“Aus der Neuen Welt”?
Eurozentrismus im Jazz

Wir haben mit den Vorbereitungen für unser nächstes Darmstädter Jazzforum begonnen, das vom 30. September bis 2. Oktober 2021 stattfinden wird. Wir wollen Diskussionen aus dem Umfeld der Black Lives Matter-Bewegung aufnehmen und uns darüber austauschen, wie europäisch beeinflusste Sichtweisen das ethische wie ästhetische Verständnis, die Präsentation und die Rezeption des Jazz mit geprägt haben, inwieweit eine solche eurozentrische Sichtweise auch unser Verständnis von Jazz geformt, wenn nicht gar verformt hat und weiterhin formt, welchen Stellenwert in ihr sowohl die afro-amerikanischen Ursprünge der Musik besitzen als auch unser eigenes kulturelles Umfeld. Unsere Diskussionen könnten etwa beim Begriff “Jazz” beginnen, wir können über historische Beispiele eurozentrischer Umdeutungen in der Jazzgeschichte sprechen, aber auch den aktuellen Diskurs über die Relevanz des Jazz in nicht-afroamerikanischen Communities thematisieren. Wir werden über Rassismus im Jazz sprechen, danach fragen, welche Formen von Ausgrenzung und anderen Othering-Strategien sich im Jazz hierzulande finden lassen, und auf alternative Lesarten der Jazzrezeption eingehen, Beispiele etwa, wie afroamerikanische Kultur das Verständnis von Musik auf der ganzen Welt verändert hat. Wir wollen die Diskussion dabei keinesfalls auf den Jazz begrenzen, sondern auch auf ähnliche Debatten über Eurozentrismus bzw. Afroamerikanismus etwa in Neuer Musik oder der Popkultur ganz allgemein blicken.

Das Darmstädter Jazzforum ist eine internationale Konferenz. Wir erhoffen uns Vorträge und Diskussionen, die über unsere kleine Szene der Jazzforscher:innen hinausreichen, und wir erwarten wie immer ein Publikum von Musiker:innen, Journalist:innen, ernsthaften Jazzfans, aber auch von Studierenden und Forscher:innen unterschiedlichster Disziplinen. Die Referate sollten ein Zeitlimit von 25-30 Minuten nicht überschreiten. Wir freuen uns auch über Vorschläge für spannende Panels und sind (innerhalb gewisser Grenzen) dazu in der Lage Reisespesen zu ersetzen.

Bitte schicken Sie alle Fragen oder Vorschläge an jazz@jazzinstitut.de

[Deadline für Vorschläge: 30. November 2020]