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Live!Jazz: Fiona Grund Trio

„Mir war es immer wichtig, nicht einfach nur die Sängerin zu sein, die das Thema singt und den Rest der Musik machen dann die Anderen.“ sagt Fiona Grond. Und so fungiert die Stimme der Schweizerin auf dem ACT Debüt „Poesias“ gleichberechtigt als eines von drei Instrumenten – in engster Verzahnung mit dem Tenorsaxofon von Moritz Stahl und der Gitarre von Phillip Schiepek. Gefunden hat sich das Trio in Fiona Gronds Wahlheimat München und es ist eine weitere Entdeckung der dortigen Szene, die seit ein paar Jahren kontinuierlich an Profil und Sichtbarkeit gewinnt.

Fiona Gronds Musik zieht ihre Faszination aus den leisen Tönen, den Räumen zwischen den Noten, aber auch aus den Kontrasten und Reibungen, dem Bruch von Erwartungen und Konventionen. Und so erschließt sich ihr Reiz erst wirklich, wenn man sich auf sie einlässt, genau hinhört und, am besten: hin-fühlt. Man sagt, die Menschen an der Küste schauten in die Ferne, die Menschen in Wald und Bergen eher nach innen. Insofern scheint Fiona Gronds Schweizer Heimat prägend für die Erzählperspektive: „Poesias“, rätoromanisch für „Gedichte“, ist eine innere Suche nach Gedanken und Gefühlen, mal mit und mal und ohne Worte. „Wenn mich etwas beschäftigt und ich die passenden Zeilen dazu finde, dann schreibe ich sie auf. Aber wenn die Musik keinen Text will, dann braucht es auch keinen.“, so Fiona Grond. Und: „Ich versuche, besonders am Anfang des Kompositionsprozesses, mich treiben zu lassen und nicht zu bewerten, sondern die Musik einfach zuzulassen.“

Live!Jazz: Claudia Tesorino Quartett

„Das Meer ist wie Musik“ – Pacem in Maribus ist ein interdisziplinäres Video- und Live-Musik-Projekt der Musikerin Claudia Tesorino. In einer Verbindung aus Film, Musik und Literatur widmet sich das Projekt dem Meer als Sehnsuchtsort, Lebensraum, Forschungsgegenstand und politischem Thema. Der begleitende Film von Stelios Karampasis beleuchtet Fragen rund um Meerespolitik, Klimaschutz, Biodiversität und die Vision der Ozeanfriedens-Initiative Pacem in Maribus von Elisabeth Mann Borgese. Die live zum Film gespielte Musik – komponiert von Claudia Tesorino und aufgeführt vom Tesorino Quartet – ist inspiriert von Klangbildern des Meeres und lässt Raum für Improvisation. Das Projekt lädt das Publikum dazu ein, die Ozeane nicht nur emotional, sondern auch intellektuell und politisch neu zu entdecken – und stellt die Frage: Was können wir tun, um mit den Meeren zu leben – nicht gegen sie?

Live!Jazz: Carl Wittig

„Frei aber Einsam“ das wollte der Komponist Schumann sein und seine Worte waren 2020 aktueller denn je. Der Leipziger Komponist und Kontrabassist Carl Christian Wittig hat dieses Motto zum Ausgangspunkt seiner neuesten Arbeit gemacht. Gemeinsam mit Fabiana Striffler (Geige), Isabelle Klemt (Cello) und Philip Frischkorn (Klavier) bildet er ein erweitertes Klaviertrio. Die vier Musiker*innen schaffen Klänge und Musik, die die Welt der europäischen klassischen Musk mit dem weiten Kosmos der musikalischen Improvisation verbindet. Auf mehreren Ebene erforscht das Ensembleprojekt bisher unbekanntes Terrain, zwischen klassischer und zeitgenössischer Musik, zwischen Notation und Improvisation und wie im Titel schon anklingt zwischen Freiheit und Einsamkeit. „FAE“ ist ein Dialog junger improvisierender Künstler*innen mit dem klassischem Erbe. Dabei entwickeln sie eine avancierte Klangsprache jenseits des Mainstreams. Ein Konzert für Fans klassischer Musik gleichsam wie für Freunde der zeitgenössischen improvisierten Kammermusik.

Live!Jazz: Peter Protschka | KINDRED SPIRITS

Die Musik des großen kanadischen Trompeters Kenny Wheeler hat Generationen von Jazzmusikern weltweit beeinflusst. Legendäre Alben wie „Futter by Butterfly“, „The Widow in the Window“, „Gnu High“ und „Angel Song“ brachten funkelnde, melancholische Kostbarkeiten hervor, die heute auf der ganzen Welt gespielt und verehrt werden. Komplexe Harmonien, raffinierte Rhythmen und Melodien von unmittelbarem Zauber – Wheelers Musik nimmt jeden Jazzliebhaber mit auf eine emotionale Reise der besonderen Art. Bandleader Peter Protschka hat sich im Rahmen seiner Lehrtätigkeit an der Hochschule für Musik und Medien Hannover erneut intensiv mit Wheelers Songbook auseinandergesetzt und es mit seiner „Kenny Wheeler Combo“ mit Jazzstudierenden erarbeitet. Heute gibt es einen neuen Blick auf diese wunderbare Musik. Don‘t miss!

Live!Jazz: Oversáez Trio

Im Januar 2025 nahm das Berliner Trio sein Debütalbum im legendären MPS-Studio in Villingen auf. OVERSÁEZ verbindet eine Mischung aus europäischer Klassik, Jazz-Elementen und offener Improvisation. Die Musik zeichnet sich durch eine Mischung aus strukturierten, durchdachten Kompositionen und freien, intuitiven Momenten aus. Das neue Album „Abstract emotions“ wurde am 13. Juni 2025 bei Boomslang Records veröffentlicht. Pianist Sandro Sáez über seine Veröffentlichung: „Abstract Emotions ist eine Reflexion über die Kämpfe und Komplexitäten, mit denen ich im vergangenen Jahr konfrontiert war. Es war eine Zeit des Verlusts, gefolgt von überwältigenden Gefühlen und Verwirrung – Gefühlen, die oft unmöglich in Worte zu fassen schienen. Mit Worten versuchen wir, unsere gemeinsamen menschlichen Erfahrungen zu definieren, aber Worte können niemals die Tiefe unserer Gefühle wirklich erfassen.“

Live!Jazz: Julakim

Wenn julakim mit ihrer Band spielt, wird Musik zum lebendigen Organismus – groovig, atmend, ein Wechselspiel aus Energie und Stille. Samba, Bossa, afrikanische Rhythmen, arabische Harmonien – mal treibend, mal schwebend – füllen den Raum. Und dann geschieht etwas: ein kollektiver Moment, in dem sich alles verbindet. Musik – die intuitivste Sprache – spricht zu Körper und Seele zugleich. julakims Stimme ist das Herzstück dieses Klanguniversums – mal schmeichelnd-zart, mal durchdringend und kraftvoll. Mit emotionaler Tiefe und beeindruckender Bandbreite öffnet sie Räume zwischen Intimität und Explosion. julakim ist unerschrocken und zart, humorvoll und fordernd, leise und laut – eine Künstlerin, die sich nicht einordnet, sondern verwandelt. Francis am Bass und K an den Drums schaffen gemeinsam ein vibrierendes Klangfeld, das bewegt – innerlich wie äußerlich.

Live!Jazz: Abrenz meets Sheppard

Der Schweizer Pianist Michael Arbenz und der britische Saxophonist Andy Sheppard tun sich hier einmal mehr zusammen und präsentieren das Album „From Bach to Ellington – Live“ – eine melodische, energiegeladene und spielfreudige Live-Aufnahme, die am 13. Juni 2025 veröffentlicht wurde. Das Album verbindet die zeitlose Eleganz J.S. Bachs mit der lyrischen Schönheit Duke Ellingtons und beinhaltet einen zutiefst persönlichen musikalischen Dialog, der von einer langen gemeinsamen Geschichte und gegenseitigem Respekt geprägt ist.

Die beiden lernten sich zunächst über die Zusammenarbeit mit Michael’s Trio VEIN kennen und traten in dieser Formation in ganz Europa auf, bevor sie im Duo-Format eine neue Ebene des Zusammenspiels und der Nuancen entdeckten.

Cockaphonix

Ein musikalischer Zirkus zwischen Punk, Jazz und totalem Chaos: Man stelle sich einen Wildwest-Saloon vor, der von Partygeistern besessen ist, eine Straßenparade in New Orleans, die völlig aus dem Ruder läuft, und dazu eine Prise durchgeknallten Zirkuswahnsinn. Das ist Cockaphonix: laut, bunt und völlig ungefiltert. Seit 2017 machen Rayko Stanislav und Holiday Dan Lärm auf einem 100 Jahre alten Klavier und einem Schlagzeug, das vermutlich schon die eine oder andere Kneipenschlägerei überlebt hat. Was als teuflische Jam-Session begann, wuchs zu einer ausgewachsenen Live-Show heran, die man nicht einfach nur ansieht – man muss sie überleben. Mittlerweile wird das Duo von einem kompletten Bläsersatz verstärkt: mit Ventilposaune, Trompete und einer Tuba, die klingt wie eine Herde koffeingeladener Elefanten.

Clark, Seck & Clouth

Die Töne einer Shakuhachi-Flöte spannen sanfte Bögen auf, heben in sphärische Weiten, Gitarrenklänge und perkussive Akzente setzen ein, führen die Bewegung fort, wie ein  Sternzeichen am östlichen Horizont. Komplexe Akkorde, expressive Improvisationen,  Musik wie ein Leporello, ein Bilderkabinett.

Der Frankfurter Gitarrist Max Clouth hat drei Jahre in Mumbai gelebt und dort indische  Musik studiert, ist tief in das Land, seine Traditionen und Klänge eingetaucht. 2017 erhielt er das Frankfurter Jazzstipendium, den Jazzpreis der Stadt Frankfurt. Er arbeitet kontinuierlich im Spannungsfeld von indischer Musik und Jazz.

Max Clouths neues Projekt mit dem Shakuhachi-Virtuosen Tony Clark und dem Percussion-Meister Khadim Seck verschmilzt diese Elemente in organischer Weise. Kennengelernt haben sich Khadim, Tony und Max bei der Produktion des Albums “Entelecheia” – erscheinen 2024 auf L+R Records und von der Fachpresse euphorisch besprochen.

Thea Florea Jazz Collective

Das Thea Florea Jazz Collective ist ein von der Schlagzeugerin Thea Florea gegründetes Ensemble, das eigene Kompositionen sowie Werke der Bandmitglieder und ausgewählte Jazz-Standards interpretiert. In wechselnden Besetzungen erarbeitet das international besetzte Kollektiv originelles Repertoire. Floreas Stil – inspiriert von Wayne Shorter und Jack DeJohnette – verbindet frei fließende Rhythmusimprovisation mit kontrollierten Ausbrüchen und meditativen Momenten. Der einflussreiche amerikanische Schlagzeuger und Lehrer Dom Famularo nannte ihre Musik „a fine balance between great feel and high intelligence.“