Tag Archives: Bessunger Knabenschule

40 Jahre Jazz gegen Apartheid

Das Projekt versucht, das verlorene kulturelle Gedächtnis Südafrikas von europäischer Seite zu beleben. Über Jahrzehnte haben südafrikanische Exilmusiker in Europa und Deutschland – neben Johnny Dyani, Louis Moholo und Chris McGregor – ihre tiefen Spuren im europäischen improvisierten Jazz hinterlassen – dies immer in Verbindung mit dem Kampf gegen das Apartheidregime.

Im Ensemble vereinigen sich Musiker aus Europa, Kanada und Südafrika wie Claude Deppa trp | Allen Jacobson tb | Tobias Delius sax | Christopher Dell vib | Daniel Guggenheim sax | John Edwards bass  | Bülent Ates dr

Die Musik des vor 40 Jahren verstorbenen Komponisten, Bandleaders, Bassisten Johnny Dyani ist grandiose Kunst, zugleich Zeugnis des leidenschaftlichen Kampfes gegen Apartheid, Biographie eines Lebens im Exil und lückenlose Dokumentation aus 25 Jahren Exilgeschichte. Nach dem frühen Tod Dyanis wurde die Arbeit, auch nach der Wende am Kap, in weit über 100 Konzerten und Workshops fortgesetzt. Mit seiner kraftvollen und farbenfrohen Musik porträtiert er seine Zeitgenossen, Politiker wie Steve Biko, Lady Lilian Ngoyi oder Nelson Mandela und Musiker wie Kippie Moeketsi, Dudu Pukwana oder Makaya Ntshoko. Dyani spiegelt zugleich die politischen Ereignisse seiner Epoche und konfrontiert uns mit seinen Erinnerungen an Südafrika. Seine Musik ist monumental, heiter, verspielt und ironisch.

Darmstädter Bigband plays Peter Herbolzheimer

Das diesjährige Programm der Damstädter Bigband unter der Leitung des Saxophonisten Peter Linhart ist dem Komponisten und Arrangeur Peter Herbolzheimer gewidmet. Er galt bis zu seinem Tod 2010 sowohl als Arrangeur, als auch als Leiter seiner „Rhythm Combination and Brass“ als eine der einflussreichen Persönlichkeiten des europäischen Bigband Jazz. Bekannt wurde er auch durch seine musikalische Mitwirkung in der TV-Sendung „Bios Bahnhof“ mit Alfred Biolek.

Für dieses Konzert hat sich die Formation mit dem Trompeter Andy Haderer verstärkt, der seit 1986 bis zu Herbolzheimers Tod in dessen Band spielte. Andy Haderer ist seit 1988 Mitglied der WDR-Bigband und hat im Laufe seiner Karriere mit Künstlern wie Joe Zawinul, Mel Lewis, Bob Mintzer, Phil Collins, Barbra Streisand oder den Brecker Brothers zusammengearbeitet. Zusammen mit der WDR Bigband ist er mehrfacher Grammy-Preisträger.

Die Darmstädter Bigband gibt es nun seit fast 40 Jahren und sie hat sich durch Konzerte und Workshops mit vielen Jazzstars einen hervorragenden Ruf erspielt. 2017 erhielt die Bigband dafür den Darmstädter Musikpreis.

JMO: I Nia Yelle

Die Musik des Trios JMO lässt die Kunst des Geschichtenerzählens wieder aufleben. Der perlend klare Klang der Kora (traditionelle afrikanische Stegharfe mit 22 Saiten) trifft auf die sonoren, rauchigen Töne der Bassklarinette und wird unterstützt von den verschiedenen Perkussionsinstrumenten. Moussa Cissokho, Jan Galega Brönnimann und Omri Hason überschreiten Grenzen zwischen traditionellen und modernen Klängen aus Afrika, Europa und dem Orient. Das Repertoire stammt von allen drei Musikern und zeigt ihre unterschiedlichen kulturellen Einflüsse. Beeinflusst vom kulturellen Erbe der westafrikanischen Griot-Gesänge singt Cissokho vom heutigen Leben in Afrika und Europa. In seinen Texten geht es um Sehnsucht, um geheimnisvolle Flüsse oder Erfahrungen bei Grenzkontrollen in Europa. Er gehört zur 42. Generation einer großen Kora-Dynastie und Griot-Familie, welche seit über 1000 Jahren die Tradition der westafrikanischen Musik prägt.

Jüdische Kulturwochen 2026: Klezmer Schwing Band & Aliie Khadzhabadinova

Musikalische Begegnung: jüdische, ukrainische und krimtatarische Traditionen. Ein außergewöhnliches Konzert, das der jüdischen Musiktradition und ihrem Austausch mit  benachbarten Kulturen gewidmet ist. Im Mittelpunkt steht die jüdische Musik mit ihrer ausdrucksstarken Melodik, improvisatorischen Freiheit und charakteristischen Rhythmik des Swing. Ergänzt wird der Abend durch traditionelle ukrainische und krimtatarische Lieder sowie instrumentale Werke aus der jüdischen und krimtatarischen Musiktradition. Die Klezmer Schwing Band wird vom ukrainischen Klarinettisten Mitja Gerasimov geleitet. Als besonderer Gast tritt die Sängerin Aliie Khadzhabadinova auf, die durch ihre Teilnahme an „Holos Krainy“ („The Voice Ukraine“) bekannt wurde. Dieses Konzert ist ein außergewöhnliches und exklusives Ereignis: In dieser künstlerischen Konstellation und Form wurde es bislang noch nie in Deutschland präsentiert.

Cláudia Sofia Trio

Cláudia Sofia ist eine junge Sängerin und Gitarristin aus Mindelo auf den Kapverdischen Inseln, Heimat der legendären Cesária Èvora und Talentschmiede einer Vielzahl von international bekannten Musikern. Mit Konzerten in Portugal, Deutschland, Österreich und Luxemburg verzauberte sie das Publikum mit ihrer glasklaren Stimme, tollen eigenen Songs und einer hervorragenden Begleitband mit Lucio Vieira am Bass und Markus Leukel am Schlagzeug. 2025 veröffentlichte das Label „o-tone music“ ihre erste CD (ausschließlich Eigenkompositionen) mit dem Titel „mas um melodia“.

Cláudias Lieder sind tief verwurzelt in der Musiktradition ihrer Kapverdischen Heimat, gleichzeitig ist eine Offenheit für Elemente aus der brasilianischen und europäisch-amerikanischen Musikkultur bis hin zur klassischen Musik unverkennbar. Sie singt vom Leben und Lieben auf dem Inselarchipel vor der Küste Westafrikas, auf dem sich in den vergangenen 500 Jahren eine einzigartige kreolische Kultur entwickelt hat.

Tango Transit

Tango Transit sind Martin Wagner (Akkordeon), Hanns Höhn (Kontrabass) und Andreas Neubauer (Schlagzeug). Seit 2008 hat das Trio aus dem Frankfurter Raum mit über 700 Konzerten im In- und Ausland ein eigenes musikalisches Profil entwickelt und zählt zu den markantesten Formationen an der Schnittstelle von Tango, Jazz, Weltmusik und moderner Klangkunst. Fünf veröffentlichte CDs dokumentieren diese Entwicklung. Mit dem neuen Programm „Tango Transit – Best of“ präsentiert das Trio eine konzentrierte Auswahl der stärksten Stücke aus seinen Alben Preview, Blut, Akrobat und German Songbook – eine musikalische Essenz aus fast zwei Jahrzehnten gemeinsamer Arbeit. Eigenkompositionen treffen auf radikale Neuinterpretationen u. a. von Astor Piazzolla und Pink Floyd, auf verfremdete Volkslieder, auf urbane Grooves, osteuropäische Rhythmen, Cajun-Einflüsse und klangliche Experimente, die den Tango weit über seine Grenzen hinausführen.

Zwei Männer vor Haus

Conny Bauer & Kalle Kalima: 13 Kuukautta

„13 Kuukautta“ bedeutet auf Finnisch „13 Monate“. Es ist eine musikalische Landschaft, die den alltäglichen Strukturen entflieht und darauf abzielt, ein eigenes Zeit-Raum-Kontinuum zu schaffen. Die beiden trafen sich zum ersten 2022 eher zufällig in Berlin und begannen mit der Entwicklung von gemeinsamen Kompositionen. Die Musik, die sie für diese Produktion entwickelt haben, ist kollektiv, einzigartig und entzieht sich musikalischen Kategorien. Das Album wurde 2023 in Berlin aufgenommen und erschien im Frühjahr 2025.

Der Posaunist Konrad „Conny“ Bauer wurde 1943 in Halle geboren und gehörte seit den 1970ern zu den erfolgreichsten Jazzmusikern in der DDR. Bauer war 1973 Mitbegründer des legendären „Zentralquartetts“ und spielte gemeinsam mit seinem 2016 verstorbenen Bruder Johannes in der ebenso legendären Band „Doppelmoppel“ mit den beiden Gitarristen Uwe Kropinski und Joe Sachse. Im Duo mit dem 30 Jahre jüngeren Gitarristen Kalle Kalima kommt er nun im Duo in die Knabenschule. Kalima ist einer der interessantesten finnischen Vertreter der europäischen Jazz-Szene. In Helsinki geboren und in Berlin lebend, fusioniert er Attribute aus Rock und improvisierter Musik, wobei der Humor nie zu kurz kommt. Kalle Kalima hat unter anderen mit Jason Moran, Jim Black, Greg Cohen, Anthony Braxton, Marc Ducret, Jimi Tenor, Tony Allen und Tomasz Stanko musiziert. Er war über die Jahre schon mit einigen seiner Projekte in Darmstadt zu Gast.

ulsomeX (Foto: Lukas Beck)

Hessisches Jazzpodium/Darmstädter Jazzherbst 2026: Fulsome X

Doppelkonzert mit Fischer + Mahall Moden

Der österreichische Saxophonist Wolfgang Puschnig, Darmstadt und seiner Jazzszene seit vielen Jahren eng verbunden, hatte sich so auf das Zusammenspiel beim Darmstädter Jazzherbst mit Jon Sass an der Tuba, sowie Reinhardt Winkler an den Drums gefreut – die zwei sind langjährige Begleiter und Musiker der Extraklasse. Dazu lud er in einer neuen Quartett-Besetzung die Cellistin Asja Valcic ein…. Es wird ein wirklich spezieller Sound…

Nun musste Puschnig aufgrund einer Erkrankung kurzfristig seinen eigenen Auftritt absagen. Der gefeierte junge Wiener Pianist Sebastian Schneider wird Puschnig nun in der Formation ersetzen, die als Trio (mit Sass & Valcic) auftreten wird und den zweiten Teil des Abends bestreitet.

Eine Veranstaltung im Rahmen des Hessischen Jazzpodiums 2026. Die Veranstaltung wird gefördert vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur

Hessisches Jazzpodium/Darmstädter Jazzherbst 2026: Müller + Mahall Moden

Doppelkonzert mit Fulsome X

„Liebes Publikum, hier sehen wir unsere beiden Protagonisten Florian Müller (Gitarre) und Rudi Mahall (Bassklarinette) vor ihrem in Berlin/Choriner Straße frisch eröffneten Damen-Bekleidungsgeschäft.

Präsentiert wird die erste Kollektion von Bearbeitungen ausgewählter feinster Stoffe, bzw. Stücke aus der Bop und Jazz Tradition in moderner Facon, bzw. zeitgemäßem Arrangement. Für die grobstoffliche Drecksarbeit am Bass und Schlagzeug empfehlen sich Benjamin Lehmann und Uli Jenneßen.

Designed, bzw. gespielt wird diese Form von gehobenem Jazz im zeitgenössischen Prenzlauer Berger Duktus: unnachahmlich sexy und clever. Neben der Schöpfung von musikalischem Hochgenuss versteht sich die Band also auch als Beleuchter des historisch zu gering beobachteten Konglomerats von Musik, dem inneren Kampf und Mode, der äußeren Präsentation.“

Eine Veranstaltung im Rahmen des Hessischen Jazzpodiums 2026. Die Veranstaltung wird gefördert vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur

Darmstädter Jazzherbst 2026: Potsa Lotsa XL / Amoeba’s Dance

Doppelkonzert mit GLOD/RAMOND/KUGEL

Was ist Jazz, und was kann Jazz sein? Die erste Frage muss nicht notgedrungen mit der zweiten verknüpft sein, aber die Berliner Saxofonistin Silke Eberhard beantwortet mit ihrer extragroßen Band Potsa Lotsa und ihrem neuen Programm „Amoeba’s Dance“, beide Fragen auf einmal. Ihre Antworten sind komplex, und dennoch gehen sie ohne Umwege ins Ohr und bleiben im Kopf haften.

In der Besetzung Silke Eberhard | Altsaxophon, Jürgen Kupke | Klarinette, Uli Kempendorff | Tenorsaxophon, Klarinette, Nikolaus Neuser | Trompete, Gerhard Gschlößl | Posaune, Johannes Fink | Cello, Taiko Saito | Vibraphon, Antonis Anissegos | Klavier, Igor Spallati | Bass und Kay Lübke | Schlagzeug gehören die Musiker*innen zur Speerspitze der derzeitigen kreativen Jazzszene von Berlin und sind, in ihrer Ballung, zugleich Programm.

Es handelt sich nämlich ausschließlich um Musikerpersönlichkeiten, die sich durch eine markante Signatur auszeichnen und diese auch dann in selbstbewusster Zurückhaltung behaupten, wenn sie sich in einen größeren Kontext einordnen. So wirken solistischen Exkurse nicht wie Alleingänge, sondern erscheinen als gruppendienliche Glanzlichter in einem kollektiven Prozess.

Silke Eberhard ist eine feinsinnige Mittlerin zwischen verschiedenen Aggregatzuständen aus Vergangenheit und Gegenwart, Sendern und Empfängern wie auch den Intentionen und Obsessionen von zehn Individualisten, die sie zielgerichtet in ihren Kompositionen vereint. Unaufdringlich und mit bemerkenswertem Einfühlungsvermögen stellt sie Spielfreude über Intellekt sowie Demut und Respekt vor dem Material über virtuosen Exhibitionismus. »Es ist schon durchkomponierte Musik, aber es ist immer alles erlaubt und kann immer alles passieren«, erklärt sie fröhlich.

Eberhards Stärke beruht auf ihrer Unvoreingenommenheit. Wenn man diese Musik Free Jazz nennen will, dann nicht wegen ihrer strukturellen, sondern aufgrund ihrer inneren Freiheit. Sie erhebt sich nicht über andere Musikformen, sondern bleibt mit den zwanzig Beinen der beteiligten Musikerinnen und Musiker auf dem Boden des Alltags. Und genau mit dieser Haltung beantwortet sie nicht nur die Frage, was im Jahr 2026 Jazz ist, sondern was er darüber hinaus auch noch sein kann.

Eine Veranstaltung im Rahmen des Hessischen Jazzpodiums 2026. Die Veranstaltung wird gefördert vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur