Schlagwort-Archive: Jazzkalender

Natto

Natto vereinigt drei Musiker, die untereinander auf eine lange Zusammenarbeit zurückblicken können, jedoch bis 2018 in dieser besonderen Konstellation noch nie gemeinsam auf einer Bühne standen. Bassist Constantin Herzog und Schlagzeuger Daniel Prätzlich kennen sich bereits aus der Zeit ihres Studiums in Würzburg. Seitdem musizieren sie zusammen in Bands wie Art Zentral oder dem Polychrome Orchestra. Gitarrist Johannes Schmitz wirkte mit Herzog in unterschiedlichen musikalischen Kontexten der Kölner Szene. Prätzlich und Schmitz wiederum können es als Saarbrücker nicht vermeiden, sich das ein oder andere Mal über den Weg zu laufen. Auf dem ini-Art-Festival 2018 überzeugte Natto mit einer kraftvollen Premiere.

Der Sound des Trios speist sich aus unterschiedlichen Einflüssen wie Jazz, experimenteller Rockmusik, Funk, Noise, Avant-Punk oder der klassischen Musik des 20./21. Jahrhunderts. Die, mal brachial mal lyrisch, mal komplex mal simpel gestalteten Kompositionen lassen dabei den drei Musikern in Jazzmanier viel Freiraum zu Improvisation und spontaner Umgestaltung.

Johannes Schmitz | Gitarre, Komposition
Constantin Herzog | Bass
Daniel Prätzlich | Schlagzeug

Darmstädter Bigband & Aschaffenburger Jazzbigband feat. Rick Margitza

Zwei Bigbands in Concert | Leitung: Peter Linhart

Nach 20 Monaten Corona-Pause die ersten Konzerte: Die Darmstädter Bigband trifft auf die ebenfalls von Peter Linhart (Saxophon) geleitete Aschaffenburger Jazzbigband. Auch dieses Mal ist mit dem US-Saxophonisten Rick Margitza ein prominenter Gastsolist dabei. Größere Bekanntheit erlangte Margitza bereits Ende der 1980er Jahre als Mitglied im Ensemble von Miles Davis. Daneben spielte er damals bereits in den Bands von Maria Schneider, Chick Corea, McCoy Tyner, Tony Williams oder Eddie Gomez. Seit seinem Umzug nach Paris Anfang der 2000er arbeitete er mit Darryl Jones, Robben Ford, Wallace Rooney oder Omar Hakim. Margitza hat bisher 13 Alben unter seinem Namen veröffentlicht.

Die Aschaffenburger Jazzbigband (Foto unten) hat sich in ihrer über 30-jährigen Bandgeschichte nicht zuletzt durch die Zusammenarbeit mit internationalen Jazzgrößen wie Bob Mintzer, Maria Schneider, Peter Herbolzheimer, Rob McConnell, Wolfgang Dauner oder den „New York Voices“ auch überregional einen hervorragenden Ruf erworben. Außerdem hat die Band zwei CDs mit Charlie Mariano und Ernie Watts als Gaststars eingespielt. Abseits der üblichen Pfade hat die Formation ein Programm mit ambitionierten Arrangements von Beatles-Klassikern wie „Come Together“, „Blackbird“ oder „Norwegian Wood“ aus den „Bandbooks“ von Stan Kenton, Arturo Sandoval oder Buddy Rich zusammengestellt.

Die Darmstädter Bigband besteht seit über 30 Jahren und hat sich durch Konzerte und Workshops mit Jazzstars wie Eric Marienthal, Ernie Watts, Ack van Rooyen, George Gruntz, Peter Herbolzheimer, Tony Lakatos, Andy Haderer oder Bob Reynolds einen hervorragenden Ruf erspielt. Weitere Highlights in ihrer Bandgeschichte waren die Produktionen der beiden CDs „Red Beans and Rice“ feat. Bob Mintzer und „Kentomania“ mit Herb Geller als Gastsolisten, sowie diverse Aufführungen des „Sacred Concert“ von Duke Ellington, u.a. mit dem Kammerchor der Darmstädter Kantorei. Für ihre „kontinuierliche Arbeit auf höchstem Niveau und ihrem Beitrag zum überregionalen Ansehen der Stadt Darmstadt als Jazzstadt“ (so die Begründung der Jury) wurde der Bigband 2017 der „Darmstädter Musikpreis“ verliehen. Die Darmstädter Bigband präsentiert vorwiegend von Rick Margitza selbst für Bigband arrangierte Eigenkompositionen aus dessen neuesten Album.

Matthias Bauer / Floros Floridis

AERES

Diese Musik ist luftig und leicht wie ein Windhauch. Man könne sie nicht aufhalten. Sie spiele und dann sei sie weg, wie der Wind, sagt die Filmemacherin Jeanine Meerapfel über die Musik auf der ersten gemeinsamen CD AERES (jazzwerkstatt/JW178) des Berliner Kontrabassisten Matthias Bauer und des griechischen Filmkomponisten und Klarinettisten Floros Floridis. Allerdings könne der Wind heftig und stark oder weich und streichelnd sein. Er könne in den Ohren dröhnen, den Duft von nahen Blumen herüberwehen, den Sand der Wüsten bringen, gar schreien und alle Aufmerksamkeit und Zuwendung verlangen, setzt Meerapfel ihren Vergleich fort.

In ihrer Musik führen Matthias Bauer am Bass und Floros Floridis an den Holzblasinstrumenten einen fließenden Dialog, der eben mal scheinbar diskursiv und hart, ein anderes Mal weich und versöhnlich ist. Dieser musikalische Dialog erfüllt dabei alles, was man sich auch in den alltäglichen Dialogen der Gegenwart immer erhofft – dem anderen zuhören und die besten Gedanken des Gegenüber wertschätzend aufnehmen.

“Der Zuhörer kann dabei fluchen oder träumen, aber immer wird er sich mitten in einem Sturm von Musik befinden, ein Sturm, der aus der Authentizität dieser beiden Musiker kommt.”

Matthias Bauer | Kontrabass
Floros Floridis | Altsaxofon, Klarinette, Bassklarinette

1700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland: Itay Dvori

Comic-Konzert als synästhetisches Erlebnis

Der Komponist und Pianist Itay Dvori hat mit seinen Comic-Konzerten ein “neues Genre” (Deutschlandfunk Kultur) kreiert und tritt damit seit 2016 auf internationalen Festivals und Bühnen auf, sowohl solo als auch mit seinem yam yabasha ensemble. Nun kommt er zum ersten Mal nach Darmstadt, um Musik zu grafischer Literatur über prägende deutsch-jüdische Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts zu spielen, ein neues Programm, das er anlässlich „1700 Jahre jüdisches Leben“ in Deutschland zusammenstellte. Die zum Teil komponierten und zum Teil improvisierten Vertonungen verknüpfen sich mit den gleichzeitig projizierten Bildern und Texten der Comics für den Zuschauer und Zuhörer zu einem synästhetischen Erlebnis.

Weitere Infos unter www.itaydvori.com

Nils Wülker

Der Kreis schließt sich. Mit “Go”, Nils Wülkers energischer Exkursion in die elegante Elektronik, komplettiert sich eine über mindestens fünf Jahre erlebte Album-Trilogie. Für diese entführte uns der charismatische Trompeter und Songschreiber, der 2019 zum vierten Mal mit dem German Jazz Award in Gold dekoriert wurde, mit dem ersten Teil “Up” in den Pop und mit dem Nachfolger “On” zum HipHop. Das dritte und abschließende Werk “Go” erschien am 4. September 2020. Sein zehntes Studioalbum ist zwar mit all den analogen Synthesizern, dem Arpeggiator, den organischen Loops und Beats »maximal nicht live«, wie der »große Melodiker« (DIE ZEIT) sagt, besticht dafür im Kontrast mit einigen seiner bislang schönsten und emotionalsten Songs – und dem direktesten und dynamischsten Trompetenspiel jenseits seiner Live-Alben und Konzerte.
Nun möchte Nils Wülker die Bühnen-Feuertaufe endlich mit einer umfangreichen Deutschlandtournee begehen.

Landeck / Grau / Bonica

Nordhessische Jazz Guerilla

Detlef Landeck | Posaune
Sven Grau | Tenorsaxophon
Joe Bonica | Schlagzeug

Guerilla Jazz ist kreativ, schräg und spontan. Das technisch hervorragende Trio mit Posaunist Detlef Landeck, Tenorsaxophonist Sven Grau und Schlagzeuger Joe Bonica überrascht mit einer variantenreichen Performance aus anspruchsvoll arrangierten Kompositionen und kreativen Soli. Freie Elemente und Energie übertragen sich auf das Publikum, abgedrehte Riffs mischen sich mit pulsierenden Drum-Beats und aus dem Wechselspiel von Harmonie und Atonalität entwickeln sich melodische Klänge, die aber immer ein parodistisches Element in sich zu tragen scheinen. Die Musiker verbindet die Liebe zum Ungewöhnlichen. Sie brechen aus der traditionellen Jazzformation aus und kreieren einen eigenen Sound.

Vorsicht! Guerilla Jazz kann immer und überall passieren.

Julia Hülsmann Quartett

Geschärfter Bandsound

Man könnte fast sagen, mit diesem Quartett habe sich die Pianistin Julia Hülsmann neu erfunden – und doch ist “nur” der Berliner Saxofonist Uli Kempendorff zu ihrem langjährigen Trio hinzugestoßen. Mit durchschlagendem Erfolg, was nicht zuletzt die Auszeichnung mit dem Deutschen Jazzpreis 2021 für ihre neue ECM-Veröffentlichung “Not Far From Here” (Instrumental-Album des Jahres) belegt. Jedes Mitglied steuert dabei originale Kompositionen bei. Ihr Trio erweitert Hülsmann um Kempendorffs unverwechselbaren Saxofonton zu einem durchschlagenden Quartett. Gemeinsam entstand ein Album, welches Julia Hülsmanns vertrauten Bandsound auf ein neues Level hebt und durchgehend den Spannungsbogen hält. Kempendorffs Spiel gelingt es, so ein Kritiker, „das angestammte Trio nicht nur zu erweitern, sondern es genau dadurch in seinem Kern nochmals zu schärfen.“
Julia Hülsmann | Piano
Uli Kempendorff | Saxopfone
Marc Muellbauer | Bass
Heinrich Köbberling | Schlagzeug

Schikane

Trompete, Gitarre, Drums – Oben, Mitte, Unten?

Vielleicht … Möglicherweise aber auch anders herum … Jedenfalls drei Klangkollaborateure im gegenseitigen Austausch der Ideen und Verhandeln des Materials aus der Neuköllner Vielfalt.

Nikolaus Neuser: Neben eigenen Projekten wie dem kollaborativen Trio I Am Three, ist er aktuell aktiv in Gruppen mit u.a. Silke Eberhard, Kevin Shea, Andreas Willers, Maggie Nicols, Hannes Zerbe, Gebhard Ullmann, er spielte u.a. mit Ernst-Ludwig Petrowsky, Joe Morris, Nate Wooley, Tyshawn Sorey und tourte u.a. im Auftrag des Goethe-Instituts . Er ist auf gut 70 CDs und Schallplatten sowie zahlreichen Rundfunkproduktionen zu hören und erhielt Förderungen des Berliner Senats, des Musikfonds und war artist in residence im Zico House Beirut, Libanon – und zuletzt artist in residence der Stadt München, Villa Waldberta, Starnberger See, (2021).

Jörg Schippa spielte mit Kenny Wheeler, Ernst Reisjeger, Uwe Kropinski, Carlos Bica, Hannes Zerbe. 1988 erhielt er den Neuköllner Kulturpreis. Kompositionsauftrag der Klangwerkstatt Berlin “Rattle the Cage”, ein weiterer zur Realisation einer zeitgenössische Variante der Kaffeekantate von J.S.Bach. Zuletzt veröffentlichte Schippa eine CD mit dem Gitarrentrio “Kiosk”.

Denis Stilke ist ein Grenzgänger zwischen Jazz, Neuer Musik und Weltmusik. Sein vielseitiges und kreatives Spiel hat auf rund 30 Alben Eingang gefunden, u.a. mit dem eigenen Quartett (CD „in pieces“), Joachim Gies („Sound/ Body/Cells“), Bayon („Tanz der Apsara“), Hub Hildenbrand Trio ( „News from afar“), Paul Schwingenschlögel („Plejaden Suite“) Trio Rosenrot (“Lenz“), Six of a perfect Pair(„a question of balance“). Er konzertierte u.a. Transvokale Frankfurt, Flok Baltica, Festival Berlin-Istambul, Bardentreffen Nürnberg, Rudolstatt, Jazzmeile Thüringen, Jazzfest Potsdam, Jazz am Kaisersteg u.a.. 2021 erhielt er ein Stipendium für die Realisierung des Projekts „Klang/Kammer/Spiele“ von der Deutschen Orchester-Stiftung.

Debus & Höhn

Live!Jazz: FrauContraBass

Kathrina Debus | Stimme
Hans Höhn | Kontrabass

Auch In Ihrem neuen Programm lenken Katharina Debus und Hanns Höhn den Blick auf´s Wesentliche: Gesang und Bass. Dieses kongeniale Duo ist dabei ausdrucksstark wie ein komplettes Orchester. Sie präsentieren die komplette Bandbreite moderner Musik: von zerbrechlich bis funky, von Randy Crawford bis zu Hildegard Knef, von Michael Jackson bis zu Esperanza Spaltung. Katharina Debus’ Repertoire reicht heute von Jazz über Pop, Funk und Soul bis hin zur Klassik. Ob bei “FrauContraBass” oder als einzige Frau des Vokalensembles SLIXS, immer erweitert sie die Grenzen des stimmlich Darstellbaren. Dabei ist sie nie verkopft, sondern besticht vor allem durch das, was man gemeinhin als “heart and soul” bezeichnet. Seit 2009 ist Katharina Debus auch als Stimmbildnerin tätig. Ihre langjährige Bühnenerfahrung kam ihr u.a. bei ihrer Tätigkeit als Stimmbildnerin des Deutschen Theaters Berlin oder “The Voice of Germany” zugute. Denn sie weiß nicht nur, wovon sie spricht, wenn es um die richtige Gesangstechnik geht, sondern auch in Fragen der Bühnenpräsenz, wenn der Atem zu stocken droht, aber dennoch fließen muss.