Tag Archives: Dozentinnen

Dozentinnen und Dozenten 2026

Reza Askari …

… ist von Geburt an breit aufgestellt. Er wurde 1986 in Fulda als Sohn eines iranischen Vaters und einer deutschen Mutter geboren. Im Alter von fünf Jahren begann er zunächst mit dem Klavierspiel. Mit elf Jahren entdeckte er die elektrische Bassgitarre für sich und startete seine musikalische Bühnenlaufbahn früh in heimischen Punk- und Jazzbands.

Nach dem Abitur studierte er zunächst mit dem festen Ziel Popmusiker zu werden Jazz und Popularmusik mit Hauptfach E-Bass an der Hochschule für Musik und Tanz in Köln bei Marius Goldhammer, später dann aber auch am Kontrabass bei Dieter Manderscheid und Sebastian Gramss. Sein Studium in Köln schloss er mit Auszeichnung ab. Daneben gehörte er von  2007 bis 2010 dem Landesjugendjazzorchester Hessen an, schließlich auch dem Bundesjazzorchester und der European Masterclass Big Band unter Leitung von John Ruocco. Sein Studium führte er im Fach „Master of Improvising Arts“ an der Folkwang Universität der Künste in Essen bei Robert Landfermann fort und beendete dieses ebenfalls mit „Summa cum laude“.  Seit Oktober 2023 ist Reza Askari-Motlagh selbst Professor für Jazz-Bass an der Hochschule für Musik Würzburg.

Künstlerisch arbeitete Askari mit Musik*innen wie Marc Ducret, Lee Konitz, Marc Ribot, Benny Golson, Hayden Chisholm, Jeff Hamilton, Barre Phillips, Mark Dresser, Peter Herbolzheimer, Philipe Catherine, Ramesh Shotham, Frank Gratkowski, Gerd Dudek, John Hollenbeck, Jiggs Whigham, Gary Versace, aber auch Max Herre, Clueso, Sophie Hunger, Max Mutzke, Götz Alsmann, Wolf Biermann und Carolin Kebekus zusammen und bereiste bei Club- und Festivaltourneen die ganze Welt mit unterschiedlichen Formationen.

Mit seinem eigenen Ensemble „ROAR“, bestehend aus Stefan Karl Schmid, Fabian Arends legte er als Bandleader 2017 und 2020 zwei Alben im Trio, sowie 2022 und 2024 im Quartett mit dem Vibraphonisten Christopher Dell vor.

Über seine Vorstellungen zum Workshop sagt er:

„Das Thema meines Ensembles widmet sich der Verbindung von freier Improvisation und klar definierten musikalischen Strukturen im Ensemble. Ausgangspunkt sind einfache formale Modelle,  etwa rhythmische Zyklen, wiederkehrende Klanggesten oder zeitliche Felder, Kompositionsskizzen oder Jazz-Standards, die den Musiker*innen einen gemeinsamen Rahmen bieten, innerhalb dessen sich individuelle Improvisationen entfalten können.

Durch gezielte Übungen wird untersucht, wie kollektive Aufmerksamkeit, spontanes Reagieren und formale Orientierung zusammenwirken. Die Teilnehmenden erproben Strategien des Hörens, der Interaktion und der gemeinsamen Entscheidungsfindung, um improvisierte Musik als kollektiven Prozess zu gestalten.

Die Gruppenarbeit richtet sich an Instrumentalist und improvisierende Musiker, die ihr Verständnis von Ensemble-Improvisation vertiefen und neue Wege zwischen Freiheit und Struktur in der musikalischen Praxis erkunden möchten.“


Kasper Tom Christiansen …

…  geboren im dänischen Svendborg gehört zu einer neuen Generation Schlagzeuger, die sich eklektisch bei allen möglichen musikalischen Genres bedient und daraus ihr eigenes Ding schafft. Nach seinem Studium an der Carl Nielssen Academy of Music in Odense zog es ihn sofort nach Berlin, von wo auch heute noch viele der Bands kommen mit denen Kaspar Tom regelmäßig on the road ist: FUSK, Mahall/Rupp/Tom, Die Enttäuschung, Monk’s Casino, Meinild/Anderskov/Tom, Tom/Nissen/TB oder Cesar Joaniquet Quartet.

Sowohl als Schlagzeuger als auch als Komponist hat Kasper Tom eine klar erkennbare musikalische Identität und einen sehr persönlichen Sound entwickelt, die ihn gewiss zu einem der interessantesten jüngeren Schlagzeuger der europäischen Szene machen. Er hat mehr als 25 Alben unter eigenem Namen veröffentlicht und ist Teil des angesagten Kopenhagener Labelkollektivs Barefoot Records.

Inzwischen lebt Kasper Tom auch wieder in Dänemark, immer mit einem zweiten Standbein in Berlin, von wo aus er mit Musikern wie Tobias Delius, Alexander von Schlippenbach, Axel Dörner, Kasper Tranberg, Marek Kadziela, Richard Andersson und Tomasz Licak zusammenarbeitet.

Über seine Ideen für die Kurswoche schreibt er:

„In meiner Combo werden wir mit Kompositionen von mir und eventuell anderen dänischen Komponist*innen arbeiten. Meinen Fokus möchte ich dabei vor allem auf Form, Improvisation und mixed meters legen, um auf diese Weise gemeinsam als Gruppe herauszufinden und zu zeigen, wie man damit „schöne“ Musik erschaffen kann.“


Ilona Haberkamp … 

… ist nicht nur eine großartige Alt- und Sopransaxofonistin. Der Liebe der Musikwissenschaftlerin und Autorin Ilona Haberkamp zum Cool Jazz verdanken wir in Deutschland und in Europa zu großen Teilen die Wiederentdeckung einer deutschen Jazz-Ikone der Nachkriegszeit: Jutta Hipp. Haberkamps Biographie „Plötzlich Hip(p)“ (Wolke-Verlag, Neuauflage 2023), brachte die Pianistin, die im vergangenen Jahr 100 Jahre alt geworden wäre, erst zurück ins Bewusstsein der deutschen Jazzöffentlichkeit. Mit einer musikalischen Hommage an Jutta Hipp tritt Haberkamp derzeit in unterschiedlichen Besetzungen auf.

Die musikalische Leidenschaft der studierten Musikwissenschaftlerin und Instrumentalpädagogin gehörte zunächst Altsaxofon-Legende Paul Desmond, so dass sie im Anschluss an das Instrumentalpädagogik-Studium bei Glen Buschmann in Dortmund zusätzlich noch an der Musikhochschule Köln ein künstlerisches Studium bei Hugo Read absolvierte.

Mitte der 1980er Jahre war sie Mitbegründerin der ersten deutschen Frauen Big Band, des Jazzorchesters Reichlich Weiblich. Auch danach blieben ihre musikalischen Tätigkeiten als Saxofonistin vielseitig. Haberkamp spielte in Symphonieorchestern und in Theaterhäusern gleichermaßen, ebenso bei Musicals oder in verschiedenen Jazz- und klassischen Kammerensembles.

Aktuell leitet sie ihr eigenes Quartett, ist Altsaxophonistin im Dortmunder Saxophonquartett „Multicolore“ und Sopransaxophonistin im „Lilith“ Saxophonquartett. Mit dem Quartett entstanden aus ihrer langjährigen Zusammenarbeit mit der Flügelhornlegende Ack van Rooyen drei Alben bei Laika Records sowie die Encore Box 17 bei Edition Longplay. Ilona Haberkamp unterrichtet an der Dortmunder Musikschule, leitet dort die Stone Street Big Band und ist Leiterin des Junior Jazz Camp an der Landesmusikakademie NRW in Heek.

Über ihre Ideen für den diesjährigen Kurs sagt sie folgendes:

„Wie klingt ein Jazzstandard, wenn wir ihn völlig anders denken? Die Idee, dies zu tun ist nicht neu. In diesem Workshop lade ich dazu ein, Jazz als offenen Raum für Kreativität zu erleben. Ausgangspunkt werden bekannte Jazzstandards, meine eigenen Kompositionen und musikalische Ideen der Teilnehmer*innen sein.

Zusätzlich beschäftigen wir uns mit Vertonungen von mindestens zwei Gedichten über bekannte Jazzmusiker*innen, werden bildhafte Szenerien in freie Klangmalereien umsetzen, integrieren Kollektivimprovisationen und solistische Improvisationen – alles ist möglich. Ziel ist es, gemeinsam eine eigene Klangwelt zu entwickeln und die Freude am Experimentieren zu entdecken, aber natürlich musiktheoretische Erkenntnisse in dieser Woche in eigene Improvisationen einfließen zu lassen.“


Nikolaus Neuser …

…  ist noch so einer unserer Dozenten, der nicht nur durch seine herausragenden instrumentalen Fähigkeiten begeistert, sondern durch langjähriges, in seinem Fall, kulturpolitisches Engagement. Als Vorsitzender der Deutschen Jazzunion zwischen 2017 und 2022 führte er den Verband erfolgreich durch die, für die freischaffende Szene so schmerzliche Corona-Zeit.

Viel lieber noch ist Nikolaus Neuser aber selbst Musiker, der sich sich mit seiner Trompete und großer Intensität zwischen allen Spielarten des Jazz, freier Improvisation sowie der so genannten creative music (Anthony Braxton) hin und her bewegt. Der in Heidelberg aufgewachsene Neuser studierte Jazz an der Essener Folkwang-Hochschule bei Trompeter Uli Beckerhoff und lebt seit vielen Jahren in Berlin.

In seinen verschiedenen Projekten erschließt er sich ständig neue musikalische Horizonte. Aktuelle Formationen sind sein 5tet, das Trio I Am Three oder das Duo noiserkroiser (mit Timo Kreuser). Als leidenschaftlicher Verfechter des kollektiven Arbeitens in großen Formationen spielte er mit Musiker*innen wie Silke Eberhards Potsa Lotsa XL, Baby Sommers Brother & Sisterhood, Kevin Shea, Maggie Nicols, Henry Threadgill, Matana Roberts, Matthew Herbert, Ernst-Ludwig Petrowsky und dem Hannes Zerbe Jazz Orchester.

Nikolaus Neuser wirkte auf über 80 CDs und Schallplattenaufnahmen mit. Für seine Arbeit wurde er vielfach ausgezeichnet, einschließlich des Deutschen Jazz Preises (mit Potsa Lotsa XL) und dem Preis der deutschen Schallplattenkritik; er stand auf Bestenlisten des Downbeat-Magazins, der US-Plattform allaboutjazz.com, und der Zeitung New York City Jazz Record. Unter anderem vom Goethe-Institut wurde er für viele internationale Tourneen verpflichtet, die ihn nach Asien, die USA oder Kolumbien führten, wo er eine Zeit lang als Gastprofessor in Bogotá tätig war.

„… drive, expression, stunning experiments, research of strange tunes, expansion of technical abilities bring huge range of colors to his improvisations“, sagt All About Jazz über Nikolaus Neuser.

Er selbst nimmt sich für die Jazz Conceptions folgendes vor:

„In diesem Ensemble geht um die Frage der musikalischen Form in improvisierter und erimprovisierter Musik. Wie kann man beispielsweise eine funktionsharmonisch klar definierte Form spontan und ohne vorherige Absprache sofort erimprovisieren? Was bedeutet Form überhaupt und welche Herangehensweisen gibt es im weiten Feld Improvisierter Musik hierzu? Das Ensemble wird unterschiedliche Konzepte unter die Lupe nehmen und damit experimentieren.“


Uli Partheil

… ist seit 2021 künstlerischer Leiter der Darmstädter Jazz Conceptions und damit Nachfolger seines langjährigen musikalischen Mentors und Freundes Jürgen Wuchner. Partheil ist einer der aktivsten Protagonisten der Darmstädter Szene, beeinflusst von der Musik Duke Ellingtons, Thelonious Monks, kubanischen Rhythmen und dem Blues. Er ist nicht nur ein versierter Pianist in sämtlichen Stilistiken des Jazz, sondern auch als Komponist tätig. In seinen Werken geht er äußerst kreativ mit den verschiedenen Einflüssen um, die ihn als Musiker prägen.

Uli Partheil studierte an der Mannheimer Musikhochschule unter anderem bei Professor Jörg Reiter Jazzpiano, außerdem Komposition und Arrangement. Seit Beginn der 1990er Jahre arbeitete er mit Jürgen Wuchner, Matthias Schubert, Janusz Stefanski, Ack van Rooyen, Rudi Mahall, Emil Mangelsdorff, Hanns Höhn, Peter Back, dem Wiener Kronenbräu Orchester und vielen anderen zusammen. Als Begleiter ist er auch immer wieder am Staatstheater Darmstadt zu hören. Bis zum Beginn der Pandemie leitete er das von ihm selbst ins Leben gerufene Darmstädter Jugendweltmusikorchester.

Mit seinem Working Trio „Playtime“ war er mit verschiedenen Literatur- & Jazz-Projekten erfolgreich. Zuletzt veröffentlichte er gemeinsam mit Ulli Jünemann, Ralf Cetto und Angela Frontera den Longplayer „Reflections2020“. Partheil unterrichtet an der Jazz & Pop School und der Akademie für Tonkunst in Darmstadt. Für seine musikalischen Verdienste und sein Wirken für die Förderung des jazzmusikalischen Nachwuchses erhielt er 2008 den Darmstädter Musikpreis.

Über seine Vorstellungen zum diesjährigen Workshop schreibt er folgendes:

Ich möchte wieder versuchen mindestens ein Stück auswendig und ganzheitlich zu erarbeiten, d.h. die Musiker*innen sollen nicht nur ihren Part, sondern das ganze Werk lernen und verstehen. Dazu werde ich eigene Kompositionen und andere ausgewählte Stücke mitbringen.“


Asja Valcic …

… erfuhr in ihrer Geburtsstadt Zagreb ihre cellistische Grundausbildung. Von dort trug sie ihr herausragendes Talent  zunächst in eine klassische Ausbildung nach Moskau und schließlich nach Detmold. Erst 2005, nach einigen Jahren im Wiener Kammerorchester und dem Melos Quartett oder Solo-Arbeiten mit Zubin Metha und Kazushi Ono nahm ihre Karriere durch die Zusammenarbeit mit dem radio.string.quartet.vienna eine eindeutig jazzmusikalische Wendung.

Inzwischen blickt sie auch auf eine illustre Reihe wohlklingender Jazzmusikerkolleg*innen zurück, die gerne auf Valcics unnachahmliche Fähigkeit zurückgegriffen haben, Präzision und Finesse mit ihrer klassischen Technik, unerreichter Dynamik und enormer Improvisationslust zu paaren. Kooperationen mit Joachim und Rolf Kühn, Wolfgang Puschnig, Iro Rantala, Adam Baldych, Jan Lundgren unterstreichen, wie auch das jüngste eigene Projekt der vielfach preisgekrönten Valcic mit Raphael Preuschl an der Bass-Ukulele, ihre hervorgehobene Stellung in der improvisierenden Musik. Parallel dazu schuf sie seit 2009 im Duo mit dem Akkordeonisten Klaus Paier auf bisher fünf Alben einen universale Kammermusik, zu der „uns alle Vergleiche fehlen“, wie die FAZ schrieb. Ihr aktuelles Solo-Werk „Inner Voice“ (Quinton records) wurde 2025 mit dem österreichischen Jazzpreis ausgezeichnet und war 2025 auch hierzulande für den Preis der deutschen Schallplattenkritik nominiert. 

Über ihre Ideen für den diesjährigen Kurs sagt sie folgendes:

„Als Cellistin mit klassischer Ausbildung habe ich die Improvisation als große Bereicherung entdeckt – sowohl frei als auch über einfache harmonische Strukturen – die mich schließlich auch zur Komposition geführt hat. In meinem Ensemble möchte ich gemeinsam mit den Teilnehmenden – ob Einsteiger oder Erfahrene – eine gemeinsame musikalische Sprache entwickeln. Als Ausgangsmaterial bringe ich eigene einfache Kompositionen mit, bin aber offen für Ideen aus der Gruppe: ob fertige Stücke, eine melodische Idee oder einfach ein rhythmischer Groove – alles kann der Ausgangspunkt sein. So entsteht im Laufe der Woche gemeinsam neue Musik, die in einem Konzertprogramm mündet und die musikalischen Stimmen aller Beteiligten widerspiegelt.“

Dozenten und Dozentinnen 2022

Rabie Azar …

… war in Syrien acht Jahre lang Mitglied des Syrischen Nationalorchesters und des National Syrian Orchestra of Arabic Music sowie des Mediterranean Orchestra gewesen, bevor er dem syrischen Bürgerkrieg nach Deutschland entfloh. Von 2015 bis 2018 war der Bratschist Mitglied im Florida Lake Symphony Orchestra. Internationale Tourneen mit all diesen Orchestern führten ihn durch Europa und in die halbe arabische Welt.

Foto: Imago/Bridges-Musikprojekt©

In seiner Heimat Syrien lehrte er parallel zu seinen Konzertengagements zunächst auch Violine und Viola an der Al Baath Universität in Homs sowie dem Sulhi al Wadi-Institut für Musik in Damaskus. Sein Studium hatte er 2005 am nationalen Musikkonservatorium von Damaskus abgeschlossen, wo er in klassisch-westlicher und in traditionell-orientalischer ebenso wie in zeitgenössischer populärer Musik ausgebildet wurde.

In Deutschland ist Rabie Azar u.a. Mitglied des Frankfurter „Bridges – Musik verbindet“-Kammerorchesters und lebt seit ein paar Jahren in Darmstadt. Neben zahlreichen Bühnenerfahrungen in sehr unterschiedlichen Kontexten während der letzten Jahre unterrichtet Azar auch im musikalischen Weiterbildungsprojekt Waggong e.V. in Frankfurt, wo er sein Wissen über die Fusion unterschiedlichster Musiktraditionen und deren vielfältigen Elementen der Improvisation an seine Schüler:innen weitergibt.

Heidi Bayer

… hat in den letzten Jahren eine bemerkenswerte Karriere hingelegt, die sie in eine Reihe mit anderen jungen (sie ist Jahrgang 1987) europäischen Spitzen-Trompeterinnen wie Andrea Motis, Laura Jurd oder Airelle Besson stellt. Seit 2020 ist sie Resident des NICA-Artist Development Program im Kölner „Stadtgarten“. Heidi Bayer ist eine von drei Nominierten für den diesjährigen „Deutschen Jazzpreis“ in der Kategorie „Blechblasinstrumente“.

Foto: Franka Hills©

Bayer, die aus dem oberfränkischen Kulmbach stammt und ursprünglich mit der Klarinette begann, kam über die Schul-Bigband zur Trompete und zum Jazz, und wurde anschließend kulturell-musikalisch im Großraum Frankfurt sozialisiert. Einem Studium im Fach Kulturmanagement in Marburg schloss sich ein Bachelor in Jazz- und Popularmusik an der Hochschule für Musik in Mainz an, bevor es sie nach einem Auslandssemester in Miami endgültig in die Jazzmetropole Köln weiterzog und einen Masterstudiengang Jazz / Improvising Artist bei Ryan Carniaux und Thomas Rückert an der Folkwangschule in Essen folgen ließ.

In ihrer neuen Wahlheimat, in der Domstadt, mischte Bayer sich in die vielfältige Szene ein, zeigte Präsenz auf unzähligen Sessions und war schnell gefragt bei diversen großen und kleinen Bands, die das Spannungsverhältnis zwischen Freiheit und Struktur immer wieder anders ausbuchstabieren; in Bigbands wie dem Subway Jazz Orchestra, der Hendrika Entzian Bigband oder dem Fuchsthone Orchestra ebenso wie beispielsweise in den Bands von Janning Trumann, Shannon Barnett, Stefan Karl Schmid oder Sven Decker. In Darmstadt war sie zuletzt 2021 mit Luise Volkmanns LEONEsauvage zu hören.

Zunehmend fokussiert sich Bayer auf ihre eigenen Projekte, ihr Duo mit dem Pianisten Sebastian Scobel oder ihr Quartett Virtual Leak, dessen Debüt-CD im Frühjahr 2020 erschienen ist. Nicht nur als Instrumentalistin, sondern zunehmend auch als Bandleaderin, Arrangeurin und Komponistin erarbeitet sie sich den Zugriff auf die ganz große Palette der Klänge.

Christopher Dell …

… ist seit den späten 1990er Jahren Stammgast in der illustren Riege der Lehrkräfte bei den Darmstädter Jazz Conceptions.  Seitdem hat der gebürtige Darmstädter eine fantastische musikalische Karriere hingelegt, die ihm neben dem Musikpreis seiner Heimatstadt, den der Vibraphonist bereits 2005 erhielt, im vergangenen Jahr den „Deutschen Jazzpreis“ und in diesem Jahr auch noch den „Hessischen Jazzpreis 2022“ einbrachte.

Foto: Johanna Lippmann©

Aber nicht nur als improvisierender Musiker zählt Dell zu den herausragenden Protagonisten der Gegenwart, sondern auch als Stadtbautheoretiker, Philosoph und Architekturkritiker sind Dells Diskursbeiträge europaweit gefragt. Plan, Struktur, Komplexität, Information sind zentrale Begriffe im künstlerischen wie akademischen Kosmos Christopher Dells. Insbesondere mit seinen egalitären Trios D.R.A. (Dell/Ramond/Astor) und Dell/Lillinger/Westergaard verfolgt er diese musikalische Philosophie seit bald zwei Jahrzehnten konsequent. „Dell mag es schwierig, mag die Schwelle, den Widerstand. (…) Musikalische Forschung ohne Gefallsucht, das ist sein Metier“, schrieb Ulrich Stock in der ZEIT dazu.

Über seine Ideen für den diesjährigen Kurs sagt er folgendes:

„Ich werde mit den TeilnehmerInnen Materialien aus meinem Werkzyklus „Das Arbeitende Konzert/ The Working Concert“ erarbeiten.“

Angela Frontera

… fand 1993 den weiten Weg von Belo Horizonte ins beschauliche Rheinhessen. Die Tochter einer Musikerfamilie, die als Perkussionistin bereits in Brasilien mit vielen großen Namen aufgetreten war, fasste in Deutschland und Europa schnell in der vitalen Latin-Szene Fuß. Neben „ernsthaften“ musikalischen Projekten mit Airto Moreira, Paulo Cardoso, Edo Zanki oder dem auch kommerziell sehr erfolgreichen LatinJazz-Projekt Café del Mundo, sah man die Perkussionistin in vielen Fernsehshows an der Seite von Nina Hagen, Grace Jones, Lou Bega oder gelegentlich auch in der „Harald-Schmidt-Show“.

Foto: Seele Zeigen©

Ihre wohl bekannteste und dauerhafteste Zusammenarbeit mit dem Duo „Rosanna & Zélia“ brachte ihr viel internationale Aufmerksamkeit in der so genannten World Music-Szene der 90er und 00er-Jahre. Aber auch in der Jazzband Witchcraft um die Bassistin Lindy Huppertsberg oder der Frankfurter Frauen-Popband Kick La Luna fühlt sich Frontera in den letzten Jahren wohl. Vor allem ihre Vielseitigkeit als Perkussionistin, seltener am klassischen Schlagzeug-Set – wobei sie auch das beherrscht, wie sie nicht zuletzt auf Uli Partheils letzter Produktion „Reflections2020“ unter Beweis stellt – machen Angela Frontera zu einer äußerst gefragten und damit überaus Band-erfahrenen Musikerin.

Uli Partheil

… ist seit 2021 künstlerischer Leiter der Darmstädter Jazz Conceptions und damit Nachfolger seines langjährigen musikalischen Mentors und Freundes Jürgen Wuchner. Partheil ist einer der aktivsten Protagonisten der Darmstädter Szene, beeinflusst von der Musik Duke Ellingtons, Thelonious Monks, kubanischen Rhythmen und dem Blues. Er ist nicht nur ein versierter Pianist in sämtlichen Stilistiken des Jazz, sondern auch als Komponist tätig. In seinen Kompositionen geht er äußerst kreativ mit den verschiedenen Einflüssen um, die ihn als Musiker prägen.

Foto: Oskar Partheil©

Uli Partheil studierte an der Mannheimer Musikhochschule unter anderem bei Professor Jörg Reiter Jazzpiano, außerdem Komposition und Arrangement. Seit Beginn der 1990er Jahre arbeitete er mit Jürgen Wuchner, Matthias Schubert, Janusz Stefanski, Ack van Rooyen, Rudi Mahall, Emil Mangelsdorff, Hanns Höhn, Peter Back, dem Wiener Kronenbräu Orchester und vielen anderen zusammen. Als Begleiter ist er auch immer wieder am Staatstheater Darmstadt zu hören. Bis zum Beginn der Pandemie leitete er das von ihm selbst ins Leben gerufene Darmstädter Jugendweltmusikorchester.

Mit seinem Working Trio „Playtime“ ist er in den letzten Jahren mit verschiedenen Literatur- & Jazz-Projekten erfolgreich. Zuletzt veröffentlichte er gemeinsam mit Ulli Jünemann, Ralf Cetto und Angela Frontera den Longplayer „Reflections2020“. Partheil unterrichtet an der Jazz & Pop School Darmstadt. Für seine musikalischen Verdienste und sein Wirken für die Förderung des jazzmusikalischen Nachwuchses erhielt er 2008 den Darmstädter Musikpreis.

Über seine Vorstellungen zum diesjährigen Workshop schreibt er folgendes:

Ich möchte wieder versuchen mindestens ein Stück auswendig und ganzheitlich zu erarbeiten, d.h. die Musiker:innen sollen nicht nur ihren Part, sondern das ganze Werk lernen und verstehen. Dazu werde ich eigene Kompositionen und andere ausgewählte Stücke mitbringen.“

Christian Ramond …

… hat sie alle begleitet: Joe Pass, Lee Konitz, Dave Liebman, Kenny Wheeler, Charlie Mariano, Thomas Stanko, Albert Mangelsdorf, Doug Rainey, Randy Brecker, Don Friedman, Philippe Catherine, Keith Copeland … eine nicht enden wollende Reihe großartiger Jazzmusiker. Und wahrscheinlich wäre die Reihe der Länder, in denen Ramond noch nicht aufgetreten ist weitaus kürzer als die Liste seiner internationalen Gastspiele. Hinzu kommen annähernd 100 Einspielungen auf CD oder Schallplatte.

Foto: Christian Ramond©

Dieses enorme Lebenswerk liegt darin begründet, dass der in Bonn geborene Kontrabassist in allen Stilistiken des Jazz – von Swing bis zum freien Zusammenspiel – zuhause ist. Ramonds Spiel ist dabei nicht nur äußerst solide, sondern auch höchst wandlungsfähig – ohne seine eigene, charaktervolle Klangsprache zu verlieren, die mit Sicherheit auch in seinem Ensemble während der 31. Darmstädter Jazz Conceptions zum Tragen kommen wird.

Über seine Vorstellungen zum diesjährigen Workshop schreibt er folgendes:

„In meinem Ensemble möchte ich Kompositionen von drei Wegbereitern des modernen Jazz – Duke Ellington, Charles Mingus und Ornette Coleman – erarbeiten. Die lineare, harmonische und rhythmische Sprache des Jazz soll wie bei Mingus ergänzt werden durch freie Improvisation ,Kommunikation und kollektives Zusammenspiel. Material und Form der Improvisation soll gemeinsam entdeckt und erarbeitet werden und es besteht Offenheit für Ideen, gegebenenfalls eigene Stücke der Ensemblemitglieder.“