Schlagwort-Archive: Bessunger Knabenschule

dazz 2022: Tango Transit

Drei kreative wie virtuose Musiker mit ungewöhnlicher Instrumental-Besetzung führen die Emotionalität, Expressivität, Melancholie, Extase und Dynamik, die man mit dem Tango  assoziiert, in neue Sphären. Wie selbstverständlich setzen Martin Wagner (acc) Hanns Höhn (kb) und Andreas Neubauer (dr) unterschiedliche Musikstile von Klassik über Blues und Cajun bis zu Funk und Drum’n’Bass in Bezug zueinander. Für eine energiegeladene, zeitlose Musik von ansteckender Spielfreude und eine ganz eigene Farbe in der europäischen Jazz-Landschaft.

Bei dieser Veranstaltung gilt 2G-Plus. Entsprechend der aktuellen Coronavirus-Schutzverordnung des Landes Hessen (CoSchuV) heißt 2G-Plus, dass zusätzlich zu Geimpft- oder Genesenennachweis auch noch ein aktueller Test oder der Nachweis einer so genannten Booster-Impfung nötig ist (CoSchuV §3, Absatz 2). Die Veranstalter sind zudem aufgefordert die Personalausweise zu kontrollieren. Es gilt Maskenpflicht am Platz.

dazz 2022: Ramón Valle Trio

Bereits im Alter von sieben Jahren begann Ramon Valle mit dem Klavierunterricht. 1993 erklärte ihn der große kubanische Pianist Chucho Valdés zum „größten Talent unter  unseren jungen Pianisten“. Geprägt ist seine Musik durch die Rhythmen Afrikas, die mit den Sklaven in die Karibik kamen, sowie die kubanische Musikkultur. In Darmstadt stellt er sein Programm „The Time is now“ vor; es begleiten ihn der Bassist Omar Rodriguez Calvo (Triosence, Tingvall Trio) und Jamie Peet am Schlagzeug.

Hinweis: Bei dieser Veranstaltung gilt coronabedingt das 2G-Optionsmodell, d.h. nur nachweislich geimpfte und genesene Personen erhalten Einlass. Nach Hessischer Verordnung sind die Veranstalter zudem aufgefordert die Personalausweise zu kontrollieren. Es gilt Maskenpflicht am Platz.

dazz 2022: Jünemann/Cetto/Partheil-Trio feat. Angela Frontera

REFLECTIONS 2020 heißt das Programm, das Uli Partheil im letzten Jahr geschrieben hat. Entstanden in einer besonderen Situation, ging es doch darum, in der Zurückgezogenheit kreativ zu bleiben – unaufgeregt und entspannt. Ein positiver Aspekt war ja: zur Ruhe zu kommen und, auf sich selbst zurückgeworfen, darüber zu reflektieren, was in der eigenen Musik wirklich wichtig ist. Das Programm beinhaltet viele verschiedene Klangfarben, die Stücke werden in Duo, Trio und Quartett-Besetzung gespielt. Ulli Jünemann (as) und Uli Partheil (p) kennen sich seit vielen Jahren, zusammen mit Ralf Cetto (b) ist nun ein neues Trio entstanden, das noch um die brasilianische Musikerin Angela Frontera (dr, perc) erweitert wurde.

Bei dieser Veranstaltung gilt 2G-Plus. Entsprechend der aktuellen Coronavirus-Schutzverordnung des Landes Hessen (CoSchuV) heißt 2G-Plus, dass zusätzlich zu Geimpft- oder Genesenennachweis auch noch ein aktueller Test oder der Nachweis einer so genannten Booster-Impfung nötig ist (CoSchuV §3, Absatz 2). Die Veranstalter sind zudem aufgefordert die Personalausweise zu kontrollieren. Es gilt Maskenpflicht am Platz.

SWING SIZE ORCHESTRA

Jumpin‘ Jive und Swing-Klassiker 

Elf gutaussehende, elegant gekleidete Herren mit blankpolierten Instrumenten und eine charmante Sängerin der Spitzenklasse. Unterwegs, nicht im Auftrag des Herrn, aber im Auftrag von heißer Musik und guter Laune!

Trotz des eleganten Äußeren schrecken die zwölf Vollblutmusiker nicht davor zurück, an „die niedersten Instinkte der Massen“ zu appellieren und überall, wo sie aufspielen, die Konzertsäle unter Strom zu setzen. Dabei ist Swing tanzen nicht nur erlaubt, sondern ausdrücklich erwünscht. Mit Energie und Spielfreude verschmelzen die zwölf hochkarätigen Musikerpersönlichkeiten zum einmaligen SWING SIZE ORCHESTRA!

In den zauberhaften Arrangements von Jens Hunstein spielt die Band mitreißen Jump’ n Jive und Swing: Stücke von Ray Charles, Louis Prima, Joe Williams, Count Basie etc. Und Melodien, die wir alle aus der heimischen Flimmerkiste kennen, und so noch nie gehört haben…

Das SWING SIZE ORCHESTRA – ein musikalisches Erlebnis der besonderen Art, das Sie auf keinen Fall verpassen sollten.

Jeanine du Plessis | Gesang
Thomas Bachmann | Altosax
Stephan Völker | Tenorsax
Jens Hunstein | Baritonsax / lead / arr
Ralph “Mosch” Himmler |  Trompete
Joachim Lösch | Trompete
Robin Holighaus | Posaune
Stephan Schlett | Posaune
Michael Grün | Piano
Sven Claussen | Gitarre / Altosax
Florian Hermann | Schlagzeug
Geeke Sieben | Kontrabass

Jazz gegen Apartheid

Musik von Johnny Dyani und Fotografie von Jürgen Schadeberg

Claude Deppa | Trompete
Allen Jacobson | Posaune
Tobias Delius | Saxophon
Daniel Guggenheim | Saxophon
John Edwards | Bass
Christopher Dell | Vibraphon
Makaya Ntshoko | Schlagzeug
Christian Lillinger | Schlagzeug

Die Begegnung zweier großer Chronisten Südafrikas in Konzerten und Fotografie aus Anlass des 35. Todestages des Komponisten Johnny Dyani. Der Komponist Johnny Dyani (1947-1986)  porträtierte als musikalischer Chronist seine Zeitgenossen. Diese Porträts von Musikern und Befreiungskämpfern wie Steve Biko, Kippie Moeketsi, Nick Moyake werden mit der Fotografie von Jürgen Schadeberg zu einem Gesamtkunstwerk zusammengeführt. Die Musik des vor nunmehr 35 Jahren verstorbenen Komponisten, Bandleaders, Bassisten ist grandiose Kunst, zugleich Geschichte des leidenschaftlichen Kampfes gegen Apartheid, Biographie eines Lebens im Exil und lückenlose Dokumentation aus 25 Jahren Exilgeschichte.

Der Fotograf Jürgen Schadeberg (1931-2020) gilt als Chronist Südafrikas und hat auf die politischen Veränderungen des Landes eingewirkt. Sein kritischer Blick garantierte ihm die Verfolgung durch die alten Herrscher und die Wut der neuen Unterdrücker. Schadeberg zog 1950 nach Johannisburg und arbeitete für das Magazin „Drum“, das vor allem von der schwarzen Bevölkerungsmehrheit gelesen wurde. Er porträtierte zahlreiche bekannte schwarze Südafrikaner und stellte das Leben in den Townships dar. Zu seinen berühmtesten Fotografien zählt ein Portrait von Nelson Mandela, das Schadeberg 1994 in dessen ehemaliger Gefängniszelle auf Robben Island aufnahm.

Das Konzert wird begleitet durch eine Präsentation von Schadeberg-Fotos per Beamer.

Luise Volkmanns LEONEsauvage

Verleihung “Kathrin-Preis 2021” und Konzert der Preisträgerin

Die Kölner Saxofonistin Luise Isabel Volkmann wird mit dem “Kathrin-Preis / Kathrin Lemke Scholarship for Young Jazz Improvisers” 2021 ausgezeichnet. Der Preis ist nach der 2016 im Alter von nur 44 Jahren verstorbenen Berliner Jazz-Saxofonistin Kathrin Lemke benannt, die 1971 in Heidelberg geboren wurde.

Hier geht’s zum YouTube Live-Stream des Preisträgerinkonzertes am 1. Oktober 2021 aus der Bessunger Knabenschule in Darmstadt. Beginn der Übertragung 20 Uhr.

Luise Volkmann ist eine überaus engagierte und vielseitig begnadete Musikerin. Ihre Auseinandersetzung mit den afro-amerikanischen Wurzeln und Konventionen des Jazz im Bewusstsein um die eigene Position einer im Hier und Jetzt spielenden westeuropäischen Musikerin nimmt Diskurse auf, die in den Musikszenen von Köln, Berlin, Kopenhagen, Paris, London, New York und sonstwo geführt, die aber immer auch gerade in Darmstadt thematisiert werden. LEONEsauvage ist dabei keinesfalls ein “Antragsprojekt”; es setzt Recherchen fort, die Volkmann in ihrer Musik genauso wie in ihrem Engagement zu diversen gesellschaftspolitischen Themen geführt hat, und es fußt auf den Erfahrungen, die sie mit den Pariser und Kopenhagener Editionen sowie mit anderen Projekten (wie etwa dem Großensemble Été Large) sammeln konnte.

Welch riesiges musikalisches und kompositorisches Talent in der 1992 geborenen Bielefelderin steckt, bewies erst Anfang Juni 2021 ihre Nominierung in der Kategorie “Komposition des Jahres” beim neu geschaffenen “Deutschen Jazzpreis” neben Jazzgrößen wie Florian Ross und Christian Lillinger.

“Luise Volkmann ist eine geradezu idealtypische Trägerin des Kathrin-Preises. Ihre intensive Auseinandersetzung mit den afroamerikanischen Wurzeln und Konventionen des Jazz, immer im Bewusstsein um die eigene Position einer im Hier und Jetzt spielenden westeuropäischen Musikerin, nimmt Diskurse auf, die in der heutigen Zeit viele junge Menschen weltweit bewegen.” (Wolfram Knauer)

Luise Volkmann | Altsaxophon
Jan Frisch | Stimme
Matthew Halpin | Tenorsaxophon
Connie Trieder | Querflöte
Florian Walter | Baritonsaxophon
Matthias Muche | Posaune
Heidi Bayer | Trompete
Keisuke Matsuno | Gitarre
Florian Herzog | Kontrabass
Dominik Mahnig | Schlagzeug

Mehr Informationen zu LEONESauvage und Luise Volkmann.

Die offizielle Verleihung des Kathrin-Preises an Luise Volkmann und das Preisträgerkonzert mit LEONESauvage finden im Rahmen des 17. Darmstädter Jazzforums “Roots_Heimat – Wie offen ist der Jazz?” am 1. Oktober 2021 in der Bessunger Knabenschule statt.

Manfred Bründls Sadaqa

Musiker aus Syrien und Deutschland

Von den Ausläufern des südlichen Kaukasus bis an die Grenzen dessen, was man historisch als Mesopotamien oder Zweistromland bezeichnet, sind es kaum 1000 Kilometer. Heute ist diese Großregion zwischen Armenien, Aserbeidschan, Nord-Syrien und Nord-Irak kulturell wie politisch zersplittert.

Doch die wechselseitigen kulturellen Einflüsse bleiben, historisch betrachtet, immens und welches Medium wäre besser dazu geeignet, sie hörbar, spürbar, nachvollziehbar zu machen als die Musik? Genau darum geht es SWR-Jazzpreisträger Manfred Bründl, Bassist und Professor an der Musikhochschule Weimar, in seinem neuen Projekt mit dem universellen arabischen Titel Sadaqa, „Freundschaft“, mit dem er einen Bogen spannt von den traditionellen Klängen und Liedern des südlichen Kaukasus hin zu den Musiktraditionen Mesopotamiens.

Dabei spiegeln die Künstler die kulturelle Vielfalt des Projektes wider: Ibrahim Keivo hat armenische Wurzeln und stammt aus einem jesidisch-kurdischen Dorf im Nordosten Syriens; er singt in verschiedenen Dialekten auf arabisch, in kurdisch, aramäisch, armenisch und ist zugleich ein begnadeter Multi-Instrumentalist.

Ebenfalls aus Syrien stammt der vielfach international ausgezeichnete Oud-Virtuose Mohannad Nasser. Bodek Janke wiederum ist einer der gefragtesten Percussionisten und Drummer der Jazz-und World-Szene und Preisträger u.a. des International Europe Jazz Contest.

Ibrahim Keivo Gesang & Bouzouk | Mohannad Nasser Oud | Manfred Bründl Bass | Bodek Janke Percussion & Drums

Abschlusskonzert der Dozent:innen

30. Darmstädter Jazz Conceptions: Das Finale

Peter Back | Saxophon
Maike Hilbig | Kontrabass
Stephan Meinberg | Trompete
Axel Pape | Schlagzeug
Uli Partheil | Piano

Während in den vergangenen Jahren am Samstagabend das vielköpfige Großensemble der Teilnehmer:innen den Abschluss des Sommerworkshops bildeten, worauf als Höhepunkt ein gemeinsames Konzert der Dozent:innen stand, ist in diesem Jahr bei den Konzerten, wie schon bei Sessions und Kursen selbst alles eine Nummer kleiner. Heute Abend wird sich zunächst noch ein Ensemble der Woche vorstellen. Traditionell dann zum Abschluss der Jazz Conceptions werden alle Dozent:nnen der Woche dem Publikum ihr Können in einer gemeinsamen Band präsentieren. Wie am Vortag ist die Veranstaltung als Open Air auf dem Hof geplant, bei schlechtem Wetter findet se in der Halle der Bessunger Knabenschule statt.

Abschlusskonzert der Ensembles

Vier Ensembles präsentieren ihre Programme

Der Höhepunkt der Darmstädter Jazz Conceptions. Wenn die Teilnehmenden unter Anleitung ihres Dozenten oder ihrer Dozentin – und gemeinsam mit diesen -, das Ergebnis ihre einwöchigen Arbeit präsentieren, ist die (An)Spannung bei allen Beteiligten zu greifen. Das erste Solo vor Publikum wurde hier schon gespielt, die ersten gemeinsamen polyrhythmischen Verschiebungen, mancher Blues im 12/8-Takt und manch “freies” Spiel wurden ausgekostet.  Bühnenfrischlinge und alte Hasen (auch Häsinnen) finden hier im harmonischen Ensemble-Klang zusammen, das es eine wahre Freude ist. Letztlich sind es meist die Dozierenden der letzten Woche, die vor Stolz über das Geleistete “über beide Backen” strahlen.

Das Abschlusskonzert der Teilnehmer:innen findet unter freiem Himmel bei ebensolchem Eintritt im Hof der Bessunger Knabenschule statt. Bei Regen erfolgt, unter Einhaltung der geltenden Hygienevorschriften und einer wahrscheinlichen Beschränkung der Besucherzahl, der Umzug in die Halle.

LEONEsauvage

1. Oktober 2021, 20:00 Uhr

Kathrin-Preis 2021

Preisverleihung und Preisträgerinnenkonzert in der Bessunger Knabenschule
Ludwigshöhstraße 142, 64285 Darmstadt

Eine Veranstaltung im Rahmen des 17. Darmstädter Jazzforums

Roots | Heimat: Wie offen ist der Jazz?

LEONEsauvage

Aufmunternde Worte, Träumen vom Kollektiv, lebensbejahende, kämpferische Hymnen und eine schillernde Mixtur aus Spektakel, Ritual und ausuferndem Getöse posaunt Luise Volkmann mit ihrer Free Jazz Big Band LEONEsauvage heraus.

Das zehnköpfige Ensemble LEONEsauvage ist tatsächlich wild. Träumen von einer Welt, in der Musik ihren Zuhörer:innen das gibt, was ihnen im Leben fehlt: einen Moment der Freiheit, ein Ritual des Loslassens und Ausrastens, ein Zelebrieren von Kreativität und Erfindungsgeist, als Mittel gegen die harte Realität. Und natürlich auch die Gemeinschaft, gegen die Einsamkeit des Einzelnen. Zusammen sind wir stark!

Luise Volkmann | Altsaxofon, Jan Frisch | Stimme, Gitarre, Matthew Halpin | Tenorsaxofon, Connie Trieder | Querflöte, Florian Walter | Baritonsaxofon, Matthias Muche | Posaune, Heidi Bayer | Trompete, Keisuke Matsuno | Gitarre, Florian Herzog | Kontrabass, Dominik Mahnig | Schlagzeug

Luise Volkmann erhält den Kathrin-Preis 2021. Die Kölner Saxofonistin und Komponistin, präsentiert nun mit LEONEsauvage ein zweites Large Ensemble, das in der Tradition des Free Jazz steht. Ganz anders als ihr dreizehnköpfiges Ensemble Été Large, basiert die Musik von LEONEssauvage zu großen Teilen auf kollektiver Improvisation. Ihre Kompositionen tragen Titel wie “Preacher” oder “The Cool” und weisen hiermit auf die unterschiedlichen Charaktere in der Band hin, die Volkmann bewusst theatral inszeniert. Es geht um die Persönlichkeit des einzelnen Spielers und darum, wie sich diese einzelnen Farben zu einem gemeinsamen Klang zusammenfügen. Einem Klang, der von Hymnen gespickt ist, die proklamieren: Dreams To Come.

Die Idee zu dem Projekt LEONEsauvage kam Volkmann 2016 in Paris. “Paris ist ein hartes Pflaster: Es gibt viel Obdachlosigkeit auf er Straße. 2016 waren auch immer wieder große Boulevards von Flüchtlingen überschwemmt, die mitten in der Stadt kampierten. Die Stadt ist teuer, Raum ist knapp, die Möglichkeiten zu gestalten sind knapp, die Leute arbeiten hart und vereinsamen. Deswegen wollte ich einen Moment etablieren, der die Pariser für eine kurze Zeit von ihrem Alltag befreit. Kurz ausrasten, frei sein und Kraft in der Gemeinschaft tanken, sich der Härte des Alltags entgegen zu setzen.” Darauf gründete sie die erste Version von LEONEsauvage mit jungen Musiker:nnen aus Paris. Inspiriert von Sun Ra’s Arkestra, arbeitete das Ensemble an einer mitreißenden Bühnenperformance: Die Musiker:nnen arbeiteten mit Bewegungs-Cues, auffallender Schminke und ließen sich mehrere Male von Schauspieler:innen coachen. Auf der Bühne standen sie immer mit unterschiedlichen Tänzer:innen aus dem Bereich des Zeitgenössischen Tanzes oder des Street Dance.

“Ich habe meine Bachelor-Arbeit über Sun Ra geschrieben und war beeindruckt, wie ganzheitlich er gearbeitet hat. Er hat es meiner Meinung nach geschafft, ein ganzes Konstrukt einer alternativen Welt zu bauen. Mit dieser Errungenschaft wollte ich mich solidarisieren mit LEONEsauvage und ein Ensemble bilden, dass auch politische und soziale Aussagen treffen kann.”

Haltung hat das Ensemble: In dem Stück Hymne pour LEONEsauvage schreien die jungen Musiker dem Hörer entgegen: “Kill your darlings, live the kitsch. We dance down our creed. There’s too many walls ’round here. Dreams to come, dreams to come. Wild and untamed blowers, yarning, fragile heads. All to make, all to give. Free the music we give.” Es ermutigt also zum zerbrechlich sein, zum authentisch sein, dazu äußere Zwänge in uns selbst aufzulösen und mit Hilfe der Musik freier zu werden. Hymne pour LEONEsauvage war sozusagen das Gründungsstück der Band.

In dem Stück Preacher singt der Sänger “Let us live an innocent thought of companionship” oder “Revolt against the negation of love” und spricht damit ein Thema an, dass Volkmann sehr am Herzen liegt: Die Gemeinschaft. “Wie gesagt hat mich die starke Vereinsamung in Paris immer traurig gemacht. Ich hab immer gelernt, dass man zusammen stärker ist. Das Ensemble LEONEsauvage haben wir auch versucht, als Kollektiv zu organisieren. Das hat manchmal besser, manchmal weniger gut geklappt. Aber auf jeden Fall haben die Konzerte immer eine unheimliche Kraft entfaltet. Ich hatte immer das Gefühl, die ganze Band hat sich wochenlang danach gesehnt, sich fix und fertig zu spielen. Da konnte man die Kraft der Gemeinschaft immer spüren und das Publikum war mitgerissen. Ich hab immer gescherzt und gesagt- meine Free-Jazz-Tanzband”.

Bis ins Jahr 2018 spielte das Ensemble in Paris fast monatlich. Als Volkmann im selben Jahr nach Kopenhagen zog, gründete sie dort die zweite Besetzung von LEONEsauvage, mit der auch die Aufnahmen zu dem Album entstanden. In Kopenhagen traf sie am Rhythmischen Musikkonservatorium auf eine buntes und internationales Konglomerat aus Musiker:innen. Die beiden Sänger der CD sind der portugiesische Jazz- und Popsänger João Neves und der isländische Rocker Hrafnkell Flóki Kaktus Einarsson. Zusammen bilden sie ein stimmungsvolles Duo, das genug Kante und Unschärfe zulässt, die diese Musik braucht. Die vier Saxophonist:innen des Ensembles kommen aus Polen, Deutschland und Argentinien und bilden zusammen einen gewaltigen Klangkörper. Die Rhythmusgruppe besteht aus Jazz- und Improvisationsmusikern aus Frankreich, Italien, Polen und Norwegen. Eine international besetzte Truppe, die zum Tanzen und Ausrasten einlädt.

Tatsächlich wird es dieses Jahr passend zur Veröffentlichung des Albums auch die deutsche Version des Ensembles geben. “Ich denke mit dem Projekt extra megaloman. Die Idee von LEONEsauvage soll die Welt infiltrieren.” Luise Volkmann gewann 2020 den Kathrin-Lemke-Preis des Jazzinstitut Darmstadt und konnte mithilfe des Preises eine dritte Besetzung aus vorwiegend in NRW lebenden Musiker:innen gründen. Und nicht nur das: Sie konnte in der Residenz in Darmstadt auch weiter zu dem Thema forschen, dass sie im Bezug auf den Free Jazz und Sun Ra interessiert. “Wie gehe ich als deutsche Jazzmusikerin mit dem Erbe der afro-amerikanischen Kultur um? Ich glaube es gibt viel zu wenig Diskurse über diese Frage. Ich bin von der Form der Musik von Sun Ra oder auch dem Art Ensemble of Chicago sehr berührt und möchte mich solidarisieren, möchte davon lernen und möchte vielleicht sogar einen Teil dieser Tradition fortführen. Es ist gar nicht so einfach, dafür den richtigen Ton zu treffen.” Das Jazzinstitut forscht bei seinem diesjährigen Symposium zu Eurozentrismus und bietet hier Luise Volkmann die Möglichkeit die langjährige Arbeit mit dem Ensemble und ihre Nachforschung zum Free Jazz und afro-amerikanischer Musik zu präsentieren.

Das Album „Dreams To Come” kommt gerade zur richtigen Zeit und setzt der schwierigen und komplexen Zeit, die hinter uns liegt, Optimismus und Aktivismus entgegen. “Ich sehe die Musik im Herzen der Gesellschaft. Ich glaube daran, dass Kreativität das Mittel ist, mit dem man Umbrüche meistern kann und mit der das Leben noch lebenswerter und bunter wird.”

 


Konferenz:
Von Donnerstag, 30. September, bis Samstag, 2. Oktober 2021, diskutieren wir über “Roots | Heimat: Wie offen ist der Jazz?” (mehr…)


Ausstellung:
Ab 4. Oktober 2021 zeigen wir in der Galerie im Jazzinstitut (und während der Konferenz auch im Konferenzraum) die Ausstellung “Jazzgeschichten in Rot und Blau” mit Plakaten des Schweizer Künstlers Niklaus Troxler. (mehr…)

Weitere Fragen bitte an jazz@jazzinstitut.de


Das 17. Darmstädter Jazzforum wird gefördert von