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Strategien in Zeiten eines Virus

(Aktualität: Diese Seite wurde am 19. Mai 2020 zum letzten Mal bearbeitet.)

Wie im Einzelhandel und der Gastronomie auch ist auch im Kulturbereich mit den nach wie vor notwendigen Einschränkungen durch den Gesundheitsschutz ein reguläres Wirtschaften schwer vorstellbar.

Die Situation ist durch den unterschiedlichen der Stand der Vorbereitungen auf eine Wiederaufnahme der kulturellen Aktivitäten in den Bundesländern zur Zeit sehr uneinheitlich. In allen Ländern laufen die Soforthilfen aus, die nur für die ersten Monate der Pandemie, März bis Mai, aufgelegt waren. In einigen Bundesländern haben sich die Hilfsprogramme inzwischen auf die kulturelle Infrastruktur und die Spielstätten ausgerichtet.

So hat der Bundesverband Soziokultur gemeinsam mit der Bundesregierung am 6. Mai 2020 ein Nothilfeprogramm mit dem Titel „NEUSTART. Sofortprogramm für Corona-bedingte Investitionen in Kultureinrichtungen“ aus der Taufe gehoben. Dort stehen 10 Mio Euro Investitionshilfen für kleine und mittlere Kulturveranstalter, Sozio-kulturelle Zentren, Museen und Bildungseinrichtungen zur Verfügung, die ihre Einrichtung mit neuen Hygienschutzmaßnahmen ausstatten oder sogar bauliche Veränderungen vornehmen müssen, um wieder in Betrieb gehen zu können. Achtung: Die Vergabe erfolgt nach dem Windhundprinzip! (Stand: 19.5.2020)

Für die weiterhin am stärksten betroffenen freien Musiker:innen fehlen derzeit gezielte Programme. Sie werden zunehmend auf die wenig akuraten Leistungen nach ALG-2 zurückgeworfen. Eine schlechte Entwicklung. Einzelnen Bundesländer starten ergänzende Stipendienprogramm oder verweisen auf bestehende Projektfördermöglichkeiten, die aber eine dezidierte künstlerische Bewerbung, einschließlich langwieriger Verfahren voraussetzen.

Die kritische Begleitung all dieser Maßnahmen und Programme hält an. Neben Beiträgen in der Tagespresse fasst der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, regelmäßig die Kritik an den diversen staatlichen Fördermodellen zusammen und versucht sie ins größere Bild einzuordnen (Kulturpolitischer Wochenreport, 14.5.2020).

Auch die IG Jazz Berlin hat am 11. Mai gemeinsam mit zahlreichen anderen Verbänden aus dem Bereich der Musik und der darstellenden Künste einen eindringlichen Appell an die Bundesregierung erarbeitet, in dem gefordert wird “die Regularien bei den bestehenden Corona-Hilfen an den tatsächlichen Bedarf von Solo-Selbstständigen aller Branchen anzupassen und insbesondere die sprezifischen Arbeits- und Lebenrealitäten freier Künstler*innen zu berücksichtigen.” Der Appell wurde mittlerweile von 26 Organisationen und Verbänden (u.a. der Bundeskonferenz Jazz, der Kölner Jazzkonferenz und der Deutschen Jazzunion) gezeichnet. (Stand, 19.5.2020)

“Reload. Stipendien für Freie Gruppen” nennt sich ein aktuelles Programm der Kulturstiftung des Bundes, das frei produzierenden Künstlergruppen der darstellenden Künste und der Musik ermöglichen soll, sich konstruktiv mit den Auswirkungen der Coronakrise auf die eigene Kunstpraxis zu beschäftigen. Dafür stellt sie 130 Stipendien in Höhe von jeweils 25.000 Euro pro Gruppe bereit. Die Stipendien stehen für gemeinsame Arbeits- und Recherchevorhaben zur Verfügung, mit denen die Gruppen ihre künstlerische Arbeit fortführen, vertiefen und auf eine gemeinsame Zukunft nach dem Ausnahmezustand ausrichten können. Sie werden für den Zeitraum Juli bis Dezember 2020 gewährt. Antragsschluss für die einzureichenden Anträge ist Montag, der 25. Mai 2020. (Stand, 19.5.2020) 

Die Solidarität von Musikfans, denen bewusst ist, dass viele professionelle Musiker*innen durch die Krise in Not geraten können und werden, weil sie vor dem konkreten Problem stehen angesichts ausgefallener Einnahmen ihre Miete zahlen zu müssen, ist nach wie vor riesig. So meldet der Nothilfefonds der Deutschen Orchesterstiftung am 19. Mai ein Gesamtspendenaufkommen von über 1,625 Mio. Euro. (Stand, 19.5.2020)

Die GEMA stellt 40 Mio. Euro als Nothilfe-Programm in zwei Schutzschirmen für Mitglieder zur Verfügung. Außerdem hat die GEMA mitgeteilt, dass sie flexible Kulanz-Regeln für Veranstalter bei der Absage von Veranstaltungen und bei Livestreams einführt (aufgerufen am 14.4.2020).

Bleibt gesund!!!

Inhalt:


Musiker*innen unterstützen!

Kauft CDs! Am besten, sollte das möglich sein, direkt über die Website der Künstler*innen, aber auch die vielen kleinen und unabhängigen Labels im Jazzbereich haben jede Unterstützung verdient. Auch das sind in der Regel One-Wo*Man-Betriebe, die ohnehin seit längerem schwere Zeiten durchmachen. Adressen finden sich z.B. unter www.wegweiserjazz.de -> Datenbanksuche -> Labels

Wenn Sie bereits ein Ticket für ein Clubkonzert gekauft und bezahlt haben, so bieten einzelne Veranstalter an, den Ticketpreis, sollten Sie das Geld nicht zurückfordern, an die Musiker*innen weiterzureichen. Einzelne Veranstalter legen sogar noch etwas aus ihrem eigenen Budget drauf (das mag nur dort funktionieren, wo das Konzert eh zustätzlich subventioniert worden wäre). Wieder andere versprechen, das nicht zurückgezahlte Geld für Konzerte zurückzulegen, die sie für die Zeit nach der Krise planen. Und schließlich gibt es Veranstalter, die Musikern ihre Gage bereits jetzt im Vorgriff auf die Nachholung des Konzerts nach Corona überweisen.


Abgesagte Konzerte

Die Veranstalter*innen von Konzerten sind genauso betroffen von der Krise wie Musiker*innen. Im Jazzbereich gibt es sowohl professionelle Veranstalter, die also neben den Raummieten auch für Gehälter aufzukommen haben, als auch jede Menge ehrenamtlich organisierte Jazzvereine. Auch letztere aber hängen in einer weiterreichenden Infrastruktur, an der Getränkelieferanten genauso beteiligt sind wie Instrumentenverleihe oder Klavierstimmer. Alle Konzertveranstalter arbeiten zurzeit daran, Strategien für ihre Szene zu entwickeln, um dem Jazz auch nach der Krise eine Plattform bieten zu können.

Wir hören von Veranstaltern, die sich entschieden haben, den von Konzertabsagen betroffenen Künstler*innen kurzfristig Ausfallgagen zu zahlen, die zwar nicht die Höhe der vereinbarten Gage haben, aber die Solidarität der Szene zeigen.

Originell ist die Idee von Studierenden der Hasso-Plattner-Universität in Potsdam. Sie haben eine kostenlose Online-Ticket-Plattform für (zunächst) ausschließlich gemeinnützige Veranstalter*innen geschaffen, wo Menschen Solidaritäts-Tickets für bereist geplante, aber nun ausgefallene Konzerte ihres Lieblingsclubs erwerben können. Die Einnahmen gehen direkt als Spende an die registrierten Veranstaltungsorte (www.soli-ticket.de, aufgerufen am 13.4.2020).

Auch die Kulturbürokratie wird dabei flexibler. Wir haben von ersten Kommunen gehört, die dem Vorbild der Kulturstaatsministerin Monika Grütters folgen und bereits getätigte Förderzusagen weder zurückzuziehen noch kürzen, auch wenn die eigentlich geplanten Veranstaltungen nicht im vorgesehende Umfang stattfinden können (BKM Stand 14.4.2020).

Wie Musiker*innen überleben

Viele Musiker*innen, die einen Teil ihres Einkommens aus Unterricht generieren, versuchen in diesen Tagen diesen Unterricht über Skype, Facetime oder andere Video-Plattformen zu geben.

Siehe zum Privatmusikunterricht in Zeiten von Corona:
http://dtkv.net/ORG/nachrichten/uebersicht/912-ist-privatmusikunterricht-eine-private-bildungseinrichtung-oder-eine-dienstleistung.html (aufgerufen am 20.3.2020)

Andere nutzen die Zeit der erzwungenen Konzertpausen dazu zu proben, komponieren, arrangieren oder mit Kolleg*innen über künftige Projekte zu kommunizieren.

In die Zukunft schauen / planen ist vielleicht die beste Strategie. Da helfen vielleicht die diversen Förderprogramme des Musikfonds (aufgerufen am 8.5.2020). Die Antragsfrist für die nächste Förderrunde des Musikfonds endet am 31. Mai 2020. .


Spenden, um Musiker*innen zu helfen

Andererseits gibt es Musiker, die noch nicht einmal eine Website besitzen oder aber keine Möglichkeit haben, Online-Spenden entgegenzunehmen. Diese können sich an regionale oder nationale Stiftungen wenden, die zum Teil recht schnell Mittel zur unbürokratischen Schnellhilfe zur Verfügung gestellt haben.

Die Initiative Musik des Bundes startete Ende April mit einem Hilfsprogramm für Musiker*innen. Die Höhe des Zuschusses aus dem Hilfsprogramm beträgt 1.000 Euro pro Musiker*in. Beantragen können alle professionellen Musiker*innen, die zwischen Mitte März und Ende Mai 2020 mindestens fünf bezahlte Engagements absagen mussten. Die Mittel generieren sich aus einer Spendenkampagne. Spenden für das Hilfsprogramm der sind bei startnext.com und direkt über das Spendenkonto der Initiative Musik möglich. Spotify Germany hat die Initiative in sein internationales Hilfsprogramm Spotify COVID-19 Music Relief aufgenommen. Der Musik Streaming-Service wird eine Spende leisten und zudem die eingehenden Spenden verdoppeln (bis zu einem Gesamtbetrag von 10 Millionen Dollar weltweit). (Stand 17.4.2020)

Spendenkonto
Initiative Musik gemeinnützige Projektgesellschaft mbH
IBAN: DE85 2008 0000 0383 9539 12
BIC: DRESDEFF200
Verwendungszweck: Hilfsprogramm


Hilfsprogramme in der Bundesrepublik Deutschland

Förderprogramm für freie Orchester der Bundesregierung
https://www.bundesregierung.de/breg-de/bundesregierung/staatsministerin-fuer-kultur-und-medien/hilfe-fuer-freie-orchester-1747976 (aufgerufen am 29.4.2020)
(Hilfen für dauerhaft bestehende Orchester und Ensembles bis zu einer Höhe von 200.000 Euro)

Nothilfefonds der Deutschen Orchesterstiftung
https://orchesterstiftung.de/nothilfefonds/ (aufgerufen am 8.5.2020)
(einmalige Soforthilfe in Höhe von 500 Euro)

elionor #kunstnothilfe
https://elinor.network/kunstnothilfe/ (ausgerufen am 8.5.2020)
(unterstützt in Not geratene Kulturschaffende mit bis zu 1.000 Euro)

Künstlersozialkasse (KSK)
https://www.kuenstlersozialkasse.de/die-ksk/meldungen.html (aufgerufen am 7.4.2020)

GEMA
https://www.gema.de/musikurheber/nothilfe-programm-fuer-gema-mitglieder/ (aufgerufen am 8.5.2020)
(Sofortmaßnahmen für Mitglieder der GEMA)

Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechte (GVL)
https://www.gvl.de/coronahilfe (aufgerufen am 8.5.2020)
(richtet sich an Mitglieder der GVL; einmalige Hilfe in Höhe von 250 Euro)

KfW Coronahilfe
https://www.kfw.de/KfW-Konzern/Newsroom/Aktuelles/KfW-Corona-Hilfe-Unternehmen.html (aufgerufen am 3.4.2020)
(Informationen über mögliche Kredite für Unternehmen, Selbstständige und Freiberufler)

Initiative Musik Hilfsprogramm Musiker*innen
https://www.initiative-musik.de/pressemitteilungen/pm2020/initiative-musik-startet-hilfsprogramm-und-spendenkampagne-fuer-musikerinnen/ (aufgerufen am 17.4.2020)
(Hilfsprogramm speziell für Musizierende aus den Bereichen Rock/Pop/Jazz/HipHop; Zuspendungen möglich)


Ansprechpartner für Musiker*innen in Not (Bund + Länder)

Bund: Kulturstaatsministerin:
https://www.bundesregierung.de/breg-de/themen/coronavirus/hilfen-fuer-kuenstler-und-kreative-1732438 (aufgerufen am 19.5.2020)
(Allgemeine Informationen und Übersicht zu den Themen Sozialschutz, Hilfspaket, Liquiditätshilfen für Freiberufler und Soloselbständige)

Bund: Wirtschaftsminister:
https://www.bmwi.de/Navigation/DE/Home/home.html (aufgerufen am 14.4.2020)
(Hotline und Information für Unternehmen bzw. zum Thema Kurzarbeit)

Bund: Bundesagentur für Arbeit:
https://www.arbeitsagentur.de/news/kurzarbeit-wegen-corona-virus (Meldung vom 28.3.2020)
(Information über Kurzarbeitergeld, zuständig sind aber die lokalen Arbeitsagenturen)

Warnhinweis: Alle Bundesländer warnen inzwischen vor gefälschten Antragsseiten im Internet. Die Behörden bitten daher Formulare nur direkt über die jeweilige Ministeriumsseite oder per e-mail einzureichen (Stand vom 14.4.2020).

Baden-Württemberg
Nach den Soforthilfen hat das Land nun einen Dialogprozess gestartet, in dem geklärt wieder soll, wie Kultur unter den Vveränderten Rahmenbedingungen weitergehen kann:
https://mwk.baden-wuerttemberg.de/de/kunst-kultur/kultursparten/unterstuetzung-kulturbetriebe-coronavirus/cooltourtalk/ (aufgerufen am 19.5.2020)

Bayern
Das Bayerische Zentrum für Kultur- und Kreativwirtschaft (bayernkreativ) hat eine Übersicht relevanter Hilfsprogramme und -maßnahmen in Bayern zusammengestellt:
https://bayern-kreativ.de/aktuelles/corona-erste-hilfe/ (aufgerufen am 19.5.2020)

Berlin
Förderprogramme für Musiker:innen des Lands Berlin:
https://www.berlin.de/sen/kultur/foerderung/foerderprogramme/musik/ (aufgerufen am 19.5.2020)

Brandenburg
Mikrostipendien in Höhe von 1.000 Euro für Künstlerinnen und Künstler aller Sparten, deren Arbeits- und Lebensmittelpunkt im Land Brandenburg ist: https://mwfk.brandenburg.de/mwfk/de/kultur/kultur-und-denkmalfoerderung/stipendien/ (aufgerufen am 19.5.2020)

Bremen
Der Bremische Senat hat eine Sonderseite mit Hinmweisen für Kulturakteuer eingerichtet. Konkrete Hilfsangebote findet man dort derzeit allerdings wenige:
https://www.kultur.bremen.de/startseite/corona__hinweise_fuer_kulturakteure-17312 (aufgerufen am 19.5.2020)

Hamburg
Übersicht über die verfügbaren Hilfsleistungen für Kulturschaffende in der Hansestadt Hamburg:
https://www.hamburg.de/bkm/13729684/hilfsmassnahmen-fuer-kultur-und-kreativwirtschaft/ (aufgerufen am 19.5.2020)

Hessen
Sonderprogramm “Hessen kulturell neu eröffnen” für Kulturschaffende des Ministeriums für Wissenschaft und Kunst. Startet am 1. Juli 2020: https://wissenschaft.hessen.de//kulturpaket (Stand, 19.5.2020)

Mecklenburg-Vorpommern
MV-Corona-Schutzfonds des Landes Mecklenburg-Vorpommern:
https://www.kultur-mv.de/kunst-kultur/kultur-in-corona-zeiten.html (aufgerufen am 19.5.2020)

Niedersachsen
Das Land Niedersachsen gewährt gemeinnützigen Kultureinrichtungen und Kulturvereinen finanzielle Unterstützungsleistungen (Billigkeitsleistungen).
https://www.mwk.niedersachsen.de/startseite/aktuelles/ausschreibungen_programme_forderungen/corona-sonderprogramm-fur-gemeinnutzige-kultureinrichtungen-und-kulturvereine-188405.html (aufgerufen am 19.5.2020)

Nordrhein-Westfalen
Hilfen zum Neustart Kultur des Landes Nordrhein-Westfalen:
https://www.mkw.nrw/FAQ_Sofortprogramm (aufgerufen am 19.5.2020)

Rheinland-Pfalz
Das Land Rheinland-Pfalz hat das Programm “Im Fokus – 6 Punkte für die Kultur” aufgelegt. Es enthält Stipendien und Progamme zur Vereinförderung: https://www.fokuskultur-rlp.de/ (aufgerufen am 19.5.2020)

Saarland
Informationen für Kulturschaffende und Interssierte im Saarlandes:
https://corona.saarland.de/DE/schulenundkitas/faq-kultur/faq-kultur_node.html (aufgerufen am 19.5.2020)

Sachsen
Informationen für Kultur- und Kreativwirtschaftsuntenehmen im Freistaats Sachsen:
https://www.kreatives-sachsen.de/2020/03/12/corona-das-muessen-kultur-und-kreativwirtschaftsunternehmen-jetzt-wissen/ (aufgerufen am 19.5.2020)

Sachsen-Anhalt
Hilfen für Künstler*innen und Schriftsteller*innen des Landes Sachsen-Anhalt: https://lvwa.sachsen-anhalt.de/das-lvwa/kultur-denkmalschutz/kultur/ (aufgerufen am 19.5.2020)

Schleswig-Holstein
Hilfen für Kulturschaffende des Landes Schleswig-Holstein:
https://www.schleswig-holstein.de/DE/Schwerpunkte/Coronavirus/Kultur/coronavirus_kulturHilfe.html (aufgerufen am 19.5.2020)

Thüringen
Informationen des Landesverbandes Soziokultur Thüringen zu Corona-Maßnahmen:
https://www.soziokultur-thueringen.de/aktuelles-details/coronavirus-informationen-fuer-veranstalter-in-thueringen.html (aufgerufen am 19.5.2020)


Lokale Initiativen

Es gibt mittlerweile in vielen größeren Städten Initiativen, die der lokalen Kulturszene helfen wollen. Zum Teil sind dies Initiativen, die Geld sammeln, um es an Künstler*innen zu verteilen, die in Not geraten; zum Teil sind es Initiativen, die Aktivitäten von Kulturveranstaltern und Künstler*innen bündeln. Wir empfehlen einen Blick auf das Webportal Ihrer eigenen Gemeinde oder Stadt oder einen Blick auf die Website Ihrer Lokalzeitung, die oft solche Initiativen auflisten und verlinken.

Frankfurt
https://www.frankfurt-tipp.de/news/s/ugc/supportyourlocal-zur-erhaltung-der-kulturlandschaft-in-frankfurt.html (aufgerufen am 26.3.2020)
Übersicht über konkrete Hilfsmaßnahmen für Frankfurter Kultureinrichtungen

Härte- und Notfallfonds des Kulturreferats der Stadt Frankfurt
https://kultur-frankfurt.de/portal/de/Presse/27.03.2020-HilfefuerKulturschaffendeinExistenznot3aKulturdezernentinHartwigrichtetergaenzendenNotfallfondsein/1169/0/95537/mod2281-details1/161.aspx (aufgerufen am 27.3.2020)

Leipzig
Leipziger Kulturfallschirm:
https://www.startnext.com/leipziger-kulturfallschirm (aufgerufen am 26.3.2020)
Crowdfunding-Kampagne für Künstler*innen in Leipzig


Weiterführende Linksammlungen + Empfehlungen

Deutsche Jazzunion
http://www.deutsche-jazzunion.de/2020/03/19/linksammlung-zur-coronakrise/ (aufgerufen am 3.4.2020)
(Linksammlung zur Coronakrise)

Verdi
https://vs.verdi.de/themen/nachrichten/++co++4e085142-660f-11ea-9bec-001a4a160100 (aufgerufen am 3.4.2020)
(Handreichung für die Unterstützung selbständiger und freier Kulturschaffender)

Livekomm
https://www.livemusikkommission.de/erste-handlungsempfehlungen-zur-abwehr-der-club-insolvenz/ (aufgerufen am 3.4.2020)
(Handlungsempfehlungen zur Abwehr der Club-Insolvenz)

Deutsche Orchestervereinigung
https://www.dov.org/oeffentliche_meldungen/corona-virus-leitfaden-fuer-freischaffende (aufgerufen am 3.4.2020)
(Leitfaden für Freischaffende)

Initiative Kultur- und Kreativwirtschaft
https://www.kultur-kreativ-wirtschaft.de//KUK/Redaktion/DE/Meldungen/2020/2020-03-12-coronavirus-bmwi-hilfen.html (aufgerufen am 3.4.2020)
(Leitfaden zu wirtschaftlichen Hilfen für Unternehmen und freiberufliche Selbständige aus der Kultur- und Kreativwirtschaft)

Kompetenzzentrum Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes
https://kreativ-bund.de/corona (aufgerufen am 3.4.2020)
(Linksammlung)

Deutscher Kulturrat
https://www.kulturrat.de/ (aufgerufen am 3.4.2020)
(Politische Interessenvertretung der Gesamtkultur in Deutschland. Der Deutsche Kulturrat hat zudem die unserer Meinung nach beste und laufend aktualisierte Zusammenfassung der Hilfsmaßnahmen von Bund und Ländern, vgl. Links auf der Ausgangsseite)
https://www.kulturrat.de/wp-content/uploads/2020/03/puk04-20.pdf
(Ausgabe April 2020 von “Politik und Kultur” mit Schwerpunkt Corona)

VUT – Verband unabhängiger Musikunternehmer*innen
https://www.vut.de/vut/aktuelles-vut/artikel/details/coronavirus-wichtige-informationen-fuer-vut-musikunternehmerinnen/ (aufgerufen am 3.4.2020)
(ausführliche Zusammenstellung aller Maßnahmen und Initiativen)

Melodiva
https://www.melodiva.de/reports/corona-krise-nuetzliche-infos-tipps-fuer-musikerinnen/ (aufgerufen am 3.4.2020)
(Tipps für Musiker*innen und Veranstalter, best practice-Beispiele u.v.m.)

Dozentinnen und Dozenten 2018

Morris Kliphuis …

… ist in diesem Jahr Jürgen Wuchners ganz spezielle Entdeckung. Der künstlerische Leiter der Darmstädter Jazz Conceptions sah den niederländischen Blechbläser mit seiner elektro-akustischen Band Kapok, einer Band zwischen Indie- und Impro-Sound, beim internationalen Jazzfestival in Kairo und war von deren Selbstbewusstsein und origineller Kreativität begeistert. Dazu ein Bandleader, der ein im Jazz nun wirklich nicht allzu verbreitetes Instrument spielt – das Frenchhorn.

Der 1986 geborene Kliphuis ist improvisierender Hornist (auch Kornettist), vielgefragter Komponist und Arrangeur. Sein energetisches und melodiöses Spiel wird inzwischen nicht nur in seiner Heimat, den Niederlanden, hochgeschätzt. Er lebt und arbeitet seit kurzem von Berlin aus.

Da sein Instrument außerhalb des klassischen Kontextes keine allzu große Tradition hat, entwickelte er in seinen eigenen Stücken und Projekten einen höchst individuellen Stil, der den warmen, fast melancholischen Sound des Horns als eigenständige, insbesondere auch solistisch agierende Klangfarbe zulässt. Von Anfang an erkundete Kliphuis, der im Alter von acht Jahren mit dem Frenchhorn-Spielen begann und zunächst eine klassische Ausbildung durchlief, die Möglichkeiten der Improvisation und erweiterte für sich selbst die nur scheinbar natürlichen Grenzen seines Instruments.

Nach einem Jahr Studium in Klassischer Komposition wechselte er in den Jazzstudiengang des Amsterdamer Konservatoriums. Es folgte ein Semester am Purchase College in New York, wo er von dem großartigen Jazzhornisten James Clark unterrichtet wurde. Im Anschluss an das Studium sammelte er zunächst Preise und Auszeichnungen in Holland und anderswo, tourte durch ganz Europa.

Als Komponist arbeitet Morris Kliphuis in ganz unterschiedlichen Settings, schrieb Stücke für Solo Fagott bis hin zu großen Orchesterwerken, für das Ragazze String Quartet, schrieb für Musiktheater Stücke, die sowohl Improvisationen wie ausnotierte Passagen enthalten, produziert Musikvideos mit den in Holland überaus erfolgreichen Popkünstlern Lucky Fonz III und Nora Fischer. Natürlich schreibt er Stücke für die Formationen, mit denen er auch regelmäßig auftritt, etwa das Jazzensemble Windkracht 7, die Neoklassik/Pop-Formation stargaze und das New Rotterdam Jazz Orchestra. Außerdem spielte er Konzerte mit so namhaften Kollegen wie Matthew Herbert, Nils Frahm, Julia Holter und Bill Frisell.

Porträt des niederländischen Jazznu-Magazins von Morris Kliphuis


Lucía Martínez

… ist eine Tochter Europas. Sie gehört zu den vielen jungen Musikerinnen und Musikern, die in den vergangenen Jahren in der deutschen Hauptstadt ihr künstlerisches Zuhause gefunden haben. Als vielseitige Multi-Instrumentalistin und Komponistin ist sie Teil einer neuen Generation von Jazzmusikern, deren Einflüsse unüberhörbar aus dem Süden des Kontinents kommen. Martinez’ Stil ist von der Volksmusik ihrer Heimat Galizien, dem Flamenco und der Musik des Mittelmeeres beeinflusst, der nun in der Metropole Berlin auf die Avantgarde-Musik aus allen Himmelsrichtungen trifft.

Die bisherige musikalische Vita der Schlagzeugerin, Vibraphonistin und Perkussionistin ist bunt, vielfältig und beeindruckend. Geboren in Vigo, im stürmischen Nordosten Spaniens, begann sie bereits mit 9 Jahren mit dem Unterricht in traditioneller Perkussion und der galicischen Drehleier. Über die Folklore kam sie zunächst zur klassischen Musik, machte ein Abschluss-Diplom in klassischer Orchester-Perkussion und absolvierte die Solistenprüfung an der Guildhall School of Music and Drama in London. Nach einer Zeit bei der Real Filarmonía de Galicia begann sie sich mehr dem Jazz zuzuwenden, wechselte ins nahe Portugal, wo sie 2006 ihr Bachelorstudium in Jazz-Schlagzeug an der Escola Superior de Música e Artes do Espectáculo in Porto abschloss. Im gleichen Jahr studierte Lucía Martínez Vibraphon und Jazz-Schlagzeug mit dem Erasmus-Programm am Polytechnischen Institut von Helsinki Stadia. Von dort ging es direkt weiter an die Universität der Künste nach Berlin, wo Martínez 2009 am Jazz-Institut ihren „Master of Music“ mit Auszeichnung abschloss.

Seitdem lebt sie an der Spree, komponiert sehr viel Filmmusik, schreibt für Bigbands und tritt regelmäßig mit namhaften Kollegen wie Alexander von Schlippenbach, Sebastian Schunke, Kalle Kalima oder Carlos Bica auf. Mit dem auch in Darmstadt bestens bekannten Pianisten Agustí Fernandez bildet sie seit einigen Jahren ein kongeniales Duo und veröffentlichte zuletzt die gemeinsame CD “Desalambrado”. Sie hat die Bühne mit vielen Musikern aus den Bereichen Jazz, Folk, traditionelle Musik, klassische Musik geteilt, u.a. mit Maria João, Perico Sambeat, Jason Lindner, Allan Ferber, dem Orquestra de Jazz de Matosinhos – Portugal, Laszlo Süle, Uxía Senlle, Mercedes Peon, Rodrigo Romaní und Xabier Díaz. In ihrer alten Heimat Vigo ist die 35jährige zudem künstlerische Leiterin des Festivals IMAXINASONS.

„Martínez Kompositionen sind anmutige Klanglandschaften. Sie profitieren von der Freiheit des Jazz, und in ihnen klingen Echos galicischer Folklore, Flamenco oder Tango nach. (…) spielerisch und fantasiebegabt erweitert sie mit Hilfe von allerlei Gegenständen und Soundideen das übliche Vokabular des Jazz-Schlagzeugs. Dabei ergeben sich Geschichten und Szenerien, die filmreife Namen tragen wie “Taglilien”, “Frühstück mit Mango” oder “Still, das Licht von Campo Oeste kündigt den Sturm an”.
Katrin Wilke (Deutsche Welle)

Über ihre Vorstellungen zum diesjährigen Kurs schreibt sie folgendes:

“Wir werden viel experimentieren, mit Stücken, mit Texturen, mit Geräuschen und am wichtigsten, mit viel Fantasie und viel Energie. Mir ist es wichtig, dass wir die Musik nicht nur lesen, sondern auch zusammen komponieren, spontan reagieren, miteinander sprechen und vor allem, zusammen Musik machen. Spielerisch üben. Bilder als Inspiration. Zeichnen als Signal… Ob Jazz oder freie Improvisation, werden wir dann sehen!”

Atelierbesuch bei dem Bildhauer und Maler Paco Leiro (Dokumentarfilm von Mario Burbano, Musik von Lucía Martínez)


Uli Partheil

… leitet in diesem Jahr einen eigenen Workshop nur für Jugendliche zwischen 12 und 22 Jahren (weitere Informationen zum Jugendensemble).

Partheil ist einer der aktivsten Protagonisten der Darmstädter Szene, beeinflusst von der Musik Duke Ellingtons, Thelonious Monks, kubanischen Rhythmen und dem Blues. Er ist nicht nur ein versierter Pianist in sämtlichen Stilistiken des Jazz, sondern auch als Komponist tätig. In seinen Kompositionen geht er äußerst kreativ mit den verschiedenen Einflüssen um, die ihn als Musiker prägen.

Uli Partheil studierte an der Mannheimer Musikhochschule unter anderem bei Professor Jörg Reiter Jazzpiano, Komposition und Arrangement. Seit Beginn der 1990er Jahre arbeitet er mit Jürgen Wuchner, Matthias Schubert, Janusz Stefanski, Ack van Rooyen, Rudi Mahall, Daniel Guggenheim, Wolfgang Puschnigg, Thomas Siffling, dem Wiener Kronenbräu Orchester, dem Palatina Swing Orchestra und vielen anderen zusammen.

Mit seinem Working Trio “Playtime” ist er in den letzten Jahren mit verschiedenen Literatur- & Jazz-Projekten erfolgreich. Partheil unterrichtet an der Jazz & Pop School Darmstadt. Für seine musikalischen Verdienste und sein Wirken für die Förderung des jazzmusikalischen Nachwuchses erhielt er 2008 den Darmstädter Musikpreis.

Über seine Vorstellungen zum diesjährigen Workshop schreibt er folgendes:

“Es werden Stücke aus den unterschiedlichsten Stilistiken des Jazz und vom Jazz beeinflusster Musik erarbeitet. Die Improvisation und das spontane Reagieren werden dabei immer eine wichtige Rolle spielen. Wichtig auch: Es muss nicht jede/r Teilnehmer/in improvisieren! Die Arrangements sind zum Teil vorbereitet und werden dann auf die Gruppe “zugeschneidert”. Für jeden wird eine passende Rolle gefunden. Wer lieber nur nach Noten spielt, kann das auch tun.

Und: Wir werden richtig arbeiten! 2,5 Stunden jeden Tag volle Konzentration auf die Musik und dabei alles geben! Das Wichtigste bleibt aber immer: Der Spaß am Musikmachen! Sich mit offenen Ohren dem Abenteuer aus Rhythmus, Groove, Spannung und Auflösung voll hinzugeben!

Interviewportät von Uli Partheil von Rainer Lind


Johannes Schmitz

… ist genau das, was Amerikaner gerne als “versatile” bezeichnen, ein vielschichtiger Künstler, dem brachialen Sound ebenso zugeneigt wie den zarten Klängen seiner Gitarre. Die Arbeit mit Effekten, Loops und Verzerrern erweitern dieses Spektrum noch um ein Vielfaches. Nicht nur im Saarland ist Schmitz, Jahrgang 1987, in sehr unterschiedlichen Ensembles aktiv – von solo bis Bigband und von Punkrock bis Mainstream Jazz. Seine Tonträger veröffentlichte er bei so verschiedenen Plattenfirmen wie dem renommierten Kölner Label JazzHausMusik oder dem inzwischen eingestellten Saarländischen Free Jazz-Label gligg records.

Insbesondere mit der Formation Krassport erhielt Johannes Schmitz große internationale Anerkennung. Ihre CD “under-stand-art” wurde für den Vierteljahrespreis der deutschen Schallplattenkritik nominiert. Das Trio um den Pianisten Manuel Krass und Schmitz an der Gitarre gewann verschiedene Preise (Grand Prix und Publikumspreis auf dem Tremplin Jazz Festival Avignon, 3. Platz beim Biberacher Jazzpreis, Förderpreis des Internationalen Jazzfestivals St. Ingbert). 2013 wurde Johannes Schmitz zudem beim HFM-Jazzpreis der Hochschule für Musik Saarbrücken als bester Solist ausgezeichnet.

Neben der Band Uhl (u.a. mit Martial Frenzel, Lukas Reidenbach und gelegentlich Wollie Kaiser) wirkt Johannes u.a. in den Ensembles Botanic Mob (mit Jörg Fischer, Daniel Schmitz) und zahlreichen Projekten des Posaunisten Christof Thewes mit.

“Among the countless piano trios in this world, there are only few bands, who really let on about enjoying experiments with this seemingly antediluvian formation. The musicians of ‘Krassport’ obviously enjoy experimenting a lot, and that’s of course due to their musical course of action also.” (New York Cadence Magazine)

Über seine Vorstellungen zum diesjährigen Workshop schreibt er folgendes:

“Mein Schwerpunkt beim diesjährigen Workshop liegt bei Kompositionen des Jazzmusikers Ornette Coleman (1930-2015). Die originellen und Ohrwurmtauglichen Stücke Colemans wurden von seinen Ensembles stets mit einem hohen Maß an improvisatorischer Freiheit interpretiert. In meinem Workshop soll neben der Einstudierung der Themenmelodien und dem Zuschnitt der Stücke auf unsere Ensemblezusammensetzung auch eine spielerische Auseinandersetzung mit Improvisation im Verhältnis zwischen rhythmischen, zeitlichen, melodischen bzw. harmonischen  Vorgaben und totaler Freiheit erfolgen.” 

Promo-Video of Johannes Schmitz & Uhl on Youtube


Matthias Schubert

… ist ein Intensitätswunder und eigentlich genauso Tänzer wie Musiker. Die Körperlichkeit seiner Spiels ist fesselnd und befreiend zugleich. Der Saxophonist reist mit seinem raumgreifenden Spiel durch eine Welt bizarrer Stilzitate und surrealistischer Erinnerungen, angereichert mit souveräner Technik und hingebungsvoller Sinnlichkeit des Tons.

“Jedem Ton, den er spielt, gibt er so viel eigenen Schwung mit, dass er sich wuchtig und zielgerichtet wie eine Kugel auf der Kegelbahn bewegt”, schrieb ein Kritiker. Denn Schubert spielt fast niemals die rasend schnellen Tonfolgen, mit denen sein Instrument seit der Bebop-Ära identifiziert wird, aber das, was er spielt, ist voller Eindeutigkeit, Nachdruck und Konsequenz. Selten beendet er eine Phrase so, wie er sie angefangen hat, aber alle Töne treffen, und seiner Phrasierung kann sich keiner entziehen.

1960 in Kassel geboren, studierte Schubert zunächst bei Herb Geller und Walter Norris in Hamburg und zuvor kurz bei Andy Scherrer an der Jazzschool in Bern. Er spielte in Klaus Königs Bigband Pinguin Liquid, mit Gunter Hampel, Albert Mangelsdorff und Barry Altschul. Erst 1992 gründete er das erfolgreiche Matthias Schubert Quartett zunächst mit Pianist Simon Nabatov, Schlagzeuger Tom Rainey und Bassist Lindsey Homer, später dann mit Rainey, Carl Ludwig Hübsch, Tuba und Claudio Puntin an der Klarinette.

Dass Schubert sich lange Zeit in der Free-Sparte tummelte, lässt sich nicht überhören. Die Verbindung fest umrissener Formteile mit Free-Einschüben gelingt ihm dabei erstaunlich gut. Komplexe Strukturen und das Solieren “aus dem Bauch heraus” wirken bei Schubert nicht widersprüchlich.

Über seine Vorstellungen zum diesjährigen Workshop schreibt er folgendes:

“Ich beschäftige mich musikalisch mit dem Spannungsfeld zwischen freier Improvisation, gestischer Darstellung, Komposition und natürlich auch Jazzmusik.

Bei den Jazz Conceptions würde ich anhand von Stücken oder Vorgaben Improvisationskonzepte zum freien Improvisieren, Konzepte zum Improvisieren über harmonische und metrische Vorgaben und Konzepte über Spielweisen im Bereich von musikalisch/theatralisch Darstellung, mit den Teilnehmern erarbeiten.”

Auftritt Matthias Schubert mit Hamid Drake beim 19. Kanjiža Jazz Festival 2013


Henning Sieverts

… ist gleichermaßen unscheinbar wie omnipräsent in der deutschen Jazzszene. Musikalisch von allen Kolleginnen und Kollegen über die Maßen geschätzt, ja verehrt aufgrund seines einfühlsamen Spiels, aber selbst den eingefleischtesten Jazzfans als Name viel zu wenig vertraut (es sei denn als Radiohörer in Bayern, wo Sieverts auch Redakteur von Jazzsendungen im Bayrischen Rundfunk ist). Sieverts leitet bei den 27. Darmstädter Jazz Conceptions das Großensemble.

Der Kontrabassist und Cellist, geboren in Berlin, besuchte dort zwar das Konservatorium, wo er klassisches Klavier und Cello lernte, als Kontrabassist, zumal als Jazzmusiker, gehört er zu der eher seltenen Spezies der Autodidakten auf der deutschen Jazzszene. Sieverts lernte nämlich etwas “Anständiges” und studierte in München Journalistik.

Der für seine Kompositionen und sein Spiel vielfach Ausgezeichnete (Musikförderpreis der Landeshauptstadt München, Förderpreis des Landes Bayern, Solistenpreis Neuer Deutscher Jazzpreis Mannheim, ECHO Jazz “Bassist national”) ist inzwischen auf über 120 Produktionen zu hören. Sieverts  veröffentlichte außerdem seit 1995 16 CDs unter eigenem Namen, bereiste mit seiner Musik Länder, deren Namen nur den wenigsten Mitteleuropäern geläufig sein dürften, und unterrichtet nebenher seit 2011 Kontrabass an der Musikhochschule München. Nicht nur für seine Musik gilt also: Sieverts ist ein Großmeister in der Kunst, Komplexes in jedem Moment leicht und berührend rüberzubringen.

In Darmstadt hat er zuletzt 2015 Spuren als Kurator der Round Midnight-Reihe in der Ev. Stadtkirche hinterlassen, wo er auch selbst mit Musikern wie Verneri Pohjola, Francois Thuillier, Peter O’Mara, Johannes Bauer, Ronny Graupe und Florian Weber auftrat. Allein dieses Line-up macht deutlich, was die Zeitschrift Jazzthetik über ihn schrieb: “Eines haben Sieverts’ Projekte, so unterschiedlich sie auch sein mögen, gemeinsam: Auf dem Papier erscheinen sie stets intellektuell und leicht verkopft, auf der heimischen Stereoanlage und den Konzertbühnen erweisen sie sich als Herausforderungen, die großen Spaß machen.” (Jazzthetik)

Über seine Vorstellungen zum diesjährigen Workshop schreibt er folgendes:

“Wir werden spielerisch und sicher mit viel Spaß ganz unterschiedliche Formate der Improvisation ausprobieren – einige Stichworte dazu: Kollektiv-Individuum, Hell-Dunkel, Laut-Leise, Scharf-Unscharf, Stille-Post, Koffer-Packen, Orgelpfeifen-Hierarchien, Minimal Music, modale Flächen, Pentatonik, Symmetrie, undundund. Lasst Euch überraschen! Einzige Vorbedingung: Neugier auf Euch selbst und die Anderen!”

Henning Sieverts’ Bach’s Blüten. Aufführung mit dem EOS Kammerorchester im Stadtgarten Köln


Jürgen Wuchner

Juergen_Wuchner_Wilfried_Heckmann01… ist der eigentliche Initiator der Jazz Conceptions. Wuchner spielte u.a. mit Hans Koller, Heinz Sauer und dem Vienna Art Orchestra und tritt im Rhein-Main-Gebiet vor allem mit seinen eigenen Bands in Erscheinung, mit denen er sich immer wieder neuen Projekten widmet. Er besitzt einen erdigen, ungemein warmen und persönlichen Basston, viele seiner Kompositionen kann zumindest die Darmstädter Jazzgemeinde mitpfeifen.

In Darmstadt ist er außerdem als langjähriger Leiter eines regelmäßigen kleineren Jazz-Workshops bekannt. Für seine Arbeit als Musiker und Pädagoge wurde Wuchner 1996 mit dem Hessischen Jazzpreis ausgezeichnet. Wuchner unterrichtete bis 2013 an der Darmstädter Akademie für Tonkunst und leitet zusammen mit Uli Partheil die Jazz & Pop School. 2012 erhielt Wuchner den Darmstädter Musikpreis.

Interviewporträt von Jürgen Wuchner von Rainer Lind

Darmstädter Jazzkalender

Alle zwei Monate erstellen wir eine Übersicht über alle Jazzveranstaltungen in Darmstadt. Der “Darmstädter Jazzkalender” liegt an über 100 öffentlichen Orten im Darmstädter Stadtgebiet und im Rhein-Main-Gebiet kostenlos aus. Die aktuelle Ausgabe kann hier als pdf-Datei heruntergeladen werden.

Die wichtigsten Spielorte für Live-Jazz in Darmstadt sind die Centralstation, das Kulturzentrum Bessunger Knabenschule, der Jazzclub im Achteckigen Haus und der Gewölbekeller unter dem Jazzinstitut. Daneben gibt es einige Veranstalter, die regelmäßig Jazzkonzerte anbieten wie die Ev. Stadtkirche, das vinocentral am Hauptbahnhof, das HoffArt Theater oder der Jagdhofkeller.

Jazz im Institut

Konzertkeller_JIDAktuell: Aufgrund der öffentlichen Maßnahmen zum Gesundheitsschutz vor dem Corona-Virus sind alle Veranstaltungen im Gewölbekeller unter dem Jazzinstitut bis zum 31. Mai 2020 abgesagt. Wir bemühen uns, soweit möglich, die ausfallenden Konzerte zu einem späteren Zeitpunkt neu anzusetzen. Wir bitten um Verständnis und wünschen allen beste Gesundheit!

Im akustisch exzellenten Gewölbekeller unter dem Jazzinstitut finden regelmäßig Konzerte statt. Freitags treten hier bekannte und noch weniger bekannte Musikerinnen und Musiker auf. Die Konzertreihe “JazzTalk” lädt regelmäßig, meist deutschsprachige Künstlerinnen und Künstler zum Gesprächskonzert. Daneben veranstaltet hier der Verein zur Förderung des zeitgenössischen Jazz  in Darmstadt e.V. eigene Konzerte sowie jeweils am letzten Freitag des Monats die Bessunger Jam Session. Das Programm des Vereins wurde übrigens 2016, 2018 und 2019 mit dem Spielstättenprogrammpreis »APPLAUS – Auszeichnung der Programmplanung unabhängiger Spielstätten« der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien prämiert.

Jazzerinnen und Jazzer aus der Region nutzen den Konzertraum aber auch für Veranstaltungen in eigener Regie etwa für CD-Releases oder Präsentationen neuer Programme. In der Galerie im Dachgeschoss des Jazzinstituts sowie im Treppenhaus und im Gewölbekeller präsentieren wir wechselnde Ausstellungen Bildender Künstler und Fotografen mit Jazzbezug.

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