der T\u00f6ne andererseits auftun k\u00f6nnen. Aber auch die Positionierung und Behauptung des Musikers in der gesellschaftlichen Realit\u00e4t zwischen Kunst, Kommerz, Kulturf\u00f6rderung und Kapitalismus wird dabei mit ins Bild ger\u00fcckt.<\/p>\n<p><strong>Hans L\u00fcdemann<\/strong> ist Jazzpianist und Komponist. Er hat mit deutschen und internationalen Gr\u00f6\u00dfen zusammengearbeitet wie Eberhard Weber, Heinz Sauer, Manfred Schoof, Angelika Niescier, Jan Garbarek und Paul Bley. Im Zentrum seiner Arbeit stehen jedoch eigene Projekte: er spielt Solokonzerte, zuletzt 2018 in China, im Trio ROOMS, arbeitet seit 20 Jahren mit dem afrikanischen Balaphon-Meister Aly Keita im TRIO IVOIRE zusammen und leitet das deutsch-franz\u00f6sische Oktett \u201eTransEuropeExpress\u201c. Er erweitert das Klavier mit Samples in mikrotonale Bereiche, was in dem neuen Quartett mikroPULS mit Gebhard Ullmann, Oliver Potratz und Eric Schaefer besonders zur Geltung kommt. Hans L\u00fcdemann hat \u00fcber 30 Alben bei renommierten Labels ver\u00f6ffentlicht. Seine bisher umfangreichste Produktion, die CD &#8211; Box\u201edie kunst des trios\u201c, wurde 2013 mit dem \u201eEcho Jazz\u201c ausgezeichnet. L\u00fcdemann war von 1993 &#8211; 2008 Dozent f\u00fcr Jazz-Klavier und &#8211; Ensemble an der Musikhochschule K\u00f6ln, 2009\/2010 und 2015\/16 Cornell Visiting Professor am Swarthmore College in Philadelphia\/USA.<\/p>\n<p><strong>KONZERT<\/strong> (Centralstation Darmstadt)<br \/>\n20:00 Uhr<\/p>\n<h4><strong><a href=\"http:\/\/www.jazzinstitut.de\/jazz-im-institut\/?event_id=250\">Anarchist Republic of Bzzz (FR\/NL\/TR\/USA)<\/a><br \/>\n<\/strong><\/h4>\n<p><a href=\"https:\/\/www.jazzinstitut.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/2019_10_04_Anarchists_by_Kiki_Picasso.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-8003 size-thumbnail\" src=\"https:\/\/www.jazzinstitut.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/2019_10_04_Anarchists_by_Kiki_Picasso-e1564741489893-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Seb El Zin, in Paris lebender S\u00e4nger der Ethno-Punk-Band ITHAK, gr\u00fcndete diese etwas andere Supergroup \u2013 musikalisch zwischen Impro-Avantgarde, Worldmusic und Slampoetry. <a href=\"http:\/\/www.jazzinstitut.de\/jazz-im-institut\/?event_id=250\">Mehr Informationen zum Konzert<\/a> <strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Das Konzert wird pr\u00e4sentiert von <a href=\"https:\/\/www.jazzinstitut.de\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/JT_box_purple-e1436867788204.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-5579 alignright\" src=\"https:\/\/www.jazzinstitut.de\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/JT_box_purple-e1436867788204.jpg\" alt=\"\" width=\"60\" height=\"60\" \/><\/a><\/p>\n<p>Collage: Kiki Picasso\u00a9<\/p>\n<p>\u2014 \u2014 \u2014<\/p>\n<p><strong><a name=\"20191005\"><\/a>Samstag, 5. Oktober 2019<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p><strong>AUSSTELLUNG<\/strong> (ab 3. Oktober)<\/p>\n<p>Vortragssaal im Literaturhaus + Galerie im Jazzinstitut Darmstadt<br \/>\n<strong>Alles wird gut gegangen sein werden &#8211; die Ausstellung<\/strong><br \/>\n(wegen der Konferenz im Jazzinstitut Darmstadt \u00f6ffentlich erst ab 7.10. zu sehen)<\/p>\n<p><strong>KONFERENZ <\/strong>(Literaturhaus)<\/p>\n<p>9:30 Uhr<br \/>\n<strong>Nikolaus Neuser, Berlin<\/strong><br \/>\n<strong>Jazz und improvisierte Musik als soziales Rollenmodell?<\/strong><\/p>\n<p>Wir sind heute t\u00e4glich in immer komplexere Zusammenh\u00e4nge eingebunden, auf die wir in immer schnelleren R\u00fcckkopplungen reagieren m\u00fcssen. Durch die Digitalisierung befinden wir uns sowohl technologisch als auch in unserer Kommunikation und Diskursf\u00e4higkeit in erheblichen Umbr\u00fcchen. Welche Kompetenzen und Modelle zuk\u00fcnftigen Miteinanders liefert uns die Kulturtechnik der Improvisation vor diesem Hintergrund? Nikolaus Neuser beleuchtet diese Fragestellung auch aus der konkreten Perspektive seiner kulturpolitischen Arbeit.<\/p>\n<p><strong>Nikolaus Neuser<\/strong> studierte an der Folkwang-Hochschule in Essen Trompete bei Uli Beckerhoff. Aktuell interpretiert er mit dem Trio I Am Three unkonventionell \u00a0besetzt die Musik von Charles Mingus. 2016 legte das Trio das international vielbeachtete Album <em>Mingus Mingus Mingus<\/em> (Leo Records) vor (Jahresbestenliste Downbeat Magazin, All about Jazz, NYC Jazz Records uva.). Er arbeitet au\u00dferdem im Trio mit Richard Scott und Alexander Frangenheim an elekroakkustischer improvisierter Musik und ist u.a. Mitglied der Ensembles Potsa Lotsa, Andreas Willers\u00b4 7 of 8, des Hannes Zerbe Jazz Orchesters und des Berlin Improvisers Orchestra. Nikolaus Neuser hat mit Matthew Herbert, Matana Roberts, Tyshawn Sorey, Nate Wooley, Maggie Nicols, Peter Fox, Seeed sowie dem London Improvisers Orchestra u.v.a gearbeitet und ist auf \u00fcber 50 CDs zu h\u00f6ren. Konzertreisen u.a. auf Einladung des Goethe Instituts f\u00fchrten ihn durch Europa, Asien, Nordafrika, die USA, in den Libanon, Jordanien, Saudi-Arabien sowie nach Kolumbien, wo er als Gastprofessor an der Pontificia Universidad Javeriana de Bogot\u00e1 lehrte.<\/p>\n<p>10:30 Uhr<br \/>\n<strong>Michael R\u00fcsenberg, K\u00f6ln<\/strong><br \/>\n<strong>&#8222;Jazz ist stets politisch.&#8220; Stimmt diese Aussage von Mark Turner? Und, h\u00f6rt man sie in seiner Musik?<\/strong><\/p>\n<p>Im November 2016 (Donald Trump ist gerade gew\u00e4hlt), vermutet der amerikanische Saxophonist Mark Turner im Gespr\u00e4ch mit der NZZ, &#8222;dass es wieder zu einer Politisierung der Kunst kommen wird.&#8220; Das ist eine \u00dcberzeugung, die wie unter einem Brennglas den zentralen Inhalt des Politikverst\u00e4ndisses weiter Teile der Jazzszene wiedergibt (s. Titel). &#8222;Allein schon der Entscheid, als Jazzmusiker zu leben, ist ein politisches Statement. Denn man entscheidet sich damit f\u00fcr Freiheit, f\u00fcr Emanzipation und gegen den Primat des materiellen Erfolgs&#8220; (Turner). Michael R\u00fcsenberg unterzieht diese Position einer grunds\u00e4tzlichen Kritik.<\/p>\n<p><strong>Michael R\u00fcsenberg<\/strong>, geb 1948, Journalist, Buchautor, Gastgeber der philosophischen Gespr\u00e4chsreihe &#8222;Gedankenspr\u00fcnge&#8220; in Bann. Adolf-Grimme-Preis 1989, WDR Jazzpreis 2015. Buchprojekt &#8222;Improvisation &#8211; ein Prinzip des Lebens&#8220; (in Vorbereitung)<\/p>\n<p>11:30 Uhr<strong><br \/>\nThomas Kr\u00fcger, Berlin<\/strong><br \/>\n<strong>Der Beitrag von Kunst und Kultur, insbesondere des Jazz, f\u00fcr aktuelle gesellschaftspolitische Diskurse<\/strong><\/p>\n<p>In meinem Beitrag w\u00fcrde ich zun\u00e4chst auf die Debatte um die Kulturalisierung des Politischen eingehen und aktuelle Tendenzen politischer Verschiebungen aufzeigen. Ich werde die kreative wie auch die rezeptive Seite von kulturellen Artefakten beleuchten und nach dem Politischen in der \u00c4sthetik fragen. Und danach, was der Jazz, insbesondere der frei improvisierende Jazz in diesem Zusammenhang f\u00fcr ein Potential hat.<\/p>\n<p><strong>Thomas Kr\u00fcger<\/strong> ist seit 2000 Pr\u00e4sident der Bundeszentrale f\u00fcr politischen Bildung. Seit 1995 ist er Pr\u00e4sident des Deutschen Kinderhilfswerkes. Au\u00dferdem ist er zweiter stellvertretender Vorsitzender der Kommission f\u00fcr Jugendmedienschutz und Mitglied des Kuratoriums f\u00fcr den Geschichtswettbewerb des Bundespr\u00e4sidenten. 1991 bis 1994 war er Senator f\u00fcr Jugend und Familie in Berlin, 1994 bis 1998 Mitglied des Deutschen Bundestages.<\/p>\n<p>14:00 Uhr<br \/>\n<strong>Angelika Niescier + Tim Isfort + Victoriah Szirmai + Korhan Erel<br \/>\n&#8230; im Ohr des Betrachters<br \/>\n(Lecture-Performance)<\/strong><\/p>\n<p>Der Ton: ein physikalisches Ereignis, ohne \u00e4sthetische noch politische Intention.<br \/>\nIn der Wahrnehmung der Rezipienten wird \u201eder Ton\u201c aber sofort kontextualisiert &#8211; eine essentielle Projektionsfl\u00e4che f\u00fcr tats\u00e4chliche und irreale Intentionen, Botschaften und Diskursangebote. <span class=\"\">In dieser Lecture Performance mit\u00a0Musiker*innen, Kurator*innen und Jornalist*innen\u00a0werden unterschiedliche \u00a0Perspektiven des Themenclusters untersucht, um \u00dcberschneidungen, Unterschiede und m\u00f6gliche Kontroversen zu verdeutlichen und um sich in der Diskussion dem Intendierten, Verstandenen und Missverstandenen und dem Ph\u00e4nomen des &#8222;Politischen&#8220; in der Musik zu n\u00e4hern.<\/span><\/p>\n<p>16:30 Uhr (programmkinorex Darmstadt)<strong><br \/>\nAtef Ben Bouzid, Berlin<\/strong><br \/>\n<strong>Cairo Jazzman &#8211; The Groove of a Megacity<\/strong><\/p>\n<p>&#8222;Jazz is more than just a style of music&#8220;, sagt Amr Salah. &#8222;It\u2019s about freedom.&#8220; Salah, \u00e4gyptischer Pianist und Komponist, k\u00e4mpft seit 2009 jedes Jahr darum, das Cairo Jazz Festival zu realisieren. Jazz ist zu seinem Lebensinhalt geworden, weil diese Musik in seinen Augen v\u00f6lkerverbindend ist und speziell der Jugend ein Sprachrohr gibt. F\u00fcr Amr Salah handelt es sich um einen vielf\u00e4ltigen Musikstil, der damit auch f\u00fcr Liberalit\u00e4t und Offenheit einer Gesellschaft steht, f\u00fcr die es sich zu k\u00e4mpfen lohnt. Atif Ben Bouzids Film \u00fcber das Cairo Jazz Festival gibt ungewohnte und vielschichtige Einblicke in das Leben der Zivilgesellschaft in der Megacity Kairo, eingebettet im Jazz als einer universellen, v\u00f6lkerverbindenden und horizonterweiternden Sprache.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/events\/424740118258375\/?acontext=%7B%22source%22%3A5%2C%22action_history%22%3A[%7B%22surface%22%3A%22page%22%2C%22mechanism%22%3A%22main_list%22%2C%22extra_data%22%3A%22%5C%22[]%5C%22%22%7D]%2C%22has_source%22%3Atrue%7D\">Mehr Informationen zum Film<\/a><\/p>\n<p>Nach der Filmvorf\u00fchrung gibt es ein Filmgespr\u00e4ch mit dem Regisseur \u00fcber Jazz und zivilgesellschaftlicher Aktivismus in der arabischen Welt.<\/p>\n<p><strong>Atef Ben Bouzid<\/strong> ist ein deutscher Journalist, Regisseur und Produzent aus Berlin mit dem Fokus auf Sport, Musik und Gesellschaft. &#8222;Cairo Jazzman&#8220; ist sein Regiedeb\u00fct. &#8222;Cairo Jazzman&#8220; feierte die Weltpremiere beim International Film Festival Rotterdam 2017.<\/p>\n<p><strong>KONZERT<\/strong> (Kulturzentrum Bessunger Knabenschule)<br \/>\n20:00 Uhr<\/p>\n<h4><strong><a href=\"http:\/\/www.jazzinstitut.de\/jazz-im-institut\/?event_id=251\">Brigade Futur III + Spielvereinigung Sued<\/a><br \/>\nAlles wird gut gegangen sein werden &#8211; Das Konzert<\/strong><\/h4>\n<p><a href=\"https:\/\/www.jazzinstitut.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/2019_10_05_Brigade_Futur_III_by_Elbasi-Rediger_02.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-8093\" src=\"https:\/\/www.jazzinstitut.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/2019_10_05_Brigade_Futur_III_by_Elbasi-Rediger_02-e1564741656870-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Nicht nur grammatikalische Formen lassen sich fiktiv erweitern, sondern auch fiktionale politische Programmatiken in musikalische Spielformen transferieren. Das zumindest beweist die Berliner Brigade Futur 3. <a href=\"http:\/\/www.jazzinstitut.de\/jazz-im-institut\/?event_id=251\">Mehr Informationen zum Konzert<\/a><strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Das Konzert wird pr\u00e4sentiert von <a href=\"https:\/\/www.jazzinstitut.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/hr2kultur.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-8099\" src=\"https:\/\/www.jazzinstitut.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/hr2kultur.jpg\" alt=\"\" width=\"50\" height=\"54\" \/><\/a><\/p>\n<p>Foto: Ebasi Rediger\u00a9<\/p>\n<p>\u2014 \u2014 \u2014<\/p>\n<p><strong>ab Montag, 7. Oktober 2019<\/strong><\/p>\n<p><strong>AUSSTELLUNG<\/strong> (ab 3. Oktober)<\/p>\n<p>Vortragssaal im Literaturhaus + Galerie im Jazzinstitut Darmstadt<br \/>\n<strong>Alles wird gut gegangen sein werden &#8211; die Ausstellung<\/strong><br \/>\n(wegen der Konferenz im Jazzinstitut Darmstadt \u00f6ffentlich erst ab 7.10. zu sehen)<\/p>\n<p>\u2014 \u2014 \u2014<\/p>\n<p>Das 16. Darmst\u00e4dter Jazzforum wird gef\u00f6rdert vom Hessischen Ministerium f\u00fcr Wissenschaft und Kunst, den Kulturfonds Frankfurt RheinMain und der Wissenschaftsstadt Darmstadt. Wir danken f\u00fcr die freundliche Unterst\u00fctzung durch die Sparkasse Darmstadt.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.jazzinstitut.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Logoblock_Sponsoren.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-8004 size-full\" src=\"https:\/\/www.jazzinstitut.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Logoblock_Sponsoren.jpg\" alt=\"\" width=\"840\" height=\"100\" srcset=\"https:\/\/www.jazzinstitut.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Logoblock_Sponsoren.jpg 840w, https:\/\/www.jazzinstitut.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Logoblock_Sponsoren-300x36.jpg 300w, https:\/\/www.jazzinstitut.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Logoblock_Sponsoren-768x91.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 840px) 100vw, 840px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sorry, but this page is only available in German. Verantwortung! Relevanz! Widerstand! Jazz? Lasst uns diskutieren&#8230; Jazz wurde immer als eine Musik der Widerst\u00e4ndigkeit wahrgenommen. Mit dem Einzug in die &hellip; <a href=\"https:\/\/www.jazzinstitut.de\/en\/positionen\/\" class=\"more-link\">Continue reading <span class=\"screen-reader-text\">POSITIONEN! 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