Im zweiten Jahr leitet die Jazzflötistin Stephanie Wagner die Band „Outline 25“ in komplett neuer Besetzung – wie in jedem Jahr mit Mitgliedern des Fördervereins: Stephanie Wagner | Querflöte, Leitung, Deniz Alatas | Gitarre, Christoph Schöpsdau | Klavier, Udo Brenner | Kontrabass, Max Sonnabend | Schlagzeug
Outline, was so viel wie Skizze oder Übersicht bedeutet, zeigt wie bunt und vielfältig die Szene in Darmstadt ist. Die Bandmitglieder präsentieren ihre Eigenkompositionen sowie Lieblingsstücke und Bekanntes in eigenem Arrangement.
Nach der Sommerpause geht es wieder los mit der Bessunger Jam Session. Wie gewohnt laden der Förderverein Jazz e.V. und das Jazzinstitut Musikerinnen und Musiker am letzten Freitag des Monats zum zwanglosen musizieren vor Publikum bei freiem Eintritt. Markus Krämer – Gitarre, Peter Paasche – Drums und Chris Ries – Bass fungieren als Rhythm Section. Nach einem kurzen Eröffnungsset des Trios können alle anwesenden Musikerinnen und Musiker in einer spontan inszenierten Session auf offener Bühne einsteigen.
Die Kölner Saxophonistin und Bandleaderin Luise Volkmann, Trägerin des Darmstädter Kathrin-Preises 2021, hat viele Herzensprojekte – eines der beständigsten ist ihre Großformation Été Large, deren Ausgangsidee (der Name legt es nahe) noch auf ihre Studienzeit in Paris zurückgeht. Entwickelt um das Grundgerüst mit Bassistin Athina Kontou, der Flötistin Conni Trieder und Luise Volkmann am Altsaxophon explodiert dieses 13köpfige Ensemble quasi bei jedem Liveauftritt mit „ungezügelter Kraft und Leidenschaft, spielerischer Hingabe, grenzenloser Fantasie, unerschütterlicher Zusammengehörigkeit und absoluter Furchtlosigkeit“.
In ihrem aktuellen Programm, the stories we tell (das neue Album erscheint übrigens Anfang Oktober diesen Jahres), beschäftigt sich Luise Volkmann mit “new folk songs” und erkundet darin die vielen Dimensionen von Geschichten, die den Musikstücken zugrunde liegen. Sie legt jene Schichten frei, die Hörende wirklich berühren, vielleicht sogar verändern, um dann an folgende Generationen weitergegeben zu werden. Es geht also um die große Frage, welche Spuren wir alle auf dieser Welt hinterlassen und um die Zwischenräume, die nur die Hörerinnen und Hörer mit ihrer Imagination ausfüllen können.
Été Large ist mit vielen hochkarätigen Instrumentalist*innen aus der ganzen Republik besetzt. Vor der großen Band steht ein vokales Doppel mit Casey Moir und Laurin Oppermann, das sämtliche Anstandsregeln des typischen Big-Band-Gesangs abgeworfen hat. Mit dreckigem, zuweilen aber auch unerwartet zartem Idiom gibt das Paar die Richtung vor, in die es den Rest der Band zieht. Das Resultat ist eine eigenwilliger, krasser Sound, der eine suggestive Dynamik entfaltet. Eine Musik, die auch nicht innehält, wenn sie verklungen ist, denn Luise Volkmanns hymnische Weisen bleiben haften und reichern sich bei jedem neuen Hören um eine weitere Erfahrung an.
„In Zeiten, in denen Polarisierung immer stärker spürbar wird, möchte ich meiner Musik die Kraft geben, mit ihren Geschichten Ambivalenzen nebeneinander zu stellen“, sagt Luise Volkmann. „Ich kann gleichzeitig über verschiedene Dinge wütend oder traurig sein und trotzdem auch Verständnis für andere Empfindungen oder Haltungen aufbringen. Die Komplexität des Denkens und Handelns fühlbar zu machen und damit die Grundlage für einen offenen Dialog zu schaffen, ist mir wichtig.“ Und das gelingt ihr mit Été Large definitiv!
Hermes Villena ist in Köln lebender DJ und Kurator mit lateinamerikanischen Wurzeln. Im Rahmen von „Universal Consciousness“ wird er gemeinsam mit der indischen Literaturwissenschaftlerin Tanya Gautam die Idee einer Soundcollage aus Platten, spoken word und Field Recordings verfolgen, die sich mit dem Thema Musik und Spiritualität auseinandersetzt. Die spätabendliche Club Session soll bewusst ein vielfältiges Klangspektrum erschaffen, das sich aus Aufnahmen aus Ambient, New Age, Blues, Gospel, Klassik, Folklore und Musik des Glaubens ebenso speist wie aus den Klassikern des Spiritual Jazz, schließlich beeinflusst ihre spirituelle Ästhetik viele aktuelle Künstler*innen.
Begleitet wird die Session von kurzen Essays in Form eines Briefwechsels zwischen Hermes Villena und Tanya Gautam (8–10 Texte), in denen sie sich über die ausgewählten Alben austauschen und allgemein Spiritualität in der Musik reflektieren – einschließlich der politischen Dimensionen des Glaubens. Dabei beleuchten sie auch ihre Perspektiven als Menschen mit Migrationshintergrund und fragen, wie in Deutschland der Themenkomplex Glaube und Musik nicht nur wahrgenommen, sondern auch gelebt wird.
Was verbindet Jazz und das Leben? Diesen feinen Linien spürt das programmkinorex Darmstadt im Rahmen des 19. Darmstädter Jazzforums in einer eigens kuratierten Filmreihe nach. Patrick Holzapfel – Autor, Kritiker und Kurator – hat vier Filme ausgewählt, die Jazz nicht nur porträtieren, sondern auch als Lebensform, als Haltung zur Welt sichtbar machen.
Zum Abschluss des diesjährigen Jazzforums werden zwei zwei außergewöhnliche Künstlerporträts über Ornette Coleman und Sun Ra gezeigt, die die musikalische wie philosophische Radikalität dieser Jazzlegenden auch filmisch erfahrbar machen. Denn in Ornette: Made in America von der US-Filemacherin Shirley Clarke (USA, 1985) und Robert Mugges Film Sun Ra: A Joyful Noise (USA, 1980) werden zwei berühmte Musiker porträtiert, gleichzeitig aber geht es um deren Übersetzung von Musik in eine Lebensphilosophie. Dabei suchen die jeweiligen Filme nach formalen und stilistischen Entsprechungen zur Musik, die offenbaren, was es bedeutet, sein Leben der Musik zu widmen.
In einem Gespräch zwischen den beiden Filmen versuchen Arndt Weidler vom Jazzinstitut Darmstadt und der Mainzer Filmemacher und Regisseur Teoman Yüzer zu ergründen, wie die experimentellen Musikansätze der Protagonisten mit der experimentellen Bildsprache der Filmemacher korrelieren und welche weiteren Parallelen es zwischen beiden Kunstformen möglicherweise gibt. 
Was verbindet Jazz und das Leben? Diesen feinen Linien spürt das programmkinorex Darmstadt im Rahmen des 19. Darmstädter Jazzforums in einer eigens kuratierten Filmreihe nach. Patrick Holzapfel – Autor, Kritiker und Kurator – hat vier Filme ausgewählt, die Jazz nicht nur porträtieren, sondern auch als Lebensform, als Haltung zur Welt sichtbar machen.
Den Auftakt machen zwei Filme, die Fragen nach Alltag, Zugehörigkeit und gesellschaftlichem Ort des Jazz stellen – mit sehr unterschiedlichen Blickwinkeln: einmal im Großbritannien der 1950er Jahre, einmal im Schweden der 1970er. Dazwischen führt Holzapfel ein Gespräch mit der Musikerin Kathrin Pechlof über Bezüge zum Heute und die filmische Umsetzung des Themas im Gestern.
Mit Momma Don’t Allow (GB, 1956) von Karel Reisz und Tony Richardson und Sven Klangs kvintett (SWE, 1976) des Regisseurs Stellan Olssen lässt der Kurator zwei Filme in einen Dialog treten, in denen Jazz für gesellschaftliche Umwälzungen sorgt. Dabei wird die Musik Ventil eines individuellen und spirituellen Ausdrucks, der für manche bedrohlich, für andere befreiend wirkt.
35 1/5 Umdrehungen – Die Geschichte des Jazzinstituts Darmstadt
Von der großen Ausstellung „That`s Jazz – Der Sound des 20. Jahrhunderts“, über die Entstehung des Jazzinstituts im Jahr 1990 und 35 Jahre in die Zukunft.
Die Ausstellung 35 1/5 Umdrehungen soll das Jazzinstitut Darmstadt und dessen Geschichte beleuchten. Besonderen Anlass dazu bietet das 35-jährige Jubiläum des Instituts, sowie der erste Wechsel der Direktion nach 34 Jahren, vom Gründungsdirektor Dr. Wolfram Knauer zur aktuellen Leiterin, Dr.in Bettina Bohle.
Ein roter Faden soll das Haus durchlaufen, an dem besondere Punkte in der Historie anhand von Fotografien, Zeitungsartikeln, Plakaten und O-Tönen aufgezeigt werden. Eine besondere Herausforderung ist es, die umfangreiche Sammlung an ein breites Publikum heranzuführen. Die verschiedenen Archivalien müssen in diesem Fall „zu Wort kommen“ können. Hierzu werden Künstler*innen aus verschiedenen Bereichen dazu angehalten, den unzähligen Tonträgern, Fotografien, Büchern und Zeitschriften in ihren jeweiligen Räumen eine kollektive Stimme zu geben – Jazzgeschichte ganz nah.
Über diesen vielschichtigen Vermittlungsansatz sollen Besucher*innen der Ausstellung einen tieferen Einblick ins Jazzinstitut Darmstadt bekommen, die über die Jazzforschung von Darmstadt bis Australien wirkt und auch sammelt. Eingebettet wird die Eröffnung der Schau in das 19. Darmstädter Jazzforum 2025, das sowohl von Fachpublikum aus der ganzen Welt, als auch von den regionalen Jazzinteressierten und der Darmstädter Stadtbevölkerung besucht und wahrgenommen wird.
Die Ausstellung eröffnet zugleich das 19. Darmstädter Jazzforum „Universal Consciousness“ vom 24. bis 28. September 2025. Die Ausstellung ist bis Ende Dezember im Jazzinstitut Darmstadt geöffnet.
Auf der Suche nach Resonanz: Musikpädagogik, Performance und Alltagspraxis
Improvisation als Moment der Gegenwart, als Zugang zu kollektiven Erfahrungen und als künstlerischer wie pädagogischer Möglichkeitsraum steht im Mittelpunkt dieses Tages. Neben Beiträgen zu Mental Health, Musikpädagogik und ästhetischer Forschung stellen Musiker*innen und Performer*innen ihre Perspektiven auf Spiritualität im kreativen Prozess vor. Was passiert im „Jetzt“ des Spiels – und wie lässt sich diese Erfahrung vermitteln? Der Abend gehört dem Yarns Ensemble und ihrer Musik zwischen musikalischer Spurensuche und klanglicher Gemeinschaft.
In seinem Vortrag beschäftigt sich der Schulmusiker und Musikpädagoge Jonas Brinckmann damit wie man die „Perspektiven von Instrumentallehrenden auf das ‚Jetzt‘ des Improvisierens lenken“ kann. Die Psychologin Maria Spychiger war bis 2025 Professorin für empirische Musikpädagogik an der HfMDK in Frankfurt und eröffnet in ihrem Vortrag den Forscherblick auf das den Gegenstand Spiritualität. Aus der Musikersicht versucht der Pianist Michael Wollny anschließend in seinem Beitrag die Bedeutung der Spiritualität in seinem Schaffen zu beleuchten.
Am Nachmittag stellen die Journalisten Jan Kobrzinowski und Hans Hansen die Konzeption ihrer Podcast-Serie zu Mental Health von Musiker*innen vor. Eine lecture performance des Schlagzeug/Saxophon Duos Die Unwucht, leitet dann über in das letzte Panel, in dem sich der Musiker Philipp Gropper, die Performance Künstlerin und Musikerin Zola Mennenöh und der Religionswissenschaftler Mark Porter von der Uni Erfurt über persönliche Zugänge, spirituelle oder religiöse Bezüge in ihrem Schaffen – und die damit verbundenen Chancen und Herausforderungen unterhalten. Moderiert wird das Panel von der Berliner Journalistin und Bloggerin Aida Baghernejad.

Körper, Konflikte, Kuratieren: Zwischen Hingabe und Haltung
Am zweiten Konferenztag geht es um die gelebte Praxis: Wie manifestiert sich Spiritualität im künstlerischen Alltag? Wie wirkt Musik in gesellschaftlich angespannten Kontexten? Musiker*innen, Kurator*innen und kulturpolitische Akteur*innen bringen vielfältige Perspektiven auf kreative Handlungsspielräume ein. Im Zentrum stehen dabei sowohl individuelle Positionen als auch kollektive Formate, zwischen Widerstand, Ritual und Selbstsorge. Der Konzertabend mit Michael Wollny und Émile Parisien in der Centralstation sowie eine nächtliche Listening Session mit Hermes Villena und Tanya Gautam runden den Tag atmosphärisch ab.
Beginnen wird der Freitag mit einem Vortrag zur besonderen Spiritualität und Transzendenz in madagassischen Jazzfusionen, gehalten von dem Mainzer Afrikanisten und Musikethnologen Martin Büdel. Anschließend spricht die afro-peruanische Musikerin Laura Robles zum Thema „Antigroove – Diskriminierung und kulturelle Aneignung im Rhythmus“.
Den Auftakt am Nachmittag macht ein Gespräch zu Kreativität unter angespannten Bedingungen mit der Berliner Geigerin Maria Reich, das in Kooperation mit der Deutschen Jazzunion kuratiert wurde. Es folgt eine lecture performance von Basak Yavuz und Serdar Yilmaz zu ihrem künstlerisch-wissenschaftlichen Projekt „Triptych of the Absentees“. Beim Panel ab 16:30 Uhr, das von der Berliner Journalistin und Bloggerin Aida Baghernejad moderiert wird, diskutieren die Kurator*innen Sophie Emilie Beha, Klaus Gasteiger, Jacobien Vlasman zu Perspektiven beim Umgang mit dem Begriff der Spiritualität bei der Entwicklung von Veranstaltungskonzepten.
Spiritualität, Wirkung und Theorie: Perspektiven öffnen
Tag 1 der Konferenz im HoffArt-Theater Darmstadt. Der erste Tag stellt theoretische und musikwissenschaftliche Perspektiven ins Zentrum: Wie lässt sich das Verhältnis von Musik und Spiritualität überhaupt denken und erforschen? Die Beiträge und das anschließende Panel untersuchen Jazz und Improvisierte Musik als Ausdrucksträger für metaphysische, religiöse oder gesellschaftspolitische Anliegen. In der Abendveranstaltung im Programmkino rex erweitern wir den Blick über das Konzert hinaus – mit zwei Filmen und einem Gespräch zur Erfahrungswelt von Künstler*innen.
Auftakt macht eine keynote lecture zum Thema Spiritualität und dem sehr in Mode gekommenen Begriff der „Achtsamkeit“ der Kulturanthropologin und Musikwissenschaftlerin Laura Schwinger, die unter anderem Mitherausgeberin von testcard , einer Anthologie zur Geschichte und Gegenwart der Popkultur ist. Uwe Steinmetz, Saxophonist und Musikwissenschaftler untersucht seit Jahren die Rolle und Funktion der Spiritualität im Jazz und wird den Blick auf dessen Bedeutung auch in der historischen Perspektive weiten.
Bei dem von der Berliner Journalistin und Bloggerin Aida Baghernejad moderierten Panel diskutieren der Musikethnologe Hauke Dorsch, Leiter des Archivs für die Musik Afrikas der Uni Mainz, die SWR-Musikjournalistin und Medienwissenschaftlerin Fanny Opitz und der Musikwissenschaftler André Doehring, Direktor des Instituts für Jazzforschung an der Kunstuni Graz über die unterschiedlichen Herangehensweisen ihrer Disziplinen zum Thema Spiritualität.
