mit Bob Degen, Rainer Wieczorek & Daniella Baumeister.
Als der Gewölbekeller des Jazz-Instituts eingeweiht werden sollte, bat man Heinz Sauer den ersten Ton in diesen Mauern zu spielen. Man wollte damit einen Musiker ehren, dessen Ton so expressiv und wiedererkennbar war, wie nur wenige andere.
Heinz Sauer begann mit dem Jazz in den frühen Fünfzigern, spielte eineinhalb Jahrzehnte mit Albert Mangelsdorff, weitere eineinhalb Jahrzehnte mit Bob Degen und weitere mit Michael Wollny. In seinen Neunzigern angekommen, zog er sich von der Bühne zurück.
Rainer Wieczorek hat den Tenorsaxofonisten mit literarischen Mitteln portraitiert und wird aus seinem Buch »Im Gegenlicht: Heinz Sauer« vorlesen, an dessen Entstehen Sauer mitarbeitete. Daniella Baumeister, die Jazzexpertin des Hessischen Rundfunks, wird mit Wieczorek ein Gespräch über Sauers Leben führen. Am Flügel wird Bob Degen Kompositionen Heinz Sauers spielen. »Ein Abend – gut für die Seele«, wie Detlef Kinsler im Frankfurter Journal schrieb.
Lucks, Schlichting und Marien sind die Miniatur-Ausgabe einer Brass Band: Ihre kompakte Größe transzendieren sie mit einem rauen, überschäumenden Sound, den man von einem viel größeren Ensemble erwarten würde. Sie jonglieren mit wechselnden Rollen zwischen Rhythmus und Melodie und durchqueren so eine betörende Landschaft aus Free Jazz, Funk, Punkrock und New Orleans Brass Band. Gemeinsam öffnen sie ihre eigenen Stücke in alle Richtungen, angetrieben von einer Mischung aus improvisatorischem Schwung und bestens verzahnten Grooves.
Seit 2017 ist das Trio mit zahlreichen Konzerten in Jazzclubs und auf Festivals unterwegs, hat mehrere Stipendien des Musikfonds und Berliner Senats erhalten und drei CDs bei Tiger Moon Records veröffentlicht. 2023 wurde die Insomnia Brass Band mit dem Deutschen Jazzpreis als „Band des Jahres“ ausgezeichnet.
Nach der Sommerpause geht es weiter mit der Bessunger Jam Session. Der Förderverein Jazz e.V. und das Jazzinstitut Musikerinnen und Musiker zum zwanglosen musizieren vor Publikum bei freiem Eintritt. Das Trio 75 mit Markus Krämer – Gitarre, Philipp Gutbrod – Drums und Chris Ries – Bass fungiert als Rhythm Section. Nach einem kurzen Eröffnungsset des Trios können alle anwesenden Musikerinnen und Musiker in einer spontan inszenierten Session auf offener Bühne einsteigen.
Dieses Konzert besteht aus zwei Teilen. Den ersten Teil bestreitet der Schlagzeuger Rudi Fischerlehner solo. Fischerlehner ist vielen Darmstädter*innen noch in guter lebendiger Erinnerung als Dozent bei den letztjährigen Jazz Conceptions. Nach der Pause präsentiert er gemeinsam mit dem Gitarristen Olaf Rupp sein Duo-Projekt Xenofox.
Eigentlich ist es nur Gitarre und Schlagzeug, aber es klingt wie eine ganze Welt. Das liegt vor allem an der komplexen Mehrstimmigkeit, mit der sich die beiden, ohne viel Elektronik ständig auf mehreren Ebenen gleichzeitig bewegen. Man muss nicht jeden Weg zu Ende gehen und dennoch verbinden sich hier neue Synapsen. Diese Vielschichtigkeit fügt auch die einfachsten Gebilde zu einem hypnotischen Gesamtklang zusammen.
Xenofox besteht seit 2014 und ist auf zahlreichen Veröffentlichungen dokumentiert, zuletzt auf dem Album „The Garden Was Empty“. Konzerteinladungen führten die Band unter anderem zum A L’Arme Festival Berlin, Kaleidophon Ulrichsberg, Lydfestival Aarhus und zum Free Music Forum in Wien.
Die Darmstädter Singer-Songwriterin Mira Cohan singt eigene, überwiegend biografische Songs sowie sorgfältig ausgewählte internationale Klassiker aus Jazz, Latin und Chanson. Begleitet wird sie von Jeremy Fast an der Gitarre. Gemeinsam präsentieren die beiden Musiker*innen ein abwechslungsreiches Programm, das Emotionen weckt, gute Laune verbreitet und perfekt zu einem Frühlingsabend auf der Terrasse des vinocentral passt.
Offene Bühne im Agora am Ostbahnhof. Heute präsentiert sich das neue Trio des Darmstädter Pianisten Norbert Paul mit der Sängerin Paula Carreira und dem Cellisten Nils Ehlert dem motivierten Publikum.

Am 26. Mai wäre Miles Davis 100 Jahre alt geworden. In seiner gerade im Reclam-Verlag erschienenen Biographie »Miles Davis – Sound eines Lebens« fächert Stefan Hentz das künstlerische und politische Selbstverständnis des Trompeters auf, stellt Fragen nach seiner Persönlichkeit – und nach den Mythen, die den Prince of Darkness bis heute umgeben. In der Darmstädter Stadtkirche liest der im Jahr 2019 mit dem Preis für deutschen Jazzjournalismus ausgezeichnete Hamburger Autor aus seinem Buch und entwirft ein Kaleidoskop erzählerischer Perspektiven, das im Wechselspiel mit der subtilen Improvisationskunst der Saxofonistin und Flötistin Anna-Lena Schnabel und des Pianisten Florian Weber, zweierherausragender IndividualistInnen des aktuellen deutschen Jazz, vielschichtige neue Perspektiven auf das Weren und Schaffen eines der größten Musiker des 20. Jahrhunderts eröffnet.
Fresh Freddy’s Hop ist tatsächlich ein gerade frisch neu gegründetes, junges Frankfurter Trio. Sie loten Klangräume zwischen Jazz, Boom-Bap, Drum and Bass und Highlife aus – es geht um das Alleinsein, das Zusammenfinden, um das Schöne in all dem Schiefen. Der Versuch, mit Klängen das zu sagen, was schwer in Worte passt. Ihre Musik schafft Momente, in denen das Groteske, das draußen tobt, für einen Augenblick still steht – ein dynamischer Gegenentwurf zur Welt im Dauerrauschen. Mit Frederich Helbing (Gitarre/Komposition), Alisa Pou Montz (Kontrabass) und Till Weyrowitz (Schlagzeug)
Wie geht man in Zeiten zunehmender gesellschaftlicher Polarisierung mit divergenten, widerstreitenden Haltungen und Meinungen um? Und in welcher Weise verhält sich Jazz und improvisierende Musik dazu? Welchen Beitrag leistet diese Musik in Praxis und Theorie im Diskurs um Politisierung von Kunst und Kultur. Historisch wie aktuell. Dieser Frage geht diese Veranstaltungsreihe des Jazzinstituts nach, die sich zwischen Januar und Juni 2026 mit einer Serie von Ausstellungen, Vorträgen, Lecture Performances, Musikergesprächen und Konzerten mit dem Thema Jazz und Demokratie beschäftigt.
Der in New York lebende Trompeter, Komponist und Improvisator Peter Evans zählt zu den prägenden Stimmen der internationalen Improvisationsszene. Seit den frühen 2000er-Jahren entwickelt er radikal eigenständige Formen des Solospiels und verbindet Jazz, Neue Musik und experimentelle Praxis. Mit zahlreichen Ensembles und preisgekrönten Projekten – sowie als Solist auf internationalen Bühnen – lotet er kontinuierlich neue musikalische Möglichkeiten aus, immer wieder auch in Darmstadt, z.B. bei den Ferienkursen.
In seiner Archiv-Residenz am Jazzinstitut Darmstadt widmet sich Evans der Frühgeschichte improvisierter Soloperformance – von Coleman Hawkins über Eric Dolphy bis zu Anthony Braxton – und verfolgt deren Spuren in Europa und Japan bis in die Gegenwart.
Außerdem wird er am 16. April einen Workshop an der Darmstädter Justus-Liebig-Schule mit Schüler*innen von Christoph Schöpsdau gestalten, an dem auch Musikschüler*innen der Akademie für Tonkunst sowie der Jazz & Pop School von Uli Partheil teilnehmen.
Anschließend stellt Peter Evans seine Recherchen öffentlich im Rahmen einer Lecture Performance (in englischer Sprache!) im Gewölbekeller des Jazzinstituts vor. Darin verbindet er Einblicke in seine künstlerische Forschung mit musikalischen Beispielen aus seiner Praxis der Solo-Improvisation für Trompete.
1959 gibt die Schwarze Bürgerrechtsorganisation NAACP (National Advancement of Colored People) bei dem Jazzschlagzeuger Max Roach und dem Sänger und Songschreiber Oscar Brown Jr. ein Album in Auftrag. Es ist die Zeit der Sit-Ins und Protestaktionen, die für Bürgerrechte und Gleichberechtigung kämpfen. Als „We Insist! … Max Roach’s Freedom Now Suite“ erscheint, ist es buchstäblich wie ein Aufschrei – auch der ungeschnittene Schrei der Sängerin Abbey Lincoln, der die gesamte Wut und den Schmerz der Unterdrückung in sich trägt. Die Musikjournalistin Maxi Broecking wird das 1960 bei Candid in den USA erschienene Album, eine Vinyl-Rarität aus der Sammlung des Institutsarchivs, im einer gemeinsamen Listening Session vorstellen und über die Hintergründe der Entstehung und die Wirkungsgeschichte sprechen.
Die Listening-Session wird insgesamt ca. 45 – 60 Minuten dauern. Sie findet im Rahmen der aktuellen Veranstaltungsreihe zum Thema Jazz & Demokratie statt. Die Ausstellung „Voices of Change“ in der Galerie des Jazzinstituts kann vor und nach der Listening Session besucht werden.
Aus den Liner Notes von „We Insist!“, geschrieben von Nat Hentoff:
„Eine Revolution ist im Gange – Amerikas unvollendete Revolution. Sie entfaltet sich an Imbissständen, in Bussen, Bibliotheken und Schulen – überall dort, wo Menschen ihre Würde und ihr Potenzial verwehrt werden. Jugend und Idealismus entfalten sich. Afro-amerikanische Bürgerinnen und -Bürger marschieren in Massen auf die Bühne der Geschichte und fordern jetzt ihre Freiheit!“
Maxi Broecking ist Verlegerin, Buchautorin und Gründerin der Plattform THE:ARTIST, einem digitalen Raum für Artikel und Interviews zur Zukunft der Kunst und Kunstwahrnehmung in Bezug auf Intersektionalität, Diversität und Dekolonisierung. Als freie Journalistin ist sie für DIE ZEIT, den Berliner Tagesspiegel, die taz, JazzThing oder die ARD tätig. Ihre Jazzkolumne in der ZEIT war für den Grimme Online Award nominiert.