Das Projekt versucht, das verlorene kulturelle Gedächtnis Südafrikas von europäischer Seite zu beleben. Über Jahrzehnte haben südafrikanische Exilmusiker in Europa und Deutschland – neben Johnny Dyani, Louis Moholo und Chris McGregor – ihre tiefen Spuren im europäischen improvisierten Jazz hinterlassen – dies immer in Verbindung mit dem Kampf gegen das Apartheidregime.
Im Ensemble vereinigen sich Musiker aus Europa, Kanada und Südafrika wie Claude Deppa trp | Allen Jacobson tb | Tobias Delius sax | Christopher Dell vib | Daniel Guggenheim sax | John Edwards bass | Bülent Ates dr
Die Musik des vor 40 Jahren verstorbenen Komponisten, Bandleaders, Bassisten Johnny Dyani ist grandiose Kunst, zugleich Zeugnis des leidenschaftlichen Kampfes gegen Apartheid, Biographie eines Lebens im Exil und lückenlose Dokumentation aus 25 Jahren Exilgeschichte. Nach dem frühen Tod Dyanis wurde die Arbeit, auch nach der Wende am Kap, in weit über 100 Konzerten und Workshops fortgesetzt. Mit seiner kraftvollen und farbenfrohen Musik porträtiert er seine Zeitgenossen, Politiker wie Steve Biko, Lady Lilian Ngoyi oder Nelson Mandela und Musiker wie Kippie Moeketsi, Dudu Pukwana oder Makaya Ntshoko. Dyani spiegelt zugleich die politischen Ereignisse seiner Epoche und konfrontiert uns mit seinen Erinnerungen an Südafrika. Seine Musik ist monumental, heiter, verspielt und ironisch.
Tango Transit sind Martin Wagner (Akkordeon), Hanns Höhn (Kontrabass) und Andreas Neubauer (Schlagzeug). Seit 2008 hat das Trio aus dem Frankfurter Raum mit über 700 Konzerten im In- und Ausland ein eigenes musikalisches Profil entwickelt und zählt zu den markantesten Formationen an der Schnittstelle von Tango, Jazz, Weltmusik und moderner Klangkunst. Fünf veröffentlichte CDs dokumentieren diese Entwicklung. Mit dem neuen Programm „Tango Transit – Best of“ präsentiert das Trio eine konzentrierte Auswahl der stärksten Stücke aus seinen Alben Preview, Blut, Akrobat und German Songbook – eine musikalische Essenz aus fast zwei Jahrzehnten gemeinsamer Arbeit. Eigenkompositionen treffen auf radikale Neuinterpretationen u. a. von Astor Piazzolla und Pink Floyd, auf verfremdete Volkslieder, auf urbane Grooves, osteuropäische Rhythmen, Cajun-Einflüsse und klangliche Experimente, die den Tango weit über seine Grenzen hinausführen.
„13 Kuukautta“ bedeutet auf Finnisch „13 Monate“. Es ist eine musikalische Landschaft, die den alltäglichen Strukturen entflieht und darauf abzielt, ein eigenes Zeit-Raum-Kontinuum zu schaffen. Die beiden trafen sich zum ersten 2022 eher zufällig in Berlin und begannen mit der Entwicklung von gemeinsamen Kompositionen. Die Musik, die sie für diese Produktion entwickelt haben, ist kollektiv, einzigartig und entzieht sich musikalischen Kategorien. Das Album wurde 2023 in Berlin aufgenommen und erschien im Frühjahr 2025.
Der Posaunist Konrad „Conny“ Bauer wurde 1943 in Halle geboren und gehörte seit den 1970ern zu den erfolgreichsten Jazzmusikern in der DDR. Bauer war 1973 Mitbegründer des legendären „Zentralquartetts“ und spielte gemeinsam mit seinem 2016 verstorbenen Bruder Johannes in der ebenso legendären Band „Doppelmoppel“ mit den beiden Gitarristen Uwe Kropinski und Joe Sachse. Im Duo mit dem 30 Jahre jüngeren Gitarristen Kalle Kalima kommt er nun im Duo in die Knabenschule. Kalima ist einer der interessantesten finnischen Vertreter der europäischen Jazz-Szene. In Helsinki geboren und in Berlin lebend, fusioniert er Attribute aus Rock und improvisierter Musik, wobei der Humor nie zu kurz kommt. Kalle Kalima hat unter anderen mit Jason Moran, Jim Black, Greg Cohen, Anthony Braxton, Marc Ducret, Jimi Tenor, Tony Allen und Tomasz Stanko musiziert. Er war über die Jahre schon mit einigen seiner Projekte in Darmstadt zu Gast.
Der Höhepunkt der Reihe „Jazz First – Tribute to Zbigniew Seifert“ bringt am 31. Oktober das Mateusz Smoczyński Quartet mit dem Saxophonisten Leszek Żądło als special guest in die Darmstädter Orangerie.
Mateusz Smoczyński zählt zu den profiliertesten Jazzgeigern Europas. Gemeinsam mit Dominik Wania (Piano), Sławomir Kurkiewicz (Kontrabass) und Michał Miśkiewicz (Schlagzeug) nähert er sich dem musikalischen Erbe Zbigniew Seiferts aus heutiger Perspektive: nicht als Rekonstruktion, sondern als lebendiger Dialog zwischen Komposition, Improvisation und zeitgenössischer musikalischer Sprache. Neben Werken mit Bezug zu Seifert präsentiert das Quartett auch eigene Kompositionen von Mateusz Smoczyński. Eine besondere Verbindung zu Seifert schafft der in München lebende Saxophonist Leszek Żądło, der ihn persönlich kannte und mit ihm musizierte.
Der Abend verbindet Generationen und musikalische Welten und erinnert an einen der bedeutendsten europäischen Jazzmusiker des 20. Jahrhunderts.
Einen Tag lang greifen wir gemeinsam nach den Sternen: Das Schader-Festival beginnt um 11 Uhr und geht in Kooperation mit der World Design Capital Frankfurt RheinMain 2026 die zweite Runde! Das Jazzinstitut Darmstadt trägt mit einer Listening-Session zum Festival bei.
Jazz ist vor allem Live-Musik. Doch viele prägende Künstler*innen sind heute nur noch auf Aufnahmen zu erleben. Sie gemeinsam anzuhören und über Musik, Entstehungskontext und ihre gesellschaftliche Bedeutung ins Gespräch zu kommen, schafft ein Gemeinschaftserlebnis, das weit über das bloße Abspielen einer Platte hinausgeht. Ausgehend von der Ausstellung „Voices of Change – Politische Ausdrucksformen im Jazz“, die kürzlich im Jazzinstitut Darmstadt gezeigt wurde, werden ausgewählte Beispiele aus der Jazzgeschichte gehört und diskutiert – über Musik als Ausdruck, Haltung und Resonanzraum ihrer Zeit.
60 Berliner Akteur:innen, darunter Kinder, Jugendliche, Erwachsene sowie Künstler:innen aus unterschiedlichen Disziplinen erkunden im experimentellen Kurzfilm DREAM BABY DREAM durch Musik, Bewegung und Poesie zentrale Fragen unserer Gegenwart: die Suche nach Heimat und Zugehörigkeit, das Spannungsfeld zwischen Traum und Utopie, und die Spuren von Traumata in Berlins migrantischen Gemeinschaften.
Das Projekt wurde im Herbst 2025 von einem zehnköpfigen Creative Team entwickelt und während der Jazzfest Community Week in Berlin gedreht. Der preisgekrönte Film (Länge ca. 21 Minuten) feierte im April 2026 seine Premiere in Washington D.C. und wurde seitdem bei Screenings auf Musik- und Filmfestivals im In- und Ausland gezeigt, nun im WDC-Pavillon in Darmstadt. Die künstlerische Leiterin des Jazzfests Berlin ist anwesend und stellt den Film und das Projekt im Gespräch mit der Direktorin des Jazzinstituts Darmstadt, Dr. Bettina Bohle, vor.
Der mit 10.000 Euro dotierte Hessische Jazzpreis 2026 geht an den langjährigen Musikchef und Jazzkritiker der F.A.Z. sowie Autoren vielzähliger Biographien und Herausgeber diverser Sammelbände zur Jazzgeschichte, Wolfgang Sandner. Aus der Begründung des Hessischen Ministers für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur, Timon Gremmels: „Wolfgang Sandner hat mit seinem feinen Gespür für Klang und seinem kritischen Blick den Diskurs insbesondere zum Jazz über viele Jahrzehnte geprägt. Es ist seinem Schreiben zu verdanken, dass die Gattung Jazz auch hierzulande als eine der wichtigen zeitgenössischen Musikgenres betrachtet wird. Sein Engagement sorgte dafür, dass die Traditionslinien des Jazz als wissenschaftlich relevant und die Arbeit der Musikerinnen und Musiker als innovationsfördernd wahrgenommen werden. Ich freue mich, Wolfgang Sandner als Ausnahmeerscheinung des Qualitätsjournalismus für seine besonderen Verdienste um den Jazz mit dem Hessischen Jazzpreis 2026 auszuzeichnen.“
Die Verleihung des Preises mit kurzer Lesung des Preisträgers und der Laudatio findet im Vorlauf zum Doppelkonzert von Müller + Mahall Moden and Fulsome X im Rahmen des Darmstädter Jazzherbstes 2026 in der Bessunger Knabenschule statt.
Eine Veranstaltung im Rahmen des Hessischen Jazzpodiums 2026. Die Veranstaltung wird gefördert vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur
Das Sigrid Borchert Quartett präsentiert vertonte Gedichte der Lyrikerin Mascha Kaléko. Die ausgewählten Gedichte erzählen vom Zusammenleben von Menschen und ihren Gefühle, beschreiben bissig Alltagsgeschichten und erzählen auf berührende Weise von Situationen aus Mascha Kalékos Leben. Aus dieser besonderen Mischung entwickelte sich ein sehr abwechslungsreiches Programm als Spiegelbild eines bewegten Lebens.
Der Eberstädter Bürgerverein und Pauls Kultur(t)raum laden zu einem lauen und launigen Sommerabend in die Geibelsche Schmiede ein. Auf dem Programm stehen Jazz-Standards, Balladen sowie bekannte Songs aus Pop und Soul.
Das BARTONE Collective mit Andreas Schlossarek (Gesang), Norbert Paul (Klavier), Nicky Madden (Saxophon), Wolfgang Ritter (Bass) und Christoph Gräbener (Drums) präsentiert zeitlose Jazz-Standards im Stil von Frank Sinatra, einfühlsame Balladen bis hin zu groovigen Songs von Sting oder Joe Cocker.
„Ewwerscht swings“ – der Titel ist Programm und verspricht einen beschwingten Sommerabend mit viel guter Laune. Das Konzert findet im Garten / Hof der Geibelschen Schmiede statt. Bei Regen wird die Veranstaltung in den Innenraum verlegt. Die Bewirtung übernimmt der Eberstädter Bürgerverein.
Entstanden aus der Zusammenarbeit zwischen dem italienischen Saxophonisten Leonardo Radicchi und den beiden deutschen Musikern Markus Wach und Moritz Weissinger, erkundet dieses pianolose Trio die Beziehung zwischen Melodie und Rhythmus.
Mit Wach und Weissinger hat sich Radicchi eine eingespielte Rhythmusgruppe an die Seite gestellt, die mit dem Ensemble „Mala Isbuschka“ seit über zehn Jahren im Bereich der orientalischen und osteuropäischen Musik aktiv ist.
Das Repertoire des Trios umfasst Eigenkompositionen, die fest in der zeitgenössischen europäischen Jazzszene verankert sind. Mit einem starken Fokus auf den rhythmischen Puls und einem fesselnden Klang greifen sie darüber hinaus auf orientalische Klänge und Instrumente außerhalb des Jazz zurück, um ein äußerst mitreißendes Musikerlebnis zu schaffen: Ein Zusammenfluss verschiedener Stilistiken, Musikkulturen und Spielweisen. Wie immer wird das sicher ein erlebnisreicher Abend mit Markus Wach, der schon mit verschiedensten Musiker*innen im Duo oder Trio bei Agora gespielt hat.