Er ist ein Drummer, der Räume schafft, klangmalerisch fein schattierte Szenerien für seine Mitspieler kreiert und der es versteht, die Musik mit einer eleganten Subtilität zu lenken. Nathan Ott demonstriert eindrucksvoll wie fruchtbar eine generationsüberschreitende, interkontinentale Jazz-Begegnung sein kann. Zunächst war es die Zusammenarbeit mit Miles Davis-Veteran Dave Liebman mit der das Quartett ein offenes Format für improvisatorischen Dialog auf Augenhöhe entwickelte. Als Liebman sich später aus gesundheitlichen Gründen vom Tourleben zurückziehen musste, kam mit Christof Lauer eine der prägendsten Stimmen des europäischen Jazz hinzu und verwandelte den Klang und das Innenleben des Ensembles.
Zusammen mit dem kommunikativen Scharfsinn der phänomenalen aus Buenos Aires stammenden Saxophonistin Camila Nebbia verschmilzt Lauers Spiel zu einer unverwechselbaren Textur und wird durch die elegante Elastizität des dänischen Bassisten Jonas Westergaard vervollständigt, weltweit einer der bemerkenswertestes Individualisten seines Instruments. Als Bandleader versteht es der Drummer Nathan Ott, die Musik mit einer eleganten Subtilität zu lenken: Dabei schöpft er aus einem umfassendenVerständnis für Jazz – ein feinsinniger Architekt der musikalischen Szenerie, der mit Sensibilität und Leidenschaft den Sound des Ensembles prägt.
Eine Begegnung der besonderen Art. Beide haben schon solo und mit anderen Musikern bei Agora gespielt. Und beide wollen immer wieder Neues entdecken. Das ermöglicht das Agora am Ostbahnhof ihnen gerne. Also eine Premiere am 24. April – es wird sich lohnen neugierig zu sein. Der indische Sitar-Virtuose Debasish Ganguly trifft auf den international agierenden Ausnahme-Gitarristen Claus Boesser-Ferrari. Zu erwarten ist eine East-West-Session im Wechselspiel von lyrischen Klangflächen und impulsiven Grooves. Indische Ragas treffen auf lebendige Improvisationen – ein spannender Austausch zweier Welten.
Sie sind poetisch, intensiv, experimentierfreudig, lebensfroh. Live entwickelt das Trio einen faszinierenden energetischen World-Mix mit treibenden Grooves und tranceartigen Melodien. Scheinbar bekannte Quetschensounds werden mit Slidegitarre in andere Dimensionen katapultiert und durch komplexe Drumgrooves wieder auf den Boden geholt. Ein Feuerwerk moderner, äußerst dynamischer Instrumentalmusik, die gespickt ist mit überraschenden Wechseln und Wendungen. Vorsicht Sogwirkung!
Das Trio spielt intuitive Kompositionen, die knifflig und komplex durchdacht sind und zugleich groovy und mitreißend. Exotisch und doch eingängig und seltsam vertraut. Wer auf Tom Waits, Zirkus und düsteren Tango steht, ist hier richtig. Für Herz ebenso wie für Kopf und Beine. Hier wird keine Rücksicht auf Hörgewohnheiten genommen. Eine abenteuerfreudige Reise ohne Grenzen und Limitierungen.
Cathrin Pfeifer | accordeon, comp
Takashi Peterson | guitars
Andi Bühler | drums, percussion
„Mir war es immer wichtig, nicht einfach nur die Sängerin zu sein, die das Thema singt und den Rest der Musik machen dann die Anderen.“ sagt Fiona Grond. Und so fungiert die Stimme der Schweizerin auf dem ACT Debüt „Poesias“ gleichberechtigt als eines von drei Instrumenten – in engster Verzahnung mit dem Tenorsaxofon von Moritz Stahl und der Gitarre von Phillip Schiepek. Gefunden hat sich das Trio in Fiona Gronds Wahlheimat München und es ist eine weitere Entdeckung der dortigen Szene, die seit ein paar Jahren kontinuierlich an Profil und Sichtbarkeit gewinnt.
Fiona Gronds Musik zieht ihre Faszination aus den leisen Tönen, den Räumen zwischen den Noten, aber auch aus den Kontrasten und Reibungen, dem Bruch von Erwartungen und Konventionen. Und so erschließt sich ihr Reiz erst wirklich, wenn man sich auf sie einlässt, genau hinhört und, am besten: hin-fühlt. Man sagt, die Menschen an der Küste schauten in die Ferne, die Menschen in Wald und Bergen eher nach innen. Insofern scheint Fiona Gronds Schweizer Heimat prägend für die Erzählperspektive: „Poesias“, rätoromanisch für „Gedichte“, ist eine innere Suche nach Gedanken und Gefühlen, mal mit und mal und ohne Worte. „Wenn mich etwas beschäftigt und ich die passenden Zeilen dazu finde, dann schreibe ich sie auf. Aber wenn die Musik keinen Text will, dann braucht es auch keinen.“, so Fiona Grond. Und: „Ich versuche, besonders am Anfang des Kompositionsprozesses, mich treiben zu lassen und nicht zu bewerten, sondern die Musik einfach zuzulassen.“
„Das Meer ist wie Musik“ – Pacem in Maribus ist ein interdisziplinäres Video- und Live-Musik-Projekt der Musikerin Claudia Tesorino. In einer Verbindung aus Film, Musik und Literatur widmet sich das Projekt dem Meer als Sehnsuchtsort, Lebensraum, Forschungsgegenstand und politischem Thema. Der begleitende Film von Stelios Karampasis beleuchtet Fragen rund um Meerespolitik, Klimaschutz, Biodiversität und die Vision der Ozeanfriedens-Initiative Pacem in Maribus von Elisabeth Mann Borgese. Die live zum Film gespielte Musik – komponiert von Claudia Tesorino und aufgeführt vom Tesorino Quartet – ist inspiriert von Klangbildern des Meeres und lässt Raum für Improvisation. Das Projekt lädt das Publikum dazu ein, die Ozeane nicht nur emotional, sondern auch intellektuell und politisch neu zu entdecken – und stellt die Frage: Was können wir tun, um mit den Meeren zu leben – nicht gegen sie?
„Frei aber Einsam“ das wollte der Komponist Schumann sein und seine Worte waren 2020 aktueller denn je. Der Leipziger Komponist und Kontrabassist Carl Christian Wittig hat dieses Motto zum Ausgangspunkt seiner neuesten Arbeit gemacht. Gemeinsam mit Fabiana Striffler (Geige), Isabelle Klemt (Cello) und Philip Frischkorn (Klavier) bildet er ein erweitertes Klaviertrio. Die vier Musiker*innen schaffen Klänge und Musik, die die Welt der europäischen klassischen Musk mit dem weiten Kosmos der musikalischen Improvisation verbindet. Auf mehreren Ebene erforscht das Ensembleprojekt bisher unbekanntes Terrain, zwischen klassischer und zeitgenössischer Musik, zwischen Notation und Improvisation und wie im Titel schon anklingt zwischen Freiheit und Einsamkeit. „FAE“ ist ein Dialog junger improvisierender Künstler*innen mit dem klassischem Erbe. Dabei entwickeln sie eine avancierte Klangsprache jenseits des Mainstreams. Ein Konzert für Fans klassischer Musik gleichsam wie für Freunde der zeitgenössischen improvisierten Kammermusik.
Die Musik des großen kanadischen Trompeters Kenny Wheeler hat Generationen von Jazzmusikern weltweit beeinflusst. Legendäre Alben wie „Futter by Butterfly“, „The Widow in the Window“, „Gnu High“ und „Angel Song“ brachten funkelnde, melancholische Kostbarkeiten hervor, die heute auf der ganzen Welt gespielt und verehrt werden. Komplexe Harmonien, raffinierte Rhythmen und Melodien von unmittelbarem Zauber – Wheelers Musik nimmt jeden Jazzliebhaber mit auf eine emotionale Reise der besonderen Art. Bandleader Peter Protschka hat sich im Rahmen seiner Lehrtätigkeit an der Hochschule für Musik und Medien Hannover erneut intensiv mit Wheelers Songbook auseinandergesetzt und es mit seiner „Kenny Wheeler Combo“ mit Jazzstudierenden erarbeitet. Heute gibt es einen neuen Blick auf diese wunderbare Musik. Don‘t miss!
Im Januar 2025 nahm das Berliner Trio sein Debütalbum im legendären MPS-Studio in Villingen auf. OVERSÁEZ verbindet eine Mischung aus europäischer Klassik, Jazz-Elementen und offener Improvisation. Die Musik zeichnet sich durch eine Mischung aus strukturierten, durchdachten Kompositionen und freien, intuitiven Momenten aus. Das neue Album „Abstract emotions“ wurde am 13. Juni 2025 bei Boomslang Records veröffentlicht. Pianist Sandro Sáez über seine Veröffentlichung: „Abstract Emotions ist eine Reflexion über die Kämpfe und Komplexitäten, mit denen ich im vergangenen Jahr konfrontiert war. Es war eine Zeit des Verlusts, gefolgt von überwältigenden Gefühlen und Verwirrung – Gefühlen, die oft unmöglich in Worte zu fassen schienen. Mit Worten versuchen wir, unsere gemeinsamen menschlichen Erfahrungen zu definieren, aber Worte können niemals die Tiefe unserer Gefühle wirklich erfassen.“
Wenn julakim mit ihrer Band spielt, wird Musik zum lebendigen Organismus – groovig, atmend, ein Wechselspiel aus Energie und Stille. Samba, Bossa, afrikanische Rhythmen, arabische Harmonien – mal treibend, mal schwebend – füllen den Raum. Und dann geschieht etwas: ein kollektiver Moment, in dem sich alles verbindet. Musik – die intuitivste Sprache – spricht zu Körper und Seele zugleich. julakims Stimme ist das Herzstück dieses Klanguniversums – mal schmeichelnd-zart, mal durchdringend und kraftvoll. Mit emotionaler Tiefe und beeindruckender Bandbreite öffnet sie Räume zwischen Intimität und Explosion. julakim ist unerschrocken und zart, humorvoll und fordernd, leise und laut – eine Künstlerin, die sich nicht einordnet, sondern verwandelt. Francis am Bass und K an den Drums schaffen gemeinsam ein vibrierendes Klangfeld, das bewegt – innerlich wie äußerlich.
Heute endet die Ausstellung über die Geschichten hinter den ersten 35 Jahren Jazzinstitut Darmstadt mit einer Finissage in der Galerie des Jazzinstituts. Bei dieser Gelegenheit unterhalten sich Marie Härtling, die die Ausstellung für das Jazzinstitut kuratiert hat, und die Leiterin des Jazzinstituts, Bettina Bohle, über die Zukunft dieser weltweit einmaligen Einrichtung.
Welche Perspektiven eröffnen sich in der Zukunft? Welchen Herausforderungen gilt es zu begegnen? Welche Diskurse müssen künftig geführt werden? Wo soll es hingehen mit dem Jazzinstitut Darmstadt in den nächsten Jahren? Alles spannende Fragen, die im Spiegel der bereits 35jährige Geschichte dieser Einrichtung heute Abend angesprochen werden sollen.
Die Ausstellung enthält einen Audioguide. Es wird empfohlen, ein eigenes Mobiltelefon mit Kopfhörern mitzubringen.
Der Eintritt ist frei.
Die Ausstellung „35 1/5 Umdrehungen – die Geschichte des Jazzinstituts Darmstadt“ läuft noch bis 19.12.2025.